• Once upon a time today: „Lifetones“

    Was habe ich das erste blaugelbe Album von This Heat geliebt. Und dann auch noch „Deceit“! Aber allmählich löste sich die britische Bande auf. Es gab noch das eine oder andere Nachspiel. „For A Reason“ von „Lifetones“ hätte heute noch seinen Platz sicher in meinem Schallplattenrgal, aber es kam mir irgemdwie abhanden. 2013 hatte es das feine Label „Light In The Attic“ noch einmal ans Licht gebracht. Hört es euch an! Sollte jemand die Platte in astreinem Zustand haben und nicht annähernd so mögen wie ich – ich freue mich auf ein Geschenk! Oder einen Tauschhandel. Aber das Vinyl muss „near mint“ sein. (m.e.)

    “For A Reason“

    Draußen. Südlondon, Anfang 1983. Das straff gespannte Gerüst von This Heat beginnt sich zu lockern. Nicht durch Neuerfindung, sondern durch Auflösung und Anreicherung. Auf „For a Reason“, dem einzigen Lifetones-Album von Charles Bullen und Julius Cornelius Samuel, sickert Brixton in die Aufnahmen ein. Reggae dringt durch die Wände. Basslinien zirkulieren. Rhythmen bewegen sich geduldig.

    Die Verwandlung kündigt sich allmählich an. Wo sich This Heat oft nach innen schraubte, öffnet sich „For a Reason“ nach außen. Julius Cornelius Samuels Bass verankert die Platte, verlangsamt ihren Puls und lässt die Wiederholungen sich in ihrem eigenen Tempo entfalten. Selten treibt er das Material im herkömmlichen Sinne voran, stattdessen verdichtet er den Raum unter den Arrangements, während Dub-Echos schweben und die Percussion einen Bruchteil länger nachklingt als erwartet.

    Über die sechs Tracks hinweg tauchen in den asymmetrischen Gitarrenfiguren von „Distance No Object“ und „Good Side“ noch Spuren der Kantigkeit von This Heat auf, doch die Stimmung hat sich völlig gewandelt. Die Spannung bleibt, doch der Druck hat nachgelassen. Selbst die schärfsten Kanten drücken nicht mehr nach innen.

    1983 in kleiner Auflage unabhängig veröffentlicht, erschien „For a Reason“ zu einer Zeit, als ein Großteil der britischen Experimentalmusik zunehmend von Abrasion, Fragmentierung und ängstlicher Spannung geprägt schien. Lifetones gingen andere Wege. Vierzig Jahre später klingt die Platte immer noch unheimlich präsent, während sie sich nach Einbruch der Dunkelheit durch Los Angeles bewegt. Unabhängig von der geografischen, psychischen oder sonstigen Lage bleibt dieses Gefühl der Offenheit schwer von der Musik selbst zu trennen.

    (Aquarium Drunkard)

  • Orte für den Nebel, Orte für das Schmelzen

    Auch die Schrifttypen auf der Rückseite des LP-Covers schienen den Titel „Von Nebel und Schmelzen“ ernst zu nehmen, und die letztes Reste der Druckerpatrone (oder des Farbbandes der Schreibmachine – es war der Dezember 1977, als dieses Album enstand) zu verfeuern, als wären die Buchstaben selbst, ob Namen, Orte oder Titel preisgebend, von der Auflösung bedroht. Wo kam Bill Connors her, wo ging er hin?

    Als der Gitarrist, dessen Lebensweg vom elektrischen Sound der Rockmusik (Stones, Hendrix, das volle Programm) und des Fusion Jazz zum akustischen Klangbild des ECM-Kammerjazz überging, zwischen 1975 und 1980, um es dann wieder mit der riesigen Spielwiese des elektrifizierten Sounds und ihren fortlaufend neuen Spielzeugen aufzunehmen, entstanden eine gute Handvoll Alben, bei Manfred Eichers Hauslabel oder Paul Bleys I.A.I., einer Art ECM-Parallelwelt, in der dem kanadischen Pianisten etwa das zweithinreissendste Solopianoalbum seines Lebens gelang, „Alone, Again“, Jahre nach dem Geniestreich „Open, to love“.

