Uncategorized
The New World (2) – „Louis Pattison‘s contender for the album of 2026“
„Meiburgs Interesse an der Natur hat oft dazu geführt, dass Shearwater mit einer Generation von Indie-Folk-Musikern in einen Topf geworfen wurde, die sich auf Natur und Tradition stützen, um ihrer Musik eine Art überlieferte Authentizität zu verleihen. Doch die Musik von Shearwater ist häufig sowohl intelligenter als auch tiefgründiger als die seiner Kollegen. Es gibt wohl keinen zeitgenössischen Musiker, der den Ansatz, den Mark Hollis von Talk Talk in seinen Meisterwerken „Spirit Of Eden“ und „Laughing Stock“ verfolgte, besser verinnerlicht hat: eine reich orchestrierte Kunstmusik, die so komponiert ist, dass sie sich gleichzeitig intim in ihrer Stimmung und gigantisch in ihrem Umfang anfühlt.“ (Louis Pattison, Fortsetzung)
In diesem zweiten Teil der Besprechung zieht Louis spannende Parallelen, zur Indie-Folk-Szene (da lehnt er sich weit aus dem Fenster), und dann zu seiner Inspiration von Talk Talks letzten beiden Alben (wo er sich noch weiter aus dem Fenster lehnt). Ich hab in den Klanghorizonten in den vergangenen Jahren zwei oder drei Alben von Shearwater vorgestellt, und weiss, was ihr Bandleader draufhat. Morgen bekomme ich den „stream“ des Albums, und bin sehr gespannt, ob ich Louis‘ Begeisterung teilen werde. Dann wäre das Album wohl ein Anwärter auf eins der Alben des Jahres. Das Video zu „Daydream Unbeliever“ könnt ihr im ersten Teil der Übersetzung „anklicken“. Das Thema des Albums ist jedenfalls hochspannend.
The New World (1) – „An ambitious, globe-trotting voyage into changing nature and Talk Talk-esque textures“

„Man sagt, wir wüssten mehr über die Oberflächen anderer Planeten in unserem Sonnensystem als darüber, was unter den Eisschichten der Antarktis verborgen liegt. Doch das ändert sich gerade – wie so vieles von unserem Wissen über die Welt um uns herum. In den letzten Monaten haben Wissenschaftler die Topografie der Antarktis in beispielloser Detailgenauigkeit kartiert und dabei eine verborgene Landschaft aus Bergen, Bergrücken, Schluchten und unterirdischen Seen enthüllt. Diese Landschaft wird nicht nur kartiert, um unsere Neugier zu stillen. Diese Daten werden in Computermodellen verwendet, die uns Aufschluss darüber geben können, wie schnell sich das Eis bei weiter steigenden globalen Temperaturen zurückziehen wird, was wiederum bestimmt, wie schnell der Meeresspiegel ansteigen wird. Die Konturen dieser uralten, verborgenen Welt werden die Gestalt der neuen Welt bestimmen.
Im Dezember 2025 stach die Expedition PS152 von Walvis Bay in Namibia aus in See, mit Kurs auf die Ozeane der Antarktis. Unter der Koordination des Alfred-Wegener-Instituts beförderte das Schiff Dutzende von Wissenschaftlern an Bord, um Daten über die Flora und Fauna des Südlichen Ozeans zu sammeln. Wer die Schiffsunterlagen durchblättert, entdeckt vielleicht einen bekannten Namen: Jonathan Meiburg. Meiburg ist nicht nur Frontmann und kreative Kraft hinter Shearwater, sondern auch ausgebildeter Biologe und Autor. Zum Zeitpunkt der Reise arbeitete er bereits seit mehreren Jahren an einem Buch mit dem Titel „The Secret Land: The Once And Future Life Of Antarctica“, das Licht auf diese höchst unbekannte Landschaft werfen sollte. Meiburg zieht jedoch keine scharfe Grenze zwischen seinen wissenschaftlichen und musikalischen Aktivitäten, und die Zeit hat gezeigt, dass das eine das andere beeinflusst. Sitzt man mit ihm auf dem Deck der PS152, hätte man ihn vielleicht dabei beobachten können, wie er eine Kamera auf den Ozean richtete, um Filmmaterial zu sammeln, das er später zum Video für die eindrucksvolle erste Singleauskopplung von „The New World“, „Daydream Unbeliever“, zusammenschneiden würde. Der langsame Schwenk über brodelnde Brandung und zerklüftete Eisschollen ist die perfekte Begleitung zu dem turbulenten, rockigen Drama des Songs. Eine Meditation über Wahrheit und Realität, untermalt von heftigen Percussion-Schlägen und aufsteigenden Streichern des Londoner Klassikensembles Orchestrate, die sich vorwärtswälzt, als würde sie von mächtigen Strömungen mitgerissen.“
(Anfang der Besprechung von Louis Pattison, Uncut, August 2026; das Album erscheint Ende Juli)
Der unaufhörliche Zauber eines Rastplatzes auf der „A31“ Richtung Norden

