• Die Mutter und die Hure

    Vor ein paar Tagen schickte mir Thomas P. die Ankündigung eines Boxsets mit den Filmen von Jean Eustache, und dann fiel es mir wieder ein. Als ich mich neulich an die Story erinnerte, dass Brian Eno nur einmal das erste oder zweite Album der Velvet Underground gehört hat, und davon so ergriffen war, dass er die Wucht dieses Erlebnisses nicht durch weiteres Hören schmälern wollte. Mir fiel nämlich kein Album ein, mit dem ich je vergleichbar umgegangen bin, aber ich bin ja auch kein Musiker. Aber mir fiel ein Film ein, den ich damals, 1973 oder 1974, im Fernsehen sah, und der mich wohl tatsächlich ähnlich umhaute, und den ich danach bewusst oder unbewusst nie wieder sah. „Die Mutter und die Hure“. Was für ein langer Nachhall! Ich sehe den alten Fernseher vor mir, in meinem „Kinderzimmer“, ich hatte mich in die Bettdecke eingekuschelt, und den Rücken an die Backsteintapete gelehnt. Direkt neben dem Bett der Plattenspieler, das Cover von Jan Garbareks „Sart“. Oder war es „Ruta and Daitya“ von Keith Jarrett und Jack DeJohnette? Ein Film, in dem ich viel von mir wiederfand, ein Film, der mich dermassen berührte, dass die vielen Gespräche darin und die Caféhausszenen wie im Fluge vergingen. Ich bin gespannt. Und Thomas P.s Besprechung eines „Meilensteins des feministischen Kinos“ ist nun auch pünktlich zur Monatswende in unseren „revelations“ gelandet.

    Der Text zur Box liest sich so: „Vom Arbeiterkind aus der Provinz zum radikalen Provokateur in Paris: Jean Eustache ist der ungeschliffene Diamant des französischen Kinos, der Regisseure wie Jim Jarmusch, Hong Sang-soo und Claire Denis bis heute prägt. Als „Ethnologe der eigenen Realität“ sprengte der Working-Class-Regisseur jede Grenze zwischen Fiktion und nackter Wahrheit, um die emotionale Leere der Post-68er-Generation schonungslos offenzulegen. (Aber, „emotionale Leere“, das lasse ich nicht so stehen!😉; Anm. von M.E.) Seine Filme sind keine bloßen Erzählungen, sondern visuelle Sezierungen menschlicher Abgründe und gesellschaftlicher Rituale, die durch ihre raue, fast klinische Ehrlichkeit eine unerreichte Intensität entwickeln. Lange Zeit unter Verschluss und nur als Mythos unter Cineasten bekannt, kehrt sein Werk nun in einer aufwendig restaurierten Box zurück. Ein absolutes Muss für alle, die das widerspenstige und radikale Filmemachen suchen. Enthält folgende Filme und Dokumentationen: La Rosière de Pessac (1968 & 1979) Du côté de Robinson (1964) Le Père Noël a les yeux bleus (1967) Numéro zero (1971) La Maman et la Putain (1973) Mes petites amoureuses (1974) Une sale histoire (1977) Les Photos d’Alix (1982)“

  • Meine 14 Alben des ersten Halbjahres 2026

    Der Deal ist klar. Das Beste kommt am Schluss, am Nikolaustag. Dann werden es 20 sein. Here they come (strictly ranked, but with the sense the numbers 7 til 14could change places day by day). Meine Halbjahresliste also. Klar ist, dass ich sehr vieles gar nicht kenne und Boards Of Canada nicht vor Ende September hören werde. Und leider ist Jonathan Richman schon im letzten Jahr erschienen, es wäre sonst meine Nummer 4. I love this guy, his album, his work.

