Abschiedskonzert für Monika
Sie war von der Jazzmusik begeistert.
Immer wenn sie Swing hörte, war sie voller Lebensfreude. Sie hatte einen feinen, erlesenen Musikgeschmack. Sie sagte einmal,besonders der Swing vermittle ihr ein freies Lebensgefühl.
Ich habe ihr zu Ehren ein Konzert zusammengestellt, das ihr sicher gefallen hätte.
Weil sie so plötzlich von uns gegangen ist, möchte ich das sehr emotionale Stück von Keith Jarrett vom Kölner Konzert zuerst auflegen. Und zwar die ZUGABE. Keith war damals sehr erschöpft, auch von den widrigen Umständen, die das Konzert mit sich brachte. Trotzdem gab er diese zarte Abschiedsmelodie als Zugabe. Es ist ein sehr emotionales Stück, das unsere Abschiedsstimmung von Monika zulässt und trägt.
Ruby, oder soll ich liebevoll Monika sagen, my Dear, ist das zweite Stück, das ich für sie spiele. Rist von Thelonious Monk, den sie so sehr schätzte. Sie mochte den “ inneren Swing” von den Stücken BLUE MONK und BLUEHAWK. Sie meinte, diese Musik stärke sie. Ich spiele sie. Und gleich danach die tiefen, nachdenklich machenden Balladen, die ich auf dem Album “ Alone in San Francisco” finde. REFLECTIONS ist das stillste, tiefste Soloklavierstück von Monk. Mir bringt es warme Erinnerungen an sie zurück.
Monika war eine kluge, selbstbewusste Frau, immer authentisch. Sie hat sich von keinem vorschreiben lassen, wie sie ihr Leben gestalten soll. Sie stand auf den Straßen von El Hierro, das Palästinenser Tuch um den Kopf gewickelt und protestierte lauthals gegen die Gräueltaten an den palästinensischen Kindern. Deswegen habe ich das energetische, optimistische Stück ausgesucht: LONG AS YOU KNOW YOU RE LIVING YOURS.
Natürlich darf Billie Holiday nicht fehlen. Monika hatte einen guten Humor. Oft sprachen wir über das Bild der Frau in der heutigen Gesellschaft. Ich denke an dem bittersüßen Song LOVE ME OR LEAVE ME hätte sie ihre Freude gehabt.
Für den Konzertabschluss wàhlte ich noch einmal was aus der Swing Ära. IN THE MOOD von Glenn Miller, nicht den BigBand Sound sondern eine sanftere Version, die zum Abschiedslied ADIÓS passt.
Monika ist jetzt dort, wo der Swing niemals aufhört. Wir begleiten sie mit dieser musikalischen Reise.
(Lajla Nizinski)
Aktives Träumen
Seit ich in diesem Frühjahr wieder einmal angefangen habe, meine Traumerinnerungen aufzuschreiben, hat sich etwas entwickelt, was ich nie für möglich gehalten hätte. Glückliche Fügungen, Synchronizität oder Serendipity haben mich zu einem Buch geführt, dem ich diese Erfahrungen verdanke.
Bisher bin ich davon ausgegangen, dass ich meinen Träumen im Prinzip passiv ausgesetzt oder sogar ausgeliefert bin. Wie ich inzwischen las, entspricht dies der Auffassung von C.G. Jung, für den der Traum dem Einfluss des Bewusstseins entzogen war. Auch meine zunächst sehr oberflächliche Begegnung mit den Traumritualen der Senoi, seien sie nun wahr oder von Kilton Stewart erfunden, hatte daran nichts geändert. Dann entdeckte ich im Sammelband „Der Wissenschaftler und das Irrationale“ aus dem Jahr 1981, herausgegeben von Hans-Peter Duerr, einen Beitrag von Werner Zurfluh, der seit seinem 23. Lebensjahr regelmäßig Aufzeichnungen über Träume, luzide Träume und außerkörperliche Erfahrungen angefertigt hatte. Mich begeisterte Werner Zurfluhs Ausdauer, Konsequenz und das zeitliche Engagement für seine, wie er es nennt, „Forschungen im nächtlichen Bereich“, und insbesondere faszinierte mich ein im Beitrag geschilderter Traum, der seinen beruflichen Plänen eine neue Richtung gab, die er zeitlich mit seiner Familie und seiner Traumwelt vereinbaren konnte. Mehrmals erwähnte Werner Zurfluh ein Buch von Patricia Garfield, das er mitübersetzt hatte und das im Jahr 1980 im Schweizer Ansata Verlag erschienen war: „Kreativ träumen“. Dieses Buch war für mich der Durchbruch zu einem aktiven Umgang mit Träumen. Es ist eine ausgezeichnete Anleitung, Träume gezielt zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit einzusetzen. Die englische Originalfassung erschien im Jahr 1974 unter dem Titel „Creative Dreaming“.
