Was Andy Partridge mir an einem warmen Sommertag des Jahres 1992 in Swindon erzählte
Zuweilen und sowieso sehr oft stolpert man über eine Erinnerung, die einen kurz aufflackernden Augenblick im endlosen Strom der Zeit wachruft, wie gestern, als ich eine Besprechung in den „Sunday Reviews“ las eines Albums, das meine Regale nie verlassen wird. Es war ein heisser sonniger Tag, als ich bei dem Bandleader von XTC im Wohnzimmer sass, einem Musiker, der uns so wundervolle Alben wie „Mummer“, „Drums and Wires“, „Apple Venus, Vol. 1“ oder „English Settlement“ bescherte – im Laufe ihrer Alben entwickelte sich die Band immer mehr vom New Wave zu barocker, „post-beatles-esker“ Komplexität, die dem sog. „Prog Rock“ weitaus näher stand als der punkigen Wucht ihrer ersten Lebenszeichen.

Vieles drehte sich um ihr neues Opus „Nonsuch“. Aus einem gegenüberliegenden Haus erschall eine Single daraus aus dem Radio, und Andy war froh, dass sie ihren Weg zur BBC gefunden hatte. Als das Gespräch auf Alben kam, die ihn besonders beeindruckt hätten, nicht die üblichen kanonisierten Gipfelwerke der jüngeren Historie, redete er begeistert von „A Walk Across The Rooftops“, dem ersten Album der schottischen Band „The Blue Nile“. Es kommt durchaus öfter vor, dass man den Favoriten hochgeschätzter Künstler nicht wirklich folgen kann, aber in diesem Fall öffnete mit Andy Partridge eine alte grosse knarzende Pforte zu diesen schottischen Aussenseitern, die nie mit einem ihrer Songs die Charts stürmten. Ausser einmal auf Nummer 13 zu landen in den Niederlanden.

Wieder daheim, besorgte ich mir diesen „Spaziergang über die Dachspitzen“, und bald stellte sich jener Kippeffekt des Hörens ein, bei dem aus einer kurzen Phase des Reinfindens pures Beeindrucktsein folgte. Bald auch begeisterte ich mich für das Nachfolgewerk „Hats“, das mir die Plattenfirma als Promo in Form einer guten alten Chromkassette zusandte. Zusammen mit dem dritten Album im Bunde, „Peace At Last“, wurden „The Blue Nile“ wiederkehrende Gäste meiner nächtlichen Radiostunden. Etwas obsessiv war wohl ihr Verhältnis zu den „Linn Drums“, so wie Kate Bush eine Närrin gefressen hatte an der Welt des Fairlight Synthesizers“. Aber, wenngleich man hieran die Spuren einer alten Zeit erkennt, können ihre Alben nach wie vor fesseln, mit ihrer unverschämten Würdigung der kleinen Dinge am Rande unserer Aufmerksamkeit. Mit dem Slow-Motion-Storyteller-Duktus der Gesänge von Paul Buchanan. Mit ihren Mitternachtsstimmungen. Als ich den Mann aus Glasgow dann endlich persönlich traf, in Hamburg, konnte ich es nicht bleibenlassen, ihn nach seiner kurzen Liebesaffäre mit einer meiner aus der Ferne flüchtig, wie auch sonst, angehimmelten Schauspielerinnen ansprach, Rosanna Arquette. In typisch schottischem Understatement spielte er diese Episode seines Lebens herunter, als Rosanna Jahre und Jahre zuvor nach einem Konzert von The Blue Nile seine Gesellschaft suchte und ein paar Schäferstündchen und Liebesnächte folgten.The ways love goes.

