• 16 (1971) – „We‘ll talk about it now“

    Vorgestern kam Wolfgang F. aus meine Klasse von 1973 zu Besuch, „der alte Schwede“, und ich erfuhr etwas, was der London-Film unserer Klassenfahrt mit Dr. Egon Werlich (hier seit den Jahren der Manafonisten wiederholt als bester Lehrer meines Lebens geadelt, neben Leonard Cohen), unterschlug. Als ich zu schnell, mit hohem Fieber, zurück in der Heimat war, trieben sich einige de Jungs in der Wardour Street rum, und erlebten Donovan live. Im Marquee Club. Das habe ich dann doch, mit dem Abstand von einigen Dekaden, betrauert. Es sollte genau zehn Jahre dauern, dass ich selbst wieder mal im Marquee auftauchte (nach Stramhammer im Jahre 1971), an einem regnerischen Wintertag. Jah Wobble and The Invaders Of The Heart. Aber Donovan: viele wissen gar nicht, was er für wundervolle Alben gemacht hat, und halten ihn für eine blasse Dylan-Kopie der einen Räucherstäbchen-Hipppe. Ich schweife ab.

    Ein Plattenladen in Paignton. EF-Ferienreisen. Sommer 1971 (ich bin dieweil unglücklich in Regina verliebt, eine Pfarrerstochter aus der Bittermark, und es entsteht, unter englischen Palmen, ein kleines Techtelmechtel mit einer baldigen Hockeyspielerin aus Neuss). Ich erlebe in einer urigen Fish’n’Chips-Bude den Dicken von Hot Chocolate – er scheint mir high zu sein.

    Ich wohne mit einem, der noch längere Haare hat als ich, in einem Zimmer eines sehr alten Hauses im ersten Stock. Sehr sympathische Gastgeber, ohne Groll gegenüber den Nachgeborenen des Zweiten Weltkrieges. Dann also vor diesem Plattenladen, Nase an die Scheibe gedrückt. Da drin, in der Auslage, der Anfang einer sich als sehr stabil erweisenden love affair, After The Goldrush, von Neil Young.

    Es wird meine erste Platte des jungen Young, und einen Tag später kann ich schon mit Neil „Tell Me Why“ im Duett singen, auswendig gelernt vom beiliegenden, krakeligen Textblatt. Die nette Familie stellt uns den Plattenspieler zur Verfügung. Gott, ist „Southern Man“ ein Hammer –  für mich ein antifaschistischer Song –  ich gehe dermassen im Sound auf, dass für Lyrikdeutung keine Zeit bleibt.

    Aber in der Auslage, neben Neil, steht noch ein Album, nur habe ich weder das Taschengeld noch den Übermut, es mir auch noch zuzulegen. Das Cover berührt. Etwas Uraltes, Urenglisches, Dublin 1916, Geschichtsunterricht, und drumherum, um so viel schwarzen Raum, hippie coloured portraits. Daheim in Dortmund schlage ich zu, vielleicht las ich eine begeisterte Besprechung in Sounds. Heute gilt es als Klassiker der englischen „Jazz-Rock-Historie“ (unangefochten meine Nummer 1 dieses Genres, „Third“ von Soft Machine). Vor Ewigkeiten kam mir Nucleus abhanden. Auf gefühlten 12 Umzügen. Haben sie je ein besseres Album gemacht?

    Mehr als ein halbes Leben später habe ich mir, vor einem Jahr, die Platte erneutbzugelegt. Mastered from the original analog tapesWe‘ll talk about it later. Von Nicleus. Und die Scheibe paclt mich immer noch in grossen Teilen. Später, auf mein Mixtape für Regina, kam dann aber nichts von Nucleus – ich versuchte es mit den Kinks, mit Genesis, und Neil Young, nutzte auch nichts – „only love can break your heart“.) 