Patricia Garfield erzählt anschaulich von Kulturen, in denen Träume einen entscheidenden Stellenwert einnehmen: von den amerikanischen Indianern, bei denen Träume über den Platz einer Person in der Gesellschaft entscheiden, den Senoi, die ihre Kinder beispielsweise lehrten, Traumfeinde anzugreifen und Traumfiguren zu Hilfe zu rufen, und tibetischen, wachbewusst träumenden Yogis. Patricia Garfield erklärt, was wir von diesen Traumkulturen lernen können, wie man ein Traumtagebuch führt, Traumerinnerung fördert und Alpträume bekämpft. Sehr hilfreich für die Traumerinnerung war für mich der Tipp, nach dem Aufwachen die Augen geschlossen zu halten, mich nicht zu bewegen, mich auf das zuletzt erinnerte Bild des Traums zu konzentrieren und dann möglichst den kompletten Traum ins Bewusstsein zu rufen, um ihn aufzuschreiben. Patricia Garfield rät, jedem Traum einen Titel zu geben. Als ich mir überlegte, mit welchem Stift ich die Überschriften schreibe, denn ich wollte sie optisch abheben, erhielt ich ein Päckchen einer Freundin, das einen wunderbaren bronzefarben-metallischen Stift enthielt.
Auf jeder Seite ist spürbar, dass „Kreativ träumen“ für die Autorin ein Herzensprojekt ist. Das Buch ist sorgfältig recherchiert, hat 15 Seiten wissenschaftlicher Anmerkungen und ein fünfseitiges Literaturverzeichnis. Patricia Garfield schreibt ermutigend und praxisnah; immer wieder bringt sie eigene Erfahrungen und solche aus ihren Seminaren ein, auch Forschungen, die erstaunliche Zusammenhänge zeigen. Beispielsweise dauert eine Geburt kürzer, wenn sich die Schwangere in ihren Träumen mit den Ängsten der bevorstehenden Gebärsituation auseinandergesetzt hat.
Hat man erst einmal ein paar Dutzend Träume aufgeschrieben, kristallisieren sich wiederkehrende Themen, Motive, Traumorte und Verhaltensweisen des Träumenden heraus. Interessant sind auch verschiedene Variationen davon. Dann kann die Phase der Reflexion, Bearbeitung und Gestaltung der Träume beginnen. Patricia Garfield schreibt: „Nehmen wir einmal an, dass Sie sich an Ihre Träume schon ziemlich gut erinnern können (…). Dann können Sie (…) auch damit beginnen, sie zu gestalten. Wie ein Bildhauer mit seinem Ton arbeitet, formen Sie Ihre Träume nun so, dass sie Ihnen statt Terror und Wirrwarr aktive Hilfe bringen.“ Und an anderer Stelle: „Ihre Träume zu ändern, gibt Ihnen mehr Macht über Ihr innerseelisches Leben und überträgt sich schließlich auch auf Ihr Verhalten im Alltag.“ Zur eigenen Beeinflussung der Träume gibt die Autorin zahlreiche Anregungen. Wie man die Bearbeitung der eigenen Träume umsetzt? Zum Beispiel wünscht man sich etwas und fasst den Wunsch in konkrete Worte. Ich habe mir kräftige Farben im Traum gewünscht, Naturerfahrungen, ungesehene, eindringliche Bilder, Ratschläge, Traumhelfer (also Personen, die mich unterstützen) . Ich habe mir gewünscht, dass in einem meiner Träume Essen geteilt wird (bisher hat meines Wissens noch nie jemand etwas in meinen Träumen gegessen; Patricia Garfield findet es wichtig, dass im Traum gemeinsam gegessen wird.). Alles hat sich umgesetzt! Eine andere Technik besteht darin, sich einen Traum vor Augen zu führen und sich statt eines eigenen, unerwünschten Verhaltens ein anderes, erwünschtes Verhalten vorzustellen. Im Traum üben wir nämlich Verhaltensweisen ein, die unser Leben außerhalb des Traums beeinflussen. Deshalb ist es so wichtig, sich im Traum zu behaupten, zum Beispiel gegen Angreifer. Der Gegenangriff aktiviert innere Kräfte, die man dann in den nächsten Tag mitnimmt. Patricia Garfield erklärt, wie man mit Traumbildern, Traumfiguren und Aussagen als Teil des Unbewussten in einen Dialog treten kann. Das Buch enthält auch einigesüber luzide Träume, also solche Träume, in denen sich der Träumende der Traumsituation bewusst ist und das Geschehen bestimmt, vor allem Flugträume. Diese sind für Patricia Garfield Höhepunkte der Selbstentfaltung und der Selbstbestimmung im Traum.
