Weiter im Takt mit Bro vor und zurück

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Bro ist z.Z. in einem erstaunlichen Aktivitätsfluß qua Auftrittsanzahl, Auftrittsorten und Varietät an Besetzungen (Übersicht HIER). Was Besetzung betrifft, treten bei der bevorstehenden STRANDS-Tour Trompeter Arve Henriksen und Saxophonist Jesper Zeuthen (1949) an die Stelle von Trompeter Palle Mikkelborg (1941). Zeuthen, mit dem Bro eine längere musikalische Verbindung hat, ist eine Art Geheimwaffe, die in verschiedensten Projekten von Bro immer wieder zum Einsatz kommt. Zeuthen hat einen eher rauheren Ton.
Auf Bros eigenem Label Loveland ist gerade ein ‚dänisches‘ Album, „Sound Flower“, mit Saxophonist Jesper Zeuthen, dem Bassisten AC (Anders Christensen) und Perkussionistin Marilyn Mazur erschien. Zu sehen (Video) und zu hören auf Bandcamp.
Ebenso kommt ein langjähriger musikalischer Weggenosse von Bro, der Bassist Anders Christensen aka AC, zur Zeit vermehrt wieder zum Einsatz. AC führte Bro einst bei Paul Motian für dessen Electric Bebop Band ein, in der Bro in einer Reihe von anderen Gitarristen (Ben Monder, Brad Shepik, Steve Cardenas, Kurt Rosenwinkel) spielte. Von der E.B.B.B. erschienen 6 Alben bei Winter&Winter. Bro spielte in der letzten Phase in der Gruppe, ist aber nur auf einer Aufnahme der Folgegruppe, der Paul Motian Band, dem nach wie vor erstaunlichen Album „Garden of Eden“ (ECM 2006) mit gleich drei Gitarristen (Bro, Ben Wonder, Steve Cardenas) dabei. Als ich Paul Motian 2007 in New York traf, verkündete er erfreut, dass er in der Gruppe jetzt mit gleich drei Bassisten spielte. Das Erstaunliche war, dass die Musik mit diesen Mehrfachbesetzungen auf allen Instrumenten (ausser Drums) immer leichter klang.
Jesper Zeuthen führt uns auch zurück zu Bros Tentett, das er um den dänischen Dichter Peter Laugesen herum formierte in der Besetzung Jakob Bro (G), Peter Laugesen (gesprochenes Wort), Jesper Zeuthen (Sax), Andrew S’Angelo (Sax), Chris Speed (Sax), Nikolaj Torp Larsen (Tasten), AC (B), Thomas Morgan (B), Nicolai Munch-Hansen (B), Jakob Hoyer (Dr), Kresten Osgood (Dr). Davon ist 2015 das Album „Hymnotic/Salmodisc“ erschienen, das auf Bros Website immer noch gratis runtergeladen werden kann und eine ganz andere Seite von Bro erlebbar macht. Mit diesem Projekt geht Bro nun in leicht veränder- ter Besetzung u.a. mit belgischen Musikern auch wieder auf Tour. Diese Verbindung mit Poesie hat eine dänische Tradition.
Paul Motian hat ja nicht nur über Bro tiefe Spuren in Dänemark hinterlassen. Nikolaj Torp Larsen gehörte Anfang der 2000er der dänischen Gruppe Once Around The Park (Jakob Dinesen, Rune Harder Olesen, AC, Michael Finding, Rune Funch), benannt nach einer bekannten Komposition von Paul Motian, die Bezug nimmt auf Pauls Gewohnheit von seiner Wohnung am oberen Ende von Central Park West Richtung Harlem im Central Park zu joggen.
Weiters wird Jakob Bro beim Jazztopad Festival in Wroclaw zusammen mit Ambrose Akinmusire, Isaiah Collier, Brad Jones und Joanne Brackeen Teil des Shape-Of-Jazz-To-Come Orchesters von Denardo Coleman, dem Drummersohn von Ornette Coleman, sein. Beim Winterjazz Festival von New York im Januar wird er mit Mark Turner, CraigTaborn und Marcus Gillmore spielen. Schliesslich ist im Februar wieder die inzwischen übliche einwöchige Residenz im Village Vanguard in Manhattan angesagt.