Im Auto läuft ein altes, viel zu wenig beachtetes Album von Daniel Lanois, „Shine“. Ätherische Songs, die gut geerdet sind. Das einzige Album meines Lebens, das ich von einem Musiker signieren liess. Davor stammen die Autogramme aus Kindertagen, von Rex Gildo, Ronny, Freddy Quinn. Ich habe sogar Autogramme von Heinz Drache und dem Meister Hans Tilkowski. (Mit 11 beim Training geholt. Tilkowskis meint, ich drängele zu sehr, und ich muss mich wieder hinten einordnen.) Thomas (P.) kennt die A31 gut und fragt nach meinen liebsten drei. Lambchopalben. Ich gebe ihm vier. Hier sind meine fünf. 1) Showtunes 2) Is A Woman 3) The Bible 4) Damaged 5) Flotus. Thomas hat diese Drei im Angebot: 1) Nixon 2) Ah, C‘mon, No, You C‘mon 3) Is A Woman.
„Klanghorizonte“, Deutschlandfunk (September 24th)
Talking guests, at least that‘s the plan, are Jonathan Meiburg (Shearwater), Graeme Thomson, and, maybe, more. For example, in the Cologne radio archive there will be some digging for my Laurie Anderson portrait from 1994. in 36 years of free-style radio on late evenings and all night through, i had my fair amount of interviews with all musicians involved in this „blue hour“. I only never met Seefeel and Jonathan. Graeme Thomson‘s wonderful book „In Another World – The Four Seasons of Talk Talk“ made my memories of two encounters with Mark Hollis even more visceral and moving. The book tells the story of a band and the people in it, but it is above all a biography of four records: The Colour Of Spring. Spirit Of Eden. Laughing Stock. Mark Hollis.
Daniel Lanois: Belladonna Nocturne (2026)
„If you’ve never ‘got’ Lanois, or been able to give over to him, this might be the one. If you’re already a fan, there is so much here inside such an incredible telescoping of time. This is my instant pick for album of the year so far. It has already nestled so deep into my brain that I can hear it when I’m not even listening to it.“ (Simon Sweetman)

Lambchop: Punching The Clown (2026)
„Anfang 2024 hörte ich auf dem Weg zur Tankstelle ein Lied im Radio. Nur ein minimalistisch mit einem einzigen Akkord begleitetes Banjo und eine kleine Gruppe von Stimmen. Es schien in diesem Moment perfekt zu sein, so wie der Moment selbst perfekt wurde. Ich habe nie herausgefunden, wer das war – es klang ein bisschen wie früher Country-Gospel? Auf meiner Suche entdeckte ich eine Art des Gospelsangs, die als „Lined-Out-Singing“ bekannt ist und angeblich Ende des 19. Jahrhunderts in Schottland entstanden ist. Sie wanderte in die Appalachen aus und wurde zu einer wenig bekannten Wurzel des amerikanischen Gospel und Country … Eine spontane Art des A-cappella-Gesangs im Call-and-Response-Stil, angeführt von einem Vorsänger mit einem Chor von Sängern, der die rohe Schönheit und Kraft der menschlichen Stimme mit ihren einzigartigen Facetten offenbart – seine schmucklose Einfachheit verlieh den gesungenen Worten Gewicht. Ich wollte eine Platte aufnehmen, die diese Art von Musik nachahmt.“ (Kurt Wagner, Lambchop)

