Mein Album des Jahres 2026
Derzeit und bis heute und kein Witz: sogar ein „Kaufbefehl“ mindestens für Thomas und Olaf (gibt es auch auf „clear smoke vinyl“) und Martina und Lajla und Brian, und auch, wer nur das Eingangsstück hört, das in den Klanghorizonten laufen soll, würde nur ein Mosaiksteinchen des Reichtums dieses Albums mitbekommen, das manchmal die Partyavantgarde von Miles‘ „On The Corner“ streift, die „vocal poetry magic“ von Marion Browns „Geechee Recollections“ und ferne Schatten der „Blue Notes“ mit Mongezi Feza. Einfach mal kurz reinhören geht bei dieser Lp / Cd einfach nicht, dazu ist dieses Opus schlicht zu „sublim“. „A Semblance Of Return“ hat mich gestern Abend bei lautem Hören (zwischen Underworld und Agharta) umgehauen, es hat eine Tiefe, die sich wieder und wieder in den „elan vital“, den „elan de danser“ schmuggelt. So weit, so genial. In anderen, munter kompilierten Worten:

„Das Album des südafrikanischen Drummers ist ein Ort der Begegnung: ein Wohnzimmer, ein Proberaum, ein schattiger Club, eine Lerngruppe, ein Zuhause. Die Band auf dem Album – Ru Slayen (Percussion), Nobuhle Ashanti (Keyboard & Synthesizer), Zwide Ndwandwe (Bass) und Keegan Steenkamp (Trompete), mit Gamedze am Schlagzeug – hat sich als soziale Einheit gebildet: eine Gruppe, für die Musik Teil eines umfassenderen gemeinsamen Lebens ist, voller Spielen, Nachdenken, Lachen und Kämpfen.“ Thank you, Asher, for this deep journey. What a trip, and, by the way, a little piece of therapy for my soul these days!

„A Semblance Of Return“ ist auf Northern Spy Records erschienen, das uns u.a. schon mit dem einen und andere Meisterstück der Necks beglückte. Eine lange Geschichte über ihn gibt es in der Juniausgabe des Wire.

„Remember struggle songs? For those who don’t, they were a way of letting out all the pain and fury and turmoil of oppression – but doing it in a way that brought you into active communion with like-minded others, and so, without ever minimising the hurt, brought determination, joy and hope too. Many kinds of collective music – free jazz, radical funk, conscious soul, righteous rap, get-up-stand-up reggae – point in that same direction. That’s why they live so much longer than the latest solipsistic (and probably AI-generated) pop ephemera.“ (Gwen Ansell)
14 Kommentare
Olaf Westfeld
🫡😉
Thomas Pannhorst
Tja, habe ich heute morgen im Radio gehört auf dem Weg nach Ostfriesland. Das Album hat mich nicht on fire gesetzt, immerhin sehr interessant (schlimmes Adjektiv) aber es verlangt in der Tat deep listening. Zweites, drittes Hören zum Verzetteln.
Im Haus habe ich dann als erstes die LP des 1977 Jazz Funk Klassikers „Turn This Mutha Out“ von Idris Muhammad aufgelegt, da verblasst dann alles zuvor gehörte…
Meine Top Five 2026 bisher ohne Gewähr und ohne Reihenfolge:
Seefeel: Sol.HZ
Booker Stardrum: Close-up On The Outside
Björn Meyer: Convergence (CD eigentlich no go für mich, gute Ausnahmen müssen sein…LP Aufruf an ECM Hauptquartier!)
Ani Zakareishvili: Neither In The Sky Nor On The Ground
Pan American: Fly the Ocean in a Silver Plane
Das Jahr ist noch jung, great things are coming…
flowworker
Fourth listening, Thomas😉 … das Album hat mich ziemlich rasch gepackt, zugleich tief berührt, und es hat mich noch mehr überrascht, weil es überhaupt nicht in meine raschen Obwrflächenraster für „Musik, die ich normalerweise toll finde“, reinpasst.