Ein weiteres Buch von Patricia Garfield, „Der Weg des Traum-Mandala“, beginnt mit diesen Sätzen: „Eine stille Entwicklung findet in unserer Seele statt. Fast unmerklich wandeln wir uns allmählich Traum für Traum im Dunkel der Nacht zum neuen Selbst, das wir morgen sein werden.“ Diese Veränderung passiert unabhängig davon, ob wir uns an unsere Träume erinnern. Die Erinnerungen an unsere Träume und der aktive Umgang damit bereichert unser Leben um eine weitere Dimension und hat das Potenzial, Verhaltensweisen in gewünschte Richtungen zu verändern und unsere Persönlichkeit zu entwickeln und zu stärken.
Das Kennenlernen bei Heimspielen
Jeder Musikbegeisterte hat es schon mal erlebt. Man steht unter wildfremden Konzertbesuchern und hat das Gefühl, eine große Familie zu sein. Am intensivsten hatte ich diese Vertrautheit auf Bob Dylan- und Grateful Dead-Konzerten.
Am Wochenende spielten die Toten Hosen in Düsseldorf. Sie sind bekanntlich aus Düsseldorf und ich bin zur Zeit in der Stadt. 100000 Fans aus der ganzen Welt ebenfalls. Campino machte Ansagen in der U Bahn, seine Bandmitglieder fuhren mit dem Fahrrad durch die Altstadt und begrüßten die Fans. Mehr Nähe geht nicht. Während meiner Arbeit im Goethe-Institut habe ich immer wieder die Texte der Toten Hosen besprochen. Das neue Abschiedslied “Düsseldorf” ist der Band von der Lyrik her nicht so gut gelungen, Köln und Bochum machten es besser. Aber keiner kann die Wehmut, die Liebe zu seiner Heimatstadt, gesanglich so rüberbringen wie Campino. Ich war nicht im Stadion, unterhielt mich aber mit einigen Fans, die in einer stundenlangen Warteschleife für ein T-Shirt anstanden. Sie waren von dem Auftritt begeistert: Campino hätte alles gegeben, er sei ja nicht immer so gut wegen Drogenkonsums dabei gewesen. Ich lernte einen Mann kennen, auf dessen T Shirt “Scheiss Wessi” stand. Ich fragte ihn, ob er die Toten Hosen aus DDR-Zeiten kennen würde. Er nickte. Sagte aber sonst nichts. Schade, dass anscheinend in der Musik und im Sport die Unterschiede immer noch groß sind.
Mich würde interessieren, ob die neuen Flowys, die ja viel jünger sind als ich, mit der Neuen Deutschen Welle, die ja wie die Toten Hosen im Ratingerhof gegründet wurden, etwas anfangen können. Oder ob sie begeisterte Kraftwerker sind. Ich würde Euch gern besser kennenlernen. Schreibt doch mal was.
(Lajla Nizinski)
„Klanghorizonte“, Deutschlandfunk (September 24th)
„Talking guests“: Jonathan Meiburg (Shearwater), Graeme Thomson, and, maybe, more
„Anfang 2024 hörte ich auf dem Weg zur Tankstelle ein Lied im Radio. Nur ein minimalistisch mit einem einzigen Akkord begleitetes Banjo und eine kleine Gruppe von Stimmen. Es schien in diesem Moment perfekt zu sein, so wie der Moment selbst perfekt wurde. Ich habe nie herausgefunden, wer das war – es klang ein bisschen wie früher Country-Gospel? Auf meiner Suche entdeckte ich eine Art des Gospelsangs, die als „Lined-Out-Singing“ bekannt ist und angeblich Ende des 19. Jahrhunderts in Schottland entstanden ist. Sie wanderte in die Appalachen aus und wurde zu einer wenig bekannten Wurzel des amerikanischen Gospel und Country … Eine spontane Art des A-cappella-Gesangs im Call-and-Response-Stil, angeführt von einem Vorsänger mit einem Chor von Sängern, der die rohe Schönheit und Kraft der menschlichen Stimme mit ihren einzigartigen Facetten offenbart – seine schmucklose Einfachheit verlieh den gesungenen Worten Gewicht. Ich wollte eine Platte aufnehmen, die diese Art von Musik nachahmt.“ (Kurt Wagner, Lambchop)
Lambchop: Punching The Clown (2026)

