Flughäfen sind Inspirationsquellen
Ich frage mich immer, wohin so viele Menschen reisen. An ihrer Kleidung kann man ihre Herkunft abschätzen, man weiß aber nicht, was ihr Ziel ist. Auf den Flughäfen gibt es keine Kleiderordnung, jeder trägt, was er will. Man sieht die Bermudashorts neben dem Smoking, das Minitop neben den langen Hippieröcken. Bei der herrschenden Hitze zur Zeit ist es nicht erstaunlich, dass manche junge Frauen viel Körper zeigen. Ich lese nie an Flughäfen, es ist viel zu interessant zu schauen, was da in den langen Laufstegen passiert. Welche Geschichten, welche Geheimnisse laufen da an mir vorbei? Es ist auch interessant, dass die Fliegerschwarmintelligenz immer nur zwei Richtungen kennt, Querläufer haben es schwer.
Ich bin auf meinem Rückflug auf meine Insel mit Zwischenstopp auf Menorca. Der erste Eindruck lädt ein, wiederzukommen. Es herrscht ruhiges freundliches sauberes Mittelmeer Ambiente. Menorca hat das Glück, im Schatten von Mallorca zu liegen.
Mein Abschiedsaufenthalt führte mich in einen Raum bei einem Freund, wo nur Musik als Ausstattung vorhanden war. Überall Kabel, Geräte, Schallplatten und CDs. Ich habe mal die herumliegenden CDs fotografiert, um Euch zu fragen, ob Ihr die Musik kennt und ggfs schätzt.
Paul Bley, Gary Peacocks, Paul Motian: „Not two Not one“ // Freddy King: „Getting Ready“ // Franci Elt‘ok Jazz // Vintage Taj Mahal: „The complete 1971 performance” // Chubby Carrier and the Bayou Swamp Band: „WHO stole the HotSauce” // Travis: „12 Memories” // Hanna Paulsberg Concept // Magnus Pro: „Daughter of the sun” // Harald Haerter: „Cósmic”
12 Kommentare
flowworker
Am meisten springen mir die ganz okaye Platte der Schotten von Travis und das Trio von Paul Bley ins Auge, gehören aber beide nicht zu meinem Favoriten. Dieser Querschnitt erinnert mich an meinen Aufräumprozess: es werden nur geliebte Alben bleiben, demnöchste poste ich hier für 1000 euro eine edle Liste audiophiler Platten, die nur einen Makel haben: es ist nicht mehr „meine Musik“. Wenn hier keiner anbeisst, gehts zu Black Plastic nach Dortmund. Oder zu Minty nach Düsseldorf
Mein Tip für Flughäfen: Music For Airports hören 😉🎶
m.e.
Norbert Ennen
Bin gespannt auf die Liste.
flowworker
Liebe Lajla, ich war einmal auf Menorca. Einmal ging ich über eine Flöche nahe am Meer die mir wie eine Momdlandschaft vorkam. Das war exotsich, ansonsten kann die Insel nicht mithalten mit den landschaftlichen Schönheiten von Mallorca. Aber wie da der Tourismus doe Insel kaputtmacht weiss man ja auch mittlerweile.
jon hassel hat dort gelebt zuletzt, und auxh der Künstler, dessen Bilder und Cover einige grosse Alben von Santana, Jon Hassell und Miles Davis zieren.
Wie Dream Therory of Malaya, oder Abraxas, oder Bitches Brew.
Lg, M
Martina Weber
Ich war im Herbst 2007 auf Menorca. Für mich war diese Reise sehr wichtig, weil ich auf der Suche nach Inspiration für neue Gedichte war. Ich wusste nicht, wie und ob ich weiterschreiben würde, und tatsächlich habe ich sogar von dieser einen Woche einige Gedichte mitgebracht bzw. Notizen und Eindrücke für Gedichte, die ich in meinen ersten Gedichtband aufgenommen habe. Deshalb sind meine Erinnerungen an die Insel sehr präsent und einige Bilder sehe ich immer noch.