Und das deep listening wurde beim zweiten Hören regelrecht noch deeper.
Ich natte ausser dem Wire Portrait nichts über das Album gelesen, und war im nachhinein erfreut, dass ich nicht ganz der einsame Rufer in der Wüste bin, sondern auch andernorts ein gutes Quantum Faszination feststelle. The dark under- and overtones aside, I was once even reminded of some great weeks with Stevie’s „Songs In The Key OF Life“ (obwohl ich diese Querverbindung sicher exklusiv für mich habe😉) …. ohne Frage mittlerweile eine TOP 5 Album am Nikolaustag, so begeistert bin ich.
Schön, dass dir Pan American und Björn auch so zusagen: fanatstische Alben, alle zwei. Für mich Pan American’s Meisterstück (und das will was heissen, würde Martina sagen, die Pan Am sehr gut kennt…😉)
radiohoerer
hhmmmhhmmm
… ich lese hier Empfehlungen für die Best of 2026 und wir haben gerade mal Mai .-.
Hier meine kurz gescannte Auswahl:
Sylvie Courvoisier Trio – Éclats; Live in Europe
[Ahmed] – Play Monk
Bill Callahan – My Days of 58
Fågelle – Bränn min jord
Immanuel Wilkins Quartet Live at the Village Vanguard Vol. 1
Jason Moran – Jason Moran plays Duke Ellington
Tomas Fujiwara – Dream Up
Shane Parish – Autechre Guitar
Tyshawn Sorey – Monochromatic Light (Afterlife)
Kristen Gallerneaux – LIFE DAY
Joe Henderson – Consonance Live At The Jazz Showcase, February 1978
[[Lieber Radiohoerer! Dasgibt es auf vielen websites und heisst gemeinhin „Best Of 2026 (so far!!!)“ – schöne Erweiterung der Palette, Henry! 😉]]
radiohoerer
Sorry:
Das hier … kommt definitiv in die Liste:
Mike Westbrook 1936-2026: The Piano In The Room And The Blues
https://mikewestbrook.bandcamp.com/album/the-piano-in-the-room-and-the-blues
[[Ergänzung von m.e. bzw. r.w,: a farewell to Mike Westbrook]]
ijb
Um Himmels Willen, seid ihr schon wieder beim Bestenlistenschreiben angekommen! Ich hab grad mal erst ne gute Handvoll Alben in diesem Jahr gekauft; eines davon, James Blake, auch schon wieder verkauft, hat mir leider nichts gegeben.
Von den 2026er Alben, die ich kenne, ist wohl Shards von Jason Moran, Marcus Gilmore & BlankFor.ms klarer Favorit. Und daneben die wunderbare LP Momoko von Momoko Gill (einige hier werden sie schon mit Alabaster DePlume oder Matthew Herbert gehört haben). Vor einigen Tagen habe ich über Bandcamp ein neues (unbetiteltes) Album von Suuns & Kelman Duran gekauft, das ich sehr unerwartet, spannend, eigenwillig, aufregend finde. Das gibt’s wohl nicht als physischen Tonträger, also habe ich seltenerweise mal ein Album rein digital gekauft. Die neuen CDs von Seefeel und Chris Potter habe ich beim Händler bestellt, sie sind aber bisher nicht angekommen. Ebenso freue ich mich auf die neuen Alben von Tricky und den Rolling Stones, die ich auch schon bestellt habe, auch wenn sie erst im Juli erscheinen.
Daneben sind meine 2026-Einkäufe:
Lucy Kruger and the Lost Boys’ neue (mindestens siebte) LP Pale Bloom (da wir letztens bei ihrem gewohnt hervorragenden Konzert waren, wo sie auch das gesamte Album gespielt haben, fand ich es angemessen, der Musikerin die LP direkt dort abzukaufen);
Mitskis auch schon achte LP, gewohnt empfehlenswert, auch wenn mir der Titel grad nicht einfällt, es ist eine Katze vorne drauf;
und die neue CD von den Gorillaz, einfach weil die so enorm gelobt wird, hab ich aber erst gestern spontan in einem Laden gekauft, kann daher noch nicht wirklich was dazu sagen.
