das eine im anderen vice versa
Arto: Erzählen wir etwas über Musik oder über uns?
Tsek: Wohl beides!
Arto: Wie spiegelt sich das eine im anderen?
Tsek: Gute Frage! Um was drüber rauszufinden, sollten wir vielleicht zusammen
summen, singen, klingen. Oder zusammen Vögel beobachten. Oder uns im
reissenden Fluss der Aare unter Wasser treiben lassen.
Arto: Ach, was Du nicht sagst. Aare?
Tsek: Ja, der Fluss in Bern. Der Sound unter Wasser ist unglaublich und den
zusammen zu erleben, ist schon was.
Arto: Wann?Good morning: birds



allmorgendlich, wenn der raum noch frei ist von Krach kreisen sie: verkennend, sich manifestierend, herausfordernd, aufklärend ... spielerischEine Woche Kalabrien
Dank Ingar Zach gerade eine Woche zu Besuch in Kalabrien. Lange Zugfahrten durch den Süden Italiens. Für den Umstieg in Rom hatte ich mir vorausschauend zwei, drei Stunden eingeplant, um ein paar Schritte durch die Stadt gehen zu können – und damit ich nicht weiterhin sagen muss, dass ich noch nie dort war. Einmal zum Colosseo und zurück zum Bahnhof. Natürlich ein Abstecher in eine Gelateria, fior di latte genießen. Auch der Kaffee, im Besonderen der Espresso, ist unglaublich gut dort unten. Ich könnte den ganzen Tag nichts anderes trinken, würde mein Magen das mitmachen. Auch der tägliche katalanische Weißwein bescherte mir nicht die üblichen Magen- oder Kopfbeschwerden. Und das Essen! Es ist für mich jedes Mal von Neuem unglaublich, wie unbeschreiblich gut und vielfältig das italienische Essen ist, selbst die einfachsten Gerichte. Im Hotel Kennedy in Roccella gab es zu jedem Mittag- und jedem Abendessen jeweils drei Antipasti, drei Primi und drei Secondi zur Auswahl — und die Wahl fiel tagtäglich schwer.
Für mich, der ich schon einige Male im nördlichsten Norwegen umhergefahren bin, strahlt Kalabrien eine ähnliche Attraktivität aus: Oftmals faszinieren mich Grenz- und Randgebiete. Das südliche Ende vom europäischen Festland und das nördliche Ende haben allerdings nicht wirklich viel gemein, die Menschen schon gar nicht, von einer gewissen Grundfreundlichkeit und Neugier auf Besuchende mal abgesehen. Aufgefallen ist mir, dass nahezu niemand englisch spricht, maximal ein paar Bruchstücke. Anders als viele Leute in meinem Bekanntenkreis war ich nie in Südamerika (einige von ihnen stammen aus Chile, Argentinien, Brasilien …), ein Grund ist, dass ich weder spanisch noch portugiesisch spreche und entsprechend ziemlichen Respekt davor habe, mich in einem Kontinent fortzubewegen, wo ich die Menschen nicht verstehen und mich im Ernstfall nicht verständlich machen kann. Die Woche in Kalabrien bestärkte solche Bedenken. Wenn ich in einem kleinen Lokal (als einziger Gast) keinem einzigen der dort Arbeitenden verständlich machen kann, dass die Wartezeit zu lang geworden ist, und da mein Bus (auf den ich 90 Minuten gewartet habe) in fünf Minuten ein paar hundert Meter entfernt abfährt und ich das bestellte Essen daher bitte eingepackt haben möchte, bekomme ich ein Gefühl dafür, wie es mir in Südamerika ergehen dürfte.
Kaum jemand, egal ob jung oder alt, verstand irgendwas von dem, was ich in gebrochenem Englisch zu vermitteln versuchte. Und andersrum musste ich einsehen, dass auch Jahrzehnte langes Studium des Gesamtwerks von Gianna Nannini dabei nahezu nahezu keinen Nutzen bringt. Ich war ganz aus dem Konzept, als auf dem Zwischenstopp der Rückfahrt der junge Angestellte in der Gelateria in Rom direkt auf englisch rückfragte, ob ich das Eis in einer Waffel möchte.
