Essenzen
Guten Tag allerseits. Mein Name ist Michael Engelbrecht. Nach meinen Radiojahren (1989-2025) werde ich diverse Ideen verfolgen, Gesundheit vorausgesetzt, die Dinge des Lebens auf luftige Art zu verdichten, und beginne damit natürlich nicht schlagartig mit dem Erlöschen des Rotlichts nach meiner letzten Produktion.
Ich beginne schon jetzt. Ich werde (beispielsweise) nur noch eine ausgewählte Zahl an Tonträgern besitzen, sozusagen meine Inselplatten. Ich werde ich auf „meine“ 5-Sterne-Alben beschränken, von „Thembi“ bis Promises“ – und den Rest verkaufen.

Hier wird es nun kurzfristig interessent für Vinylisten. Mitte November stelle ich zwei Kisten mit jeweils 50 tollen Schallplatten zusammen. Und liste sie auf Flowworker. Wirklich unglaublich gute Musik, aber eben nicht mehr die Sterne an meinem Himmel. Jede dieser beiden 50 Platten umfassenden Schatzkisten können für nicht verhandelbare 1000 Euro von mir erworben werden. Es sind wahre audiophile Perlen dabei. Ich transportiere sie persönlich zum neuen Besitzer. Vorausgesetzt, ich werde zum Abendessen eingeladen.
Can: Live in Aston 1977

This is the fifth of Can’s „Live in …“ series, recorded again by some audience member, this time even in stereo — these tiny little walkman units with stereo mics that came up in the late seventies made it possible. The sound quality is not bad, especially when using headphones.
This recording shows Can with a new line-up, as it was to be heard already on their album Saw Delight of the same year. Holger Czukay had given up the bass and handed it over to Rosco Gee of Traffic. Instead bass, Holger now added sound samples, using a shortwave radio and his famous dictaphone. The radio and the pre-recorded sounds on the dictaphone he could integrate into the live music with a morse key. Mostly the samples he uses are well known already — mainly they come from Holger’s solo albums Movies and Canaxis. But there’s also a telephone which Holger used to randomly call people and integrate their clueless „Hello …?“ into the ongoing music.
While these external sounds work fine on Holger’s own recordings and relatively well on Can’s (dummyhead mixed) album Saw Delight, it does not really work in this live set. Holger’s sounds remain in the background here and aren’t making much sense — one might get the impression they were more conceded than accepted. Holger left Can with the following album, Out Of Reach, and somehow you can feel the loss already here.
Anyways, Rosco Gee delivers a solid and sometimes funky bass fundament. The band somehow seems to anticipate already the overall sounds of their following LPs Out Of Reach (the only Can album that somehow failed), and the self-titled Can, which finished the chapter Can in 1979.
Live in Aston 1977 has four tracks, two long ones and two shorter ones, all in all around 45 minuted of playing time. „Two“ is clearly an improvised version of their famous „Vitamin C“, Damo’s vocals are played here by guitar. In „Three“, Irmin spurs his Alpha-77 unit (which contains mainly ring modulation and filters). There are also some keyboard hints to „Vernal Equinox“ from the Landed album. In general, Jaki’s drums tend to clatter along a bit, while Irmin’s Farfisa organ is a bit too much in the foreground. But don’t forget the source — probably the bootlegger sat somewhere in front of him.
from old days at school to an evening on the radio
Es gibt Gedichte, die hallen nach seit frühen Jahren. Auf jeden Fall erging es mir so mit dem berühmten Dreizeiler von Ezra Pound, betitelt „In a Station of the Metro“. Wie oft dachte ich an ihn, wenn ich in London mit der Underground fuhr, Richtung Notting Hill, Picadilly Circus, oder Angel Station. Der Text ging so: „The apparition of these faces in the crowd: / Petals on a wet, black bough.“ Zuweilen, wenn der Blick ins Leere ging, oder in Sekundenschnelle fremde Gesichter zu lesen versuchte, schwebte dieses Bild einher von den Röhren der unterirdischen Räume als nassen kalten Baumstämmen. Aber ich habe gewiss nicht damit gerechnet, dem Gedicht auf dem im September erscheinenden, dritten Album von Erik Honoré, „triage“ (Punkt Editions), zu begegnen. Mind the gap, mind the gap, mind the gap. Der nächste Track für die Klanghorizonte im Juli.
