¡Viva México!
Drei Wochen lang sind wir erstmalig in Mexiko, zwei Wochen davon in Begleitung mexikanischer Freunde. Zunächst in Monterrey, danach in Mexiko-Stadt, zuletzt an der Karibik Küste. Es macht immer einen Unterschied mit Einheimischen ein Land zu entdecken.
Mexiko ist ein Sehnsuchtsland in all seiner natürlichen Schönheit und Widersprüchlichkeit. Mich fasziniert das Land seit Jahrzehnten, stark geprägt durch den Filter der amerikanischen Unterhaltungsindustrie.
Ich würde behaupten, dass ein nicht unwesentlicher Teil der US-Western in Mexiko spielt, viele überragende Werke wie The Magnificent Seven, Garden of Evil oder Vera Cruz. Sam Peckinpah hat diesem Land sozusagen sein Leben gewidmet und mit The Wild Bunch, Pat Garrett and Billy the Kid oder Bring Me the Head of Alfredo Garcia schmerzliche Meisterwerke abgeliefert.
Es geht um den Wunsch nach einem ursprünglichen Leben, der Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit und deren Ende durch Gewalt und Zivilisation. Die TV Serie Narcos: Mexico und Don Winslows Kartell-Trilogie haben unser aktuelles Bild von Mexiko als einem von korrupten Politikern und organisierter Kriminalität beherrschten Land weiter verdüstert.
Ich werde in den nächsten Tagen versuchen einige andere Seiten Mexikos zu zeigen: Impressionen zur Schönheit der Natur, des Alltags und der Vielseitigkeit der mexikanischen Kultur.
¡Viva México!
9 Kommentare
flowworker
Neben Amoree Perros, Roma gehören Y tu mama tambient und Gueros zu meinen intensivsten / erfüllendsten / berührendsten mexikansichen Filmerlebnissen…
Güeros, the debut film from Alonso Ruiz Palacios, follows unruly Tomás (Sebastián Aguirre) as he’s sent by his mum to live with his older brother in Mexico City. Palacios’s odd, beautiful film, which sees the brothers go on a quest through student uprisings and folk gigs, is worth your time….😉
Diesen Film sah ich auf spanisch vor einiger Zeit, mit engl. Untertiteln, und würde ohn jederzeit wiedersehen wollen.
An der Grenze Mexiko / USA sind auch zwei überwältigend gute Roman von James Lee Burke angesiedelt: Regengötter sowie Glut und Asche. Nick Cave liebt sie auch!
Ansonsten: safe journey! 🎡
m.e.
Thomas Pannhorst
Danke, Michael.
Roma habe ich mir damals verkniffen, war mir zu viel Netflix Hype, die beiden anderen Filme sind outstanding, vor allem Güeros.
Burke ist immer lesenswert.
In meinem Gepäck sind drei Bücher: Der spanische Thriller Die rote Jägerin und Don Winslows Dawn Patrol sowie eine Autobiographie, später mehr dazu.
Jan Reetze
Mexico ist auch das Land, in dem in den 1960er Jahren einige Radiostationen existierten, die mit außerordentlich powervollen Sendeanlagen nach Texas hineingesendet haben. Damit brachten sie die Rockmusik in die USA, die dort keiner gesendet hat.
ZZ Top haben diesen Stationen 1994 das Album „Antenna“ gewidmet.
Lajla Nizinski
Mexiko ist ein Land voller Schönheit. Wenn man von Kalifornien hinüberfährt, im Kopf all die amerikanischen Warnungen, Mexikaner stehlen, töten, ist man erstmal geblendet von der überwältigenden Schönheit von Sonora. Wenn man dann in die Pueblos kommt, ist die pure Lebensfreude ansteckend. Überall Musik und Tanz. Wir sind nur 1000 Meilen nach Süden gefahren. Diese wundervollen Menschen, immer lachend, obwohl sie nichts besitzen. Ich habe nirgends auf der Welt glücklichere Menschen erlebt.
Thomas Pannhorst
Das kann ich nur verlängern, Lajla. Unsere Gastfamilie ist ein Traum, gestern gab es zum Abschied ein kleines Fest mit Mariachis, ganz wunderbar. Die Menschen sind ungemein freundlich, die einheimische Musik ist meistens mit Tanz verbunden.
Jetzt fliegen wir mit unserer Gastgeberin nach Mexiko-Stadt.
¡salud!
Martina Weber
An der Grenze USA / Mexiko ist auch ein Strang des Filmes „Babel“ des Mexikaners Alejandro González Iñárritu angesiedelt. Die Freude am Lebendigsein kommt da auch sehr deutlich rüber. Jemand reist zu einer Hochzeitsfeier aus den USA nach Mexiko. Auf manafonistas hatte ich über einige Filme von Iñárritu geschrieben, hier zu Babel: https://www.manafonistas.de/2023/01/19/three-stories-around-a-centrifugal-force/
Bin gespannt auf weitere Posts, Thomas! Euch eine gute Zeit.
Thomas
Danke, Martina. An Babel erinnere ich mich schwach als komplexen, faszinierenden Episodenfilm. Ein bisschen wie bei Robert Altman. Iñárritu habe ich leider total aus den Augen verloren. Liebe Grüße von den vollgespopften Straßen in Mexiko-Stadt. Fahren gerade mit dem Taxi zum Apartment.
Martina Weber
Nicht wirklich Episoden, sondern drei Erzählstränge, die zunächst unabhängig voneinander erscheinen, aber durch ein Ereignis kunstvoll miteinander verknüpft sind. Bei „Babel“ spielen die anderen Episoden in Tokio und im nowhere in Afrika, das macht die Raumerfahrung so extrem vielfältig. Iñárritu zählt zu den Kunstschaffenden, bei denen ich immer mal schaue, ob es ein neues Werk gibt, ebenso wie bei Daniel Clowes, einem meiner Graphic-Novel-Favoriten. Cool, ein comment aus dem Taxi, das durch vollgestopfte Straßen fährt.
Thomas Pannhorst
„Babel“ steht zum Wiedersehen auf meiner Filmliste, Deine Texte haben ihn mir schmackhaft gemacht