• „we have sea lions“

    Melanie: You know that thing, the idea that we’re supposed to slow down, pay attention to things?
    Sugar: Mm-hm.
    Melanie: You know, we slow down, we put down our phones, maybe we see the world as beautiful?
    Sugar: Yeah. Stop and smell the roses.
    Melanie: Might be the opposite.
    Sugar: What do you mean?
    Melanie: Might be the reason we don’t look is because it’s all so sad and ugly.
    Sugar: Yeah, but not everything. We have sea lions, Patti Smith, Cyprus trees. The sound of your little sister laughing after having fun.

  • You never know

    You could make gray, call it gold
    Let it fool your eyes
    You could make rain and let it have your life
    Being green grass, any little wind
    Begs you for a dance
    You could say love ‚til it lasts

    You could make good, there’s a lot of ways
    With nowhere left to go
    Let it be the song on your little radio
    You could make light, be the silly word
    Sitting on a tongue
    You could make nice or beat a drum

    Don’t you wanna know how far you’re gonna go
    Fickle as tomorrow talking to a wind chime
    Folding your hands, empty as glass
    Waiting to break

    Don’t you wanna know how close you’re gonna get
    Kissing like people stepping on flowers
    Wishing on the stars empty as glass
    Waiting to break

    You could have a heart ‚til it’s pouring out
    If it’s in your blood
    You could make waves and then you better run
    Being black cloud, there’s a lot to say
    And so much room to grow
    You could make rain, you never know

    You could make gray, call it gold
    Let it fool your eyes
    Follow any wave crashing down to size
    You could be wrong, don’t you wanna know
    Deep into the night
    Like a little stone thrown across ice

    Mit diesen Versen beginnt der erste Song der exzellenten neuen Lp / Cd „Light Verse“ von Iron and Wine alias Sam Beam. Grosse Musik durchweg, grosse lyrics. Enchanted listening. The dark comes with a breeze. Ein melodischer Songzyklus mit dezenten Folklelementen (eine Zither!) und symphonischen Beimischungen – Sam Beams Stimme reist durch zurückliegende Lebensabschnitte, notiert die Wunden, die Gelassenheiten, wundert sich über vieles, und über manches gar nicht mehr. (m.e.)

    You Never Know“ (lyric video)

    Another little introduction

    „Fashioned as an album that should be taken as a whole, it sounds lovingly handmade and self-assured as a secret handshake. Track by track, its equal parts elegy, kaleidoscope, truth, and dare.“

  • monthly revelations (mai)


    „Als der Sony Walkman herauskam, kaufte ich mir Kind Of Blue und auch ein frühes Mountainbike. Und ich entdeckte das Kiffen. Diese Kombination aus Miles, Gras, einem Walkman und einem Fahrrad konnte einen wirklich an einen anderen Ort bringen, unglaublich. Das Phänomen, dass man mit Musik auf dem Fahrrad überall hinfahren konnte, war sehr befreiend. Fantastisch.“ Das erzählte Michael Head über seine erste Begegnung mit Kind of Blue. Ein Überlebenskünstler der gehobenen Klasse, und man darf sich im Mai genauso auf sein neues Album mit der Red Elastic Band freuen wie auf seine, später im Jahr erscheinenden Memoiren. „Michael Heads Überzeugung ist, dass keine Eskapade völlig umsonst ist und dass keine Kapriole wirklich sinnlos ist, wenn sie zu einem Song führt. Und wenn dabei nicht nur ein, sondern 12 Songs entstehen, die vor unaufdringlicher Lebensfreude nur so sprühen, umso besser.“ Das schreibt Pete Paphides in seiner Rezension zu Michael Heads „Loophole“, in Uncut (Mai). Und damit wären wir mitten im Flowworker-Land der Bücher und Platten etc etc, mit einer kleinen Einstimmung eines Liverpooler Urgesteins.

