• Die Grönland Filme auf der Insularia 2026

    Das Land der Menschen

    Das Land der Inuit ist der Ort, wo wir unsere Stärke finden

    Weil wir hier leben und auch in Zukunft hier leben werden.

    SUMÊ heisst die Band aus Grönland, die Zeilen oben stammen aus ihrem Song Inuit Nugat.

    SUMÉ – der Klang einer Revolution heisst auch der hinreissende Film, der zuerst auf dem Festival gezeigt wurde.

    Vier grönländische Studenten gingen zum Studium nach Kopenhagen und gründeten eine Band, die sie SUMÉ nennen. Sie wollten auf ihre Heimat aufmerksam machen, die unter der Vorherrschaft von Dänemark war. Sie erhoben ihre Stimme und sangen rebellische Lieder. Das war 1973. Sie war die erste Band, die auf grönländisch sang. Zuhause auf der Insel liefen ihre Songs im Radio. 20 % der Grönländer kauften ihr erstes Album SUMUT.. Das Cover von ihrem Debütalbum zeigt einen Inuit, der einen Wikinger besiegt hat. Insgesamt veröffentlichte die beliebte Band drei Alben. Der charismatische Frontsänger Malik Hoeg verstand mit seinem Aussehen, seinen Texten zu polarisieren. Diese Musik war prägend für eine ganze Generation, wie es für uns in den 60ern die Rollingstones mit Satisfaction waren. Die englische Band Procol Harum wollte die grönländischen Musiker gross rausbringen, einer der Vier wollte aber lieber sein Studium beenden. Die Band löste sich1977 auf.

    In dem Film werden viele Interviews wiedergegeben, man sieht Menschen, die vor einer Super 8 Kamera freundlich in die Kamera lächeln, man sieht Inuit, die rebellisch die Songs mit erhobener Faust singen.

    Regie führte Inuk Silis Hoeg. Grönland 2014. 73 Minuten.

    Ich war von dem Film begeistert.

    Anschliessend wurde ein Kurzfilm gezeigt. ENTROPIA

    Der Film ist 10 Minuten lang, ich habe 10 Minuten abfotografiert. Es wurden Aufnahmen von Grönland gezeigt, die ich in dieser Schönheit noch nie gesehen habe. Es ging um die Inuit und ihren Bezug zum Eis- Was der Klimawandel anrichtet, wurde beeindruckend in dieser kleinen Dokumentation gezeigt. Mir kam der traurige Gedanke, was es für ein Volk bedeuten muss, wenn es zusieht, wie seine Heimat wegschmilzt.

    Regie führte Inuk Jörgensen. 2024

    Der dritte Film hat mich stark an einen meiner Lieblingsfilme erinnert, an FAHRRADDIEBE von Vittorio de Sica. Es geht in diesem grönländischen Film um einen Hundediebstahl. EL LADRÓN heisst der Film, Der Hundedieb. Dieser Film schildert eine wahre Begebenheit, die Jugendlichen sind alles Laiendarsteller. Ein autistischer Junge hat einen Hund, der ihn ständig begleitet. Er hat nur einen Freund, der zu ihm hält. Die anderen Jungs wollen mit dem sonderbaren Kaali nichts zu tun haben. Sie stehlen ihm den Hund.Er rennt durch s Dorf, sucht überall seinen Hund, bis er ihn gefunden hat. Er “ stiehlt“ ihn zurück. Sein einziger Freund kehrt ihm den Rücken zu, er sagt, dass er kein recht hat zu stehlen. Kaali setzt ich zu seinem Hund, grault ihn und singt ein trauriges Wiegenlied.. Dann geht er nachhause, betet vor einem Altar und teilt seinem Freund mit, dass er den Hund wieder zurückgegeben hat.

    Der Film hat mich sehr bewegt. Die Liebe zu einem Tier wird ja in diesen nördlichsten eiskalten Breiten potenziert. Darüber steht aber die Moral, wenn es auch eine ziemlich verquere ist. Die Szenen wurden in Ostgrönland gedreht in Tassilaq.

    Regie führte Christoffer Rizvanovic Stenbakken. 2024. 20 Min.

