Depth & Focus

Das Cover der Juni-Ausgabe von „The Wire“. Aber schafft es Seefeel in die Klanghorizonte Ende Mai – ich kenne bislang nur zwei Stücke davon. Qualität ist eben nur ein Kriterium, das perfekte „sequencing“ ein anderes. Seinen Platz sicher hat ein medial viel weniger beachtetes Album, „Convergence“ von Björn Meyer. Ein Soloalbum mit der elektrischen Bassgitarre, wundersam und wunderbar! Gestern trafen Björns Antworten auf meine Fragen ein. Heute ist er live in Stavanger zu hören.
New skin for an old ceremony (or: How to find a place for Tomasz Stanko (reissue), Bill Connors (reissue) , Jan Bang & Ensemble Modern, Erik Honoré, Boards of Canada, Irmin Schmidt, The American Analog Set (reissue), Don Cherry (archival discovery), or Laurie Anderson with Sexmob?)

Bill Wells: Dreams 24 / 25
Seefeel: Sol.Hz
Jonathan Richman: Only Frozen Sky Anyway
Pan American: Fly The Ocean In A Silver PlaneOton (1) Björn
Björn Meyer: Convergence
Oton (2) BjörnO.S.T.: Sirāt
Tinariwen: Hoggar
Eivind Aarset: Strange Hands
Etienne Nillesen: TweeBjörn Meyer über das Cover von „Convergence“
P.S. Nebenbei, das neue Werk von Lambchop erscheint im August und ist schon gesetzt für meine zweite Ausgabe der Klanghorizonte in diesem Jahr, Ende September!
Und drei Tage nach der herbstlichen Radiostunde im Deutschlandfunk spielt Eivind Aarset in Aachen im Musikbunker, Sonntag am 28. September um 18 Uhr – ich hoffe, einige Flowworker und Stammleser finden den Weg hierhin! Jede Wette, es wird rappelvoll!
Nutztiere
Die Erinnerung ist verschwommen, aber vielleicht begegnete mir das Pink Floyd Album „Animals“ wenige Woche vor meinem 15. Geburtstag, vielleicht auch kurze Zeit danach, das spielt ebenso wenig eine Rolle, wie die Art und Weise des Zusammentreffens. Da ich damals ein regelmäßiger Nutzer der Musikbibliothek war und es dort nicht nur Schallplatten zum Anhören, sondern auch schon CDs zum Ausleihen gab, vermute ich, dass ich in diesem Zusammenhang auf das 10. Studioalbum der Band aus dem Jahr 1977 gestoßen bin; oder es war die Leihgabe eines Freundes. Ich hörte das Album jedenfalls nur ein einziges Mal und hielt es für die beste Arbeit von Pink Floyd. Ich wollte diese unglaublich tolle Musik erst wieder hören, wenn ich sie besitze, und das dauerte dann halt ein bisschen. Angeregt durch Martinas Post über ein seit Jahrzehnten erwartetes Pink Floyd Album und Michaels Beitrag über „Batik“ („wiedergehört nach Ewigkeiten“), habe ich im März 2026 bei Dussmann eine LP-Version erstanden.
Das Album wird gerahmt von zwei kurzen und ruhigen Stücken: akustische Gitarre, Gesang, Vogelgezwitscher, viel Raum. Jedes der anderen drei Stücke ist über 10 Minuten lang und nach Nutztieren benannt (Dogs, Pigs, Sheep). Es gibt unterschiedliche musikalische Themen, Spannungsbögen werden aufgebaut und enden in dichten, flächigen und oft gespenstischen Sounds, (zum Teil mit field recordings von Tiergeräuschen versetzt) die sich dann wieder verdichten, bis das Schlagzeug wieder einsetzt und den Song vorantreibt. Das ist alles sehr dynamisch und abwechslungsreich, aber auch wie aus einem Guss.
Wie schon mit 14 beeindrucken mich David Gilmours Fähigkeiten an der Gitarre, die er singen, perlen, sägen, wimmern, fauchen, jubilieren läßt, mit der er mal ausgiebig soliert, mal den Rhythmus unterstützt – und auch alle anderen Tricks beherrscht. Aber alle Musiker spielen sehr präzise und fein. Pink Floyd bilden auf „Animals“ eine riesige Maschine aus poliertem Chrome, die eine restaurierte, penibel gesäuberte Industriehalle fast vollständig ausfüllt.
