Patience der finalen Horizonte
Vorspiel: Es war ist schon eine besondere Jugenderinnerung. Drei Wochen in den Sommerferien mit Eltern in einem erlesenen Hotel in Reit im Winkl, eine Reitstunde, nach der mir einen Tag der Hintern wehtat (bye, bye, Robert Fuller!), verliebt in eine evangelische Pfarrerstochter, die mich nur träumen liess, nicht mal ein Kuss auf die Wange, und ein Jahr später eine surreale Zugfahrt an ihrer Seite in den Schwarzwald um eine Horde wilder Kinder in einem Nonnenstift abzugeben. Was blieb mir an heissen Sommertagen ausser „Foxtrot“ von Genesis zu hören, das „blaue Album“ der Beatles – und immer neue Patiencen zu legen, mit Hilfe eines Büchleins aus dem Falken-Verlag. Teenager sind kleine Hormonfabriken, und ich erprobte 25, 30 Patiencen, alle auf ihre Weise reizvoll, unterbrochen von Fantasien über die schärfste „milf“ (= „mothers i like to be fucked by, in meiner Lesart) meiner frühen Jahre, die sich genau ein Stockwerk unter mir auf ihrem Holzbakon in der Sonne rekelte. „If paradise is half as nice“, sang Amen Corner aus meinem Transistorradio. Aber Jahrzehnte später kam meine Lust an der Patience zurück, als die Abstände zwischen meinen Klanghorizonten immer länger wurden, und ich diverse Playlists entwarf, stets auf der Suche nach dem perfekten „sequencing“. Da es zu den Prinzipien dieses Blogs ohne Bezahlschranke gehört, eigenen Passionen und Schreibfantasien nach Lust und Intuition zu folgen, fand ich immer mehr Freude an dieser „Patience der Horizonte“.

Imaginary September Playlist (for Lorenz E.)
Evening on the Carlisle-Edinburgh Line, aus Trains In The Night (4‘43)
Jan Garbarek: Sart, aus Sart (14’51)
Lifetones: For a Reason, aus For A Reason (6‘37)
Marion Brown: Maimoun aus Vista (8‘01)
Scott Walker: Manhattan, aus Tilt (6‘05)
Martina Testen / Simon Šerc: Nokturno, aus Nokturno (5‘00, Ausschnitt)

Nokturno is the sound of a single night, from dusk to dawn, rich in complexity and rife with meaning. The creatures appear at different times, staggering their appearance, finding ways in which to co-exist. The thunder rolls; the residents react. Church bells suggest a divine hand. As the frogs surface, the animals emerge from their holes and the birds begin to sing again, what ideas might rule their thoughts?
P.S. Natürlich ist diese Liste rein fiktiv – so wird es nicht kommen. Aber würde ich die Stunde genauso durchziehen, es kämen keine Beschwerden! 😉 Und natürlich, das feine Buch von Millay Hyatt fände seinen Platz. Mein Dankeschön an den einen oder andern Akteur aus der Echokammer meiner Maihorizonte! (m.e.)