Es gibt einen Film, der fast ausschließlich auf einem Flughafen spielt. Angela Schanelek: Orly.
Michael Engelbrecht
Ich würde mir wohl freiwillig nie ein Album zuliegen, das im Titel danach fragt, wer die scharfe Saice geklaut habe. Dabei handelt es sich allerdings, wie ich herausfand, um ein vielgerühmtes Album der Cajun und Zydeco-Musik. Könnte also durchaus hörenswert sein, für die Freunde dieser Musik
😉
Lajla Nizinski
Martina, dich hat die kleine Insel also inspiriert. Mao ist so liebevoll herausgeputzt, es war die Stille, die mich beeindruckte. Trotz Hochsommerferienzeit ein Ort, an dem es mir spontan gefiel.
Michael, dass du dieser Musik nachgegangen bist, trotz bescheuertem Titel, freut mich. Cajun music is auch was für mich.
Martina Weber
Auf Menorca hatten wir damals ein seltsames Haus gemietet: Es hatte drei Stockwerke, war ziemlich schmal; wir waren ständig am Treppensteigen. Das Haus war in einen Felsen gebaut; eine Wand bestand also aus Fels. Das macht das Klima im Haus sehr feucht. Die Atmosphäre empfand ich als magisch, auch auf der Insel. Ich habe natürlich bewusst diese Orte aufgesucht, die ich auch gezielt als magisch in den Texten dargestellt habe. Einmal waren es „plastikrutschen in der bucht am abend zusammen / geführt an den strand wie brave kinder nach dem toben“. Ich mag Erinnerungen an Orte und in meinem Leben dann am liebsten, wenn sie auf die ein oder andere Art in Gedichte Eingang oder Einklang finden. Auf der Insel habe ich den stärksten Regen meines Lebens erfahren.
Ich wünsche dir eine wunderbare Zeit dort, Lajla. Schön, dass dich die Stille beeindruckt.
Jan Reetze
Tja, wohin reisen sie alle … „Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen“, das hat schon Blaise Pascal gesagt. Aber die Leute sind nun mal neugierig. Ich auch. Ich gehöre totzdem zu den wenigen Deutschen, die weder auf Menorca noch auf Mallorca waren. Das wird wohl auch so bleiben.
„Not Two Not One“ kenne ich, die anderen nicht. Mein Cajun/Zydeco-Tipp wäre Geno Delafose: „French Rockin‘ Boogie“ von 1994.
Martina Weber
Ich sitze sehr gern ruhig in einem Zimmer, Jan 🙂
Olaf Westfeld
Ich bin tatsächlich am ehesten bei „Who Stole The Hot Sauce“ neugierig geworden (und bei dem Album von Paul Bley).
Ansonsten finde ich Flighäfen auch zu interessant, um zu lesen – die ganzen bunt gemischen Menschen, die ihre Geschichten mit in den Zwischenraum bringen. Allerdings war ich letzte WOche am Flughafen Hamburg, der für mich dann zu viel von allem war (deutlich getoppt vom Hamburger Bahnhof am Freitagnachmittag – völlig verrückt, was sich da für Massen über die Bahnsteige wälzen).
Und ja: schreiben dann im ruhigen Zimmer, wobei ich auch da „fremde“ Räume (Hotel oder ähnliches) inspirierend finde.
Thomas Pannhorst
Menorca hat aus meiner Sicht viel von ihrem Reiz verloren. Ich war von Mitte der Neunziger bis Mitte der Nullerjahre mindestens 10 Mal dort mit meiner damaligen Freundin.
Es war unsere Insel des Glücks.
Die schwer zugänglichen Buchten habe ich bestens in Erinnerung. Als Hobbyornithologe haben mich die vielen Greifvögel wie Fischadler, Schmutzgeier, Wanderfalken und die lustigen Bienenfresser erfreut.
Nunmehr sind die intimen Buchten durch Straßen erschlossen für jedermann …
Martina Weber
Was für eine romantische Erinnerung!