Kurzgeschichten aus Tahiti, mit Posaune und elektrischer Gitarre
Bonjour Michael.
Merci pour l’intérêt que tu portes à notre musique.
Et merci pour ces questions qui m’ont replongé dans l’écoute et le souvenir de cette journée de studio partagée avec Christelle.
Je vis à Tahiti depuis 25 ans et Christelle souhaitait profiter de son premier voyage (j’espère que ce ne sera pas le dernier) pour venir partager un moment musical avec moi (sous les conseils d’un ami commun).
Je lui ai proposé que nous nous rencontrions directement en studio. Sans idée de départ nous avons simplement conversé.

Patrick Guerlain, notre ingénieur du son est un élément moteur. Son écoute nous a porté tout au long de cette journée.
- Le studio se situe dans un endroit formidable de Tahiti, sur la Presqu’île. On est ici en Polynésie Française. Christelle et moi avons traversé toute l’île en voiture pour arriver dans cet endroit magnifique. La route côtière de la côte Est garde un aspect très naturel. Les plages de sable noir, les vagues, la végétation, la montagne… Christelle s’émerveillait de tout lors de notre trajet. Et enfin nous sommes arrivés dans ce superbe studio et avons bénéficié de l’accueil et de l’écoute bienveillante de « Patou ». Un endroit, un moment hors du temps… qui a donné naissance à cette rencontre musicale improvisée: poétique, apaisée. Un véritable moment d’échange et de découverte de l’autre et de soi. Les premiers sons de l’album correspondent aux tous premiers sons que nous avons partagé Christelle et moi. Nous ne nous étions jamais entendu l’un l’autre, précédemment.
- La couverture a été réalisé par Oscar Descamps. En effet, elle est drôle… elle a été un inspirée des tatouages réalisés par l’un de ses amis: Ateanui. Elle nous situe Christelle et moi, petits, humbles, aux pieds de la Tradition, Des traditions: du passé, de la transmission mais également de la liberté. Nous nous affranchissons, avec irrévérence de ces traditions même si nous l’avons en nous. Et que nous l’aimons… Vaste thème.
- Ce n’est pas moi qui ai écrit ce texte. On doit cela au Label Cleanfeed. Mais comment décrire ce chemin hors-piste de l’improvisation ??? C’est une jolie question. Aucun chemin ne se ressemble. Dans le cas présent, l’échange musical avec Christelle m’a semblé être un dialogue, un propos d’une grande sincérité. Un échange sans volonté de s’imposer à l’autre. A l’écoute j’entends une forme de courtoisie constante. On joue ici notre liberté, avec plaisir et sans contrainte, sans crainte car chaque faux-pas sera respectable. On prend ici le temps de chercher pour trouver, sans G.P.S. Trouver un ailleurs, loin de tout.
- Haere: passé l’introduction, Christelle m’a proposé une pulsation hypnotisante sur laquelle il m’était impossible ne pas faire chanter mon trombone. Cette notion d’échange a toute sa place ici, puisqu’en conclusion c’est Christelle qui conclue ce morceau, mélodiquement.
- Hiro a Hina: on étire, on accélère le temps musical: un chewing-gum métronomique où l’on se retrouve tous deux. Christelle développe un petit interlude. Et ensuite on se retrouve comme dans une comptine surréaliste. J’aime beaucoup ce moment, fragile, sensible. On marche là sur un fil poétique
Et voilà. n’hésite pas si tu as d’autres questions.
