Das Steve Tibbetts-Portrait von Michael
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Close is like a dark Rothko painting on fire. The love of life, the losses. Honestly, this album breaks my heart.” Flowworker.org
„Close takes us on the kind of enigmatic but enticing journey we’ve come to expect from Tibbetts: strange and beautiful.“ — The Big Takeover
Meine Lieblingsromane zwischen den Jahren
Es verrät natürlich etwas über einen selber, wenn man die Leseerlebnisse preisgibt, die einen zwischen den Jahren absolut gefesselt haben. Manche, die hier zufällig vorbeischauen, könnten sagen: – ach, der liest ja nur Krimis! Aber so ein Satz verrät wiederum mehr über die jeweilige Laufkundschaft als über mich. Die folgende Liste biete ich ohne „ranking“ an, weil sich die Bücher imho auf Augenhöhe bewegen und wunderbare, fesselnde, verstörende, begeisternde, und klügermachende Leseabenteuer darstellen.
Sicher sind die historischen Kriminalromane von Herrn Dorweiler konventionellerer Natur als der „psychdelische“ Sprachrausch eines Andreas Pflüger oder der Zeitenspringer-Trip eines Zvoran Drvenkar, aber das änderte nichts an der Tiefe, in welche mich diese sehr verschiedenen Erzählwerke hineingezogen haben. „Zwischen den Jahren“ bedeutet in diesem Fall zwischen Januar 2025 und Februar 2026, weil ich mit einem 690-Seiten-Schinken gerade erst angefangen habe, der er mich gewiss noch zwei, drei Wochen begleiten wird – und ich jetzt schon, auf Seite 112, ein Loblied auf ihn amstimmen könnte. Im übrigen sind all diese Bücher schon viel und umfängluch gerühmt worden, also gibt es kaum „Neuentdeckungen“. Ausser für die, die sich darauf einlassen, eines dieser Werke in Angriff zu nehmen (am besten, ohne sich vorher darüber schlau zu machen. Nichtwissen ist oft hilfreicher für „wows & flows“ als immer schon zu wissen, wohin der Hase hinläuft.)

Der bedeutsamste Roman meines Lebens ist und bleibt „Rayuela – Himmel und Hölle“ von Julio Cortazar (übrigens kein Kriminalroman). Ich hätte auch Lust, bald mal wieder einen dieser Klassiker zu lesen, wie Thomas Manns „Buddenbrooks“ oder die vielgefeierte Neuübersetzung von Miguel de Cervantes‘ „Don Quichote“, meine Nummer 2 unter meinen „favourite reading trips ever“ (ich war 18 und verschlang die Dünndruck-Edition aus dem Hause Winkler in vier Wochen, und mit achtzehn hat man normalerweise andere Sachen im Kopf). Aber diese Liste hier kommt, wie gesagt, ohne jede Reihenfolge daher. Als kleiner Anreiz für die mit dem „Edgar“ ausgzeichnete Zeitreise in den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) fällt mir noch Nick Cave ein, der wohl, neben meiner alten Freundin Ulrike Haberl, zu den einzigen mir bekannten Personen zählen, die noch mehr Romane von James Lee Burke gelesen haben als meine Wenigkeit.
Andreas Pflüger: Wie sterben geht
Andreas Pflüger: Kälter
James Lee Burke: Im Süden
Zoran Drvenkar: Asa
Ralf H. Dorweiler: Die Farbe des Bösen
Liz Moore: Der Gott des Waldes
Chris Whitaker: In den Farben des Dunkels„glow, glow, afterglow“ – monthly revelations (January 2026)
Glow Factor 10 collection: Pharoah Sanders has made „TAUHID“, Jan Garbarek has made „DIS“, Brian, Roger and Daniel have made „Apollo“, Van Morrison has made „VEEDON FLEECE“, Julian Priester has made „LOVE, LOVE“, Julie Tippetts has made „SUNSET GLOW“, David Darling has made „CELLO“, Laurie Spiegel has made „THE EXPANDING UNIVERSE“, Arve Henriksen has made „CHIAROSCURO“, Bill Callahan has made „APOCALYPSE“, Lambchop has made „SHOWTUNES“, and Steve Tibbetts has made „CLOSE“.

