• „Divorced from sunlight“

    Success meant freedom. Hollis resolved to make an ambitious album that had “an absolute calm, but an absolute intensity inside of that”. Work began on Spirit Of Eden on May 11, 1987, in an atmosphere of sensory immersion. Neither the control room nor the live room of Studio 1 had windows. The sessions took place, according to Wessex’s chief engineer Stuart Stawman, 

    “divorced from sunlight”. The aim was to recreate the mood of a late-night Traffic session in late 1967. Phill Brown – who had actually worked on late-night Traffic sessions in 1967, which was why he got the job – recalls “an endlessly blacked-out studio, an oil projector in the control room, strobe lighting. Twelve hours a day in the dark listening to the same six songs for months. As the months went on, it became pretty intense.” 

    “There was an oppressive feeling a lot of the time,” says Wessex’s former maintenance engineer, Richard Hill. “When you walked into the control room, you were enveloped. You were ‘in’ something, an atmosphere, which at times was lovely – but it’s wearing when it feels like two in the morning all the time.” (Excerpt)

  • monthly revelations, april, with an afterglow of the 1960‘s and the 1970‘s

    Die Beatles, einmal mehr, ein nie wiederveröffentlichtes Meisterwerk der frühen ECM-Jahre, das sorgt schon mal für ausreichend „Nachglühen“ . Aber dann wäre da noch die gewitzt inszenierte Hommage an einen Kinoklassiker aus dem Jahre 1960, und ein deutsches TV-Sci-Fi-Epos, ein Jahr vor dem „summer of love“, zwei Jahre vor dem wilden Jahr 1968, drei vor der Mondlandung. Man sieht. Volles Programm!

    Iron and Wine hätte auch das Album des Monats werden können. Die gelassene Zuversicht von Sam Beams Profi-Team erinnert an die Blütezeit von Laurel Canyon, ohne dabei irgendwelche Hippie-Geister heraufzubeschwören… oder, besser, im Original:

    „The mellow assurance of Beam’s team of professionals suggests the heyday of Laurel Canyon without quite conjuring any hippie ghosts. His touch remains too subtle and tasteful to succumb to the temptations of revivalism, yet there’s a distinctly welcoming and wistful breeze wafting through the record, blowing the stark “Paper and Stone” right into the sunlight. It’s a trick he repeats over and over throughout Hen’s Teeth, letting the idiosyncrasies of his songs be transformed, even erased, by the interplay of his supporting musicians. Maybe he’s lost the spartan immediacy of his earliest records, but he’s gained a sense of camaraderie that makes his music feel nourishing.“

    Ein trefflicher letzter Absatz einer Besprechung des jüngsten Iron and Wine – Albums. Eine kleine Hommage an den sowas von unabhängigen Musikblog Aquarium Drunkard, für den man ein kleines Entgelt entrichten muss pro Monat, aber selbst Musikfüchse wie du und ich finden dort manch Aufregend-Altes und Aufregend-Neues!

    Eine kleine Hommage für Aquarium Drunkard also, dass unser Griff ins Archiv und die Entdeckung eines tollen neuen Albums, neben einem langen launigen Interview mit Sam Beam, durchweg von drei „Aquarianern“ stammt. Die Abteilungen für Film und Serie und Prosa schweifen weit zurück in ein altes Europa, über das Robert Wyatt das schönste aller Lieder gesungen hat, das mit Miles und Juliette in Paris. In der Abteilung Radio bleibt es bei meinen Zeitreisen durch die ECM-Jahre von Steve Tibbetts und und zwei meiner alten Sendungen über Ralph Towner und John Abercrombie. Tempus fugit. (m.e)

  • Planet Alexander Kluge kreist woanders

    Als ob sie sich abgesprochen haben: wir gehen jetzt mal. Wer ist der Nächste? Gerhard Richter? Dann wären die Poeten unter sich.

    Ich traue mir keinen Nachruf zu, wüsste nicht, wo ich anfangen soll. Hier ein kleiner Text , den ich mal anlässlich einer Ausstellung auf Mana geschrieben habe. Hier eine kleine Anekdote, die ich mal mit ihm erlebt habe nach einem Vortrag in Düsseldorf über Das Fernsehen. Er sass danach zufällig in der Kneipe neben mir. Ich fragte ihn etwas provokant: Ist denn TV wirklich sooo wichtig? Er antwortete mit diesem geheimniswissenden Lächeln: Ich möchte doch sehen, was Helmut Schmidt da in Tunesien macht.