Zuerst online angehört und dann zum „name your price“ heruntergeladen habe ich ein sehr spannendes elektronisches Album namens Echo Mist Light von jemandem, der sich „Wahn“ nennt.
Recht cooles Album, das sich vor allem hervorragend unter Kopfhörern macht.
Auch angehört habe ich mir übers Internet das sehr spannende Album Expo einer Band mit dem Namen Ulrika Spacek. Da überleg ich im Herbst dann, ob ich die vielleicht im Konzert besuche, da das noch überraschend wenig kostet. Die Musik erinnert wohl etwas an Radiohead, also die Radiohead ca. 1997.
Und dann bin ich sehr gespannt auf die neue, nun wirklich letzte Platte von Lee „Scratch“ Perry, die er nicht lange vor seinem Tod mit Mouse on Mars tatsächlich in Berlin aufgenommen hat. Die kommt wohl im Juni raus.
Und auf die neue Platte von Big|Brave, die allerdings erst nach unserem Konzertbesuch im Berghain erscheint.
PS: schon ganz vergessen: die neue LP von Lucinda Williams, „World’s Gone Wrong“, hab ich natürlich auch direkt gekauft.
Olaf Westfeld
Mein Album des Jahres ist bis jetzt „Autechre Guitar“.
Ist aber auch bisher das einzige Album aus diesem Jahr, was ich mir gekauft habe.
In den nächsten Wochen erscheint einiges interessantes: Visible Cloaks, Jaff Parker, Kiri Ra.
Dafür habe ich noch ein Album aus dem letzten Jahr gehört, was in meiner 2025 Liste ziemlich hoch gekommen wäre: Chopin & Scriabin Preludes von Mikhail Pletnev.
Und Momoko Gill ist notiert🙏, genau so wie Herr Gamadze🙏
ijb
Die LP von Jeff Parker ist schon draußen. Ich hab sie diese Woche im Laden gesehen und war kurz verführt, sie mitzunehmen. Allerdings geht’s mir mit Parkers Alben ein bisschen so, dass mir die zuletzt oft ein bisschen zu ähnlich scheinen, speziell wenn es Livealben sind. DIe letzte (mit dem Scharzweißcover) hatte ich auf CD gekauft, habe sie dann aber doch nur sehr selten angehört; der „Durchbruch“ steht bei mir noch aus.
Olaf Westfeld
Das letzte Doppelalbum läuft hier immer wieder mal. Eines meiner Lieblingsalben der letzten Jahr. Trotzdem geht es mir an der Stelle ähnlich wie Dir, bin mir nicht sicher wie dringend ich das nächste Parker Album brauche; wahrscheinlich dann doch irgendwann.
Michael Engelbrecht
Das letzte Doppelalbum läuft auch hier immer wieder mal, einzelne Seiten. Ich liebe das IVtet und auch das neue Teil. Hier ein paar Sätze aus einer klugen Rezi zum neuen JPIVtet, ich kann nur zustimmen:
Keep listening, however, and an increasingly sharp focus and sense of purpose permeate the proceedings, almost as if Parker and co. (bassist Anna Butterss, saxophonist Josh Johnson and drummer Jay Bellerose) had been conscious at the time of conjuring these craftily expanding and intensifying extemporisations on stage that there would be less room to capture their musical communion for posterity, and as such also less time for the idling that is usually an almost inevitable byproduct of creating music out of thin air, script-free, totally in the moment.
