• „Go out with a bang or on a quiet note“ – Patience der finalen Horizonte (2)

    (für Thomas P., with two hidden messages from my Ericksonian days of hypnotherapy – honestly, this may only be of interest for readers with a sense of humour, a weak spot for the surreal, and immaculate taste of music.)

    “Where have all the good times gone?“ (Ray Davies)

    “Life will bring you pain all by itself. Your responsibility is to create joy.“ (Milton Erickson)

    Schon verrückt, dass wir uns erst nach rund dreissig Jahren wiedergesehen haben und ich dir dazu erst den heiligen Gral von Roedelius vorbeibringen musste. Als Auftakt setze ich wieder mal die „Don Cherry“-Karte. „Repetition is a form of change“ (Oblique Strategies). Aber welches zeitlose Stück aus welchem Album für meine zweite „imaginary playlist for September“? (Es kommt natürlich, letztlich, anders.) Die Auswahl ist gross, hier die Alben mit wundervoll zarterwilder Wucht, neben den erst spät ausgegrabenen Livedokumenten „Modern Art / Stockholm 1977“ & „Organic Music Theatre / Chateauvallon 1972“…. Da haben wir also, rein assoziativ, die Magie von Codona 1, 2, 3, El Corazon, Brown Rice, Old And New Dreams, und „sowieso die erst kürzlich gespielte Relativity Suite.

    Sagen wir, es geht los mit „Lonely Woman“, aus dem ersten Old And New Dreams-Album (die Vinylwiederauflage aus der „Luminessence“-Serie ist fantastico). Es folgt ein ziemlich langes Medley, in dem ich kein Wort sage und die Musik für sich sprechen lasse, eine ausgefuchste Sequenz mit einzelnen Tracks aus „Bright Red“, „Laughing Stock“, den neuen Alben der Herren Lanois und Wagner, sowie, Schlag auf Schlag, „Echoes“ (think twice, bro, from the irresistible wilderness of Fire! Orchestra), „Lord Of The Rings“, „Colossal Youth“, „Close“, „Chiaroscuro“ (the album with Erik Honoré‘s „tape hiss magic“!) „Marquee Moon“, „Naked City“, „Time Fades Away“, Shleep“, „Chairs Missing“ und „Last Night The Moon Came Dropping Its Clothes in the street“.


    Und schon sind wir beim Showdown, dem letzten Stück, das natürlich, weil ich immer die gleiche Sendung mache, von Brian Eno sein wird. Die erste grosse Frage, die sich nun stellt, lautet, wie das alles in 54 Minuten und 38 Sekunden stattfinden soll? Die Antwort: stell dir vor, es gibt, tief in der darauffolgenden Nacht, eine zweite Stunde kurz vor der Morgendämmerung, wie in alten Zeiten…… oder aber eine Collage, einen akustischen Flickenteppich und einen Meister von „crossfading“ in der Tonregie, sowie mehrere Otöne beteiligter Musiker!

    Die zweite Frage ist eine herausfordernde: welches Eno-Stück bitteschön, am Ende einer langen Reise!? Go out with a bang, or on a quiet note!? Ich habe mich entschieden, für die Sache mit dem „bang“ statt dem stillen Horizont! Da das eine Überraschung sein soll, wird dieser „Knall“ (die Ur-Definition eines „Bangs“ in meiner Eno-Historie) natürlich nicht verraten. Nur soviel: B. würde es lieben, und Brian ist mit B. nicht gemeint!

    The dark side of this all: Look at the cover one more time, dear reader: a harsh, frozen moment viewed through a sickly, bilious green haze, giving the audience a feeling of tension rather than celebrating rock-star glory. „Time Fades Away“ was recorded during the massive arena support tour following his highly successful Harvest album. The tour was famously disastrous, plagued by exhaustion, illness, and part of the fanbase who missed Neil‘s romantic hippie dreams. He was ditching them all, so „Time Fades Away“ belongs to his „Ditch Trilogy“. Anyway it still belongs to my favourite live „rock“ albums of the 1970‘s! So fucking dark, but you can dance!

