Whimsical
unusual and strange in a way that might be funny or annoying:
a whimsical tale
Despite his kindly, sometimes whimsical air, he was a shrewd observer of people.
Manche Wörter muss ich häufig nachschlagen, als ob die an keiner Stelle meines Gedächtnis andocken können. „Whimsical“ ist eines davon, ich kannn mir nicht merken, dass man auf Deutsch dafür Worte wie skurril, verspielt oder wunderlich benutzt. Die Zeilen sorgen hoffentlich dafür, dass dieses schöne englische Wort in Zukunft einen Platz in meinem Gehirn findet.
Ich scheine auch eine Vorliebe für Musik zu haben, die whimsical ist, wie zum Beispiel die Band Woo, die mir vor drei Jahren durch ein wirklich nettes Video des Youtubers Dom (Seeking A Thread) vorgestellt wurden und deren Musik mich gleich angesprochen hat. Die Schallplatten sind out of print und auch gebraucht nicht ganz günstig, ich habe mich da erstmal nicht weiter drum gekümmert. Aber nun ist eine Neuauflage ihres Erstlings „Wichever Way You Are Going, You Are Going Wrong“ remastered und mit einer zweiten LP voller Outtakes erschienen.
Die Musik auf dem Album ist irgendwie zeitlos, sie könnte an der Weser in den 70er Jahren, in den 80ern im japanischen Hinterland oder in London oder Chicago der 90er entstanden sein. Die beiden Brüder Clive und Mark Ives haben sie in den späten 70ern in einer Wohnung im Süden Londons aufgenommen und dabei sehr leise gespielt, damit die Nachbarn nicht gestört werden. Irgendwann kamen sie auf die Idee, die Gitarre mit den Synthesizer zu verbinden und so deren Klänge zu verfremden; sie fanden so einen sehr eigenen, verspielt-verträumten und sehr melodischen Sound.
First Song – Best Song: Das Album beginnt mit dem wunderbaren Swingtime, ein Song, der mich sofort einnimmt und gute Laune macht. Die Stimmung ist damit gleich gesetzt – skurril und wunderlich, verwunschen und von einer eigentümlichen Liebenswürdigkeit; ich kann mir das gut als Soundtrack für ein psychedelisches Puppentheater vorstellen.
Alles ist irgendwie beschaulich und wahnsinnig relaxed. Die Brüder geben ihrer Musik alle Zeit der Welt. Sie reihen Melodien aneinander, lassen Klangwolken und lustige Geräusche vorbei ziehen, benutzen hierfür immer wieder unterschiedliche Instrumente – neben zahlreichen Synthesizern und Gitarren kommt die Klarinette immer wieder zum Einsatz, dazu Klangschalen und ein Xylophon. Bass und Schlagzeug bilden immer das Fundament für die kleinen Kuriositäten. Auf dem Song The Attic wird gesungen und spätestens da erinnert es mich doch sehr an Brian Eno.
Musik die sich allen Kategorien entzieht: Kein Ambient, kein Pop, weder Folk, noch Elektronik – die Musik bewegt sich spielerisch zwischen diesen Polen. Das Album klingt nach neugierigen Menschen, die ohne großes Konzept ihren Ideen folgen und dabei etwas Eigenes erschaffen haben. Und „whimsical“ ist glaube ich das passende Wort dafür.
6 Kommentare
Alexander Roth
Danke dir, Olaf! Eine wunderbare Entdeckung für mich! Ich kannte die Band noch nicht, die Musik ist mir aber vom ersten Hören her schon sehr sympathisch, beinahe vertraut. Ich mag auf jeden Fall den Lo-Fi-Ansatz sehr und auch dieses nonchalante Sich-entziehen: der notwendigen Entwicklung des eigenen Werks folgen – jenseits von Öffentlichkeit, Genres, Welt und ihrer lästigen zeitlichen Gebundenheit. Sehr passend auch die Info auf ihrer Bandcamp-Seite:
„Oddly dubby, mesmeric, insular, playful, undefinable, instantly recognisable, warm, romantic, optimistic, ethereal, timeless, pop music for another universe, time-locked into the spirit of ’67, witty yet quintessentially British, futuristic elevator muzak.“
flowworker
Nie gehört, diese Musik.
Das Wort „whimsical“ ist mir wohl ein, zweimal begegnet in Interviews mit Bill Bruford, der es offensichtlich auch schätzt. Ich musste damals nachschlagen, was es bedeutet. In meiner letzten Sendung hat gewiss ein Album dieses Prädikat verdient, „Dreams 24/25“ von Bill Wells. The Scottish way of whimsical😉 (m.e.)
Olaf Westfeld
„Vertraut“ – das trifft es ganz gut, so ging es mir auch; als wenn ich die Musik schon lange kenne. Auch die Selbstebschreibung ist treffend. Gefällt mir sehr. Hier noch ein Interview: https://www.youtube.com/watch?v=WHpGIAUmlI8
(Und ja, atmosphärisch und von der Haltung her gibt es da Verbindungen zu Herrn Wells und zu anderen exzentrischen Briten.
Martina Weber
Das Wort whimsical habe ich schon oft gelesen. Ich bin mit dem Phänomen, das du schilderst, Olaf, gut vertraut: man hat das Wort schonmal gehört, aber selbst im Zusammenhang erschließt es jetzt gerade sich nicht. Eine gute Methode ist immer, in Zusammenhängen zu lernen, und dabei einen Zusammenhang zu wählen, der die Bedeutung klar macht. Aber wem sag ich das 😉
Ich schreibe mir zu Wörtern, die ich mir einprägen möchte, oft ganze Sätze auf. Neulich habe ich mir nochmal ein Buch zu phrasel verbs gekauft.
Heute habe ich die zweite Plattenseite von „bécs“ (Ungarisch für Wien) von Fennesz so oft gehört, dass ich jetzt nicht noch whimsical music lauschen kann. Morgen dann.
Thomas Pannhorst
Genau die richtige Musik für einen lazy afternoon am Neusiedler See. Never heard before. Danke, Olaf.
Lajla
Danke Olaf. Das Video gefällt mir und der Swing auch. Da tanzen ja Charlie Chaplins und die Königinnen der Nacht, Lucinda Williams und mit dem high Ponytail, das ist Nina Hagen. Wirklich ein herrliches Puppentheater.
Ich hatte schon vorm Hören gute Laune. Mache ein Stopover in Malle am Ballermannstrand. Jeder Mittelmeerschwimmer mit Dosenbier, Tatoos all over. Junge, sehr hübsche Frauen in Gruppen. Ich habe nirgendwo auf der Welt soviele lachende, gut gelaunte Deutsche gesehen. ( Ich schreibe für eine spanische Zeitung einen Bericht über Malle).