Beschte Gedanken von letschter Woche
Frage mich oft, woher eigentlich die Mode kommt, dass E-mails, Forumskommentare und dergleichen gerne ohne Subjekt verfasst werden. Kann ja nichts mit Zeitersparnis oder praktischen Gründen zu tun haben, da diese Nachrichten meistens nicht durch Kürze bestechen. Habe dies vor vielen Jahren erstmals bei einem Bekannten wahrgenommen, der in der DDR geboren wurde [neudeutsch: ist] und aufgewachsen ist [wurde?]. Schrieb sehr häufig Mails und andere Nachrichten ohne „Ich“. Nahm selbiges später auch bei anderen Menschen aus der ehemaligen DDR wahr, dachte daher, es handle sich dabei vielleicht um ein Produkt kommunistischer Sozialisation: „Ich“ soll keinen so großen Raum bekommen. Aus meiner westdeutschen Sozialisation war mir diese Angewohnheit unbekannt.
Beobachte diese Gewohnheit seither stetig, in den Folgejahren allerdings auch bei vielen anderen Menschen, die nicht sozialismussozialisiert waren [sind?], sondern im good old Kapitalismus aufwuchsen. Nahm seither sehr häufig auch wahr, dass viele Menschen diese Praxis auch im Plural, bei „wir“ und „sie“, anwenden, was nicht selten zu verwirrenden Beiträgen führt, versteht man manchmal erst gar nicht, ob nun vom Sprecher selbst oder von anderen die Rede ist. Muss als Leser dann erst mal nachdenken, von wem da grad die Rede ist. Passiert in Folge von Weglassen des „Ich“ ja häufig auch, dass man einen Satz erstmal als Aufforderung/Ansprache missversteht; ist mir schon häufiger passiert, dass ich erst nicht wusste, was der oder die Schreibende sagen wollte. Wäre doch einfacher, da ganz banal ein „Wir“ oder „Ich“ zu schreiben, bevor man seine Leser unnötig vor Denksportaufgaben stellt, denkt sich meiner einer. Überleg dann und wann, ob es nicht eigentlich ein normales Zeichen von Höflichkeit ist, wenn man beim Schreiben, d.h. beim Kommunizieren, zumindest so viel Mühe investiert, dass man dem Gegenüber das Verständnis nicht unnötig verkompliziert, wo es schon so banale Sprach- und Kommunikationsregeln gibt. Aber ja, klar: jeder, wie er mag. Oder wie sie mag natürlich.
Weglassen des Subjekts ist allerdings nicht die einzige Skurrilität, die ich an Satzanfängen beobachte. Oft, dass Menschen auch andere Wörter am Satzanfang einfach so weglassen – mal nur eines, manchmal aber auch mehr.