  • In Another World: The Four Seasons Of Talk Talk

    The book tells a story of a band and the people in it, but it
    is above all a biography of four records: The Colour Of Spring.
    Spirit Of Eden. Laughing Stock. Mark Hollis.

    It is a story of the disturbance of sound in space, the
    upending of expectations, the meeting of spontaneous
    accident and laborious design.

    A mad kind of science to it all.

    In the pursuit of what end? Enduring beauty. Enveloping
    mystery. Art that lasts and shape-shifts, that is never heard
    quite the same way twice.

    Something sacred.

    Some kind of virtue.


    Von den vier Jahreszeiten kenne ich den Frühling gar nicht so gut, weil ich eigentlich immer ihrem Sommer, Herbst und Winter lauschte. Aber jetzt, nach der ersten Jahreszeit, freue ich mich umso mehr, „The Colour Of Spring“ wieder mal aufzulegen. Weil Graeme Thomson sicher nicht nach dem ersten Kapitel alle guten Geister verlassen haben, kann ich schon jetzt, auf Seite 92 klar sagen, dass dieses Buch eine grosse Freude, und ein spanender Lesetrip sein wird, für die, die einige dieser Alben oder alle geliebt haben, aber auch für die, welche eine spannende Story lesen wollen über eine der ungewöhnlichsten Bandhistorien überhaupt, erzählt mit einer perfekten Balance aus Sachlichkeit, Empathie, und Flowfaktor 10. Die obigen Sätze finden sich auf der Rückseite des Buchcovers. Meine Story mit Talk Talk begann im Sommer 1989, als „Spirit Of Eden“ erschien. Da ahnte ich noch nicht, dass ich wenige Monate später in diversen deutschen Radiohäusern landen sollte. Meine vier meistgespielten Alben zwischen 1990 und 2026 waren mit hoher Wahrscheinlichkeit „Laughing Stock“ und „Mark Hollis“, neben „Music For Films“ und „Another Green World“! Sollte ich raten, würde „Possible Musics“ von Jon Hassell wohl auf Platz 5 gelandet sein, und Steve Tibbetts‘ „Big Map Idea“ auf Nummer 6. Man muss kein Meisterdetektiv sein, Ende September „the third season“ zu erwarten. Und die Stimme von Graeme Thomson. Ein Schotte aus Edinburgh.

  • Lost at sea

    „Punkt Editions präsentiert „Temporary Empire“, die unbearbeitete Live-Aufnahme vom Punkt Festival 2025, bei der Erik Honoré mit dem Trompeter Eivind Lønning und dem Perkussionisten Mark Wastell zusammenkam. Das im Teateret in Kristiansand aufgenommene Album dokumentiert eine einzige, durchgehende Konzertbegegnung: Stimmen, die Honorés Texte vortragen, Elektronik, Trompete, Gongs, Glocken, Trommeln und Feldaufnahmen entfalten sich als eine gemeinsame, zeitgebundene Struktur.
    Das Album wurde von Erik Honoré abgemischt und von Stephan Mathieu gemastert. Die CD-Ausgabe enthält die vollständigen Texte sowie Liner Notes und wurde von Nina Birkeland exquisit gestaltet.

    Temporary Empire ist ein Text-Musik-Werk, das in einem bestimmten historischen Moment und dessen langem Nachhall verwurzelt ist. Ausgangspunkt sind die Nachwirkungen des Sechstagekriegs von 1967 und die sogenannte Gelbe Flotte: fünfzehn Handelsschiffe, die mehr als acht Jahre lang im Suezkanal festsaßen. Abgeschnitten von Nationen, Flaggen und normalen Routen bildeten die Besatzungen eine seltsame, provisorische Gemeinschaft – eine Mikrogesellschaft, die nicht durch Macht oder Eroberung, sondern durch Routine, Fürsorge und Erfindungsreichtum aufrechterhalten wurde. Der Titel verweist auf dieses Paradoxon: ein „Imperium“, das nur durch Präsenz, Geduld und gegenseitige Unterstützung existierte und fast spurlos verschwand.“

    Soweit ein Teil des Pressetextes, der den Rahmen und Kontext des Albums auf den Punkt bringt. Ein grossartiges „spoken word and more“-Album, dessen klanglich herausragende Cd-Edition demnächst eine ausführliche Würdigung erfährt. For sure no everyday experience, but an unforgettable one! (m.e.)