    Es beginnt, mit der überraschendsten Nummer 1 seit zwanzig Jahren, Asher Gamedzes „A Semblance Of Return“ (*****). Das ist ein Meister aus Südafrika, und die Musik so reich, humorvoll, tief, dass sie mich jedesmal packt. Es folgen auf den folgenden Plätzen:

    2) Jeff Parker ETA IVtet: Happy Today *****
    3) Daniel Lanois: Belladonna Nocturne**** 1/2
    4) Pan American: Fly The Ocean In A Silver Plane **** 1/2
    5) Björn Meyer: Convergence **** 1/2
    6) Sunn O))): Sunn O))) **** 1/2
    7) Aldous Harding: Train On The Island ****
    8) Tinariwen: Hoggar ****
    9) Eivind Aarset: Strange Hands ****
    10) Laurie Anderson with Sexmob: Let X = X live ****
    11) Kurt Vile: Philadelphia’s Been Good To Me

    12) Bill Wells: Dreams 24/25 ****
    13) Andrew Wasylyk: Irreprable Parables ****
    14) Kreidler: Schemes ****

    P.S. it still takes some time til the official release of Monsieur Lanois‘ forthcoming labour of love at the end of July

    Old music I returned to in 2025 so far and will return to in summer, autumn and winter (my Lanzarote island collection): Don Cherry: Relativity Suite / Miles Davis: Agharta / Bill Connors: Of Mist And Melting / Mal Waldron: The Call (Japo / ECM / buried treasure) / Brian Eno and David Byrne: My Life In The Bush Of Ghosts / Neil Young: Dume (two album set, extended version of Zuma) / Jan Garbarek / Anouar Brahem / Shaukaz Hussain: Madar / Antoine Dougbe et l‘orchestre polyrythmo de Cotonou (completely mad, but i like it. It crashes every Taylor Swift party)

  • Once upon a time today: „Lifetones“

    Was habe ich das erste blaugelbe Album von This Heat geliebt. Und dann auch noch „Deceit“! Aber allmählich löste sich die britische Bande auf. Es gab noch das eine oder andere Nachspiel. „For A Reason“ von „Lifetones“ hätte heute noch seinen Platz sicher in meinem Schallplattenrgal, aber es kam mir irgemdwie abhanden. 2013 hatte es das feine Label „Light In The Attic“ noch einmal ans Licht gebracht. Hört es euch an! Sollte jemand die Platte in astreinem Zustand haben und nicht annähernd so mögen wie ich – ich freue mich auf ein Geschenk! Oder einen Tauschhandel. Aber das Vinyl muss „near mint“ sein. (m.e.)

    “For A Reason“

    Draußen. Südlondon, Anfang 1983. Das straff gespannte Gerüst von This Heat beginnt sich zu lockern. Nicht durch Neuerfindung, sondern durch Auflösung und Anreicherung. Auf „For a Reason“, dem einzigen Lifetones-Album von Charles Bullen und Julius Cornelius Samuel, sickert Brixton in die Aufnahmen ein. Reggae dringt durch die Wände. Basslinien zirkulieren. Rhythmen bewegen sich geduldig.

    Die Verwandlung kündigt sich allmählich an. Wo sich This Heat oft nach innen schraubte, öffnet sich „For a Reason“ nach außen. Julius Cornelius Samuels Bass verankert die Platte, verlangsamt ihren Puls und lässt die Wiederholungen sich in ihrem eigenen Tempo entfalten. Selten treibt er das Material im herkömmlichen Sinne voran, stattdessen verdichtet er den Raum unter den Arrangements, während Dub-Echos schweben und die Percussion einen Bruchteil länger nachklingt als erwartet.

    Über die sechs Tracks hinweg tauchen in den asymmetrischen Gitarrenfiguren von „Distance No Object“ und „Good Side“ noch Spuren der Kantigkeit von This Heat auf, doch die Stimmung hat sich völlig gewandelt. Die Spannung bleibt, doch der Druck hat nachgelassen. Selbst die schärfsten Kanten drücken nicht mehr nach innen.