    Hier Tipps, wo man den „Heiligen“, die Tage in den Medien erwischen kann:

    ARTE Freitag, also heute, 22.45 Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos

    BR Samstag 23:15 Abschied von gestern. Nach dem Film noch ein Sonderbeitrag über ihn

    3SAT 29.3. ab 20.15 Nachrichten aus der chronologischen Antike

    Radio Bayern2 und Deutschlandfunk bringen Sondersendungen über „Die Chronik der Gefühle“ und über seine jüngsten Arbeiten zur KI. (Sendezeiten konnte mit KI noch nicht geben)

    Alexander, ich trauere. Um Peter Schneider, der gestern beerdigt wurde, um Habermas, um dich. Du sagtest einmal: Die Gefühle sind langsam. Zum Gluck ist der Frühling da.

  • Aus der alten BRD

    Man könnte auch an Chris Howland denken, und seine „Musik aus Studio B“. Er nannte sich „Heinrich Pumpernickel“, und wenn der Brite den den Plattenjockey gab, war sogar der deutsche Schlager auszuhalten. Der schelmische Vogel gehörte zu einer alten Bundesrepublik wie Nierentische, Tri Top, Freddy Quinn, Heimatfilme, Emma Peel, Winnetou, die Beatles in Essen, Sachertorte, Raumschiff Orion, und der Geruch der Kartoffeln im Treppenhaus. Wenn solche Menschen sterben, merkt man, dass eine Zeit schon lange zuende ist, von der viele einst dachten, sie würde schlichtweg immer so bleiben – eine Traumfabrik. Alles wird gut, war das geheime Motto, und die kolportierte Lüge, indes: alles ist aus, vorbei. History.“ m.e. (manafonistas, 2013, remixed)


    Zum 60-jährigen Jubiläum von Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion erscheint Ende Mai die siebte Veröffentlichung der Peter-Thomas-Reihe als erweitertes, klanglich überarbeitetes Reissue auf CD und LP.

    Der Soundtrack gilt bis heute als einer der prägendsten der deutschen TV-Geschichte – futuristisch, rhythmisch, wagemutig. Peter Thomas verlieh der Serie eine einzigartige Klangsignatur, deren Strahlkraft weit über das Bildschirmformat hinausreicht. Der legendäre Vocoder-Countdown und Titelthema wurden zahllos gesampelt, gecovert und neu interpretiert – u a. von Pulp, Pizzicato Five, Die Fantastischen Vier und Mousse T.

    In Zusammenarbeit mit Philip Thomas konnten vier bislang unveröffentlichte Stücke aus dem Nachlass des Komponisten ergänzt werden. Die LP basiert auf der Philips-Originalausgabe von 1966, erweitert um die neuen Titel – und enthält ausschließlich Musik, die in der Serie zu hören war, mit einer Ausnahme: »Bolero on the Moon Rocks«, dessen Sample Pulp 1998 zu »This Is Hardcore« inspirierte. Die CD bietet über 60 Minuten Originalmusik, inklusive rarer Outtakes, ohne später hinzugefügtes Füllmaterial.

  • Fiona Shepherd über das neue Album von Iron and Wine

    Viele Künstler wurden durch den Verlust von Arbeit, Einkommen und Sinnhaftigkeit, den die Covid-Pandemie mit sich brachte, zutiefst erschüttert. Für Sam Beam war die Auswirkung lähmend. Da er nichts schreiben konnte, was nicht vom Schatten des Lockdowns überschattet war, zog er sich zurück und genoss stattdessen die kostbare Zeit mit seiner Familie. 

    Der Damm brach 2022, als er in Memphis „Lori“ aufnahm, eine EP mit Coverversionen von Lori McKenna. Beams eigenes Songwriting nahm daraufhin eine spielerische, ja sogar leichtfertige Wendung, und Musik machte wieder Spaß. Er betitelte sein Comeback-Album von 2024 „Light Verse“ wegen seiner „Nimm’s locker“-Qualitäten.