album Björn Meyer: Convergence
archive Alabaster DePlume: To Cy and Lee – Instrumentals Vol. 1Ganz besonders gut geht Sternegucken hier, wo ich in den kommenden 14 Tagen bin. Denn Pellworm darf sich ganz offiziell als Sterneninsel bezeichnen und hat den Titel von der International Dark-Sky Association (IDA) verliehen bekommen. Die Insel ist umgeben von geringer Lichtverschmutzung, wodurch sich ein gigantischer Sternenhimmel über Pellworm erstreckt. Allein die Wolkendecken müssen sich verflüchtigen. Nun gut, „Apollo“ habe ich jedenfalls dabei, das Meisterstück von Brian, Roger und Daniel, natürlich mit der zweiten Weltraumreise 36 Jahre später. Wann hat ein Trio nach so langer Zeit noch mal zusammen gefunden, und die eigene Klasse gewahrt, statt matten Abglanz zu liefern?! Anbei, etwas anders geordnet, die Offenbarungen des Januars (wir sehen das zeitlich nicht so eng und sammeln nur allerlei Faszinierendes der jüngeren Gegenwart!)
film Sentimental Value
binge Blue Lights, season 3 (1,2,3, auf Prime in Original)prose Noch einen Monat lang Jan Reetzes Buch über Joe Meek
talk Michaels 2016 Interview mit Steve Tibbetts zu LIFE Of *
radio Zum definitiv letzten Mal die letzte lange Nacht der Klanghorizonte*zur Einstimmung auf das Steve Tibbetts Portrait am 22.1. um 21.05 Uhr im DLF
Afterglow Pellworm-style: Hello, darkness, my old friend! „The solstice has arrived and we have entered “Evening Star weather,” in honor of the second collaborative album from pioneering English musicians Brian Eno and Robert Fripp, released in December of 1975. Fifty years on, you can hear large swaths of the ambient genre echoing through Evening Star: The cosmic calm of Steve Roach’s classic 1988 album Structures From Silence. The neo-classical predilections of Eluvium and Stars of the Lid. The billowing atmosphere of Wolfgang Voigt’s music under the name Gas. The cracked nostalgia of Fennesz’s Endless Summer. Kyle Bobby Dunn’s commitment to drones that . . .“ (Aquarium Drunkard)
Afterglow „Lebendige Würzburger Melancholie“ (1978)
Afterglow „Lanzarote Dreaming 2017“ (für Lajlas Stillebenlektion)
Afterglow „Bergeinöden 1982“ (in loving memory of Gudrun Hörner-Schwarz)
Als ich dann Tom Verlaine hörte, war Ende Gelände
Vielleicht hat das alles damit zu tun, dass
ich heute Müll aus fünf Jahren auf meine Deponie brachte,
und dabei das ganze Album Too-Rye-Aye hörte,
ohne es zu wollen besteige ich dabei ein Luftschiff,
dass mich ins Jahr 1982 transportiert
unweit der tschechischen Grenze, Gllückstaumel
und Desaster insclusive Aber allles, alles mit dem Verve
der Stimme von Kevin Rowland. Also legte ich los,
im Grunde zu müde, mit dem Film „Passagiere der Nacht“,
und war von der ersten Minute an in Paris, oder voll
durch den Wind, in jeder Szene, in einem alten
Jahrzehnt, und nicht weil es um Nachttadio geht, oder Charlotte
Gainsbourg den Blues hat. Als ihr Sohn Mathias klopfte
und Talulah (eine Fast-Verlorene, die ganz zu Anfang
aus dem Nichts auftauchte) die Tür öffnete, und ich dachte,
scheisse, das kenne ich doch und Talulah sagte: das ist Television,
schossen mir die Tränen aus den Augen. Ich war so müde und so
anwesend in diesem kleinen Wohnzimmer, dass ich
das Gefühl hatte, ich sehe mir selber zu, meinen gesammelten
Träumen, meinem beiläufigen Scheitern, meinem unheimlichen Glück,
meiner Blindheit und, dass Magie seltener ist als Schnittwunden,
Narben, plötzliches Verschwinden, gruselige Gutenacht-Geschichten –
oft genug nur eine Handweit, einen unglaublicher Satz, zwei Blicke entfernt.Christmas greetings from Notting Hill
Thank you Michael! 3 mentions in your top 25 is an amazing accolade!
And now I have to listen to all the other ones you’ve listed that I haven’t heard yet.
Very kind of you to send this to me. Beatie will be thrilled.
Lots of love and Happy Christmas
XXB
my little electric cave film festival (January 2026) is sold out!

