Weekend Nourishment
Die letzte Schulwoche vor den Ferien liegt vor mir, Montag bis Donnerstag werde ich eine 10. Klasse nach Berlin begleiten. Museumsinsel, Bundestag, Gedenkstätte in Hohenschönhausen, Informationszentrum zum Holocaust und wahrscheinlich noch das Humboldtforum stehen auf dem Programm. Zwischendurch schaffe ich es vielleicht noch in einen Plattenladen – das Hostel ist in Friedrichshain, da gibt es eine gewisse Auswahl.
Hinter mir liegt eine sehr anstrengende Woche. Kurz vor den Ferien sind alle müde und kaputt, dazu musste ich noch ein Mitarbeitergespräch führen, dass eher fordernd war. Nichts gegen den Stress, den meine Frau gerade auf der Arbeit hat – dagegen war meine Woche ein Zuckerschlecken! Dementsprechend war die Stimmung im Hause Westfeld am Wochenende aber ruhig und gedämpft. Und zum Glück ist music ja bekanntermaßen the healing force of the universe. Seit Freitag lagen folgende Alben auf dem Plattenteller:
Henri Texier: Varech (Low End Theories) / Van Morrison: Common One (Before Spirit Of Eden) / Bengt Berger: Bitter Funeral Beer (Ethnomusicology) / Dino Saluzzi: Kultrum (Nightscapes) / Marthe Lea Band: Asura (Rites Of Spring) / Karate: Unsolved (Guitarworker) / Bark Psychosis: Codename Dustsucker (Nocturnal Sound Paintings) / Henri Texier: Varech (A second time: Jazz Au Lait) / Charlie Haden: Ballad Of The Fallen (Soul Food) / Kalma, Chiu, Honer: The Closest Thing To Silence (Close to silence, and other grooves)
Wüste

Zwei offenbar in Stein gehauene Gesetze des Filmgeschäfts trage ich seit Urzeiten mit mir herum:
- Teil 2 ist immer schlechter als Teil 1.
- Was ein Film über zwei Stunden dauert, ist zu viel.
Beides hat sich gestern in Pittsburghs „Manor“ wieder einmal bestätigt; ich kann’s nicht ändern. Ich gestehe, vor allem deshalb ins Kino gegangen zu sein, weil ich als bekennender Hans-Zimmer-Fan in erster Linie seine Musik zu Dune: Part Two in voller Multikanal-Pracht im Kino hören wollte. Zudem habe ich Dune: Part One durchaus gern gesehen. Der hatte seine Logik und war auch optisch ansprechend.
Seinerzeit beim ersten Dune-Film kannte ich die Musik schon, bevor ich den Film gesehen hatte, und ich konnte nicht recht etwas mit ihr anfangen. Das änderte sich erst, nachdem ich den Film sah. Zimmers Musik gehört, gerade mit ihren fremdartigen, zum Teil verstörenden Sounds, zu seinen stärksten Werken der letzten Jahre. Aber ich musste den Film sehen, um sie zu verstehen. Nun gut, das ist ja auch eigentlich die Aufgabe eines Soundtracks; er ist ja ursprünglich nicht für die Wiedergabe ohne den Film gedacht. Dass Zimmer gern mal Musik und Sounddesign miteinander mischt, kennt man spätestens seit Inception, und auch hier machte er davon sehr effektiven Gebrauch.
Zimmers Musik zu Dune: Part Two ist noch stärker verwoben mit dem gesamten Sounddesign des Films als im ersten Teil, wenngleich bestimmte, sofort wiedererkennbare Schlüsselklänge und -motive wieder auftauchen. Trotzdem wirkt sie weniger eindrucksvoll, sondern eher wie eine über den Film gespannte Kopie.
Der Film selbst ist natürlich — das weiß man eigentlich vorher — eine Sauce aus verquaster Mystik, gemixt mit Elementen aus Mantel-und-Degen-Filmen, Sandalenfilmen und Zukunftsschmonzetten. Frank Herberts Roman gibt es so vor, wobei das Verblüffende ist, wie hochentwickelte Technologie verquickt wird mit seltsam archaisch anmutenden Schwerter- und Dolchkampfszenen und anderen seltsamen Ritualen, die von den Darstellern mit einem Ernst zelebriert werden, dass man fast schon schmunzeln möchte. Auch mit kriegerischen, lautstark donnernden Massenaufmärschen ist der Film überfrachtet.