    Ich war 17, hatte meine Baskenmütze auf dem Kopf, und sass auf einem Pier in Torquay. Ich sah auf die Palmen und hatte bis zu diesem Trip nach England nichts von den Palmen und dem Golfstrom dort gewusst. Vor mir auf der Kai-Mauer lag ein kleines Taschenbuch über das richtige Pfeiferauchen. Ich hatte alles Nötige dabei, und auch den Tabak meiner Wahl. Da es der einzige Tabak ist, den ich je in einer Pfeife rauchte, habe ich ihn nie vergessen: „Mac Baren‘s Mixture Scotish Blend“ verströmte einen süssen Honigduft, das Whisky-Aroma liess sich allenfalls erahnen. Er galt, wie ich las, als zungenfreundlich, ein Tabak, der langsam und kühl abbrennt, wenn er mit Bedacht genossen wird. Ich befolgte die Anweisungen zum Stopfen der Pfeife sorgsam, aber im Endeffekt scheiterte ich, immer wieder ging mir nach wenigen Zügen die Glut aus. Eine klare Niederlage. Wie in der Zeit davor, in der ich mir das Bridgespielen beibrachte, aus dem dann ein Solo für Vier wurde, weil kein Kumpel das Spiel lernen wollte. Ich hatte die Lektion gelernt, und mir später ein Buch mit Patiencen besorgt.

    Das alles kommt mir in den Sinn, weil gerade „Coral Island“ läuft, das neue Doppelalbum von The Coral: und wenn man auch nur das kleinste Faible für englische Küstenkäffer hat, sind bei diesem Album Zeitreisen garantiert. Echos von den Beatles bis Leonard Cohen, von den Small Faces bis zu den Kinks, aber doch eine ganz eigene „Geisterwelt“.

    Damals, auf diesem Pier in Torquay, als ich an der Pfeife scheiterte, ist noch etwas passiert, das ich nie vergessen werde. Ein grosser Hund mit Schlappohren, eine Promenadenmischung, kam zu mir angetrottet, kein Besitzer war weit und breit zu sein, und er hockte sich zu mir. Wir erzählten uns ein paar Geschichten, jeder auf seine Art. Er hiess Joe. Irgendwann signalisierte er mir, ihm zu folgen, und über einen Steg gelangte ich auf ein luxuriös augestattetes Boot. Klein, aber oho! Wir machten es uns dort gemütlich, er mit einem, Knochen, ich mit einem Fernrohr, das ich in der Kajüte fand.

    Dann muss ich eingeschlafen sein. Als ich aufwachte, waren wir auf offener See, und ausser dem Hund und mir war weiterhin niemand an Bord. Ich sah in der Abenddämmerung das Funkeln der Lichter der Küstenpromenade, und pure Freude durchströmte mich. Ich erkannte Fetzen eines Songs, wohl aus einer Jukebox, und aus weiter Ferne, „Mellow Yellow“ von Donovan. Wie kann ein Lied so unbedrängt aufs Meer hinaus fliegen? „…Born-a high forever to fly….A-wind-a velocity nil….Born-a high forever to fly…If you want, your cup I will fill…“ Aus meinem Rucksack holte ich ein Büchlein über das ABC des Bootfahrens. Wir waren gerettet.

  • “every dog has his day, and some even have two“


    In memory of Paul Auster. Ab und zu kommen mir kleine Lese- und Filmempfehlungen zu, von guten Bekannten, die wissen, dass zuweilen ein Liam Neeson-Actionfilm mehr Charme hat als ein zerebraler Problemfilm mit hölzernen Dialogen und dem Gewicht der Welt hinter jeder Gardine. Abends zum Abhängen. Die Kumpels wissen auch, dass kluge Hunde jedem Film förderlich sind. Also, „Honest Thief“ war richtig was fürs Herz, und spannend. Und ein cooler Hund kam auch darin vor, oder, besser, ein empathischer Hund. Am besten sind coole und empathische Hunde. Liam spielt darin den „In & Out“-Banditen, eine gar nicht so schlechte Liebesgeschichte ist auch noch dabei. Nicht so ein Quatsch mit Bindungsängsten. Vielleicht kennt ihr „The Art of Racing In The Rain“. Ein Hunderoman von Garth Stein (s.o.), mit Tiefgang und hohem Flauschfaktor. Die Hauptrolle wird von einem philosophischen Hund besetzt, der manche meiner damals im Proseminar hockenden Kommilitonen ziemlich alt aussehen lassen würde – jedenfalls ein ganz feiner Schmöker. Schon anspruchsvoll, wenn man nicht zu anspruchsvoll ist. Manche Menschen, die sich als sehr anspruchsvoll begreifen, haben einen an der Waffel. Paul Auster hat auch mal einen sehr feinen Hunderoman geschrieben, der kam in der seriösen Literaturkritik nicht so gut an wie bei mir. Paul Auster ist nun auch nicht mehr unter uns, mein liebster Auster-Roman war „Mond über Manhattan“. Ds bin ich wahrlich zwischen den Buchdeckeln verschwunden. Aber ich schweife ab. Es ist mal wieder Zeit für Laurie Andersons bewegenden Hundefilm. Und, keine Frage, der allerbeste Hund, der mir zuletzt begegnet ist, heisst „Wiley“ und begleitet John Sugar durch die Strassen von Los Angeles. In der vierten Folge, das kleine Gespräch von Colin Farrell und Amy Ryan im Auto, über das Traurige im Leben, und was es vielleicht sonst noch gibt – what a nice little dialogue! Ich weiss gar nicht mehr: hat Wiley hinten gesessen und den beiden zugehört? Sorry. Ich bin auch nur ein Mensch, und wie mir mein Sancho damals das Rauchen abgewöhnte, ist immer noch ein ganz herrlich auf den Hund gekommener Klassiker der Kurzzeitpsychotherapie.