    Jörg Drews hatte ein Näschen für experimentelle Literatur, und seiner Besprechung in der SZ am 4. August 1979 (dieses Datum ist geraten) verdanke ich eines meiner abenteuerlichsten Trips deutscher Literatur in den 70ern. Drews verglich Handkes „Die Linkshändige Frau“, mit Hartmut Geerkens „Obduktionsprotokoll“, Minimalismus vs. Überfluss. Für mich entpuppte es sich eher als Vergleich von übertriebenem Geraune und hochspannender Improvisation. Ich kannte Hartmut Geerken (der wie Lajla ewig und drei Tage im Goethe Institut gearbeitet hatte) auch als versierten Rezensenten von Jazzplatten im Jazzpodium, und erinner mich noch bestens an den warmen Sommertag des 5. Juli 1975 (dieses Datum ist auch geraten) im Würzburger Zeitschriftenladen „Montanus“, als mich seine Worte über Marion Browns „Geechee Recollections“ (Impulse Rec.) so neugierig machten, dass die Platte kurz danach auf meinem Plattenteller landete. Traumhafte Musik, und wenn ich mich recht erinnere, Ingo, mit dem jungen Leo Smith, der ja auf seiner tatsächlich magischen Central Park-Platte mit Amina Claudine ein fesselndes und tiefentspanntes Duo bildet.


    Was unseren Griff ins Archiv angeht, stellten sich die beiden Alben nahezu von selbst auf – Brian Whistler liess in den letzten vier Wochen die Konzerte von Alice Coltrane 1973 (Carnegie Hall) und Oregon 1990 (Ludwigsburg) vor unseren Augen und Ohren lebendig werden, und sie halten, was jedes seiner Worte verspricht. In einem feinen, ein paar Wochen zurückliegenden Text, erzählte der einstige Kronacher Musiklehrer Rosato seine Geschichte mit Oregon. Die beiden Alben des Monats leben ganz besondere auch von der Präsenz zweier Frauen, Amina Claudine Myers sowie Beth Gibbons.

    Unser Film des Monats: Civil War von Alex Garland. Ingo‘s review. Bin gespannt, wer von den flowworkern als erstes die Eno-Doku „Eno“ sieht – ich habe zum „Talk des Monats“ meine genau zehn Jahre zurückliegende Begegnung mit Brian Eno und Karl Hyde in Notting Hill gemacht. 2014, springtime in London. Was neue Serien angeht, erhält „Sugar“ durchaus gemischte Kritiken, von mir allerdings viel Zuspruch. Ein sinnenfrohes wie dunkles Spektakel, in dem ein Detective, der auf vermisste Personen spezialisiert ist, durch ein gespenstisches L.A. voller Dejavues und dunkler Geheinmnisse streift. Mehr ist zu alldem vorerst nicht zu sagen.

  • we have to talk about this album

    Für dieses Album – Central Park’s Mosaics of Reservoir, Lake, Paths and Gardens – brachte Wadada Leo Smith die Pianistin, Organistin und Sängerin Amina Claudine Myers ins Boot –  auf seinem Album Trumpet (TUM Records) hatte er ihr bereits ein Stück gewidmet; und Andrew Cyrille spielte auf seinem letzten Soloalbum Music Delivery / Percussion (Intakt Records) eines von ihr. Unter Jazzpianist/innen wird die 1942 geborene Myers sehr geschätzt und verehrt, ich fand sogar alte deutsche Jazzmagazine aus den 1980ern mit Berichten über sie, doch abseits von Kenner/innen ist sie heute kaum jemanden überhaupt ein Begriff. Insofern ist es sowohl dem halb so alten Produzenten Sun Chung als auch Wadada ein Anliegen, sie nun in ihren Achtzigern noch einmal ins Bewusstsein zu rufen. Anfang 2025 erscheint bei Red Hook ein Soloalbum von ihr, das im Oktober gemischt wird. 

    Sun Chung war acht Jahre Produzent bei ECM Records, und auch bei unzähligen ECM-Aufnahmen, bei denen er nicht selbst die Produzentenposition innehatte, war er an Manfred Eichers Seite anwesend (er hat mir in einem bislang unveröffentlichten zweistündigen Gespräch von diesen „Lehrjahren“ erzählt). Für ECM produzierte er unten anderem eine Reihe exzellenter Alben mit Andrew Cyrille, an denen Bill Frisell und Wadada Leo Smith mitwirkten.

    Nach seinem Ausstieg bei ECM startete Sun mit den letzten Studioaufnahmen von Masubumi Kikuchi (1939-2015) aus dem Dezember 2013 (Hanamichi, das bei ECM keinen Platz finden konnte; in einem Jahr wird es eine „Deluxe Edition“ mit mehr Aufnahmen aus dieser letzten Session geben) sein eigenes Label Red Hook Records, benannt nach dem Viertel in Brooklyn, in dem er aufwuchs. Bereits fürs zweite Album Two Centuries — wiederum mit Andrew Cyrille und Wadada Leo Smith — gewann Red Hook vor einem Jahr den Deutschen Jazzpreis. Das Album Refract mit Tyler Gilmore, Jason Moran und Marcus Gilmore war letzte Woche für den Deutschen Jazzpreis nominiert; es wurde im Mai 2022 in der gleichen Woche aufgenommen wie Suns sechste Zusammenarbeit mit Andrew Cyrille (Trio mit Bill Frisell und Kit Downes), welche im Herbst erscheinen und, so viel sei schon verraten, eine recht ungewöhnliche, aber, wie ich finde, enorm faszinierende Musik bieten wird.