Ausverkauft war leicht bei jeweils sechs Gästen. Ich bin nur der Filmvorführer und sorge für Snacks und Rotwein. Ansonsten mache ich in der Regel aus dem Stegrief eine kleine Einführung, zwischen fünf und zehn Minuten, und verrate dabei kaum was über den Inhalt von jedem dieser Filme, die unterschiedlcher kaum sein könnten, und die doch einiges verbindet! Die Ausnahme ist der dokumentarische Film, bei dem ich einen Aufriss der historischen Situatiom gebe. Unddas dauert etwas, da musste ich mich selbst gründlich einarbeiten. Ich empfehle jeden dieser Filme, sie sind alle erhältlich als bluray oder dvd!


Ein appetizer für „Dark City“: „One of the most underrated films of the 1990s gets its first 4K release thanks to Arrow Video, and it’s an incredible one. Alex Proyas’ Dark City (1998) is a masterpiece of shadows, and the deep blacks look fittingly incredible in this restoration, while the increased clarity and detail of everything else do wonders without ruining the film’s style. That aesthetic is a perfect fit for a neo-noir story with sci-fi twists, a film that feels like the true successor of Blade Runner (1982).“

Der lange Abschied von Coopers Kleingebäck

Schaut man sich kurz das Cover an, könnte man meinen, ich sei im Dunstkreis der Taylor Swift-Gemeinde gelandert – ist da noch so eine Hochglanzblondine, die mit Identifikationsangeboten und Erhabenheitsposen, Schönklang und Pomp ihre Fäden zieht? Zum Glück nicht. Nicht so lange her, da gestaltete Emma Swift ein Coveralbum voller Dylan-Lieder, mit dem gewissen Extra, viel Talent, und der Frage, ja, ganz schön, aber wozu? Es folgte erstmal nichts, dann ein Nervenzusammenbruch, der nicht mit einer Valiumkur und ein paar aufbauenden Gesprächen aus der Welt zu schaffen war. Und nun ein erstes Album voller eigener Lieder und Worte. An ihrer Seite ein mir unbekannter, aber erstklassiger Produzent, der zeigt, wie sehr man mit dem Inventar des barocken, orchestralen Beiwerks umgehen kann, ohne diese fragilen Liedern mit ihren noch zerbrechlicheren Versen bloss hübsch aufzubrezeln. „The Resurrection Game“ (welch gelungener Titel!) ist ein im allerbesten Sinne „romantisches Album“, das, wenn man die Lieder und die Worte nahkommen lässt, hier und da nie ganz verheilte Wunden in Bewusstsein rückt („going where the lonely go“), in seltsamem Einklang mit der Lust, Tag für Tage neue Lebendigkeiten ausfindig zu machen. Und, als wäre dies derzeit eine Laune des Zeitgeists nach dem Tod von David Lynch und dem langen Abschied von Coopers Kleingebäck, spielt der erste Song der ersten Seite der Schlallplatte fraglos in einer Bar in Twin Peaks: Julee Cruise und Emma Swift hätten sich viel zu erzählen!
Goth
Goths might tilt towards being even more tender. Darnielle uses music and memory as jumping-off points for telling compelling short stories about unique, vulnerable, complex human beings. The characters include Andrew Eldritch, lead singer for Sisters of Mercy, moving back to his hometown as his career winds down; somebody getting arrested while listening to Siousxie and the Banshees on KROQ; adults looking back at their goth youth, with pride and wonder; rocker Pat Travers, trying to make sense of the new scene; a goth fan reading about other cities’ scenes in magazines; and, on the last song, a band everyone forgets, Gene Loves Jezebel. The last words on the album are, “The world will never know or understand / the suffocated splendor of the once and future goth band.” (Dave Heaton, PopMatters)