  • Lieder vom Felsgrund

    Drei OTÖNE von Robert Wyatt: H E R E !

    (Heute morgen wiedergefunden. Sie stammen wohl aus meinen Londoner Gesprächen aus den Jahren 1997 und 2003, Thema waren die Alben „Dondestan“ und „Shleep“… oder doch „Cuckooland“? Robert spricht über seinen Anspruch an Musik, sein Changieren zwischen Jazz und Pop, sein Trompetenspiel und mehr… ich habe den Raumklang eines Cdplayers aufgenommen, vielleicht muss man etwas lauter stellen, aber es lohnt sich. Es beginnt nach 10 Sekunden Stille.)

    Lieder vom Felsgrund. Oder vom Meeresboden? Oder vom Abgrund? Oder vom Nullpunkt, was immer mitschwingt im Titel einer meiner wichtigsten Wegbegleiter seit späten Teenagerjahren, „Rock Bottom“ von Robert Wyatt. Erst jetzt stiess ich auf die zweite John Peel Session von Robert Wyatt. Er war nach seinem schicksalhaften Fenstersturz im Sommer 1973 sehr lange im Krankenhaus, und aus seinen letzten Wochen dort und seinen ersten im Rollstuhl stammt der grossartige Songzyklus. Wenn es diese kleine John Peel-Session auf einer Maxi-Single gäbe (es sind nur 18 Minuten) würde ich sie sofort erwerben. Aber ihn HIER auf youtube zu hören, ist auch sehr bewegend, und viel mehr als ein Kuriosum.

    Mr Neely ist ebenso angetan und schreibt in AD: „Das Set ist makellos produziert und präsentiert zwei Stücke aus Wyatts Meisterwerk „Rock Bottom“, das im Sommer 1974 erschien, darunter eine atemberaubende Interpretation von „Sea Song“, die die aquatische Atmosphäre des Mellotrons ebenso einfängt wie die klanglich perfekte Darbietung von Klavier und Gesang. Ebenfalls vertreten ist der vielleicht skurrilste von Wyatts poporientierten Klassikern, eine Coverversion von „I’m a Believer“ von The Monkees, die ebenfalls in jenem Jahr als Single erschienen war und bei „Top of the Pops“ gemeinsam mit Nick Mason von Pink Floyd aufgeführt wurde. Schließlich werden wir mit dem einzigartig komischen „Soup Song“ verwöhnt – einem Vorausblick auf den Titel, der im folgenden Jahr das Album „Ruth Is Stranger Than Richard“ eröffnen sollte. Sowohl auf Platte als auch in diesen wegweisenden Radiosessions ist „seltsam“ („strange“) das größte Kompliment, das hier im Spiel ist. 

    (das Wort für „skurril“ lautet im Original „whimsical“😉)

     Reprise: I travelled three times to London to interview Robert and Alfie on „Dondestan“, „Shleep“ and „Cuckooland“ in the times of their release. Unforgettable, when, on the hottest day of that summer of 2003 , we were lead to the empty Purcell Room, that excellent concert hall, and then moved though every track of „Cuckooland“.  At one point Robert told me how Brian Eno sang his part of the uncanny „Forest“ with opulent arm gestures of an opera singer. (And what a deeply moving song that is, from two of my favourite singers ever!) Many of his stories blurring the lines between the private and the political. And such a great humour, too. He‘s life‘s company, always has been! (m.e.)

    Julio Cortazar und Robert Wyatt sind sich leider nie begegnet, obwohl es früh in den 1970er Jahren möglich gewesen wäre in Paris. Was Politik und Jazz angeht, wören hier zwei verwandte Seelen aufeinander gestossen, und hätte man ihre leider nur imaginären Gespräche über eine Woche aufgezeichnet, wäre ein wunderbares Buch dabei herausgekommen.

