• Blue Morpho

    Ich bin ehrlich erstaunt, dass bei all der Albumloberei und Jahresbestenlistenerei hier noch niemand das neue Album von Ed O’Brien erwähnt, geschweige denn wertgeschätzt hat. Ich hätte schwören können, dass Blue Morpho für jede/n mit mindestens vager Radiohead-Interessenslage ein Muss ist – und für jene, die Talk Talk, Hollis/Webb, die letzten Lambchop-Alben oder David Sylvian zu schätzen wissen, erst recht. 

    Ich habe die CD gekauft, auch wenn ich vorab, speziell auch nach O’Briens so ganz nettem ersten Soloalbum, nichts wirklich Besonderes erwartet hätte. Auch die drei sehr schönen Alben von The Smile bleiben letztlich ja auch dem Radiohead-Kosmos recht treu. Ein paar in die Tiefe gehende Rezensionen und zwei, drei Berichte über bzw. Interviews / Interviews mit O’Brien haben allerdings deutlich gemacht, dass der Radiohead-Gitarrist hier ein sehr ambitioniertes, eigenwilliges und sehr originelles, persönliches Werk geschaffen hat.

    Die Stücke sind ein bisschen länger als konventionelle Songs, öffnen sich durchweg unprätentiös in verschiedene Richtungen und knüpfen direkt an die besten Momente aus der Glanzzeit von Radiohead an — und liefern damit, mehr als deren letztes Album A Moon Shaped Pool genau das, was man sich von der – als Studioband – seit auch schon zehn Jahren offenbar ruhenden Band erwartet hätte. Ed O’Brien belegt hier eindrucksvoll, wie elementar auch seine Mitwirkung als ein Fünftel der Band Radiohead offenbar war, wo oftmals ja vor allem Thom Yorke und Jonny Greenwood die meisten Lorbeeren zugeworfen werden. Er öffnet wie mit links ein paar Assoziationsräume zu Bands, die seit jeher als Einflüsse auf Radioheads Sound und Ideenwelt angeführt wurden, etwa Pink Floyd, Can oder eben Talk Talk; und verknüpft dies obendrein überraschend souverän mit ein paar markanten Aspekten aus dem zeitgenössischen ECM-Kosmos, etwa durch die Beteiligung von Tõnu Kõrvits und Musikern des Kammerorchesters Tallinn, und der gegenwärtigen britischen Nicht-mehr-Jazz-Szene, da er die umtriebigen Allround-Musiker Shabaka Hutchings und Dave Okumu integrierte. 

    Höchst faszinierend, wie diese Suite aus einem Guss als ein klassisches Album funktioniert. Wie ich las, gab eine Depression im Zuge der Entwicklung im Jahr 2020 Ed O’Brien Anstoß für die Arbeit an Blue Morpho. Und mit diesem Hintergrundwissen ist es gleich nochmal eindrucksvoller, wie diese sieben subtil ausufernden Stücke vielschichtig eine inspirierende Erfahrung, einen persönlichen, sozusagen inneren Weg nacherleben lassen. Ich meine, ich greife nicht zu hoch, wenn ich nach einigen Hördurchgängen dieses Albums von einem Meisterwerk spreche, das im aktuellen Jahr den Status eines Klassikers verdient hat und womöglich das beste Radiohead-Album seit fast 20 Jahren ist. 

  • Lieder vom Felsgrund

    Drei OTÖNE von Robert Wyatt: H E R E !

    (Heute morgen wiedergefunden. Sie stammen wohl aus meinen Londoner Gesprächen aus den Jahren 1997 und 2003, Thema waren die Alben „Dondestan“ und „Shleep“… oder doch „Cuckooland“? Robert spricht über seinen Anspruch an Musik, sein Changieren zwischen Jazz und Pop, sein Trompetenspiel und mehr… ich habe den Raumklang eines Cdplayers aufgenommen, vielleicht muss man etwas lauter stellen, aber es lohnt sich. Es beginnt nach 10 Sekunden Stille.)