Ich kann mich erinnern, dass ich den Roman Anfang der 1980er gelesen habe und er mich schon damals nicht überzeugt hat. Wenn ich das laut sagte, wurde mir oft entgegengebracht: „Ja, aber da sind ja auch die ökologischen Anhänge, und die sind doch nun aber wirklich …“ Nein, sind sie nicht. Auch damals schon war jeder Gartenratgeber gehaltvoller.
166 Minuten also ständiger Krawall und pathetische Dialoge. Meine Tasse Tee ist schon das nicht, und dazu dann noch die latent irre Lautstärke, die sich in heutigen Kinos offenbar eingebürgert hat. Und wenn dieses ganze Getue dann, womit Regel 2 ins Spiel kommt, einfach nicht enden will; wenn sich eine Szene an die andere hängt, ohne dass die Geschichte nennenswert vorankommt, dann kommt ein Punkt, an dem ich mich dabei ertappe, wie meine Gedanken davonfliegen und zum Beispiel an den Herrn der Ringe andocken, oder an die Harry-Potter-Filme. Zumal Dune; Part Two dann, ich hoffe, man kann das ohne zu spoilern sagen, mit einem (noch dazu voraussehbaren) Cliffhanger endet.
Wenn ein Regisseur seine Story nicht in zwei Stunden unterbringen kann, dann hat er sie einfach nicht hinreichend durchdacht. Dabei bleibe ich.
Soviel zu Dune: Part Two.
„Module der wahren Freude“
The only way to learn Indian classical music, really, is by listening to it – over and over, until the shapes of the ragas are absorbed into your marrow until expression becomes automatic. Arushi Jain is a singer, pianist, and modular synthesist with an unorthodox vision of that centuries-old tradition – one that’s electronic, for a start, and resolutely DIY.
(Chai Ravens)

Die Möglichkeiten von modularen Synthesizern und anderen Signifikanten der Elektronischen und New-Age-Stimmungswelten der 80er Jahre sind facettenreich erforscht, mal etwas zu jauchzend und gefühlsselig, mal widerständig und innovativ. Arushi Jain versucht ihren „crossover“ als Gratwanderung zwischen diesen Polen. Als Basis für ihre neuen Stücke wählt sie den Bageshri-Raga und andere Idiome der klassischen indischen Musik, „was mal an Suzanne Ciani in ihren kosmischsten Momenten erinnert, und mal daran, was passieren könnte, wenn Boards Of Canada jemals ein Indo-Jazz-Album für ECM aufnehmen würden“. So sieht es jedenfalls der Musikkritiker Jason Anderson in der Aprilausgabe von „Uncut“. Mystisch verschwurbelt kommt sie ganz und gar nicht daher, auf dem Opus namens „Delight“. Ein kühnes Unterfangen, der reinen Freude auf die Spur zu kommen in diesen Zeiten. Ein famoses Album, das einen schnell reinzieht in immerneue Texturen, Empfindungen, Verwunderungen. Arusha Yain knows the yin and yang of things and is ready for, as one track is called, „playing in the abyss“.
Es gibt keine Nachrichten
Weder von Freunden in der Stadt, die Heimat war, noch von den stumm stehenden Gebäuden, die stets so viel erzählten, aber irgendwann ist auch gut, wenn Steine und kalter Sonnenstrahl beredter sind als die Hauptpersonen alter Jahrzehnte. Immerhin, das Schwimmbad in Hombruch hat noch seine scharfen Umrisse unter klirrendem Blau, und könnte jeden Moment, im frühen März, einfach seine Pforten öffnen für uns kühne Schwimmer im Eiswasser.Jaki Liebezeit und die „Secret Rhythms“
„Im Zentrum des Geschehens, wenn Can spielte, war Jaki Liebezeit. Die Intensität der Schlägelschläge verwandelte er subtil, und die Becken degradierte er fast zur Verbannung. (Mit der Hi-Hat war er einverstanden, aber das Crash und Ride wurden bestenfalls sporadisch geliebt. Wie er zu David Stubbs sagte, sind Becken „weißes Rauschen“.) Wenn man Liebezeit bei einem Stück wie „Mother Sky“ zuhört, merkt man, dass Muster, Melodien und Formen nicht die einzige Möglichkeit sind, musikalische Informationen zu vermitteln. Traditionelle Konzepte des Komponierens waren bei Can fehl am Platz.“ (Sasha Frere-Jones)Das was sie anzapften, wie der „elektrische Miles“, war eine andere Energie, die aus archaischen Quellen stammte. Rituelle Traditionen. The pagean, the secret, the sacred. Das zyklische Drumming. Von der alten, im Musikkritikerjargon gerne „legendär“ genannten, Besetzung traf ich in den späten Neunzigern und frühen Nuller Jahren, ab und zu Jaki Liebezeit und Holger Czukay. Mein running gag, wenn Olaf S. und ich dort auf einen Kaffee vorbeikamen: „Holger, wann kommt die Platte mit den Walfischen raus?“ Holger, der Storyteller, schuf ein famoses Solowerk, anfangs noch mit Conny Planck. „On The Way To The Peak of Normal“, mein privater Favorit. Jaki mischte mit, und wie!