    Der letztgezeigte Film WINTER’S YEARNING wurde in Maniitsoq an der Westküste von Grönland gefilmt. die Filmemacher lebten 7 Jahre in diesem Ort, sie kommen aus Dänemark und Norwegen. Warum 7 Jahre in dieser Eiseskälte. Ein amerikanischer Konzern möchte eine Aluminiumschmelzhütte dort errichten. Die Bevölkerung begrüsst dieses Vorhaben, weil es Vorteile verspricht. Als Protagonisten der wartenden Gesellschaft haben die Filme drei Personen erkoren: einen,der der Erste ist, der einen Master gemacht hat und die Verhandlungen mit dem US Konzern überschaut. Der andere Inuit ist ein Therapeut, der hauptsächlich die Alkoholkrankenthematik bezeugt. Er erklärt den Einheimischen, wie wichtig es ist, unabhängig zu sein, nicht zu warten, sondern sich selbst zu stärken. Die dritte Person ist eine junge Fischfabrikarbeiterin, sie will aus dem Kaff raus, sie hat andere Sehnsüchte, sie will in die Hauptstadt NUUK. Das Aluminiumwerk ALCOA wird nie gebaut. Am Ende des Films läuft die letzte Strophe der grönländischen Nationalhymne:

    Demut führt zu absolut garnichts. Grönländer wacht auf und erhebt Euch. Ein wundervolles Leben ist unser Ziel, bezieht mutig Stellung.

    Regie führten Sidse Torstholm Lasen und Sturla Pilskog. 2019. 90 Min.

    Ich bin so froh, dass ich auf El Hierro leben kann.

    (Lajla Nizinski)

  • kind advice

    you love at least two of the albums listed below? then this one by Movietone (2003, reissued now) will be another revelation.

    Smog: Red Apple Falls

    Stars of the Lid: And Their Refinement Of The Decline

    Robert Wyatt: Comic Opera

    Crescent: Resin Pockets

    (m.e.)

  • Brian, Joan, Jon, Jan & Associates

    BRIAN ENO has, after a 35-year hiatus, decided to relaunch his fabled record label, Opal. The whole interview with Eno on Opal and much more can be read in the December edition of UNCUT. Here‘s a little excerpt with some echoes in the comments ranging from an old Jon Hassell portrait from the early 1990‘s to the „Punkt Family“ with Jan Bang, Eivind Aarset and Arve Henriksen. (m.e.)

    Was there anyone you tried to get for Opal but couldn’t?

    At one point I thought I would love to have Joan Armatrading on the label! I know that sounds a bit random, but I really admired her work. But I don’t think we ever made any approach to her. Mostly, it would be just people I already knew – like Jon Hassell, who was really one of a kind. 

    Hassell was another very uncompromising character…

    Oh my gosh… I mean, we were very close friends, but bloody hell! He could have had such a happier life if he hadn’t been so paranoid. He worked with so many people who really believed in him and did everything to support him, and he always thought, ‘They’re trying to take over my life.’ 

  • Just Another Day in Matala

    Ein Bilderbuchsonnentag. Eine gute Woche nach dem grossen Unwetter. An Comos Beach sind die Schildkröten eingezogen, und keine Sonnenschirme und -liegen werden mehr aufgestellt. Das bringt bittere Einbussen für die Taverne, wenn vor allem Kurzverweiler und Sonnenstichresitente an dem entlegenen Strand vorbeischauen – kein Paradies mehr für Kids, die den ganzen Tag sonst herumtollen. Und Bunga Bunga wird ihre Tintenfische nur noch in geringer Zahl servieren. Wo soll ich nun meine „beach books“ lesen? Kreta ist riesengross, in der Nähe, heisst hier, dreissig, vierzig Minuten mit dem Leihwagen, noch entlegener, aber nur Kieselsteinstrand. Dafür der gleiche Wind aus Afrika, und, das ist die Hoffnung, Stille bis zum Horizont. Eine Stille wie auf Amrum im Winter. (m.e.)

    (Apart from local Greek Radio, i only listen to the soon-to-be reissued „Drawn From Life“ by Eno / Schwalm on car rides. Leah Kardos is right: it’s a revelation, as it has been for me 25 years ago. It unfolds its greatest impact when being taken in from start to end. Enjoy the historic interview we‘ve recently put out as a scrap book story!)