Einige Bewunderer von „A Walk Across The Rooftops“ werden in der Besprechung des Albums aufgeführt – Andy Partridge möchte ich hiermit ergänzen. An einer Stelle, die meine volle Zustimmung, erhält, heisst es in Sam Sodomskys „pitchfork“-Text: „For certain listeners, hearing the Blue Nile for the first time activates a part of your brain that exists beyond language and between emotions. It’s the same part that fills in the source of pain between the lines of a Raymond Carver story or maps the road from season’s greetings to profound melancholy in Vince Guaraldi’s Peanuts music. In a Blue Nile song, you sense the lonesome silence beneath the buzz of city life; the unnavigable distance between long-term partners; the acknowledgement that love and loss, life and death, success and failure are forever part of the same cycle.“ Glow-Faktor 10 für „A Walk Across The Rooftops“ und „Hats“! (geschrieben zwischen 10.30 und 11.30 Uhr im Café „Emilia Rue“ in der Rüttenscheider Strasse 239)

Kleiner Nachtrag, ein Tag später: wenn mein einstiger, hochgeschätzter Englischlehrer Dr. Egon Werlich, dessen Einfluss auf mein Leben ich etwa so hoch einschätze wie den von Ray Davies, diesen „Aufsatz“ zu lesen bekommen hätte, dann wäre seine Reaktion wohl so ausgefallen: „Das ist ja alles sehr aufschlussreich und flüssig geschrieben, aber das Thema hast du leicht verfehlt. Was dir Andy Partridge an jenem Sommertag erzählt hat, erfährt der geneigte Leser nicht! Alles in allem eine 3+!“ Tatsächlich weiss ich nicht genau, was mir Andy über „A Walk Across The Rooftops“ mitteilte, alleine seine Begeisterung ist mir im Gedächtnis geblieben. Und da mir die Interviewkassette verloren ging, krame ich nun aus dem Gedächtnis en paar Themen des Interviews aus:
- Andy erzählte mir von dem zweiten XTC Album, und das er mit Barry Andrews gar nicht zurecht kam, (ich mochte Barrys Band Shriekback sehr und sah ihn live 1980 in Weissenohe mit Robert Fripps League of Gentlemen)
- Andy erzählte von seinem Lampenfieber („stage fright“) und seinen Panikattacken, und dass er ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr live auftrat
- Andy erzählte mir ein bisschen wasüber meinen XTC-Favoriten „Mummer“ (s. Cover), u.a. von dem unvergesslichen Erlebnis, wie ihn eine grosse Welle an der Nordsee umgerissen hatte, was einen der „Mummer“-Songs inspiriert habe (vor Jahren kam eine hervorragend remasterte Vinyl-Version von „Mummer“ auf den Markt)
- Andy erzählte von seiner Zusammenarbeit mit Peter Blegvad und dessen feinem Album „The Naked Shakespeare“ – und gab mir zwei Stücke mit zur freien Verwendung, die er mit Peter im Studio erarbeitet hatte (Unveröffentlichtes)
- Andy erzählte en detail von zwei Songs des brandneuen „Nonsuch“-Albums (das war der Arbeitsauftrag der Pop-Session-Stunde rund um XTC im WDR)
- Andy erzählte mir, dass er nach Album Nr. 2 bei Brian Eno angefragt hatte, und Brian antwortete, sie bräuchten überhaupt keinen producer (ich konnte ja 1992 nicht ahnen, dass Andy sehr bald doch mal in die „Kreise von Brian“ vorstossen würde, als er 1994 mit Harold Budd zusammen die wundersam-ambienten Klanggespinste von „Through The Hill“ veröffentlichte (leider erhielt die Vinyledition als Doppel-LP eine miserable Pressung – ich wurde ein grosser Fan von Steven Wilsons Surround-Versionen diverser XTC-Alben: „Drums and Wires“ etwa, oder „Black Sea“, und die Edition der Duke of Stratosphear-Werke sind absolute Surround-Burner!)
boom – boom – boom