Ich muss gleichwohl gestehen, dass eine Woche Dauerbeschallung einer Gruppe italienisch sprechender Musiker(innen) [genauer gesagt sind Ingar Zach und Frances-Marie Uitti norwegisch bzw. US-amerikanisch, beide aber seit Jahrzehnten außerhalb ihres Geburtslandes zu Hause und aus persönlichen Gründen fließend italienisch sprechend], wovon ich als einziger nicht der italienischen Sprache Mächtiger zumeist nicht mehr als Bahnhof und Castello verstand, mir am Ende wirklich die Ohren klingeln ließen. Irgendwie bin ich doch ganz froh, dass ich diesem extrem exaltierten Sprachgestus nicht tagtäglich ausgesetzt bin. Wenn ich Leuten erzähle, dass ich schon mein Leben lang mit großer Begeisterung Gianna Nannini und ihre mittlerweile rund 30 Alben höre, ernte ich nicht selten eine Prise Fragezeichen – nicht nur weil die meisten Westdeutschen ihr enorm vielseitiges Werk auf eine Handvoll Radiohits reduzieren, sondern auch, weil es gerne mal heißt, sie würde ja immer so „rumschreien“. Gegen den gefühlt immer gleichen überkandidelten Ton, den viele Menschen hier, bevorzugt Frauen, an den Tag legen, ist das ja gar nichts!
Apropos, lustige Zufallsbegegnung, der Musiker, der dieses Residenzfestival („Locrian Department Festival“) ins Leben gerufen hat und kuratiert, Tommaso (unten auf zwei Fotos zu sehen), hat 1986, als junger Mann von 18 Jahren, Nannini in Conny Planks Studio kennengelernt und später auf ein paar ihrer Alben Gitarre gespielt und an Songs mitgeschrieben, unter anderem der Filmmusik zum Zeichentrickfilm „Momo“ Ende der 1990er, an dem zufälligerweise auch meine Wenigkeit Mitarbeiter war (bedauerlicherweise ohne G.N. in diesem Zuge kennenlernen zu können). Tommaso freute sich zu hören, dass ich sein Gitarrenspiel bereits in meiner gut achtstündigen G.N.-iTunes-Zusammenstellung auf meinem Taschencomputertelefon habe und damit immer bei mir trage, da diese rund 100 sorgsam ausgewählten Lieblingslieder des Œuvres mir zu fast jedem Zeitpunkt, sei es auf Autofahrten, in Warteschlangen an Bahnhöfen und Flughäfen oder beim Tippen eines solchen Texts, zuverlässig Freude zu bereiten vermögen.
Anbei noch ein paar Fotos von der Arbeitsstimmung in Roccella, die ich in Stand- und Bewegtbild dokumentierte.






Monthly Revelations (October)
Curating a month of revelations, is playful, easy, and pure flowwork. You don‘t take it too serious, do it en passant, and with the fun of watching fireworks!
Slight changes, so here is take 2. October’s „flowworker“ albums nearly all by women, Laurie Anderson, Patricia Brennan, Nala Sinephro, Esperanza Spaulding (with Milton Nascimento) – as well as Joni Mitchell‘s adventures in the second half of the 70‘s, in the realm of archival discoveries. Zigzaging through decades amd centuries. Yesterday someone sent me the latest work by Laura Cannell, and listening deeper and deeper – I was bewitched and entranced: „The Rituals of Hildegard Reimagined“ are brought to life by a bass recorder, a knee-harp and the fantastic acoustics of an English church. We will return to Laura later!
The movie section includes Martina‘s long text on Wim Wenders‚ “Perfect Days”, and in the „Binge Department“, you’ll find my kind advice to let yourself fall into a ten-part “cop series” set in Mexico in the early 70‘s . The main characters are all women who deal with a serial killer, misogynistic and fascist power structures. What may appear slightly over-staged, with women on the verge of a nervous breakdown and a kind of theatrical decoration overkill, gains depth from minute to minute. Surely more soap opera with an edge than mexican neo-realism, but it works with all its beating hearts! „Women in Blue“ (Apple+) is deeply touching, highly suspenseful and brilliantly acted!
For the “Poetry” section I planned to finally place a long poem on the early years of The American Analog Set. But instead of putting down my words in stream-of-consciousness-style, i was trapped again by the beauty of their music from the 90’s, beautifully packaged in the all-vinyl „New Drifters“- boxset. So, a poem by Peter Rühmkorf did the job. Not out of nowhere. In this year I more than once ai returned to the two ECM albums Peter Rühmkorf made for ECM, with Eberhard Weber, Michael Naura and other fellow travellers. So good. Do yourself a favour and go hunting for a vinyl copy of „Kein Apolloprogramm für Lyrik“.