    Leider konnte ich bei den Sessions des „Central Park“-Albums mit Wadada und Amina aufgrund des Corona-Einreiseverbots für Nicht-US-Bürger nicht persönlich dabei sein, dafür aber im Herbst 2023 bei den Aufnahmen von Aminas Soloprojekt im Studio „Sear Sound“. Bei der Gelegenheit habe ich ein Auto gemietet und Wadada in New Haven besucht [über einen lustigen Umweg via Keene, New Hampshire, wo ich ein höchst erinnerungswürdiges Konzert von Xiu Xiu besuchte], um ihn zu diesem Duo-Album zu befragen – und bei der Gelegenheit auch gleich Material gefilmt für ein Video zu seinem 17. Streichquartett, das er im Herbst beim London Jazz Festival präsentieren wird. Wadada erzählte mir von seinen Inspirationen zu den Stücken, die allesamt mit Orten im Central Park verbunden sind, und ich bemühte mich tags darauf, innerhalb einer kurzen Zeit von knapp zwei Stunden ein paar Aufnahmen von wenigstens einiger dieser Orte zu machen. Immerhin war es ein wunderschöner Herbstsamstag, und da das Wetter an den darauffolgenden Tagen unglaublich schlecht war, konnte ich die ausstehenden Orte nicht mehr audiovisuell einfangen. 

    Mein Doku-Portrait zum Album ist also selbst wie ein kleines Jazzstück, kombiniert aus ein paar Videofragmenten, die jemand anderes bei der Studiosession mitgeschnitten hat, aus ein paar (zu wenigen) Herbstbildern aus dem Central Park, einem Gespräch in Wadadas Wohnzimmer und einem kleinen Kommentar von Amina aus dem Interview, das ich im Rahmen der Session ihres Soloalbums mit Sun Chung gefilmt habe.  (ijb)

  • In Memory of Dickey Betts


    Nach gut dreissig Jahren gingen meine Klanghorizonte-Nächte zuende mit dem Stück, das mich seit meinem 16. Lebensjahr begleitet. Brian Whistler war im Fillmore dabei, als es aufgenommen wurde. Ich kehre immer noch gerne ins Fillmore zurück. Dickey Betts hat “In Memory of Elizabeth Reedkomponiert.

    “Duane and I had an understandung, like an old soul kind of understanding of let’s play together,” Mr. Betts said in a 2020 interview with The Sarasota Herald-Tribune in Florida. “Duane would say, ‘Man, I get so jealous of you sometimes when you burn off and I have to follow it,’ and we would joke about it. So that’s kind of Duane and mine’s relationship. It was a real understanding. Like, ‘Come on, this is a hell of a band, let’s not hot dog it up.’”

    “(When composing ‘In Memory of Elizabeth Reed’) I was thinking of Benny Goodman. I was thinking of how he used melody and then I got all these Western swing influences from my buddy Dave Liles, who passed away about four years ago. But the thing came about, see, I was dating, I was slipping around, back-dooring Boz Scaggs’ girlfriend, live-in girlfriend, they weren’t married, but … (laughs). She was a beautiful Italian girl. I wrote this song and I wanted to call it ‘Carmella’ but couldn’t. So the place we would meet, in this old 1800s graveyard, Rose Hill, there was this old tombstone that said on it ‘In Memory of Elizabeth Reed.’

  • „Immerwährende Verwandlung“

    „Wir waren noch nie eine wirklich emotionale Band“, stellte Lloyd Swanton nach dem ersten Set des letzten der vier Abende der Necks im Cafe Oto in London in dieser Woche trocken fest, „aber es scheint sich einzuschleichen“.