    Lieder vom Felsgrund. Oder vom Meeresboden? Oder vom Abgrund? Oder vom Nullpunkt, was immer mitschwingt im Titel einer meiner wichtigsten Wegbegleiter seit späten Teenagerjahren, „Rock Bottom“ von Robert Wyatt. Erst jetzt stiess ich auf die zweite John Peel Session von Robert Wyatt. Er war nach seinem schicksalhaften Fenstersturz im Sommer 1973 sehr lange im Krankenhaus, und aus seinen letzten Wochen dort und seinen ersten im Rollstuhl stammt der grossartige Songzyklus. Wenn es diese kleine John Peel-Session auf einer Maxi-Single gäbe (es sind nur 18 Minuten) würde ich sie sofort erwerben. Aber ihn HIER auf youtube zu hören, ist auch sehr bewegend, und viel mehr als ein Kuriosum.

    Mr Neely ist ebenso angetan und schreibt in AD: „Das Set ist makellos produziert und präsentiert zwei Stücke aus Wyatts Meisterwerk „Rock Bottom“, das im Sommer 1974 erschien, darunter eine atemberaubende Interpretation von „Sea Song“, die die aquatische Atmosphäre des Mellotrons ebenso einfängt wie die klanglich perfekte Darbietung von Klavier und Gesang. Ebenfalls vertreten ist der vielleicht skurrilste von Wyatts poporientierten Klassikern, eine Coverversion von „I’m a Believer“ von The Monkees, die ebenfalls in jenem Jahr als Single erschienen war und bei „Top of the Pops“ gemeinsam mit Nick Mason von Pink Floyd aufgeführt wurde. Schließlich werden wir mit dem einzigartig komischen „Soup Song“ verwöhnt – einem Vorausblick auf den Titel, der im folgenden Jahr das Album „Ruth Is Stranger Than Richard“ eröffnen sollte. Sowohl auf Platte als auch in diesen wegweisenden Radiosessions ist „seltsam“ („strange“) das größte Kompliment, das hier im Spiel ist. 

    (das Wort für „skurril“ lautet im Original „whimsical“😉)

     Reprise: I travelled three times to London to interview Robert and Alfie on „Dondestan“, „Shleep“ and „Cuckooland“ in the times of their release. Unforgettable, when, on the hottest day of that summer of 2003 , we were lead to the empty Purcell Room, that excellent concert hall, and then moved though every track of „Cuckooland“.  At one point Robert told me how Brian Eno sang his part of the uncanny „Forest“ with opulent arm gestures of an opera singer. (And what a deeply moving song that is, from two of my favourite singers ever!) Many of his stories blurring the lines between the private and the political. And such a great humour, too. He‘s life‘s company, always has been! (m.e.)

    Julio Cortazar und Robert Wyatt sind sich leider nie begegnet, obwohl es früh in den 1970er Jahren möglich gewesen wäre in Paris. Was Politik und Jazz angeht, wören hier zwei verwandte Seelen aufeinander gestossen, und hätte man ihre leider nur imaginären Gespräche über eine Woche aufgezeichnet, wäre ein wunderbares Buch dabei herausgekommen.

  • Weekend Nourishment

    Elvis Presley: From Elvis In Memphis / Boards Of Canada: Inferno / Visible Cloaks: Paradessence / Shane Parish: Autechre Guitar / Mikhail Pletnev: Chopin & Scriabin – Préludes / Linton Kwesi Johnson: Dread Beat An‘ Blood / Horace Andy: Dancehall Style / Blumfeld: Jenseits vom Jedem / Miles Davis: Filles de Kilimanjaro / Jeff Parker: Happy Today / Boards Of Canada: Inferno