Paar Beispiele aus meinem Archiv. Füttere dieses gelegentlich, wenn ich mich online herumtreibe:„Ganzen Tag putze ich.“ / „ganzen Tag bin ich draussen unterwegs.“ / „Ursprüngliche Satz stimmt so.“ / „Teuerste Schild war Littering mit 1000 $“ / „Zweite Jahr in Folge das Radisson ausgewählt.“ / „Beste Kommentar seit langem.“ / „Problem ist, persönliche Erfahrungen sind, so schrecklich diese auch tatsächlich sind, nichts mehr als persönliche Erfahrungen.“ / „Freund von mir war auch in Riga und kann das so bestätigen.“ / „Größte Problem sind die Akkus.“ / „Als Kind darin gespielt und sogar einen Helm gefunden.“ / „Gute ist ich habe gar keinen Sohn, Nachteil ich hab ne Tochter die irgendwann mit sowas Konfrontiert wird.“ / „Neuesten beide Alben nicht gehört, (…)“ / „Sweet Harmony fand ich das Video immer eklig irgendwie als Teenager, (…)“ / „Vieles interessantes durch ihn entdeckt.“ / „Metal hab ich einiges dabei.“
Besondere Kurzform dieser Weglassen-Laune ist dann die Formulierung „Beste!“, wahlweise auch „Beschte“. Online-Foren nicht selten anzutreffen. Es um Tonträger oder Filme geht beispielsweise. Bis heute nicht herausgefunden, woher diese Formulierung eigentlich kommt und frage mich dann im Geheimen immer: „Beschte was?“ – Beschte Film, beschte Flughafen, beschte Monat, beschte Katzenfutter? Beschte Reschpecktsbekundung vermutlich. Habe nämlich auch mit Fragezeichen im Kopf unzählige Male beobachtet, dass „Reschpeckt“ ja auch so ein lustiges Ding ist: Wird von recht vielen Menschen, die sonscht koi Wort schwäbisch schwätze täte, so schwäbisch ausgesprochen. Au do han i bis heit net rausgfonda, wo des herkommt. Viele Menschen sprechen astreines Hochdeutsch, finden Schwäbisch sogar luschtich, aber würden selber niemals „Veschper“, „Kaschper“, „reschpektive“, „Knuschpern“, „Inschpektor“, „Geschpenst“, „Dischpokredit“, „Inschtanthaltung“, „Inschtitution“, „Kaschtration“, „deschpektierlich“ und so weiter sagen.
Irgendeinem Grund hat es sich nur bei „Räschpeckt“ eingebürgert. Zeitlang dachte ich, es wär nur ein Gag.
Gag ist es vielleicht tatsächlich. Sich irgendwann verselbständigt.
Ein Meisterwerk von Jonathan Glazer (1/3)
„Ein Wort der Warnung. Es gibt Filme – und davon gibt es viele -, die beim ersten Anschauen beeindrucken, die aber in dem Moment, in dem man das Kino verlässt, wie eine Handvoll Sand versickern. Dann gibt es andere, weitaus weniger, die beim ersten Sehen wie ein Blitz einschlagen und bei Ihnen bleiben, sich in Ihre Psyche einnarben und Ihr Kinoparadigma subtil, aber dauerhaft um die eigene Achse drehen. Jonathan Glazers meisterhafter und abschreckender The Zone of Interest gehört für mich zur zweiten Gruppe. Ich verließ den Film erschüttert und betroffen; in den folgenden Monaten blieb er hartnäckig bei mir.“ (Wendy Ide, The Guardian)Ich teile die Meinung von Wendy Ade über Jonathan Glazers Film „The Zone Of Interest“ – ein „long burner“, den man bei amazon prime kaufen kann, wenn man ihn im Kino verpasst hat. Fragte man mich nach solchen lang nachhallenden Filmerlebnissen, quer über die Jahrzehnte verstreut, fielen mir zuerst folgende ein, hin und her springend, und mit immenser „Affektladung“ (nicht immer würde der lang anhaltende Zauber von einst heute noch wirken): „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, „Amarcord“, „Die Mutter und die Hure“, „Paris, Texas“, „Celine und Julie fahren Boot“, „Absolute Giganten“, Donnie Darko“, „Blade Runner“, „Die 39 Stufen“, „Eine kurzer Film über die Liebe“, „Psycho“, „Jules und Jim“, „McCabe und Mrs. Miller“, „It Follows“, „Silverado“, „Tierra“, Diva“, „The Duke of Burgundy“, dieser Weihnachtsfilm mit James Stewart, „Blue Velvet“, „Der dünne Mann“, „The Big Sleep“, „Wer die Nachtigall stört“, undundund, und eben zuletzt „The Zone Of Interest“.