Christmas in Scotland (in the 1970s)

In ihrem Kurzfilm Gasman zieht uns Lynne Ramsay mit den ersten Einstellungen ganz in die häusliche Szenerie und Unruhe einer Familie im Aufbruch. Schwarze Lederschuhe, von einem Mann im Unterhemd geputzt, werden scharfgestellt. Die Stimme der Mutter mahnt zur Eile. Jemand streut weißen Zucker in ein Spielzeugauto. Das Bügelbrett steht in der Küche. Das Mädchen ist noch nicht umgezogen. Innerhalb von Minuten erinnert sich der Körper daran, wie es war, eine Baumwollstrumpfhose anzuziehen, wie es war, wenn die Mutter dabei half, ein Kleid über den Kopf und über den Körper zu streifen. Der Film fängt die Atmosphäre der 70er Jahre in Schottland durch alle Sinne ein und es fällt nicht auf, dass er erst Ende der 90er gedreht wurde. Die Kleidung und die Musik sind das eine, vor allem aber ist es die soziale Atmosphäre, der Umgang mit Kindern, und man fragt sich, wie sie mit der Gewalterfahrung weiterleben. Auch dafür gibt es erste Antworten. Die Spannung funktioniert untergründig. Die Bildsprache ist kunstvoll und raffiniert; gesprochen wird eher wenig. Umso aussagekräftiger sind Gesten und kleine Handlungen, die sich wiederholen. Und die Gesichter. Immer wieder war ich erstaunt darüber, was in einem Bildrahmen gezeigt und was weggelassen wird. Lynne Ramsay zählt schon seit ihren ersten Filmen zu der von der Kritik gefeierten Independentszene in Schottland. Zwei ihrer Langfilme habe ich schon bestellt: Ratcatcher und Morvern Callar. Der Soundtrack von Morvern Callar liest sich wie ein Wunsch-Mixtape: Aphex Twins, Can, the Mamas & the Papas und sogar Boards of Canada ist dabei. Hier ist der Link zu Gasman (ca. 15 Minuten). Für mich ist Lynne Ramsay eine Entdeckung.
Peter Thomas: The Tape Masters, Vol. 1

(in english language here)
Wer die 1960er und 1970er Jahre bewusst mitbekommen hat, der weiß mit ziemlicher Sicherheit, wer Peter Thomas war. Selbst wer den Namen nicht kennt, hat Musik von ihm gehört. Speziell wird jeder, der sich für Filmmusik im Allgemeinen interessiert, bei dieser Namensnennung aufhorchen.
Das Peter Thomas Sound Orchester (PTSO) war und ist ein klingender Name: Da war 1966 die siebenteilige TV-Serie Raumpatrouille, die natürlich jeder kennt (und sie bestand durchaus aus mehr als nur einem Bügeleisen), das Jahrzehnt brachte auch die Jerry-Cotton– und die Edgar-Wallace-Filme hervor, fester Bestandteil deutscher Trashkultur. Aber auch ein Meisterwerk wie Dr. Murkes gesammeltes Schweigen (nach der Satire von Heinrich Böll) stammt von 1964. Und die Durbridge-Straßenfeger. Nicht zu vergessen auch die grotesk-bombastische Constantin-Film-Fanfare. In den 1970ern kamen dann Der Kommissar, Derrick, Der Alte oder die ZDF-Show Der große Preis; im Kino gab es lausige Sex-Gurken wie den St. Pauli-Report, der Trash der Siebziger. Und überall hat das PTSO seine Spuren hinterlassen.
Nächstes Jahr wäre Peter Thomas 100 geworden. Das hat er leider nicht mehr ganz geschafft, 2020 hat er seine kosmische Adresse gewechselt. However, in jenen Jahren war er der deutsche Filmkomponist schlechthin — hunderte von Musiken, ähnlich wie Andy Warhol in seinen frühen Jahren nahm er offenkundig jeden Auftrag an, der zu bekommen war und lieferte zuverlässig bestmögliche Qualität, je nach Zeitrahmen und Budget. Er war unglaublich produktiv, selten waren seine Musiken langweilig, sein Sound, seine Melodieführung war fast immer erkennbar. Nicht selten waren seine Musiken besser als die dazugehörigen Filme.
