• Spiel mit dem Unbekannten – ein kleines Porträt von Paul Bley aus dem Jahr 1992

    DER LINK

    Dank des „Radiohoerers Henry“, und dank unserer Redaktionsassiatentin Martina Bedzent liegt nun der Link vor zu einer Ausgrabung aus den Archiven. Anno 1992. Als Einstimmung ein Text aus alten „Mana-Zeiten“:

    Herzlichen Glückwunsch, wenn Sie dieses Trioalbum besitzen, in knisterndem Vinyl,  mit Paul Bley, Bill Connors und Jimmy Giuffre. Sie haben eine Rarität in Händen, ein lang vergriffenes Stück Historie, einen kleinen Meilenstein. Ich bekam diese Platte, wenn ich mich recht entsinne, von Jazz by Post zugeschickt,  meinem Pasinger Stammlieferanten für aufregenden Jazz in den 70er und frühen 80er Jahren. Carol Goss hat das Cover mit schneller Hand gezeichnet, in kurzer Zeit den Ideen in ihrem Kopf flüchtigen Halt geboten. Paul Bley hatte damals  ein eigenes Schallplattenlabel ins Leben gerufen,  Improvising Artists Inc. (I.A.I.). Auf einem anderen Werk spielte er an der Seite des Sun Ra -Companion John Gilmore. Und da war sein Solo-Piano-Album „Alone, Again“: ganz nah kam es heran an den Zauber seines Klassikers „Open, To Love“ (ECM). Ein Meister der Andeutung, der Pausen, des Ausschwingens einzelner Töne.  Auf „Open, To Love“, erzählte er mir früh in den Neunzigern, in einem Bremer Hotel, wollte er (neben allem, wer da eine Rolle spielte, Carla (Bley), Annette (Peacock), ihre Präsenz, ihre Schatten, ihre kargen Kompositionen), die Hüllkurven von elektronischen Sounds auf dem Flügel nachempfinden. Aber zurück zu der anfangs erwähnten Schallplatte: „Quiet Song“ ihr Titel, und Sie sollten, statt jetzt eine Rezension zu erwarten (in der dann Worte auftauchen würden wie „skelettiert“, „leuchtend“, „Gesänge“, aber  natürlich auch „Jimmy“ und „Bill“, dessen schönstes Soloalbum „Theme From A Gaurdian“ bitte bald von ECM wieder ans Tageslicht befördert werden möge), sich langsam, aber sicher auf die Suche machen nach dieser Produktion, vorausgesetzt, Sie mögen flüchtige, widerständige Töne!

  • „B-Western: Showdown der gebrochenen Herzen“

    Hans Schifferle hätte ich gerne mal, damals in den 1970er und 1980er Jahren, als ich öfter in München war, kennengelernt. Als mir Thomas P. das neue „Schifferle-Buch“ zeigte, erinnerte ich mich sofort, wie bereichernd die Filmbesprechungen der SZ in meiner Studentenzeit in Würzburg waren auch später in Furth. I.W., und sowieso sonstwo, als eine „alte Bande“ von Filmkritikern, zu denen auch irgendwann Hans S. zählte, mich auf viele Filme abseits des Mainstreams neugierig machte, mit einem unverbrauchten, lebendigen Schreibstil. Unvergessen, wie ich 1976 und 77 öfter vor Ort war, mit der schönsten Frau des östlichen Ruhrgebiets an meiner Seite, und in einem kleinem Theater Urs Widmers Theaterstück „Stan und Ollie in Deutschland“ sah und am Abend darauf in Schwabing in einem Uraltkino Robert Altmans „Nashville“. Vielleicht sass Hans Schifferle nur zwei Reihen hinter mir. Mit C. landete ich in jenen Tagen natürlich auch in der Gleichmannstrasse 10 bei „Jazz By Post“, wo ich Paul Bleys Solopianoalbum „Alone Again“ kaufte (kann man ohne Zögern seinem Meisterwerk „Open, to love“ an die Seite stellen)!