  • It‘s a strange, strange world

    In den letzten Tagen wurden mir zwei Dinge bewusst: zwei Bands hatte ich in den Klanghorizonten durchweg sträflich vernachlässigt, von der einen hatte ich ein frühes Album vorgestellt, aber zu wenig Feuer gefangen, um ihren weiteren Weg zu verfolgen (Seefeel), von der anderen hatte ich nie wirklich was gehört, bis ich vor wenigen Jahren die Magie ihrer frühen Werke entdeckte (American Analog Set) und die Schatzkiste mit dem Titel „New Drifters“ sowie atemraubend coloriertem Vinyl meinen Plattenspieler ausgiebig in Beschlag nahm. Und heute hörte ich das neue Album von „Seefeel“ in zwei Durchgängen, und was war das denn bitteschön: Meister des fade-in, des fade-out, und des in-between, rätselhaft, pastoral, und ungeheuer subtil.

  • Eine Radiosendung aus den frühen 1990er Jahren

    “It is a point worth remembering as we listen to these records. We are being told a story. Nothing we are hearing really happened.“ (Graeme Thomson)

    Endlich ist das Buch von Graeme bei mir angekommen, „In Another World. The Four Seasons Of Talk Talk“. Darin geht es um die vier essentellen Alben „The Colour Of Spring“, „The Spirit Of Eden“, „Laughing Stock“, und „Mark Hollis“ aus den Jahren 1986 bis 1998. Alles Klassiker, alles Alben, die ich in den dreieinhalb Jahrzehnten meiner „Horizonte“ in den Nächten spielte, stückweise, immer wieder mal. Dass in meiner letzten Sendung im September Graemes Buch vorkommt, und ein Song aus „Laughing Stock“, darauf kann man ein Ei schlagen. Schon im ersten Kapitel über „The Colour Of Spring“ gewinnt der Schreibstil und der Gehalt des Buches meine volle Sympathie.

    Und obwohl der Autor Mark Hollis nie begegnet ist, kehrten meine Erinnerungen an unsere Interviews in London zu „Laughing Stock“, und in Hamburg zu „Mark Hollis“ zurück. Er gab überhaupt nur sehr wenige Interviews, und meine Erinnerungen sind so lebhaft wie wehmütig. Auch wenn die Aufnahmen verloren gingen, mündeten sehr viele O-Töne in die „Klanghorizonte“ der Jahre 1991 und 1998, in zwei lange Artikel in „Jazzthetik“, sowie in eine neunzigminütige Ausgabe des „Klanglaboratoriums“ (oder hiess es „Jazzlaboratorium“) beim NDR, als Michal Naura Redakteur war und mir zehn Jahre lange grünes Licht gab für alle möglichen Expeditionen durch die Randgebiete der improvisierten Musik.

    Besitzt jemand diese Sendung zufällig? Unwahrscheinlich. Die damalige Crew von Naura ist im Ruhestand, und jene frühen Tonbänder wurden meines Wissens nie digitalisiert. Ich gab den Titel meiner damaligen Sendung, eine diskrete Abwandlung von „50 ways to meet your lover“, bei Google ein, mit zusätzlichen Stichworten, und schaltete in den KI-Modus. Folgende Antwort erhielt ich: „Es gibt keinen bekannten Titel „50 Wege, das Zeitgefühl zu verlieren“. Der Begriff stammt wahrscheinlich aus einem Gespräch des Moderators Hubertus Meyer-Burckhardt, der in der NDR Talk Show über sein Buch „Diese ganze Scheiße mit der Zeit“ und den bewussten Umgang mit der eigenen Lebenszeit spricht.

    Fast eine Kalendergeschichte!

