• Reverberations of non-stop Traffic on Redding Road

    „I would beg listeners both animal and human to allow these beautiful landscapes I’ve created in collaboration with Mark Nelson to sing and speak and weep for themselves. Please. Forget about words. Just LISTEN.“ – Kramer  


    „It was an honor to work with Kramer (…) For the music, this line from Arthur Russell says it so well: ‚If I could convince you these are words of love, the heartache would remain, but the pain would be gone‘.“   – Mark K. Nelson (Pan American)

  • Der kurze Brief zum langen Abschied


    Bei dem Titel des Posts könnte man an den alten Schmöker der Innerlichkeit denken, an die seltsame Verfilmung von Herbert Vesely von 1974, und die Filmmusik von Brian Eno, aber das ist eine optische Täuschung. Kleiner Sprung, verwandtes Thema: seit One Man’s Treasure aus dem Jahr 2005 hat Mick Harvey, einstiger Bad Seed bei Nick Cavem eine Reihe von Alben veröffentlicht, auf denen er Originalsongs mit Überarbeitungen seiner beliebtesten Songs mischt. Jetzt schließt er dieses Projekt mit einem Album ab, das von Abschlüssen, Abschieden, Untertauchen, Sentimentalität und purer Melancholie geprägt ist. Originaltitel wie das von Streichern getragene und doch subtile „Heaven’s Gate“ – mit einer reichen, zarten Stimme – fügen sich anmutig und thematisch in Songs von The Saints, Fatal Shore und Lee Hazlewood ein. Hier zu hören ist Harveys bis ins Mark gehende, dekonstruierte Klavierversion von Neil Youngs „Like A Hurricane“, die sowohl zerbrechlich als auch mutig ist, und eine schöne Endnote. Auch die beiden alten Filme von Kira Muratowa – voller Endnoten und Abschiede. (michael engelbrecht and his source)

  • There‘s Something In A Sunday

    Ein alter Freund von mir, der Anwalt für Konzernrecht war, ein mir völlig fremdes Terrain, und mittlerweile den Planeten gewechselt hat, hatte früh in den Neunziger Jahren in San Francisco eine recht kurzzeitige, aber erfüllte Beziehung mit einer Frau, die das Vorbild war für Sharon McCone, eine literarische Figur im Werk von Marcia Muller. Er war auch grosser Bob Dylan-Fan, und zeigte mir einmal seine signierte Erstausgabe von „Blonde On Blonde“. Da er viel in San Francisco zu tun hatte, war ich stets neugierig auf seine Stadtgeschichten (er war, was man bei seinem Job nicht unbedingt erwartet, mit Gary Duncan gut befreundet, einem Mitglied des Quicksilver Messenger Service), und ich mache es mir noch heute zum Vorwurf, nie nach San Francisco gereist zu sein. Aus Filmen ist mir die Stadt so vertraut wie der Central Park in New York, den ich auch nur einmal, und dann noch kränkelnd, unter dem Einfluss von Montezumas Rache, erlebte. Lajlas San Francisco-Stories würde ich auch gerne einmal hören.

    Auf jeden Fall brachte mir David einmal aus seinem Lieblingsbuchladen in San Fran einen brandneuen Roman von Marcia Muller mit, die er auch damals durch Eve kennenlernte, 1989, in einem Cafe in Ashbury Heights, das den Wirren der Hippie-Ära getrotzt hat. Der Titel: There‘s Something In A Sunday. Und so landete ich, mitten im Leben und neunten Roman rund um Sharon, in San Francisco, der Anwaltskanzlei All Souls, und einem Mordfall. Marcia Muller versteht es brilliant, die Historie der Stadt in lebendigen Schilderungen aufleben zu lassen, stets konkret festgemacht mit dem Auf und Ab eines Krminalfalls, ihres Berufs- und Liebeslebens, und dem ihrer Kollegen und Freunde.

    Sharon war eine der ersten Detektivinnen, die sich ihren männlichen Kollegen zugesellte, eine kluge Frau, die mehr auf Köpfchen als auf Karate setzt, dem Leben als sehr sinnliche Veranstaltung begegnet, und in diesem wirklich tollen, im besten Sinne traditionell geschriebenen Roman (der, wie viele andere dieser Reihe, antiquarisch zu finden ist, als Fischer-Taschenbuch) gleich zu Beginn, einen Sonntag lang, kreuz und quer durch ihre Stadt fährt, um den seltsamen Wegen eines gewissen Frank Wilkonson von Blumenladen zu Blumenladen zu folgen, durch zahllose Gartencenter und tropische Gewächshäuser am Golden Gate Park. Man könnte an Alfred Hitchcocks wunderbare Kamerafahrten aus Vertigo denken, auf den Spuren von James Stewart. Aber die Story entwickelt sich ganz anders, und als professionelle Beschattungskünstlerin hat Shar, wie ihre Freunde sie liebevoll nennen, am Ende des Sonntags ein halbes Gartensortiment in ihrem Auto verstaut. Mit grossem Vergnügen und leichter Wehmt lese ich den Roman gerade, nach Ewigkeiten, zum zweiten Mal (während wir abends John Sugar in der tollen Detektivserie auf Disney + durch die Strassen von Los Angeles folgen). Leider fand Marcia Muller hier in Deutschland nur eine kleine Leserschar, in den USA hat sie gerade ihren neuesten Roman rausgebracht, und Jan R. hat vielleicht vor kurzem in der New York Times die sehr positive Besprechung gelesen. Sharon McCone is still alive and kicking. (m.e.)