The conversation with Paul Newland, “The Forests Of Our Mind”, about his album “Muntjac” will remain with us in October. Some more listeners should discover this. From Epping Forest to some other „roots work“ Joe Boyd may have written, after “White Bicycles”, another essential book called „And The Rhythm Will Remain”. With its 900+ pages it may be a challenge – an „e-reader“ is highly recommended.
Medical Grade Music
Ich werde ja nicht müde, ein Loblied auf die Streams von Stunty / Stuntrock Confusion zu singen. Auch DIESES Interview mit den sympathischen The Utopia Strong (Steve Davis, Kavus Torabi und Michael York) ist sehr sehenswert.
The shit I was falling through“ – ein paar Gedanken zu einem Phänomen namens „Tindersticks“ und ihrem neuen Album „Soft Tissue“
„Falling, the light on Neals Yard / Falling, the light on Cold harbour lane / Falling, the light on your hand in mine / Falling, the light on a secret shared“ Ich war am Freitag bei einem wunderbaren Flutlichtspiel im Westfalenstadion, unserem 4:2 gegen Heidenheim. Lange war ich nicht mehr bei einem Spiel – beim Abschied von Marco Reus trafen wir uns nebenan im „Strobels“ mit Freunden und bejubelten Marcos Kunstschuss auf der grossen Mattscheibe. Das Live-Erlebnis fehlte mir. Wie früher liebe ich es einfach, in die Menge einzutauchen, beim Überqueren der Brücke über die A40. Die früher die B1 war. Oder das Aufbrausen des Torjubels: kein Privileg der Gelben Wand. Ich spüre die Verbindung zu Wildfremden wie zu alten Gesichtern, meine Spielart von „spirituellem“ Agnostizismus. Man kann viele Kopfhörer so einstellen, dass das Ambiente der Erwartung und Vorfreude hörbar bleibt, und sich mit der Musik meiner absoluten Zuneigung mischt. „Soft Tissue“ heisst das neue Opus der Tindersticks, dem ich auf dem Weg lauschte. Ein paar Leute wollten schon von mir wissen, in den letzten 30 Jahren, was ich an diesen Melancholikern aus Nottingham so schätze, aber letztlich hat sich nie einer beschwert, dass ich seit 1995 jedes Album von Ihnen (und ich meine jedes!) nachts in den Klanghorizonten im Deutschlandfunk spielte. Nachts stellen sich solche Fragen auch nicht, denn Tindersticks machen Musik, die in der Nacht tendenziell undwiderstehlich ist. Hier nun die Gedanken von Alex Petridis aus dem Guardian.

Es ist leicht, den Anfang der Karriere der Tindersticks als verpasste Chance zu betrachten. Es gab einen kurzen Moment, etwa zur Zeit ihres gleichnamigen Albums von 1995 und seines Nachfolgersl „Curtains“, in dem es so aussah, als ob die üppig instrumentierten, gefühlvollen Songs der Band aus Nottingham ein breites Publikum finden könnten: ersteres erreichte kurzzeitig die Top 20, letzteres verhalf ihnen zu einem Major-Label-Vertrag. Aber sie waren dazu verdammt, ein von der Kritik gefeierter Kultbetrieb zu bleiben, der in Kontinentaleuropa größer war als in ihrer Heimat. Sie waren eine Band, die etwas aus der Reihe tanzte, zu spröde und eigenwillig für eine Ära, in der der britische Alternative Rock zu grellen Primärfarben und Mitsing-Kommerz neigte, ihr Image zu abgehoben und ihre Stimmung zu niedergeschlagen, ihre Musik eher zur Untermalung der anspruchsvollen Filme der französischen Regisseurin Claire Denis geeignet als zum Torjubel bei Match of the Day.
Doch man spürt, dass der Kultstatus ihnen in ihrem zweiten Akt gut getan hat. Tindersticks traten 2008 nach einer fünfjährigen Pause und ohne die Hälfte der ursprünglichen Mitglieder wieder in Erscheinung. Die meisten Bands, die sich neu formieren, sind, ob sie es zugeben oder nicht, der Nostalgie und den damit verbundenen Erwartungen verfallen: Ihr neues Material ist bestenfalls eine faire Fälschung alter Alben, die jeder kennt, um den Platz in der Setlist zwischen den großen Hits zu füllen, für die jeder bezahlt hat.