très cordialement
JérômeMonthly Revelations (July)
Diesmal fast nur ein „Bilderbogen zum Schmökern“. Und das Verstörende im Zentrum (TALK): ein Gespräch mit Jonathan Glazer über sein Meisterwerk „The Zone Of Interest“: „Wir fürchten uns davor, in den Tätern ganz normale Menschen zu sehen“ (mit freundlicher Genehmigung der SZ, vom Februar 2024). Drumherum, zum Entdecken und Wiederentdecken, zwei Bücher (eines über das Label ECM, und ein alter Lyrikband, der auch ein Bilderband ist), eine deutsche TV-Serie, die zurecht Geschichte geschrieben hat, ein alter Film vom Francois Truffaut, und zwei aussergewöhnlche Alben: Eric Chenauxs „Delights of my Life“ (ich liebe dieses surreale Trio!) kommt auch in den JazzFacts Anfang Juli vor – Ank Anums „Song Of The Motherland“ ist nicht nur, aber überwiegend ein spoken word-Album von 1985, das Shabaka Hutchings neu remastern liess und soeben auf „Native Rebel Recordings“ wiederveröffentlichte. Ein nyabinghi-Ensemble sorgt für rein akustischen background – wer die elektrifizierten Alben von Linton Kwesi Johnson wie „Bass Culture“ mochte, wird hier aus dem Staunen so leicht nicht rauskommen. Hinter Ank Anum steckt übrigens der Vater von Shabaka. Ich hoffe, diese „reissue“ in meine Klanghorizonte Ende Juli schmuggeln zu können. Radiokunst von Lorenz Edelmann gibt es demnächst auch im Radio, wir berichten…Spurensuche
28. Oktober 2021. Der Toyota sprang an, und exakt in der Sekunde fingen mich die ersten Töne eines Liedes ein – „das kenne ich doch“. Sobald die Stimme einsetzt, das wusste ich, wäre ich in dem Song drin. Nun war dieser Anfang mit seinen ruhig gesetzten Akkorden auf der Akustikgitarre viel zu verhalten, um sofort das Deja-Vu zu produzieren. Und dann erzählte Donovan von Atlantis. Es war wie früher, als ich das Lied so viel öfter gehört habe – der gesprochene Teil ist der fesselndere, die Melodie in ihrer leicht trunkenen Benommenheit ein bisschen zu schwelgerisch im Abgang, im fade-out. Ein Gassenhauer halt – im Sommer 64 oder 65 hatte ich noch einen Blutsbruder, und wir sangen den Refrain von Atlantis lauthals um die Wette und legten noch etwas mehr Greenhornteenagerpathos hinein. Wieso man solche Momente erinnert, mit diesem berühmten „als-wäre-es-gestern-gewesen-mindset“. Sunshine Superman hatten wir auch im Programm (in halb konfabuliertem Englisch).
Als ich Mattes vor ungefähr zehn Jahren mal ausfindig machen wollte (ich hatte viele Male versucht), endete die Suche im Telefonbuch, und an der alten Klingel des einstigen Nachbarhauses. Unbekannt verzogen, heisst es ja, im Leben oder anderswo. Aber ein sehr altes Paar hörte ich an jenem Tag in unserem alten Siedlungshaus rumoren, die Eltern der schönen Gabriele, die sieben war, als ich sieben war (und immer von der „Farbenfrau“ träumte, die mich allnächtlich in Serienträumen umarmte, am Rande eines Swimmingpools). In meiner verschwommenen Einbildung hätte ich zu gern das Kopfkissen mit ihnen geteilt, mit Gabi und der Indianerin. Und zu dritt auf dem Transistorradio Donovansongs gelauscht. Ganz real war hingegen die riesengrosse Märklin-Spielzeugeisenbahn von Matthias, am Fuss der blauen Berge.
21. Juni 2024. Noch am Meer mit dem ultramarinblauen Himmel, erreichte mich das weiter unten abgebildete Foto. Die Suche nach meinem Blutsbruder nahm Fahrt auf. Kaum war ich nach Ewigkeiten im Schwimmbad meiner Kinderjahre aufgetaucht, um die unerwartete Stille mit dem Stimmengesang eines fernen Jahrzehnts zu überblenden, stiess ich auf die Telefonnummer von Michael Z. Früher gab es sie nicht, verständlicherweise, als er noch Polizist war. Unsere Wege trennten sich damals, mit einem Umzug in eine andere Siedlung, und meinem Antritt auf dem Gymnasium. Nicht sofort, aber nach zwei, drei Jahren wurden die Besuche weniger, und Mattes und ich waren dem Alter der tollkühnen Streiche, der unschuldigen Popsongs, entwachsen, und träumten von Phänomenen, deren Wesen uns grundlegend unbekannt war.
Nun also schickte mir Michael Z. dieses Bild von der neunten Klasse der Brüder Grimm-Schule, und ich erkannte auf an Anhieb einige Gesichter, den späteren „Schupo“ ganz rechts, Mattes in der letzten Reihe, die mich als Kind seltsam faszienierrnde Margarete S. mit dem Archetyp aller Ponys. Natürlich fragte ich nach. Margarete und Helge lägen schon lange auf dem Friedhof, vernahm ich, und von Matthias hätte er ewig nichts gehört, aber da er die Todesanzeigen regelmässig lese, sei er guten Glaubens, dass er immer noch in einem dieser Reihenhäuser an der Hagener Strasse wohne, und ungefähr beschrieb er mir die Lage. Er habe seine Jugendliebe geheiratet und deren Namen angenommen. Im Örtlichen Telefonbuch fand ich nichts, die in Frage kommenden Häuser sehe ich auch ohne google earth lebhaft vor mir. Mitte Juli werde ich dort von Tür zur Tür gehen, und hoffen, meinen besten Freund wiederzufinden.

Back to the Sixties.– Das Loch da, das nehmen wir.
– Wo?
– Tomaten auf den Augen? Da!