  • Distributeur automatique de fromage à la campagne


    Wer südlich der Vogesen über hügelige Landstraßen fährt, in allen Richtungen am Horizont abgeerntete Felder, im Abstand von wenigen Kilometern kleine Ortschaften, Straßendörfer, die aus ein paar alten Häusern und einer Kirche bestehen, die Wolken im Westen erst rot gefärbt, dann verschwunden, wird feststellen, dass im Dunkel der Nacht nur vereinzelt ein Fenster beleuchtet ist, und auch das nur sehr schwach. Die alten Häuser, die eine verloren gegangene Würde ausstrahlen, einige sind verfallen, Mauern stürzen ein, Glas ist zerbrochen, man versucht, sie zu verkaufen. Die Leere hinter geschlossenen Läden. Andere Geschäfte öffnen nur auf Anfrage oder wenige Stunden. Baguette gibt es aus einem Automaten, ebenso Käse aus der Region. Auch Blumen, Softdrinks und zehn Pizzasorten. Vor dem Café sitzt jemand am Straßenrand, auf dem einzigen Stuhl, und schaut, die Dose mit dem Getränk schon auf dem Bordstein abgestellt.

  • Michelle und der alte Friseur

    in dear memory of Margarete Scheibelhut, my first Michelle from a distance

    Papa konnte es nicht gut aushalten, wie sein Sohn sich eine Mähne wachsen liess. Wir schreiben das Jahr 1965, 1966. Die Zahl meiner Singles war überschaubar, früh hatte ich die Freude des Radiohörens entdeckt, oft unter der Bettdecke, bis ich nach Luft schnappen musste. Europawelle Saar, Radio Luxemburg, vielleicht auch Piratensender. Immer wieder hörte ich Nowhere Man (das haute mich jedesmal um!) oder Michelle von den Beatles im Radio, und bis heute singe ich manchmal von Michelle die gleichen Zeilen vor mich hin, das Kauderwelsch von englisch und französisch, wie ich es verstand. Wahrscheinlich singe ich diese zwei, drei Zeilen seit über einem halben Jahrhundert falsch, aber das macht nichts, eine Brücke aus Kindertagen.

    Da ich bis 1970 nur ein Beatles-Album wie wahnsinnig gehört hatte, Sgt. Pepper (bald kamen das rote und das blaue Doppelalbum, perfekte compilations) hatte ich Rubber Soul und seine Wucht damals, im Herbst 1965, gar nicht so mitbekommen. Wie die Kinks lieferten mir die Beatles Seelen- und Körpernahrung im Wochenrhythmus ihrer genialen Songs und Singles. Meine erste Matte bekämpfte mein Vater mit Geld: 20 Mark, wenn ich zum Friseur gehe. Von dem Geld konnte ich vier Singles kaufen und ein Eis in meiner Lieblingseisdiele in Dortmund-Hombruch.

    Der alte Friseur schnitt mir die Haare aber wirklich arg kurz, platzierte einen Seitenscheitel. Wie doof sah das denn aus! Und dann grinste ich, denn aus seinem Radio kam plötzlich die „Hottentottenmusik“ der Beatles, und natürlich Michelle. Kein Ort, wo meine Bands nicht den Raum eroberten. Das war das letzte Mal, dass ich so einen Handel machte. Alsbald gab es zwei Kultfriseure, die sich auf Hippiefrisuren verstanden („lang, aber gepflegt“). Die machten im Laden eine schöne Show wie Meister Wittke, oder sie verrichteten still und leise ihr Handwerk. Viel später hörte ich erst „Rubber Soul“, in meinen Studentenjahren, mono oder in Ping-Pong-Stereo.

    Aber nie hörte ich das Album mit solcher Klarheit, solcher Transparenz, solchem Punch, und so gloriosem Stereo wie jetzt am Wochenende, in dieser atemraubend-neuen Mischung. Da ist es tatsächlich so, dass ich hier einige Dinge und Klänge zum ersten Mal höre, und das hat etwas, als würde man einem alten Zauber beiwohnen, der unverhofft das eine und andere Unerhörte aus dem Hut zaubert. Obwohl: kein Remaster, kein Remix, keine Deluxe-Kiste, keine nie gehörten Takes können nur annähend an die frühen Jahre, die ersten Male, heranreichen. The first mix is the deepest! Dennoch, diese neue Stereo-Darbietung ist verblüffend, und mir eine grosse Freude! Als „Standard Edition“ erhältlich, mit oder ohne zwanzigseitiges Booklet!

