So gehen Kurzbiografien

Alf Mayer wuchs als Bauernsohn im Allgäu auf. Sein Dorf hieß, ungelogen, Jedesheim. Er wurde Journalist und Städter, lebte 33 Jahre in Frankfurt. Heute in Bad Soden am Taunus, wo er ein altes Kino retten half.Er war Redakteur der legendären Medienzeitschrift »medium«, gewann dort Georg Seeßlen als Autor, arbeitete mit Edgar Reitz (Heimat) und mit Alexander Kluge, übersetzte Noir-Krimis. Ist Mitherausgeber von CulturMag/CrimeMag.
Georg Seeßlen verbrachte eine glückliche Kindheit in der Großstadt München und im Alpenvorland und eine sehr viel weniger glückliche Jugendzeit in einer rheinischen Beamten- und Garnisonsstadt. Studierte Kunst in München, spielte wie üblich in einer Rockband. Nach einer sehr lehrreichen Zeit als Briefträger und anders lehrreichen Tätigkeiten beim Fernsehen blieb das Schreiben für Zeitschriften und Radio und das Verfassen von Büchern übrig. Dabei ist es geblieben.

Wer erinnert sich an „Red Sails“, einen der besseren Songs des insgesamt nicht so dollen David Bowie-Albums „Lodger“:  „The hinterland, the hinterland / We’re gonna sail to the hinterland / And it’s far far, far far far, far far far away“. Das Stück wurde stark von deutschen Krautrock-Bands wie Neu! (mit ihrem typischen „Motorik“-Beat) und Harmonia beeinflusst. Bowie kombinierte dieses deutsche Gefühl mit einer Art schiffbrüchigen oder abenteuerlichen Seefahrer-Atmosphäre. Auf jeden Fall wäre dieser Song wohl eine gute Einstimmung für die Lektüre dieser etwas anderen Notizen aus der Provinz (soweit ich mich an die Erforschung medialen Undergrounds und diverser Trvialmythen der Zwei erinnere (natürlich mit doppeltem Boden und leicht verschärftem Bewusstsein)!

P.S. Und ein paar Monate später, im März 2027, begibt sich Jan Reetze auf die Spur des Sound-Astronauten Peter Thomas, der den Soundtrack der Wirtschaftswunderjahre schrieb: Songs für Esther & Abi Ofarim, Juliette Gréco, Donna Summer, Schlager, Kabarettstücke, Bühnen- und Hörspielmusiken, drei Musicals. Edgar Wallace. Karl May. Raumpatrouille Orion. Klingt nacn zwei Büchern, die ziemlich gut zusammenpassen, oder?!

9 Kommentare

  • Michael Engelbrecht

    Ich kenne und schätze etliche Texte, die ich von diesen Beiden gelesen habe. Ich freue mich auf das Buch, und wenn ich die Ankündigung des Ventil-Verlages lese, fallen mir sofort ein paar magische Lesemomente ein:

    +++ Erscheint am 20. November 2026, jetzt vorbestellbar +++

    Kommt ein Städter in die Provinz (und umgekehrt)

    Wie eine Gesellschaft funktioniert (oder nicht funktioniert), das wird nun mal nicht allein in den großen Städten entschieden, sondern auch auf dem Land. Die Provinz wird stets zugleich verachtet und als Vitalkraft geschätzt und missbraucht. Aber nicht nur um Provinz im territorialen und politischen Sinn, sondern auch um das Provinzielle als Lebens- und Wahrnehmungsform geht es. Vor dem Provinziellen kann man erschrecken, und man kann es lieben, es ist zugleich eine Realität und eine Fiktion. Und nicht nur Provinzler, sondern alle Menschen tragen das Provinzielle in sich, teils bewusst, teils gespenstisch. Provinz ist der Ursprung des Menschen und vielleicht auch das Ziel.

    »Provinz« versammelt zwölf Essays, die in einer dialogischen Doppel-Autorenschaft zwischen Alf Mayer und Georg Seeßlen entstanden sind. Es geht dabei um Aspekte von Alltag und Kultur, die in der Regel in ihrer Bedeutung unterschätzt werden. Themen sind unter anderem Heimatkrimis, Schulwege, Amerika als Sehnsuchtsort, Bauernkinder, Heimatmuseen, Ministranten, die Nazis im Dorf, Touristen, der Wald, der See, das Feld.

    Illustriert mit einer Fotoserie von Manfred Etten

  • Thomas Pannhorst

    Sehr interessant, Michael.
    Ich bin ein großer Liebhaber von „Heimat“ und „Zweite Heimat“. Die Provinz ist für’s Deutschsein prägender als die Großstädte, finde ich.

  • ijb

    Bowies „Lodger“-Nummer ist ja eigentlich fast ein Eins-zu-eins-Cover oder -Remake von Harmonias „Monza (Rauf Und Runter)“. Im Sommer war ich hier in der Nachbarschaft im Garten der Neuen Nationalgalerie beim Konzert von Michael Rother (am Schlagzeug saß Hans Lampe), und das war für einen Bowie-Fan (wie mich) schon recht faszinierend, wie da mindestens die Hälfte der Stücke sehr nach so einigem aus Bowies „Berliner Trilogie“ klang. Wenn ich mich recht erinnere, wollte er ja sogar, dass Rother eigentlich die Gitarre auf „Heroes“ spielte, aber irgendwas kam dann dazwischen.