    Hans Schifferle hatte stets ein Faible für das Kino abseits des Mainstreams, für B-Movies, „Schmuddelfilme“, „alte Serien aus der goldenen Zeit des TVs“, Horrorfilme, Krimis, Erotikfilme, den ganzen schönen Unrat, der ihm einen unverstellten und unschuldigen Blick auf die Dinge verriet, abseits der landläufigen Abkanzelung sog. „zweitklassiger Filme“ mit dem Werkzeug eines arroganten Traditionalismismus oder einer rigiden Psychoanalyse, die überall nur männliche deformierte Psychen aufdeckte, reaktionäre Frauenbilder u.v.m. Auch John Wayne hat in tollen Filmen mitgespielt, auch wenn wir James Stewart fast alle lieber mochten, klar, als Kinder den 1960er, 1970er Jahre. Eine von Hans Schifferles letzten Veröffentlichungen war ein Text über alte, fast vergessene Western, die im Schatten der arrivierten Regisseure ihren eigenen Underground kreiierten. Seine Zeitreisen war stets eine Fundgrube von Entdeckungen. In dem ihm gewidmeten Buch „Berufung:Kritiker“ entdeckte ich einen durchaus lyrischen Text über den Schauspieler Lex Barker, der eine Jugenderinnerung heraufbeschwörte: wie ich ihn in einem abgelegenen Hotel auf Mallorca früh in den 1970er Jahren am Swimmingpool, neben Maria Adorf sitzend, ablichtete. Der kurze Höhepunkt meiner Karriere als Paparazzo. Leider ist das alte Dia verloren gegangen. (m.e.)

    Beim Filmfestival von Venedig hat der Western mit den neuen Filmen der Coen-Brüder und von Jacques Audiard eine kleine Renaissance erlebt. Die Liebe zu diesem Genre scheint ungebrochen. Die komplexe Geschichte des Genres, auf der auch die Venedig-Filme basieren, ist lebendig im cinephilen Alltag. Es gibr zurzeit kaum eine Filmgattung, die auf dem DVD- und Blu-ray-Markt mit so vielen Neuerscheinungen von alten, klassischen Filmen aufwarten kann wie der Western. DVD-Labels wie Koch Media, Filmjuwelen, White Pearl Classics oder Western Perlen lassen mit ihren Wiederveröffentlichungen und Neuentdeckungen von kleinen und vergessenen Western vor allem aus den 50er und frühen 60er Jahren die Geschichte des Westerns in einem neuen Licht erscheinen. Zu diesem Thema ist kürzlich auch ein Buch erschienen: Gregor Hausers »MÜNDUNGSFEUER«, eine kenntnisreiche labour of love über »Die 50 besten B-Western der 50er Jahre und ihre Stars«.

    Es versetzt in Erstaunen, dass man selbst als Cinephiler beim Betrachten dieser vielen wieder zugänglichen Filme erkennen muss, dass der gute alte amerikanische Western tatsächlich ein terrain vagueist, eine geradezu unbekannte filmische Gattung. Natürlich, man kennt die großen Western von John Ford, Raoul Walsh, Howard Hawks und William A. Wellman, auch die Westernperlen von Anthony Mann, Budd Boetticher, Sam Fuller, Nicholas Ray, Jack Arnold oder Joseph H. Lewis. Aber all diese Filme, die uns häufig durch die französischen Kritiker der Autorentheorie vermittelt wurden, bilden nur die Spitze des Eisbergs. Was ist mit Westernspezialisten wie Lesley Selander, Sidney Salkow, George Sherman, Lew Landers oder Joe Kane, dem hyperaktiven Topregisseur des kleinen Republic-Studios? Was ist mit den jüngeren wagemutigen Filmemachern wie Joseph Pevney, Alan H. Miner oder Paul Wendkos? Man kann jetzt den Humus eines Genres entdecken, der die Meisterwerke erst ermöglicht hat, einen vielschichtigen Kosmos aus vitalen kleinen Filmen und größeren Produktionen, die von der Filmgeschichte verschluckt wurden. Ein neues Bild von einem traditionellen Genre entsteht dabei.

