Kurzgeschichten aus Tahiti, mit Posaune und elektrischer Gitarre
Bonjour Michael.
Merci pour l’intérêt que tu portes à notre musique.
Et merci pour ces questions qui m’ont replongé dans l’écoute et le souvenir de cette journée de studio partagée avec Christelle.
Je vis à Tahiti depuis 25 ans et Christelle souhaitait profiter de son premier voyage (j’espère que ce ne sera pas le dernier) pour venir partager un moment musical avec moi (sous les conseils d’un ami commun).
Je lui ai proposé que nous nous rencontrions directement en studio. Sans idée de départ nous avons simplement conversé.

Patrick Guerlain, notre ingénieur du son est un élément moteur. Son écoute nous a porté tout au long de cette journée.
- Le studio se situe dans un endroit formidable de Tahiti, sur la Presqu’île. On est ici en Polynésie Française. Christelle et moi avons traversé toute l’île en voiture pour arriver dans cet endroit magnifique. La route côtière de la côte Est garde un aspect très naturel. Les plages de sable noir, les vagues, la végétation, la montagne… Christelle s’émerveillait de tout lors de notre trajet. Et enfin nous sommes arrivés dans ce superbe studio et avons bénéficié de l’accueil et de l’écoute bienveillante de « Patou ». Un endroit, un moment hors du temps… qui a donné naissance à cette rencontre musicale improvisée: poétique, apaisée. Un véritable moment d’échange et de découverte de l’autre et de soi. Les premiers sons de l’album correspondent aux tous premiers sons que nous avons partagé Christelle et moi. Nous ne nous étions jamais entendu l’un l’autre, précédemment.
- La couverture a été réalisé par Oscar Descamps. En effet, elle est drôle… elle a été un inspirée des tatouages réalisés par l’un de ses amis: Ateanui. Elle nous situe Christelle et moi, petits, humbles, aux pieds de la Tradition, Des traditions: du passé, de la transmission mais également de la liberté. Nous nous affranchissons, avec irrévérence de ces traditions même si nous l’avons en nous. Et que nous l’aimons… Vaste thème.
- Ce n’est pas moi qui ai écrit ce texte. On doit cela au Label Cleanfeed. Mais comment décrire ce chemin hors-piste de l’improvisation ??? C’est une jolie question. Aucun chemin ne se ressemble. Dans le cas présent, l’échange musical avec Christelle m’a semblé être un dialogue, un propos d’une grande sincérité. Un échange sans volonté de s’imposer à l’autre. A l’écoute j’entends une forme de courtoisie constante. On joue ici notre liberté, avec plaisir et sans contrainte, sans crainte car chaque faux-pas sera respectable. On prend ici le temps de chercher pour trouver, sans G.P.S. Trouver un ailleurs, loin de tout.
- Haere: passé l’introduction, Christelle m’a proposé une pulsation hypnotisante sur laquelle il m’était impossible ne pas faire chanter mon trombone. Cette notion d’échange a toute sa place ici, puisqu’en conclusion c’est Christelle qui conclue ce morceau, mélodiquement.
- Hiro a Hina: on étire, on accélère le temps musical: un chewing-gum métronomique où l’on se retrouve tous deux. Christelle développe un petit interlude. Et ensuite on se retrouve comme dans une comptine surréaliste. J’aime beaucoup ce moment, fragile, sensible. On marche là sur un fil poétique
Et voilà. n’hésite pas si tu as d’autres questions.
