„Jeff, Anna, Bennie, Hans-Joachim und Dieter“

„Die Stücke der Band schweben und tanzen und entfalten sich mit einer ruhigen, geduldigen Anmut, die daher rührt, dass sie hervorragende Zuhörer mit scharfem Gespür sind – Musiker, die zwar wissen, wie man richtig loslegt, aber erkennen, dass es viel wirkungsvoller ist, gemeinsam eine Atmosphäre zu schaffen.“


Olaf hat mir gerade eine Nachricht geschickt, die mich einmal mehr schmunzeln liess. Dieses „Jeff Parker ETA IVtet“ ist ja nun schon ein gewöhnungsbedürftiger Bandname – das erste Live-Album des Quartetts kenne ich bis heute nicht. Aber dann kam das nachfolgende Doppelalbum zu uns, einmal mehr von International Anthem, „The Way Out Of Easy“, und wir waren einhellig begeistert. Keine Sekunde ausgefranster Improvisationen, alles vom ersten bis zum letzten Sound, vier Schallplattenseiten lang, mitreissend, zwingend, und ein wenig unglaublich.

Nun also der nächste Streich, und wieder traute ich meinen Ohren nicht – und dann doch. „Happy Now“, diese zwei lange Stücke, aber alles andere als dem vorigen Abenteuer ähnelnd. Eine andere Lockerkeit, mehr Raum, andere „vibes“. Und dann schickte mit Olaf zwei Sätze aus einer Plattenkritik: „Live, the IVtet is transfixing, playing long-form improvisational ambient jazz that finds the sublime middle ground between Bennie Maupin’s The Jewel in the Lotus and Cluster’s Sowiesoso.“ Gar nicht übertrieben, und doch ein kühn definierter „middle ground“, der aber auch ein Fingerzeig ist, warum mich, respektive Olaf und mich, dieses Album so umhaut!

Morgen muss aber erst mal Schluss damit sein, dann widme ich mich den „Klanghorizonten“, die mehr aus Vignetten und Episoden, prögnanten Stücken und einem offenen Ende am Schluss bestehen – keine Chance für dieses berauschende „Jeff Parker IVtet“ ohne eine dieser alten Radionächte! Umd wenn Manfred Eicher auf der Seite 2 dieser Langspielplatte Anna Butters‘ luftig-dynamischem Bassspiel lauscht (die sowieso ein weiblicher „wizard“ ist, könnte es auf ECM 2027 das erste Basssoloalbum einer Bassistin geben.

2 Kommentare

  • ijb

    Eben war ich hier die Straße runter im Jazzclub, um Chris Potter zu sehen (und hören), und wer steht da am Eingang – ungelogen – direkt vor mir in der Warteschlange? Jeff Parker. Bemerkenswerter Weise war er sogar normal zahlender Gast. Der Mitarbieiter am Einlass fragte ihn, nachdem er meinte, er habe reserviert, nach seinem Namen – „Parker, Jeff“, und dann zahlte der Gast für sich und und ich meine für einen zweiten Menschen.
    Das Internet hat mir verraten, dass er in der Stadt ist, weil er morgen in Neukölln mit Flea auftritt (im Heimathafen, wo Olaf und ich letztes Jahr The Necks gesehen habe).

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