    22. Juli 2015. Vor Langeoog. „People Take Pictures Of Each Other“. Der letzte Song von Seite Zwei, feine Vinylpressung, 2015 neu in Mono aufgelegt. Mono kann so gut klingen. Die Reise beginnt. Zuhause bleibt alles, was mediale Kommunikation ermöglicht. Nur das Handy für Notfälle (verirrt im Watt) – vier Tage, fünf Nächte, ein Buch. Das Auto bleibt auf dem Festland. Sancho und ich. Das Wetter bewegt sich konstant um 20 Grad herum, der Leuchtturm ist nicht so entlegen, wie ich es am liebsten habe, ich kenne ihn seit meinem achten Lebensjahr. Die Insel ist mir vertraut, überall Dejavues mit jüngeren Ausgaben meines Ichs, und all jenen, die lange fort sind, fast aus dem Sinn. Hier ist die Buchhandlung, in der ich Peter Rühmkorffs Gedichtband „Haltbar bis Ende 1999“ kaufte, dort ist das Cafe, deren Tortengrösse sich wohl seit den ersten Wallungen der Wirtschaftswunderzeit nicht verkleinert hat. Rumtorte, riesig, reine Nostalgie. Die Sandorntorte im Leiss. Pflaumenkuchenorgien. „Banana Split“ war in der alten Bundesrepublik mal so exotisch wie ein afrikanischer Klangtraum von Les Baxter in einem lang versunkenen Amerika. Der erste Stau auf der Fahrt in den Norden. Morgen der erste Sprung in die Wellen. Im Auto laufen The Kinks. Sancho liebt das Autofahren. Er träumt, wie ich herausfand, meistens in Farbe. Ein psychedelischer Hund. Ich würde mich jetzt gerne mit Ray Davies unterhalten. Ich bin träumendes Mitglied der „Village Green Preservation Society“. Es gibt einen kleinen Dschungel auf der Insel, mit Teestube. Die Dämmerung der Kindheit darf nicht verloren gehen.

  • Die gute alte Zeit der Doppelalben

    Mit dem Erscheinen der CD ging die Ära der klassischen Doppelalben zuende. Da waren dann andere Zeitformate möglich. Denke ich an die frühen Jahre, als Doppelalben noch Doppelalben waren, zurück, fallen mir meine persönlichen Favoriten ziemlich schnell ein: No. 1 – The Beatles: The Beatles (das „weisse Album“). No. 2 – The Allman Brothers Band Live At Fillmore East. No. 3 – Keith Jarrett: Staircase (am wenigsten bekannt in dieser Runde, aber mein heissgeliebtes Solopianostudiodoppelalbum). No. 4 wäre wohl Miles Davis‘ Bitches Brew (oder vielleicht doch Aghartha). Jedem mit Schallplatten Grossgewordenen fallen eigene favourites ein. Tommy? Miles Of Aisles? Tusk? Blonde On Blonde? Tales from Topographic Oceans? Get Up With It? Gestern hörte ich zum ersten Mal überhaupt ein Doppelalbum, das eigentlich keines ist, es passt locker auf eine CD. Und es stammt aus der Hochzeit dieses Tonträgers. Aber, zum 25-Jährigen, ist es nun eben als „Doppelalbum“ draussen, ein tolle Pressung von Optimum, Deutschland, ein fantastisch klingendes Remaster (vielleicht klang das Original auch schon toll, keine Ahnung), und vor allen Dingen habe ich auf Anhieb einen Narren gefressen an dieser späten Entdeckung! Wie anders ihre Stimme doch damals klang, so viel höher, und doch so ergreifend (auf andere Art) wie auf Beth Gibbons’ bald erscheinendem Soloalbum! Nun denn. Obwohl ich „Dummy“ von Portishead liebte, ging, wohl wegen meiner Skepsis, wenn das Symphonische zur Bearbeitung des eigenen Werkeverzeichnisses herangezogen wird, das Live-Opus „Roseland NYC Live“ (eine Aufzeichnung vom 24. Juli 1997) komplett an mir vorüber. Welch ein Irrtum. Sagenhafte Musik, von vorne bis hinten, ich habe mir sogar gleich die preiswerte DVD des Konzerts bestellt. Für Beth G., die so lange in diesen Songs gelebt hat gehört dieses Opus wohl zu ihren „lives outgrown“, für mich als neu gewonnenen Lauscher dieser facettenreich-alten Klangsprache, gewiss nicht. Wäre dieses Doppelalbum ein echtes Doppelalbum aus alter Zeit, es wäre mir ratzfatz eingefallen, und hätte seinen Platz in meinen Top Ten gefunden!