Es war mir nie möglich, zu der langlebigen Band Hawkwind nostalgische Empfindungen zu entwickeln, weil ich einfach keine „Hörgeschichte“ mit den Londoner „Psychedelikern“ hatte. Dann erwarb ich vor ungefähr zehn Jahren (ich glaube, in einem Plattenladen, in Manhattan – das Foto oben zeigt ein altes Plattengeschäft in Minneapolis, aus einem coffee table book namens „Record Stores“, das gestern im Café „Mono“ auslag, eine Türweit entfernt vom Dortmunder Vinylladen „Black Plastic“), dieses erste Album der Gruppe, von 1970, aus dem Jahr also, als die Beatles „Hello Goodbye“ sagten, und es schlug mich in seinen Bann, von Anfang bis Ende. Als ich mir Jahre später ein weiteres, vielgelobtes Werk von Hawkwind zulegte, blieb ein ähnlicher „impact“ aus. Dass ich derzeit zahllose Cd’s und Lp‘s verkaufe, verschenke, was immer, ist Teil des Rituals, nur „meine Musik“ zu behalten, Musik, die nicht aufhört, mich zu erfüllen, zu bereichern, mich an mein Lebendigsein zu erinnern, und andere Zustände des Bewusstseins zu ermöglichen. Das Debut von Hawkwind wird stets bei mir bleiben. Unverkäuflich. John Lewis schreibt über einen Deluxe-Set der erneuten Wiederveröffentlichung dieses Debuts in „Uncut“ folgendes:
„Die ursprüngliche Mission von Hawkwind, wie sie auf dem Cover ihres beeindruckenden Debütalbums von 1970 beschrieben wird, bestand darin, den Geist „auf angenehme Weise, ohne LSD …“ zu beflügeln. Die Rebellen aus Ladbroke Grove um Dave Brock entwickelten einen zutiefst experimentellen Sound, der sich aus Avantgarde-Jazz und Psychedelia speiste, dessen primitive Kraft jedoch auch den Punk prägen sollte. Produziert von Dick Taylor von The Pretty Things, ist Hawkwind im Wesentlichen eine intensive Freeform-Jam-Session, eingerahmt von der rauen Folk-Hymne „Hurry On Sundown“ und dem kalten Erwachen von „Mirror Of Illusion“, die beide die Menschen dazu auffordern, in sich selbst nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu suchen. Mit einem beunruhigenden Dröhnen von Gitarren, Saxophon und Dik Miks Oszillatoreffekten wirkt das Ganze immer noch seltsam kraftvoll.“Nächte mit John und Terje (1975)
Mein erster Würzburger Sommer verlief hart. Denn die Stadt liegt in einem Kessel, und mein Heuschnupfen erfuhr dort eine massive Steigerung. Nachts um drei zogen sich die Bronchien zu, und ich musste schweres Geschütz auffahren, um die Luftnot zurückzudrängen: das Mittel hiess „Asthmokranit“, und wurde Jahre später aus dem Verkehr gezogen wegen dem als Krebs erregend geltenden Bestandteil Aminophenazon. Das Schöne war: in diesem Heilmittel war auch eine gute Portion Ephedrin enthalten, und wenn die Wirkung einsetzte, war bald nicht nur genügend Sauerstoff für die Lunge vorhanden, sondern auch ein „High“ im Hirn nicht zu leugnen. Diese euphorisierende Wirkung war eine Art Belohnung für das Elend zuvor. In dieser sechs Wochen währenden Gräserblüte hatte ich aber noch zwei Verbündete, und die hiessen John Coltrane und Terje Rypdal (es gab noch andere Musiker, aber meine Erinnerung landet zu allererst bei diesem ungleichen Gespann).