très cordialement
JérômeMonthly Revelations (July)
Diesmal fast nur ein „Bilderbogen zum Schmökern“. Und das Verstörende im Zentrum (TALK): ein Gespräch mit Jonathan Glazer über sein Meisterwerk „The Zone Of Interest“: „Wir fürchten uns davor, in den Tätern ganz normale Menschen zu sehen“ (mit freundlicher Genehmigung der SZ, vom Februar 2024). Drumherum, zum Entdecken und Wiederentdecken, zwei Bücher (eines über das Label ECM, und ein alter Lyrikband, der auch ein Bilderband ist), eine deutsche TV-Serie, die zurecht Geschichte geschrieben hat, ein alter Film vom Francois Truffaut, und zwei aussergewöhnlche Alben: Eric Chenauxs „Delights of my Life“ (ich liebe dieses surreale Trio!) kommt auch in den JazzFacts Anfang Juli vor – Ank Anums „Song Of The Motherland“ ist nicht nur, aber überwiegend ein spoken word-Album von 1985, das Shabaka Hutchings neu remastern liess und soeben auf „Native Rebel Recordings“ wiederveröffentlichte. Ein nyabinghi-Ensemble sorgt für rein akustischen background – wer die elektrifizierten Alben von Linton Kwesi Johnson wie „Bass Culture“ mochte, wird hier aus dem Staunen so leicht nicht rauskommen. Hinter Ank Anum steckt übrigens der Vater von Shabaka. Ich hoffe, diese „reissue“ in meine Klanghorizonte Ende Juli schmuggeln zu können. Radiokunst von Lorenz Edelmann gibt es demnächst auch im Radio, wir berichten…Spurensuche
28. Oktober 2021. Der Toyota sprang an, und exakt in der Sekunde fingen mich die ersten Töne eines Liedes ein – „das kenne ich doch“. Sobald die Stimme einsetzt, das wusste ich, wäre ich in dem Song drin. Nun war dieser Anfang mit seinen ruhig gesetzten Akkorden auf der Akustikgitarre viel zu verhalten, um sofort das Deja-Vu zu produzieren. Und dann erzählte Donovan von Atlantis. Es war wie früher, als ich das Lied so viel öfter gehört habe – der gesprochene Teil ist der fesselndere, die Melodie in ihrer leicht trunkenen Benommenheit ein bisschen zu schwelgerisch im Abgang, im fade-out. Ein Gassenhauer halt – im Sommer 64 oder 65 hatte ich noch einen Blutsbruder, und wir sangen den Refrain von Atlantis lauthals um die Wette und legten noch etwas mehr Greenhornteenagerpathos hinein. Wieso man solche Momente erinnert, mit diesem berühmten „als-wäre-es-gestern-gewesen-mindset“. Sunshine Superman hatten wir auch im Programm (in halb konfabuliertem Englisch).
Als ich Mattes vor ungefähr zehn Jahren mal ausfindig machen wollte (ich hatte viele Male versucht), endete die Suche im Telefonbuch, und an der alten Klingel des einstigen Nachbarhauses. Unbekannt verzogen, heisst es ja, im Leben oder anderswo. Aber ein sehr altes Paar hörte ich an jenem Tag in unserem alten Siedlungshaus rumoren, die Eltern der schönen Gabriele, die sieben war, als ich sieben war (und immer von der „Farbenfrau“ träumte, die mich allnächtlich in Serienträumen umarmte, am Rande eines Swimmingpools). In meiner verschwommenen Einbildung hätte ich zu gern das Kopfkissen mit ihnen geteilt, mit Gabi und der Indianerin. Und zu dritt auf dem Transistorradio Donovansongs gelauscht. Ganz real war hingegen die riesengrosse Märklin-Spielzeugeisenbahn von Matthias, am Fuss der blauen Berge.
21. Juni 2024. Noch am Meer mit dem ultramarinblauen Himmel, erreichte mich das weiter unten abgebildete Foto. Die Suche nach meinem Blutsbruder nahm Fahrt auf. Kaum war ich nach Ewigkeiten im Schwimmbad meiner Kinderjahre aufgetaucht, um die unerwartete Stille mit dem Stimmengesang eines fernen Jahrzehnts zu überblenden, stiess ich auf die Telefonnummer von Michael Z. Früher gab es sie nicht, verständlicherweise, als er noch Polizist war. Unsere Wege trennten sich damals, mit einem Umzug in eine andere Siedlung, und meinem Antritt auf dem Gymnasium. Nicht sofort, aber nach zwei, drei Jahren wurden die Besuche weniger, und Mattes und ich waren dem Alter der tollkühnen Streiche, der unschuldigen Popsongs, entwachsen, und träumten von Phänomenen, deren Wesen uns grundlegend unbekannt war.
