Aus den frühen Jahren des Mediums, von M.E. Aus Manafonistas…
Wäre nur ein Filmteam vor Ort gewesen. Am 19. Dezember 1950. Um all die Gespräche einzufangen. Den Morgen. Das Danach. Late Night Talks. Duke Ellington hatte im Laufe seines Lebens einige ideale Spielpartner, die kamen und gingen. Billy Strayhorn war der kongenialste.
Und an diesem kalten Tag im Spätherbst betraten sie alle das Studio: Billy, Russell, Paul, Johnny, Jimmy, Nelson, Andrew, Harold, Ray, William, Quentin, Lawrence, Tyree, Mercer, Sonny, Wendell – und Yvonne. Das alte Drei-Minuten-Format wurde ad acta gelegt, um den neuen Zeitlosigkeiten zu huldigen. Showtunes-time!
Drei der vier Kompositionen waren bestens bekannt, „Mood Indigo“, „Sophisticated Lady“, und „Solitude“. Hinzu gesellte sich „The Tatooed Bride“. Das Album fiel mir erstmals in den Achtziger Jahren in die Hände, später eine CD-Fassung. Egal, wie plakativ der Titel, wie schön-schrullig das Cover, es blieb eine meiner Lieblingsplatten des Duke.
Lapidar gesagt: pure Klangmalerei, Big Band-Musik „Ambient-style“ – die vier Stücke besassen Schwebungen einer zwischen zwei Linden aufrgespannten Hängematte, und waren von der Art, dass ihre expressiven Momente einen schon mal in hohem Bogen aus der Matte heben konnten.
Heute hörte ich das Album zum ersten Mal in der Version von „Analogue Productions“ (2021) – Mastering und Pressung vom Feinsten. Doch so leuchtend, glänzend, schimmernd hatte ich das Album nie zuvor gehört – reines Satin, „blue velvet“. Immer noch geht und schwingt mir dieses eine Saxofonsolo von Paul Gonzalves nach. Pures Driften, entfesselt, die Taktstriche reine Illusion.
Ein berühmter Satz zu der LP: „Mono goes cinemascope, hard to believe.“ In meinem Plattenregal kommt das Teil in die bestmögliche Nachbarschaft, neben die Impulse-Platte „Duke Ellington & John Coltrane“, neben „Get Up With It“ vom Miles Davis (wegen der Dreissig-Minuten Huldigung an Mr. Ellington, betitelt „He Loved Him Madly“), neben „Showtunes“ von Lambchop – und „L‘Amour“ von Lewis.
Wenn man die Schallplatten intuitiv ordnet, kommt manches, vorübergehend, abhanden. Das zinnoberrote Gatefold-Cover von „Masterpieces“ macht das Verlegen unmöglich.
Saturday morning: ORACLE von Towner und Peacock (deep stuff from ECM, from 1984 or 1994, timeless anyway)
Alter Text von mir: Ausgerechnet zwei Tage nach Towners Tod erschien „Oracle“ in der „Luminessence“-Vinyl-Serie seines Hauslabels. Umwerfend. Ich hörte es zuletzt jeden Tag einmal vom ersten bis zum letzten Ton, und es packte mich wie damals in den 1970er Jahren („when I was younger, so much younger than today“).
Der Sound: schlicht überragend. Und auf „Oracle“ erfährt man etwas darüber, wie virtuoses Handhaben von Bass und Gitarre keine Sekunde lang in die Falle des Perfektionsmus tappt. Wie zwei Musiker es nie verlernt haben, in ihren Klängen jenen „Geist des Anfängers“ zu praktizieren, der sich dadurch auszeichnet, dass man eben nicht alles zu wissen meint. Und die eigenen Fragen, Ahnungen wie Anmutungen, in jede erdenkliche Tiefe transportiert.
Ekstase braucht halt nicht unbedingt, in solchem Einssein von Konzentration und Losgelöstheit, Geschrei und Wildheit. Das Cover selbst, mit den verschwommenen Umrissen der Körper und Instrumente, ein gelungenes Pendant zum „Ungreifbaren“ der Klänge selbst!
Saturday evening: LUX von Brian Eno (fantastic album, 2014, occupying a place like no other!)
Beides „Masterpieces“ von den Herren Parker und Ellington. Passen sehr gut zusammen.
Den Sampler habe ich aus aktuellem Anlass aufgelegt – und festgestellt, dass ich gar nicht das Original von Let’s Straighten It Out kenne und liebe, sondern eine Cover Version: https://www.youtube.com/watch?v=1W90hrWYU0M&list=RD1W90hrWYU0M&start_radio=1
5 Kommentare
flowworker
Ja, diese magische Duke Ellington Platte!
Aus den frühen Jahren des Mediums, von M.E. Aus Manafonistas…
Wäre nur ein Filmteam vor Ort gewesen. Am 19. Dezember 1950. Um all die Gespräche einzufangen. Den Morgen. Das Danach. Late Night Talks. Duke Ellington hatte im Laufe seines Lebens einige ideale Spielpartner, die kamen und gingen. Billy Strayhorn war der kongenialste.