    (der Auftakt eines Textes von Hans Schifferle von 2018, HIER in in toto)

    Postscriptum mit einem Hauch Wildwest aus dem tiefen Bayern (als ich mal auf einem anderen Blog Einspruch einlegte gegen Standard-Abkanzelungen alter Western, flogen mir gleich einige Bleikugel um die Ohren):

    Ganz witzig finde ich, wie schlecht hier oft Filme bei Uschi abschneiden, die ich ganz famos oder erschütternd oder sonstwie gelungen finde, beispielsweise Anora… undundund … Uschis verallgemeinernde Abfertigung des Westerns als „riesige Spielwiese fürs Macho-Wettpinkeln“, holla-di-ho, was für Entrüstungsarien! (Michael)

    Die seltsame Art des Michael E. etwas „witzig“ zu finden und sich damit gleichermassen wunderbar zu offenbaren, auf der “ … riesigen Spielwiese der Macho-Wettpinkler … “ derjenige zu sein, der am weitesten pinkeln kann, ist auch eine Aussage! (Little Hans)

    Wenn ich mich recht erinnere, wurden Western hier schon differenzierter besprochen und auch positiv konnotiert, z B der Neowestern, die Filme der Coens und das Lied vom Tod waren durchaus keine Verrisse. Uschi meinte mit der Spielwiese wohl eher die B-Movies, den alten John Ford, filmtechnisch durchaus beachtlich, handlungstechnisch eher banal. Oder guckt sich noch jemand freiwillig John Wayne an? Also genauer lesen und dann verreissen. (Jörg R.)

    Da ich aber etwas unpräzise war, kamen da gleich einige dahergesprungen wie aus der Shiloh Ranch, bemühten „Pimmelmetaphorik“, machten aus einer „Arie“ gleich eine „Orgie“, und statt Frau selber sprechen zu lassen (die vielleicht gerade am Herd stand und den Porridge machte, oder Steak mit Bohnen) wurde genaueres Lesen angemahnt, und der humorvolle Kommentator (ich) samt Pimmel des Feldes verwiesen…. Ich sags ja, wie im Wilden Westen!!! Zur Abkühlung der Gemüter empfehle ich allen den grossartigen alten Western „Der Mann, der Liberty Valence erschoss“. (Michael)