  • Patience der finalen Horizonte

    Vorspiel: Es war  ist schon eine besondere Jugenderinnerung. Drei Wochen in den Sommerferien mit Eltern in einem erlesenen Hotel in Reit im Winkl, eine Reitstunde, nach der mir einen Tag der Hintern wehtat (bye, bye, Robert Fuller!), verliebt in eine evangelische Pfarrerstochter, die mich nur träumen liess, nicht mal ein Kuss auf die Wange, und ein Jahr später eine surreale Zugfahrt an ihrer Seite in den Schwarzwald um eine Horde wilder Kinder in einem Nonnenstift abzugeben. Was blieb mir an heissen Sommertagen ausser „Foxtrot“ von Genesis zu hören, das „blaue Album“ der Beatles – und immer neue Patiencen zu legen, mit Hilfe eines Büchleins aus dem Falken-Verlag. Teenager sind kleine Hormonfabriken, und ich erprobte 25, 30 Patiencen, alle auf ihre Weise reizvoll, unterbrochen von Fantasien über die schärfste „milf“ (= „mothers i like to be fucked by, in meiner Lesart) meiner frühen Jahre, die sich genau ein Stockwerk unter mir auf ihrem Holzbakon in der Sonne rekelte. „If paradise is half as nice“, sang Amen Corner aus meinem Transistorradio.  Aber Jahrzehnte später kam meine Lust an der Patience zurück, als die Abstände zwischen meinen Klanghorizonten immer länger wurden, und ich diverse Playlists entwarf, stets auf der Suche nach dem perfekten „sequencing“. Da es zu den Prinzipien dieses Blogs ohne Bezahlschranke gehört, eigenen Passionen und Schreibfantasien nach Lust und Intuition zu folgen, fand ich immer mehr Freude an dieser „Patience der Horizonte“. 

    Imaginary September Playlist (for Lorenz E.)

    Evening on the Carlisle-Edinburgh Line, aus Trains In The Night (4‘43)
    Jan Garbarek: Sart, aus Sart (14’51)
    Lifetones: For a Reason, aus For A Reason (6‘37)
    Marion Brown: Maimoun aus Vista (8‘01)
    Scott Walker: Manhattan, aus Tilt (6‘05)
    Martina Testen / Simon Šerc: Nokturno, aus Nokturno (5‘00, Ausschnitt)

    Nokturno is the sound of a single night, from dusk to dawn, rich in complexity and rife with meaning.  The creatures appear at different times, staggering their appearance, finding ways in which to co-exist.  The thunder rolls; the residents react.  Church bells suggest a divine hand.  As the frogs surface, the animals emerge from their holes and the birds begin to sing again, what ideas might rule their thoughts?

    P.S. Natürlich ist diese Liste rein fiktiv – so wird es nicht kommen. Aber würde ich die Stunde genauso durchziehen, es kämen keine Beschwerden! 😉 Und natürlich, das feine Buch von Millay Hyatt fände seinen Platz. Mein Dankeschön an den einen oder andern Akteur aus der Echokammer meiner Maihorizonte! (m.e.)

  • Whimsical

    unusual and strange in a way that might be funny or annoying

    a whimsical tale

    Despite his kindly, sometimes whimsical air, he was a shrewd observer of people.

    https://dictionary.cambridge.org/de/worterbuch/englisch/whimsical#google_vignette

    Manche Wörter muss ich häufig nachschlagen, als ob die an keiner Stelle meines Gedächtnis andocken können. „Whimsical“ ist eines davon, ich kannn mir nicht merken, dass man auf Deutsch dafür Worte wie skurril, verspielt oder wunderlich benutzt. Die Zeilen sorgen hoffentlich dafür, dass dieses schöne englische Wort in Zukunft einen Platz in meinem Gehirn findet.

    Ich scheine auch eine Vorliebe für Musik zu haben, die whimsical ist, wie zum Beispiel die Band Woo, die mir vor drei Jahren durch ein wirklich nettes Video des Youtubers Dom (Seeking A Thread) vorgestellt wurden und deren Musik mich gleich angesprochen hat. Die Schallplatten sind out of print und auch gebraucht nicht ganz günstig, ich habe mich da erstmal nicht weiter drum gekümmert. Aber nun ist eine Neuauflage ihres Erstlings „Wichever Way You Are Going, You Are Going Wrong“ remastered und mit einer zweiten LP voller Outtakes erschienen.