Hier das Cover der deutschen Ausgabe von John Robbs Buch, das im Juni 2025 erschien. Hat einer von de flowies eine engere zu „Goth“ gehabt? Ist ja wohl eher historisch. Ich kann mich für einige Alben von Nico begeistern, aber, was diese Szene angeht, habe ich herzlich wenig Musik aus diesem Genre in meinem Archiv. Aber dafür das hier:
Ich mag die Art total , wie Johne Darnielle mit seinen Mountain Goats einzelne Figuren Randaspekte und Stories jener weitgefächterten Szene auf GOTHS Revue passieren lässt (bis hin zu poettugiesischen Metal Goth Bands😉) , ein Album übrigens ohne Gitarren ausser einer Bassgitarre) – und wie gewohnt mit exzellenten Lyrics! „Goths sounds nothing like goth rock, but maybe, Darnielle seems to suggest, every goth rocker is destined to write their own bookish, soft-rock opus about nights doing cocaine while listening to Bauhaus.“ Der Satz bringt es auf den Punkt.

Kleine Abschweifung: das ganz neue Mountain Goats Album ist ein kleines oder grosses Meisterwerk, das sich durchaus goth-verwandten Themen (Tod, Einsamkeit etc.) mit musical-affinen Passagen annähert. HIER eine mir aus dem und sprechende „Besprechung“. Die das Album auch mal in den Kontext der Geschichte von John Darnielle rückt. Ein raffiniert konstruiertes, existenzielles, humanes Album. Das ich jedem Flowie und wohlgesonnenen Lesern ans Herz legen würde – es könnte ein neues Lieblingsalbum werden von Bernhard, Olaf Ost, Lorenz, Ingo, und vielleicht auch von Olaf West! Als CD und DoppelLP erhältlich! „Through The Fire Across To Peter Balkan“ is that good.

Keine Spur hingegen von ironischen Brechungen oder schwarzen Humor bei Lucrecias neuem Streich: es wäre spannend, mal mit Lucrecia Dalt, der neuen besten Freundin von David Sylvian (zu seinen Konzerten kamen ja auch gerne viele schwarzgekleidet), ein Interview über ihre Beziehung zu „Goth“ zu führen. Ihre Erinnerungen, ihre Geschichten dazu. Eine Spezialistin für Horrorfilme ist sie allemal. „A Danger To Ourselves“ ist eines der grossartigsten Alben des Jahres 2025, nicht nur in meinen Ohren, und mit einem Cover, das noch jeden ehemaligen „Grufti“ hinterm Ofen hervorlocken würde. Im Ernst, ein klanglich restlos faszinierendes Werk. HIER das Video zum Song „Divina“. Übrigens ist fas Cover eine Hommage an David Lynchs „Twin Peaks“. Zum Titel des Albums sagt sie:
Das alles ist hier nur ein kleines Echo auf Jans Text.
Die letzten Rätsel des Weissdornwegs
Es war ein Film, der mich tief berührte, als ich ihn einst im Kino sah, entführte er mich doch ins Reich der Kindheit, und da war es egal, ob die Geschichte in Amerika spielte oder am Weissdornweg. „Stand By Me“. Ein paar Jungs machen sich auf den Weg in einen Wald nahbei, und entdecken eine Leiche. Rob Reiners Geschichte habe ich auch später immer wieder mal gesehen, und er meinte, der Erfolg des Filmes habe auch damit zu tun, dass es an einer Stelle heisse, solche Freundschaften, wie man sie mit zwölf Jahren habe, gäbe es nie wieder. Sentimental oder nicht, ich würde dem zustimmen, machte ich mich doch vor Jahr und Tag auf die Suche nach meinem einstigen besten Freund in Volksschulzeiten. Dass sie Schule Brüder Grimm-Schule hiess, hätte auch Stephen King gefallen, der die Vorlage für Rob Reiners Film lief. Meine kleine Detektivstory kann hier jeder nachlesen, der unter suchen „Im Club der Fische“ eingibt, vier Teile finden sich da mindestens.
Und es hatte etwas Tragisches, dass ich ihn nur ganz knapp, etwa um drei Häuser, verfehlte, meine besten Freund, weil ich meine Suche an einem bestimmten Punkt abbrach. Ich hätte ihn beinah noch einmal angetroffen, wenige Monate vor seinem Tod. Wäre es zutiefst bewegend gewesen, keine Frage, ja! Bestimmt auch befremdlich für Mattes, wenn da plötzlich ein Zeitreisender vor der Tür gestanden hätte, und ich aus Verlegenheit mit dem Finger in die Richtung der Weissen Taube gezeigt hätte, wo uns zwei Kids 1966 völlig humorlos mit einem Messer bedroht hatten.
Dafür begegnete ich andern aus meiner ersten Schulzeit, Zurli, Klaus, und vielleicht bald auch Zurlis Schwester, die das lebende Gedächtnis der Siedlung im Weissdornweg in Dortmund zu sein scheint, wenn Zurli mal so ins Reden komm. Es gäbe noch einige Geheimnisse zu lösen, ein paar verdammt offene Fragen, und wenn wir einfach mal einzelnen Puzzlestücken hinterhergingen, und unsere Erinerungen wie durchsichtige Polaroids übereinanderlegten, köme vielleich das eine oder andere heraus. All das brachte sich mir in Erinnerung, als ich gestern vom gewaltsamen Tod Rob Reiners las, und von den hässlichen Worten, die ihm der Abschaum von einem amerikanischen Präsidenten hinterher geschickt hatte.