  • 2025 sum-up: best albums of the year

    1. Valerie June: Owls, Omens and Oracles – forward-thinking Americana soul-pop album that treats optimism as an active, hard-won stance, shaped by M. Ward’s warm, textured production.
      Americana with folk, pop, blues, gospel, soul inflections.
    2. Eliana Glass: E – an austere, intimate piano-led songwriting debut inspired by Carla Bley, Annette Peacock, and Nina Simone that makes reinterpretation feel like autobiography through phrasing, silence, and minute emotional shading
    3. Saba Alizadeh: Temple of Hope – A tense electro-acoustic collage that fuses kamancheh, modular synths, and historical radio into music suspended between rebellion and hope.
      Avant-garde electronic, ambient, modern classical, drone, Middle Eastern traditions
    4. Vijay Iyer and Wadada Leo Smith: Defiant Life – Trumpet and keys meet in long-form conversations that feel like politically attentive essays in sound, dedicated to liberation histories and lived resilience.
      Spiritual jazz, free improv, chamber jazz.
    5. Robert Plant: Saving Grace – Plant’s late-career reinvention leans into a rootsy touring band and cover versions, prioritizing communal feel over legacy spectacle.
      Folk, blues, gospel, acoustic roots reinterpretations.
    6. The Weather Station: Humanhood – A continuous, improvisation-informed flow that braids acoustic instruments and synth textures into an unusually vivid portrait of breakdown and tentative repair.
      Folk-rooted art pop with jazz-leaning ensemble movement.
    7. James Brandon Lewis: Abstraction Is Deliverance – surprisingly ballad-leaning quartet record that keeps the tenor intensity, but lets melody, patience, and space do the persuasive work.
      Modern jazz in John Coltrane tradition, spiritual jazz, post-bop.
    8. Amina Claudine Myers: Solace of the Mind – a distilled personal statement that threads gospel, blues, and jazz lineage into a direct, expressive document led by Myers’ keyboard language and voice.
      Spiritual jazz, gospel-rooted jazz, blues.
    9. Benedicte Maurseth: Mirra – Hardanger fiddle, wildlife sound, and subtle electronics create a specific landscape listening experience centered on the Hardangervidda plateau and wild reindeer.
      Contemporary Norwegian folk, Nordic ambient folk, electro-acoustic chamber jazz.
    10. Maiya Blaney: A Room with a Door that closes – challenging and slow-burning, both intimate and nervous record where small timbral details and restraint are the main drama.
      Electronic Indie folk/rock, singer-songwriter from Brooklyn.
    11. Barker: Stochastic Drift – A kickless techno/electronic album that uses harmonic surprise and “drift” as structure, making each track feel guided by curiosity rather than grid.
      Ambient techno, experimental electronic, IDM with jazzy elements.
    12. Goldie presents Rufige Kru: Alpha Omega – a drum&bass veteran’s update of classic jungle urgency that stresses long-form momentum and modern sound design over nostalgia
    13. billy woods: Golliwog – dense, horror-tinged rap album that turns dread and history into sharply lit scenes over a wide, unsettled palette of production.
      Underground / alternative hip-hop
    14. Saya Gray: Saya – shape-shifting set that splices folk guitar intimacy and studio mutation into songs that keep re-forming midstream.
      Art pop, indie, folk, experimental singer-songwriter hybrid.
    15. FKA twigs: Eusexua – club-minded pop record where precision dance production and elastic vocals make sensuality feel engineered and cinematic at once.
      Alternative pop with electronic and dance orientations.
    16. Erkki-Sven Tüür: Aeris – Tüür’s Symphony No. 10, scored for horn quartet and orchestra, unfolds as a single drama of shifting energies with seamless transitions.
      Orchestral modernism, ECM New Series.
      Contemporary chamber jazz, electro-acoustic piano, ambient minimalism.
    17. Maria Iskariot: Wereldwaan – punchy Dutch-language punk album that pairs blunt hooks with a restless, DIY bite.
    18. Kronos Quartet and Mary Kouyoumdjian: Witness – A testimony-driven chamber work where spoken voice and string writing function like documentary memory, not decoration.
      Contemporary chamber music, string quartet, documentary composition.
    19. Signum Quartett: A Dark Flaring: Works from South Africa – a sharply curated set of contemporary South African string works, played with clarity that makes timbre and tension the narrative.
    20. John Glacier: Like a Ribbon – Rap treated as texture and atmosphere, where fragmented images and production detail carry as much meaning as plot.
      Experimental UK rap, ambient-leaning electronic hip-hop.
    21. Anika: Abyss – guitar-heavy, confrontational turn that amplifies Anika’s speak-sing into a raw rock record that stares back rather than soothing.
    22. Little Simz: Lotus – confessional UK hip-hop that threads jazz, punk, afrobeat, and funk into tightly written narratives about fallout and renewal.
    23. Annahstasia: Tether – Neo-folk debut anchored by an unmistakable low-register voice that makes quiet acoustic songs feel physically close and emotionally decisive.
    24. Loraine James: Whatever the Weather II electronic miniatures indexed by temperature readings that feel like diaries of shifting states, porous between IDM, ambient, and pop fragments.
      IDM, ambient electronic, experimental pop abstraction.
    25. Rosalía: Lux – Structured in four movements and sung across many languages, Lux reframes orchestral pop as a modern oratorio that roars through genre, romance, and religion.
    26. Lonnie Holley: Tonky – Spoken-poetry narratives ride lush collaborative arrangements, turning autobiography into communal protest, grief, and tenderness.
      Experimental folk-soul-jazz collage, spoken word, art-rock-adjacent production.
    27. Christian Wallumrød: Percolation – Piano pieces that pivot from bent-note, church-tinged harmonies into playful experiments with synth sounds, beats, and treated autoharp.
      Post-jazz, electro-acoustic, modern chamber ambient.
    28. Jon Balke: Skrifum – Solo piano treated as an environment, with monophonic focus and processed space turning “writing” into audible texture.
    29. Jonny Greenwood: One Battle After Another – nervy, motif-driven film score whose string writing and tension architecture can stand as album listening, not just accompaniment.
    30. Meredith Monk: Cellular Songs – late-career summit that builds organism-like vocal pieces from simple motifs, expanding “cellular” logic into rich ensemble form.

    Bonus Tracks:

    Elton and Brandi: Who Believes in Angels? – Classic songcraft that thrives on contrast, pairing Elton’s melodic theatricality with Brandi Carlile’s direct, narrative drive.

    Sokratis Sinopoulos and Yann Keerim: Topos – Lyra and piano trace a meeting point between Greek folk memory and chamber-jazz restraint. A beautiful, moving , intimate duo.