    Es wundert mich nicht, dass Bill Connors fast ein halbes Jahrhundert später mit Wehmut auf diese Phase, und nicht zuletzt auf „Of Mist And Melting“, zurückblickt, dass jetzt in einer makellosen Pressung in der Vinyl-Serie „Luminessence“, neu aufgelegt wurde, mit feinem Gatefold-Cover und klugen „liner notes“ von Friedrich Kunzmann. An Connors‘ Seite Jan Garbarek, Jack DeJohnette und Gary Peacock, und zwar in jener Fabulierlust und Konzentration, die in den 1970er Jahren des Münchner Labels stilbildend und Abenteuer zugleich waren. Leicht irreführend könnte es übrigens sein, wenn der Leser dieser Zeilen mit meiner fahrlässig hingeworfenen Vokabel vom „Kammerjazz“ sogleich andere Schubladen zieht, vom „lyrischen Sound“, von der „Stille zwischen den Tönen“. Ein kleiner Teil der Wahrheit ist schon zuviel des Irrtums.

    Denn dieses unfassbar aufregende Album treibt die Dynamik von „aus der Haut fahrend“ und „in sich versunken“ dermassen auf die Spitze, dass reines Staunen und Gänsehaut zu den meistgenannten Begleitphänomenen des „deep listening“ zählen dürften. Bill Connors gefährlich ruhiges, seltsam kontrolliertes Spiel auf der Akustikgitarre drängt in keinem Augenblick ins Rampenlicht, und doch sind Ekstase, stille Präsenz, Hitze und immense Reibung allgegenwärtig – die Fenster dieser „Jazzkammer“ ohnehin sperrangelweit aufgerissen. Das mit dem Nebel und dem Schmelzen ist eben ein verdammt weites Feld.

    Was man übrigens auch an jenem anderen Meilenstein sieht, der im gleichen Dezember 77 entstand: „Places“, von Jan Garbarek, einmal mehr mit Bill Connors, Jack DeJohnette. Was Wunder, dass das Cover einmal mehr in allen möglichen schillernden Grautönen daherkam! Das Quartett vervollständigte diesmal der britische Pianist John Taylor, der mir einmal mit Schmunzeln von der leicht defekten kleinen Orgel erzählte, die auf „Places“, trotz des edlen Konzertflügels, auf regen Zuspruch stiess und für manch hinterhältigen Zauber sorgte. Ein Schelm, wer an Robert Wyatts beschädigte Mini-Yamaha-Orgel denkt, die schon auf „Rock Bottom“ reizvolle Unterströmungen bescherte!

  • Eine falsche Bewegung nach der anderen

    „Nastassja Kinski spricht über ihren Kampf, eine Szene mit ihr als entblösster 13-Jähriger aus „Falsche Bewegung“ entfernen zu lassen. Doch der Regisseur schweigt und mit ihr die Filmbranche, die dem Altmeister gerade den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises zuteil werden lässt.“

    Lieber Wim Wenders, nimm die Szene raus, da wird keine künstlerische Integrität berührt, zeig mal etwas Grösse! Der Film ist sowieso überbewertet, und im Recht ist Nastassja allemal. Hier ein alter Mana-Text aus traurig-aktuellem Anlass. (Mehr zu dem Thema in der Freitagsausgabe der SZ. Dieser Text wird natürlich mit freundlichen Grüssen der Wim Wenders-Stiftung zugestellt.)