Shearwater: The New World (2026)
„There is arguably no modern musician working today who has better assimilated the approach Talk Talk’s Mark Hollis took on his masterworks Spirit Of Eden and Laughing Stock: a richly orchestrated art music assembled in a way that feels simultaneously intimate in sentiment and gigantic in scope.“ (Louis Pattison, Uncut, August 26)

Seefeel: Sol.Hz (2026)

Talk Talk: Laughing Stock (1991)

Daniel Lanois: Belladonna Nocturne (2026)

Laurie Anderson: Bright Red (1994)

Jana Winderen: Spring Bloom in the Marginal Ice Zone (2018)
„‘Spring Bloom in the Marginal Ice Zone’ is recorded mostly in the Barents Sea and Arctic regions and the creatures you find there. The Bearded Seal´s hauling sound is recorded right there under the Sea-ice in the Barents Sea. I would say that already out in the field when pushing record the composition process has already started; you make choices when you place the microphone or hydrophones, or ultrasound detectors in a certain place and start listening long before you record anything. Ideas start to form at this early stage. Its all down to the choices you make; even if you choose to leave the recording gear out by itself in the field, where you place it is a compositional choice.“ (Jana Windern, from my 2018 interview)

Brian Eno: Nerve Net (1992)

Nearly everybody has a story to tell with „field recordings“, that will always trigger the knowledge about some of the most adventurous sounds being „out there“. Some of those albums became famous, some very much stayed under the radar (very much like the spaces they had been exploring). Even the so-called well-known can easily turn into stranger things. By chance, I once discovered an old album named „Trains in the Night“ beautifully capturing the sounds of old locomotives in England‘s vast hinterland, and the nature around. Listening to the compositions of artists like Jana Winderen or BJ Nilsen, is always a special experience. Is the howling of the wind real, or enhanced by electronics? How can someone „document“ sounds that cannot be be heard within our „normal“ range of perception? In a way the act of „cartographing“ distant areas includes sharpened senses, adequate tools – and inventiveness. When I was sinking, literally, into the „music“ of Jana‘s „arctic“ record, I couldn‘t help but remember, in moments passing by, old sci-fi movies and books, but from minute to minute I was more and more drawn into the sounds themselves and forgetting my sepia-tinged nostalgia. Where-am-I-music of a rare kind. (Michael Engelbrecht)
Book of the hour:

