In den letzten Tagen wurden mir zwei Dinge bewusst: zwei Bands hatte ich in den Klanghorizonten durchweg sträflich vernachlässigt, von der einen hatte ich ein frühes Album vorgestellt, aber zu wenig Feuer gefangen, um ihren weiteren Weg zu verfolgen (Seefeel), von der anderen hatte ich nie wirklich was gehört, bis ich vor wenigen Jahren die Magie ihrer frühen Werke entdeckte (American Analog Set) und die Schatzkiste mit dem Titel „New Drifters“ sowie atemraubend coloriertem Vinyl meinen Plattenspieler ausgiebig in Beschlag nahm. Und heute hörte ich das neue Album von „Seefeel“ in zwei Durchgängen, und was war das denn bitteschön: Meister des fade-in, des fade-out, und des in-between, rätselhaft, pastoral, und ungeheuer subtil.
Das freut mich sehr, Michael. Wenn ich einen Wunsch äußern dürfte: sollte es wider Erwarten aber herzlichst erwünscht zu weiteren Radiosendungen kommen, dann wäre es schön eine Show über sträflich vernachlässigte Musiker der letzten 35 Jahre aufzuführen 😅
Wie schön, dass du auch ein Herz für American Analogue Set hast! Die Band begleitet mich schon seit einigen Jahren und war mir in mehrerer Hinsicht Inspiration. Das Zusammenspiel von laut-leise, Noise und Pop ist so subtil dynamisch und feinsinnig – und dann auch noch diese Losungen! Mein Lieblingsalbum ist das 2005er „Set Free“. Im Song „Cool Kids Keep“ heißt es da quintessentiell: „The cooler kids will keep together.“ War mir immer die sympathischere Einschwörung als das schunkelige „If the Kids Are United“.
Seefeel waren 1993 bis 1996 ein Kind ihrer Zeit, in der soundtechnisch eine kambrische Artenexplosion erfolgte. Ihre Musik bleibt ungreifbar und nicht reproduzierbar. Wenn man eine Beschreibung herbeizerren möchte, so muss vielleicht auf eine unbestätigte Anekdote zurückgegriffen werden. Aphex Twin beschrieb angeblich in einem Interview seine Liebe für Seefeels Musik mit den Worten »The main reason I like it is that as soon as you turn it off it leaves this big gap, this really big void.«
Seefeel kenne ich gar nicht. Die Beschreibung lässt einiges erwarten. Ich werde „quique“ hören.
Von „the american analog set“ gefällt mir „through the 90s: singles and unreleased“ am besten. Bevor ich die CD vor geraumer Zeit kaufte, hörte ich mir ein paar Tracks auf youtube an.
Aus einer Review mit einem Vergleich von Quique und Sol.Hd….
Eine einzelne Person mag wie eine ganze Schar klingen; auf „Sol.Hz“ nutzen Seefeel diesen Effekt, um ihr eigenes Spiel zu verschleiern. Stammen die Flötenklänge in „Behind the Seen“ etwa von Sängerin Sarah Peacock, von einer Gitarre in den Händen von Mark Clifford oder von einem unbekannten, unsichtbaren Reglerdreher? Die Welt wird es vielleicht nie erfahren. Sie wird jedoch die mitreißenden Qualitäten von Stücken wie „Ever No Way“ und „Until Now“ erkennen, auch wenn diese mit der Subtilität eines leisen Rauschens einhergehen. Wenn du Quique geliebt hast, wirst du davon vielleicht hingerissen sein.
Empathische Notiz. Seefeel kommen auf leisen Füßen daher und schleichen sich ein ins Langzeitgedächnis unserer Musik, die wir nicht missen möchten. Bei Boards of Canada war das ähnlich zu Anfang. Bin etwas in Sorge, dass sie mit ihrem neuen Werk zu swhr die Erwartungen ihrer großen Fangemeinde im Blick hatten. Ich höre die LP erst, wenn der Hype vorbei ist…
Hab Inferno Freitagabend einmal gehört (nicht ganz nüchtern, vorher hatte ich einen Keks gegessen).
Es ist das erste Album von Boards Of Canada, was ich konzentriert und alleine gehört habe. Ich selber besitze nur die EP „On a beautiful day out in the country“, die anderen Platten habe ich bei Freunden und Bekannten wahrgenommen, (teils sehr )gut gefunden, aber hab mir nie selber ein Album gekauft. Bin also kein Fan und wahrlich kein Experte. Freitag hat mir Inferno jedenfalls sehr gefallen. Mal sehen, wie es auf die lange Strecke wirkt.