    Was für eine Enttäuschung, in die alte BRD zurückzureisen, und vollkommen ernüchtert Wim Wenders zweiten oder dritten Teil seiner Road Movie-Trilogie zu erleben! Ich werde es nicht schönerzählen.  In Jahr 1975 sah ich „Falsche Bewegung“ zweimal, einmal war ich verliebt, und lud die noch unbekannte Schöne ins City-Kino von Würzburg ein, um den Film mit mir zu sehen, das andere Mal hatte ich das Herz von C. vorübergehend erobert, weiterhin full in love, und Wim Wenders antworte, im Rahmen eines kleinen Würzburger Filmfests, auf die Fragen der Studentenschaft.

    – Herr Wenders, warum haben Sie das leere Rauschen des Fernsehers eingesetzt, als die Reisegruppe Ivan Desny in seinem Schloss aufsuchte. Hatte das eine Bedeutung?

    – Der stand da einfach. (Geschmunzel allseits)

    Ich werde mich hier nicht gross aufhalten, bei der literarischen Vorlage von Goethe, die Drehbuchschreiber Peter Handke bruchstückhaft aufgreift, um seine subdepressive Reisetruppe vom Norden Deutschlands runter zur Zugspitze zu schleusen. Herr Handke war schlecht drauf, nach dem Suizid seiner Mutter, und liess eine Weltschmerztirade nach der anderen vom Stapel. Das alter ego von Handke / Wenders, Rüdiger Vogler (ach, wie gerne sah ich ihn einst – er war älter als ich, und trug ziemlich beeindruckende Melancholiewerte in seiner aufgeräumten Gesichtslandschaft umher!), hatte am Anfang einen Wutmoment und legte in seiner Dachstubenwohnung im hohen Norden eine Single von den Troggs auf.

    Etwas mehr Rock der alten Schule hätte dem Film gut getan, aber was dann abging, in dieser Reisegesellschaft, mit der gedankenvoll-abwesenden Schygulla, der jungen Kinski (14 Jahre, und fast schon gruselig sexualisiert in Wenders tendenziell komplett unerotischem Kino), einem Kriegsverbrecher (grosser alter deutscher Schauspieler, Jahre später stand er direkt vor mir bei den Berliner Filmfestspielen), dem, einen Vollidioten von Lyriker spielenden, Peter Kern (wohl eine Selbstparodie Handkes), geht kaum auf die berühmte Kuhhaut. In Handke‘schem Duktus reden selbst Zugschaffner, und klingen, als hätten sie gerade die falsche Tüte geraucht.

    Was für einem seltsam überanstrengtem Mist war ich damals nur ergeben. Aber Wim Wenders‘ Kino wurde überall in Europa von den Künstlern geliebt, Brian Eno schätzte, was Wunder, die Langsamkeit, und erwärmte sich für die „Kings of the Road“. Peter Buchka war Wenders‘ Hofberichterstatter bei der Süddeutschen, und gierig verschlang ich seine Zeilen, sie verkürzten mir die Wartezeit aufs erste Sehen, und gaben keine Handlung preis, wie auch, wo es ja kaum Handlung gab.

    Der von Peter Kern gespielte Vollpfosten bringt die Gruppe dazu, seinen reichen Onkel zu besuchen, der über das schwere Leben sinniert. Sie kommen gerade rechtzeitig, um seinen Selbstmord zu verhinden, und Peter Kern merkt an, das sei wohl gar nicht sein Onkel. Was für ein Quatsch.

    Als sie dann allesamt gefühlte Stunden auf einem Weinberg rumkraxelten und sich wenig wärmende Selbstgespräche an die Köpfe warfen (immerhin hatte Rüdiger die helle Idee, er solle das mit den politischen Kommentaren besser lassen – Peter hätte besser mal zuhören sollen!), war es dann um meine Chronistenpflicht geschehen. Ich stoppte diese weitgehend uninspirierte phlegmatische Filmerzählung, an der ich rückblickend wenigestens ein paar gute Haare lasse. Die Kameraarbeit von Robby Müller beeindruckt, wenn Bewegung ins erstarrte Gruppenleben kommt. Sie kreiert flüchtige Illusionen des  Vorwärtsdrangs, und lässt den Zuschauer hier und da Frischluft schnuppern. Auch die Hauptmelodie des Films geht unter die Haut, mehr, als das Gewicht der Welt, an dem hier alle in unterschiedlichen Aggregatzuständen der Schwermut zu tragen haben.