Wobei das Album von mir aus ruhig instrumental hätte bleiben können. Die thesenartigen Texte werden in meinen Ohren eher zickig deklamiert als gesungen, insgesamt nicht wirklich mein Fall. Vielleicht gefällt mir „Animals“ nicht ganz so gut wie vor Jahrzehnten, vielleicht ist es auch nicht das beste Pink Floyd Album, aber insgesamt höre ich es wirklich gerne
RAFAEL ANTON IRISARRI – A FRAGILE GEOGRAPHY

„Es sind zehn Jahre vergangen, seit A Fragile Geography in die Welt kam, und wenn ich jetzt zurückblicke, wird mir klar: Es war nicht nur ein Album – es war eine Lebenslinie.
2014 verließ ich meine Heimat Seattle in Richtung New York und tauschte den vertrauten grauen Himmel des pazifischen Nordwestens gegen die dichten, unerbittlichen Impulse der Ostküste. Was eine einfache Veränderung der Umgebung hätte sein sollen, wurde zu etwas viel Tieferem. Nur wenige Tage vor dem Umzug geriet mein Leben völlig aus den Fugen – mein gesamtes Studio wurde gestohlen, direkt vor meinem Haus. Jeder Ausrüstungsgegenstand, jedes Kabel, jede Festplatte, jedes Teil meiner kreativen Welt – weg. Am Boden zerstört, verließ ich die andere Seite des Landes mit nichts. Keine Werkzeuge, kein Archiv – nur ein leerer Ausgangspunkt und die erschütternde Aufgabe, neu anzufangen.
Dieses Album entstand aus diesem Verlust, aus einem Gefühl der Desorientierung und des Umbruchs. Es ist eine Reflexion über die emotionale Landschaft, durch die ich mich bewegte: Vertreibung, Instabilität und der langsame, schmerzhafte Prozess, ein Leben wieder zusammenzusetzen. Deshalb fühlt sich der Titel A Fragile Geography richtig an. Er bildet dieses innere Terrain ab – gezeichnet in Textur, Klang und roher Emotion.
Ein Großteil dieser Musik nahm im Hudson Valley Gestalt an, umgeben von der stillen Natur. Nach dem Chaos des Umzugs und den Nachwirkungen des Diebstahls fand ich unerwarteten Frieden in der Einsamkeit. Diese Isolation erlaubte es mir, intuitiv zu arbeiten, zu improvisieren und Klänge organisch entstehen zu lassen – sie in Echtzeit zu schichten und eher emotional als intellektuell zu reagieren. Diese Unmittelbarkeit ist in den Aufnahmen spürbar – Momente, in denen Dinge kurz davor stehen, auseinanderzufallen oder sich im Nebel aufzulösen.
Titel wie „Hiatus“, „Persistence“ und „Displacement“ spiegeln diese Momente wider. „Hiatus“ fängt die unheimliche Stille nach dem Verlust ein – den hohlen, ausgesetzten Atem zwischen dem, was war, und dem, was sein könnte. „Persistence“ handelt davon, sich durch das Trümmerfeld zu kämpfen und nach etwas zu suchen, woran man sich festhalten kann. Und „Displacement“ ist genau das: ungebunden, wurzellos, schwerelos und gefangen zwischen Welten, in denen sich nichts wirklich wie Zuhause anfühlt.
Mit der Zeit wurde A Fragile Geography mehr als nur ein kreatives Statement. Dieses Album markierte einen Wendepunkt in meinem Leben. Ich baute Black Knoll Studio in genau dem Raum auf, in dem das Album entstand. Es wurde wieder ein Zuhause für meine Arbeit. Es wurde auch ein Ort für die Projekte vieler Künstler, mit denen ich zusammenarbeiten durfte – beim Produzieren, Mischen oder Mastern ihrer Musik.
Die Verbindung zu meiner Herkunft verlieh der Zerbrechlichkeit des Albums eine weitere Bedeutungsebene – nicht nur im Zusammenhang mit persönlichem Verlust, sondern auch in den gewaltigen, tektonischen Verschiebungen von Identität, Erinnerung und Ort. In den Jahren seit seiner Veröffentlichung fühlte ich mich zunehmend zu der Heimat meiner Vorfahren hingezogen: Euskal Herria (das Baskenland). Als Teil der Diaspora in Amerika wurde diese Suche nach etwas Älterem, Tieferem und Ursprünglicherem zu einem beständigen Faden in meinem Leben. Es ist ein stiller Zug, der über Generationen hinweg nachhallt – eine Sehnsucht nach einem Ort, der sowohl real als auch mythisch ist, oft eher in Geschichten als in Gewissheit existiert.