    Ich hatte versucht, ihm etwas zusammenhanglos zu sagen, wie sehr mich das, was sie gerade gespielt hatten, bewegt hatte, und vor allem, dass es etwas über den aktuellen Zustand der Welt auszudrücken schien. Seine reflexartige Antwort deutete darauf hin, dass es bei dem, was er und seine Kollegen im australischen Trio tun, in erster Linie um die Noten geht, um den Prozess des gemeinsamen Improvisierens von drei Musikern ohne vorgegebenes Material und schon gar nicht mit einem programmatischen Inhalt im Kopf. Was nicht heißen soll, dass es keine emotionale Erfahrung ist, ihnen zuzuhören. Das ist es fast immer, aber die Emotionen, die sie hervorrufen, sind meist unspezifisch.

    Zumindest mir schien es, dass das erste Set am Donnerstag etwas anders war. Es begann ganz normal, nachdem sie und das Publikum sich niedergelassen hatten, wobei ein Mitglied – diesmal Swanton – die Stille brach. Während er eine einzelne Note auf seinem Kontrabass zupfte, sie wiederholte und eine Oktave tiefer wiederholte, manchmal zu seinem Bogen wechselte, und anfangs mit langen Pausen, stimmte Tony Buck ein, indem er die Schlägel sanft um seine Tom-Toms und Becken kreisen ließ, gefolgt von Chris Abrahams, der nachdenkliche maurische Figuren in den mittleren und oberen Oktaven des Klaviers auswählte.

    Eine Zeit lang schien nicht viel zu passieren. Das war nicht unbedingt eine Überraschung. Später sagte Buck, er habe sich Sorgen gemacht, dass es „ein bisschen verwaschen“ angefangen habe. Aber in den 20 Jahren, in denen ich ihre Auftritte besuche, habe ich gelernt, zu warten, als Zuhörer die gleiche Geduld aufzubringen wie sie als Spieler, in dem Wissen, dass die Überraschung kommen wird. In der Tat sind sie der Beweis dafür, dass der Klang der Überraschung langsam entstehen kann, durch allmähliche Anhäufung.

    Dieses Mal führte der Prozess der Anhäufung zu etwas Außergewöhnlichem. Als das Spiel aller drei immer hektischer wurde, die Texturen sich verdichteten, die Räume sich schlossen und die Lautstärke zunahm, all das geschah fast unmerklich, hatte man das Gefühl, Dinge zu hören: Glocken, Schreie, Schüsse. Es war eine Illusion. Sie waren nicht da, und es gab auch niemanden, der versuchte, sie zu erzeugen. Aber irgendwie waren sie präsent – jedenfalls für mich – in den Obertönen, die vom Klavierdeckel reflektiert wurden, im Kratzen und Keifen des Basses und im harten Knacken der großen Trommel gegen die sich überlagernden Spritzer des Beckens.

    Schließlich erreichte das Stück eine Intensität, die etwa 15 Minuten lang anhielt, bevor es durch ein kollektives Diminuendo allmählich wieder in die Stille zurückgeführt wurde. Und in diesen 15 Minuten konnte ich nicht umhin, die Bilder wiederzugeben, die wir seit Monaten jeden Abend in den Fernsehnachrichten sehen – Bilder von Gebäuden, Straßen, ganzen Städten, die in Trümmern liegen, von der Zählung der Toten und der Flucht der Lebenden, die Art von totalem Krieg, von dem wir dummerweise geglaubt haben, er gehöre der fernen Vergangenheit an.

    Ich bin mir sicher, dass die Mitglieder der Necks nicht daran gedacht haben, als sie die Musik ins Leben riefen. Es ist eher das, was der Pianist Vijay Iyer im Sinn hatte, als er mit der Bassistin Linda May Han Oh und dem Schlagzeuger Tyshawn Sorey ein neues Trio-Album aufnahm, dessen Titel Compassion ausdrücklich auf das Thema hinweist. „In der Musik geht es immer um die Welt um uns herum, sie wird von ihr belebt und verleiht ihr Ausdruck: Menschen, Beziehungen, Umstände, Offenbarungen“, schreibt Iyer im Booklet und beschreibt damit die Verantwortung, die er darin sieht, in einer Zeit des Leidens Kunst zu machen.

    Ich habe die Necks schon früher Musik spielen hören, die keine Angst vor Hässlichkeit hat (ein haarsträubendes Triple-Forte-Set im Café Oto im Jahr 2013 ist mir in Erinnerung geblieben), aber noch nie etwas, bei dem die Art von Reaktionen, die sie normalerweise hervorrufen – einschließlich, aber nicht beschränkt auf Euphorie und Erhabenheit -, so eindrucksvoll durch diese ganz andere Art von Transzendenz ersetzt wurden, ein anhaltendes Geheul, das etwas ausdrückt, das jenseits von Worten liegt und doch irgendwie sehr spezifisch ist.