  • Michaels 12 Wiederveröffentlichungen des Jahres (strictly ranked, reflected & researched)

    Here comes a radio story, but before that old repertoire anecdote, here are my three radio show dates of 2026: 22. Januar, 21.05 Uhr – „Die Minesota – Kathmandu – Connection“ („die ECM-Jahrzehnte von Steve Tibbetts“) // 28. Mai, 21.05 Uhr „Klanghorizonte“ // 24. September, 21.05 Uhr „Klanghorizonte“


    Charm and a smile are involved when you listen to an old album and fall in love (at least a little bit) with it decades after it has seen the light of day. In this case I blame it on a young woman that I never gave Tangerine Dream a real try. It must have been 1976, summertime, when i listened to Zündfunk radio in Würzburg, Michael Hütter at the microphone, and TD in the middle of their Virgin years. Hutter invited guests, listeners of the show, from time to time. I thought „hey“, i thought „wow“, i liked her voice (soooo much), as i liked what she said. „There is more resistance in the music of Brian Eno than in the works of Tangerine Dream.“ I swear she used the word „Widerstand“. At that point I thought of Tangerine Dream as free floating drug music anyway, nice, yes, but a bit relying too much on special effects and the newest sounds from the day. My few listenings (and this girl‘s words) sealed the deal of my nearly life long distance with TD. I was so impressed by that radio voice, I was thinking hard of how to reach out for her. I didn‘t. I think she‘s still alive and kicking.

    1) Paul Bley: Open, To Love (ECM) 2) Bennie Maupin: The Jewel In The Lotus (ECM) 3) Tim Buckley: Happy Sad 4) Miles Davis: Agharta 5) Spain: The Blue Moods Of Spain 6) Garbarek / Brahem / Hussain: Madar (ECM) 7) Ø: Sysivalo (archival discovery) – „an austere, yet texturally rich strand of icy minimalism, these recordings from the Pan-Sonic co-founder Mika Vainio felt like sanctuaries crafted from permafrost.“ 8) Arthur Russell: Open Vocal Phrases Where Songs Come In And Out (archival discovery) 9) Tangerine Dream: Phaedra 10) David Sylvian: Manafon Variations (My interview on „Manafon Variations“) 11) The Passengers: Original Soundtracks, Vol. One 12) Keith Hudson & Soul Syndicate: Nuh Skin Up Dub

  • my favourite reissues of 2025

    „Anyone familiar only with the string-drenched, bucolic epics of Stars Of The Lid’s 21st-century work may be surprised by the Austin duo’s debut album, released on vinyl for the first time this year. A home-recorded set of guitar-based drones, „Music For Nitrous Oxide“ is as unsettling as it is meditative, laced with samples of Twin Peaks, Star Trek: The Next Generation and Apocalypse Now.“ (Jon Dale)

    What a number of re-releases and archival discoveries, every year. The memory lane, buried treasures, lost classics, and more. Some of them were kind of enlightening, at least elevating for me. One was Tim Buckley‘s „Happy Sad“, I missed that one when i was young and, well, „happy sad“, so to speak. Awesome sound. Deep soul searching and passionate. Then, I still remember, in those 1970‘s in Würzburg, I was never into The Grateful Dead, with the tiny exception of „Blues For Allah“: that really hit me then and it hits me now with its vinyl reissue by Rhino. Haven‘t listened to it in decades, and it haunts me again.

    From all the great ECM reissues (from the „Luminessence series“), Paul Bley‘s „Open, to love“ is the standout, one of the early ECM solo piano strokes of genius. An album to always return to. The real re-discovery was Jan Garbarek blowing his horns in a way your walls may come down during the ride. On „Madar“ he‘s accompanied by Anouar Brahem and Shaukaut Hussain. What an absolute and audiophile delight, this release from 1992. Another burner for the happy few who ever came across it, was the double vinyl reissue of David Sylvian‘s „Manafon Variations“: radical, sensual, deep-diving! Moving to my music in surround, 2025 was the year I finally fell in love with an album by Tangerine Dream, „Phaedra“. I‘m far away from calling Rod Stewart‘s „Atlantic Crossing“ a guilty pleasure, but I always preferred his ballads, and side two of that ancient album (now brought to the public in shining quad) is a series of irresistible ballads. Okay, we have all listened to „Sailing“ too often, but so what?! Steve Wilson‘s newest remixes of some early King Crimson works are killer – and a heavenly experience for surrounders: „In The Wake Of Poseidon“ and ther jazz-driven „Lizard“.