  • Sheltering Skies (2 – short review of double vinyl)

    27. Juli 1982 an der Cote d‘Azur. King Crimson touren mit dem neu formierten Quartett (Fripp, Belew, Bruford, Levin) durch Europa, meist zusammen mit Roxy Music, und machen Station in Fréjus. Wenn Platten besprochen werden, besteht ein wiederkehrendes Lieblingsmotiv der Musikkritk in dem Ausdruck „dead quiet vinyl“. Nun, diese 200 Gramm-Pressung kommt dem nahe – die komplette Aufnahme ist von roher Direktheit, hyperrealistisch fast, und wer die studiotechnischen Brillianz und Balance der drei Platten des Quartetts kennt, nimmt hier erst mal Adrian Belews Härte 10 auf der elektrischen Gitarre zur Kenntnis, in den ersten dissonanzfreudigen Minuten dieses Doppelalbums. Das klingt und ist knallhart, kein Schmeichler zum Auftakt, und kein Röhrenverstärker würde für mildernde Umstände sorgen. Aber die Ohren adaptieren die Wucht. Das Quartett belegt mit diesem Aufritt einmal mehr, dass King Crimson wohl die einzige Gruppe aus der Ära des Progressiven Rock war, die sich vom Punkvirus äusserst kreativ inspirieren liess. Obwohl Robert Fripps neue Kompositionen einmal mehr ausgeklügelt, detailversessen und anspruchsvoll sind, wird hier rein gar nichts notengetreu abgeliefert. Oder makellos reproduziert. Alles kann jederzeit Feuer fangen. Und fängt Feuer. Deswegen macht hier auch eine andere Lieblingsformel der Musikkritik Sinn: play it loud!

  • Marlen

    »Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält, oder ein ganze Reihe von Geschichten.« (Max Frisch, Mein Name sei Gantenbein) „I can still see the fire burning“ (Ron Wood und ich, 1974)

    Bevor ich von Münster nach Würzburg umzog, also von den Philosophen und Germanisten zu den Psychologen wechselte, waren ein paar musikalische Erdbeben schon hinter mir, und ein paar Verliebtheiten. Bis zu meinem 21. Jahr machte ich niemals Fotos von den Mädels, die ich umwarb, mit denen ich ging, oder die mich im Regen stehen liessen. Und spöter auch so gut wie nie. Wäre ich zu Gast in einem Marcel Proust-Seminar, ich würde 25 kleingeschriebene Din A4-Seiten über „Marlen and me“ zuwegebringen, ohne Erfindungen. Ein kleiner Roman hätte es schon werden können.



    Umso verblüffender, dass ich nun in einer Dokumentenkiste, versteckt in einem Diogenes-Krimi (in genialem Schwarzgelb) meine einzige, viel zu kurze, Liebe aus Münster fand. Ihr Antlitz. Sie war superintelligent, superheiss, und hatte super Humor. Sie war drei Jahre älter, meine erste Fesselkünstlerin nach Emma Peel, und ausserhalb besass sie eine Schlagfertigkeit, die ich mir erst später zueigen machte. Achachach – ihre sanfte Dominanz ein Märchen aus 1001 Nacht. Leider war sexuelle Treue nicht ihr Leitmotiv, und Ich habe sie nie wieder gesehen. Dieser Schnappschuss lockt viele Momente vom Februar und März 1974 hervor, bunte Puzzleteilchen, ich sehe ihr Treppenhaus vor mir, ihr Badezimmer, ihre Räucherkammer, ihre Leonard Cohen-Platten (sie kam unmittelbar aus einem seiner Songs) – und ihre perfekten langen Beine, die mich in der Unendlichkeit berührten, zumindest zuweilen. Thank you for the nights! Erstmals war ich ein vorübergehend glücklicher Brötchenholer am Morgen, ein leicht liebestrunkener Jean Pierre Leaud. Und mir selbst ganz nah.