Nun also schickte mir Michael Z. dieses Bild von der neunten Klasse der Brüder Grimm-Schule, und ich erkannte auf an Anhieb einige Gesichter, den späteren „Schupo“ ganz rechts, Mattes in der letzten Reihe, die mich als Kind seltsam faszienierrnde Margarete S. mit dem Archetyp aller Ponys. Natürlich fragte ich nach. Margarete und Helge lägen schon lange auf dem Friedhof, vernahm ich, und von Matthias hätte er ewig nichts gehört, aber da er die Todesanzeigen regelmässig lese, sei er guten Glaubens, dass er immer noch in einem dieser Reihenhäuser an der Hagener Strasse wohne, und ungefähr beschrieb er mir die Lage. Er habe seine Jugendliebe geheiratet und deren Namen angenommen. Im Örtlichen Telefonbuch fand ich nichts, die in Frage kommenden Häuser sehe ich auch ohne google earth lebhaft vor mir. Mitte Juli werde ich dort von Tür zur Tür gehen, und hoffen, meinen besten Freund wiederzufinden.

Back to the Sixties.– Das Loch da, das nehmen wir.
– Wo?
– Tomaten auf den Augen? Da!
– Jau, knorke!Damals fand Mattes die von einer Metallzange aufgeschnittene Öffnung im Zaun. Wir stahlen uns am Ticket-Stand vorbei (damals hiess das „Kartenhäuschen“), kletterten durch das Loch und sparten uns das Taschengeld. Der FV Hombruch kam nun nicht annähernd heran an unsere früh erwachte Leidenschaft für den BVB, aber wir waren kleine Schlingel und ergriffen frech die Gelegenheit, Dortmunder Fussballwelten zu erkunden. Wir kannten die großen Helden nur aus Radio und Fernsehen, der erste Besuch im Stadion Rote Erde stand noch aus. Aber wir konnten schon den Twist tanzen.
Flanieren, mit einem besonderen Blick für Pfirsiche

Auf dem Weg zurück nach A., legte ich „Sushi. Roti. Reibekuchen.“ mit J. Peter Schwalm, Brian Eno und Holger Czukay in den Cd-Player meines Toyotas, brauste über die Autobahn, und fühlte mich an ein paar warme Augusttage des Jahres 1998 versetzt. Irgendwo schwirrt noch die Aufnahme meines damaligen „public talks“ mit Brian herum, der während seiner „future light-lounge proposal“-Multimedia-Installation stattfand, in der Bundeskunsthalle Bonn. Eine Passage des Gesprächs könnte ihren Weg finden in meine Klanghorzonte am 26. Juli. On va voir. Die hier auf der CD dokumentierten Sessions erhielten eine dezente Portion von leicht abstraktem Funk dank zweier Mitglieder von Schwalms damaliger Formation „Slop Shop“.„On a hill, under a raven sky / I have no idea exactly what I’ve drawn“ (Brian Eno, Spinning Away)
Es war, nach 25 Jahren, Enos erster Live-Auftritt, allerdings ohne grosses TamTam als Ambiente dargeboten zu erstklassigem Futter. Solch köstliche Roti bekam ich erst Jahre später wieder vorgesetzt, in Dishoom’s, 2, Upper St. Martin Street. Jan Bang kennt den „Inder“ auch. Bei diesen Jams mischten sich ausgehdehnte Suchaktionen, mal irrlichternd, mal leerlaufend, mit rundum erfüllten Passagen. Holger Czukay hatte seine Freude am Einstreuen obskurer Sprach-Samples, und all dem, was sein Weltempfänger aus dem Äther fischte. Und so nahm diese aussergewöhnliche „Dinner Music“ ihren Lauf, der erst nach Stunden von der Polizei der Stecker gezogen wurde. Das wird jetzt nicht unter meinen Top 25 von Brians Werke-Verzeichnis landen, ist aber, in der richtigen Stimmung, lustvolles Hörfutter, zum Beispiel bei langen Nachtfahrten („under the night sky of Arles“, oder sonstwo). Lesenswert die Liner Notes von Wyndham Wallace, der das Geschehen musikhistorisch klug einzuordnen weiss.