Letzteres verdankt sich nicht zuletzt den Musikern, mit denen er immer wieder zusammenarbeitete, stellvertretend für etliche seien Lothar Meid, Klaus Doldinger, Otto Weiß, Olaf Kübler, Jan Hammer, Ingfried Hoffmann und Albert Mangelsdorff genannt. Denen ließ er, anders als andere Komponisten, große Freiheiten; nicht selten basierten seine Musiken auf Leadsheets, über die mehr oder weniger improvisiert wurde. Mit Eminenzen wie den genannten ging das. Aber auch die Arbeit mit Big Bands und Rundfunkorchestern hatte Thomas penibel drauf. Er war flexibel genug, mit allem zu arbeiten, was sich anbot.
Und doch fällt in seinen Musiken eine Vorliebe für bestimmte Standardbesetzungen auf: eine Rhythmusgruppe mit Solisten wie den genannten, dazu elektronische Orgel (selten mal ein Klavier), E-Gitarren, E-Bass, dazu Bläser, fast immer drei oder vier Posaunen. Deren Klang war durchaus prägend, das Ganze dann garniert mit viel klingendem Metall, Röhrenglocken, auf der Kuppe angeschlagenen Becken, dazu textlos singende, hohe bis sehr hohe Frauenstimmen (die waren in den 60ern en vogue), alles zusammen übergossen mit kathedralartigem Hall. Das war der Sound Peter Thomas‘. Man erkannte ihn sofort.
Aber er hatte auch einen Draht zu klanglichen Experimenten. Für die Raumpatrouille verwendete er einen Vocoder. Vermutlich war er damit der erste Musiker, der ein solches Gerät in der Musik einsetzte, lange vor Kraftwerk. Zusammen mit dem Wiener Ingenieur Hansjörg Wicha entwickelte Peter Thomas das Thowiphon, ein Tasteninstrument, das bereits den später entwickelten Synthesizer vorwegnahm.
Und weil das alles noch nicht reichte, spielte Peter Thomas über seine Auftragskompositionen hinaus unter mehreren Pseudonymen auch sogenannte Archivmusik, auch Stock Music oder Library Music genannt, ein. Darunter sind Kompositionen zu verstehen, die bestimmte Stimmungen und Atmosphären wiedergeben, auslösen oder unterstützen. Sie stehen dann in Musikarchiven zur Verfügung, katalogartig sortiert nach Kategorien wie „Abendstimmung“, „Verfolgungsjagd“, „romantische Liebe“, „Weltall“ und was immer man sich sonst noch vorstellen mag. Werbespots, Wissenschaftsdokumentationen, Tierfilme et cetera geben selten Originalkompositionen in Auftrag, sie greifen stattdessen auf solche Archivproduktionen zurück.
Und einige dieser Archivmusiken von Peter Thomas sind nun erstmals erhältlich. Sein Sohn Philip, der sich seit einigen Jahren dahinterklemmt, Thomas‘ hunderte hinterlassene Tonbänder durchzugehen, zu restaurieren und sie sinnvoll zusammengestellt zu veröffentlichen, hat jetzt 25 solcher Archivtracks zusammengefasst.
Diese Tape Masters Vol. 1 bieten auf zwei 10-inch-LPs einen Querschnitt durch Thomas‘ Archivschaffen, und man staunt, wie vielfältig das ist. Große Besetzungen wechseln sich ab mit kleinen Combos, elektronische Experimentierereien kontrastieren mit eher hingeworfenen Skizzen, Klänge, die an Auftragskompositionen anknüpfen, folgen auf völlig eigenständige Werke, satter, jazziger Bigbandsound folgt auf Harfenklänge, Zupfgeigen oder spacige Weltraumsounds in der Nachfolge des Raumschiffes Orion, auch ein schräger „Nightmare on LSD“ ist zu hören. Die meisten Stücke bewegen sich zwischen 1:30 und 2:30, zu hören inzwischen auch in den üblichen Streamingdiensten.
Diese Scheibe ist schon jetzt ein ziemlich sicherer Kandidat für meine Jahresliste. Unbedingte Empfehlung.

Thomas, Odilo, und ich machen es wieder!