Und an diesem kalten Tag im Spätherbst betraten sie alle das Studio: Billy, Russell, Paul, Johnny, Jimmy, Nelson, Andrew, Harold, Ray, William, Quentin, Lawrence, Tyree, Mercer, Sonny, Wendell – und Yvonne. Das alte Drei-Minuten-Format wurde ad acta gelegt, um den neuen Zeitlosigkeiten zu huldigen. Showtunes-time!
Drei der vier Kompositionen waren bestens bekannt, „Mood Indigo“, „Sophisticated Lady“, und „Solitude“. Hinzu gesellte sich „The Tatooed Bride“. Das Album fiel mir erstmals in den Achtziger Jahren in die Hände, später eine CD-Fassung. Egal, wie plakativ der Titel, wie schön-schrullig das Cover, es blieb eine meiner Lieblingsplatten des Duke.
Lapidar gesagt: pure Klangmalerei, Big Band-Musik „Ambient-style“ – die vier Stücke besassen Schwebungen einer zwischen zwei Linden aufrgespannten Hängematte, und waren von der Art, dass ihre expressiven Momente einen schon mal in hohem Bogen aus der Matte heben konnten.
Heute hörte ich das Album zum ersten Mal in der Version von „Analogue Productions“ (2021) – Mastering und Pressung vom Feinsten. Doch so leuchtend, glänzend, schimmernd hatte ich das Album nie zuvor gehört – reines Satin, „blue velvet“. Immer noch geht und schwingt mir dieses eine Saxofonsolo von Paul Gonzalves nach. Pures Driften, entfesselt, die Taktstriche reine Illusion.
Ein berühmter Satz zu der LP: „Mono goes cinemascope, hard to believe.“ In meinem Plattenregal kommt das Teil in die bestmögliche Nachbarschaft, neben die Impulse-Platte „Duke Ellington & John Coltrane“, neben „Get Up With It“ vom Miles Davis (wegen der Dreissig-Minuten Huldigung an Mr. Ellington, betitelt „He Loved Him Madly“), neben „Showtunes“ von Lambchop – und „L‘Amour“ von Lewis.
Wenn man die Schallplatten intuitiv ordnet, kommt manches, vorübergehend, abhanden. Das zinnoberrote Gatefold-Cover von „Masterpieces“ macht das Verlegen unmöglich.
flowworker
Jeff Parker HAPPY NOW, ein Jazztraum anno 2026
https://flowworker.org/2026/05/16/jeff-bennie-hans-joachim-und-dieter/
flowworker
Ich habe an diesem Wochenende gehört
Saturday morning: ORACLE von Towner und Peacock (deep stuff from ECM, from 1984 or 1994, timeless anyway)
Alter Text von mir: Ausgerechnet zwei Tage nach Towners Tod erschien „Oracle“ in der „Luminessence“-Vinyl-Serie seines Hauslabels. Umwerfend. Ich hörte es zuletzt jeden Tag einmal vom ersten bis zum letzten Ton, und es packte mich wie damals in den 1970er Jahren („when I was younger, so much younger than today“).
Der Sound: schlicht überragend. Und auf „Oracle“ erfährt man etwas darüber, wie virtuoses Handhaben von Bass und Gitarre keine Sekunde lang in die Falle des Perfektionsmus tappt. Wie zwei Musiker es nie verlernt haben, in ihren Klängen jenen „Geist des Anfängers“ zu praktizieren, der sich dadurch auszeichnet, dass man eben nicht alles zu wissen meint. Und die eigenen Fragen, Ahnungen wie Anmutungen, in jede erdenkliche Tiefe transportiert.
Ekstase braucht halt nicht unbedingt, in solchem Einssein von Konzentration und Losgelöstheit, Geschrei und Wildheit. Das Cover selbst, mit den verschwommenen Umrissen der Körper und Instrumente, ein gelungenes Pendant zum „Ungreifbaren“ der Klänge selbst!
Saturday evening: LUX von Brian Eno (fantastic album, 2014, occupying a place like no other!)
https://www.manafonistas.de/2012/10/24/the-mysteries-of-lux/
Olaf Westfeld
Beides „Masterpieces“ von den Herren Parker und Ellington. Passen sehr gut zusammen.
Den Sampler habe ich aus aktuellem Anlass aufgelegt – und festgestellt, dass ich gar nicht das Original von Let’s Straighten It Out kenne und liebe, sondern eine Cover Version: https://www.youtube.com/watch?v=1W90hrWYU0M&list=RD1W90hrWYU0M&start_radio=1
flowworker
Lieber Olaf!
Echoes vom Fire! Orchestra liebe ich nach wie vor
Diesert
Island
Album
Von oder mit
Mats Gustafsson