    In America one of the most heartbreaking break-up albums ever came out as a double vinyl, and I easily trust Norman Maslov that it still puts a spell on you. This album about love falling apart always meant more to me than the canonical – and great – „Tusk“ by Fleetwood Mac. Oh, oh, no reason to keep you waiting: i am speaking of The Jayhawks‘ „Rainy Day Music“! Looking out of the window, i am sure you‘ll find your own „rainy day music“, for all the good reasons! The Stars of the Lid’s debut may be a good choice here! As is that 1995 classic (at least for some of us): Spain’s „The Blue Moods Of Spain“ (blue vinyl reissue)! Did I forget some more for this list? Sure I did. One album from the new Bruce Springsteen boxset of never before released works that immediately drew me inside: the Tex-Mex borderline ballad brilliance of „Inyo“ from Mr. Springsteen, and another double album in blue vinyl, Miles Davis‘ „Agharta“. I am sinking deeper and deeper into my blue velvet sofa.

    1. First Moonbeams of Adulthood

      Neues von Claypipe Music, London. Mit einem Groove, der an Cymande erinnert, und einem E-Gitarren-Motiv, das der goldenen Ära von ECM würdig ist, schimmert „First Moonbeams of Adulthood“ mit vielschichtigen Trompeten, einem Streicherteppich und dem Auftrieb des Sopransaxophons. Subtile Veränderungen in der Textur, gebrochene Melodien und geflüsterte Vocals führen das Stück durch eine Atmosphäre, die sowohl aufregend als auch zart wirkt. Es bietet einen leuchtenden ersten Einblick in Andrew Wasylyks mit Spannung erwartetes neues Album, das im Frühjahr 2026 erscheinen soll.

      The track

      Musik von Andrew Wasylyk wurde in den Klanghorizontem in diesem Jahr gleich zweimal vorgestellt. Die Sphären dieser neuer Komposition liessen mich seltsamerweise von einem perfekten Soundtrack zur Verfilmung von Sherlock Holmes Kurzgeschichten träumen. Als Kind oder gerade in jugendlichen Jahren angekommen, verschlang icb in Grossen Ferien die kleinen Taschenbücher aus dem Heyne-Verlag, in denen über etliche Bände Sir Arthur Conan Doyles‘ Kriminalgeschichten versammelt waren, auf dem Cover immer auch Sherlocks Pfeife, in deren Rauchblasen die Titel der short stories aufleuchteten. Das obige Stück passt wunderbar zu solche Stimmungen, in denen das Unheimliche auf das Scharfsinnige stiess. Träumen und Mitfiebern, Mitdenken waren gleichermassen gegenwärtig. Etwas von diesem, aus Gegensätzen entstehendem Charme, öffnet sich auch in Andrews Musik! (m.e.)

      Radio Hour with Andrew Wasylyk, Paul Bley a.o.: H E A R !

    2. Eines schönen Sylter Morgens mit Margaret‘s Hope und Annette Peacock im Teekontor


      Vor zwei Tagen bekam ich eine Mail des kanadischen Musikjournalisten Greg Buium, es ging um seine in Arbeit befindliche Paul Bley-Biografie. Irgendwann entdeckte er mein altes Interview mit Annette Peacock, aus dem er gern und ausgiebig zitieren wolle. Nur zu! Ich hatte diese alte Jazzthetik ewig nicht mehr vor Augen gehabt, und bat ihn um ein paar Screenshots. War selber überrascht über die inhaltliche Fülle.

      Ich erinnere mich, wie ich diese einst unheimlich schöne Annette P. (A true heartbreaker!) in ihrem Münchner Hotel traf und auf eine kluge, reflektierte Frau traf, die alter Schönheit keineswegs hinzerhertrauerte und sehr uneizel und feinfühlig einzelne Stationen ihrer Geschichte in Erinnerung rief. Und so sass ich am Vormittag im Teekontor und montierte das Interview zusammen, das jetzt unter den „Monthly Revelations“ (TALK) meine Gespräche mit Beatie Wolfe für den Monat November ablöst – in der Randkolumne leicht zu finden! Leicht unscharf, und es verströmt den Charme der Zettelsammlung für eine Schnitzeljagd. Aber es lohnt sich – wie jede spannende Schnitzeljagd in alten Zeiten!