Ich wundere mich noch heute, dass keine schlafgestörten Zimmernachbarn an die Wände des meines schmalen Zimmers im fünften Stock des I-Hauses klopften. Ich hörte die Musik recht laut, die Renner meiner Asthmabekämpfung-Charts waren „Odyssey“ und „Whenever I Seem To Be Far Away“ von Terje Rypdal, sowie „Live In Japan“ von John Coltrane. Monomitschnitte seiner letzten Japantour, grandioser Free Jazz, von seinem Hauslabel Impulse auf mehere Schallplattenseiten verteilt. Diese Musik nachts um 3.30 Uhr erweiterte die Bronchien und den Geist. Die hymnischen, phantasievoll jazzrockenden, mit herrlichen Streichersounds versehenen Kompositionen der beiden Rypdal-Platten strahlten einen ureigenen Zauber aus, und manchmal löste sich die innere Spannung mit lautlos fliessenden Tränen.

Ein kleiner Sprung nun, fünf Stockwerke tiefer, dort schlief Andrea, rehbraune Augen, tief gebräunt. Ich war, durch meine Asthmaarien, und den damit verbundenen Schlafentzug, eine etwas blässliche Erscheinung, und damals neigte ich auch noch zur Schüchternheit, was einen Romantiker wie mich in die Defensive reiner Tagträumerei drängte. Mit Andrea ging ich jede Woche am Mittwoch durch den kleinen Park zum Audi Max, wo wir kostenlos Filme der „Nouvelle Vague“, des „Neuen Deutschen Films“, des „New Hollywood“ sahen. In jenem Sommer startete ich keinen einzigen Annäherungsversuch, ich war geblendet von ihrer Schönheit, und seltsam einfallslos. Nun, ich war nicht gerade verliebt, und hatte insgeheim das Gefühl, dass sie nicht unbedingt eine Seelenverwandte war, aber das hätte sexueller Erfüllung keineswegs im Weg gestanden. Sie war unglaublich nett, und während manche sagen, dass nett die kleine Schwester von langweilig ist, war in diesem Fall nett die kleine Schwester von attraktiv. Total attraktiv. Wir tranken Obstwein hoch über Würzburg, wir sassen Körper an Körper in den Holzstühlen des grossen Hörsaals, es passierte nichts.

Im Sommer darauf, als sich alles geändert hatte, schlenderte ich durch die Stadt und traf Andrea vor dem Zeitschriftenladen Montanus. Sie strahlte mich an, Blicke, die ich zuvor so nie von ihr aufgefangen hatte. An ihrer Seite ihre Eltern, die gekleidet waren wie bürgerliche Mustermenschen aus dem Spessart, Hut und Jägerjoppe und alter Zeit entsprungen. Andrea machte aus der Vorstellung einen geradezu förmlichen Akt, sie war, wie ich am Tage darauf erfuhr, vom ersten Tag an in mich verliebt und traute sich bloss nicht, den ersten Schritt zu machen. Was für eine Idiotie – ich wusste noch zu genau, was ich im letzten Sommer getan hatte. Ich hatte „Leo“ von John Coltrane gehört, in gloriosem Mono, ich hatte „Rolling Stone“ von Terje Rypdal gehört, die Spasmen der Bronchien lösten sich, das Ephedrin besorgte eine dezente Euphorie. Fünf Stockwerke tiefer wartete sexuelle Erfüllung auf mich. Nacht für Nacht. In my dreams. Ich drehte einfach nur die Plattenseite um. Und schrieb einmal einen Brief an eine evangelische Pfarrerstochter in der Bittermark. Sie antwortete nie. Und dann eine Begegnung im Fahrstuhl. Love came to town. Desire. Yellow Fields. Zuma. Christiane.
“Elevation“
Nach der Produktion der „Minnesota-Kathmandu-Connection“ fiel ich in ein kleines Loch. So wohltuend die Umgebungen waren, an denen ich Steve Tibbetts‘ Musik hörte und mich dann ans Schreiben, Schreiben, Schreiben machte, so erschöpft war ich erstmal. Ich hatte mir nämlichnden Anspruch gestellt, dass mein letztes Portrait im Deutschlandfunk mein so ziemlich bestes werden sollte, und als durchaus zur Selbstkritik fähiges Individuum war das Feilen an den Sätzen und Wörtern, ein echt anstrengender „flowworker“-Job.
Ein Symtom meines Groggyseins war, dass ich so gut wie keine Musik hören konnte (nicht mal die anstehenden neuen Werke von Sunn O))) und Bill Callahan), und jede Menge Leerlauf erlebte, was nicht unbedingt zu schönen Aha-Erlebnissen führt, sondern zu Mattigkeit, Müdigkeit, Regression, Langeweile. Gestern endete diese kleine Phase, die auch von den Schreckensmeldungen aus Minneapolis gefüttert wurde, als ich im Plattenschrank ein altes Exemplar von Pharoah Sanders‘ „Elevation“ fand, und auf einmal unheimliche Lust verspürte, das Ding zu hören.