Das Coverbild, aufgenommen von Gatzelueta in der Nähe von Bermeo, spiegelt diese Verbindung wider. In der rauen Schönheit dieses Ortes liegt etwas – wo zerklüftete Klippen auf das Meer treffen, wo Geschichte in Stein eingraviert ist – das die emotionale Landschaft von A Fragile Geography widerspiegelt. Für mich fühlt es sich wie ein Ort an, an dem inneres und äußeres Terrain zusammenfließen.
Als ich begann, die visuelle Sprache des Albums mit meinem langjährigen Kollaborateur Daniel Castrejón in Mexiko zu entwickeln, vertiefte sich diese Verbindung weiter. Während wir Wege erforschten, Erinnerung und Ort zu vermitteln, wurde uns klar, wie stark der emotionale Kern des Albums erhalten bleiben und zugleich eine Tür zu neuen Möglichkeiten öffnen konnte. Daniels Auseinandersetzung mit Bildern – seine Fähigkeit, Fotografien in geisterhafte, zeitgetragene Artefakte zu verwandeln – passte perfekt zu dieser Ästhetik. Die Arbeit von Obscurys, sanft, aber stark gesättigt von Atmosphäre, brachte diese Fotografien in etwas, das dieselbe elementare Kraft trug – eine ständige, sich selbst erneuernde Verbindung aus Erinnerung, Vergangenheit und Gegenwart.
Ein Jahrzehnt später höre ich dieses Album nicht mehr nur als Dokument von Trauer oder Überleben. Ich höre es als Zeugnis von Transformation. Es erinnert mich daran, dass selbst wenn alles auseinanderfällt und zusammenbricht, etwas Bedeutungsvolles, Ehrliches – und vielleicht sogar Schönes – entstehen kann.
Danke fürs Zuhören. Damals, heute und immer.“
— Rafael Anton Irisarri | New York, 15. April 2025
Ein heller Stern

Kein einfaches Buch, wirklich nicht. Aber eines, das nachwirkt.
Aufmerksam geworden bin ich auf diesen Roman durch das Alkazar, ein Varietétheater auf St. Pauli, gegründet irgendwann nach dem Ersten Weltkrieg, es existierte bis in die 1960er. Wer sich an meinen Blogpost von 2010 über die Maskentänzer Lavinia Schulz und Walter Holdt erinnert, oder mein Radiofeature über die beiden, bei dem läutet der Name Alkazar vielleicht eine Glocke, denn Walter Holdt hat 1923 in diesem Laden zeitweilig als Schlagzeuger gewirkt. Dieses Varieté war damals eines der modernsten überhaupt, mit versenkbarem Wasserbassin, Hebebühne und Wandleuchtern, die auch Wasserspeier waren. „Alle 15 Minuten eine Sensation — und in den Pausen keine Pause!“ war der Slogan des Hauses, seine Shows waren hocherfolgreich.
Anja Kampmann nimmt dieses Alkazar zum Ausgangs- beziehungsweise Mittelpunkt, allerdings nicht, wie ich angenommen hatte, in den 1920ern, sondern ihre Geschichte startet punktgenau im Jahr 1933. Hedda Möller arbeitet im Alkazar als Artistin. Sie tanzt auf dem Seil, während unter ihr im Wasserbassin Eddi und Fred lauern, zwei Kaimane.
Mit der Machtübergabe an die Nazis tauchen zunehmend Uniformen im Publikum auf, und die Lebensbedingungen aller Beteiligten verändern sich drastisch. Und es sind viele, sehr viele Lebensgeschichten, die hier erzählt werden.
Der Gründer und Besitzer des Alkazar, Arthur Wittkowski, ist eine St.-Pauli-Instanz, Hedda hält große Stücke auf ihn. Für die Nazis ist das, was im Alkazar vor sich geht, zu frei. Mit etlichen Tricks drängen sie ihn hinaus und setzen statt seiner den linientreuen Georg Leopold als „Betriebsführer“ ein. Der gibt dem Alkazar den treudeutschen Namen Allotria und modelt das Programm in gewünscher Weise um.
Jaan, Heddas großer Bruder, heuert als Harpunenschmied auf einem Walfangschiff an. Die Nazis wollten mit dem Walfang den Fettmangel im Reich beheben. Das klingt sehr heldenhaft und wurde auch im Hamburger Hafen so gefeiert, doch ist an dieser Arbeit gar nichts Romantisches. Der Walfang ist ein ungeheures Gemetzel, und die Autorin erspart uns nichts. Heddas jüngerer Bruder, Pauli, hat die Englische Krankheit, dadurch gehbehindert, zudem leicht autistisch, Hedda kümmert sich rührend um ihn. Aber auch er entgeht den Nazis nicht.
