Sampling Sam (in dear memory of Ian McCartney)
Was für ein Album! Chapeau! Das Besondere daran ist, wie die Musik Niederlagen euphorisch klingen lässt. Je nach Stimmung kann es ein aufbauendes Album sein („It’s all right“ dient dabei als Schlachtruf) oder ein einzigartig niederschmetterndes. Es sind vielschichtige Porträts: farbenfrohe Städte, bevölkert von einsamen Menschen, romantische Gesten, die mit Schweigen beantwortet werden, wunderschöne Abende, die ins Leere laufen. Wie zu Liedgut gewordene Edward Hopper-Gemälde, nur, dass den Protagonisten ihr Lächeln nicht vollkommen abhanden gekommen ist. Die unmittelbarsten Stücke des Albums wechseln zwischen Stimmungen hin und her wie ein Flugzeug, das durch die Wolken taucht. Ein Song reitet auf seinem leuchtenden New-Wave-Groove, während der Sänger eine Geliebten darauf hinweist, dass etwas nicht stimmt. Ein anderer Haus beginnt mit einem traurigen Krankenhaus-Puls und Schilderungen einer langen, schlaflosen Nacht, doch er steigert sich zu einer Einladung, zu seltsamer Eleganz in einem Luxusauto. „Morgen werde ich da sein“, singt er am Ende stolz, „Oh, warte nur ab.“ Manchmal glaubt man ihm das. Einige von euch werden dieses Album kennen. Ich habe eine wundervolle Cd-Edition wiederentdeckt bei meiner Inventur. Es bleibt nur übrig, was mir unverwüstlich ist. Dieses Album gehört dazu, aus der Abteilung „slow burner“. Um welches Traumteil handelt es sich wohl?
7 Kommentare
Thomas
Stammt die Band aus Schottland?
flowworker
Gute Frage.
Thomas
…und sind sie in ihrem Debüt über die Dächer gezogen?
flowworker
Eine noch bessere Frage.
Thomas
Dann schenken wir uns die Auflösung 🤣🤣🤣
flowworker
Wir uns schon, aber der neugierig gewordene Leser verlangt Aufklärung.
Zumal: ein dezenter Wink mit dem Zaunpfahl war ja schon am Anfang des Textes zu finden. „Chapeau!“
Das Wort Chapeau ist ein aus dem Französischen übernommenes Lehnwort und bedeutet wörtlich übersetzt Hut.
Im Deutschen wird der Begriff jedoch als Ausruf verwendet, um Anerkennung, Respekt oder Bewunderungfür eine Leistung auszudrücken.
Es handelt sich um HATS von The Blue Nile.
Thomas
Edward Hopper trifft es ins Herz. Bands, Muisker, die nur wenige Alben (hier vier) in zwei Jahrzehnten oder länger gemacht haben, sind ein eigenes lohneswertes Kapitel der Musikgeschichte…