    Die Musik auf dem Album ist irgendwie zeitlos, sie könnte an der Weser in den 70er Jahren, in den 80ern im japanischen Hinterland oder in London oder Chicago der 90er entstanden sein. Die beiden Brüder Clive und Mark Ives haben sie in den späten 70ern in einer Wohnung im Süden Londons aufgenommen und dabei sehr leise gespielt, damit die Nachbarn nicht gestört werden. Irgendwann kamen sie auf die Idee, die Gitarre mit den Synthesizer zu verbinden und so deren Klänge zu verfremden; sie fanden so einen sehr eigenen, verspielt-verträumten und sehr melodischen Sound.

    First Song – Best Song: Das Album beginnt mit dem wunderbaren Swingtime, ein Song, der mich sofort einnimmt und gute Laune macht. Die Stimmung ist damit gleich gesetzt – skurril und wunderlich, verwunschen und von einer eigentümlichen Liebenswürdigkeit; ich kann mir das gut als Soundtrack für ein psychedelisches Puppentheater vorstellen. 

    Alles ist irgendwie beschaulich und wahnsinnig relaxed. Die Brüder geben ihrer Musik alle Zeit der Welt. Sie reihen Melodien aneinander, lassen Klangwolken und lustige Geräusche vorbei ziehen, benutzen hierfür immer wieder unterschiedliche Instrumente – neben zahlreichen Synthesizern und Gitarren kommt die Klarinette immer wieder zum Einsatz, dazu Klangschalen und ein Xylophon. Bass und Schlagzeug bilden immer das Fundament für die kleinen Kuriositäten. Auf dem Song The Attic wird gesungen und spätestens da erinnert es mich doch sehr an Brian Eno.

    Musik die sich allen Kategorien entzieht: Kein Ambient, kein Pop, weder Folk, noch Elektronik – die Musik bewegt sich spielerisch zwischen diesen Polen. Das Album klingt nach neugierigen Menschen, die ohne großes Konzept ihren Ideen folgen und dabei etwas Eigenes erschaffen haben. Und „whimsical“ ist glaube ich das passende Wort dafür.

  • Die Mutter und die Hure

    Vor ein paar Tagen schickte mir Thomas P. die Ankündigung eines Boxsets mit den Filmen von Jean Eustache, und dann fiel es mir wieder ein. Als ich mich neulich an die Story erinnerte, dass Brian Eno nur einmal das erste oder zweite Album der Velvet Underground gehört hat, und davon so ergriffen war, dass er die Wucht dieses Erlebnisses nicht durch weiteres Hören schmälern wollte. Mir fiel nämlich kein Album ein, mit dem ich je vergleichbar umgegangen bin, aber ich bin ja auch kein Musiker. Aber mir fiel ein Film ein, den ich damals, 1973 oder 1974, im Fernsehen sah, und der mich wohl tatsächlich ähnlich umhaute, und den ich danach bewusst oder unbewusst nie wieder sah. „Die Mutter und die Hure“. Was für ein langer Nachhall! Ich sehe den alten Fernseher vor mir, in meinem „Kinderzimmer“, ich hatte mich in die Bettdecke eingekuschelt, und den Rücken an die Backsteintapete gelehnt. Direkt neben dem Bett der Plattenspieler, das Cover von Jan Garbareks „Sart“. Oder war es „Ruta and Daitya“ von Keith Jarrett und Jack DeJohnette? Ein Film, in dem ich viel von mir wiederfand, ein Film, der mich dermassen berührte, dass die vielen Gespräche darin und die Caféhausszenen wie im Fluge vergingen. Ich bin gespannt. Und Thomas P.s Besprechung eines „Meilensteins des feministischen Kinos“ ist nun auch pünktlich zur Monatswende in unseren „revelations“ gelandet.