Ich empfehle, sich zwei ruhige Stunden einzurichten, wenn man sich das Anschauen zutraut, und die obige freundliche Warnung ernst nimmt. Bei der Oscarverliehung hielt Jonathang Glazer eine Rede, in der er unter anderem über den Angriff Israels auf Gaza sprach, die von jüdischer Seite für jede Menge Empörung, aber auch viel Zuspruch sorgte, nachzulesen im Wikipedia—Eintrag zu Jonathan Glazer. Ich teile seine Ansicht voll und ganz, auf jeden Fall zeigen die aktuellen „Wirkungstreffer“ und „Wirkungsgeschichten“ dieses Films (und um diesen Film herum), wie traurig brisant und aktuell dieser Film ist (die Markierungen einzelner Worte stammen von Wikipedia).
„Alle unsere [filmischen] Entscheidungen haben wir getroffen, um uns in der Gegenwart zum Nachdenken anzuregen, und nicht um zu sagen: »Seht, was sie damals getan haben«, sondern: »Seht, was wir heute tun.« Unser Film zeigt, wohin die Entmenschlichung in ihrer schlimmsten Form führt; sie hat unsere gesamte Vergangenheit und Gegenwart geprägt. Gerade jetzt stehen wir hier als Menschen, die es ablehnen, dass ihr Jüdischsein und der Holocaust von einer Besatzungsmacht gekapert wird, die so viele unschuldige Menschen in einen Konflikt gezogen hat. Ob die Opfer des 7. Oktober in Israel oder des andauernden Angriffs auf Gaza, alle Opfer dieser Entmenschlichung, wie können wir Widerstand leisten?
P.S. Weil mittlerweile so gut wie allen die Story des Films, das Thema, bekannt ist, wird Teil 2 eine Filmkritik in kurzen Absätzen und Sprüngen sein, und jeder, der will, kann sich, wenn er den Film gesehen hat, drauf einlassen, einen Abgleich mit eigenen Empfindungen anstellen, im besten Fall das eine oder andere Aha-Erlebnis haben, oder verwundert den Kopf schütteln. „Etwas besprechen“ also nicht, um den Schlaumeier zu mimen, sondern Ungefähres, Verschwommenes, Unklares auf den Punkt zu bringen, scharfzustellen, Scheinbar-Entferntes nah aneinander zu rücken. Und „etwas besprechen“ bedeutet auch, Ambivalenzen auszuhalten und sich nicht gleich in der Expertise zu verschanzen.
Teil 3 wird dann eine Art Kindheitsgeschichte sein, mehr short story als long story, und wohl auch eine fragmentierte Form annehmen, es geht da um ein paar Schatten aus der Nachkriegszeit. Alles im Vorübergehen notiert, flüchtig, wiederum ohne „grosse Töne“. Vielleicht auch nur ein Gedicht. A propos grosse Töne, kleine Töne. Die „Musik“ des Films stammt von Micachu aka Mica Levi. She wrote a score, most of which was ultimately cut as Glazer and Burn did not want to have the film sweetened or dramatized by it. The sound collages Levi wrote for the prologue and the epilogue remained, as did soundscapes created for the sequences involving the Polish girl. Aber damit bin ich schon mitten in Teil 2. Das hier ist ja nur das Vorgeplänkel.
Die Achtziger
Für eine Musiknerds-Liste („100 Alben der 80er für die Ewigkeit“) in einem Musiknerds-Forum in diesem Internet habe ich zuletzt mal darüber nachgedacht, was denn meine persönlichen „Top 100“-Alben der Achtziger wären. Am Ende hatte ich fast 200 Alben zusammen, die ich wirklich sehr gut finde; zum Teil habe ich sicherheitshalber nochmal reingehört, um zu überprüfen, ob ich das immer noch gut finde oder ob es vielleicht eher doch nicht so der Hammer ist … Point in Case: Phil Collins; fast immer hat der gute Phil ja keinen allzu positiven Ruf (und ich kann ohne Probleme gestehen, dass ich auch nie so wirklich Fan war), allenfalls geht ja sein Debüt Face Value als nicht schlechtes Album durch. Da ich mal für n Appel und n Ei die Komplettbox mit allen acht oder neun Phil-Alben in mein Regal gestellt hab, habe ich da unlängst nochmal reingehört, um zu schauen, wie das eigentlich dem Test of Time standhält und muss sagen (da täuschte mich meine Erinnerung nicht): Den Nachfolger Hello, I Must Be Going! finde ich tatsächlich besser (auf dem Debüt stechen eigentlich nur „In The Air Tonight“ und das lockere „I’m not moving“ heraus). Und wiederum den Megaseller No Jacket Required finde ich ganz gut, aber weitaus stärker finde ich tatsächlich das weithin abgewunkene …But Seriously.