  • Stiff

    I wanna be thin
    I wanna be small
    I wanna be pinned up high and studied on the wall

    I wanna be sold
    I wanna be fit
    I wanna be there.

    I wanna be hooked
    I wanna be base
    I wanna be served up lightly dressed and on a plate

    I wanna be cut
    I wanna be dried
    I wanna be there.

    I wanna be changed
    I wanna be rode
    I wanna be made to handle very heavy loads

    I wanna be his
    I wanna be hers
    I wanna be theirs
    Ooh ooh ooh ooh ooh ooh
    Ooh ooh ooh ooh ooh ooh.

    I wanna be held
    I wanna be schooled
    I wanna have every plea for mercy overruled

    I wanna be milled
    I wanna be rolled
    I wanna be there.
    Ooh ooh ooh ooh ooh ooh
    I wanna be there.
    Ooh ooh ooh ooh ooh ooh
    I wanna be there.
    Ooh ooh ooh ooh ooh ooh
    I wanna be there.
    Ooh ooh ooh ooh ooh ooh
    I wanna be there.
    Ooh ooh ooh ooh ooh ooh
    I wanna be there.
    Ooh ooh ooh ooh ooh ooh
    I wanna be there.

  • Die Jazzfakten vom 4. April (revisited)

    Es gibt keine Zeitbeschränkung bei diesem Link. Ich hatte bei der Produktion gute fünf Minuten zu kürzen, was mir selten passiert. Hier waren jedoch schmerzhafte Schnitte nötig: „Killing your sweetest darlings“ heisst hier der besinnliche Spruch dazu . Ein Oton von Fred Hersch fiel raus, und im Zentrum hatte der Tontechniker Martin Hoffmann den Ausschnitt von Alice Coltranes Darbietung von „Africa“ so weit zu kürzen, das man direkt im „finale furioso“ landet, und nicht jene Passage miterlebt, in dem sich das Ende aus einem herrlichen Groove der beteiligen Bassisten herausschälte. Ein anderes Stück Jazzgeschichte zapft Fred Hersch an, wenn er auf seinem Album „Softly as in a morning sunrise“ spielt und, im Gespräch, Sonny Rollins‘ Version aus dem Village Vanguard als Referenz angibt. Dieser Klassiker wird in Kürze neu aufgelegt, et voila, erst die JazzFacts, dann eine Zeitreise mit Mr. Rollins ins Jahr 1957…


    Kahil El‘ Zabar‘s Ethnic Heritage Ensemble: Open Me, … 
    Fred Hersch: Silent, Listening  
    Beitrag 1 von Michael Rüsenberg („Destination Unknown“) 
    A. Kalma
    J. Chiu, M.S. Honer: The Closest Thing To Silence  
    Live At Carnegie Hall (1971) – Impulse (A. Coltrane)
    Shabaka: Perceive Its Beauty, Acknowledge Its Grace 
    Beitrag 2 von Karl Lippegaus  (Jason Weiss: Listenings)
    Fred Hersch: Silent, Listening  
    Charles Lloyd: The Sky Will Be There Tomorrow

  • “A painted horizon“

    „There‘s a real sense of being repeatedly slammed up against mortality by biology, especially on the salt-scoured „Oceans“. Gibbons sings of ovulation, and exhaustion, in an unusual porous, chalky register, the song ending with her sinking to the (rock) bottom of the sea, „not afraid any more“. If that all sounds bleak, it is. Yet „Lives Outgrown“ is also very beautiful not least when  Gibbons quietly sings „it‘s not that i don‘t wanto to return“, on Floating On A Moment‘s contemplation of death.“ (Victoria Segal, Mojo, June)

    From the start, all of her works have been collaborative. In the very early days when strolling through small venues and pubs, she often relied on a repertoire of classics, made famous by Nina Simone and Janis Joplin. Later on, in the Portishead years (that perfect trio with Barrow & Utley), the silences in between, and, after the fractured blow away zone of „Third“, out of another nowhere, „Out Of Season“, the album with Paul Webb aka Rustin Man. At last singing Gorecki – all teamwork: the intricacies of her voice, the surrounding sounds, the immaculate productions.  Landscapes she‘s been moving through. The urban darkness. The dystopia, the hometown. The hinterland. Between  „Dummy“ and „Out Of Season“ a archaic sort of melancholia took center stage, strangely uplifting, elevating. All the way through she led a reluctant life, never hurrying for fame. And now, after a career spanning three decades and more, her first proper solo album, and it comes a long as a sort of farewell.