– Jau, knorke!Damals fand Mattes die von einer Metallzange aufgeschnittene Öffnung im Zaun. Wir stahlen uns am Ticket-Stand vorbei (damals hiess das „Kartenhäuschen“), kletterten durch das Loch und sparten uns das Taschengeld. Der FV Hombruch kam nun nicht annähernd heran an unsere früh erwachte Leidenschaft für den BVB, aber wir waren kleine Schlingel und ergriffen frech die Gelegenheit, Dortmunder Fussballwelten zu erkunden. Wir kannten die großen Helden nur aus Radio und Fernsehen, der erste Besuch im Stadion Rote Erde stand noch aus. Aber wir konnten schon den Twist tanzen.
Back To The Nineties
In den frühen Neunzigern waren Sonic Youth die vielleicht wichtigste Band für mich. Auch auf Anregung von Ingos Beitrag zu den 80ern habe ich das erste Mal seit bestimmt 20 Jahren mal wieder etwas intensiver deren Musik gehört und war sehr angetan. Da passt es ganz gut, dass Thurston Moore gerade ein Solo Album ankündigt, beim ersten Track ist Laetitia Sadier dabei, noch so eine Lieblingskünstlerin aus jenem Jahrzehnt: „Sans Limites“.
Johnny Trunk: Audio Erotica (Hi-Fi Brochures 1950s – 1980s)
Remember roller-skating while wearing your first Walkman? Or relaxing to easy listening in your pure white Philips lounge? Or playing chess on your JVC tabletop radio? All these scenarios can be found in the geeky and rarefied world of the vintage hi-fi brochure, where graphic design and acoustic apparatus make magical music together.
From austere postwar Britain to poppy pre-millennium Japan, Audio Erotica presents a nostalgic nirvana of the strangest and most significant period hi-fi brochures. The volume acts as a companion title to the delightful Jonny Trunk/FUEL publication, Auto Erotica: A Grand Tour through Classic Car Brochures of the 1960s to 1980s and is manufactured in the same format. Alphabetically listed, from Aiwa to Zenith, with Braun, JVC Nivico, Nakamichi, Sony and everything in between, this book will resonate with any music fan.
Setting the tempo are the pipe-smoking, high-end separates (amplifiers, speakers, turntables) of the 1950s, followed by the swinging Dansette record players of the 1960s, the prog-brushed-metal music centers of the 1970s and the sleek capitalist cabinet stack systems of the 1980s—not forgetting the aerobic stereo sound portability facilitated by the boombox, and that final high-fidelity, hardware hurrah: the compact disc.
The evocative brochures in Audio Erotica track the technological development of audio equipment before the digital download, while simultaneously revealing the way hi-fi was marketed to the listening public. With knobs on. A striking screen-printed graphic cover on „brushed aluminum“ paper echoes the hi-fi systems shown in the brochures.Dreams of an Ending
Thanks Michael!
Trying to finish this „album“ up, (what is an album, anyway?) but it gets longer and longer, more and more ideas. I will probably end up with a separate album of cast-offs and insane live cuts from ages ago when we were not afraid to lose our hearing, and the hearing of our audiences.
Nearly two years ago:
I’m still working on the next album. It’s a good one, so I’m taking my time. I have one year left in my studio before I get ejected, so I am in no hurry. (…) I am very happy you are still on the radio. I think your voice & selections are best for the magic hours between midnight and 4AM, but we’re all getting older, and sleep can be its own reward. (I loved working those weekend hours at Minnesota Public Radio in my 20s–radio stations are magical at that time, even though you know there are probably only 20 people listening.) (s.t.)

22.52 Uhr. Hyères. Der Gesang in der Luft. 25 Grad und sternenklar. Nicht nur an der Nordsee kann man von einer Radiostation am Meer träumen. Zu den Ritualen des Herumschweifens zählt auch das Mosaik einer Radionachtstunde – so sähe sie im Moment aus, lauter neue Produktionen des Jahres 2024 (aber wo bringe ich den Central Park unter, die Träumereien von Wadada Leo Smith und Amina Claudine Myers?)… 1 Alva Noto 2 Kali Malone 3 Julia Holter 4 Warrington Runcorn New Town Development Plan 5 David Boulter 6 Erik Honoré 7 Pan American & Kramer 8 Beth Gibbons 9 Bill Frisell. Das von mir gewählte Stück von „Orchestras“ hätte auch auf Beth Gibbons Mix-Tape „Mellow Beth“ in Brüssel laufen können in ihrem Vorabendprogramm. Neben diesem hier: “Evening Star“. Und natürlich völlig unmöglich, in diese Sequenz jenes wundersam verrückte Album aus den Achtzigern hier hereinzuschmuggeln, das ich mir zum Record Store Day besorgte: Suns of Arqa: Wadada Magic. (m.e.)