Die gute alte Singerhoffstrasse. Eine Art Hörspiel mit Zurli.
(einfach auf die obige Zeile klicken und auf halbswegs tauglichen Lautsprechern laufen lassen.)
Gespenstergeschichte
Vielleicht ist es vier Wochen her, als ich mich mit Zurli traf und wir endlich unseren kleinen Spaziergang durch die alte Siedlung unserer Kindheit unternahmen. Er war ganz schön angeschlagen, und ich war auch nicht bester Stimmung. Der Himmel war tiefes Grau, ab und zu zog ein dichter Vorhang voller Regentropfen über uns hinweg. Der Weissdornweg. Das Seltsame war, dass die ganze Siedlung wie ausgestorben dalag. Also, weil alle Menschen fort waren, blieben die Dinge allein, um Erinnerungen auszuösen. Das war die grosse Garagenfront, wo wir Fussball spielten, und das Knallen des Balls gegen metallische Tore einen solchen Krach verursachte, das ein Rechtsanwalt an der Grotenbachstrasse immer wieder laut rumtobte. Aber wir waren Kinder, unangreifbar. Natürlich wurde einiges in der alten Siedlung, die um 1960 hochgezogen wurde, renoviert, die Fassaden glitzerten runderneuert. Aber die als Tore dienenden alten Teppichstangen waren verschwunden. Zurli konnte sich nicht an die buschikose Beate erinnern, die genauso gut mit dem Ball umgehen konnte wie wir, und in die heimlich verliebt war. Wir tauschten unsere Erinnerungen aus wie Bilder einer Wundertüte, wohl wissend, dass diese fernen Dinge der Volksschuljahre immer nur kurz aufblitzen würden, um dann wohl für immer zu verschwinden. Die Melancholie war greifbar. Einmal begegnete uns dann doch ein Mensch, der aussah wie ein Oberschullehrer und sich seltsam zielstrebig und fussläufig duch die Siedlung bewegte. Er schien hier ein Leben zu haben, wir hingegen hatten den Wind, den Nieselregen und all die kurz aufflackernden Momente aus der Tiefe des letzten Jahrhunderts, Momente, die einmal den Anschein hatten, für immer und immer zu sein, bruchfest, verlässlich, widerständig. Sie waren alles andere als das. Ich liege auf der Couch, der Himmel hat das gleiche Weissdornweggrau, und ich gehe gleich in meine Höhle und höre „The Resurrection Game“ von Emma Swift. Ein wunderbares Album.