    1983 in kleiner Auflage unabhängig veröffentlicht, erschien „For a Reason“ zu einer Zeit, als ein Großteil der britischen Experimentalmusik zunehmend von Abrasion, Fragmentierung und ängstlicher Spannung geprägt schien. Lifetones gingen andere Wege. Vierzig Jahre später klingt die Platte immer noch unheimlich präsent, während sie sich nach Einbruch der Dunkelheit durch Los Angeles bewegt. Unabhängig von der geografischen, psychischen oder sonstigen Lage bleibt dieses Gefühl der Offenheit schwer von der Musik selbst zu trennen.

    (Aquarium Drunkard)

  • Orte für den Nebel, Orte für das Schmelzen

    Auch die Schrifttypen auf der Rückseite des LP-Covers schienen den Titel „Von Nebel und Schmelzen“ ernst zu nehmen, und die letztes Reste der Druckerpatrone (oder des Farbbandes der Schreibmachine – es war der Dezember 1977, als dieses Album enstand) zu verfeuern, als wären die Buchstaben selbst, ob Namen, Orte oder Titel preisgebend, von der Auflösung bedroht. Wo kam Bill Connors her, wo ging er hin?

    Als der Gitarrist, dessen Lebensweg vom elektrischen Sound der Rockmusik (Stones, Hendrix, das volle Programm) und des Fusion Jazz zum akustischen Klangbild des ECM-Kammerjazz überging, zwischen 1975 und 1980, um es dann wieder mit der riesigen Spielwiese des elektrifizierten Sounds und ihren fortlaufend neuen Spielzeugen aufzunehmen, entstanden eine gute Handvoll Alben, bei Manfred Eichers Hauslabel oder Paul Bleys I.A.I., einer Art ECM-Parallelwelt, in der dem kanadischen Pianisten etwa das zweithinreissendste Solopianoalbum seines Lebens gelang, „Alone, Again“, Jahre nach dem Geniestreich „Open, to love“.

    Es wundert mich nicht, dass Bill Connors fast ein halbes Jahrhundert später mit Wehmut auf diese Phase, und nicht zuletzt auf „Of Mist And Melting“, zurückblickt, dass jetzt in einer makellosen Pressung in der Vinyl-Serie „Luminessence“, neu aufgelegt wurde, mit feinem Gatefold-Cover und klugen „liner notes“ von Friedrich Kunzmann. An Connors‘ Seite Jan Garbarek, Jack DeJohnette und Gary Peacock, und zwar in jener Fabulierlust und Konzentration, die in den 1970er Jahren des Münchner Labels stilbildend und Abenteuer zugleich waren. Leicht irreführend könnte es übrigens sein, wenn der Leser dieser Zeilen mit meiner fahrlässig hingeworfenen Vokabel vom „Kammerjazz“ sogleich andere Schubladen zieht, vom „lyrischen Sound“, von der „Stille zwischen den Tönen“. Ein kleiner Teil der Wahrheit ist schon zuviel des Irrtums.

    Denn dieses unfassbar aufregende Album treibt die Dynamik von „aus der Haut fahrend“ und „in sich versunken“ dermassen auf die Spitze, dass reines Staunen und Gänsehaut zu den meistgenannten Begleitphänomenen des „deep listening“ zählen dürften. Bill Connors gefährlich ruhiges, seltsam kontrolliertes Spiel auf der Akustikgitarre drängt in keinem Augenblick ins Rampenlicht, und doch sind Ekstase, stille Präsenz, Hitze und immense Reibung allgegenwärtig – die Fenster dieser „Jazzkammer“ ohnehin sperrangelweit aufgerissen. Das mit dem Nebel und dem Schmelzen ist eben ein verdammt weites Feld.