Aber die verjüngten Tindersticks wurden nicht von ihrer eigenen Vergangenheit eingeengt oder von dem Bedürfnis angetrieben, frühere kommerzielle Erfolge wieder aufleben zu lassen. Sie haben die letzten 16 Jahre damit verbracht, leise nach vorne zu drängen und äußerst beeindruckende Alben zu machen. Ihre bemerkenswerte qualitative Beständigkeit wird durch die Tatsache verstärkt, dass sie sich ihres Publikums sicher genug sind, um ihm gelegentlich einen Kurvenball zu verpassen, wie auf „Distractions“ von 2021: Das Album wurde während eines Lockdowns aus der Ferne aufgenommen und handelte mit Samples, Loops und Geräuschausbrüchen und wies so spärliche Arrangements auf, dass die Musik hinter der Stimme von Frontmann Stuart Staples gelegentlich kaum vorhanden zu sein schien.
Der Nachfolger könnte nicht unterschiedlicher sein. Die Musik auf „Soft Tissue“ ist zurückhaltend und leise genug, um das Gefühl zu erwecken, dass das Ganze irgendwo bei gedämpftem Licht in den frühen Morgenstunden aufgenommen wurde, aber sie fühlt sich auch warm und befriedigend an und ist stellenweise im Soul der 70er verwurzelt.
Die Bläser und das E-Piano des Openers New World haben einen deutlichen Memphis-Flair – und die Drum-Machine, die den Song untermalt, erinnert ein wenig an Timmy Thomas‘ „Why Can’t We Live Together“.
Streicher, die irgendwo zwischen einem Blaxploitation-Soundtrack und einem dramatischen Disco-Arrangement liegen, sind auf „Don’t Walk, Run“ zu hören. Eine sparsame, hypnotische Basslinie treibt „Turned My Back“ in einem gemächlichen Tempo voran. Anderswo gibt es einen schwachen lateinamerikanischen Einfluss im Rhythmus von „Nancy“, insofern er wie die „Bossa Nova“-Einstellung einer primitiven Drum-Maschine klingt, und ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Staples‘ Bryan Ferry-artigem Drawl und dem schärferen und geradlinigen, souligen Ton seiner Gesangsdame Gina Foster.Die Stimmung ist oft so düster wie immer. „Nancy“ bittet um Vergebung, aber man ahnt, dass sie damit auf taube Ohren stößt; die leidenschaftliche Liebe, die auf „Always a Stranger“ „in flames“ ist, scheint trotz des streicherlastigen Arrangements unerwidert zu bleiben. Der Erzähler von New World beklagt „the shit that I was falling through“: Der wiederholte Refrain von „I won’t let my love become my weakness“ klingt mitreißend, bis man merkt, wie zweideutig die Zeile ist.
Aber die Verzweiflung ist nicht die ganze Geschichte. Im Zentrum des Albums steht „Falling, the Light“, das auf einer unglaublich hübschen Gitarrenfigur und einem seltsam klimpernden Rhythmus aufbaut. Der Text ist abwechselnd von der Schönheit Südlondons im Sonnenschein und von Erinnerungen an Hochzeitstage und gemeinsame Geheimnisse geprägt. Das abschließende „Soon to Be April“ ist traumhaft, besitzt eine wunderbare, lange instrumentale Coda und findet echten Optimismus im Vergehen der Jahreszeiten. Wenn es bei der Gesamtbotschaft darum geht, die Schönheit der kleinen Dinge als Bollwerk gegen die Grausamkeit des Lebens im 21. Jahrhundert zu erkennen, dann spiegelt sich das auch im Sound des Albums wider, der reich an schönen, subtilen Details ist: das schimmernde Keyboard, das sich tief in „Don’t Walk, Run“ verbirgt, die zarten Geigenverläufe um Staples‘ Gesang in „The Secret of Breathing“.
Es spricht viel für eine Band, die es schafft, ihre Identität auf zwei so scheinbar ungleiche Alben wie „Soft Tissue“ und seinen Vorgänger zu übertragen. Vielleicht liegt das daran, dass die Tindersticks in ihrer eigenen Welt leben, unbehelligt von den Launen der Musikmode und losgelöst von allem anderen. Das war schon immer so: Man hat Mühe, einen zeitgenössischen Künstler zu finden, mit dem man die Tindersticks im Jahr 2024 vergleichen kann, aber damals war es auch schwer zu erkennen, wo sie vor 30 Jahren hingehörten. Sie scheinen sich damit zufrieden zu geben, einen ruhigen Ort abseits des Geschehens zu bewohnen, und das ist auch verständlich: Es ist ein Ort, den zu besuchen ein Vergnügen ist.