    (Michael)

  • INSULARIA 26

    INSULARIA 26 ist ein internationales Filmfest, das Werke zeigt, die auf den weltweiten Inseln gedreht wurden.

    Gestern startete das jährliche Filmfestival, das in diesem Jahr zu meiner Freude GRÖNLAND zum Schwerpunkt hat. Zunächst liefen sechs Kurzfilme, von denen ich zwei detaillierter beschreiben werde.

    I am a rock
    I am an island

    BIVALVA wurde 2022 auf der chilenischen Vulkaninsel Calbuco gedreht. Regie führte Gabriel Montiel. La historia se escribe de noche wurde 2024 auf Kuba gedreht. Regie führte Alejandro Alonso. Bondy Boy wurde 2025 in Australien gedreht. Regie führte Rhavin Banda. PA wurde 2025 auf Menorca gedreht. Regie führte Maria Besora.

    Diese vier Kurzfilme haben sozialkritische Themen zum Inhalt: eine Fabrikarbeiterin wird von ihrem Chef vergewaltigt, eine Mutter erzählt über ihre schlimmen Visionen, ein indischstämmiger Schüler leidet unter rassistischen Vorwürfen seiner Mitschüler, eine Bäckerin will Sängerin werden.

    And a rock feels no pain
    And an island never cries

    YOU LAND wurde 2023 in Schottland gedreht. Regie führte Debora Maité.

    Diese tragikomische Parabel zeigt eine junge Bäuerin, die sich um ihre alte depressive Mutter kümmert.Ich halte diesen Film für aktuell und wichtig. Er zeigt, wie sich Medien gegenüber Menschen verhalten. Die alte Mutter liegt einsam vor dem Fernseher und spricht mit ihm. Die Tochter zieht sich in ihr Handy zurück und glaubt durch die digitale Welt lebendig zu sein. Wenn es zum persönlichen Gegenüber kommt, lachen die Frauen zusammen, streicheln sich und suchen die Nähe im gemeinsamen Bett. Der Film tröstet insofern, weil er zeigt, dass weder das altmodische Fernsehen noch das moderne Internet das Lachen oder das Berühren der Haut ersetzen können.

    DODO wurde 2025 auf Réunion gedreht. Regie führte Lorris Coulon.

    Ich fand diesen Kurzfilm lustig und wichtig. A must see at schools. Zwei ökobewusste Schüler stellen in ihrer Schulabschlussarbeit in einem Kurzfilm das Verschwinden von dem Vogel DODO vor. Ihre chaotische Suche führt sie tief in eine Vulkanlandschaft, wo sie tatsächlich ein grosses Dodoei finden. Sie wollen den ausgestorbenen Vogel zu neuem Leben erwecken.

    Anmerkung: Der Dodo war ein Vogel, der nicht fliegen konnte. Seefahrer fingen sie, um sie als Nahrung mit auf ihren Schiffen zu halten. Zu ihrer Ausrottung führte aber auch — nein, nicht der Klimawandel — wir befinden uns am des Ende 17.Jhdts. , sondern der Mensch! Die von den Seefahrern mitgebrachten Haustiere, Schweine, Hunde, Katzen… frassen die auf dem Boden liegenden Eier und die Jungtiere. Das führte zur Ausrottung dieser besonderen Vögel.

    Die beiden Filme über Grönland werden kommendes Wochenende gezeigt. Ich berichte..

    (Lajla Nizinski)

  • „Eine andere blaue Welt“ – Brian Eno und Peter J. Schwalm im Gespräch (2001)

    At one point of our conversation, Brian asked me: „Do you know where „Drawn From Life“ really came from?“ I raised my eyebrows, then he told it. (Michael, 2001)

    „Revisting Drawn From Life is something of a revelation.“ (Leah Kardos, The Wire, November 2026)

    Das ganze Interview aus der alten Jazzthetik vom Mai 2001 kann in der Form einer „Papierschnitzel-Story“ gelesen werden, und zwar HIER! Einen Preis für Formschönheit ist dabei nicht zu gewinnen, aber dafür ein interessanter Einblick in das Opus „Drawn From Life“ von Brian Eno und Peter J Schwalm aus dem Jahre 2001, das am 16. Oktober in allen Formaten als LP, CD, und DL neu erhältlich ist! In der Kolumne „Talk“ der „monthly revelations“ findet sich mein Interview mit Brian über „Another Day On Earth“ aus dem Jahre 2005.