    Sein Folge- und Begleitalbum „Hen’s Teeth“ fängt etwas Seltenes und Kostbares ein: einen üppigen Geist, der sich nicht allzu sehr anstrengen muss, um den Zuhörer zu verführen. Und das Verschwenderische hat Substanz. Beide Alben wurden zeitgleich in Dave Ways privatem Studio in Laurel Canyon mit einer Gruppe von Musikern aus Los Angeles aufgenommen, die Beam als seine „Traumband“ bezeichnet, darunter der exezellwnte Gitarrist David Garza.

    Sam Beam begeisterte sich in jener Zeit einmal mehr für „Astral Weeks“ und ließ sich von dessen berauschendem Stilmix inspirieren. Kurz gesagt: Beam verstand etwas von Jazz. Er hatte bereits zuvor mit Jazzmusikern zusammengearbeitet, etwa 2007 bei der politischen Parabel „Shepherd’s Dog“ und dem entspannten „Ghost On Ghost“ – subtile Abweicher in einem Werkverzeichnis, das den Lo-Fi-Folk, auf dem Iron & Wine gegründet wurden, die ausgefeilteren Pop-Arrangements von „Kiss Each Other Clean“ und die Rückkehr zum weder brutalen noch epischen „Beast Epic“ umfasst.

    „Light Verse“ war ein weiterer sanfter Überraschungszug, der mit dem luxuriösen Balsam von „Taken By Surprise“ und den John-Martyn-artigen Melodien von „Tears That Don’t Matter“ den Weg zu „Hen’s Teeth“ wies; doch erst auf „Hen’s Teeth“ nutzt Beam wirklich die Möglichkeiten, einfache Songs intuitiven Musikern in den Schoß zu legen und sich an dem zu erfreuen, was dabei entsteht. 

    Der Opener „Roses“ beginnt mit einfachen Akkorden und Beams einladender Stimme, die leicht rau, zitternd und in ihrer Phrasierung fast gesprächig wirkt, bevor sich der schrille Klang der Gitarre, sanftes Schlagzeugspiel und subtile Taktwechsel darüberlegen und so eine immersive Klangwelt erschaffen. Das Arrangement bewegt sich mit dem Text von sanfter Selbstbeobachtung hin zu einem eher beunruhigenden Klangwirbel und mündet schließlich in mitreißendes, symphonisches Country-Terrain.

    In „Paper And Stone“ reduziert Beam alles auf das Wesentliche, gräbt in Erinnerungen, philosophiert vage („say who we are“) und assoziiert frei über beruhigender Gitarre und einsamer, spiralförmiger Violine. Bei „Robin’s Egg“ bleibt er in der Natur, wo die starke Verbindung zu Laurel Canyon durch den Hintergrundgesang von I’m With Her noch verstärkt wird, die das Geschehen mit gefühlvoller Schärfe aufwerten, bevor sie in einen verträumten Refrain übergehen und sich dort ausbreiten, wohin die Binnenreime – von „namby pamby“ bis „loosey goosey“ – sie führen. Ihr anderer Beitrag, „Wait Up“, lässt vermuten, dass diese Stimmen verschreibungspflichtig sein müssten. 

    In dem bezaubernden „Singing Saw“ greift Beam auf sein gefühlvolles Falsett zurück; der Song entfaltet sich wie eine von David Crosbys psychedelischen Fantasien, angereichert durch dramatische Einstiche durchdringender Violinen und stöhnender Bässe, während Beams älteste Tochter Arden für die duftende stimmliche Ausgewogenheit sorgt. „Grace Notes“ besticht durch enge Vater-Tochter-Harmonien, begleitet von einer Solovioline, dem Trillern einer Mandoline und einem unerwarteten Lounge-artigen Klavier sowie einem Western-Swing-Streicherbreak. 

    Der luftige 70er-Jahre-Country-Rock von „In Your Ocean“ klingt in dieser Zusammenstellung zwar geradlinig, doch es gibt nie einen schlechten Zeitpunkt, sich in den massierten Gesängen und subtilen Hammond-Licks zu verlieren. Extrovertierter wird das Album an keiner anderen Stelle, doch der zarte Gesang, die Jazz-Basslinie und die durch und durch an Nick Drake erinnernde Träumerei von „Dates And Dead People“ üben ihre eigene Anziehungskraft aus, während sich der Song zu einem anschwellenden, perkussiven Walzer steigert. 