Es hat Jahrzehnte in meinem Archiv geschlummert, ist immer noch in prächtigem Zustand, und produzierte bei mir genau das, was für Pharoah titelgebend war, „Elevation“. Eine neue alte Leichtigkeit erfüllte mich, und auch wenn ich nicht von meiner petrolfarbenen Couch abhob, ergrifft mich die Musik – ich bemerkte, wie sich neben zeitweiliger Gänsehaut auch ein paar Tränen ihren Weg bahnten. Ich hatte diese Schallplatte im Jahr ihre Erscheinens in Würzburg gekauft, und manche Erinnerungen wurden beim Wiederhören wach, neben der Wucht, die diese fabelhafte Musik sowieso und nach wie vor hat. HIER ist ein Beitrag aus Dereks Musikblog, der „Elevation“ in den Kontext der Musik von Pharoah stellt. Ich liebe seine Musik! Ich habe so ungefähr ein Dutzend seiner Alben, und die Klanghorizonte haben immerhin dazu beigetragen, dass Martina W. sein Debut „Tauhid“ entdeckte – ein all time classic! In den letzten Jahren sind manche seiner Live-Konzerte aus den 1970er und 1980er Jahren ans Tageslicht befördert worden, auch ein wunderbarer Auftritt in der Hamburger Fabrik.
On Memory Lane with Steve T.
Dear Steve, there may be some „hot takes“ in this hour including the two „song albums“ I compared „Close“ to, but I did that for good reasons. In one passage I even went back to old diaries and letters about your experiences in the far east – hope the letter to Claudia will be a surprise for you. (…) This radio hour was written during and after my weeks on Pellworm and at home. (…) One evening I went down to the seas listening to LIFE OF, and while being surrounded by the music and the Northern Sea, I remembered a moment on the island of Wangerooge in 1974/75. Michael Naura, the Jazz matador from the NDR, Hamburg, played a track from Ralph Towner‘s „SOLSTCE“ called „Nimbus“, and I heard it on a cheap, metal radio transistor without headphone, while it was raining hard, the waves crushing, and it blew me away. i felt the same sense of wonder and amazement when listening again to „LIFE OF“. Fifty years ago and this moment of time standing still on Pellworm became one – it was my personal „Ganachakra experience“ of awareness😉… (…) Michael

Hi, Michael, the track „Oceanus“ changed my life. If I had to pick one selection that embodied the peak of ECM’s glory years, that would be the one. I met Ralph Towner twice, once in NYC at Bob Hurwitz’s apartment, and once at an Oregon gig here in Minnesota. The New York meeting was over a glass of wine at Bob’s apartment in the West Village. There was still a pervasive aura of „Welcome to the ECM family.“ Hans Wendl wrote those words in his first letter to me, the letter confirming dates for Oslo in ’81. ECM had its own office on Park Avenue. They were riding high. I had been flown to NYC to do interviews for „Northern Song.“ I was starstruck to be around Towner. I felt like my position in this new „family“ was like meeting a new girlfriend’s parents, maybe at a dinner in the Hamptons. Small talk, kind smiles, but a subtle tension at being the new guy. I sipped my wine very slowly and thought, over and over, „Don’t say anything stupid.“ (….) The second time was after an Oregon concert at the Cedar Cultural Center. This was when they were working with a new percussionist after Colin died. The concert itself was good, but what astounded me was Ralph’s piano playing. I made a vow, that night, to take piano lessons (I did) and to practice guitar 5-6 hours a day (I didn’t). Again, we chatted after the concert, and again, I was star-struck. Colin changed my life as well, but that’s a story for another time. Your use of the word „ganachakra“ in your email is an „suspicious coincidence,“ as they say. Best to you, sA week later:

YOUR radio mission accomplished! I think you should still stay on the radio, but if it must be, a wandering griot also works. Wander in this direction, rent a car in New York City, find your way west, Route 66.There’s more to do.
Onward, with gratitude,
-s
(fact is: my next hours of „Klanghorizonte“ are scheduled for May and September 2026. And then… a wandering griot, a stargazer, some meditation, some horizons, who knows…)
For sale: eine Schatztruhe mit 20 (und etwas mehr) exzellenden Langspielplatten: Sammlerstücke, Remasters & Rarieties

Terry Riley: Shri Camel (Real Gone Music, erste Reissue als LP)
Phil Pratt: Star Wars Dub
Musica Esporoadica (von Music From Memory)
Big Youth: Screaming Target
Don Cherry: Relativity Suite (sehr gesucht, leider nur mittelmässige Pressung)
Joseph Jarman & Famadou Don Moye: Egwu-Anwun (Sun Song) (VG)
Masabumi Kickuchi: Hanamichi (The Final Studio Recordings)
Jim Sullivan: If The Evening Were Dawn
Tony Allen / Jeff Mills: Tomorrow Comes The Harvest
Buena Vista Social Club (180g, 45rpm boxset, 8 LPs (!), near mint)
Fennesz: Venice
Dead Can Dance: Within The Realm Of A Dying Sun
Sonny Rollins: Saxophone Colossus (Craft reisse, 2021)
Terje Rypdal: Undisonus – Ineo
Gary Burton: Seven Songs For Quartet And Chamber Orchestra (ECM reissue)
Lee Perry & his Uosetters present: Roaring Lion (double vinyl)
Albert King: Live Wire Blues Power (Stax reissue remaster 2024)
Sun Ra & his Astro-Infinity Orchestra: Sun Embassy
Lalo Schifrin: Bullitt (speakers Corner reissue)
Mal Waldron, Eberhard Weber et al: The Call (Japo)Eines der grossen Rätsel, dass ECM (JAPO) jene Sternstunde namens „The Call“ nie wiederveröffentlicht hat, die ich (und nicht nur ich) zu den aufregendsten Werken europäisch-amerikanischer fusion music zähle. Das Cover fängt schon etwas an zu fleddern, aber mein „Vinyl“ ist in exzellenter Qualität, eine Erstausgabe, die man tief entspannt sehr hochpreisig zum Verkauf stellen darf.
In diesem Fall habe ich alles zu einem Bündel von 20 (und etwas mehr: der kubanische „Klassiker“ in grandiosem Remaster!) geschnürt, das ich gerne innerhalb der Grenzen von NRW zum Verkauf anbiete. Wie beim „heiligen Gral“ von Roedelius würde ich es persönlich vorbeibringen. Diese Sammlung enthält nur verdamm gute, und (wenn nicht extra vermerkt) sehr gut erhaltene Musik – mehr als die Hälfte wurden von mit in den „Klanghorizonten“ des Deutschlandfunks gespielt. Meine Email: micha.engelbrecht@gmx.de / meine Rufnummer 0157 307 65 064. Der nicht verhandelbare Preis ist 550 Euro. Die 50 Euro sind für Spesen / Benzin eingerechnet. Fällt natürlich weg, wenn jemand bei mir diese „Schatztruhe“ abholen will (dann natürlich mit Prüfung der Ware – 😉 – incl. Vorspielen, Drinks und allem Drum und Dran. Das Angebot gilt bis zum 30. April.Ein archetypisches „Coffee-Table-Book“ in drei Absätzen: Couchtisch, Privatraum und Storytelling

