Der Leichensack

Nach meinem jetzigen Status von „Hörensagen“ gibt es im kommenden Jahr keine „Klanghorizonte“ mehr, nur noch „classical“ und „nonclassical“ mit zusätzicher Verknappung der Sendeplätze für all das, was unter dem „labeling“ von „non classical“ angeboten wird (Jazz, Weltmusik, Rock, Elektronik etc.) – eine durchweg unerfreuliche Angelegenheit, zugleich eine Fortschreibung der alten und falschen Aufspaltung von „E-und U-Musik“. Diesmal wird es also tatsächlich die letzte von mir moderierte Ausgabe der „Klanghorizonte“ sein, am 24. September um 21.05 Uhr.

Und nach dem Motto „Das Beste kommt am Schluss“ spielte ich in allerlei Variationen meine Lieblingspatience „Perpetuum Mobile Playlist“ durch. Und immerhin ist nun das Ende klar definiert, die letzten drei Stücke stehen fest. Letzte Zweifel daran wurden gestern beseitigt, als ich die digitalisierte Version meines Laurie Anderson-Porträts aus dem Spätherbst 1994 zugesandt bekam. Aus der Sendereihe mit dem Obertitel „Studiozeit“: „Geschichten aus der Nervenbibel“ (Anfang Oktober poste ich diese „Ausgrabung“ in voller Länge).

Ich erinnerte mich schon vor Wochen an einen besonderen OTON von Laurie Anderson, der wie gemalt wäre für das Finale vom Finale: Laurie Anderson – Jana Winderen – Brian Eno. Ein kleiner Fehler unterlief mir (oder ein gezielter Euphemismus?), als ich damals in ihrer Erinnerung an eine Reise durch Nepal das Wort „body bag“ mit „Schlafsack“ übersetzte, und nicht mit „Leichensack“. Aber sei‘s drum. Ich kann mir keinen besseren showodown vorstellen wie diese drei Tracks, begleitet von einem Schlusstext meinseits (über ein Album voller „field recordings“ platziert), und Lauries Kunst des Storytelling.

Was zuvor passiert, machen einige der üblichen Verdächtigen unter sich aus, der eine oder andere wird aus Zeitmangel oder thematischen Gründen (diese seltsamen „roten Fäden“!) rausfallen: Daniel Lanois, Seefeel, Lambchop, The Durutti Column, Haruomi Hosono sowie Bill Connors, Talk Talk und Robert Wyatt (aus „Rock Bottom“, das Meer spielt eine spezielle Rolle in der Stunde!). Wer das Spiel „Hören mit den Ohren eines anderen“ mag (empathy in action!), der kann mir gerne eine Neuerscheinung zwischen August und Oktober 2026 vorschlagen, über die er in diesen Wochen stolpert und von der er vermutet, dass sie mich so begeistern könnte wie die Musik der Oben-Genannten!

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