  • It‘s a strange, strange world

    In den letzten Tagen wurden mir zwei Dinge bewusst: zwei Bands hatte ich in den Klanghorizonten durchweg sträflich vernachlässigt, von der einen hatte ich ein frühes Album vorgestellt, aber zu wenig Feuer gefangen, um ihren weiteren Weg zu verfolgen (Seefeel), von der anderen hatte ich nie wirklich was gehört, bis ich vor wenigen Jahren die Magie ihrer frühen Werke entdeckte (American Analog Set) und die Schatzkiste mit dem Titel „New Drifters“ sowie atemraubend coloriertem Vinyl meinen Plattenspieler ausgiebig in Beschlag nahm. Und heute hörte ich das neue Album von „Seefeel“ in zwei Durchgängen, und was war das denn bitteschön: Meister des fade-in, des fade-out, und des in-between, rätselhaft, pastoral, und ungeheuer subtil.

  • Eine Radiosendung aus den frühen 1990er Jahren

    “It is a point worth remembering as we listen to these records. We are being told a story. Nothing we are hearing really happened.“ (Graeme Thomson)

    Endlich ist das Buch von Graeme bei mir angekommen, „In Another World. The Four Seasons Of Talk Talk“. Darin geht es um die vier essentellen Alben „The Colour Of Spring“, „The Spirit Of Eden“, „Laughing Stock“, und „Mark Hollis“ aus den Jahren 1986 bis 1998. Alles Klassiker, alles Alben, die ich in den dreieinhalb Jahrzehnten meiner „Horizonte“ in den Nächten spielte, stückweise, immer wieder mal. Dass in meiner letzten Sendung im September Graemes Buch vorkommt, und ein Song aus „Laughing Stock“, darauf kann man ein Ei schlagen. Schon im ersten Kapitel über „The Colour Of Spring“ gewinnt der Schreibstil und der Gehalt des Buches meine volle Sympathie.

    Und obwohl der Autor Mark Hollis nie begegnet ist, kehrten meine Erinnerungen an unsere Interviews in London zu „Laughing Stock“, und in Hamburg zu „Mark Hollis“ zurück. Er gab überhaupt nur sehr wenige Interviews, und meine Erinnerungen sind so lebhaft wie wehmütig. Auch wenn die Aufnahmen verloren gingen, mündeten sehr viele O-Töne in die „Klanghorizonte“ der Jahre 1991 und 1998, in zwei lange Artikel in „Jazzthetik“, sowie in eine neunzigminütige Ausgabe des „Klanglaboratoriums“ (oder hiess es „Jazzlaboratorium“) beim NDR, als Michal Naura Redakteur war und mir zehn Jahre lange grünes Licht gab für alle möglichen Expeditionen durch die Randgebiete der improvisierten Musik.

    Besitzt jemand diese Sendung zufällig? Unwahrscheinlich. Die damalige Crew von Naura ist im Ruhestand, und jene frühen Tonbänder wurden meines Wissens nie digitalisiert. Ich gab den Titel meiner damaligen Sendung, eine diskrete Abwandlung von „50 ways to meet your lover“, bei Google ein, mit zusätzlichen Stichworten, und schaltete in den KI-Modus. Folgende Antwort erhielt ich: „Es gibt keinen bekannten Titel „50 Wege, das Zeitgefühl zu verlieren“. Der Begriff stammt wahrscheinlich aus einem Gespräch des Moderators Hubertus Meyer-Burckhardt, der in der NDR Talk Show über sein Buch „Diese ganze Scheiße mit der Zeit“ und den bewussten Umgang mit der eigenen Lebenszeit spricht.“

    Fast eine Kalendergeschichte!