Erst mal ein paar Tassen Kaffee für das Jazztrio des Deutschlandfunks in der wilden Kantine unseres Senders. Kühne Girlanden und ein Hauch von Dschungel bereiten den Boden für dezenten Enthusiasmus! Im Dezember setzen wir uns wieder zusammen, am 19.12. um 21.05 Uhr wird gesendet (und das ist dann die geschnittene Version unserer Studioaufnahme), und stellen uns unsere drei Lieblingsalben des Jazzjahres vor. Wir geben uns Sekt oder Selters. Es gibt Konsensalben und heiter-freche Diskurse, wenn man mal so gar nichts mit einer Platte anfangen kann.

Es gibt nun mal keine vollends abgesicherten Parameter, nach denen man eindeutig das Allerbeste, zum Beispiel im Jazz, auf den Punkt bringen kann. Ich persönlich liebe es, wenn mich ein Jazz- oder jazzhaltiges Album seltsam berührt, seine Zeit braucht, ein paar Widerstände überwindet, dabei etwas Undefinierbares ins Spiel bringt, so geschehen bei dem aktuellen Album der blutjungen Nala Sinephro. Dann wieder gibt es Alben, die mich bei aller „hohen Kunst“ seltsam kühl zurücklassen. Natürlich entgehen mir jedes Jahr ein paar wunderbare Alben, das passiert halt bei der Fülle der Angebote.

plus:Jakob Bro: Taking Turns
Charles Lloyd: The Sky Will Be There Tomorrow
Eric Chenaux: Delights Of My Life
Anna Butterss: Mighty Vertebrate
Patricia Brennan: Breaking Stretch
Sidsel Endresen: Punkt Editions, Vol. 2
Kalma / Chiu / Honer: The Closest Thing To Silence
Wayne Shorter: Celebration, Vol. 1
Vijay Iyer: Compassion
Und so waren alsbald meine zwölf, hups, dreizehn Kandidaten formuliert, und die grösste „Not“ elebte ich, als ich bei der Suche nach meiner Nummer Drei zwischen Nala und Eric zu wählen hatte. Fast hätte ich eine Münze geworfen, letztlich gab den Ausschlag, dass ein Drei-Minuten-Ausschnitt aus „Delights Of My Life“ kaum reichen könnte, um unter die Oberfläche dieser zauberhaften Arbeit zu gelangen. Jakob Bros Album liess ich nicht mal in die Nähe meines „olympischen Treppchens“ kommen, weil ich diese Produktion Anfang Dezember in den JazzFacts von Odilo bespreche.Ausserdem habe ich erstmals erschienene Archivausgrabungen aussen vorgelassen, sonst hätten Alice Coltrane mit ihem Carnegie Hall Konzert 1970, und Keith Jarretts Trio mit dem 30 Jahre alten „The Old Country“ ein Wörtchen mitgeredet. Die Überfülle von Jarretts Trioalben war ich irgendwann leid, aber nachdem ich lange keine Album mehr mit diesen „Standardsbesessenen“ gehört hatte, haute mich diese Aufnahme aus einem alten kleinen, von Jarrett innig geliebten, Jazzclub mit der hörbar-irren Spielfreude regelrecht um. Nebenbei bemerkt, eine absolut audiophile Aufnahme: Hammersound, Hammerbebop und mehr!
So weit, so gut. Ich machte Thomas L, heute den Vorschlag, am Ende solle jeder in zwei Sätzen eine viertes Album seines Vertrauens präsentieren, da wäre bei mir Anna noch gross ins Rennen gekommen, mit ihrem famosen Opus auf International Anthem, dass man leicht als „shubby-groovy“ und „westcoasteasy“ abtun könnte, wäre da nicht… aber das führt jetzt zu weit. Ausserdem war diese Idee etwas egoistisch: ich hätte meinen „Dreiklang des Meditativen“ (Fred, Shabaka, Nala etwas aufgerüttelt mit dem cool-smarten „Querfeldein-Gewirbel“ von Anna Butterss (slightly inspired by Brian Eno‘s Oblique Strategies)!
