My soon-to-be room for quiet hours
Dieses Cover von Brian Enos „Discreet Music“: erst sieht man einfach nur etwas Schwarzes, dann erkennt man eine Großstadtarchitektur, von einem Schwarzfilter nah ans Unsichtbare gedrängt. Und so, wie man sich langsam auf die Klänge einschwingt, so gewöhnen sich die Augen auch erst allmählich an das Cover, an die Dinge, die sichtbar werden. Ein kleines Viereck macht sich frei von diesem Filter, und man erkennt dort eine Spur von warm strömendem Tageslicht.
Wir wussten es damals nicht, aber bei dieser Etude in Unendlichkeit konnte das Unbewusste üben, wie es ist, wenn Menschen kommen und gehen, kleine Lieben, große Lieben, flüchtige Freunde, gute Bekannte, vertraute Gesichter, kurz aufflackernde Moden, Frauen, die damals Hanne hiessen oder Verena oder Julia. „Discreet Music“ war der sanftese „Melancholie-Hammer“ meiner jungen Jahre. Und der späteren. Alles ist flüchtig, ein Quantum Glück. Eine Musik, die, wäre sie nicht so schwebend, auch purer Abgrund sein könnte, musique noir. Der immense Reichtum der Obertöne, wenn das Geschehen verlangsamt wird.

„Der Inhalt einer Sanduhr in ein Tuch geschüttet. Du kannst die Zeit tragen, wohin du magst. Ihr gebrochenes Herz, wenn die gesammelten Stunden in der Tasche vergessen werden. Die Überlebenden sind sorglos. Manchmal spüren sie ein Staubkorn, das im Auge reibt. Zaghafte Vergänglichkeit.“ (Karl Krolow)
People come and go / And forget to close the door / And leave their stains and cigarette butts / Trampled on the floor / And when they do, remember me, remember me“ (Brian Eno)
7 Kommentare
Olaf Westfeld
Safe Journey!
Thomas Pannhorst
Dann wünsche ich Dir, dass in diesem Zimmer möglich viele Staubkörner der Zeit gefunden werden, manchmal werden es auch Steine sein 😉
Aus welchem Buch von Krolow stammt der Text, Michael?
Michael Engelbrecht
Den gesamten Text habe ich ja aus einem älteren von Mana übernommen, daher kenne ich die Quelle so genau nicht mehr. Karl Krolows Gedichte mochte ich damals, er gehörte zu einer älteren Generation, als wir in den 1970ern ja besondes offen waren für die jüngeren Vertreter der „neuen Innerlichkeit“, in der Lytik und anderswo. Ich musste schmunzeln, als in einem sehr späteren Gedichte Brians „Discreet Music“ auftauchte, als Referenz, als Inspiration.
Von allen deutschen Lyrikern damals aber standen mir zwei am nächsten, Peter Rühmkorf
(Seine zwei spoken Word Alben für ECM sollten wieder rauskommen) – und Jürgen Becker. Ich hatte über die Jahre ungefähr sechs, sieben seiner Lyrilbände
Und mit zuletzt – ein Riesenschinken – seine gesammelten Gedichte gekauft.
Brian schätzte die Lyrik von Ernst Jandl sehr, weitaus mehr als die üblichen Verdächtigen der Beat Generation.
Martina Weber
Gäbe es eines unserer Flowworker-Musikrätsel, hätte ich wenigstens die eine Platte erkannt. St Peppers Lonely Hearts Club Band. Ich habe sie auch. Direkt aus dem Jahr 1967. Jahrzehnte später geschenkt bekommen. Aber als Rätsel wäre es natürlich zu einfach gewesen.
Michael Engelbrecht
Ja, als Rätsel zu leicht, selbst die schweren werden ratzfatz gelöst.
Und das andere Boxset auch leicht zu erkennen.
Das in meinen Ohren beste Werk der Flaming Lips: Yoshimi battles the pink robots.
Beides sehr farbenfrohe Cover, das Gegenstück zu dem auf dem Bild abwesenden Cover von Discreet Music.
Ein Spiel mit Polaritäten, wie mein Radioshowdown. Der erste Teil heisst Nocturnal Green, der zweite Red Cabrio in Los Angeles. Letzteren habe ich heute produziert, der erste Teil nächste Woche. Das fehlte noch der OTON von Daniel Lanois, der nun auch eingetroffen ist.
Martina Weber
Sehr diskretes Spiel mit Polaritäten. Von Enos „Discreet Music“ gibt es aber verschiedene Cover. Meine CD hat ein anderes. Es ist ganz schwarz, nur in der Ecke unten rechts ist ein kleines Bild. Also vom Aufbau her wie das, das du verlinkt hast.
Ich weiß gerade nicht, welches mein Lieblingssong von den Flaming Lips ist. „Joshua battles the pink robots“ klingt farbenfroh! Gleich der erste Track hat es in sich. Als nächstes schreibe ich hier über eine Graphic Novel und eines der Panels, den ich ausgewählt habe, zeigt u.a. ein Plattencover der Flaming Lips!
Michael
In einer späteren Nachpressung wurde ein grösseres weniger diskretes Farbmotiv vrrwendet. Aus rein kommerziellen Gründen.
Unf wenn wir von discreet music reden dann in der Regel von enos komposition , weniger von der seite mit der Bearbeitung eines Pachelbelstückes.