„To boldly go where no one has gone before“
(Captain Kirk, Raumschiff Enterprise)Solche Expeditionen ins Unbekannte wird man eher mit Brian Enos élan vital verbinden, als mit meinem morgigen Trip an die Côte d‘Azur, nahe Hyères. Ein wenig hat mir das Katja Eichingers Reisebüchlein „Das grosse Blau“ eingebrockt. Es ist schon speziell, wenn man diesen besonderen Erdwinkel zwischen Glamour, Reichtum und traumschönen Landschaften vorrangig aus Bildender Kunst, Erzählwerken und Filmen kennt. Ich habe mir ein ganz kleines Häuschen gemietet (die obere Hälfte), direkt am Meer (wahrscheinlich die Langzeitresonanz von Lajlas Finca auf Hiero), fernab von allem Rummel. Kein Nizza, kein Marseilles, kein Flowworker-Blog. Die Cds sind rasch zusammengestellt, neben Beth Gibbons und John Cale ist noch William Parker dabei. Enos „Thursday Afternoon“. Dies und das, handverlesen. Und, sowieso, en voyage a la France, Jacques Brels letztes Album (das mich schon mehr als ein halbes Leben begleitet) – so erhält mein eingerostetes Französisch etwas Schwung.
„Down at the beaches, just looking at all the peaches.“
(The Stranglers, Peaches)Das seltsame Ende einer Müdigkeit

„It’s a lot like magic / It’s a lot like friendship …“ Auf der Autobahn in die alte Heimat legte ich die Cd „Poptical Illusion“ von John Cale ein, und freute mich über die Kraft, die seine Stimme und Songs immer noch verströmen. Satte Rhythmen umhüllen seine sonore Stimme, die ohne Verzagen einmal mehr alte Träume und Dämonen aufsucht. Ich war auch auf einer Mission, allerdings sehr viele Nummern kleiner gelegt, in Richtung der Räume der Kindheit.Ich betrat das Schwimmbad namens „Froschloch“, in dem ich früher manchmal mit meiner Mutter unbeschwerte Nachmittage verbrachte, mit flirrendem Kinderstimmensingsang. Solch ein akustisches Lufttheater höre ich heute nurmehr auf Platten von Boards Of Canada als schemenhafte Spuren uralter Zeiten. Das Schwimmbad, in dem ich zuletzt vielleicht 1966 war, war trotz 19 Grad Lufttemperatur und Sonnenschein überraschend leer – ich erkannte alles wieder, die feinsten Wellungen der hügeligen Wiesen, die Areale für die Spielplätze, der renovierte Bau seitlich, der heutzutage als Jugendherberge dient, wie ich beim Bademeister erfuhr. Das Wasser wurde nicht erwärmt, und brachte es nach diesem sonnenarmen Frühling auf gerade mal 18 Grad.
Die Strand- und Strandkorbanlage gab es damals, 1963, noch nicht, ich machte es mir bequem, und mir kamen 1001 Bilder und Tonspulen aus der Mitte der Sechziger Jahre in die Sinne, und wie oft ich in letzter Zeit an Matthes dachte, meinen Blutsbruder, mit dem ich meine vier ersten Schuljahre teilte, und mit dem ich an einer Bushaltestelle an der Harkortstrasse in Hombruch paralleles Nasen-An-Schaufensterscheiben-Drücken ausübte, auch, um noch näher an die aushängenden Singles heran zu kommen, es durften gerne Adamo sein und Manuela. Die zwei Stunden im Schwimmbad vergingen wie in einem Traum, wehmütig, surreal. Wo war das Portal, mit dem ich durch die Zeit springen könnte? Ich notierte die Namen, die mir einfielen, ich liess Erinnerungen schweifen, googelte Namen, glich sie ab.