    In other words: The entire interview from the old issue of Jazztethik from May 2001 can now be read as a “scrapbook story”— just click on that one word in bold letters in the German text! It may not win any awards for aesthetic appeal, but it does offer an interesting insight into the 2001 album “Drawn From Life” by Brian Eno and Peter J Schwalm, which will be re-released on October 16 in all formats—LP, CD, and digital download!

  • „Stories From The Nerve Bible“

    Schon ein spezielles Gefühl, seiner alten jungen Stimme zu begegnen, wie hier: mit einem Klick auf die „Portrait-Zeile“ wird man zu meinem Gespräch mit Laurie Anderson und allerlei Stories (u.a. aus dem New York der Reagan-Jahre in den Achziger) entführt. Der aktuelle Anlass war ihr gerade zur Veröffentlchung anstehendes Album „Bright Red“. Ich hörte daraus erstmals einen „rhythm track“ in Brian Enos altem Studio in Kilburn, als ich ihn, noch vor der Internet-Zeit (bevor es jedenfalls richtig losging) besuchte, um 1993, an einem tropischen Tag in London, über sein Album „Neroli“ zu sprechen. Der einige berufliche Anlass der Reise. Im Sommer darauf hatte ich eine gute alte Promo-Kassette im Urlaub in der Toskana dabei, von „Bright Red“, und bald traf ich Laurie in Köln.

    „A portrait of Laurie Anderson anno 1994“

    Icn sah sie drei-, oder viermal live, unvergessen ihre Konzerte in der Essener „Lichtburg“ und in der Philharmonie in Köln, beiden in den 1990er Jahren! Später traf ich sie in Kristiansand bei eiinem Punktfestival wieder. Schon damals waren und blieben meine Lieblingsplatten von ihr „Big Science“, „Mister Heartbreak“ und eben „Bright Red“. Ihre Stories im Interview lockten auf interessante Abwege. Meine Erinnerung an ihre Nepalreise führte dazu, diese Sendung ausgraben zu lassen, damit ich sie in meiner Abschiedsvorstellung verwenden konnte.

    „Studiozeit“ war in den frühen 1990ern noch der Oberbegriff dieser von der Jazzredaktion (Harald Rehmann) betreuten Portraitreihe – damals konnte ich daher noch Küntler ausserhalb des Jazz vorstellen wie Steve Reich, Simon Jeffes, oder Brian Eno. Die wanderten dann aber bald in die nächtlichen „Horizonte“. Auf meiner Wunschliste für weitere Ausgrabungen: meine Sendungen mit und über Michael Naura, Charles Lloyd, Peter Rühmkorf, John Zorn, Jon Christensen, Stephan Micus, Paul Motian, Charlie Haden und und und …. Harald war mein Mentor, als ich ohne Vorerfahrungen, Beziehungen, Sprechertiehung und sonstige „Starthilfen“ zum Radio kam. Neben Volker Bernius (HR) und Michael Naura (NDR). Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich diesem „Trio“ bin!

    Wenn das alles zutrifft, was ich mitkriege, findet im nächsten Jahr, was dem ganzen Bereich nicht-klassischer Musik angeht, ein Kahlschlag ohnegleichen im DLF statt. Bye, bye, Autorenradio! Ich hoffe, dass von der jüngeren Generation z.B. ein Klassekollege wie Niklas Wandt weiterhin, wo auch immer, solche free-style-Sendungen a la „Klanghorizonte“ machen kann. Und mindestens 36 Jahre, Alter! Ich hatte das Glück, so lange dabei zu sein. Eigentlich machte ich meine letzte Radionacht 2021 im Bewusstsein, zum letzten Mal die Klanghorizonte zu machen. Aufgrund des Engagements von Thomas Loewner konnte ich noch fünf Jahre weitermachen, zur „prime time“ sogar. Dank dafür!