The book tells a story of a band and the people in it, but it
is above all a biography of four records: The Colour Of Spring.
Spirit Of Eden. Laughing Stock. Mark Hollis.It is a story of the disturbance of sound in space, the
upending of expectations, the meeting of spontaneous
accident and laborious design.A mad kind of science to it all.
In the pursuit of what end? Enduring beauty. Enveloping
mystery. Art that lasts and shape-shifts, that is never heard
quite the same way twice.Something sacred.
Some kind of virtue.
Steve Swallow‘s late work of class
Steve Swallows warmer und resonanter E-Bass grundiert die Performances subtil und unaufdringlich – nur in einem der neun Stücke räumt er sich ein kleines Soloshowcase ein, mit dem so unverwechselbar schlanken und stimmhaften Ton, den er an seinem halbakustischen Instrument mit der zusätzlichen hohen C-Saite und dem Plektron erzeugt. Ein Detail in einem würdigen Alterswerk, entstanden aus innerer Notwendigkeit – ‘Winter Songs’ ist Trauerarbeit unter Freunden – und auch wenn Steve Swallow mit 85 Jahren nicht mehr auf die Bühne zurückkehren mag, so hat er mit diesem Album zumindest die Tür ins Studio wieder sehr überzeugend aufgestoßen.
Niklas Wandt, Deutschlandfunk Kultur
Man hört hier der Musik alter Freunde zu, die alles, aber auch alles, in ihr Spiel legen, um der Musik – das war wohl ihre gemeinsame Vision – Luft zu geben, Atem, Aura, also etwas, bei dem die üblichen Worte (Analysen, Vorurteile, Lobeshymnen, Schnellschüsse) in eine schöne Leere laufen. Mission erfüllt. So lässt sich auch mit lyrischer Eleganz, mit makellosem Sound, Zauber auf Zauber entfachen, ohne einen einzigen überflüssigen Ton. Wer die drei letzten Alben von Carla, Steve und Andy ganz besonders mag, wird auch hier fündig werden, und, im seltsamen Glanz eines Rückblickes auf gelebtes Leben, von ferne auch mal die Lichter des ‘Hotel Hello’ aufflackern sehen!
Michael Engelbrecht, Flowworker
more about Swallow‘s „Winter Songs“ HERE!
Speaking about Marion Brown albums (we love the most)
Alto sax player and composer Marion Brown had his appearance on John Coltrane‘s free jazz eruption ASCENSION. And he was an essential part of Harold Budd‘s „Pavillion of Dreams“ from Brian Eno‘s Obscure Records. Quite contrary albums. Now Dutch label Aguire rereleased Marion Brown‘s „Awofora“ from 1976, not released on Impulse Records like some of his career highlights did. Andy Beta (who just came up with his Alice Coltrane biography) loves „Awofora“. Four ears, two views.

Note: I haven’t heard „Awofora“, this actual reissue of this ludicrously hard to hear 1976 album. But now. Note: It’s my favorite Marion Brown record. Yeah, even more than Sweet Earth Flying. Note: And I fucking love Sweet Earth Flying. Even more than Geechee Recollections. Note: I still find myself on the other side of the fence with Afternoon Of A Georgia Faun, but keep hoping that may one day change.
(Andy Beta)

Note: I haven’t heard, too, this actual reissue of this ludicrously hard to hear 1976 album. But now. Note: It’s NOT my favorite Marion Brown record, but a good one – 3 and 1/2 stars. I have two favourite Marion Brown albums Sweet Earth Flying. And Geechee Recollections (I fucking love both of them). Note: I still find myself on the other side of the fence with Afternoon Of A Georgia Faun (one of those early ECM albums I didn’t fall in love with 😉), but keep hoping that may one day change. And I like to add one thing: there is another beautiful album Marion Brown did in the 1970s, that is quite underrated, because „Vista“ will in fact sound so easy on your ears that you might call it „easy listening jazz“, and for all the good reasons though. Probably there are not so many deeply moving easy listening jazz albums out there, and this is one of them! With an absolutely perfect cover!
(Michael Engelbrecht)