    In einem sehr langen Essay, der sich in englischer Sprache im Netz findet, erzählt uns ein sanft berauschter Filmkritiker für die „Criterion“-Ausgabe seine Sicht von „Wrong Movement“, erkennt eine Studie über die Unmöglichkeit von Kommunikation (na, ist das grossartig!!), und preist den Film für seine konstante Vorwärtsbewegung, allen Wirrnissen zum Trotz. Natürlich erkennt er auch einen Finsterblick auf die BRD anno 75, wobei ich aber nicht mehr mitmache. Ich wollte wirklich bis zum Ende aushalten, da sollte die Truppe schliesslich die Zugspitze erreichen: ob damals schon das Wirtshaus existierte, auf dem ich mir vor sieben Jahren eine Mass Weizenbier gönnte (s. Foto). Ob der Kamera von Robby ein paar Bergdohlen vor die Linse kamen? Hat die junge Kinski ein Rad geschlagen auf dem  höchsten deutschen Berg?  Fragen über Fragen.

    Ähem, die Siebziger Jahre waren ein magisches Jahrzehnt – in diesem massiv überschätzten Film merkt man nichts davon. „Falsche Bewegung“ ist womöglich als Fallstudie zu gebrauchen über mehr oder weniger kaschierte Depressionen.

    Alle Abenteuer sind daraus verschwunden.

    “Alice in den Städten“ und „Paris, Texas“ werden stets meine favourite Wim Wenders movies bleiben.

  • All die Jahre im Red 3A

    Nachdem so oft ein Ende im Raum stand, und wieder und wieder eine Nische sich auftat, ein Jahr, und noch ein Jahr, ist es nun so gut wie amtlich. Die Sparte des Jazz wird im Kölner Sender weiter runtergefahren anno 2027 (man wird zukünftig von „non-classical music“ reden), und die Horizonte im September werden die letzten sein. The final countdown, natürlich mit Brian Eno, mit Talk Talk und Graeme Thomsons Buch über die vier Jahreszeiten der Band, sowie mit ECM – und mindestens einem Norweger!

    Ich habe die silbernen und bronzenen Zeiten der Jazzpräsenz im Deutschlandfunk seit 1989 alle mitbekommen, und meine letzte Show im DLF wird mir eine Ehre sein. Es wird Waffeln geben und five o’clock tea. Heute abend um 21.05 Uhr dann also meine vorletzte Runde, und ich bin rundum zufrieden mit der Collage dieser Ausgabe. 12 Alben, 12 Welten, ein toller Tontechniker, und lauter rote Fäden. Wenn man so viel Zeit zur Vorbereitung hat, verdichtet sich alles.

    Ein kleiner Fehler ist mir auch unterlaufen, wie konnte ich den Keyboarder einer meiner favourite bands ever nur als ihren Drummer ausgeben!? Sei‘s drum. Der Link zu den Klanghorizonten im „nächsten posting“….

    “Eine Reise um die Stunde in 12 Welten“

    “Fly The Ocean In A Silver Plane“


    Jan Bang schrieb mir gerade, er habe einige „revelations“ im Sinn und fragte sich zudem, was ich wohl mit der vielen Zeit nach dem Radio anstelle. Ihm kam da ein Song von Laurie Anderson in den Sinn, und er traf ins Schwarze:

    „Take me out to the ballgame / Take me out to the park / Take me to the movies / Cause I love to sit in the dark / Take me to Tahiti / Cause I love to be hot / And take me out on the town tonight / Cause I know the new hot spot.“