Mit Burnt Friedman zusammen entwickelte Herr Liebezeit später ein anderes, wundersames „Alterswerk“, das kein Alter kennt. Diese Platten, die in aufsteigender Nummerierung „Secret Rhythms“ betitelt waren, sind heute so fesselnd wie in der Zeit ihres Erscheinens. Sie haben nie den „Legendenstatus“ erlangt wie alte Can-Alben, und verströmen doch eine vergleichbar hypnotische Kraft. Zudem sind die Klangaufzeichnungen der „Secret Rhythms“ kristallin, very natural, audiophile delights. Nonplace der Name des Labels. Jakis Spiel mit der „lieben Zeit“ ist „special-effect-los“, unaufgebrezelt, sachlich, „aufgeräumt“ – dabei betörend ohne Ende, in jedem sich schliessenden, öffnenden Kreis.

Als ich Jaki in einer ersten Fassung diesen, mit der jüngsten Ausgrabung aus dem Can-Archiv enhergehenden, Assoziationen „egoloses Spiel“ attestierte, hatte ich allein im Sinn, dass er jede Art von „showdrumming“ ausliess, mit dem manch andere Trommler einst so gerne ihr Ego aufbliesen. Auch in Begegnungen mit ihm gab es nichts Allürenhaftes. Burnt Friedman brachte es, vor ein paar Stunden, in einer Mail aus seiner neuen Hemat, Baião, Portugal, so auf den Punkt:
Jaki hatte ein starkes „Ego“, sonst hätte er viele radikale Positionen gar nicht vertreten können. Er war ein Künstler im eigentlichen Sinn, an der Sache orientiert, die er voll und ganz durchdrungen hat. So stand er ausserhalb der Kulturen, als Autorität (das ist der geeignete Begriff, nicht Ego). Ihm zu unterstellen, er hätte ohne Ego musiziert, oder ähnliches, ist eigentlich eine Begriffs–Verwechslung. Da ihm die Sache (die Musik, innere Einstellung, richtige Auffassung von Rhythmus, etc.) so wichtig waren, konnte er sie auch durch seine ausgeprägte Autorität im besten Sinne, als Autor vertreten u. unsterblich werden.
Time is running

The much-valued Kronos Quartet of San Francisco, which I recently had the pleasure to see live on stage, opens up a new chapter. There’s no way to call it anything else, as two of the quartet’s long-time members, John Sherba (violin) and Hank Dutt (viola) announced their retirement after more than 45 years. All the best to you, guys!
Changes in the quartet’s line-up happened from time to time; Kronos had a couple of cellists. The latest newcomer on the cello was Paul Wiancko. John Sherba and Hank Dutt will be replaced by violinist Gabriela Diaz and violist Ayane Kozasa; the only remaining „original“ member will be Kronos‘ founder and artistic director, David Harrington.
Kronos will not be the same anymore, but I’m sure the spirit will remain.
Winfrid Trenkler
Wie sehr man doch Menschen, Stimmen, vermissen kann, die einen einst durch Zeiten voller ureigener coming-of-age-Stories begleitet haben. Wenn man sie von einem Moment zum anderen wieder vernimmt. Aus dem Nichts, fast. Das hier war und ist so eine Stimme. Die von WinfridTrenkler. Die Algorhythmen meiner you tube-Sehgewohnheiten bescherten mir ein aktuelles Portrait, und das ging nah. Akustische Verankerungen von Lebenszeit. (Ein Nebeneffekt von Jans „Autobahn“-Buch: meine jüngsten Trips in alte Zeiten. Erst landete ich in Krautrock-Stories, dann in dem Bob Marley-Film „One Love“, und gestern Abend erst bei Winfrid, schlussendlich dann an einem Tag im Jahre 1985, und staunte nicht schlecht, als ich die Dolumentation „The Greatest Night In Pop“ (Netflix) erlebte. Unbedingt sehenswert!)