12 Kommentare
Norbert Ennen
seefeel quique. masterpiece.
Thomas Pannhorst
Das freut mich sehr, Michael. Wenn ich einen Wunsch äußern dürfte: sollte es wider Erwarten aber herzlichst erwünscht zu weiteren Radiosendungen kommen, dann wäre es schön eine Show über sträflich vernachlässigte Musiker der letzten 35 Jahre aufzuführen 😅
Michael Engelbrecht
Ja, aber leider ist das Ende Fakt. I know.
Alexander Roth
Wie schön, dass du auch ein Herz für American Analogue Set hast! Die Band begleitet mich schon seit einigen Jahren und war mir in mehrerer Hinsicht Inspiration. Das Zusammenspiel von laut-leise, Noise und Pop ist so subtil dynamisch und feinsinnig – und dann auch noch diese Losungen! Mein Lieblingsalbum ist das 2005er „Set Free“. Im Song „Cool Kids Keep“ heißt es da quintessentiell: „The cooler kids will keep together.“ War mir immer die sympathischere Einschwörung als das schunkelige „If the Kids Are United“.
Michael Engelbrecht
https://flowworker.org/2024/09/22/neue-herumtreibende/
flowworker
@ Thomas: eine ganze Sendung über Seefeel wäre ja nichts Neues für dich , es müssen schon immer Überraschungen stattfinden …⛱️
Aber ich habe so eine Idee für was anderes …
flowworker
Zitat aus einem Text
Seefeel waren 1993 bis 1996 ein Kind ihrer Zeit, in der soundtechnisch eine kambrische Artenexplosion erfolgte. Ihre Musik bleibt ungreifbar und nicht reproduzierbar. Wenn man eine Beschreibung herbeizerren möchte, so muss vielleicht auf eine unbestätigte Anekdote zurückgegriffen werden. Aphex Twin beschrieb angeblich in einem Interview seine Liebe für Seefeels Musik mit den Worten »The main reason I like it is that as soon as you turn it off it leaves this big gap, this really big void.«
Thomas Pannhorst
@Michael, ich verlasse mich da ganz auf Dein Gespür für die Übersehenen, Zukurzgekommenen und Gestrandeten hinter den Klanghorizonten 🏝️
Martina Weber
Seefeel kenne ich gar nicht. Die Beschreibung lässt einiges erwarten. Ich werde „quique“ hören.
Von „the american analog set“ gefällt mir „through the 90s: singles and unreleased“ am besten. Bevor ich die CD vor geraumer Zeit kaufte, hörte ich mir ein paar Tracks auf youtube an.
flowworker
Aus einer Review mit einem Vergleich von Quique und Sol.Hd….
Eine einzelne Person mag wie eine ganze Schar klingen; auf „Sol.Hz“ nutzen Seefeel diesen Effekt, um ihr eigenes Spiel zu verschleiern. Stammen die Flötenklänge in „Behind the Seen“ etwa von Sängerin Sarah Peacock, von einer Gitarre in den Händen von Mark Clifford oder von einem unbekannten, unsichtbaren Reglerdreher? Die Welt wird es vielleicht nie erfahren. Sie wird jedoch die mitreißenden Qualitäten von Stücken wie „Ever No Way“ und „Until Now“ erkennen, auch wenn diese mit der Subtilität eines leisen Rauschens einhergehen. Wenn du Quique geliebt hast, wirst du davon vielleicht hingerissen sein.
Thomas
Empathische Notiz. Seefeel kommen auf leisen Füßen daher und schleichen sich ein ins Langzeitgedächnis unserer Musik, die wir nicht missen möchten. Bei Boards of Canada war das ähnlich zu Anfang. Bin etwas in Sorge, dass sie mit ihrem neuen Werk zu swhr die Erwartungen ihrer großen Fangemeinde im Blick hatten. Ich höre die LP erst, wenn der Hype vorbei ist…
Olaf Westfeld
Hab Inferno Freitagabend einmal gehört (nicht ganz nüchtern, vorher hatte ich einen Keks gegessen).
Es ist das erste Album von Boards Of Canada, was ich konzentriert und alleine gehört habe. Ich selber besitze nur die EP „On a beautiful day out in the country“, die anderen Platten habe ich bei Freunden und Bekannten wahrgenommen, (teils sehr )gut gefunden, aber hab mir nie selber ein Album gekauft. Bin also kein Fan und wahrlich kein Experte. Freitag hat mir Inferno jedenfalls sehr gefallen. Mal sehen, wie es auf die lange Strecke wirkt.