  • monthly revelations extended (june)

    album(s) LAURIE ANDERSON: LET X = X & KURT VILE: PHILADELPHIA‘S BEEN GOOD TO ME // film WANDA (1999) // prose SEBASTIAN BRANT: DAS NARRENSCHIFF & CHRISTOPH HEIN: DAS NARRENSCHIFF // talk OLIVER LAXE (SIRĀT) // radio STEVE TIBBETTS PORTRAIT & KLANGHORIZONTE MAI 2026 // television LEGENDS // archive PETER THOMAS SOUND ORCHESTER: RAUMPATROUILLE ORION

    „It’s the moment that excites you: When you’re writing a song, you feel it, you have chills, you know? Or when there’s a magic moment on stage and you’re all locked in… I live for that kind of thing. I love not fixing things, making them feel fucked up, or just leaving them fucked up. If you listen to the old Stones records or the Velvet Underground, the reason they’re so unique is because there’s a million, trillion imperfections in there.“ (Kurt Vile)

    Any flowie wants to put in shape july‘s revelations? Just send a sign.

  • In memory of a cowboy named Sonny

    Sommer 2017: Im Lauf der Jahre geisterten durch meine Nachtsendungen ein paar, gern variierte Sätze, u.a. „Die Häuser der Kindheit müssen ihre Dämmerung behalten“, von Gaston Bachelard, und wenn ich von „Regressionen im Dienste des Ichs“ sprach, zitierte ich den Psychoanalytiker Georg Groddeck. Beides kommt bei mir in letzter Zeit zusammen, wenn ich mir so angucke, was ich mitunter für Platten auflege. Oder welche Lust ich manchmal auf alte Filme verspüre, jetzt ist gerade „Bullitt“ dran, genau, der Film mit Steve McQueen.

    Es ist auch nicht typisch für mich, dass ich seit einiger Zeit ganz gerne bestimmte Platten auflege, die lange vor meiner Jazz-Entdeckungs-Zeit aufgenommen wurden. Vorzugsweise „Way Out West“, von Sonny Rollins, und „Midnight Blue“ von Kenny Burrell. Ich sehe keine Bilder beim Hören von Klängen, aber es fällt mir leicht, innere Filmsequenzen abzuspielen, wenn ich es will. Und genau das will ich zuweilen, wenn mir bewusst wird, dass diese Aufnahmen Zeit still stehen lassen, Zeit ablichten.

    Ich schaue mir das Aufnahmedatum der beiden Platten an, und katalputiere mich in das jeweilige Studio. Von beiden Studios habe ich etliche Fotos, so dass ein beträchtlicher Realismus garantiert ist. Ich sehe die Musiker vor mir, sie trinken Bier, reden miteinander (ich schnappe einzelne Sätze auf), in der Regel gehe ich vor die Tür, und wenn ich weiss, wann die Session beginnt, suche ich mir eine Bar in der Nähe. In einem Fall ist es 1957, überlegen Sie mal! Wir sind zehn Jahre vom „summer of love“ entfernt, die Bars und Skylines erinnern mich an all die Filme, die ich aus jener Zeit kenne, „black and white and beautiful“. Einmal hätte ich fast Ray Barrettos ersten Auftritt an den Congas verpasst, als ich in der „Upper River Bar“ einen Whisky zuviel trinke, und eine Lady mir etwas von ihrer Kindheit in Georgia erzählt.

    Autumn 2019: Some years and ago, a friend asked me about the best-sounding jazz album ever. What a question, I answered. I don‘t know anything about „ever“, but ask me about a certain time. Then he asked me about the best-sounding jazz album of my teenager years, and the best-sounding album „before my time“. Okay, choices made instantly. I said, „Dis“ with Jan Garbarek, Ralph Towner, and the short appearances of a wind harp.

    And thinking of the times before my time, I said, „Way Out West“. It was made in the middle of the night on March 7, 1957, in the shipping room of a small Los Angeles record company, with an underpaid engineer recording a trio playing cowboy songs on a first-generation stereo Ampex tape deck through a homemade mixing console. It seems an unlikely setting for one of the greatest jazz recordings of all time, musically and sonically.