  • Patience der finalen Horizonte

    Vorspiel: Es war  ist schon eine besondere Jugenderinnerung. Drei Wochen in den Sommerferien mit Eltern in einem erlesenen Hotel in Reit im Winkl, eine Reitstunde, nach der mir einen Tag der Hintern wehtat (bye, bye, Robert Fuller!), verliebt in eine evangelische Pfarrerstochter, die mich nur träumen liess, nicht mal ein Kuss auf die Wange, und ein Jahr später eine surreale Zugfahrt an ihrer Seite in den Schwarzwald um eine Horde wilder Kinder in einem Nonnenstift abzugeben. Was blieb mir an heissen Sommertagen ausser „Foxtrot“ von Genesis zu hören, das „blaue Album“ der Beatles – und immer neue Patiencen zu legen, mit Hilfe eines Büchleins aus dem Falken-Verlag. Teenager sind kleine Hormonfabriken, und ich erprobte 25, 30 Patiencen, alle auf ihre Weise reizvoll, unterbrochen von Fantasien über die schärfste „milf“ (= „mothers i like to be fucked by, in meiner Lesart) meiner frühen Jahre, die sich genau ein Stockwerk unter mir auf ihrem Holzbakon in der Sonne rekelte. „If paradise is half as nice“, sang Amen Corner aus meinem Transistorradio.  Aber Jahrzehnte später kam meine Lust an der Patience zurück, als die Abstände zwischen meinen Klanghorizonten immer länger wurden, und ich diverse Playlists entwarf, stets auf der Suche nach dem perfekten „sequencing“. Da es zu den Prinzipien dieses Blogs ohne Bezahlschranke gehört, eigenen Passionen und Schreibfantasien nach Lust und Intuition zu folgen, fand ich immer mehr Freude an dieser „Patience der Horizonte“. 

    Imaginary September Playlist (for Lorenz E.)

    Evening on the Carlisle-Edinburgh Line, aus Trains In The Night (4‘43)
    Jan Garbarek: Sart, aus Sart (14’51)
    Lifetones: For a Reason, aus For A Reason (6‘37)
    Marion Brown: Maimoun aus Vista (8‘01)
    Scott Walker: Manhattan, aus Tilt (6‘05)
    Martina Testen / Simon Šerc: Nokturno, aus Nokturno (5‘00, Ausschnitt)

    Nokturno is the sound of a single night, from dusk to dawn, rich in complexity and rife with meaning.  The creatures appear at different times, staggering their appearance, finding ways in which to co-exist.  The thunder rolls; the residents react.  Church bells suggest a divine hand.  As the frogs surface, the animals emerge from their holes and the birds begin to sing again, what ideas might rule their thoughts?

    P.S. Natürlich ist diese Liste rein fiktiv – so wird es nicht kommen. Aber würde ich die Stunde genauso durchziehen, es kämen keine Beschwerden! 😉 Und natürlich, das feine Buch von Millay Hyatt fände seinen Platz. Mein Dankeschön an den einen oder andern Akteur aus der Echokammer meiner Maihorizonte

  • Die Mutter und die Hure

    Vor ein paar Tagen schickte mir Thomas P. die Ankündigung eines Boxsets mit den Filmen von Jean Eustache, und dann fiel es mir wieder ein. Als ich mich neulich an die Story erinnerte, dass Brian Eno nur einmal das erste oder zweite Album der Velvet Underground gehört hat, und davon so ergriffen war, dass er die Wucht dieses Erlebnisses nicht durch weiteres Hören schmälern wollte. Mir fiel nämlich kein Album ein, mit dem ich je vergleichbar umgegangen bin, aber ich bin ja auch kein Musiker. Aber mir fiel ein Film ein, den ich damals, 1973 oder 1974, im Fernsehen sah, und der mich wohl tatsächlich ähnlich umhaute, und den ich danach bewusst oder unbewusst nie wieder sah. „Die Mutter und die Hure“. Was für ein langer Nachhall! Ich sehe den alten Fernseher vor mir, in meinem „Kinderzimmer“, ich hatte mich in die Bettdecke eingekuschelt, und den Rücken an die Backsteintapete gelehnt. Direkt neben dem Bett der Plattenspieler, das Cover von Jan Garbareks „Sart“. Oder war es „Ruta and Daitya“ von Keith Jarrett und Jack DeJohnette? Ein Film, in dem ich viel von mir wiederfand, ein Film, der mich dermassen berührte, dass die vielen Gespräche darin und die Caféhausszenen wie im Fluge vergingen. Ich bin gespannt. Und Thomas P.s Besprechung eines „Meilensteins des feministischen Kinos“ ist nun auch pünktlich zur Monatswende in unseren „revelations“ gelandet.