    Das wohl fesselndste Beispiel für Beams musikalische Befreiung ist „Defiance, Ohio“. Vergessen Sie den Mittleren Westen – dieser Track gehört mit seinem unbeschwerten Pfeifen, der funkelnden Kalimba, der zarten Gitarre und den cineastischen Streichern an einen brasilianischen Strand. Nachdem er so süß in den Gewässern der Tropicália gepaddelt ist, ist es kein Wunder, dass Beam am Ende von „Hen’s Teeth“ so glückselig und zufrieden klingt und im letzten Stück „Half Measures“ mit sich selbst im harmonischen, trägen Country-Rhythmus verschmilzt. 

  • „B-Western: Showdown der gebrochenen Herzen“

    Hans Schifferle hätte ich gerne mal, damals in den 1970er und 1980er Jahren, als ich öfter in München war, kennengelernt. Als mir Thomas P. das neue „Schifferle-Buch“ zeigte, erinnerte ich mich sofort, wie bereichernd die Filmbesprechungen der SZ in meiner Studentenzeit in Würzburg waren auch später in Furth. I.W., und sowieso sonstwo, als eine „alte Bande“ von Filmkritikern, zu denen auch irgendwann Hans S. zählte, mich auf viele Filme abseits des Mainstreams neugierig machte, mit einem unverbrauchten, lebendigen Schreibstil. Unvergessen, wie ich 1976 und 77 öfter vor Ort war, mit der schönsten Frau des östlichen Ruhrgebiets an meiner Seite, und in einem kleinem Theater Urs Widmers Theaterstück „Stan und Ollie in Deutschland“ sah und am Abend darauf in Schwabing in einem Uraltkino Robert Altmans „Nashville“. Vielleicht sass Hans Schifferle nur zwei Reihen hinter mir. Mit C. landete ich in jenen Tagen natürlich auch in der Gleichmannstrasse 10 bei „Jazz By Post“, wo ich Paul Bleys Solopianoalbum „Alone Again“ kaufte (kann man ohne Zögern seinem Meisterwerk „Open, to love“ an die Seite stellen)!

    Hans Schifferle hatte stets ein Faible für das Kino abseits des Mainstreams, für B-Movies, „Schmuddelfilme“, „alte Serien aus der goldenen Zeit des TVs“, Horrorfilme, Krimis, Erotikfilme, den ganzen schönen Unrat, der ihm einen unverstellten und unschuldigen Blick auf die Dinge verriet, abseits der landläufigen Abkanzelung sog. „zweitklassiger Filme“ mit dem Werkzeug eines arroganten Traditionalismismus oder einer rigiden Psychoanalyse, die überall nur männliche deformierte Psychen aufdeckte, reaktionäre Frauenbilder u.v.m. Auch John Wayne hat in tollen Filmen mitgespielt, auch wenn wir James Stewart fast alle lieber mochten, klar, als Kinder den 1960er, 1970er Jahre. Eine von Hans Schifferles letzten Veröffentlichungen war ein Text über alte, fast vergessene Western, die im Schatten der arrivierten Regisseure ihren eigenen Underground kreiierten. Seine Zeitreisen war stets eine Fundgrube von Entdeckungen. In dem ihm gewidmeten Buch „Berufung:Kritiker“ entdeckte ich einen durchaus lyrischen Text über den Schauspieler Lex Barker, der eine Jugenderinnerung heraufbeschwörte: wie ich ihn in einem abgelegenen Hotel auf Mallorca früh in den 1970er Jahren am Swimmingpool, neben Maria Adorf sitzend, ablichtete. Der kurze Höhepunkt meiner Karriere als Paparazzo. Leider ist das alte Dia verloren gegangen. (m.e.)