Artistic development emerging/unfolding in vivid scenes
„In 1975, an iconic moment unfolded in the vibrant cultural tapestry of Greenwich Village, capturing the convergence of two legendary figures in music and poetry: Bob Dylan and Patti Smith. The photograph taken by Ken Regan in a stairwell during a party at Allen Ginsberg’s loft encapsulates the energy of an era defined by artistic rebellion and innovation. Dylan, with his enigmatic presence, had an undeniable impact on those around him, and his entrance into the room sparked a sense of empowerment in Smith. As she recalls in her memoir ‚Just Kids,‘ the knowledge of Dylan’s presence filled her with a sense of worth and connection, reinforcing her own identity as an artist alongside her band. This night was not just a casual gathering; it was a celebration of creative kinship that embodied the spirit of the times.“
„The meeting between Patti Smith and Bob Dylan at the Bitter End marked a significant milestone in her burgeoning career. Dylan, known for his elusive nature, rarely attended shows, making his presence a rare honor for Smith and her band. This encounter was pivotal, as she noted, ‚It was sort of a big deal, because Bob Dylan didn’t really go to see anyone.‘ Their subsequent walks and conversations allowed Smith to relate to Dylan on a deeper level. She recognised a shared artistic vision and a melding of poetry with performance that both artists embodied. This connection not only inspired Smith but also laid the groundwork for her own evolution as a musician and poet, affirming the power of collaboration within the artistic community.“

„Reflecting on their initial meeting, Smith vividly recalls the nerves and excitement of encountering a musical icon she had admired since her teenage years. ‚I mean, I loved Bob Dylan since I was 16 years old,‘ she stated, describing the moment he walked backstage. The encounter was both thrilling and intimidating, leading to a humorous exchange that revealed her playful personality. Her about disliking poetry was a defense mechanism, akin to a schoolyard crush, showcasing the mix of admiration and vulnerability she felt in Dylan’s presence. This light-hearted banter laid the foundation for a genuine friendship, emphasizing the human side of these cultural titans.“
„Bob Dylan’s support for Patti Smith and her band played a crucial role in propelling them into the limelight. His presence at their shows and subsequent endorsement brought significant attention, ultimately contributing to their eventual record deal. As Smith reminisced, his actions inspired others to take notice, proving that the endorsement of a respected figure like Dylan could open doors in the competitive music industry. This moment was emblematic of how relationships between artists can transcend mere admiration, leading to opportunities that alter the course of one’s career.“
„The friendship that blossomed between Smith and Dylan exemplifies the artistic camaraderie that characterized the vibrant scene of the 1970s. Their shared experiences in New York City’s creative crucible fostered a mutual respect for each other’s artistry. Smith’s acknowledgment of Dylan’s ‚arrogance‘ and ‚humor‘ reflects the complex nature of their bond, allowing her to embrace the idiosyncrasies of a man whose influence loomed large over contemporary music. As they navigated their individual journeys, their connection served as a reminder of the profound impact artists can have on one another, shaping their trajectories in unpredictable ways.“
„Today, as we look back on this pivotal encounter, it serves as a reminder of the interconnectedness of art and the powerful relationships that can emerge from shared passions. Patti Smith’s collaboration with Bob Dylan not only enriched her artistic vision but also highlighted the importance of community within the creative landscape. Their story continues to inspire aspiring musicians and poets, illustrating that even the most figures began their journeys through authentic connections, laughter, and a mutual appreciation for the transformative power of art.“
SOURCE: Historic Lens Stories
Podcast Update
Listen to the first verse of Try a Little Tenderness by Otis Redding. (… I)t starts hesitatingly, the rhythm isn’t quite settled, Otis doesn’t quite know where to come in exactly, you know? And then the first notes on the guitar and the bass are kind of off slightly. And then it kind of congeals and comes together so that by the start of the second verse, it’s just this magical thing. And the progress from A to B is just this journey that is so moving. And you can feel the humans.Nach dem Lesen von Ingos Reisebericht habe ich mir den Podcast von Marc Maron angeschaut und bin gleich bei dem Interview mit Joe Boyd kleben geblieben, aus dem das Zitat kommt. Genau so gerne habe ich vor kurzem dieses unterhaltsame Gespräch mit Michael Pollan gehört.