    It took her (and her fabulous companions, former Talk Talk drummer Lee Harris, producer and multi-instrumentalist James Ford, and a well-chosen crew, Raven Bush on cello and violin amongst them) ten years from first sketches to final mixes. Beth’s singing now reaching out so far and deep – not heard that vocal range before. Hypermelodic and far, far out at the same time. Restrainment and passion all over the place (clash of polarities). From a distance, vibes of „The Wicker Man“ and ancient incantations . „Lives Outgrown“ is a unique achievement of kindred spirits, the darkest campfire chamber music we may have heard in quite a while. The listener will soon realize that James Ford’s sophisticated, lush arrangements do not simply embellish the songs artistically, but rather add a second, third layer to them, the famous double bottom, counterpoints, subversive vibrations.


    The old stuff laid bare: grief, growing old, losses (and what change is gonna come after sleepless nights for too long). The beyond of the everyday. „On the path / With my restless curiosity / Beyond life / Before me …“ The most „progressive“ instruments: a mellotron, an oscillator, and an electric guitar. Floating lines (on the verge of breaking apart). Passages close to catching fire (and catching fire). The glow, the gloom. Under that nearly controlled delivery of Gibbons‘ singing a high wire tension, most of the time. No involvement of cozy nostalgia, of things coming to rest – in spite of the last song, an invocation of nature and peace of mind, like a dream, at least traces of acceptance. What a terrific work. The most honest review: a painted horizon.

  • Magisches Quartett

    “Deine Jazzfakten haben uns viel Geld gekostet. Wir haben alle Platten bestellt, bis auf Ariel Kalma, die hatten wir schon. Und was du hier so über „Lives Outgrown“ schreibst, hat nun dazu geführt, acht Cds und zwei Schallplattenversionen zu bestellen. Wir machen es wie du, das wird unsere Geschenk für ganz bestimmte Freunde. Natürlich kennen wir die Portisheads…. Da können wir schon einschätzen, wer sich auf die Stimme einlassen kann. Du schriebst uns, du hättest ein Interview angefragt, mit Beth, mit dem Talk Talk-Trommler, mit James Ford. Das wird aber schwierig. (….) Solltest du nach England reisen, und Beth treffen, kämen wir gern mit, und ich wäre die stille Fotografin. Braucht man für England ein Visum? Ich könnte bei „Brigitte“ nachfragen, die hätten bestimmt Interesse. (…) “ (S.L.)

    Liebe S, das wäre was! Leider wird Beth definitiv kein Interview geben, auch „Brigitte“ hätte keine Chance. In solchen Verwertungskategorien denkt sie, wie du vermuten kannst, überhaupt nicht. Und je mehr ich in die Musik eindringe, desto klarer wird mir, dass es hier mehr Gründe als bei früheren Alben gibt, keine Interviews zu geben. Die beiden anderen sind angefragt, aber Lukas, der als PR-Mann von Domino so hervorragend bei Julia vorgefühlt hat, ist auch hier aktiv, wies aber noch gestern daraufhin, dass der kleine Zirkel um Beth, Lee Harris vor allem, extrem zögerlich ist, was Öffentlichkeitsarbeit angeht. Und dann werden es höchstens Phoner werden, oder ein Zoom.

    Es ist witzig, dass ihr euch jetzt, nach einem halben Jahr in der Bretagne, wieder meldet, ich hatte euch zuletzt, auch schon wieder länger her, den lange abgelaufenenen Link zu Michael Franks Milestones-Sendung geschickt, und ihr seid soooo begeistert gewesen von Julee Tippetts‘ „Sunset Glow“ von 1975. Nun sind 2023 und 2024 (bald!) zwei britische Milestones hinzugekommen, P.J. Harveys „I Inside The Old Year Dying“ und Beth Gibbons „Lives Outgrown“. Vor ein paar Tagen gab es dann die Lieferung – als Doppelalbum – von Julie Tippetts‘s 1999er Solo „Shadow Puppeteer“, das mir damals entgangen ist, sonst wäre es wieder und wieder in den Klanghorizonten gespielt worden. Betörend. Bis bald, M.