  • Die blaue Rhapsodie

    Ich hörte „Rhapsody in Blue“ zum ersten Mal in meiner Kindheit Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums löste der Pianist Ethan Iverson neulich eine lebhafte Debatte aus, indem er in der New York Times die künstlerische Wirkung dessen untersuchte, was er als „naiven und kitschigen“ Versuch bezeichnete, die oberflächlichen Merkmale des Jazz mit der europäischen Klassik zu verschmelzen – damals wie heute. Wenn „Rhapsody in Blue“ ein Meisterwerk ist, so schrieb er, dann ist es sicherlich „das schlechteste Meisterwerk“: ein unbequemer Kompromiss, der den Fortschritt dessen blockierte, was später „Third Stream“ genannt wurde, und mit dem wir sowohl „gesegnet sind als auch feststecken“. Dank des Einflusses meiner Mutter betrachte ich es aus einem etwas anderen Blickwinkel. Für mich war es in meiner Kindheit eine Einstiegsdroge. Ich liebte die spektakuläre Klarinetteneinleitung, die wechselnden Melodien und die Andeutungen von Synkopen, aber vor allem reagierte ich auf die Tonalität, die den Titel widerspiegelt. Es dauerte nicht lange, bis ich einen Weg einschlug, der zu Duke Ellington, Charlie Parker, Thelonious Monk, Miles Davis, Charles Mingus, John Coltrane, und all den anderen, bis hin zu den Vijay Iyers, Matana Robertses und Tyshawn Soreys des heutigen Jazz. Schon bald hatte ich herausgefunden, dass eine Unze Ellington mehr wert ist als eine Tonne Gershwins Instrumentalmusik, aber ich bewahre mir eine respektvolle Dankbarkeit gegenüber „Rhapsody in Blue“ und seiner Rolle als Einstieg, genauso wie gegenüber „The Glenn Miller Story“ und „Take Five“. Das, was ich hier nicht als Zitat ausgewiesen habe, ist die stark gekürzte Übersetzung eines neueren Textes von Richard Williams. Aus seinem Blog „The Blue Moment“, Teil unseres Blogrolls. Neben den Mentoren, die ich in meinen gut drei Jahrzehnten Radio hatte, Volker Bernius, Harald Rehmann und Michael Naura, war Richard Williams in meiner Studentenzeit in gewisser Weise auch ein Mentor. Seine Texte in Melody Maker waren die eines Wahlverwandten – er wusste Brücken zu schlagen zwischen Claude Debussy, Jan Garbarek und Brian Eno. Nicht einmal lege ich eine Schallplatte von Walt Dickerson auf, ohne kurz an Richards knappe Einführung in die poetischen Sphären des Free Jazz zu denken… und ein Fussballnarr ist er auch! Diese feinen geistigen Verbindungen, getriggert allein durch Worte, Klänge, Stories! (r.w. + m.e.)

  • British Sleeves Of Desire


    Ja, schauen Sie nur. Wer mit Schallplatten und seltsam grosser Liebe zur Musik aufgewachsen ist, kennt diese enge Verbindung, welche zwischen Hörern, Klängen, und Plattencovern entstehen kann. Ganze Abhandlungen, Promotionsarbeiten, Bücher sind geschrieben worden, um etwa die Coverart und einzelner Labels zu ergründen (Blue Note, ECM) – nicht zu selten habe ich nachts im Radio von diesen Covern erzählt, oder Künstler erzählen lassen, wenn mich ein Cover ganz und gar gefangen genommen hat, sich der Musik ebenbürtig erwies, zumindest als perfekt gestaltete Eintrittskarte!

    „Provenance“ von Björn Meyer fällt mir just ein. Und sowieso Wade Carters „Overpass“, das Bild für Marc Johnsons wundervolles Solobassalbum – und diesen Blog (permission granted, thank you so much, Mark!). Oder, wenn ich an britische Cover denke und das perfekte „coffeetable book“, das Richard Williams soeben auf seinem Blog „TheBlueMoment“ vorstellte, an Julie Tippetts‘ „Sunset Glow“. An John Surmans „Westering Home“. An die erste Azimuth-LP (s. ARCHIVE).