    Es mag wohl stimmen, dass Bowie und Visconti (und Eno?) damals das Album nicht richtig fertig gemischt haben, was wohl zu dem eher mauen Ruf des Albums beitrug (sowie außerdem vermutlich die Tatsache, dass Bowie vorher reihenweise 5-Sterne-Alben rausgebracht hatte und diese Platte dann nur viereinhalb Sterne bekommen konnte), und sie dann viele Jahre lang unglücklich mit dem Klang des Albums waren, und Herr Bowie dieses Manko zeitlebens noch korrigieren wollte. Postum erschien deshalb schließlich ein neuer Visconti-Mix nach Bowies Notizen, der das Album deutlich aufwertete. Aber auch unabhängig davon fand ich „Lodger“ immer sehr gut und halte es für sträflich unterbewertet. Dabei ist es ja keineswegs einfach nur eine schlechtere Neuauflage des Low/Heroes-Musters oder gar eine „Repetition“ derer, sondern hat nicht unwesentlich neue Ansätze und Ideen, die an die vorherigen anknüpfen und darauf aufbauen, was oft genug missachtet wurde. Es ist eher ein Songalbum mit experimentellen Ansätzen, hat eine kantigere, minimalistischere Ausrichtung als seine beiden Vorgänger, was es für Rockfans zugänglicher macht und ihm zudem eine unmittelbarere, emotionalere Wirkung verleiht. Es mag die Grenzen des Rock nicht so sehr erweitern wie „Low“ und „Heroes“, nutzt diese Ideen jedoch wohl auf effektivere Weise. (zitiert nach Stephen Thomas Erlewine, der das Album im Rückblick auch auf 4 1/2 Sterne aufwertete.)

    Witzigerweise bin ich just vor zwei Tagen über dieses Interview mit Eno gestolpert, wo er etwas Zentrales über Bowie sagt, das sich höchstwahrscheinlich auf konkrete Areit an „Lodger“ bezieht (es könnte für mehrere Songs des Albums gelten):
    https://youtu.be/7uSyDxzvCBE?si=zzsNdotT_pB4-7Je&t=70

  • flowworker

    Aus meinem Interview mit Eno (s. Monthly revelations, November, TALK) – auch eine Provinzgeschichte😉

    Michael: In deiner Musik schwingen oft ferne Landschaften mit. Als du mit Harmonia Musik gemacht hast, ungefähr in der Zeit, als mit Moebius und Roedelius die Alben „Cluster & Eno“ bzw. „After The Heat“ entstanden, Mitte der Siebziger Jahre, da hast du ja selbst mal auf dem Land gelebt, im Weserbergland…

    Brian: Es war eine sehr angenehme Zeit, dort zu arbeiten. Es war eine Art Luftblase in meiner Geschichte. Teilweise, weil es eine so entlegene Gegend war. Wir arbeiteten nicht weit entfernt von diesem mächtigen Flußlauf. Der Song „By The River“ aus meinem Album „Before And After Science“ ist an diesen Ort gebunden. Wir lebten in diesem sehr stillen ruhigen alten Bauernhaus. Die Weser war dort ein schneller, fast rasender Fluß. Mir kam er vor wie ein Bild für die ungeheuer schnell verrinnende Zeit. Demgegenüber wirkte das Leben in dem alten Haus noch ruhiger! Die Musik, die dort entstand, besaß etwas Magisches. Wie können wir aus Nichts Etwas machen? Das war die Kernfrage. Wie bei einem Zaubertrick. Wir hatten nur einfache Instrumente, ein einfaches Studio. Ich weiß nicht mal, ob ich irgendwas mitgebracht hatte. Wir benutzten einfach, was in dem Raum vorhanden war, und das war nicht viel.

  • flowworker

    @ Ingo: da du ja nicht der Weltgeist bist (das bleibt dann doch Norbert Ennen vorbehalten😉) kann ich deinen Lobgesänge auf Lodge der nachträglichen Neubearbeitung zum Trotz, der für einen sehr viel transpareneteren Sound sorgte) nicht folgen. Drei richtig gute Songs (Fantastic Voyage, Africsn Night Flight, Yassassin, der Rest so okay bis solala und manchmal auch schlicht uninspiririert. Sträflich unterbewertet? Nö!

    Ich kaufte damals als es ersxhie LOW – der Hammer, 5 Sterne, dann, als es rauskam, HEROES, tolles Album! Aber einige schwächere Passagen und Momente, 4 Sterne, und dann freute ich mich riesig auf LODGER – und war beim ersten, zweiten und dritten Hören einfach nur enttäuscht, 3 Sterne. Ein wahrlich nicht so dolles Album. Imo natürlich.

    Mit einem Plagiatsvorwurf wären Rother und Co. bei Red Sails nie durchgekommen (hätten sie auch nie gemacht, denke ich), zu sehr unterschieden sich die meisten Parameter des Songs von dem von dir anegführten. Und allein ein prototypischer NEU! Beat reicht wirklich nicht aus, es „eigentlich ein fast eins zu eins Cover und Remake“ besagter Stücke zu nennen.

    m.e.

    Ich rufe heute mal bei VENTIL an und besorge mir Fahnen bzw das finished product von Provinz.

  • Der Weltengeist

    Ich wohne doch nicht in einer Hansestadt!
    Ansonsten hat Ingo Recht. Große Künstler klauen rauf und runter, Bowie halt bei Harmonia.
    Und Michael hat natürlich auch Recht. Lodger ist das eher mittelmäßige Album eines großen Künstlers.

  • Michael Engelbrecht

    Danke, Weltengeist, ein salomonisches Urteil verhindert alles Klein- und Grosskarierte🥁…

    Ich habe dieweil schon bei Ventil angefragt, und ein kleines Doppelinterview mit Georg S. Und Alf M. wird wohl noch vor Weihnachten platziert!

  • Olaf Westfeld

    Georg S. Filmtexte habe ich mal eine Zeit lang sehr geschätzt, bewundert. Insofern freue ich mich auf ein Interview.

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