Rahaf Fadi Nasser
Heute ist das größte Fest des Islams. Wer kann, pilgert nach Mekka, um den Haddsch zu feiern.Dort wird hauptsächlich für die Menschen in Gaza gebetet. Es gibt zwei Frauen, die für die Palâstinenser singen. Die große Fairuz erhob bereits in den 60ern ihre markante Stimme. In dem Song for Palästina klagt sie das große Leid an, das Frauen und Kindern angetan wird. Lasst uns für sie beten. Heute singt eine junge Medizinstudentin auf den kaputten Straßen von Gaza für die Kinder, um sie froh zu machen. Sie singt Lieder von Fairuz, immer wieder Zahrat Al Mada‘ in. Das ist eine Anklage an die Menschheit. Wo warst du als das Ganze passierte, wir sterben hier und keiner verteidigt und,Alle sehen zu und keiner hilft. Rahaf Fadi Nasser sitzt mit ihrer Gitarre auf den Trümmern und singt für die Straßenkinder. Ich habe mir einige Videos angeschaut, nachdem ich sie in der SZ entdeckt hatte. Das ist Trostmusik, das ist ein tuned Schrei an die Welt.
Mahler 5

Jessie Montgomery: Coincident Dances
Michael Daugherty: Songs of the Open Road for Oboe, Horn and Orchestra (World Premiere)Gustav Mahler: Symphony No. 5
Pittsburgh Symphony Orchestra
Manfred Honeck, conductorCynthia Koledo DeAlmeida, oboe
William Caballero, hornPittsburgh, Heinz Hall, June 9, 2024

Manfred Honeck
Man kann sich natürlich fragen, weshalb eigentlich für Klassik-Konzerte immer wieder dieselben alten Schlachtrösser programmiert werden — Beethoven, Brahms, Mozart, Bruckner, und eben Mahler. So ähnlich habe ich neulich auch gesprächsweise gefragt, weshalb eigentlich immer neue Bücher zum Thema Krautrock erscheinen, einem Thema, das doch eigentlich längst abgedroschen sein müsste.
Lassen wir mal außen vor, dass gerade amerikanische Orchester zusehen müssen, woher sie ihr Geld bekommen, sie sind ja nicht staatlich subventioniert. Aber selbst, wenn sie subventioniert wären, wäre das falsch gedacht: Denn immer wieder sind neue Besucher da, die Mahlers Fünfte noch nie live im Konzertsaal gehört haben — wenn sie sie überhaupt je gehört haben. Und für sie kann so ein Konzert ein lebenslang prägendes Erlebnis werden. Und in vergleichbarer Weise kann auch die Beschäftigung mit frühen Krautrock-Bands (oder überhaupt Bands, deren Mitglieder eigentlich schon das Rentenalter überschritten haben) für so manchen ein neues Abenteuer sein. Wer mal erlebt hat, wie begeistert die Kids sein können, wenn Papa sie zum ersten Mal mit zu einem Kraftwerk-Konzert mitgenommen hat, weiß das.
Dass das Pittsburgh Symphony Orchestra (PSO) zu einem Klangkörper gereift ist, der in die Top-Liga der amerikanischen Orchester gehört, spricht sich allmählich herum, wenn auch noch nicht so, wie es wünschenswert wäre. Und wenn eine Mahler-Sinfonie so dargeboten wird wie hier, dann bitte gern mehr von solchen Schlachtrössern.
Das Orchester hat eine Fähigkeit, die ich bei anderen Orchestern selten so erlebt habe, und ich bin auch keineswegs mehr der Einzige, dem sie aufgefallen ist: Es kann extreme Lautstärken ebenso wie leisestes Flüstern bei größter Präzision präsentieren, und Maestro Honeck ist ein Dirigent, der diese Fähigkeit einzusetzen weiß. Und so flogen einem bei der Mahler-Sinfonie gelegentlich die Ohren weg. Man glaubt gar nicht, dass ein Orchester solche Lautstärken überhaupt erreichen kann. Aber Mahler ist ein Komponist, der immer wieder Momente bietet, in denen das gefordert ist. Und na gut, dass die Blechbläser dieses Orchesters tendenziell gern ein bisschen zu laut sind, ist nicht neu; das war mir schon vor 15 Jahren aufgefallen. Man kann damit leben. Vielleicht liegt es auch einfach an der Akustik der Halle.
Dass im übrigen auch Premieren ins Programm genommen werden, wie in diesem Fall Michael Daugherties Songs for the Open Road, ist zu begrüßen; dass die Solisten aus dem PSO stammen, desgleichen. Der Komponist war anwesend, die Besucher hatten vor dem Konzert die Möglichkeit, ein Gespräch mit ihm zu hören und Fragen zu stellen. — Ein schönes Werk, nebenbei. Fast wie ein Road Movie. Und wer heute noch glaubt, dass neue Musik zwangsläufig zwölftönig sein muss, irrt. Die Komponisten sind längst weiter.
(English translation see here)