The childhood and teenager days, a land of strangeness and wonder. And thrilling music all around. Who still knows this album called „Magician’s Hat“? With that one track in which Bobo Stenson is playing the electric piano? Long time no listen. And such a long time I haven‘t heard Mr. Trenkler’s voice. From Jan R. I know thait it was him who shot the inside photo of Soft Machine‘s fantastic THIRD. And I still remember him (or Mike Ratldge in an interview with Winfrid) talking about the special organ noises of that band calling it „a wesp-in-the brain-sound“. It was definitely Winfried Trenkler who introduced me to Bo Hansson, and he is responsible for my obsession with „Lord Of The Rings“ (I preferred the album to those three books from Klett Verlag.) And so on. ROCK IN was a great radio show at WDR in the mid70‘s. Hearing his voice today for the first time again since one, two of his „Schwingungen“ hours presenting Manuel Göttsching‘s E2-E4 (I was impressed) followed by Cluster and Eno‘s AFTER THE HEAT (i was blown away), was special. And his story with Vangelis, wonderful.
Jan R. in den „Elektro Beats“
Das waren zwei kurzweilige Radiostunden, und Jan Reetze wunderbar präsent in Olaf Zimmermanns „Elektro Beats“. Mit seiner ruhigen Erzählstimmer liess Jan seine Faszinatiom für „Autobahn“ lebendig werden. Bei solchen Zeitreisen gerät jeder Hörer, ein gewisses Alter vorsusgesetzt, auf eigene, verschlungene Pfade – seine Erinnerungen triggerten meine: so, wie Jan damals im NDR regelmässig die Sendung „Das neue Werk“ hörte (was macht man mit Ligeti, wenn man 15 ist?), so stolperte ich eher zufällig (once upon a time in Dortmund-Kirchhörde), über eine Stunde im WDR über Neue Musik, in der eine kleine, wie im Nu verfliegende, Ewigkeit lang, seltsam hypnotisch getrommelt wurde. Ich war wie vom Donner gerührt, liess mich dann auf die Couch fallen, auf der ich im Sommer zuvor hundertmal „Sgt. Pepper“ gehört hatte. Es stellte sich heraus, dass ich Steve Reichs „Drumming“ lauschte – was die Tiefe des Erlebens angeht, kam allerdings kein erneutes Hören an das erste Mal heran. Ich glaube, das erging Jan mit Kraftwerks „Autobahn“ anders.
Ich habe noch ein anderes, sehr geschätztes Buch, das sich, vom Titel her, einem deutschen Kraut-Klassiker widmet, neben Jans Buch, und zwar Alan Warners „Tago Mago“ aus der Reihe 33 1/3. Der grosse Unterschied zwischen beiden Büchern: Alan Warner erzählt mehr autobiografisch von seiner Lust am Plattensammeln in den wilden 60er und 70er Jahren, als dass der Fokus streng auf Cans Doppelalbum liegt. Eine schöne Art, das Thema zu verfehlen. Letztlich mochte ich das aber genauso wie Jans Art, den Meilenstein aus dem Jahre 1974 von allen Seiten zu beleuchten.
Olaf Zimmermann führte uns Zuhörer souverän durch all die Originale und Coverversionen von „Autobahn“, und ich musste schmunzeln, als er wieder und wieder das Thema der Doppelstunde in aller Deutlichkeit umriss (das Buch hat ja auch einen langen Titel, das dauert). Ein gefühltes Dutzendmal erfuhren wir, dass es in den „elektrobeats“ um Jans „Liebeserklärung an ein 50 Jahre altes Album“ gehe. Und der Autor aus den fernen USA zugeschaltet sei. Der Grund dafür war wohl, dass man neben den vielen Stammhörern auch viel Laufkundschaft bei „rbb“ hat, die schlicht erfahren soll, wieso da permanent, vielstimmig, wieder und wieder, ein paar junge Männer davon sangen, auf der Autobahn zu fahren.
Der Link zum Nachhören: HIER

Aus diesem Anlass unternahm flowworker vor ein paar Tagen zwei Zeitreisen: Musikjournalist und Musiker Michael F. erinnert sich an frühe Kraftwerk-Konzerte. Und ich stelle meine 20 Lieblingsalben aus jenem Jahr 1974 vor. A propos alte Zeiten: nun ist ein weiteres Live-Album von Can erschienen, „Live in Paris 1973“, und der enthusiasmierte Kritiker in „Uncut“ ist nicht nur von der Improvisationskunst, sondern auch von der Soundqualität des Albums sehr angetan. Eins ist sicher: Jan R. und ich werden da nicht nur „reinhören“, wir werden da „eintauchen“. „Fifty-one years on, time has still not quite caught up with Can. Essential.“ Schreibt Tom Pinnock.