    Was man übrigens auch an jenem anderen Meilenstein sieht, der im gleichen Dezember 77 entstand: „Places“, von Jan Garbarek, einmal mehr mit Bill Connors, Jack DeJohnette. Was Wunder, dass das Cover einmal mehr in allen möglichen schillernden Grautönen daherkam! Das Quartett vervollständigte diesmal der britische Pianist John Taylor, der mir einmal mit Schmunzeln von der leicht defekten kleinen Orgel erzählte, die auf „Places“, trotz des edlen Konzertflügels, auf regen Zuspruch stiess und für manch hinterhältigen Zauber sorgte. Ein Schelm, wer an Robert Wyatts beschädigte Mini-Yamaha-Orgel denkt, die schon auf „Rock Bottom“ reizvolle Unterströmungen bescherte!

  • Eine falsche Bewegung nach der anderen

    Nastassja Kinski spricht über ihren Kampf, eine Szene mit ihr als entblösster 13-Jähriger aus „Falsche Bewegung“ entfernen zu lassen. Doch der Regisseur schweigt und mit ihr die Filmbranche, die dem Altmeister gerade den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises zuteil werden lässt.“

    Lieber Wim Wenders, nimm die Szene raus, da wird keine künstlerische Integrität berührt, zeig mal etwas Grösse! Der Film ist sowieso überbewertet, und im Recht ist Nastassja allemal. Hier ein alter Mana-Text aus traurig-aktuellem Anlass. (Mehr zu dem Thema in der Freitagsausgabe der SZ. Dieser Text wird natürlich mit freundlichen Grüssen der Wim Wenders-Stiftung zugestellt.)

    Was für eine Enttäuschung, in die alte BRD zurückzureisen, und vollkommen ernüchtert Wim Wenders zweiten oder dritten Teil seiner Road Movie-Trilogie zu erleben! Ich werde es nicht schönerzählen.  In Jahr 1975 sah ich „Falsche Bewegung“ zweimal, einmal war ich verliebt, und lud die noch unbekannte Schöne ins City-Kino von Würzburg ein, um den Film mit mir zu sehen, das andere Mal hatte ich das Herz von C. vorübergehend erobert, weiterhin full in love, und Wim Wenders antworte, im Rahmen eines kleinen Würzburger Filmfests, auf die Fragen der Studentenschaft.

     Herr Wenders, warum haben Sie das leere Rauschen des Fernsehers eingesetzt, als die Reisegruppe Ivan Desny in seinem Schloss aufsuchte. Hatte das eine Bedeutung?

    – Der stand da einfach. (Geschmunzel allseits)

    Ich werde mich hier nicht gross aufhalten, bei der literarischen Vorlage von Goethe, die Drehbuchschreiber Peter Handke bruchstückhaft aufgreift, um seine subdepressive Reisetruppe vom Norden Deutschlands runter zur Zugspitze zu schleusen. Herr Handke war schlecht drauf, nach dem Suizid seiner Mutter, und liess eine Weltschmerztirade nach der anderen vom Stapel. Das alter ego von Handke / Wenders, Rüdiger Vogler (ach, wie gerne sah ich ihn einst – er war älter als ich, und trug ziemlich beeindruckende Melancholiewerte in seiner aufgeräumten Gesichtslandschaft umher!), hatte am Anfang einen Wutmoment und legte in seiner Dachstubenwohnung im hohen Norden eine Single von den Troggs auf.

    Etwas mehr Rock der alten Schule hätte dem Film gut getan, aber was dann abging, in dieser Reisegesellschaft, mit der gedankenvoll-abwesenden Schygulla, der jungen Kinski (14 Jahre, und fast schon gruselig sexualisiert in Wenders tendenziell komplett unerotischem Kino), einem Kriegsverbrecher (grosser alter deutscher Schauspieler, Jahre später stand er direkt vor mir bei den Berliner Filmfestspielen), dem, einen Vollidioten von Lyriker spielenden, Peter Kern (wohl eine Selbstparodie Handkes), geht kaum auf die berühmte Kuhhaut. In Handke‘schem Duktus reden selbst Zugschaffner, und klingen, als hätten sie gerade die falsche Tüte geraucht.