Shearwater: The New World (2026)
„There is arguably no modern musician working today who has better assimilated the approach Talk Talk’s Mark Hollis took on his masterworks Spirit Of Eden and Laughing Stock: a richly orchestrated art music assembled in a way that feels simultaneously intimate in sentiment and gigantic in scope.“ (Louis Pattison, Uncut, August 26)

Seefeel: Sol.Hz (2026)

Talk Talk: Laughing Stock (1991)

Ralph Towner: Solstice (1975)

Laurie Anderson: Bright Red (1994)
„We’d look out at the river, and if the music seemed to be naturally going with it, this was our editing device. Brian’s motto was: if it goes with the river, it goes on the record. So, for example, if the river was really choppy and active, and the music was going pah-bah-dah-dah – whoa, that looks so great! – or if it was smooth and there was some kind of ambient thing going on. We always tried to match – tried to feel – the naturalness of the river, and in this case the Hudson, and if it seemed to fit. It was a very infallible rule while recording „Bright Red“ in Manhattan, because it showed you when you were making it too difficult, not natural.“ (Laurie Anderson)

Jana Winderen: Spring Bloom in the Marginal Ice Zone (2018)
„‘Spring Bloom in the Marginal Ice Zone’ is recorded mostly in the Barents Sea and Arctic regions and the creatures you find there. The Bearded Seal´s hauling sound is recorded right there under the Sea-ice in the Barents Sea. I would say that already out in the field when pushing record the composition process has already started; you make choices when you place the microphone or hydrophones, or ultrasound detectors in a certain place and start listening long before you record anything. Ideas start to form at this early stage. Its all down to the choices you make; even if you choose to leave the recording gear out by itself in the field, where you place it is a compositional choice.“ (Jana Windern, from my 2018 interview)

Brian Eno: Nerve Net (1992)

Nearly everybody has a story to tell with „field recordings“, that will always trigger the knowledge about some of the most adventurous sounds being „out there“. Some of those albums became famous, some very much stayed under the radar (very much like the spaces they had been exploring). Even the so-called well-known can easily turn into stranger things. By chance, I once discovered an old album named „Trains in the Night“ beautifully capturing the sounds of old locomotives in England‘s vast hinterland, and the nature around. Listening to the compositions of artists like Jana Winderen or BJ Nilsen, is always a special experience. Is the howling of the wind real, or enhanced by electronics? How can someone „document“ sounds that cannot be be heard within our „normal“ range of perception? In a way the act of „cartographing“ distant areas includes sharpened senses, adequate tools – and inventiveness. When I was sinking, literally, into the „music“ of Jana‘s „arctic“ record, I couldn‘t help but remember, in moments passing by, old sci-fi movies and books, but from minute to minute I was more and more drawn into the sounds themselves and forgetting my sepia-tinged nostalgia. Where-am-I-music of a rare kind.
Arild (reprise)

Half a year ago: I laid back and listened to that bass solo album „Landloper“ by Arild Andersen that came out in 2024. One of these albums that better work in darkness. I know Arild’s bass since I discovered ECM with Jan Garbarek‘s album SART. He never stopped surprising me, real and reliable company. („Landloper“ ends with an irresistible mélange of the two classics ‘song for che’ and ‘lonely woman’). I somehow never ever even heard about his 1981 album „Lifelines“ before. A real discovery. Paul Motian on drums, Kenny Wheeler on trumpet, and a fabulous pianist with his only appearance ever on ECM, quite famous in Scandinavia, a well-kept secrete here: Steve Dobrogosz. One of the titles: „Landloper“. Arild Andersen performs at this year‘s Punktfestival, in a meeting of three generations of Norwegian jazz: Bugge Wesseltoft , Arild Andersen and Gard Nilssen. Another good reason to travel to Kristiansand in early September.monthly revelations (july)