Rarities of Sky

I remember the seaside, smoking
a pipe while reading a paperbook
about how to smoke a pipe.
I stranded, the tongue too hot, that
Scottish Blend a festival of fragrances,
under the palms of Paignton,
hunting for words, rhyming plums
and rums in 1971. All from my picture book,
in which all, there is, is
vanishing. Clouds playing
solitaire in the rarities of sky,
far away, too, the sounds of
a gambling hall with that song
I love so much, on tip of the tongue.(Im Umfeld der Aufnahmen zu seinem letztjährigen Album, das ich für eines seiner schönsten halte, enstanden auch die acht Stücke von „the skies: rarities“. Rund 30 Minuten ist dieses Minialbum lang, und es umfängt mich genauso wie der grosse „Vorgänger“. „Above and Below“ ist für mich ein „instant classic“, die Solopianoversion von „Through The Blue“ ein mit Understatement gespielter Evergreen, der Lust bereitet, wieder sein Debut „Voices“ aus dem Regal zu holen, das einst Bruder Brian mit Dan Lanois in Hamilton, Ontario, produzierte. Übrigens zähle ich das auch zu seinen schönsten Alben. Das kleine Gelegenheitsgedicht schrieb ich, und feilte daran, während das Album dreimal von vorne bis hinten lief. Roger Eno ist ein grosser Wanderer an den Küsten von Suffolk, und ich mischte da eine ferne Erinnerung auf, an einen unvergesslichen Nachmittag an der Küste von Paignton, an dem, bis auf mein Abenteuer mit der Pfeife, rein gar nichts passierte. Ich war 16, und die Baskenmütze auf meinem Kopf habe ich verschwiegen, es wäre auch zu peinlich 😂…)
The Flying Building Blocks Of A Radio Hour in March 2025
Je perfekter das „sequencing“ einer Ausgabe der „Klanghorizonte“ ist, desto leichter das Schreiben der Texte. Unbewusst liegen sie dann schon vor, es geht nur um das Ausformulieren, und ein Quantum Storytelling. Und somit ist es eine schöne Sache, ab heute mit den „fliegenden Bausteinen“ zu hantieren. Eigentlich kam mir die Idee gestern, als ich mit Marjan im Wartezimmer ihrer Zahnärztin sass und ein paar Gedanken zu „Amelia“ notierte.

Es schien auf Anhieb eine perfekte Abfolge zu sein: ein Track aus Laurie Andersons neuem Album, mit den Flügelschlägen einiger von Dennis Russell Davies arrangierter Violinen und Violas, gefolgt von dem berühmten „Cantus (In Memory of Benjamin Britten)“ aus Arvo Pärts Klassiker „Tabula rasa“, bei dem ein gewisser Dennis Russell Davies mitwirkte, und einer alten englischen Folkmelodie, traumhaft drageboten vom Danish String Quartet und ihrer neuen Arbeit „Keel Road“. Jetzt denke ich noch einmal darüber noch, und ersetze dann doch, wegen des allzugrossen Bekannheitsgrades, Arvo durch Annette, bei der das Cicada String Quartet amwesend war – und die Abfolge lautet, im Zentrum der „Klanghorizonte“ am 25. März um 21.05 Uhr:
Laurie Anderson: Amelia
OTON (Danish String Quartet)
Danish String Quartet: Keel Road
OTON (Danish String Quartet)
Annette Peacock: An Acrobat‘s HeartAnnettes einziges Songalbum für ECM kommt in Kürze als Schallplatte heraus. Nun, bis dahin ist es noch eine Weile, und entweder sammeln sich hier, neben der dann real herausspringenden, auch noch ein paar imaginäre Radiostunden, wer weiss?! Leicht liesse sich diese Stunde hieb- und stichfest machen, aber das widerspräche der Grundidee der „flying building blocks“. Trauen Sie also Ihren Augen besser nicht! Wie bringe ich eine Episode aus Joe Boyds „And The Rhythm Will Remain“ in der Stunde unter, und zu welcher Musik? Wo landet der erste Auftritt des „American Analog Set“ in der Geschichte der Klanghorizonte?