    Beim Filmfestival von Venedig hat der Western mit den neuen Filmen der Coen-Brüder und von Jacques Audiard eine kleine Renaissance erlebt. Die Liebe zu diesem Genre scheint ungebrochen. Die komplexe Geschichte des Genres, auf der auch die Venedig-Filme basieren, ist lebendig im cinephilen Alltag. Es gibr zurzeit kaum eine Filmgattung, die auf dem DVD- und Blu-ray-Markt mit so vielen Neuerscheinungen von alten, klassischen Filmen aufwarten kann wie der Western. DVD-Labels wie Koch Media, Filmjuwelen, White Pearl Classics oder Western Perlen lassen mit ihren Wiederveröffentlichungen und Neuentdeckungen von kleinen und vergessenen Western vor allem aus den 50er und frühen 60er Jahren die Geschichte des Westerns in einem neuen Licht erscheinen. Zu diesem Thema ist kürzlich auch ein Buch erschienen: Gregor Hausers »MÜNDUNGSFEUER«, eine kenntnisreiche labour of love über »Die 50 besten B-Western der 50er Jahre und ihre Stars«.

    Es versetzt in Erstaunen, dass man selbst als Cinephiler beim Betrachten dieser vielen wieder zugänglichen Filme erkennen muss, dass der gute alte amerikanische Western tatsächlich ein terrain vagueist, eine geradezu unbekannte filmische Gattung. Natürlich, man kennt die großen Western von John Ford, Raoul Walsh, Howard Hawks und William A. Wellman, auch die Westernperlen von Anthony Mann, Budd Boetticher, Sam Fuller, Nicholas Ray, Jack Arnold oder Joseph H. Lewis. Aber all diese Filme, die uns häufig durch die französischen Kritiker der Autorentheorie vermittelt wurden, bilden nur die Spitze des Eisbergs. Was ist mit Westernspezialisten wie Lesley Selander, Sidney Salkow, George Sherman, Lew Landers oder Joe Kane, dem hyperaktiven Topregisseur des kleinen Republic-Studios? Was ist mit den jüngeren wagemutigen Filmemachern wie Joseph Pevney, Alan H. Miner oder Paul Wendkos? Man kann jetzt den Humus eines Genres entdecken, der die Meisterwerke erst ermöglicht hat, einen vielschichtigen Kosmos aus vitalen kleinen Filmen und größeren Produktionen, die von der Filmgeschichte verschluckt wurden. Ein neues Bild von einem traditionellen Genre entsteht dabei.

    (der Auftakt eines Textes von Hans Schifferle von 2018, HIER in in toto)

    Postscriptum mit einem Hauch Wildwest aus dem tiefen Bayern (als ich mal auf einem anderen Blog Einspruch einlegte gegen Standard-Abkanzelungen alter Western, flogen mir gleich einige Bleikugel um die Ohren):

    Ganz witzig finde ich, wie schlecht hier oft Filme bei Uschi abschneiden, die ich ganz famos oder erschütternd oder sonstwie gelungen finde, beispielsweise Anora… undundund … Uschis verallgemeinernde Abfertigung des Westerns als „riesige Spielwiese fürs Macho-Wettpinkeln“, holla-di-ho, was für Entrüstungsarien! (Michael)

    Die seltsame Art des Michael E. etwas „witzig“ zu finden und sich damit gleichermassen wunderbar zu offenbaren, auf der “ … riesigen Spielwiese der Macho-Wettpinkler … “ derjenige zu sein, der am weitesten pinkeln kann, ist auch eine Aussage! (Little Hans)

    Wenn ich mich recht erinnere, wurden Western hier schon differenzierter besprochen und auch positiv konnotiert, z B der Neowestern, die Filme der Coens und das Lied vom Tod waren durchaus keine Verrisse. Uschi meinte mit der Spielwiese wohl eher die B-Movies, den alten John Ford, filmtechnisch durchaus beachtlich, handlungstechnisch eher banal. Oder guckt sich noch jemand freiwillig John Wayne an? Also genauer lesen und dann verreissen. (Jörg R.)