album Ingo J Biermann und Jan Bang on two hot contenders for your year’s end lists: Ed O’Briens „Blue Morpho“ and „Mattias de Craene & Black Koyo“
film „16, Lovers Lane“ (a Go-Betweens documentary)
prose Graeme Thomson: In Another World – The Four Seasons of Talk Talk („reading Graeme‘s book about „The Colour Of Spring“, „Spirit Of Eden“, „Laughing Stock“ and „Mark Hollis“ is a rewarding experience for everyone feeling a strong connection with these works.“)
talk Ingo J Biermann und Stephan Schoenholtz im Gespräch mit dem Regisseur der Trilogie „Oslo Stories“ Dag Johan Haugerud („Drømmer (Träume) war … einer der klar besten Filme des letzten Jahres, letztlich ein beeindruckender Höhepunkt in der künstlerischen Laufbahn des 60 Jahre alten norwegischen Filmemachers und Romanautors, der außerhalb Norwegens bis dahin kaum jemandem bekannt war.“ ijb)
radio „Die ECM-Jahre von Steve Tibbetts und die „Klanghorizonte“ vom Mai 2026 (meine allerletzten Klanghorizonte Ende September enthalten lauter vertraute Namen – Graeme Thomson liest aus seinem Talk Talk-Buch – und wohl nur drei oder vier Aben von 2026 (neben den beiden Alben des Monats Juli gehören auch Ayumi Tanaka, Seefeel, Daniel Lanois, Lambchop und Shearwater zur „Patience der Horizonte“)
television Sarah Dempster on „Criminal Record (2)“
archive Tom Pinnock on a timeless, oracular milestone from 1979: „This Heat“ („This Heat ended up being called post-punk for lack of any better options, and though their music has many of the now-familiar hallmarks of that genre — a heavy dub influence, a fascination with the streamlined metaphysics of German kosmische bands, particularly Can, and complex, heady concepts communicated via primeval methods – it still stands apart, with something alien and unnamable at its core.“ (R. Jackson, Aquarium Drunkard)
Call me the breeze