Mattes kommt gleichsam durch eine Hintertür, als Verlustmeldung, sobald ich in den alten Strassen auftauche, die Mädels würden kaum unter ihrem ersten Namen firmieren, und dann stosse ich auf eine Spur: Michael Z. (ein seltener Name, und verortet heute unweit seines damaligen Kinderzimmers in der Grotenbachstrasse). Nun ist es nicht so, dass wir so dicke miteinander waren wie Mattes und ich, aber er war oft dabei, als wir die Siedlung am Weissdornweg in ein Terrain des Wilden Westens verwandelten, Spiele spielten, für die mir die Namen entfallen sind. Manchmal kauften wir an der Bude Fotopäckchen, und ich erinnere mich an eines, auf dem das Wrack des abgestürzten Flugzeugs der Mannschaft von Manchester United zu sehen war.
Ich wählte die Rufnummer von Michael Z., nannte meinen Namen, liess alle Kindheitsstoffe aussen vor, und bat um Rückruf. Die Müdigkeit, die ich seit der schlafosen Nacht in Brüssel immer wieder bleiern spürte, war wie weggeblasen, ein kleines Fenster hatte sich geöffnet auf der Suche nach meinem Blutsbruder von 1963. „Can I close another chapter / In the way we run our lives…“ (John Cale, How we see the light)
Vor und nach Beth (zweiter Teil – Nach Beth)

Es war noch ein wenig Licht am Himmel, als ich aus dem Zirkus kam. Ein heiteres Stimmengewirr von glücklichen Konzertbesuchern. Fast hätte ich mir noch ein „Lives Outgrown“-Tshirt geschnappt. In der benachbarten Kneipe trank ich ein grosses, mir viel zu saures Belgisches Bier, und kam ins Gespräch mit Christiane, Robert und Helène, und wir erzählten uns besondere Momente der vergangenen zwei Stunden, fast hätten wir Gänsehaut an Gänsehaut gereiht: „I cannot say how much I adore life“. Zurück im Hotel war der Schlaf nicht annähernd so erfüllt wie der Abend es vorgemacht hatte. Ich bedauerte es, keine Zopiclon dabei zu haben, und fragte mich, ob Vollmond sei. Ist die Nacht erst einmal aufgeholt, kommen die Schwebungen zurück. A soft spell: that rare bleakness that breaks the dark.
Vor und nach Beth (erster Teil – Vor Beth)

Der Taxifahrer stimmte mich schon mal auf das ganze Leben ein. „Ce qui has a good humour, toujours finds solutions“, radebrechte er zwischen Englisch und Französisch, auf dem Weg zum Motel One. Und unterwegs tischte er mir Erlebnisse mit berühmten Geistern auf, in einem solchen Affentempo, dass mir sicher manche Pointe entging, denn öfter besorgte er das Lachen allein. Aber immerhin, unvergessen, der Auftritt von James Brown, der kostenlos spielte, nachdem er erstmal von der Polizei wegen Drogenbesitz gekascht wurde. Und er war begeistert von Joe Jackson und den Harlem Globetrotters. Mit Handschlag verabschiedeten wir uns, und ich kundschaftete schon mal den Königlichen Zirkus aus. Hintereingang, Soundcheck. Presseausweis. Ein paar überzeugende Sätze, und ich war drin. (Was dann kam, der Stoff, aus dem Weihnachtsgeschichten sind.) Als ich abends meinen Platz einnahm in dem Rondell, bühnennah, war noch viel Zeit, bis die Ereignisse mit einem „acoustic showase“ von Bill Ryder-Jones loslegen sollten. Und was hörte ich da im weiten Rund erschallen, nahezu die komplette wundervolle erste Seite von Fripp & Enos „Evening Star“, „Wind On Water“ usw. Obwohl ich diese Seite 1 des alten Vinyls in- und auswendig kenne (und immer noch unheimlich gerne höre), dauerte es eine halbe Minute, bis ich diese Musik an diesem völlg fremden Ort „unterbrachte“. Ich ging zu den zwei Herren am Mischpult, die aber das Gerät eher bewachten als betreuten, und etwas stoffelig waren, als ich nach der Playlist fragte und ob ich mir mal den Computer näher anschauen könne. Denn ganz deutlich war auf dem Screen zu lesen „Mellow Beth“, und also hatte die Südengländerin ein sorgsames „Tape“ eingerichtet, um uns Besucher akustisch einzufangen, mit durchweg feiner Musik, etwas Tönzerisch-Luftig-Leichtem von Steve Reich (glaube ich), ein Instrumentalstück der herrlichen zweiten Seite von David Bowies „Heroes“, ein Stück, das ein so betörendes Spoken-Word-Ding war, dass es sofort in meinen nächsten Klanghorizonten landen würde, wenn ich es bloss erkannt hätte. Ich sprach dann mit den beiden Mädels, neben mir, die erklärte Bill Ryder-Jones Fans waren, und pünktlich um acht verdunkelte sich der riesiggrosse Raum.