      Ich hatte immer den Regen draussen im Blick, wie aus feinen Vorhängen gewoben. Der Tee besorgte ein dezentes „high“. Greg Buium hat übrigens die neuen „liner notes“ zu der Vinyl-Neuauflage von Paul Bleys „Open, to love“. Und in dieser „Luminessence“-Reihe erschien Ende 2024, erstmals auf Vinyl, Annette Peacocks fantastisches Album „An Acrobat‘s Heart“! Jan Bang liebt es, ich liebe es, und ich hoffe, dass mein Interview manche Leser dazu animiert, diesen Liederzyklus kennenzulernen, oder ihn neu zu entdecken! (m.e.)

    3. Block 83

      und, als Zugabe: Zeiglers wunderbare Welt des Fussballs – sowie „Schwarzfahrer


      Eines meiner herrlichsten Fussballfeste war mein erstes, in Essen bei der Oma vorm Fernseher zu sitzen, wenige Monate vor der Einführung der Bundesliga, und auf der Couch den 3:1 – Sieg des BVB gegen den favorisierten 1. FC Köln zu erleben, mit dem Fernschuss von Hoppy Kurrat als „Dosenöffner“ – „ein Strich von einem Schuss“. Da ich selbst meist Torwart war in der Brüder Grimm-Volksschule in Hombruch, wurde Hans Tilkowski zu meinem grossen Hero zwischen den Pfosten – „Blutsbruder“ Matthias und ich erlebten das unglückselige „Wembley-Tor“ anno 1966 in vorderster Reihe in unserem Wirtschaftswunderwohnzimmer in Kirchhörde.

      Die Reihe meiner Lieblingsspieler ist lang, begann mit Tilkowski und Konietzka, führte über Reinhold Wosab über den kürzlich verstorbenen Frank Mill bis hin zu Neven Subotic und, in diesen Tagen, Nico Schlotterbeck. Nach einem halben Jahr Verletzungspause kehrte Schlotti endlich aufs Feld zurück. An meiner Seite in Block 83 mein einstiger Hausarzt Jürgen H, gerade heimgekehrt von einem fünfwöchigen Trip durchs Baltikum, mit Fähre, Fahrrad und Bus. Wir kamen von Hölzchen auf Stöckchen, vor dem Spiel bei Strobels, liessen den unsäglichen Deal mit Rheinmetall einfliessen (Watzke und der Kanzler, das passt leider!), auch die erneut dummen Entgleisungen von Felix Mnecha (zu Charlie Kirk und Frauen, die an den Herd gehören).

      Ich war erstaunt, dass Jürgen nie Ronald Rengs Sachbuchschmöker „Spieltage“ gelesen hat, eines der schönsten Fussballbücher, welches 2013 fünfzig Jahre Bundesliga Revue passieren lässt, teilweise aus dem Blickwinkel des Spielers und Trainerfuchses Heinz Höher. Frank Mills Tod ging mir nahe („my generation!!!“), und allzu gerne wäre ich wieder auf einer Zeitreise im Sommer 1989 angekommen, als Frankie eine Sternstunde zelebrierte beim 4:1 gegen Rehhagels Stadtmusikanten!

      P.S. „Alles hat ein Ende, nur eine Wurst hat zwei“. Leider moderiert Sascha Staat nicht mehr den RN-Vodcast / Podcast der Ruhrnachrichten. Ich war da eingestiegen – als Zuschauer – ein halbes Jahr vor dem traurigen 2:2 gegen Mainz. Wie kann man einen so gewitzten und klugen Moderator nur vom Feld schicken?! Die Antwort, bei allem Respekt für Hansi Küpper und die talking heads bei Sascha: Mainstream und neue Zielgruppen! Wahrscheinlich ist für RN-Redakteur Kevin Pinnow „Sky 90 – Die Fussballdebatte“ das neue Rollenmodell. Ein Original, und ein Lieblingspodcast weniger!