    Der Text zur Box liest sich so: „Vom Arbeiterkind aus der Provinz zum radikalen Provokateur in Paris: Jean Eustache ist der ungeschliffene Diamant des französischen Kinos, der Regisseure wie Jim Jarmusch, Hong Sang-soo und Claire Denis bis heute prägt. Als „Ethnologe der eigenen Realität“ sprengte der Working-Class-Regisseur jede Grenze zwischen Fiktion und nackter Wahrheit, um die emotionale Leere der Post-68er-Generation schonungslos offenzulegen. (Aber, „emotionale Leere“, das lasse ich nicht so stehen!😉; Anm. von M.E.) Seine Filme sind keine bloßen Erzählungen, sondern visuelle Sezierungen menschlicher Abgründe und gesellschaftlicher Rituale, die durch ihre raue, fast klinische Ehrlichkeit eine unerreichte Intensität entwickeln. Lange Zeit unter Verschluss und nur als Mythos unter Cineasten bekannt, kehrt sein Werk nun in einer aufwendig restaurierten Box zurück. Ein absolutes Muss für alle, die das widerspenstige und radikale Filmemachen suchen. Enthält folgende Filme und Dokumentationen: La Rosière de Pessac (1968 & 1979) Du côté de Robinson (1964) Le Père Noël a les yeux bleus (1967) Numéro zero (1971) La Maman et la Putain (1973) Mes petites amoureuses (1974) Une sale histoire (1977) Les Photos d’Alix (1982)“

  • Meine 14 Alben des ersten Halbjahres 2026

    Der Deal ist klar. Das Beste kommt am Schluss, am Nikolaustag. Dann werden es 20 sein. Here they come (strictly ranked, but with the sense the numbers 7 til 14could change places day by day). Meine Halbjahresliste also. Klar ist, dass ich sehr vieles gar nicht kenne und Boards Of Canada nicht vor Ende September hören werde. Und leider ist Jonathan Richman schon im letzten Jahr erschienen, es wäre sonst meine Nummer 4. I love this guy, his album, his work.

    Es beginnt, mit der überraschendsten Nummer 1 seit zwanzig Jahren, Asher Gamedzes „A Semblance Of Return“ (*****). Das ist ein Meister aus Südafrika, und die Musik so reich, humorvoll, tief, dass sie mich jedesmal packt. Es folgen auf den folgenden Plätzen:

    2) Jeff Parker ETA IVtet: Happy Today *****
    3) Daniel Lanois: Belladonna Nocturne**** 1/2
    4) Pan American: Fly The Ocean In A Silver Plane **** 1/2
    5) Björn Meyer: Convergence **** 1/2
    6) Sunn O))): Sunn O))) **** 1/2
    7) Aldous Harding: Train On The Island ****
    8) Tinariwen: Hoggar ****
    9) Eivind Aarset: Strange Hands ****
    10) Laurie Anderson with Sexmob: Let X = X live ****
    11) Kurt Vile: Philadelphia’s Been Good To Me

    12) Bill Wells: Dreams 24/25 ****
    13) Andrew Wasylyk: Irreprable Parables ****
    14) Kreidler: Schemes ****

    P.S. it still takes some time til the official release of Monsieur Lanois‘ forthcoming labour of love at the end of July

    Old music I returned to in 2025 so far and will return to in summer, autumn and winter (my Lanzarote island collection): Don Cherry: Relativity Suite / Miles Davis: Agharta / Bill Connors: Of Mist And Melting / Mal Waldron: The Call (Japo / ECM / buried treasure) / Brian Eno and David Byrne: My Life In The Bush Of Ghosts / Neil Young: Dume (two album set, extended version of Zuma) / Jan Garbarek / Anouar Brahem / Shaukaz Hussain: Madar / Antoine Dougbe et l‘orchestre polyrythmo de Cotonou (completely mad, but i like it. It crashes every Taylor Swift party)