… beware now, it is friday 13th, and my fantasy get further shapes, „overnite sensations“…though one thing is clear, we will see so much musical brilliance til March 25 that this sequence will definitely get a lot of workover, maybe some basic ideas stay. Fact is, this sequence now seems close to perfect, full of horizons, symmetries, the old and the new, and, quite imaginary … with these boxsets and albums at hand, winter can come …
The American Analog Set
Joni Mitchell Archives, Vol 4: The Asylum Years (1976–1980) *
Henriksen / Bang / Kleive: Chiaroscuro (the album)
A track based on chapter 2 of Joe Boyd‘s book
Laurie Anderson: Amelia
Danish String Quartet: Keel Road
Annette Peacock: An Acrobat‘s Heart
A second track based on chapter 2 of Joe Boyd‘s book
Chiaroscuro: the 20th anniversary concert
Shane Parish: Repertoire (Probably „Europe Endless“)
Nala Sinephro: Endlessness*The lost highways of Joni’s 1970s odyssey, mapped and charted across six astonishing discs. Joni Mitchell seemed to know exactly where she was going. At the end of 1975, as her contemporaries gave up the ghost or were laid waste by punk, she was embarking on one of the most extraordinary artistic solo odysseys of the 20th century. Far from Saskatoon, Laurel Canyon, Canada and the United States, beyond folk, rock, jazz and blues, she was out on her own strange adventures into the wild blue yonder.
In den Miniaturen der Klänge
In der letzten Sendung ging Michael mal wieder weit in die Klangwelt hinaus, und als er über Port Townsend sprach, wehte eine Erinnerungsfahne an mir vorbei, auf der Puget Sound stand. Er sprach über den Gitarristen Miles Okazaki, der am äussersten Ende der Olympic Peninsula geboren worden war. Aus privaten Gründen war ich nach Seattle gereist, die Stadt von Jimi Hendrix, Microsoft und Amazon. Schon damals hat mich der Anblick von den Hightech Freaks in Wanderschuhen auf der Fähre über den Puget Sound begeistert . Der Busfahrer auf der anderen Seit von Seattle warnte mich vorsichtig vor dem Wald, indem verschiedene Indianerstämme leben. Er bot mir an, mich an einer markanten Stelle abzusetzen, um mich auf seiner Retourfahrt dort aufzugabeln.Nach ein paar Stunden begriff ich die Warnung und nahm das Angebot an. In dem Indianerwald taumelten einige betrunkene Gestalten an mir vorbei, ich konnte sie nicht einordnen und verhielt mich still. Also fragte nichts und niemanden. Später im Bus erklärte mir der Fahrer, dass die Indianer mit ihrem Leben unzufrieden seien, sie leben von Feuerkörpern und Schnitzereien für die Touristen und betrinken sich häufig. Mein Plan bis nach Port Townsend hochzufahren war leider abgebrochen.
Von den Miniaturen von Amerika möchte ich mich verabschieden und mich aus der kleinen Welt im Ruhrgebiet melden. Vom Puget Sound zum Pulverweg in Duisburg. Dort wurde heute der älteste Schallplattenladen 70 Jahre alt. In den Strassenniederungen der Innenstadt hebt er sich nicht heraus, er liegt plötzlich vor mir, so alsob ein Bergmann sich hierher verirrt hat: Ja, watt is datt geez? Schallplattenladen. Kannze für. Rolf arbeitet seit 20 Jahren in dem kleinen Laden. Ich frage ihn nach Veränderungen seit dem Internet. Und ob die jungen Musikhörer überhaupt noch wüssten, was eine LP sei. Er schüttelt den Kopf und meint, dass die auch nicht wüssten, wo der Eiffelturm stünde. Aber auch ältere Sammler kämen in seinen Laden und können nicht mehr sagen, was sie zuhause alles stehen haben. Alles sei ordentlich im Netz gelistet, deswegen schnell abrufbar. Ich frage ihn nach seinen drei liebsten Platten. Beatles, Stones und Kinks. Ich bin etwas enttäuscht über die ourgenerationmainstreamanswer. Ich frage ihn nach LPs oder CDs von Jackson Browne. Er hat nichts von ihm in seinen Archiven, er mag ihn nicht. Ich frage , warum nicht? Lieber Metallica. Ich gehe zu seinem Jazz Sortiment, erwähne Miles Okazaki, ob ich ihn hier finde. Nee, den kennt er nicht, ob der noch am Leben sei. Ja, sage ich, seine neue CD heisst „Miniature America“. Er googlet, er liest, er hört und sagt dann: den merke ich mir.
