Lieder vom Felsgrund

Oder vom Meeresboden? Oder vom Abgrund? Oder vom Nullpunkt, was immer mitschwingt im Titel einer meiner wichtigsten Wegbegleiter seit späten Teenagerjahren, „Rock Bottom“ von Robert Wyatt. Erst jetzt stiess ich auf die zweite John Peel Session von Robert Wyatt. Er war nach seinem schicksalhaften Fenstersturz im Sommer 1973 sehr lange im Krankenhaus, und aus seinen letzten Wochen dort und seinen ersten im Rollstuhl stammt der grossartige Songzyklus. Wenn es diese kleine John Peel-Session auf einer Maxi-Single gäbe (es sind nur 18 Minuten) würde ich sie sofort erwerben. Aber ihn HIER auf youtube zu hören, ist auch sehr bewegend, und viel mehr als ein Kuriosum.

Mr Neely ist ebenso angetan und schreibt in AD: „Das Set ist makellos produziert und präsentiert zwei Stücke aus Wyatts Meisterwerk „Rock Bottom“, das im Sommer 1974 erschien, darunter eine atemberaubende Interpretation von „Sea Song“, die die aquatische Atmosphäre des Mellotrons ebenso einfängt wie die klanglich perfekte Darbietung von Klavier und Gesang. Ebenfalls vertreten ist der vielleicht skurrilste von Wyatts poporientierten Klassikern, eine Coverversion von „I’m a Believer“ von The Monkees, die ebenfalls in jenem Jahr als Single erschienen war und bei „Top of the Pops“ gemeinsam mit Nick Mason von Pink Floyd aufgeführt wurde. Schließlich werden wir mit dem einzigartig komischen „Soup Song“ verwöhnt – einem Vorausblick auf den Titel, der im folgenden Jahr das Album „Ruth Is Stranger Than Richard“ eröffnen sollte. Sowohl auf Platte als auch in diesen wegweisenden Radiosessions ist „seltsam“ („strange“) das größte Kompliment, das hier im Spiel ist. 

(das Wort für „skurril“ lautet im Original „whimsical“😉)

 Reprise: I travelled three times to London to interview Robert and Alfie on „Dondestan“, „Shleep“ and „Cuckooland“ in the times of their release. Unforgettable, when, on the hottest day of that summer of 2003 , we were lead to the empty Purcell Room, that excellent concert hall, and then moved though every track of „Cuckooland“.  At one pont Robert told me how Brian Eno sang his part of the uncanny „Forest“ with opulent arm gestures of an opera singer. (And what a deeply moving song that is, from two of my favourite singers ever!) Many of his stories blurring the lines between the private and the political. And such a great humour, too. He‘s life‘s company, always has been! (m.e.)

Julio Cortazar und Robert Wyatt sind sich leider nie begegnet, obwohl es früh in den 1970er Jahren möglich gewesen wäre in Paris. Was Politik und Jazz angeht, wören hier zwei verwandte Seelen aufeinander gestossen, und hätte man ihre leider nur imaginären Gespräche über eine Woche aufgezeichnet, wäre ein wunderbares Buch dabei herausgekommen.

2 Kommentare

  • Michael Engelbrecht

    Test your „italian“:

    https://www.losthighways.it/2024/07/23/rock-bottom-robert-wyatt/

    Manchmal nützt das „grosse Latinum“ doch etwas 😂

    Ein Ausschnitt mit Deepl:

    Natürlich kann Wyatt nicht alles alleine bewältigen, doch seine besondere Situation bringt ihn auch auf die Idee, keine richtige Band zu gründen, die die Stücke dann live aufführen könnte, sondern die Musiker je nach den Anforderungen der einzelnen Stücke auszuwählen. Bekannt geworden in dem großen Progressive-Orchester Centipede, das Keith Tippett mit Unterstützung von Robert Fripp als Produzent für das Doppelalbum „Septober Energy“ (Neon Records, 1971) zusammengestellt hatte, holt Wyatt den südafrikanischen Exilanten Mongezi Feza …

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