Ich stellte auch mal wieder fest, was für ein fantastisches Album Synchronicity (The Police) ist. Selbstredend hab ich nicht alle 200 Alben jetzt aktuell durchgehört. Zu einigen kehre ich eh oft genug zurück (Patti Smiths Dream of Life etwa, das sicher kaum jemand auf dem Schirm hat, wenn es um die besten LPs der Achtziger geht). Ich teile hier mal die oberen 25 mit euch. Ab dann wird es ein bisschen schwierig zu entscheiden, ob nun Michael Nymans The Cook, the Thief, his Wife & her Lover echt besser ist als Bill Frisells Lookout for Hope oder ob es irgendwie angemessen ist, Actually (Pet Shop Boys) höher zu stellen als irgendwas vom Art Ensemble of Chicago oder Laurie Anderson oder Tom Waits oder Stevie Nicks oder Arthur Russell. Dazu muss man vielleicht auch sagen: Anders als viele hier hab ich die Achtziger ja als Kind erlebt, nicht als ausgewachsener Musikhörer. ECM und The Cure kamen bei mir halt erst viel später überhaupt ins Bewusstsein. „Road to Nowhere“ von den Talking Heads ist in meiner Kindheit weitaus präsenter und prägender gewesen als Remain in Light oder sonstwas von Brian Eno (von dem ich auch eine Handvoll Alben in die Liste genommen habe). 1989 kaufte ich Sleeping with the Past (das m.E. tatsächlich auch heute noch bestehen kann und Elton Johns bestes oder maximal zweitbestes Album der 80er ist) und natürlich nicht Salome Dances for Peace (1989) – das Kronos Quartet spielt Terry Riley, auch wenn ich die beide heute gleichauf nennen würde.
Dies wären aber mit heutigem Stand meine 25 persönlichen Lieblingsalben, die von 1980 bis 1989 veröffentlicht wurden:
- David Bowie: Scary Monsters (And Super Creeps) (1980)
- Sinéad O’Connor: The Lion and the Cobra (1987)
- Dexys Midnight Runners: Don’t stand me down (1986)
- U2: The Joshua Tree (1987)
- Gianna Nannnini: Latin Lover (1982)
- Talk Talk: Spirit of Eden (1988)
- Eurythmics: Savage (1987)
- Joy Division: Closer (1980)
- Einstürzende Neubauten: ½ Mensch (1985)
- Bill Frisell: Rambler (1985)
- The Rolling Stones: Tattoo You (1981)
- The Police: Synchronicity (1983)
- Pulp: Freaks (1987)
- John Cale: Music for A New Society (1982)
- The Cure: Pornography (1982)
- Patti Smith: Dream of Life (1987)
- David Torn: Cloud About Mercury (1986)
- Arvo Pärt: Tabula Rasa (1984)
- New Order: Substance (1987)
- Lou Reed: New York (1989)
- Laurie Spiegel: The Expanding Universe (1980)
- Talking Heads: Remain in Light (1980)
- Grace Jones: Nightclubbing (1981)
- Sonic Youth: Daydream Nation (1987)
- Prince: Sign o’ the Times (1987)
That indigenous Australian expression
“Dreamtime“ was recorded in 1980 at Systems Research Center, Palo Alto, CA. The Dreaming is used Down Under to represent the concept of „time out of time“ or „everywhen“, during which the land was inhabited by ancesteal figures, often of heroic proportions or with supernatural abilities. The piece is taken from the wonderful boxset „Degrees Of Freedom Found“. Imagine Blue Gene Tyranny meeting Bo Hansson!