    Der Text zur Box liest sich so: „Vom Arbeiterkind aus der Provinz zum radikalen Provokateur in Paris: Jean Eustache ist der ungeschliffene Diamant des französischen Kinos, der Regisseure wie Jim Jarmusch, Hong Sang-soo und Claire Denis bis heute prägt. Als „Ethnologe der eigenen Realität“ sprengte der Working-Class-Regisseur jede Grenze zwischen Fiktion und nackter Wahrheit, um die emotionale Leere der Post-68er-Generation schonungslos offenzulegen. (Aber, „emotionale Leere“, das lasse ich nicht so stehen!😉; Anm. von M.E.) Seine Filme sind keine bloßen Erzählungen, sondern visuelle Sezierungen menschlicher Abgründe und gesellschaftlicher Rituale, die durch ihre raue, fast klinische Ehrlichkeit eine unerreichte Intensität entwickeln. Lange Zeit unter Verschluss und nur als Mythos unter Cineasten bekannt, kehrt sein Werk nun in einer aufwendig restaurierten Box zurück. Ein absolutes Muss für alle, die das widerspenstige und radikale Filmemachen suchen. Enthält folgende Filme und Dokumentationen: La Rosière de Pessac (1968 & 1979) Du côté de Robinson (1964) Le Père Noël a les yeux bleus (1967) Numéro zero (1971) La Maman et la Putain (1973) Mes petites amoureuses (1974) Une sale histoire (1977) Les Photos d’Alix (1982)“

  • Meine 14 Alben des ersten Halbjahres 2026

    Der Deal ist klar. Das Beste kommt am Schluss, am Nikolaustag. Dann werden es 20 sein. Here they come (strictly ranked, but with the sense the numbers 7 til 14could change places day by day). Meine Halbjahresliste also. Klar ist, dass ich sehr vieles gar nicht kenne und Boards Of Canada nicht vor Ende September hören werde. Und leider ist Jonathan Richman schon im letzten Jahr erschienen, es wäre sonst meine Nummer 4. I love this guy, his album, his work.

    Es beginnt, mit der überraschendsten Nummer 1 seit zwanzig Jahren, Asher Gamedzes „A Semblance Of Return“ (*****). Das ist ein Meister aus Südafrika, und die Musik so reich, humorvoll, tief, dass sie mich jedesmal packt. Es folgen auf den folgenden Plätzen:

    2) Jeff Parker ETA IVtet: Happy Today *****
    3) Daniel Lanois: Belladonna Nocturne**** 1/2
    4) Pan American: Fly The Ocean In A Silver Plane **** 1/2
    5) Björn Meyer: Convergence **** 1/2
    6) Sunn O))): Sunn O))) **** 1/2
    7) Aldous Harding: Train On The Island ****
    8) Tinariwen: Hoggar ****
    9) Eivind Aarset: Strange Hands ****
    10) Laurie Anderson with Sexmob: Let X = X live ****
    11) Kurt Vile: Philadelphia’s Been Good To Me

    12) Bill Wells: Dreams 24/25 ****
    13) Andrew Wasylyk: Irreprable Parables ****
    14) Kreidler: Schemes ****

    P.S. it still takes some time til the official release of Monsieur Lanois‘ forthcoming labour of love at the end of July

    Old music I returned to in 2025 so far and will return to in summer, autumn and winter (my Lanzarote island collection): Don Cherry: Relativity Suite / Miles Davis: Agharta / Bill Connors: Of Mist And Melting / Mal Waldron: The Call (Japo / ECM / buried treasure) / Brian Eno and David Byrne: My Life In The Bush Of Ghosts / Neil Young: Dume (two album set, extended version of Zuma) / Jan Garbarek / Anouar Brahem / Shaukaz Hussain: Madar / Antoine Dougbe et l‘orchestre polyrythmo de Cotonou (completely mad, but i like it. It crashes every Taylor Swift party)