Als Coffee Table Books (frei übersetzt: „Couchtischbücher“) werden Bücher und insbesondere Bildbände bezeichnet, die oftmals großformatig und aufwendig gestaltet sind und auf Beistelltischen oder in Empfangsbereichen ausliegen, „um die Gäste zum gelegentlich darin Blättern anzuregen“. So kann man es bei Wikipedia nachlesen – und bei diesem von Geschichten, Erinnerungen und Bildern überfliessenden neuen Sachbuch aus dem C. H. Beck-Verlag handelt es sich um einen „instant classic“ dieses Genres. Es ist bleischwer, auch zur Hand- und Armgymnastik geeignet, und neben der schillernden Verpackung hat es jede Menge „content“. Nun ist es schon ein paarJahre her, da erschien im gleichen Verlag die wohl beste Biografie der „berühmtestesn Garagenband Livepools“, erzähltechnisch dermassen raffiniert aufgetischt, das es selbst solche Leser wie mich durch die Seiten fliegen liess, die bestens vertraut waren mit der Musik und den Stories rund um John , Paul, George und Ringo, Craig Browns „One, Two, Three, Four – Die fabelhafte Geschichte der Beatles“. Nun also eine Story aus den Lebensgefühlen der 1970er Jahre, anhand der Story von Paul und seiner „Geschichte einer Band auf der Flucht“. Wie der Tod von John Coltrane war auch das Ende der Beatlrs ein Schock, der die Künstler und Musiker von damals so erschütterte wie ihre immense Hörerschaft. Eine Stunde Null schlug hier wie da, und das galt natürlich auch für die Hauptdarsteller, die engen Kreise der Beteiligten. Was nun, das war die grosse Frage.(Dies ist der erste von drei Absätzen einer kleinen Besprechung, in einer Woche, in der die Geschichte der Wings auch als Dokumentarfilm via Streaming in unsere Wohnzimmer gelangt, im zweiten Teil erzähle ich meine kleine Geschichte mit Paul „nach den Beatles“ (jeder Leser dieser Zeilen hat seine eigene), und im dritten, was dieses Couchtischbuch so besonders macht als Transportmittel in ein entfesseltes Jahrzehnt.)
Deutschlandfunk – JazzFacts – Die Minnesota-Kathmandu-Connection – ein Portrait des Gitarristen Steve Tibbetts – 22. Januar 2026 – 21.05 Uhr bis 22.00 Uhr –
Listen to this portrait: HERE!The music of this radio hour is taken from the „ECM years“, starting and ending with Steve Tibbetts‘ new album / cd „Close“.

The albums in order of their appearance:
Close (2025)
Yr (1980, reissued 1988)
Northern Song (1982)
Safe Journey (1984)
Exploded View (1986)
Big Map Idea (1989)1989 Feb-May: Deliver Big Map Idea to ECM, hop flight from Frankfurt to Delhi. Throw up on plane to Kathmandu. India closes Nepal border, (riots force government to chopper out Westerners, my first ride on a helicopter piloted by a guy with a green turban). Hitch back to Kathmandu, get ride from Swiss man in Land Rover who gets hopelessly lost. Attacked by dogs in Darjeeling. May: Beat jaywalking charge in U.S.Jun-Aug: Travel with wife-to-be through Thailand, Malaysia, Java, and Bali. Propose to wife-to-be at summit of volcano. Study drumming. Jump off wrong train in Thailand (moving) and out of burning van in Bali (also moving). Monkeys steal wife-to-be’s glasses. More dog attacks.
1990 Mar-Dec: Midwest tour, German tour, studio work, buy house in awful neighborhood, get married.
1991 Jan-Apr: Back to Indonesia. See trances in South Bali. See guy eat light bulb in Java. Apr-May: Tour midwest and east coast. Aug: Canadian tour. Driving truck, tear off gate at tollbooth in Chicago and peel off front of Honda Accord in Montreal. Same night in Montreal, walk up stairs to stage at Club Foufounes Electriques and gash head on lit-up metal sign that says “Dangereux”. Bleed all over self and Strat, causing crowd to go wild.