After my recommendation of the treasure box titled „Degress Of Freedom Found“, Amazon realized people are buying this dust collector again, so now it is no longer cheap as chips, and the price went up 300 %. A friend of mine said, as some old-fashioned vinyl dude I should give this unknown „classic of its own kind“ a spin. Out Of The Blue. Lovely music, from start to end, indeed. Makes sense, the Boomkat review: „Tyranny’s 1978 solo debut ‘Out Of The Blue’ remains a perennial cult favourite, existing on the sweetest, inventive edges of rock, pop and avant-garde composition in a manner that was entirely characteristic of the amazing Lovely Music, Ltd. label, with whom he’s most closely associated. Quite simply, there’s little out there that matches ‘Out of the Blue’ for sheer charm, placing a deep knowledge of experimental and pop music’s internal workings at the service of a ripely melodic and dreamlike suite with results awaiting discovery by new ears.“Die Kunst am Ball
Dass Picasso ein Künstler ist, weiß jeder. Aber wie heißt das neue Genie am Ball? Kann ein Fussballer überhaupt als Künstler durchgehen? Aber ja! Messi, Ronaldo und der kleine Prinz,der jetzt ganz große Kunst zeigt. Er heißt Florian Wirtz. Er hat noch nicht die kroossche Ruhe am Ball, aber das Talent zum Großen zeigt er uns jetzt schon.
Heute Abend wird JoMarie Dominiak irgendwo unter den Schwarz-Gelben weilen. Vielleicht bringt sie Glück. 2009 durfte sie anlässlich der 100 Jahrfeier beim BVB singen. Jetzt beschäftigt sich die mittlerweile 27 Jährige mit dem Thema “ Musikrezeption im Wandel“. Wer sie an der Universität in Münster finden will, achte auf das Türschild : Tage bis zum nächsten Taylor Swift Konzert …Hinter dieser Tür arbeitet sie an ihren Interviews, die sie mit Musikbegeisterten gemacht hat oder sie untersucht die Nutzung von analogen und digitalen Musikmedien im Alltag. Sie hat herausgefunden, dass immer mehr Menschen über Plattenspieler Musik hören. Das sei einfach entspannteres Musik hören. I agree! Jo Marie singt und spielt Gitarre und wird vermutlich heute Abend irgendwo einen Auftritt hinlegen. Wer sich für Kommunikationswissenschaften interessiert, sollte die junge Doktorandin im Auge behalten. Sie weiß selber noch nicht, ob sie am Ende als singende Kommunikationswissenschaftlerin oder als kommunikationswissenschaftliche Sängerin landen wird. Auf jeden Fall wird sie heute mit Stimme und Stimmung dabei sein.
Von Faust zu Wal
Vor über 15 Jahren drehten wir „Faust“, nach Goethe, als Béla Tarr noch regelmäßig an der DFFB Dozent war. Ich glaube, es muss seine letzte Regiedozentur an der DFFB gewesen sein. Katharina Rivilis war als Margarethe die heimliche Hauptfigur; gerade hat sie als DFFB-Regiestudentin ihren Debütfilm, ihren ersten Langfilm, abgedreht, in New Mexico und Texas, mit Produzent Wim Wenders. Seit Monaten postet sie in sozialen Medien über diese Arbeit. Für den Film hatten sie unglaubliche 52 Drehtage. Für einen Abschlussfilm! Unsere im Winter in München an der Bayrischen Staatsoper gedrehte Produktion (mein ca. zehnter Langfilm), die in ein paar Wochen Premiere hat, hatte 12 Drehtage, darunter auch dokumentarische und improvisierte und aus dem Stegreif geänderte Szenen, für ein Filmprojekt von 90 Minuten. Ich frage mich: Was dreht man 52 Tage lang, und wie bekommt man für einen Abschlussfilm so viel Geld zusammen?