    But the players were Sonny Rollins and Ray Brown and Shelly Manne, and, on that night, they were cookin’. What seems like strange duo of vinyl albums, makes some extra sense when realizing a strong bond between them: deep relaxation, high intensity, breathing space. Pure transzendence. Real favourites.

    Now, with some studio chatter and unreleased versions, a double vinyl edition of Sonny Rollins’ classic has been published. You don‘t need to have that one, a single vinyl edition is enough to induce addictive deep listening. The sound is dry, but vibrant, the channel separation has its own aura, far away from being one of these minor quibbles in regards of the limitations of early stereo. Come on. It‘s a cracker. Joyful and deep. I was enthusiastic when I spoke about it during a talk with Norwegian master bass player Arild Andersen years ago. He had never heard it, just knew about its existence. Now, finally, he has it at home, and has one word for it: GREAT.

    (Two old „mana“ texts from m.e., minimally revised)

  • Demnächst in diesem Theater …

    Mark Hollis in Hamburg (1998) (ein Interview)


    … oder in den Klanghorizonten Ende September!

    On Memory Lane, some years ago: The guy from „Zen Sounds“ is strolling through Mark Hollis‘ life, and time‘s rush (and the coffee I am drinking some miles before Bremen) is now filled with sugar and sadness. By chance, I made one of the two last interviews he ever did, in 1998, in Hamburg, before the release of „Mark Hollis“. And I was meeting him before In 1991 or 1990. In that week when the huge cover of Talk Talk‘s „Laughing Stock“ circled on the roof of Polydor Records‘ skyscraper, I sat in his little appartment near „Angel Station“, with Markus Müller (who is now the CEO of the Monschau Jazz Festival, remember his FMP book, or the ECM exhibition in München…), and we listened to his stories, for example about Mark’s neverending love for that first Duke Ellington piece of his only album with John Coltrane… „listen, these first moments of Elvin Jones there“, and whenever I come across the name of that Underground station, it hurts. „Angel Station“. For fuck’s sake. When meeting him again in the big Hamburg hotel, there was (really strange, and unexpected) this joy, unfiltered, similar to seeing an old friend again, a big smile on his side, on my side then, too. In those two hours, while drinking tea, there was a very kind, heartfelt connection. If I now think back to that scene, after all those years, it brings a tear to my eyes. I’m NOT „romanticizing“ this. All these special moments in life, you don’t return to them necessarily in your last moments, on the deathbed, you can bring them up – en passant, and they can serve. Everything wounded will flow. Little helpers on the way. The elevation of a (sudden) melancholic vibe. Mark Hollis never released any more offical recordings after his solo work. In 2001, he produced two songs for jazz saxophonist Jan Garbarek’s daughter Anja on her album Smiling & Waving. And, there I was, sitting in Anja‘s living room in Notting Hill – on her wall the magnified cover of Brian Eno‘s „On Land“, Anja talking about her album, and about the last appearance of Mr. Hollis in a record studio.

  • Sampling Sam (in dear memory of Ian McCartney)