Wir lernen den Trompeter kennen, der leider nicht arisch genug ist, um die Bedingungen des Reichskulturkammergesetzes zu erfüllen und am Ende seine Trompete verkaufen muss, aber auch das hilft ihm nicht. Es gibt die Freunde aus den kommunistischen Sportvereinen, etwa Maks, aber sie alle werden nach und nach abgeholt. Es gibt jede Menge armselige kleine Wichte, die im Schutz ihrer Uniform, die sie nun tragen, zu brutalen Schweinen werden. Es gibt Leni, eine enge Freundin Heddas und eine zerbrechliche Person, die diese Typen in ihrer Arbeit im Bordell kennenlernen muss und zunehmend dahindämmert. Es gibt Heddas Schwarm, den Boxer Kuddel, der im Knast Fuhlsbüttel ermordet wird. Es gibt den „Grauen“, einen wohlhabenden Freier, der Hedda zeitweilig über Wasser hält — und in dessen Haus Hedda einen größeren Posten Laudanum und andere Opiate entdeckt, die dessen verstorbene Frau im Haus versteckt hatte. Es treten eine Vielzahl weitere Personen in Erscheinung; es sind fast zu viele, um sie alle im Kopf zu behalten.
Wir lernen Orte kennen, die man nicht kennenlernen möchte, etwa die Polizeibehörde, das KZ Wittmoor, das Stadthaus, in dem die „Ratten“ Schulz und Igor Hedda verhören, aber auch die Olympischen Spiele, einen Boxkampf mit Max Schmeling, Claire Waldoff tritt auf, und etliches mehr.
Hedda wird zwangssterilisiert, und man möchte würgen — denn die Frau, die das zu verantworten hat, hieß Käthe Petersen, war Sammelpflegerin in der Hamburger Sozialbehörde und verantwortlich für die Sterilisation und teilweise Entmündigung von rund 1100 Frauen, die sie als „gemeinschaftsschädlich“ ansah und „zur zuchtvollen Einodnung in die Volksgemeinschaft erziehen“ wollte. (Petersen ist dafür nie vor Gericht gestellt worden, sondern wurde 1949 Oberregierungsrätin und später Leitende Regierungsrätin. Ab 1951 arbeitete sie wieder als Sammelvormund. 1973 wurde sie zur Krönung ihrer Karriere mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.)
Auch, wenn man über die Nazizeit in Hamburg bereits gut informiert ist, so ist es doch ein Schock, wie drastisch manche Lebensumstände kippen und unter wie elenden Umständen viele Menschen damals überhaupt leben mussten — und was es noch erschreckender macht: Viele der Charaktere und Orte in diesem Buch sind, wie erwähnt, keine Märchenerfindungen, sondern es gab sie wirklich, und sie erscheinen mit ihrem wirklichen Namen. Im Anhang des Buches findet sich eine „Wer war was“-Aufstellung; es empfiehlt sich, einen Blick darauf zu werfen, bevor man in die Geschichte einsteigt. Nachschlagen lohnt sich ohnehin, denn man kann die Namen nicht alle im Kopf behalten.
Ich will hier den Schluss der Geschichte nicht verraten. Er spielt im Jahr 1937, ist in sich schlüssig und vermittelt einen kleinen Funken Hoffnung für Hedda und Pauli.
Ist schon alles dies eine nicht einfach zu schluckende Lektüre, so macht es einem die Autorin noch zusätzlich schwer, zu folgen. Zwar entwickelt die Geschichte einen starken Sog, aber Anja Kampmann, die als Lyrikerin begonnen hat, bedient sich in diesem Buch als Ich-Erzählerin einer hochartifiziellen Sprache, der zu folgen wirklich Arbeit bedeutet. Es ist, als säße Hedda neben einem und erzählte frei assoziierend ihre Geschichte. Direkte Rede wird ohne Anführungszeichen wiedergegeben, das Buch ist in meist kurze Blöcke unterteilt, die gelegentlich ein wenig hätten gestrafft werden können. Kampmann arbeitet obendrein mit Symbolen, deren Sinn sich nicht unbedingt sofort erschließt. Da gibt es etwa den „Keiler“ — er stellt die Atmosphäre dar, den die Nazis um sich verbreiten. Es dauert, bis man das begreift. Es gibt den „Braunen Wind“, worunter die SA zu verstehen ist. Prostituierte, wie sie natürlich auch im Alkazar vorhanden sind, heißen sämtlich „Ritas“; manchmal ist aber auch Hedda eine Rita, sie zerfällt dann sozusagen in zwei Teile und steht neben sich. Immer wieder wird „Schsch“ in den Text eingeschoben, was zunächst noch Sinn ergibt, aber irgendwann, wenn es wieder und wieder auftaucht, manieristisch wirkt.