As a member of recently reactivated, Chicago-based post-rock originators Tortoise, Parker has considerable previous experience of generating sounds that hop gleefully over any restrictive genre barriers. Although rooted in improvisation, Happy Today is certainly recognisably ‘jazz’, but its unhurriedly evolving sides (clocking in at roughly 20 minutes each) also evoke impressions of ambient music, various post-affixed iterations of rock, funk and hip hop as filtered through funk, perhaps also – at a push – the appreciation for space and echo that characterises dub. Both tracks start slowly like a flame starting to take hold with a restrained and liminal, fluttering pulse around which Parker and Johnson (who has just produced one of the year’s other vibrant jazz-orientated gems, Flea’s Honora) exchange abstracted flurries of notes. The audience becomes an audibly thrilled fifth member of the band whenever Butterss and Bellerose land on a more steadily rooted groove, which renders the initially hushed, seemingly telepathic exchanges between the musicians into a collective effort to work up a muscular and hypnotic musical sweat.
There are records that share a similar steering aesthetic of bridging the divide between jazz and beats: Makaya McCraven’s recent Off The Record, notably. Happy Today’s defining drive to blur the genre divide entirely live, unedited and untweaked – with joyous, vibrant results – belongs to Parker and The ETAIVtet alone.
Michael Engelbrecht
Back to Asher Gamedze:
From The Boomkat Product Review:
Gamedze regards the process as a chance to explore „practices of assembly“ and that’s exactly what the album feels like to engage with. His „sonic and social memory“ of South Africa isn’t prickly and exclusive, it’s been engineered to embody the emotions and histories that encourage connection, whether that’s with the instrumental styles, vocal experiments or the lyrics themselves.
Plenty of digital ink has been spent over describing art that dreams of countering colonial oppression and Gamedze offers his treatise almost effortlessly, opening his home to anyone who might be interested. ‚A Semblance: Of Return‘ is undeniably accessible jazz, but it doesn’t sacrifice experimentation and forward motion – that’s its real triumph. If you’ve been following International Anthem over the last few years, this’ll hit the spot.
Text:
Excerpts from A Semblance reading group of Steve Biko’s “On Death” (available in the collection of Biko’s writings I write what I like, Picador Africa: Johannesburg, 2004) appear on “Stranger No Death”, “Progressive”, “Air”, and “Lowland.”
All other words, poems and lyrics on the album written by Asher Gamedze.
That Biko, Peter Gabriel once made known to a wider audience (!!!)
Michael
Back To Happy Now
https://www.treblezine.com/jeff-parker-eta-ivtet-happy-today-review/
Another insightful review that mirrors some of my thoughts and feelings on this fabulous quartet and adds some observations putting a smile on my face.
This new album is a bit more spaced out thanthe majestic double album of 2025, a different beat and beast in a good way. I luv it.
If we would have Nikolaus today, and only looking at Jazz Fuelled Albums, Asher Gambedze would be my surprisinh number one, Björn Meyer my number two, Happy Now my number three, and in the world of Jazz reissues, Art Ensemble’s People in Sorrow would be my number one, Bill Connors‘ Of Mist And Melting number two, and my number three would be an album of divine magic not really reissued except in my dreams, Under The Sun by the Human Arts Ensemble.
Thomas Pannhorst
Tolle Dynamik beim Listen erstellen, es bleibt immer etwashängen 😅
Ich fasse für mich zusammen: Shards und Autechre Guitar (trifft meine Begeisterung für John Fahey ) ergänzen meine aktuelle Liste.
Die Alben von Asher Gamedze und Jeff Parker stehen zum deep listening an.
Danke fürs Teilen.
radiohoerer
@ingo
Das ist ein tolles Video zur Musik von Shards!
Die Außenaufnahmen haben eine wunderschöne Atmosphäre, toll.
Die passen richtig gut zur Musik.
Das habe ich mir auch gleich notiert.
Auch Echo Mist Light gehört dazu.
Was die Shards betrifft, habe ich etwas Ähnliches für dich/alle:
https://radiohoerer.info/release-tipp-loom-thread-dispersion-macro/.
Ich finde es richtig mutig und stark, was die drei machen.
Unverhofft habe ich Daniel Klein getroffen und wir haben uns ausführlich über ihre Musik unterhalten.
Vielleicht treffe ich die drei in Leipzig.