Sommer ist gleichbedeutend mit Dub. Es ist die elementare Musik dieser Jahreszeit. Die tropische Insel, auf der der Dub seinen Ursprung hat, weist eine durchschnittliche Jahrestemperatur weit über 30 Grad aus – und den Pionieren des Genres ist es gelungen, diese allgegenwärtige Schwüle in jeden Zentimeter des Sounds einfließen zu lassen.
Alles im Dub scheint in der hohen Luftfeuchtigkeit zu schweben: ein wenig langsamer als gewöhnlich; ein wenig verschwommener – wie in der Atmosphäre verzögert. Der klappernde Bass, Fetzen von Gesangspassagen von Passanten, verschwommene Bläserklänge, die Fata Morgana der Melodica, der lockere Gitarren-Skank, der wie eine willkommene Brise vom Wasser herauf- und abfällt, und diese Beats, die wie die Sonne selbst herabprasseln.
All das leicht verzerrt und schimmernd in der Mittagshitze. Dub gehört zum warmen Wetter. Vielleicht greifen gerade deshalb diejenigen von uns, die nicht auf Jamaika sind, in den Sommermonaten danach. Die Trägheit und die Gelassenheit des Dub haben etwas an sich, das zu dieser Jahreszeit besonders passend wirkt. Er kann kraftvoll sein, ohne zu aggressiv zu werden; er kann verzaubern, ohne zu psychedelisch zu werden. Er ist offen, aber nicht ohne Struktur und Logik. Als „Head-Musik“ ist er eher „toasted“ als halluzinogen.
Dub bringt uns in Bewegung, aber nicht zu schnell und nicht zu sehr. Dieser wunderbar gedämpfte Schwung im mittleren Tempo ist vielleicht genau das, was man bei diesem Wetter braucht. In diesem Sinne gibt es hier ein paar Stunden ausgewählter Riddims aus der Blütezeit des Dub. Bleibt positiv, trinkt genug und habt Spaß dabei. |
Das rasende Parlando des Herrn Nagelsmann
Hier auf Langeoog ist Fussballromantik noch eine halbwegs leichte Nummer, weil so manches von Kindheit durchdrungen ist. Ich kann mich als BVB-Fan seit 1966 an jede Weltmeisterschaft erinern. Das Wembleytor sah ich mit meinem Blutsbruder noch in Schwarzweiss, mein Lieblingstorwart aller Zeiten, Hans Tilkowski, hatte keine Chance. Damals in London dabei war auch unser Vorstopper, Wolfgang Paul, der vor einigen Tagen gestorben ist. R.I.P. 1970, auch unvergesslich, „Schnelllliiinger“ und das „Jahrhundertspiel gehen die Italiener! 1974 waren dann die Holländer besser, aber wir hatten Gerd Müller.
Tempus fugit – nach 2014 schied Deutschland stets trostlos in den Vorrunden aus, und die aktuelle Mannschaft macht seit dem Ecuador-Spiel fast so wenig Hoffnung wie dieser unsägliche Bundestrainer. Im Vorfeld der WM trat Julian in einen Fettnapf nach dem anderen – erst die Abkanzelung von Undav, zuletzt der selbstgefällig nichtssagende Auftritt im Sportstudio (wäre das nicht so zum Fremdschämen gewesen, hätte er seinen Platz in der Geschichte dieser Traditionssendung des ZDF sicher gehabt – neben dem „Schweiger“ Norbert Grupe – die Älteren werden sich erinnern!), sowie der Wortbruch gegenüber Oliver Baumann zugunsten dieses „Torwarts mit der besonderen Aura“.
Julian Nagelsmann liebt seine eigene Eloquenz offenbat so sehr, dass er die Abzüge in der B-Note gar nicht mit bekommt, er parliert in einem leisen, wenig modulationsfreudigen up-tempo-staccato, als müsse analog zu den 180 beats von „hard core techno“ ebensoviele Worte pro Minute unterbringen. In dem Interview nach dem Ecuador-Flopspiel gab er sich renitent, besserwissend, abgenervt; nur wenige haben mitbekommen, dass er sich nach dem Schlusspfiff erstmal die Schiedsrichterin schnappte und zwei Minuten auf sie einredete wegen des völlig zurecht (!!!) zurückgenommenen Elfmeterpfiffs (die gleiche Schiedsrichterin, die Germany das komplett irreguläre 1:0 geschenkt hat – nach „hohem Spiel“ incl. Kopftreffer – mit freundlicher Unterstützung eines nicht minder verpeilten VARs!).
Man muss also kein Meister des Orakels sein, um zu erraten, wie es weitergeht. Nach einem quälerisch anzuschauenden oder überraschend leichtfüssigen Sieg gegen Paraguay wird „Die Mannschaft“ (alter abgeschaffter Werbesprech aus der Ära Oliver Bierhoff) gegen Frankreich sang- und klanglos ausscheiden. Natürlich könnte das auch schon heute Abend passieren. Wir können jedenfalls tief entspannt zuschauen, ob der flotte Herr Nagelsmann seiner „Spielidee“ weiterhin dezent bockig vertraut – mit dem derangierten Pavlovic auf der Sechs und dem „Kinderfussball“ (Marcel Reif) des sich selbst weiterhin suchenden Musiala. Egal. Nach der WM ist hochwahrscheinlch Schluss mit diesen auf Dauer so penetranten wie irrlichternden Auftritten eines Hochbegabten. Was Fussballromantik angeht, fällt mir eine andere Insellandschaft ein, die gerade ein modernes Fussballmärchen schreibt: Cap Verde!
(m.e.)
Punkt 2026 (from the margins)
Hello, ladies and gentlemen! My name is Michael Engelbrecht, and this is my little introduction to this year‘s Punktfestival (from the margins). You have a minute? Fine. From 2005, 2006 onwards, I‘ve been so often at Punkt, enjoying the experimental vibe of the festival, its hunger for the unheard, the meeting of generations, the merging of old and new dreams – and finding new friends. It was pure joy to select magic concerts and live-remixes for my radio station. They were quite expensive, but worth every minute. In the case of an exciting duo of pianist Tigran Hamasyan and live samplist Jan Bang, listening to a few seconds on air were enough for producer Manfred Eicher to bring Tigran’s ECM debut „Atmosphères“ on its way. Released on Sep 2, 2016, it will have its 10th anniversary, funny coincidence, on the evening before Punkt starts this time. You‘ve never heard that quartet with Tigran, Jan, Eivind and Arve. Well, some things in life can be changed. You have an hour? Nice: „Three Days In Lugano“.
When I was younger, so much younger than today, one of my first ECM albums was SART, and it had a huge impact on me. Was there a world after The Kinks and The Beatles? I was sweet seventeen and immediately fell in love with that work. By that time I was already addicted to Miles Davis „electic albums“ like „Live At Fillmore East“ or „Bitches Brew“, but I didn‘t know at that time, that SART was (in parts) inspired by two concerts Jan Garbarek saw from „electric Miles“ in New York. From start to end SART transformed elements of that experience into a wholly different ambience of „nordic noir“, „nordic cool“, and „nordic free“. There was quite another handling of space and silences, stop-and-go-passages, explosions. I had to listen to that album again and again and again. And, to be honest, again.