    Da ich aber etwas unpräzise war, kamen da gleich einige dahergesprungen wie aus der Shiloh Ranch, bemühten „Pimmelmetaphorik“, machten aus einer „Arie“ gleich eine „Orgie“, und statt Frau selber sprechen zu lassen (die vielleicht gerade am Herd stand und den Porridge machte, oder Steak mit Bohnen) wurde genaueres Lesen angemahnt, und der humorvolle Kommentator (ich) samt Pimmel des Feldes verwiesen…. Ich sags ja, wie im Wilden Westen!!! Zur Abkühlung der Gemüter empfehle ich allen den grossartigen alten Western „Der Mann, der Liberty Valence erschoss“. (Michael)

  • „Hang on to your dreams“ – Monthly Revelations (March)

    Als Einstimmung auf die Empfehlungen für den März kann man einfach mal das Cover dieses zweiten Duo-Albums „Five Years Later“ von Ralph Towner und John Abercrombie auf sich wirken lassen. Zwei colorierte Liegestühle in einem ansonsten schwarzweissen Foto, weisse Gemäuer, das Meer, der Horizont. Die Liegegelegenheiten gleichsam ausgestellt, normalerweise müssten sie ja zum Meer gerichtet sein. Aber diese Sache kann der, der die Szene betritt, im Handumdrehen selbst erledigen. Vita contemplativa. Im Sommer 1976 sehe ich die beiden Musiker in versunkener Stimmung auf den Frankfurter Jazztagen, im grossen Saal. So spannungsgeladen, dass die feinsten Nuancen selbst um grossen Rund nicht verloren gehen. Im Februar 1982 liegt das kleine Paket von Jazz by Post mit der Schallplatte der Zwei in meinem Briefkasten in Bergeinöden bei Grasfilzing, in der Nähe von Arnschwang. Wundervolle Musik. Ich drehe die Liegestühle um, die Möwen kreischen, der Sound ist auch hier, am Ende der Welt, grossartig.

    album Tinariwen
    film Meredith Monk by Ingo
    prose David Emling by Martina

    talk Oliver Laxe
    radio Tibbetts Towner & Abercrombie by Michael
    binge Small Prophets

    archive Paul McCandless by Brian

  • Approved by Sidd Hartha

    „Das von Jamie Hewlett gestaltete Cover zeigt die vier Bandfiguren auf einem Berg über den Wolken – ein Bild für Übergang und Perspektive. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz sieht Hewlett zwar als mögliches Werkzeug, betont aber die Grenzen: Kunst brauche eine persönliche Handschrift, sonst könne man sich „nicht in sie verlieben“.“

    „Es ist 25 Jahre her, seit Gorillaz ihr gleichnamiges Debütalbum veröffentlicht haben. Ein Projekt, von dem man vernünftigerweise annehmen konnte, dass es sich um einen einmaligen Scherz eines Britpop-Stars handelte, hat stattdessen ein Vierteljahrhundert überdauert – lange genug, damit Damon Albarns und Jamie Hewletts Konzept einer „virtuellen Gruppe” weniger wie ein bissiger Witz auf Kosten der Popindustrie wirkt, sondern seltsamerweise wie etwas Alltägliches: Ihre neueste Veröffentlichung erscheint in einer Welt, in der die Cartoon-K-Pop-Bands Huntr/x und Saja Boys zusammen bereits 100 Wochen in den britischen Single-Charts verbracht haben, in der die Anime-„Vocaloid” Hatsune Miku in der O2 Arena auftritt und in der der gefeierte Produzent Timbaland eine KI-generierte Sängerin namens Tata Taktumi auf den Markt gebracht hat. Mittlerweile umfasst das Werk von Gorillaz neun Alben, an denen etwa 100 Gastkünstler mitgewirkt haben; sie sind das Bindeglied zwischen Carly Simon und Shaun Ryder, Skepta und Lou Reed sowie Bad Bunny und Mark E Smith.“ (Alex Petridis über „The Mountain“ in „The Guardian“)

  • Monthly Revelations (February)

    album JONATHAN RICHMAN: ONLY FROZEN SKY ANYWAY
    talk STEVE REICH: CONVERSATIONS
    archive MORTON FELDMAN: ROTHKO CHAPEL / FOR FRANK O‘HARA
    prose CARLOS CASTANEDA: DAS WIRKEN DER UNENDLICHKEIT
    film PASSGIERE DER NACHT
    television ALL HER FAULT
    radio DIE MINNEAPOLIS-KATHMANDU CONNECTION

    (das Albumcover liegt mir schon in sechs audio files vor. Die dazugehörige Musik wird im April mit grosser Wahrscheinlichkeit a) das Album des Monats sein und b) als letztes Stück meiner Klanghorizonte Ende Mai erklingen. Die liner notes stammen von Robert MacFarlane.)