    4. „Wie eine Totenwache“ (von Shaad D‘Souza) –


      Die Musikindustrie hat eine gemischte Bilanz, wenn es um Altruismus geht: Für jedes „Concert for Bangladesh“, ein durchdachtes und zeitgemäßes Projekt, das als epochales Kunstwerk Bestand hat, gibt es ein „Do They Know It’s Christmas?“, ein Lied, das von einer Handvoll reicher weißer Musiker konzipiert wurde, die offenbar davon ausgingen, dass die mehrheitlich christliche Bevölkerung Äthiopiens den wichtigsten christlichen Feiertag nicht kannte.

      Ich befürchtete, dass „Together for Palestine“, eine große Wohltätigkeitsveranstaltung in der 12.500 Zuschauer fassenden Wembley Arena in London, organisiert von Brian Eno, Khaled Ziada, Khalid Abdalla und Tracey Seaward, in die letztere Kategorie fallen würde: Israel führt seit fast zwei Jahren einen umfassenden Angriff auf den Gazastreifen, und während der größten Teil dieser Zeit hat sich die Führungsriege der Musikindustrie weitgehend zurückgehalten. Viele der Musiker und Redner, die ursprünglich auf dem Programm standen, hatten in den ersten Monaten der Belagerung Israels und der unverhältnismäßig gewaltsamen Reaktion auf die Angriffe der Hamas vom 7. Oktober 2023 kaum ein Wort über Palästina verloren. Dass diese berühmten Namen fast zwei Jahre später Zeit und Energie für diese Sache aufbrachten, empfand ich als einen armseligen Versuch, das zu korrigieren, was sich wie eine Ewigkeit verdammten, verstörenden Schweigens anfühlte.

      Das mag bis zu einem gewissen Grad stimmen – ich finde es immer noch beunruhigend, dass so viele, die die Macht haben, große Gruppen von Menschen zu mobilisieren, diese Macht nicht genutzt haben, bis selbst die einst so gefühllosen israelischen Falken begannen, anzuerkennen, dass die Aktionen des Landes in Gaza unmenschlich sind –, aber Together for Palestine war nicht nur eine milde Übung darin, „Liebe in die Welt zu senden” oder in Zeiten sozialer Unruhen apolitische Einheit zu predigen.

      Stattdessen fühlte es sich wie eine Totenwache für die mehr als 65.000 Palästinenser an, die von Israel getötet wurden. Trotz der besten Versuche der Musiker auf der Bühne, fröhliche und beschwingte Songs zu spielen – wie zum Beispiel, als Hot Chip, Ibibio Sound Machine und der Trans Voices Chor bei ihrem gemeinsamen Auftritt auf hymnischen Diva House zurückgriffen –, war die Stimmung in der Wembley Arena zutiefst gedrückt. Jeder tapfere, erfolgreiche Versuch, das Publikum zu begeistern und uns daran zu erinnern, wie viel Macht normale Menschen haben, um Regierungen zu beeinflussen und Veränderungen zu bewirken, wurde durch die Erinnerung daran konterkariert, wie wenig Menschen im Westen, von Politikern über Journalisten bis hin zu Zivilisten, getan haben, um Palästina zu unterstützen.

      In einer wohltuenden Abwechslung zu den üblichen Benefizveranstaltungen mit Staraufgebot wurde kein Versuch unternommen, so zu tun, als würden wir nicht in trostlosen Zeiten leben.

       Die 25-jährige palästinensische Journalistin Yara Eid sprach über den Tod ihres „Seelenverwandten” und Kollegen Ibrahim, bevor sie eine Videomontage vorstellte, die allen palästinensischen Journalisten gewidmet war, die von israelischen Streitkräften in Palästina getötet wurden. Zeichnungen jedes Journalisten sowie Details darüber, wie und wann sie getötet wurden – oft zusammen mit Familienangehörigen oder während ihrer Berichterstattung – wurden in immer schnellerer Folge eingeblendet, bis so viele Verstorbene auf dem Bildschirm zu sehen waren, dass alles statisch wurde. Wie der Experte Mehdi Hasan uns kurz zuvor in Erinnerung gerufen hatte, zeigen Studien, dass während dieses Konflikts mehr palästinensische Journalisten getötet wurden als in Vietnam, Jugoslawien, Afghanistan und beiden Weltkriegen zusammen.

      Fortsetzung und kompletter Text HIER (Pitchfork)