    Was für einem seltsam überanstrengtem Mist war ich damals nur ergeben. Aber Wim Wenders‘ Kino wurde überall in Europa von den Künstlern geliebt, Brian Eno schätzte, was Wunder, die Langsamkeit, und erwärmte sich für die „Kings of the Road“. Peter Buchka war Wenders‘ Hofberichterstatter bei der Süddeutschen, und gierig verschlang ich seine Zeilen, sie verkürzten mir die Wartezeit aufs erste Sehen, und gaben keine Handlung preis, wie auch, wo es ja kaum Handlung gab.

    Der von Peter Kern gespielte Vollpfosten bringt die Gruppe dazu, seinen reichen Onkel zu besuchen, der über das schwere Leben sinniert. Sie kommen gerade rechtzeitig, um seinen Selbstmord zu verhinden, und Peter Kern merkt an, das sei wohl gar nicht sein Onkel. Was für ein Quatsch.

    Als sie dann allesamt gefühlte Stunden auf einem Weinberg rumkraxelten und sich wenig wärmende Selbstgespräche an die Köpfe warfen (immerhin hatte Rüdiger die helle Idee, er solle das mit den politischen Kommentaren besser lassen – Peter hätte besser mal zuhören sollen!), war es dann um meine Chronistenpflicht geschehen. Ich stoppte diese weitgehend uninspirierte phlegmatische Filmerzählung, an der ich rückblickend wenigestens ein paar gute Haare lasse. Die Kameraarbeit von Robby Müller beeindruckt, wenn Bewegung ins erstarrte Gruppenleben kommt. Sie kreiert flüchtige Illusionen des  Vorwärtsdrangs, und lässt den Zuschauer hier und da Frischluft schnuppern. Auch die Hauptmelodie des Films geht unter die Haut, mehr, als das Gewicht der Welt, an dem hier alle in unterschiedlichen Aggregatzuständen der Schwermut zu tragen haben.

    In einem sehr langen Essay, der sich in englischer Sprache im Netz findet, erzählt uns ein sanft berauschter Filmkritiker für die „Criterion“-Ausgabe seine Sicht von „Wrong Movement“, erkennt eine Studie über die Unmöglichkeit von Kommunikation (na, ist das grossartig!!), und preist den Film für seine konstante Vorwärtsbewegung, allen Wirrnissen zum Trotz. Natürlich erkennt er auch einen Finsterblick auf die BRD anno 75, wobei ich aber nicht mehr mitmache. Ich wollte wirklich bis zum Ende aushalten, da sollte die Truppe schliesslich die Zugspitze erreichen: ob damals schon das Wirtshaus existierte, auf dem ich mir vor sieben Jahren eine Mass Weizenbier gönnte (s. Foto). Ob der Kamera von Robby ein paar Bergdohlen vor die Linse kamen? Hat die junge Kinski ein Rad geschlagen auf dem  höchsten deutschen Berg?  Fragen über Fragen.

    Ähem, die Siebziger Jahre waren ein magisches Jahrzehnt – in diesem massiv überschätzten Film merkt man nichts davon. „Falsche Bewegung“ ist womöglich als Fallstudie zu gebrauchen über mehr oder weniger kaschierte Depressionen.

    Alle Abenteuer sind daraus verschwunden.

    “Alice in den Städten“ und „Paris, Texas“ werden stets meine favourite Wim Wenders movies bleiben.

  • All die Jahre im Red 3A

    Nachdem so oft ein Ende im Raum stand, und wieder und wieder eine Nische sich auftat, ein Jahr, und noch ein Jahr, ist es nun so gut wie amtlich. Die Sparte des Jazz wird im Kölner Sender weiter runtergefahren anno 2027 (man wird zukünftig von „non-classical music“ reden), und die Horizonte im September werden die letzten sein. The final countdown, natürlich mit Brian Eno, mit Talk Talk und Graeme Thomsons Buch über die vier Jahreszeiten der Band, sowie mit ECM – und mindestens einem Norweger!