„Close to silence, and other grooves“ – talking with Jeremiah Chiu and Marta Sofia Honer
In den noch nicht so vielen Jahren ihrer Existenz hat sich International Anthem Records, Chicago, einen festen Platz in den Grenzzonen von Jazz, Elektronischer Musik, Fourth World und Ambient Music, sowie den aufregenden Zonen von New Age, Post-Rock und Post-Irgendwas gesichert. „The Closest Thing To Silence“ gehört schon jetzt zu meinen Lieblingsalben des Labels, in allerbester Nachbarschaft von Jamie Branch, Jeff Parker, Makaya McCraven oder Alabaster dePlume. Ariel Kalma, 77 Jahre, ein Klangsucher, der nach allerlei Jazzeskapaden in Indien seine musikalische „Erleuchtung“ erlebte, und heute in Australien lebt, ist der Dritte im Bunde, und dieses Werk wird als ein besonderes seiner Discographie betrachtet werden. Mit Jeremiah Chiu und Sofia Marta Honer an seiner Seite entstand ein so eigenwilliges wie betörendes Album, das das alte Spiel mit den Schubladen und Etiketten nur allzu rasch ad absurdum geführt wird.
Die elektronischen Pulse, die synthetischen Arpeggios, die natürlichen wie verwandelten Bratschenklänge, die spoken-word-Passagen, die Flüge auf dem Saxofon, hier fliessen allerlei Welten zusammen. Vielleicht symbolisieren die drei Kreise des Covers die drei Musiker, die sich der hörbaren Welt, und der Stille ringsum, widmen, in Kompositionen, die ein weites Feld emotionaler Schwingungen erforschen, und stets im Zentrum, der menschliche Faktor, kein Klingklang, keine leerlaufende Verspieltheit. Aber lassen wir Jeremiah und Marta Sofia zu Wort kommen, denen ich ein paar Fragen gemailt habe. Wir erfahren unter anderem auch etwas von einigen ihrer Lieblingsalben, ob von ECM, von Jon Hassell, oder von Komponisten Elektronischer Musik wie Alvin Curran und David Behrman.

How conscious was it to chose the title with that ECM association that many journalists have in mind when reading it, that old quote from a Canadian of „ECM being the most beautiful sound next to silence“? Has that ECM reference happened purely by chance…at least, with a bit fantasy, the saxofone lines at the very beginning sound like a distant echo of Jan Gabarek‘s sax style (flights in open space, kind of…)
in the March edition of „Wire“ one could read that Ariel lost most of his hearing abilities only still having a little bit of hearing in one ear, when using headphones. From reading that feature, I won the impression that he can very well accept his limitations that came with high age. How could he, apart from sending a lot of material from his archive, participate in the creative process, and maybe enjoy the results?
I don‘t want to discuss the history of New Age here. But, in short, New Age had always been criticized for musical naivities, the kitsch factor. Apart from being a matter of taste, there have of course been pioneers in that field from start on in the 70‘s, especially in the place you and Marta Sofia are so close to, geographically, the Bay Area in California… after your duo album on the Aaland Islands, do you see this new album as an extension of certain „new age“ roots, or is there a stronger connection to Minimal Music?
A connection that always rings a bell when listening to your album is „Fourth World Music“, that Jon Hassell expression looking for new link between modern studio and sound technology and ancient, „third world“ traditions… apart from his philosophical thoughts on a different „Coffee Colored Classical Music“ … has there been an absolute favourite Jon Hassell album that has been a constant companion in your life?
I have been listening to this album quite often now, from start to end… had the final sequencing of the pieces been hard work, or did everything fall in its place organically?
Back to the beginning: do you have, let‘s say, a personal history and story with ECM, one, two, or three favourite ECM albums? As a look at a small part of your listening history!
Another word about Ariel’s companions on „The Closest Thing To Silence“ – following the informations on Marta Sofia Honer’s homepage. The two met, appropriately, as members of a large ensemble performing Terry Riley’s “In C,” for an annual concert organized by Bitchin Bajas. Honer & Chiu had been living and working in Chicago for a long time, both active members of the notoriously interconnected improvisational and experimental music scenes, but they were somehow previously unintroduced. Chiu’s musical CV to that point included work with bands like Icy Demons and Chandeliers, but he was mostly known for his visual and graphic design work as Some All None. Honer had primarily worked as an instructor in Chicago, as well as a member of the ensemble Quartet Datura. In 2014, a year after their first collaboration, together, they decided to migrate to Los Angeles to continue developing their respective careers and crafts in sunnier climes.