Much later, when becoming a radio man in 1989, the influence of that „teenage revelation“ became quite obvious. I interviewed all of these influential, uncompromising artists – like bass man Arild Andersen, who is now a special guest of this year‘s Punktfestival. By the way, i never stopped listening to SART, it became a lifer, never stopped being an adventure. A few years ago, „LANDLOPER“ saw the light of day, Andersen’s first solo bass album, and a terrific one. Sounding like he had waited a whole life for the right moment. The moment arrived, with a special handling of space and silences, stop-and-go-passages, melody. Teriffic versions of „Lonely Woman“ and „Song for Che“ included. Besides, another favourite ECM cover. Where‘s the vinyl?

3–5 September | Kristiansand, Norway
The pioneering Punkt Festival returns in 2026 with three days of concerts, seminars and live remixes — bringing together some of the most distinctive voices in contemporary jazz, improvisation and experimental music.
This year’s concert programme opens with a solo set by Norwegian drummer/composer Erland Dahlen, followed by the extraordinary Ethiopian singer , whose music draws on the Azmari vocal tradition and has been praised for its haunting, intense meeting of Ethiopian song, free jazz and chamber-like abstraction.
She is followed by a rare duo encounter between Nils Petter Molvær and Daniel Herskedal — two Norwegian brass innovators whose shared sense of space, electronics, melody and cinematic atmosphere promises a concert of unusual depth and resonance.
Friday brings the lyrical, border-crossing piano world of Greek composer and improviser Tania Giannouli , before Jan Bang presents Alighting , his forthcoming (due 2027) Punkt Editions album. The concert will be live remixed by Punkt co-founder Erik Honoré, who also mixed Alighting.
The evening continues with a major new meeting of three generations of Norwegian jazz: Bugge Wesseltoft , Arild Andersen and Gard Nilssen . The concert also marks the first Punkt appearance by ECM legend Arild Andersen — one of Norway’s most influential musicians, here joining two equally distinctive voices in a trio where deep experience, rhythmic imagination and open musical risk meet in real time.Saturday’s programme moves from the fresh, beautifully unconventional sound of Henriette Eilertsen Trio — flute, cello/electronics and drums — to Cimota , a new Nordic quintet featuring members of Atomic and Streifenjunko, with music that moves between post-bop energy, refined ensemble writing and collective improvisation.
The festival closes with the hypnotic, groove-based psychedelia of Goran Kajfeš Tropiques , one of the most compelling bands on the Swedish creative music scene.
At the heart of Punkt, as always, is the festival’s unique Live Remix concept: concerts are immediately reimagined by other artists, allowing the audience to experience music as both performance and transformation. The 2026 live remixers span several generations of Punkt’s live-remix practice: bass legend Arild Andersen joins live-sampling pioneer and Punkt co-founder Jan Bang, while vocalist and composer Ingri Jordahl, electroacoustic pianist and improviser Alessandra Bossa, and genre-bending producer Doglover95bring younger and expanded approaches to the format, including collaborations with students from the Live Remix Workshop. The Live Remix programme also features Erik Honoré with guests, Even Sigurdsen Røstad / Emanuel Bang / Audun Skeie, and a festival-closing remix by Bugge Wesseltoft’s New Conception of Jazz, here represented by Wesseltoft, Ingebrigt Håker Flaten and Anders Engen.
The renowned Punkt Seminar will also return in 2026, curated and hosted by David Toop on Thursday 3 and Friday 4 September. A composer, musician, author and curator whose work has shaped international thinking around sound, listening and experimental music since the 1970s, Toop is the author of influential books including Ocean of Sound , Sinister Resonance and Into the Maelstrom. The seminar will bring together a distinctive group of artists working across sound, performance, voice, image, improvisation and expanded forms of listening: Miki Yui, Lina Lapelytė, Vicki Bennett / People Like Us, Yara Asmar, Mike Cooper and Ecka Mordecai. Together, their practices move from microscopic electronics, field recordings and audio-visual collage to collective voice, lap steel, cello, scent, domestic sound worlds and highly personal forms of electroacoustic performance.
(Punktfestival HQ)
Der Hitze fern auf Langeoog
Kurzentschlossen, fuhr ich vier Stunden zur Fähre, setzte über, und quartierte mich in einem kleinen Appartment ein. Nur ein richtig heisser Tag in sieben langen Tagen, „Spring Hill Fair“ auf einem alten Walkman, Steve Swallows „kleine Wintermusik“, und Erinnerungen an den „den letzten Bus nach Woodstock“ – ich fühlte mich seltsam jung und sprang erst mal ins Meer, mit Blick zur roten Sonne, die bald ins kühle Nass eintauchen würde. Diesmal all alone, seltsam beschwingt, das Echo dunkler Wochen fast schon, aber nicht wirklich, lange her! „you think I’m young I’m not half those things / why did it rain? / the days ran away from us / heaven never knew / the chances that it left for us / fast and slow, breeze to wind…“