    Was für ein Album! Chapeau! Das Besondere daran ist, wie die Musik Niederlagen euphorisch klingen lässt. Je nach Stimmung kann es ein aufbauendes Album sein („It’s all right“ dient dabei als Schlachtruf) oder ein einzigartig niederschmetterndes. Es sind vielschichtige Porträts: farbenfrohe Städte, bevölkert von einsamen Menschen, romantische Gesten, die mit Schweigen beantwortet werden, wunderschöne Abende, die ins Leere laufen. Wie zu Liedgut gewordene Edward Hopper-Gemälde, nur, dass den Protagonisten ihr Lächeln nicht vollkommen abhanden gekommen ist. Die unmittelbarsten Stücke des Albums wechseln zwischen Stimmungen hin und her wie ein Flugzeug, das durch die Wolken taucht. Ein Song reitet auf seinem leuchtenden New-Wave-Groove, während der Sänger eine Geliebten darauf hinweist, dass etwas nicht stimmt. Ein anderer Haus beginnt mit einem traurigen Krankenhaus-Puls und Schilderungen einer langen, schlaflosen Nacht, doch er steigert sich zu einer Einladung, zu seltsamer Eleganz in einem Luxusauto. „Morgen werde ich da sein“, singt er am Ende stolz, „Oh, warte nur ab.“ Manchmal glaubt man ihm das. Einige von euch werden dieses Album kennen. Ich habe eine wundervolle Cd-Edition wiederentdeckt bei meiner Inventur. Es bleibt nur übrig, was mir unverwüstlich ist. Dieses Album gehört dazu, aus der Abteilung „slow burner“. Um welches Traumteil handelt es sich wohl?

  • Fly The Ocean…

    Es gibt grossartige Musikalben, die so ganz anders klingen als Lieder und Instrumentalstücke, die sie wesentlich inspiriert haben. Die Byrds haben über Wochen „A Love Supreme“ gehört, bevor sie „Eight Miles High“ einspielten. Brian Eno verlor sich in den Räumen von Miles Davis‘ „He Loved Him Madly“, als er über Jahre hinweg an „On Land“ arbeitete. Und Pan American aka Mark Nelson hörte bei der Arbeit an seinem neuen Werk , wieder und wieder, bis er jeder Windung dieser Songs in seinem Inneren nachspüren konnte, „Promised Land“ von Chuck Berry, und „You Belong To Me“ von Jon Stafford. Vielleicht schwebten diese beiden Lieder auch von Anfang allein durch sein viszerales Gedächtnis. Es ist ein unfassbar persönliches (aber nicht im Privaten verharrendes) Album geworden, ohne eine einzige greifbare Songzeile – hier und da auftauxhende Stimmen wie dem Horizont abgelauscht. Der Titel des Albums, Fly The Ocean In A Silver Plane“, stammt aus dem Song von Jo. (m.e.)

    “Fly The Ocean In A Silver Plane“

    „Zwei Lieder bildeten das Rückgrat dieser Musik. Lieder, die ich schon immer geliebt habe – es scheint, als hätte ich sie schon geliebt, bevor ich sie überhaupt gehört hatte. Das erste, und die Quelle des Titels, ist „You Belong to Me“ von Jo Stafford. Abgesehen von den für unsere modernen Ohren unübersehbaren kolonialen Anklängen ist es auch eine wunderschöne Romanze aus der Mitte des Jahrhunderts – und eine Ode an die Bedrohung durch eine immer kleiner werdende Welt. Das Lied beschwört die Einsamkeit und das Geheimnisvolle des Alleinseins und des Zurückgelassenwerdens. Der Sänger bittet seinen Geliebten nicht, den Horizont zu verschließen, sondern erinnert ihn lediglich daran, zurückzukehren, wenn die Reise vorbei ist. Der „Silver Plane“ des Übergangs, der Veränderung und des Dazwischen beiseite zu lassen zugunsten der Geborgenheit fester Erde.“ (Mark Nelson)

    “Promised Land“

    „Der zweite Song ist „Promised Land“ von Chuck Berry. Auch hier geht es um eine Reise, und auch dieser Song bewegt sich mühelos zwischen Allegorie und Erzählung. Der Sänger ist unterwegs durch das von Rassentrennung geprägte Amerika und versucht, das gelobte Land Kalifornien zu erreichen. Der Song ist sowohl eine abenteuerliche Geschichte, die an Mark Twain erinnert, als auch ein amerikanisches Epos, das sich gut in die Reihe von Herman Melville einreiht. Als der Held es endlich nach Kalifornien schafft, ist sein erster Impuls, zu Hause anzurufen und der Alten Welt zu versichern, dass er sicher in der Neuen angekommen ist.“ (Mark Nelson)