    Alle die freien und geleiteten Assoziationen entführen in tiefe Schächte, unerhörte Räume, ureigene Paradiese, Areale, die man gerne mit Seelenverwandten teilt. Für Richard ist das oben abgebildete, ganz schön seltsame, Cover so ein Glanzstück, und kann solches überhaupt nur werden, wenn die Musik den Zauber erfüllt, den das Cover suggeriert. Übrigens ein von Robert Wyatt über alle Massen geliebtes Album – ich zitiere Richard: „Labyrinth“ findet eine andere und sehr unterhaltsame Art, die Geschichte zu erzählen, indem es das Artwork und die Informationen, die in den 12 x 12-Albumhüllen enthalten sind, aus der Zeit der hilfreichen Cover-Notizen nutzt. Und wenn ich die Wahl zwischen all diesen Alben hätte, aber nur eines behalten dürfte? Wahrscheinlich wäre es Very Urgent von den Blue Notes, ihre erste Aufnahme nach der Landung in Großbritannien aus Südafrika. Produziert von Joe Boyd bei Sound Techniques und unter dem Namen von Chris McGregor auf Polydor veröffentlicht, ist es heute noch genauso berauschend wie 1968, und sein langfristiger Einfluss ist immer noch zu spüren, sogar in der Arbeit junger Musiker, die damals noch nicht geboren waren.

  • Lucy empfiehlt Nicoles neuesten Streich

    „Es ist wunderschön anzusehen, die Hauptrolle spielt eine Villa mit 4.000 Zimmern an einem wunderschönen Küstenabschnitt der USA, und es ist voll von verschwenderischem Lebensstil, der durch den Reichtum der fünften Generation finanziert wird. Es gibt Kaschmirstrümpfe in unpraktischen Farben, eine noch schönere Küste, einen Mord, für den fast jeder in der Umgebung ein Motiv hatte – und habe ich schon die schöne Küste erwähnt? Wir können nur in der Gegenwart von Nicole Kidmans neuestem Fahrzeug sein. Diesmal heißt es The Perfect Couple, aber Sie können es sich als Big Little Lies vorstellen, das von Monterey, Kalifornien, nach Nantucket, Massachusetts, verlegt wurde. Oder als The Undoing mit Handlung. Oder wie Nine Perfect Strangers, aber nicht so verrückt. Wie jeder luxuriöse Krimi dieser Tage ist auch dieser Film ein Teil von The White Lotus – in dem Kidman nicht mitspielte, aber wer kann sich schon daran erinnern?“

    Dies ist der Anfang von Lucy Mangans Besprechung der brandneuen Netflix Mini-Serie „The Perfect Couple“ (sechs Folgen, im Deutschen umbenannt in „Ein neuer Sommer“). Wer alles lesen möchte – bittesehr! Ich empfehle es für hinterher.

    Anfangs ergeht es vielen sicher so, dass man geneigt ist, angesichts all der überkandidelten Protagonisten auszuschalten, aber es dauert nicht lange, dann werden die Risse und Brüche in diesem Jahrmarkt der Eitelkeiten sichtbar, und die Story und ihre Dreidimensionalität nehmen Fahrt auf.

    Es wird spannend. Und das, obwohl zum neuen Mainstream gewordene Muster dieser Art von Storytelling unüberschaubar sind, wie etwa das kommentierende „Theater der Zeugenbefragung“. Macht aber nichts, wenn alles so furios und gekonnt in Szene gesetzt wird. Die beiden Detectives sind allein schon ziemlich klasse.

    Zur guten Schauspielerei zählen oft die Sekunden und Sekundenbruchteile Schweigen , um die Aussagen des jeweiligen Gegenübers sacken zu lassen. Dazu gibt es hier jede Menge Anschauungsunterricht. Die von Lucy Mangan angeführten Serien sind durchweg sehenswert, mit Abstrichen auch „The Undoing“. (m.e.)

  • …  som congaseller bongotrommene, eller hva nå trommedelene var…

    Det var en øyeåpner den gangen,
    for det er absolutt ikke slik
    at favorittmusikerne dine alltid
    alltid matcher din egen smak,
    når de skryter av favorittplatene sine.

    I Amsterdam Record Shop rett overfor
    overfor Dortmund sentralstasjon,
    så jeg en gang dobbeltalbumet
    «Get Up With It» av Miles Davis,
    og tok den straks fordi den var helt ny.