You can always come back, but you can’t come back all the way
Diese Zeilen aus Bob Dylans Song „Mississippi“ sind bezeichnend für seinen Auftritt gestern in Düsseldorf. Wie kann er seinen langweiligen Auftritt vor 7.500 Gästen legitimieren? Braucht er die Einnahmen von 7 Millionen? Für was? Es ist nicht interessant. Er kommt in seiner Cloud, hält sich am Piano fest und seine gute Band überspielt galant seine Notenpatzer. In dem Dimmer Wohnzimmerlicht erkennt man ihn eh nicht, ja, aber hallo, das ist doch Dylans voice, überall sind Mischpulte, wahrscheinlich auch an der Decke. Er singt unverkennbar, 1 Stunde 45 Minuten und nie kam mir ein Konzert langweiliger und never ending vor. Freiwillig wäre ich nicht hingegangen. Es war ein Geschenk. In Bad Ischl, der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt spielt Hubert von Goisern, der aus der Gegend kommt und den ich sehr verehre, unangesagt jeden Abend in irgendeinem Club. Man darf immer davon ausgehen, dass es ein sinnliches Musikerlebnis sein wird. Diese Garantie bringt Bob Dylan nicht bzw. nicht mehr. Von manchen Konzerten hört man schwärmerische Kritiken, weil er doch tatsächlich mal gelacht hat oder sich am Ende bedankte. Wow! Joni Mitchells Auftritt vor zwei Wochen war auch nicht das ganz große Musikerlebnis, immerhin singt sie noch ganz passabel Neues und freut sich zusammen mit ihren Fans. Große politische Statements hat sie nie gesungen, aber eben Bob Dylan. A hard rain oder Masters of war sind meiner Meinung nach ein Must Sing in dieser wackligen Weltlage. OK. Er war da, er kann nicht mehr den ganzen Weg gehen. Das konnte man sehen und hören.
Peace.
„Found In Transition“ (feat. Henning, Rosato, and me)

Ein kleiner Rückblick. Springen wir kurz ins Jahr 2013. In den Avatar Studios entsteht der dritte Teil einer Trilogie des dänischen Gitarristen Jakob Bro. HIER die Komposition „Vinterhymne“. Es findet sich auf seinem vorzüglichen Werk „December Song“. Diese drei Alben erschienen alle auf Bros eigenem Label, und „December Song“ wurde ein gefeiertes Album der Musikkritik – auch Henning schrieb Einfühlsames über „December Song“. Auf jedem dieser drei Alben kam es zu einer kleinen Veränderung des Personals, zu den konstant Anwesenden zählten Lee Konitz, Bill Frisell, sowieso Jakob Bro – und der „spirit“ von Paul Motian, der zu Beginn der Trilogie, auf „Balladeering“, noch physisch präsent war. Lee Konitz erlebte im Kreise dieser „Cracks und Legenden“ ein spätes Karriere-High, und Henning zitiert Konitz mit folgenden Worten:
„Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, von Lennie Tristano, Lester Young und all den großen Jazzspielern beeinflusst zu werden, und plötzlich spiele ich ganze Noten und halbe Noten und Akkordfolgen, und ich weiß nicht, warum. Es ist keine Volksmusik, kein Jazz, keine Popmusik, kein Funk, es ist einfach nur Balladenspiel oder was auch immer.“
Was auch immer…. Mit Blick auf eine grossartige Interpretation eines Carla Bley-Stücks schrieb Henning am Ende seiner Besprechung in „Allaboutjazz“: „‚December Song‘ is not just more of the same but opens up a still broader spectrum on a higher level.“Auf diesen drei Alben entwickelte sich eine enorme Empathie der Musiker untereinander, quasi telepathisches Verstehen, das Aufgreifen unausgesprochener Gedanken und ungespielter Klänge – und es war nur folgerichtig, im Jahr darauf einfach noch einmal ins Avatar Studio zu gehen: was die Besetzung anging, nahm Jason Moran die Stelle von Craig Taborn ein, und einen passenderen Schlagwerker als Andrew Cyrille konnte man sich für jene Session nicht erträumen Das Album wurde eingespielt, erschien aber nicht.

Manfred Eicher kannte wohl diese Aufnahme, wollte aber Jakob Bros Einstieg bei ECM mit einer ganz eigenen Produktion beginnen, und es erschien schliesslich „Gefion“ im Jahre 2015 (produziert noch vor den „Taking Turns“-Sessions im November 2013 in Oslo), mit ECM-Urdrummer Jon Christensen, und Thomas Morgan an der Seite des dänischen Gitarristen. Eine Reihe ganz und gar fesselnder Alben folgte, aber erst jetzt, im Herbst 2024, Ende November, erblickt jene alte Session unter dem Titel „Taking Turns“ das Licht der Welt.