    Das war also das fünfte der sechs Sets, die ich in dieser Woche gehört habe, und das sechste war, wie üblich, ganz anders. Abrahams eröffnete es mit einem Rückgriff auf die Art von Dingen, die den Gebrauch von Adjektiven wie „leuchtend“ und „züngelnd“ provozieren. Aber auch hier gab es eine Überraschung, als sich das Stück zu einem Essay über die Verwendung asynchroner Rhythmen entwickelte, ein Feld, das sie in den letzten Jahren erschlossen haben, in dem jeder seinen eigenen Puls oder sein eigenes Metrum festlegt und es im Verlauf des Stücks beibehält, ohne die Nähe zum Hören der anderen aufzugeben. Im besten Fall führt dies zu einer Art höherem Zusammenspiel – und das war die Praxis in ihrer besten Form, die einen rhythmischen Sog erzeugte, der beim Publikum eine ganz andere Reaktion auslöste.

    All das ist weit entfernt von der Art passiver Musik für Zen-Meditation, mit der sie manchmal fälschlicherweise in Verbindung gebracht werden, und ein unwiderlegbarer Beweis für ihr Engagement, das sich nun schon weit in das vierte Jahrzehnt erstreckt, für eine ständige Selbstregeneration, von der wir die glücklichen Nutznießer sind.

    (übersetzt von Deepl – das Original findet sich auf Richard Williams‘ Blog „The Blue Moment“. Ich wünsche mir, eine Woche der Necks, ob im Cafe Oto in London oder sonstwo, würde mit einer 10 Lps (6 Cds) umfassenden Vinylbox dokumentiert, ähnlich wie einst Keith Jarretts „Sun Bear Concerte“. m.e.)

  • “Abandoned Cathedral“


    The new TV series with Colin Farrell features the track «Abandoned Cathedral» composed by Bang/Henriksen.  Taken from the Arve Henriksen „Places of Worship“ album, produced by Bang/Honoré.  „John Sugar“ ist seit Freitag auf „apple plus“ zu sehen. Die Serie wagt den Blick hinter die Kulissen einer Hollywood-Story, die beides enthält, Verklärung und Desillusionierung. Was Scheinwelten betrifft, ist die Kernszene jene mit Gena Rowlands aus John Cassavetes’ „Minnie and Moskowitz“; darin beklagt sie, natürlich angeheitert und tottraurig, den Film als Verblendung, die einem die Existenz von Romantik und Liebe und guten Menschen nur vorgaukelt, während man in der echten Welt vergebens danach Ausschau hält. Nun ja. Aber auch die Macher von „John Sugar“ sind begnadete Gaukler, die ihre Genre-Versatzstücke über acht Episoden hinweg als Köder für eine facettenreiche Betrachtung der menschlichen Verfassung auslegen – und dabei die Magie des Kinos immer wieder spürbar machen. Man lasse sich nicht von den vielen Verrissen dieser Serie täuschen: „True Detective“, Staffel 2, wurde nur zu gerne niedergemacht – welch ein Irrtum! „John Sugar“ verströmt einen spziellen Zauber, wenn man sich auf das Spiel von Original und Fälschung einlässt. Und hier einmal die Musik von Arve und Jan zu hören, während „Sugar“ mit seinen Essstäbchen Fliegen fängt und wie Marlowes Geist über das Leben sinniert, das hat doch etwas! Wer nach den 8 Folgen nachlegen möchte, dem empfehle ich „Tote tragen keine Karos“ mit Steve Martin, die Neuübersetzung von Dashiell Hammetts „Der dünne Mann“, und die beste britische Kriminalserie der letzten sechs Monate, „Criminal Record“, auch auf Apple +.