Manches bleibt unklar; etwa, weshalb Hedda, obwohl sie zeitweilig in der „Produktion“ arbeitet, einem Genossenschaftsladen (in den 1950ern hieß er dann „Pro“ und war mit dem DGB verbunden; ich kann mich noch selbst an die Läden erinnern — meine Tante arbeitete in einem davon), bitterarm bleibt. Und schließlich setzt sie jeden Abend im hocherfolgreichen Varieté ihr Leben aufs Spiel. Trotzdem erzielt sie anscheinend kein Einkommen, von dem sie wenigstens bescheiden leben könnte. Es bleibt damit auch offen, weshalb sie keine Wohnung hat, sondern in Lenis Zimmer im Bordell, bei ihren Eltern oder bei dem Grauen übernachtet.
„Die Wut ist ein heller Stern“ ist vor knapp einem Jahr erschienen, und mein Exemplar stammt bereits aus der sechsten Auflage. Daraus wird man wohl auf einen Überraschungserfolg schließen dürfen. Aber der Erfolg ist berechtigt. Trotzdem wüsste ich gern, wieviele Käufer des Buches es wirklich bis zu Ende gelesen haben.
Nach dem Ende der Nazi-Ära übrigens erhielt Arthur Wittkowski das Alkazar zurück, doch wurde er schon 1947 erneut hinausgeworfen, diesmal wegen des angeblichen Besitzes von Schwarzmarktzigaretten, die damals die gängige Währung waren. Sein Nachfolger war kein anderer als wieder Georg Leopold. Arthur Wittkowski starb 1960 verelendet in einem Bauwagen.

Übrigens: Das Alkazar-Gebäude gibt es noch. Wen es interessiert: Es ist der Penny-Markt an der Reeperbahn 114, gelegen zwischen Talstraße und Hamburger Berg. Man sieht das Haus mit anderen Augen, wenn man dieses Buch gelesen hat.
Anja Kampmann:
Die Wut ist ein heller Stern
ISBN 978-3-446-28120-2
Hanser 2025, 498 SeitenA quiet place in Tunisia
Lieber Michael,
Ich wollte mich nur kurz melden zu deinet Mail und deinen inspirierenden Fragen. Die letzte Zeit bin ich sehr viel unterwegs und bin nur sehr selten an einem ruhigen Ort. Jetzt in Tunesien könnte ich einen erster Versuch machen im Schlafzimmer .. aber ohne Studio 🤷🏻♂️
Kurz: Ich bin dran und habe am Montag hoffentlich Zeit und Ruhe, dir eine schön klingende Version aufzunehmen.
Ich hoffe das ist noch ok!
Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende Dir,
Björn Meyer!
monthly revelations: May
album Seefeel: Sol.Hz
archive Art Ensemble of Chicago : People In Sorrow
film „The Straight Story“ (1999, David Lynch)
binge „Criminal Record 2“
prose Bodo Kirchhoff: Nahaufnahme einer Frau, die sich entfernt“
radio Towner, Tibbetts, Abercrombie on heavy rotation
talk „Precht + Lanz über israelische Politik“„eleven rooms to remember“
Zwei Songalben in dieser Radiostunde, und dem Anschein nach könnten sie kaum unterschiedlicher sein, der „Desert“-Blues der Tuaregs von Tinariwen, und das jüngste Werk des gern als naiven Träumer gehandelten, nun selbst in die Jahre gekommenen Jonathan Richman. Aber, Vorsicht: Falle. So simpel verhält es sich nämlich nicht mit den Stereotypien archaischer Stammesklänge und ewigjugendlicher Charmeattacken. Beides geht in die Tiefe, und dazu braucht es kein Beduinenzelt und keine Meerschaumpfeife.