Die Romane, die ich gerade lese, nehmen einen Faden der Jugendzeit auf, meine Lust an rororo-Krimis, deren Cover ewig schwarzweiss waren (die neueren reprints dann auch mal in Farbe), und zu deren führenden Vertretern damals Colon Dexter zählte, mit seinen Inspektor Morse-Romanen. Der Ort: Oxford und Umgebung. Als ich vor Woche Simon Masons „Mord im November“ entdeckte, gab es kein Halten mehr, und einmal mehr tauchte ich in das alte, neue Oxford ein, das uns in der Regel bekannt ist, etwa aus ruhig inszenierten, aber auch fesselnden Verflilmungen mit dem alten, aber auch dem jungen Inspektor Morse.
Simon Mason hat ein spannendes Ermittlerduo eingeführt mit den „chalk-and-cheese cops“ DI Ryan und DI Ray Wilkins, die keineswegs miteinander verwandt sind und aus fast absurd gegensätzlichen Lebenswelten stammen. Der Glücksfall ist, dass Simon Mason grossartig schreibt, das Erbe von Colin Dexter in ein heutiges Oxford transportiert – hervorragend geplottet, humorvoll, und dunkel über alle Seitenränder hinaus. Die ersten beiden Romane (von mittlerweile fünfen) liegen in gelungener Übersetzung vor, und ich bin gerade mittendrin im dritten, „Lost And Never Found“. Ein umwerfender Sprachfluss ist diesen Romanen zueigen, in die Tiefe gehende Geschichten, allerbester Stoff zum Versinken!

Jetzt, der Hitze entkommen, liest sich das alles noch rasanter, die ersten Cafés öffnen, einen „morning swim“ habe ich schon hinter mir, es dauert seit meiner Kindheit immer um die eine Minute, bis mir im Meer warm wird. Die Wellen helfen! Ein Strandkorb ist angemietet. Der Geruch von Sonnenmilch versprüht einen Zauber wie eh und je. Mit dem E-Bike fahre ich die alten Runden, durch den Wald, „Waldbaden“ inclusive , zum Fährhafen mit seiner Fischstube am Deich entlang, und auch mal wieder vorbei an dem Hotel, in dem ich mich einst mit sieben Jahren in die Hotelmanagerin verknallte, „Haus Westfalen“ hiess es damals, in der Zeit, als Hoppy Kurrat noch für den BVB kickte, und die gebundene Ochsenschanzsuppe ein Klassiker war auf kurzen Überfahrten. Ein Hauch von Wehmut mischt sich in jeden Taumel kleiner Glücksschübe.