    (Jeg kjøpte også, rykende fersk og helt ny, Keith Jarretts
    helt ny, Keith Jarretts «Köln Concert», en
    rush. Ikke så mange år senere
    Werner Panke snakket om en annen type rus,
    Eller kalte han det et «rusmiddel». Det var
    «Sun Bear Concerts», Keith i Japan, solo,
    10 plater. Jeg bestilte dem fra «jazz by post»,
    Jeg ser meg selv for meg i dag, da pakkebudet leverte,
    løpende ovenpå med esken. Det var en
    RAUSCH. Men hallo 🙂

    Tilbake til «Get Up With It».
    Hjemme hørte jeg på de fire sidene i ett strekk,
    og ble begeistret, spesielt av den
    lange, merkelig annerledes klingende «He Loved Him Madly».
    Noen uker senere leste jeg i det franske
    «Jazz Magazine» en anmeldelse av en franskmann
    som ville bygge en bro
    mellom den elektriske Miles, og
    de lytterne som sørger over Miles‘ gamle musikk.
    Miles‘ gamle musikk.

    Så han skrev: «Folkens, vær så snill å lytte til
    «Mayisha» og ‘He Loved Him Madly’.
    «He Loved Him Madly», kanskje dere liker den også.
    som E.S.P. og alle platene til den andre
    av den andre Miles Davis-kvintetten.
    Godt forsøk.

    Det gikk noen år, så roste Brian Eno
    Brian Eno hyllet denne hyllesten til The Duke,
    som en blåkopi og lydideal for «On Land».
    Jeg spurte ham om det en gang, og han sa
    at han elsket det, sammen med alt annet, som congas
    eller bongotrommene, eller hva nå trommedelene var,
    hørtes ut så utrolig langt unna, 200 meter bak scenen.
    bak scenen, som fra horisonten.

    Jeg skulle gjerne hørt surroundversjonene av
    HE LOVED HIM MADLY og ON LAND!!!!
    On Land er tilgjengelig fra apple som surround hodetelefoner,
    Jeg synes ikke det er på langt nær like spennende som
    Som en ekte quad eller 5:1 miks.

    Jeg elsker forresten også de to siste innspillingene
    av Electric Miles. AGHARTA og PANGAEA.
    Folk liker å kritisere dem for ikke å være gode
    lydopptak, enten det er fra plate eller CD.
    Men når man lytter til disse to dobbeltalbumene
    fascinasjonen av lydene
    alltid hatt overtaket
    over det analytiske øret.

  • “Wir sind ja hier nicht in der Philharmonie“ – Arbeitstitel meiner Kurzgeschichte über meine Begegnung mit Beth Gibbons in Brüssel



    Sie haben lange kein aktuelles Interview mehr mit Beth Gibbons gelesen?! Das wird sich bald ändern. Die einstige Sängerin von Portishead gibt ja prinzipiell keine Interviews. Als ich sie vor Monaten auf einem alten Filmchen in einer Gesprächsrunde sah, in der sie, im letzten Jahrhundert noch, von einem Quasselkopf ohnegleichen befragt wurde, der die Antworten stets selbst lieferte, konnte ich gut verstehen, wieso. Nun, am 6. Dezember , gibt es hier meine short story zu lesen meine 30-seitige Novelleüber meine aussergewöhnliche Begegnung mit Beth, die mit „Lives Outgrown“ gewiss nicht nur mein „album of the year“ herausgebracht hat. Gebunden wie einst im Copyshop, simpel, und mit lediglich meinem Autogramm ausgestattet, gibt es 50 Exemplare davon, als ideales Weihnachtsgeschenk für Liebhaber von Beth Gibbons‘ neuem Album und ihre Sangeskunst überhaupt. Jedes handverlesene und nummerierte Exemplar (es werden 50 durchnummerierte „Unikate“ sein, und es wird kein einundfünfzigstes Exemplar geben) kostet jeden Vorbesteller 100 Euro Vorkasse. Ich sehe das auch als Dankeschön mancher LeserInnen für 12 Jahre Manafonistas und 1 Jahr Flowworker. Ich bin zudem aus besonderen Gründen verpflichtet, hier mitzuteilen, dass es ein Werk der Fiktion ist, welches auf wahren Ereignissen basiert. Meine Lieferung kommt per Post, um den Nikolaustag herum, und enthält zusätzlich, natürlich ohne Aufpreis, fünf Cds, von denen ich annehme, dass sie der Bestellerin oder dem Besteller zusagen. Mir unbekannte Aufrragserteiler erhalten zeitnah einen Fragebogen über Lieblingsalben. Diese Unternehmung ist durchweg ernstgemeint. Die vorbereitenden Notizen sind alle untter Dach und Fach, mit dem Schreiben beginne ich, sobald 25 Bestellungen eingegangen sind. Dann auch erst werde ich um Vorkasse bitten. Die Kommentarfunktion und alle Rechtswege sind ausgeschaltet. (Michael Engelbrecht)