from old days at school to an evening on the radio
Es gibt Gedichte, die hallen nach seit frühen Jahren. Auf jeden Fall erging es mir so mit dem berühmten Dreizeiler von Ezra Pound, betitelt „In a Station of the Metro“. Wie oft dachte ich an ihn, wenn ich in London mit der Underground fuhr, Richtung Notting Hill, Picadilly Circus, oder Angel Station. Der Text ging so: „The apparition of these faces in the crowd: / Petals on a wet, black bough.“ Zuweilen, wenn der Blick ins Leere ging, oder in Sekundenschnelle fremde Gesichter zu lesen versuchte, schwebte dieses Bild einher von den Röhren der unterirdischen Räume als nassen kalten Baumstämmen. Aber ich habe gewiss nicht damit gerechnet, dem Gedicht auf dem im September erscheinenden, dritten Album von Erik Honoré, „triage“ (Punkt Editions), zu begegnen. Mind the gap, mind the gap, mind the gap. Der nächste Track für die Klanghorizonte im Juli.
Ein Meisterwerk von Jonathan Glazer (1/3)
„Ein Wort der Warnung. Es gibt Filme – und davon gibt es viele -, die beim ersten Anschauen beeindrucken, die aber in dem Moment, in dem man das Kino verlässt, wie eine Handvoll Sand versickern. Dann gibt es andere, weitaus weniger, die beim ersten Sehen wie ein Blitz einschlagen und bei Ihnen bleiben, sich in Ihre Psyche einnarben und Ihr Kinoparadigma subtil, aber dauerhaft um die eigene Achse drehen. Jonathan Glazers meisterhafter und abschreckender The Zone of Interest gehört für mich zur zweiten Gruppe. Ich verließ den Film erschüttert und betroffen; in den folgenden Monaten blieb er hartnäckig bei mir.“ (Wendy Ide, The Guardian)Ich teile die Meinung von Wendy Ade über Jonathan Glazers Film „The Zone Of Interest“ – ein „long burner“, den man bei amazon prime kaufen kann, wenn man ihn im Kino verpasst hat. Fragte man mich nach solchen lang nachhallenden Filmerlebnissen, quer über die Jahrzehnte verstreut, fielen mir zuerst folgende ein, hin und her springend, und mit immenser „Affektladung“ (nicht immer würde der lang anhaltende Zauber von einst heute noch wirken): „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, „Amarcord“, „Die Mutter und die Hure“, „Paris, Texas“, „Celine und Julie fahren Boot“, „Absolute Giganten“, Donnie Darko“, „Blade Runner“, „Die 39 Stufen“, „Eine kurzer Film über die Liebe“, „Psycho“, „Jules und Jim“, „McCabe und Mrs. Miller“, „It Follows“, „Silverado“, „Tierra“, Diva“, „The Duke of Burgundy“, dieser Weihnachtsfilm mit James Stewart, „Blue Velvet“, „Der dünne Mann“, „The Big Sleep“, „Wer die Nachtigall stört“, undundund, und eben zuletzt „The Zone Of Interest“.
Ich empfehle, sich zwei ruhige Stunden einzurichten, wenn man sich das Anschauen zutraut, und die obige freundliche Warnung ernst nimmt. Bei der Oscarverliehung hielt Jonathang Glazer eine Rede, in der er unter anderem über den Angriff Israels auf Gaza sprach, die von jüdischer Seite für jede Menge Empörung, aber auch viel Zuspruch sorgte, nachzulesen im Wikipedia—Eintrag zu Jonathan Glazer. Ich teile seine Ansicht voll und ganz, auf jeden Fall zeigen die aktuellen „Wirkungstreffer“ und „Wirkungsgeschichten“ dieses Films (und um diesen Film herum), wie traurig brisant und aktuell dieser Film ist (die Markierungen einzelner Worte stammen von Wikipedia).