  • Tell me who you are today


    1. Tell Me Who You Are Today

    Written by Beth Gibbons and Lee Harris / Beth Gibbons: Vocals, Acoustic Guitar, Backing vocals / Lee Harris: Drums, Daff, Percussion, Mellotron / James Ford: Backing vocals, Harmonium, Mellotron, Vibraphone, Piano spoons, Double bass / Strings, Woodwind and Brass performed by Orchestrate / Strings, Woodwind and Brass written by Lee Harris, arranged by James Ford, Lee Harris and Bridget Samuels

    SAG MIR, WER DU HEUTE BIST

    Wenn ich ändern könnte, wie ich mich fühle / Wenn ich meinen Körper heilen könnte / Frei von allem, was ich im Inneren höre / Alles von meiner Hand vorgetragen / Ein heidnischer Kummer mein Befehl / Hier bin ich eine einsame Liebe / Ich falle jetzt / Ich falle ein / Komm herbei / Hör mir zu / Sag mir alles, was du sagen willst / Sag mir, wer du heute bist / Frei von allem, was ich im Inneren höre / Komm hier rüber / Hör mir zu / Komm hier rüber / Hör mir zu / Komm hierher… zu mir

    Es folgt, in den kommenden Tagen, ein Text über diese lyrics, die Instrumentierung, und diesen Song, mit dem Beth Gibbons‘ Album, das am 17. Juni erscheinen wird, beginnt. Die Übersetzung ist von Deepl.

  • Nachklang

    Dieses Album von Beth Gibbons, das am 17. Mai erscheint, hat mich kalt erwischt. Dass ich so oft darüber schreibe, hängt damit zusammen, dass es mich nicht loslässt und seltsame Dinge mit mir anstellt. Manche Passagen erinnern mich an ganz alte Klänge, die ich immer noch nicht unterbringen kann. Im Auto lege ich die Cd ein ums andere Mal in den Player, und höre dann immer nur einen Song, etwa auf dem Weg zur Bäckerei. Beth Gibbons is channeling something. Vielleicht sind es Momente, Schwingungen, Atmosphären, aus frühen Alben von Dead Can Dance (das rituelle Element), oder der mythenumwobenen Platte „Les mystères des voix bulgares“. Aber da ist nichts abgekupfert. Ich werde mir verbieten, im Radio das Wort „archaisch“ zu benutzen, wenn ich über „Lives Outgrown“ spreche. Die lyrics sind auch speziell, weil sie erstmal so allerweltsmelancholisch daherkommen, an den Oberflächen, und ich dachte lange, Beth Gibbons kann halt auch ein Telefonbuch in einen Monolog von Sophokles verwandeln. Aber mit der Zeit dringt auch die Semantik zu mir, einzelne Verse ragen wie scharfe Kristalle aus den perkussiven Schleierwelten. Ich glaube auch, dass, so verrückt sich das anhört, sie jedes Lied mit einer subtil anderen Stimmlage vorträgt. So als wäre sie ganz bei sich angekommen, aber nicht im Sinne der Nachwirkungen eines tiefgründigen Wochenendworkshops. No message, no teacher, no easy way out. „Lives Outgrown“ is devastating in the best sense. Und sowas von archaisch.

  • Julia, the ocean, and strange lightness (4/5)

    Looking back on the whole album, Theo G. writes: „Something in the Room She Moves, Julia Holter’s 6th record, thematically revolves around life and death. Written after the birth of her daughter and dedicated to the memory of her young nephew who recently passed away, it sonically incorporates these paradoxical forces seamlessly. There’s an almost unbearable lightness to her best work and Something in the Room She Moves has that in spades.“ Looking back on the album, that‘s what we will do, too, in the last part of our approach to the album, and i do thank Julia Holter very much following our thoughts and questions and thinking out loud… for now, let‘s start with the only purely instrumental piece, “Ocean“ …

    Ocean

    Michael: The ambient piece, the oceanic piece. Julia is smart: instead of delivering a purely peaceful landscape, she let‘s the uncanny in sideways, after a while. You never know, oceanwise… it ends on a tranquil note though.


    Olaf: Nothing to add. „Ocean“ is another proof of Julia Holter‘s versatility; unique music, that fits perfectly at this moment. And it wouldn‘t feel out of place on any state of the art ambient album.  This snapshot of the ocean was made in the evening, which brings us to the next song.

    Evening Mood

    Olaf: A counterpart to „These Morning“. Being tired after a long day, its events appear like a mild vortex on the threshold of sleep. The voice binds the musial elements of this vortex into a song. Again: lovely singing, beautiful bass playing – and a dash of Harmonia towards the end.

    Michael: Really, Harmonia? Have to listen again with your ears. The calmness, and the apparitions of the day receding… but after initial moments of letting loose and introspection , a lingering irresisitibe melody blows new life into the singer‘s voice and leads us through the evening‘s offerings between the wistful and the dreamlike. All in perfect union with heightened awareness. (From start on, listening to this album requires a very relaxed state of mind. My trick: darkness and a candle.)