Das Cover macht klar, wer da alles den Ton angibt, obwohl das wohl etwas zu forsch formuliert ist. Wer die alte Trilogie kennt, weiss, dass mitunter die tiefste Musik entsteht, wenn das Ego vollkommen zurückgenommen wird. „Taking Turns“ treibt solche Selbstlosigkeit alias Hingabe noch einmal auf die Spitze. Traumhafter Jazz, nichts weniger! In den JazzFacts Anfang Dezember stelle ich das Album im Deutschlandfunk vor, das als LP, CD und DL vorliegen wird. Und natürlich mit frischen O-Tönen von Jakob Bro. Soviel möchte ich ergänzen: „Taking Turns“ is not just more of the same, but opens up a still broader sprectrum on a higher level.“ Rosato spielte ich das Album vor, und er merkte an: “Was für eine melodische und klangfarbige Polyphonie – sowas bewegt mich!“
Shogun und die Recherche von Michael Zurl
(Diese kleine Erinnerung widme ich meinem alten Kameraden von der Brüder Grimm Volksschule Michael Zurl, der als Polizist in Dortmund, bis zur Rente, nie angeschossen oder zusammengeschlagen wurde, und der jetzt, als Privatdetektiv meines Vertrauens, bitte sehr alle Register ziehen soll, um Matthias S. alias B. ausfindig zu machen. Die besten Abenteuer finden nun mal im richtigen Leben statt. Also, hau rein, Michael, und komm mir bloss nicht damit, dass da wieder einer unserer alten Bande auf dem Friedhof liegt!)
E. versicherte mir nochmal, dass wir den Anfang der „Babyboomer“ bildeten, einer neuen Horde Heranwachsender, die sich Träume teilten, den Zauber von Räucherkerzen entdeckten, und die frühen britischen Magier der Popmusik unter der Bettdecke entdeckten. Natürlich waren wir offen für Helden, und einer meiner ersten war Robert Fuller aus der Westernserie „Am Fuss der Blauen Berge“. Wir hatten das Ölgemälde eines Niederländers im Wohnzimmer hängen, das mich mit seinem wundersam blauen Horizont zu allerlei Sehnsüchten von der Ferne animierte. Nachts erlebte ich mit meinem Traumbruder Okko die tollsten Abenteuer, und egal, wie bedrohlich die Gefahren waren, durch Schurken, Verbrecher, alte, einsam gelegene Häuser, er sorgte stets für ein Happy End. Als er mich nach Jahren entliess aus atemlos spannenden Serienträumen, musste ich die Welt allein erkunden, und natürlich spielte sich ein Teil der Sehnsüchte vor der eigenen Haustür ab.
Was gäbe ich dafür, die brutal gut kickende Beate in einer Zeitreise treffen zu dürfen, denn damals brachte ich vor Schüchternheit nur wenige Worte heraus. Und was war mit dem faszinierenden Wolfgang, der nie mit uns Kindern spielen durfte und uns ob von seinem Fensterplatz zuschaute? Mit seinem Karl May auf dem Fensterbrett. Den Begriff Rabeneltern kannte ich noch nicht. Dass die Kindheit ein anderes Land ist, ahnte ich einmal mehr vor Wochen, als die Suche nach meinem Blutsbruder im Sande verlief, und kein Protagonist von damals mehr auffindbar war oder willig, noch einmal aufzubrechen, um Pfeil und Bogen zu schnitzen auf den Kohlebergen.
Das Fernsehen, lange Jahre noch in Schwarzweiss, sorgte dann für weitere Fenster in die Ferne, die so nah schien, mit Fury und Lassie sowieso, aber auch mit Rin Tin Tin, Jimmy Nelson, dem Unterwassertaucher, und frühen Krimis zur Vorabendzeit. Als die Teenagerjahre kamen, vergrössere sich unser Serienhorizont mit den tollen Vierteilern, ob es nun mit Josef Meinrad a la Don Quichote durch die spanische Pampa ging, oder mit dem Schmökermeister Robert L. Stevenson auf die Schatzinsel. Es folgten vorher und nachher „Kobra, übernehmen Sie!“, „Mit Schirm, Charme und Melone“, „High Chaparall“ (wo die Bösen viel böser waren als auf der Ponderosa). Wir liessen uns sogar auf „Die Strassen von San Francisco“ entführen, obwohl das rückblickend viel „law and order“ war, und Hippies dort stets drogensüchtig oder schlecht gewaschen.