Robert Gwisdek spielte in unserem „Faust“ den Mephisto. Er war Kommilitone von Katharina, als sie Schauspiel studierte, an der HFF Potsdam, damals, 2008. Robert hat gerade seinen ersten eigenen Langfilm als Regisseur veröffentlicht, nach zahlreichen fantasievollen No-Budget-Musikvideos für eigene Musik (und zwei wahnsinnig teuren Musikvideos, die er 2022 für Rammstein als Regisseur und Produzent verantwortete). Seinen Film „Der Junge dem die Welt gehört“ hat er ohne Fördergelder und Fernsehredaktionen aus eigener Tasche finanziert, gedreht mit Geld, das er als Schauspieler und Rammstein-Regisseur verdient hatte. Für seine letzte Rolle in „3 Tage in Quiberon“ war er mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet worden (das Preisgeld (€10.000) dann vermutlich Startkapital für den eigenen Film), seither war er sechs Jahre lang nicht mehr als Schauspieler in Erscheinung getreten, bis jetzt, in „Sterben“, für den er wieder für den Deutschen Filmpreis nominiert war.
„Der Junge dem die Welt gehört“ entstand als kleine familiäre Produktion in Italien und auf seinem eigenen Dachboden in dem kleinen Dorf in Brandenburg, wo er mit seiner Frau (die den Film produziert hat), deren Tochter Chiara (die einer der Hauptrollen in dem Film spielt) und mehreren (?Stief-)Kindern lebt. Lustigerweise spielt auch Denis Lavant mit, der in dem Film genau so aussieht wie Robert Gwisdek. Und auch so agiert. Ebenso erkennt jeder, der Robert kennt, ihn in der männlichen Hauptfigur wieder, gespielt vom Schweizer Singer-Songwriter Faber. In dem Film wechselt er flüssig zwischen deutsch und italienisch. Und Roberts Mutter Corinna Harfouch spielt auch mit. Chiara spielt gleich vier oder fünf Mal die gleiche Figur in verschiedenen Facetten, sehr Gwisdek-typisch.
Sehe ich Denis Lavant, so denke ich sofort an einen der für mich prägendsten Filme „Mauvais Sang“ von Leos Carax, aus den tiefen Achtzigern. Ein Film, wie es ihn kein zweites Mal gibt, nicht mal von Carax. Er scheint mir überhaupt einige Gemeinsamkeiten mit Robert Gwisdeks Film zu haben. Man müsste die beiden als Double Feature zeigen. Denis Lavant ist heute fast 40 älter als in diesem Film, sieht aus wie ein alter Mann, macht indes allerlei verrückte Sachen, und immer, wenn ich ihn in irgendeinem Film sehe, springt er so jung wie eng und je herum, macht seine Faxen. Denis Lavant und Robert Gwisdek — zwei Brüder im Herzen. Oder im Geiste, je nachdem. Man hätte es sich nicht besser ausdenken können.
Und wann immer ich Denis Lavant in einem Film gesehen habe, habe ich hinterher David Bowie im Ohr – „Modern Love“. Jeder, der einmal „Mauvais Sang“ gesehen hat, weiß warum. Eine unvergessliche Sequenz. Noah Baumbach hat den Film auch gesehen und in „Frances Ha“ diese geniale Szene schamlos kopiert, mit seiner damals neuen Partnerin Greta Gerwig als Denis-Lavant-Ersatz. Nichts gegen Noah Baumbauch, aber leider ist „Frances Ha“ nicht so eigensinnig und gelungen wie „Mauvais Sang“. Mich ärgert nur, dass er die Hommage nicht kenntlich gemacht hat. Noah Baumbach hat aber auch bessere Filme gemacht, letztens schaute ich seinen Debütfilm „The Squid and the Whale“. Sehr lustig, Jesse Eisenberg in seiner wohl ersten Filmrolle als Teenie-Alter-Ego von Noah Baumbach zu sehen. Und irritierend zu sehen, dass Baumbach in dem Film in vielen Teilen genau die gleiche Geschichte erzählt wie 15 Jahre später wieder in „Marriage Story“ (nur eben aus anderer Perspektive) – dort spielte dann Adam Driver sein Alter Ego. Die Geschichte wiederholt sich; in „The Squid and the Whale“ erzählt er 2004 von der Trennung seiner Eltern 1986 in Brooklyn, aus der Perspektive des Jugendlichen Noah/Jesse/Walt, in „Marriage Story“ 15 Jahre später dann seine eigene Trennungsgeschichte von Jennifer Jason Leigh, die als „Nicole“ von Scarlett Johannsson verkörpert wird. Die Parallelen sind unübersehbar. Mit den Frauenfiguren tut sich Baumbach in seinen Filmen üblicherweise schwerer als mit den Alter Egos. Laura Linney geht aus „The Squid and the Whale“ allerdings als die stärkste Figur hervor. Erstaunlicherweise, muss man fast sagen.