    Ich habe die silbernen und bronzenen Zeiten der Jazzpräsenz im Deutschlandfunk seit 1989 alle mitbekommen, und meine letzte Show im DLF wird mir eine Ehre sein. Es wird Waffeln geben und five o’clock tea. Heute abend um 21.05 Uhr dann also meine vorletzte Runde, und ich bin rundum zufrieden mit der Collage dieser Ausgabe. 12 Alben, 12 Welten, ein toller Tontechniker, und lauter rote Fäden. Wenn man so viel Zeit zur Vorbereitung hat, verdichtet sich alles.

    Ein kleiner Fehler ist mir auch unterlaufen, wie konnte ich den Keyboarder einer meiner favourite bands ever nur als ihren Drummer ausgeben!? Sei‘s drum. Der Link zu den Klanghorizonten im „nächsten posting“….

    “Eine Reise um die Stunde in 12 Welten“

    “Fly The Ocean In A Silver Plane“


    Jan Bang schrieb mir gerade, er habe einige „revelations“ im Sinn und fragte sich zudem, was ich wohl mit der vielen Zeit nach dem Radio anstelle. Ihm kam da ein Song von Laurie Anderson in den Sinn, und er traf ins Schwarze:

    „Take me out to the ballgame / Take me out to the park / Take me to the movies / Cause I love to sit in the dark / Take me to Tahiti / Cause I love to be hot / And take me out on the town tonight / Cause I know the new hot spot.“

  • monthly revelations extended (june)

    album(s) LAURIE ANDERSON: LET X = X & KURT VILE: PHILADELPHIA‘S BEEN GOOD TO ME // film WANDA (1999) // prose SEBASTIAN BRANT: DAS NARRENSCHIFF & CHRISTOPH HEIN: DAS NARRENSCHIFF // talk OLIVER LAXE (SIRĀT) // radio STEVE TIBBETTS PORTRAIT & KLANGHORIZONTE MAI 2026 // television LEGENDS // archive PETER THOMAS SOUND ORCHESTER: RAUMPATROUILLE ORION

    „It’s the moment that excites you: When you’re writing a song, you feel it, you have chills, you know? Or when there’s a magic moment on stage and you’re all locked in… I live for that kind of thing. I love not fixing things, making them feel fucked up, or just leaving them fucked up. If you listen to the old Stones records or the Velvet Underground, the reason they’re so unique is because there’s a million, trillion imperfections in there.“ (Kurt Vile)

    Any flowie wants to put in shape july‘s revelations? Just send a sign.

  • Demnächst in diesem Theater …

    Mark Hollis in Hamburg (1998) (ein Interview)


    … oder in den Klanghorizonten Ende September!

    On Memory Lane, some years ago: The guy from „Zen Sounds“ is strolling through Mark Hollis‘ life, and time‘s rush (and the coffee I am drinking some miles before Bremen) is now filled with sugar and sadness. By chance, I made one of the two last interviews he ever did, in 1998, in Hamburg, before the release of „Mark Hollis“. And I was meeting him before In 1991 or 1990. In that week when the huge cover of Talk Talk‘s „Laughing Stock“ circled on the roof of Polydor Records‘ skyscraper, I sat in his little appartment near „Angel Station“, with Markus Müller (who is now the CEO of the Monschau Jazz Festival, remember his FMP book, or the ECM exhibition in München…), and we listened to his stories, for example about Mark’s neverending love for that first Duke Ellington piece of his only album with John Coltrane… „listen, these first moments of Elvin Jones there“, and whenever I come across the name of that Underground station, it hurts. „Angel Station“. For fuck’s sake. When meeting him again in the big Hamburg hotel, there was (really strange, and unexpected) this joy, unfiltered, similar to seeing an old friend again, a big smile on his side, on my side then, too. In those two hours, while drinking tea, there was a very kind, heartfelt connection. If I now think back to that scene, after all those years, it brings a tear to my eyes. I’m NOT „romanticizing“ this. All these special moments in life, you don’t return to them necessarily in your last moments, on the deathbed, you can bring them up – en passant, and they can serve. Everything wounded will flow. Little helpers on the way. The elevation of a (sudden) melancholic vibe. Mark Hollis never released any more offical recordings after his solo work. In 2001, he produced two songs for jazz saxophonist Jan Garbarek’s daughter Anja on her album Smiling & Waving. And, there I was, sitting in Anja‘s living room in Notting Hill – on her wall the magnified cover of Brian Eno‘s „On Land“, Anja talking about her album, and about the last appearance of Mr. Hollis in a record studio.