Nachklang: Jörg Drews hatte ein Näschen für experimentelle Literatur, und seiner Besprechung in der SZ am 4. August 1979 (dieses Datum ist geraten) verdanke ich eines meiner abenteuerlichsten Trips deutscher Literatur in den 70ern. Drews verglich Handkes „Die Linkshändige Frau“, mit Hartmut Geerkens „Obduktionsprotokoll“, Minimalismus vs. Überfluss. Für mich entpuppte es sich eher als Vergleich von übertriebenem Geraune und hochspannender Improvisation. Ich kannte Hartmut Geerken (der wie Lajla ewig und drei Tage im Goethe Institut gearbeitet hatte) auch als versierten Rezensenten von Jazzplatten im Jazzpodium, und erinner mich noch bestens an den warmen Sommertag des 5. Juli 1975 (dieses Datum ist auch geraten) im Würzburger Zeitschriftenladen „Montanus“, als mich seine Worte über Marion Browns „Geechee Recollections“ (Impulse Rec.) so neugierig machten, dass die Platte kurz danach auf meinem Plattenteller landete. Und sie wurde zu einem „Lifer“, wie danach auch „Sweet Earth Flying“ – und, an bestimmten Sommerabenden auf Langeoog und sonstwo, eben auch „Vista“! Nächste Woche komt die nächste Hitzewelle – ich hau wieder ab auf die Insel, mit ein paar schönen Marion Brown Platten für die Fahrt. Dank an Andy Beta! Richard Williams‘ Besprechung von Andys Coltrane-Bio ist übrigens sehr interessant. Siehe comment 2. Marion Brown und Alice Coltrane hötten auch ein gutes Paar im Studio abgegeben – leider ist es nie dazu gekommen.
Ein Hörspiel
1966 hat Julio Cortazar diese phantastische Erzählung geschrieben, die sich nun als ein rundum gelungenes Hörspiel des Deutschlandfunks entpuppt – mit einerm Quantum sozialer Utopie. „Das Feuer aller Feuer“ war, lang ist es her, der erste Band voller Erzählungen, den der Suhrkamp Verlag veröffentlichte. Mit seinem Gespür für das Surreale, für das Politische, und die Sehnsucht, nahm er mich von Anfang an gefangen. Sein Roman „Rayuela“ gehört zu den existenziellsten Leseabenteuern meinen Lebens. Er kehrte übrigens, kurz vor seinem Tod, noch einmal auf die Autobahn zurück, als er mit seiner Geliebten losfuhr, ganz real, von einem „Raststattabenteuer“ zum nächsten. Beide wussten, dass sie bald sterben würden. Also liessen sie sich noch mal auf das Leben ein, auf vollen und leeren Autobahnen, fernab der touristischen „power spots“, mit einem geschärften Bewusstsein und fein austariertem Humor. „Die Kosmonauten auf der Autobahn“ – Julio Medem sollte es mal verfilmen! (me)
Eno

(English here)
Der Filmemacher Gary Hustwit hat schon sehr sehenswerte Filme gemacht; erinnert sei an sein Portrait des Designers Dieter Rams oder seinen Film über die Schrifttype Helvetica.
Brian Eno hatte schon die Filmmusik zu dem Rams-Film gemacht, da lag es wohl nahe, ihn auch selbst zu portraitieren. Seit 2024 wird der Film Eno jetzt durch die Arthouse-Kinos gereicht (das hieß: keine Chance in Pittsburgh), seit einigen Wochen wird er nun aber auch gestreamt. Seltsamerweise und leider wird die Kinofassung mit einer Spieldauer von 1 Stunde 40 Minuten angegeben, während die Stream-Fassung nur 1 Stunde 20 Minuten läuft.
Das Special ist, dass man den Film nie zweimal in derselben Fassung zu sehen bekommt. Immer werden kleine Ausschnitte ausgetauscht oder deren Reihenfolge verändert. Damit hängt sich der Film natürlich an Enos „Generative Music“-Konzept an. Das ist ein netter Gimmick, aber für den Normalzuschauer, der den Film nur einmal sieht, sinnlos, da man nicht die Möglichkeit hat, mehrere Fassungen miteinander zu vergleichen.
Der Film zeigt Schwerpunkte aus Enos Karriere, wir erleben kurz Bryan Ferry, David Byrne, Daniel Lanois oder David Bowie, wir sehen Brian Eno bei der Gartenarbeit oder beim Herumhacken auf einem Omnichord, beim Abspielen einer Ambient-Platte vor Publikum. Wir erfahren, dass Joni Mitchell einmal eine Ambient-Platte mit ihm machen wollte, er jedoch ablehnte, weil seine Ambient-Einspielungen von der Kritik zunächst schwer verrissen worden waren und er das Wort „Ambient“ nicht mehr hören wollte. Heute möchte er sich dafür in den Hintern beißen. Wir sehen, dass Eno, der in seinem Diary-Buch „A Year with Swollen Appendices“ von 1996 noch behauptet, seine Tagebuchversuche hätten immer bereits im Februar geendet, ein Riesenpaket sorgsam durchnumerierter und -datierter Notiz- und Skizzenbücher verwahrt — immer getreu der alten Regel: Wenn du Künstler werden willst, dann bewahre alles auf, was du machst.
Das ist aber auch schon alles. Irgendwelche sensationellen Neuigkeiten über Eno bringt der Film nicht, dafür eine Menge schnelle Schnitte. Für die $11, die der Stream kostet, ein bisschen dünn.