„Weisst du noch, damals, in Warrington und Runcorn…“
Ist es nicht schön verrückt, die „Klanghorizonte“ Ende Juli mit einem brandneuen Album zu beginnen, das sich mit Städteplanung auseinandersetzt, der „New Towns“- Bewegung im alten England der siebziger Jahre?! Das vierte Album der Serie wurde vielfach gefeiert, und in „Electronic Sound“ zum Album des Jahres 2023 gewählt.
„Hub Your Community“, das fünfte Album der Serie des „Warrington-Runcorn New Town Development Plan“ setzt Gordon Chapman-Fox‘ klangliche Erkundung diesér Bewegung fort und zeigt, wie die Probleme, die sie zu lösen versuchte, auch heute noch nachhallen. Das Hauptthema nun: die Gemeinschaft und die Gemeinschaftszentren, die die Ortschaften Warrington und Runcorn bevölkerten, um den Menschen alle Einrichtungen zu bieten, die sie innerhalb von fünf Minuten zu Fuß von ihrem Haus aus erreichen konnten. In den letzten 50 Jahren sind nicht nur diese Gemeinschaftszentren, sondern auch die von ihnen angebotenen Dienstleistungen zurückgegangen – sei es der praktische Zugang zu einem Haus- oder Zahnarzt, zu einem Postamt usw. -, da die aufeinander folgenden Regierungen diese grundlegenden Dienstleistungen untergraben und ausgehöhlt haben.
Die Torys von Mrs. Thatcher gingen da mal wieder federführend voran – fragen Sie mal Robert Wyatt! Die letzten 50 Jahre waren auch einem Rückgang des „geneinschaftlichen Lebens“ geprägt. Thatchers Aussage, „there is no such thing as society“, wurde damals belächelt, aber die nachfolgenden Tory-Regierungen haben sich dies zum Leitbild gemacht und versucht, dem Land so viel Unterstützung und Gemeinschaft wie möglich zu entziehen und jeden sich selbst zu überlassen.
Es hat durchweg faszinierend, wie Gordon Chapman-Fox diese alte Welt und ihre Verlustmeldungen klanglich aufleben lässt. Nie berechenbar begegnen sich hier kühle Maschinen-Elektronik und zu Herzen gehende Electronica. Dabei trägt sich die klug und sinnlich komponierte Musik dieses Albums von allein, ohne Gebrauchsanweisung und Sozialkundeunterricht -, und es wäre schön zu lesen, welche anheimelnden und unheimlichen Sphären Jan Reetze hier ausfindig macht, an was ihn diese gesammelten Dystopien und Maschinenträume erinnern.
Der Transfer zu leblosen Sattelitenstädten und gescheiterten Projekten der alten BRD ist wohl eher eine traurig leichte Übung. Unter dem Strich ist es eine tolle Sache, wie hier mit den Mitteln der elektronischen Musik „aural history“ betrieben wird. Irgendwann wird es gewiss eine sehenswerte Dokumentation geben, oder eine Netflix-Serie. Der Soundtrack liegt schon vor.