  • Sampling Sam (in dear memory of Ian McCartney)

    Was für ein Album! Chapeau! Das Besondere daran ist, wie die Musik Niederlagen euphorisch klingen lässt. Je nach Stimmung kann es ein aufbauendes Album sein („It’s all right“ dient dabei als Schlachtruf) oder ein einzigartig niederschmetterndes. Es sind vielschichtige Porträts: farbenfrohe Städte, bevölkert von einsamen Menschen, romantische Gesten, die mit Schweigen beantwortet werden, wunderschöne Abende, die ins Leere laufen. Wie zu Liedgut gewordene Edward Hopper-Gemälde, nur, dass den Protagonisten ihr Lächeln nicht vollkommen abhanden gekommen ist. Die unmittelbarsten Stücke des Albums wechseln zwischen Stimmungen hin und her wie ein Flugzeug, das durch die Wolken taucht. Ein Song reitet auf seinem leuchtenden New-Wave-Groove, während der Sänger eine Geliebten darauf hinweist, dass etwas nicht stimmt. Ein anderer Haus beginnt mit einem traurigen Krankenhaus-Puls und Schilderungen einer langen, schlaflosen Nacht, doch er steigert sich zu einer Einladung, zu seltsamer Eleganz in einem Luxusauto. „Morgen werde ich da sein“, singt er am Ende stolz, „Oh, warte nur ab.“ Manchmal glaubt man ihm das. Einige von euch werden dieses Album kennen. Ich habe eine wundervolle Cd-Edition wiederentdeckt bei meiner Inventur. Es bleibt nur übrig, was mir unverwüstlich ist. Dieses Album gehört dazu, aus der Abteilung „slow burner“. Um welches Traumteil handelt es sich wohl?

  • 12 records, 12 horizons

    Bill Wells: Dreams 24/25 is fantastic. (for people who like Colossal Youth, Wissenswertes über Erlangen, Himmelblau)

    Don Cherry: Relativity Suite (1973) is fantastic. (for people who like Brown Rice, Bitter Funeral Beer, Tropic Appetites)

    Jonathan Richman: Only Frozen Sky Anyway is fantastic. (for people who like Embrace The Herd, Pink Moon, Cosmic Thing)

    Asher Gambedze: Semblance Of Return is fantastic. (for people who like Geechee Recollections, On The Corner, Good News From Africa)

    Pan American: Fly The Ocean In A Silver Plane is fantastic (for people who like Mi Media Naranja, Close , La Douxième Journee)

    Jan Garbarek-Bobo Stenson Quartet: Dansere (1975) is fantastic. (for people who love Ruta and Daitya, Solstice, Yellow Fields)

    Björn Meyer: Convergence is fantastic. (for people who like Souvenance, Emerald Tears, Stone Flute)

    Khelan Phil Cohran and Legacy: African Skies is fantastic. (for people who like Love and Peace (the reggae masterpiece), Music For 17 Musicians, Spirits

    O.S.T. Sirāt is fantastic. (for people who like Lohn der Angst, Locke, Tierra)

    Tinariwen: Hoggar is fantastic. (for people who like Siwan, Teatro, Nebraska)

    Eivind Aarset: Strange Hands is fantastic. (for people who like Dream Logic, Nerve Net, Skywards)

    Étienne Nillesen: Twee is fantastic. (for people who like Singing Drums, Dream House, Life Of)