„Alle unsere [filmischen] Entscheidungen haben wir getroffen, um uns in der Gegenwart zum Nachdenken anzuregen, und nicht um zu sagen: »Seht, was sie damals getan haben«, sondern: »Seht, was wir heute tun.« Unser Film zeigt, wohin die Entmenschlichung in ihrer schlimmsten Form führt; sie hat unsere gesamte Vergangenheit und Gegenwart geprägt. Gerade jetzt stehen wir hier als Menschen, die es ablehnen, dass ihr Jüdischsein und der Holocaust von einer Besatzungsmacht gekapert wird, die so viele unschuldige Menschen in einen Konflikt gezogen hat. Ob die Opfer des 7. Oktober in Israel oder des andauernden Angriffs auf Gaza, alle Opfer dieser Entmenschlichung, wie können wir Widerstand leisten?
P.S. Weil mittlerweile so gut wie allen die Story des Films, das Thema, bekannt ist, wird Teil 2 eine Filmkritik in kurzen Absätzen und Sprüngen sein, und jeder, der will, kann sich, wenn er den Film gesehen hat, drauf einlassen, einen Abgleich mit eigenen Empfindungen anstellen, im besten Fall das eine oder andere Aha-Erlebnis haben, oder verwundert den Kopf schütteln. „Etwas besprechen“ also nicht, um den Schlaumeier zu mimen, sondern Ungefähres, Verschwommenes, Unklares auf den Punkt zu bringen, scharfzustellen, Scheinbar-Entferntes nah aneinander zu rücken. Und „etwas besprechen“ bedeutet auch, Ambivalenzen auszuhalten und sich nicht gleich in der Expertise zu verschanzen.
Teil 3 wird dann eine Art Kindheitsgeschichte sein, mehr short story als long story, und wohl auch eine fragmentierte Form annehmen, es geht da um ein paar Schatten aus der Nachkriegszeit. Alles im Vorübergehen notiert, flüchtig, wiederum ohne „grosse Töne“. Vielleicht auch nur ein Gedicht. A propos grosse Töne, kleine Töne. Die „Musik“ des Films stammt von Micachu aka Mica Levi. She wrote a score, most of which was ultimately cut as Glazer and Burn did not want to have the film sweetened or dramatized by it. The sound collages Levi wrote for the prologue and the epilogue remained, as did soundscapes created for the sequences involving the Polish girl. Aber damit bin ich schon mitten in Teil 2. Das hier ist ja nur das Vorgeplänkel.
That indigenous Australian expression
“Dreamtime“ was recorded in 1980 at Systems Research Center, Palo Alto, CA. The Dreaming is used Down Under to represent the concept of „time out of time“ or „everywhen“, during which the land was inhabited by ancesteal figures, often of heroic proportions or with supernatural abilities. The piece is taken from the wonderful boxset „Degrees Of Freedom Found“. Imagine Blue Gene Tyranny meeting Bo Hansson!

After my recommendation of the treasure box titled „Degress Of Freedom Found“, Amazon realized people are buying this dust collector again, so now it is no longer cheap as chips, and the price went up 300 %. A friend of mine said, as some old-fashioned vinyl dude I should give this unknown „classic of its own kind“ a spin. Out Of The Blue. Lovely music, from start to end, indeed. Makes sense, the Boomkat review: „Tyranny’s 1978 solo debut ‘Out Of The Blue’ remains a perennial cult favourite, existing on the sweetest, inventive edges of rock, pop and avant-garde composition in a manner that was entirely characteristic of the amazing Lovely Music, Ltd. label, with whom he’s most closely associated. Quite simply, there’s little out there that matches ‘Out of the Blue’ for sheer charm, placing a deep knowledge of experimental and pop music’s internal workings at the service of a ripely melodic and dreamlike suite with results awaiting discovery by new ears.“