Überhaupt: einige dieser elf Räume lassen sich gar nicht wirklich betreten, andere schon. völlig unmöglich etwa, mehr als einen flüchtigen Eindruck und also praktisch nichts von Irmin Schmidts „Requiem“ zu vermitteln mit einer kurzen Passage, braucht die Musik doch alle Zeit der Welt, um sich zu entfalten. was da hilft, sind Geschichten, und eine davon erzählt Irmin Schmidt am besten selbst. er wird mit 89 Jahren zum ersten Mal gastieren in „meinen“ Klanghorizonten, vor ihm waren, lang ist es her, Holger Czukay und Jaki Liebezeit schon mit von der Partie. Jaja, „Der Sound der Jahre“, immer wieder gerne blättere ich in Jan Reetzes gleichnamigem Buch. (michael)
prelude: „surprise act with Roger“ mod 1 Seefeel: Sol.Hz mod 2 Jonathan Richman: Only Frozen Sky Anyway mod 3 Pan American: Fly The Ocean In A Silver Planemod 4 – Oton (1) Björn / Björn Meyer: Convergence / Oton (2) Björn / Etienne Nillesen: Twee – mod 5 – Etienne Nillesen: Twee / Oton (3) Irmin / Irmin Schmidt: Requiem Oton (4) Irmin – mod 6
O.S.T. Sirāt mod 7 Tinariwen: Hoggar mod 8 Boards Of Canada: Inferno mod 9 (Finale with Don) „the short eternal one“
The thing with the quiet heart
Hard times, Michael?
Yo, but there‘s a hope, a horizon.
(und ein Geländer, danke, Lajla!)
Still working as therapist?
Well, Ulf, i have my moments.
Your new case, well, somone who wants to make
his love a love for forever, right?
Forever and a day, Ulf. And now it‘s your turn.
Tom is waiting.“Yo‘ve got it good. And you‘ve got time
to discover it all.“ That‘s what one of my
professors at university used to say when he
saw it on our lost faces that we‘d never heard
of some artist he was talking about.Somehwere, at some point in time before,
I‘d heard „Streets Of Your Town“ and „Right Here“.
But I didn‘t really discover The Go-Betweens until
long after they‘d broken up (for the first time).Ulf, I lived with their music from start on. When I had heard
„Cattle and Cane“ for the first time, they‘d one over me.
Every song a lesson, deep, light, wave by wave.Wave by wave, Michael. Their songs fit right in with all the music
I was into back then. Songs that I felt told me things about my life –
even if I didn‘t alays understand the lyrics. When I hear those
songs today, I always get that feeling again, and I envy anyone
who can still discover The Go Betweens.Now, Thomas, „Quiet Heart“ is one of Grant‘s greatest love songs, no doubts. Robert Forster said: „It was a new kind of song for us. Slow and building, momentum and intensity rising, hitting the audience (and ourselves) in waves of emotion.“
Special suggestion: So here‘s the challenge: buy the book with the 11 Go-Betweens song comics, titled „Thank you for a lovely day“ and make some bice screenshots from Ulf‘s comic on „Quiet Heart“. Imagine a picnic on a green lawn near a forest, a power spot of yours, and there, on a little Sonos box, you play her the song, one time the music only, and the other time, you give her the pieces of paper with the paintings, the words – and the music, and, well… she will never forget the song and that is in this case, generously anyways, about her and you. Simple as that.

And, Tom, you don‘t do this as an academic exercise, or as some weirdo new age trick on the mind, you do it with love, and the papers will unfold you like a ballet of emotions. Simple as that, again.
“Doesn‘t matter how far you come
You have always further to go“
(from Quiet Heart)„it felt like 2 in the morning all the time“

Success meant freedom. Hollis resolved to make an ambitious album that had “an absolute calm, but an absolute intensity inside of that”. Work began on Spirit Of Eden on May 11, 1987, in an atmosphere of sensory immersion. Neither the control room nor the live room of Studio 1 had windows. The sessions took place, according to Wessex’s chief engineer Stuart Stawman,
“divorced from sunlight”. The aim was to recreate the mood of a late-night Traffic session in late 1967. Phill Brown – who had actually worked on late-night Traffic sessions in 1967, which was why he got the job – recalls “an endlessly blacked-out studio, an oil projector in the control room, strobe lighting. Twelve hours a day in the dark listening to the same six songs for months. As the months went on, it became pretty intense.”
“There was an oppressive feeling a lot of the time,” says Wessex’s former maintenance engineer, Richard Hill. “When you walked into the control room, you were enveloped. You were ‘in’ something, an atmosphere, which at times was lovely – but it’s wearing when it feels like two in the morning all the time.” (Excerpt)
