• Weekend Nourishment

    Die letzte Schulwoche vor den Ferien liegt vor mir, Montag bis Donnerstag werde ich eine 10. Klasse nach Berlin begleiten. Museumsinsel, Bundestag, Gedenkstätte in Hohenschönhausen, Informationszentrum zum Holocaust und wahrscheinlich noch das Humboldtforum stehen auf dem Programm. Zwischendurch schaffe ich es vielleicht noch in einen Plattenladen – das Hostel ist in Friedrichshain, da gibt es eine gewisse Auswahl.

    Hinter mir liegt eine sehr anstrengende Woche. Kurz vor den Ferien sind alle müde und kaputt, dazu musste ich noch ein Mitarbeitergespräch führen, dass eher fordernd war. Nichts gegen den Stress, den meine Frau gerade auf der Arbeit hat – dagegen war meine Woche ein Zuckerschlecken! Dementsprechend war die Stimmung im Hause Westfeld am Wochenende aber ruhig und gedämpft. Und zum Glück ist music ja bekanntermaßen the healing force of the universe. Seit Freitag lagen folgende Alben auf dem Plattenteller:

    Henri Texier: Varech (Low End Theories) / Van Morrison: Common One (Before Spirit Of Eden) / Bangt Berger: Bitter Funeral Beer (Ethnomusicology) / Dino Saluzzi: Kultrum (Nightscapes) / Marthe Lea Band: Asura (Rites Of Spring) / Karate: Unsolved (Guitarworker) / Bark Psychosis: Codename Dustsucker (Nocturnal Sound Paintings) / Henri Texier: Varech (A second time: Jazz Au Lait) / Charlie Haden: Ballad Of The Fallen (Soul Food) / Kalma, Chiu, Honer: The Closest Thing To Silence (Close to silence, and other grooves)

  • Letztes Licht

    2004 veröffentlichte der amerikanische Maler und Musiker Tor Lundvall sein Album „Last Light“ als CD. 19 Jahre später, im November 2023, erschien eine Vinyl Version. Der Anlass ist mir nicht ganz klar, spielt aber auch keine Rolle. Sein Ambient Pop ist zeitlos und passt in diese post-pandemische Zeit wie das gedämpfte Licht einer Nachtlampe ins Kinderzimmer.

    Winter. Der Teich ist mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Darüber wabernder Nebel. Geister tauchen auf und verschwinden wieder. Es ist diesig. Immer wieder regnet es. Wenig Licht fällt durch die Vorhänge, wird spärlicher, Dunkelheit senkt sich. Der Wind setzt seinen Mund ans Haus. Von überall starren mich die Erinnerungen an, es werden immer mehr, ihre Blicke lähmen mich.

    „Last Light“ ist ein reines Soloalbum: Lundvall spielt alle Instrumente bei sich zu Hause ein. Die Klänge sind elektronisch, langgezogen, sphärisch, sanft. Langsam. Selten spielt er mal Gitarre. Dazu die körperlose Stimme, die oft mehr spricht als singt, immer wieder seufzt. Den Klangkosmos hat ein Maler geschaffen, die Sounds wurden wie auf einer Leinwand angeordnet. Komponiert. Wenn das Wörtchen enoesque nicht schon existieren würde, könnte er für dieses hübsche, verlorene Album erfunden werden.