1992 March: Tour midwest, west coast, and east coast. Batman (Michael Keaton) comes to see gig in L.A. Blow up P.A. at L.A. gig. Sound guy leaves pinch-hitter on dashboard of truck returning from Winnipeg gig. Busted at border by U.S. Customs, truck seized. Marc and Steve, sick of life in general and each other in particular, nearly strangle each other in cab of truck driving between horrible gigs in Columbus and Detroit. August: Wife shakes Clinton’s hand at rally in Baldwin, Wisconsin. Sep-Dec: Travel to Nepal again. Bhutanese government waives $120/day fee for tourists and lets Naropa Institute Study Abroad program in free for cremation of high lama. Jim Reeves tape playing in hotel lobby in Paro, Bhutan.
1993: Sep: Finish The Fall Of Us All and deliver to ECM. Go to Nepal, India, and Tibet with wife. Get out of van after arriving at guest house in Lhasa and hear someone yell, “Hey, Steve, I like your album.” Turns out to be monk gave cassette to in Sikkim in ’89. Survive dog attack near Samye in Tibet.
The Fall Of Us All (1994)
A Man About A Horse (2001)
Natural Causes (2010)
Life Of (2018)
Close (2025)“Close is like a dark Rothko painting on fire. The love of life, the losses. Honestly, this album breaks my heart.” Flowworker.org
„Close takes us on the kind of enigmatic but enticing journey we’ve come to expect from Tibbetts: strange and beautiful.“ — The Big Takeover

Kleiner Nachtrag: in der Sendung sprach ich von der Produktionszeit von „Northern Song“ in Oslo: „Zwei Tage, ECM-style“. Nun, es waren drei, vier Tage, wie aus folgendem Dokument hervorgeht…

Eine grossartige neue TV-Serie

Ich empfinde das Argument, Serien seien Zeiträuber, stets leicht erheiternd, es wird meistens von Zeitgenossen ins Spiel gebracht, die Serien nicht viel abgewinnen können. Es entsteht bei sensiblen Gemütern dann leicht der Eindruck, sie könnten mit ihren endlos begrenzten Tagen verschwenderisch, fast Zeit totschlagend, umgehen, was natürlich völliger Blödsinn ist, wenn man eine grossartige Serie über eine, zwei oder mehr Staffeln geht, die uns völlig gefangennimmt, bereichert, das Bewusstsein tanzen lässt, uns emotional und andersweitig „mitnimmt“, unvergesslich ist, und dazu ein paar Horizonte öffnet. So eine grandiose, acht Folgen in Anspruch nehmende Kriminalserie ist „All Her Fault“, die man auf einem Zusatzkanal von „Prime“ sehen kann, der jederzeit kündbar ist. Fesselnd vielschichtig, abgründig: Grosses Kino sozusagen im TV-Serienformat. Aber wer natürlich dabei lauter Sinn stiftende Dinge vernachlässigt, wie etwa Online-Schulung über erfolgreiche Lebensgestaltung, semi-profesionelle psychoanalytische Deutungen von Meisterwerken der Bildenden Kunst, jeden Tag die beste Version des eigenen Selbst sein zu wollen, seinem alten Hund ein paar neue Tricks beizubringen, oder die Lektüre von Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ für die folgenden 12 Monate in Angriff zu nehmen, der hat natürlich ein paar Argumente auf seiner Seite. Selbstverwirklichungsträumer! In other words: let them, call it a day and watch this terrific series!
