Film

L.A. Confidential


Es gibt Filme, zu denen ich alle Jahre wieder gerne zurückkehre. Der Neo-Western „Silverado“ zählt dazu, und dieser Neo-Noir-Film namens „L.A. Confidential“ auch. Als er in die Kinos kam, stand er im Schatten dieses Blockbusters von der sinkenden Titanic, ein Film, der mich nie packte, nie rührte, weil ich überall die Spezialeffekte sah, und gezielte Angriffe auf die Taschentuchvorräte des Publikums. Gott, wie langweilig!

James Ellroys gleichnamiger Roman zeigt „die Stadt der Engel“ als eine lebendige, atmende, sich windende Masse von Widersprüchen – eine glitzernde und glamouröse Fassade, die eine schäbige Schattenseite von Verbrechen und Korruption verdeckt. Das Buch ist dicht und ausufernd, ein echtes Epos über die dunklen Seiten Amerikas. Allerdings ist der Schreibstil von Ellroy gewöhnungsbedürftig.

Curtis Hansons Film hat die Erzählung stark gestrafft und zahlreiche Nebenhandlungen weggelassen, um sich präzise auf die wesentlichen Elemente der Geschichte zu konzentrieren. Das Ergebnis ist eine perfekte Adaption, die dem Geist und den Intentionen des Ausgangsmaterials treu bleibt, sich aber nicht scheut, größere Änderungen am heiligen Text vorzunehmen, damit sich der Film als eigenständiges Kunstwerk entwickeln und entfalten kann.

Das Drehbuch (von Hanson und Co-Drehbuchautor Brian Helgeland) ist brillant strukturiert und scheint auf den ersten Blick einen kompletten Anfang, eine Mitte und ein Ende zu haben – und das alles noch vor der Hälfte des Films, an dem der Film eine wichtige Wendung nimmt und einen noch fesselnderen Bogen über drei Akte spannt. Es gibt keinen einzigen verschwendeten Moment im ganzen Film. Mit einer Länge von fast 2 1/2 Stunden bewegt sich der Film wie ein Blitz.

Hansons erstklassige Regie hält geschickt die Balance zwischen gewichtigen dramatischen Momenten, reichhaltiger Charakterentwicklung und spannender Action. Der Film ist zugleich ein von Nostalgie unbelastetes Historienstück, ein polizeiliches Verfahren, das formelhafte Konventionen umgeht, und ein Film Noir ohne die üblichen stilistischen Klischees, die mit dem Genre verbunden sind. Und jetzt geht es nur noch darum: besorgen Sie sich den Film, einen guten Rotwein, und los geht‘s!

geschrieben von Michael Travers (4/5) und Michael Engelbrecht (1/5)