Sah man später die Wiederholungen, hatte der alte Zauber seinen Glanz verloren, und lieferte nur Nostalgie, oder Seninarstoff für TV-Historiker und Medienwissenschaftler. Als ich neulich eine alte Verfilmung aus England und dem Jahr 1959 sah, „Der Hund von Baskerville“, war das die „letzte Klamotte“, und um annähernd zu begreifen, wieso Arthur Conan Doyles Roman zu den grosseen Klassikern der Kriminalliteratur zählt, muss man das Buch lesen, oder lange nach einer gelungenen Verfilmung suchen.
Im Bücherschrank der Eltern eines guten Freundes, aber auch anderswo, tauchte 1975 vermehrt ein gewisser James Clavell auf, mir seinem „1000-Seiter“ „Shogun“. Zwei Kumpel war einen Zeitlang nicht mehr ansprechbar, und verschwanden zwischen den Buchdeckeln. Ich zuckte die Schultern, weil ich ja wohl kaum auf meine grosse Reise in die Bretagne mit Ulkrike U. so einen „Schinken“ dabei haben wollte, und legte das dritte Album von Soft Machine auf, und zog sowieso Bo Hanssons „Lord of the Rings“ dem dicken Erzählwerk vor – und so ganz langsam konnten auch Wildwestfilme langweilen. Es kamen dann Filme in die Kinos, die viel mit unseren wahren Horizonzten zu tun hatten, von „Easy Rider“ bis „Alice in den Städten“.
Ich erspare hier eine lange Liste, und komme zum Punkt. Über all die Jahrzehnte seit damals verschwand ich gelegentlich noch in opulenten Schmökern und versank darin so tief wie einst in die Reisen von Jules Verne zum Mittelpunkt der Erde oder sonstwohin. Und immer wieder mal lockte mich der Buchdeckel von „Shogun“. Als sollte ich etwas nachholen, und einem alten Zauber noch mal Gelegenheit geben für das grosse Abenteuer, das womöglich purer Eskapismus und Selbstfindung zugleich bereithielt. Oder war James Clavell nur ein grosspuriger Schwadronierer, mit billig-weit geöffneter Trickkiste?
Dann traf ich die Entscheidung und tauchte vor ein paar Wochen auf „Apple plus“ in alles zehn Folgen von „Shogun“ ein. Der tolle Spuk war nach drei Abenden vorbei, der Erzählstrom der Serie riss mich von Anfang an mit. Ganz grosses Kino entdeckte ich, und egal, ob das nun Michaels kleine Reisen in seine „SerienSchmökerJugend“ waren, und in ein Jahrhunderte altes Japan… nie dachte ich beim Schauen an Requisite und dramaturgische Tricks, mein kritischer Blick verlor sich im grossen Abenteuer, mit der gleichen Hingabe oder Liebe, mit der ich schon ein halbes Dutzend mal den „Spätwestern“ „Silverado“ sah.
Hier wie da, wie auch bei Enid Blyton und „Emil und die Detektive“ (wir waren in einem Klassenraum, als uns die dem Alkohol zugetane Religionslehrerin, in einem Anfall von Freigeistigkeit, Erich Kästners Erzählung vorlas, Kapitel auf Kapitel, über Wochen) – und wie auch bei unseren kleinen Abenteuern in Hombruch, ging und geht es um Freundschaft. Und wir waren beste Freunde, und sangen „Sunshine Superman“ zusammen, so weit unser Englisch reichte, wie schmetterten „Massachuseets“ von den Bee Gees, wir spielten Sonny Liston gegen Cassius Clay mit wilden Hieben, wie sahen im Wohnzimmer im Sommer 66 das „Tor von Wembley“, das keines war. Die Welt war noch schwarzweiss, und wir malten sie auf grossen Bildern bunt, das Rot war kamesinrot, auch das Blut, das aus der frischen Wunde spritzte, als ich Idiot vor deinen Augen einen Taschenspiegel zerbrach. Ich zeige dir demnächst die alte Narbe.
