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  • REEL #1 – Vostok

    Live Drawing at ORGELPARK Amsterdam w/Vostok – Remote Islands – harpsichord: Guus Janssen, technics: Marielle Growen

    REEL #1

    To operate a REEL: zoom in by clicking on the ‘AMSONANZA’ mark when the reel starts. The ‘AMSONANZA’ mark also appears at the end a bit larger. When you click on it, the reel will be repeated. 

  • Jake Hinkson’s „Sex, Death, and Jean Arthur“, or: (Shane (1953), no. 9 of Michael‘s ten favourite Western movies that can still put a spell on you today)

    Stevens wanted to demonstrate to audiences „the horrors of violence“. To emphasize the terrible power of gunshots, he created a cannon-like sound effect by firing a large-caliber weapon into a garbage can. In addition, he had the two principal shooting victims (…) rigged with hidden wires that jerked them violently backward when shot. These innovations, according to film historian Jay Hyams, marked the beginning of graphic violence in Western movies. He quotes Sam Peckinpah: „When Jack Palance shot N.N. in Shane, things started to change.“ (Wikipedia)

    Es war natürlich nur ein kleiner cineastischer Traum, das amerikanische Bewusstsein zu schärfen für „the horrors of violence“. Bei seinem Auftritt in Glendale im politisch umkämpften Bundesstaat Arizona nannte der widerliche und meines Erachtens real „geistesgestörte“ Donald Trump Cheney eine „radikale Kriegstreiberin“ und schlug dann vor, sie in eine Situation zu bringen, in der sie „mit einem Gewehr dasteht, während neun Gewehrläufe auf sie feuern“. Dann fuhr er fort: „Lasst uns sehen, wie sie das findet, wenn die Waffen ihr ins Gesicht gerichtet sind.“ Politiker wie sie seien Kriegstreiber, wenn sie in ihren netten Gebäuden in Washington säßen und sich entschieden, 10.000 Soldaten „ins Maul des Gegners zu schicken“, sagte Trump weiter. Ich will in der nächsten Woche nirgendwo den Satz lesen: „good night, America“. Aus der Nacht würde ein Alptraum. (m.e.)


    Als ich gestern, nach Ewigkeiten, wieder „Shane“ erlebte, einen Film, der in Deutschland mit dem Titel „Mein grosser Freund Shane“ lief, war ich fasziniert von der Figur, die Jean Arthur spielte. Ich musste hinterher googeln, um zu erfahren, von wem Marian Starrett, die Farmersfrau, gespielt wird. Von wegen nur das Muttchen in der Küche (auch wenn sie offenbar einen wunderbaren Kuchen aus dem Ofen zaubert, der bestimmt nahe rankommt an Joni Mitchells Rhabarberkuchen für Graham Nash).

    Selbst ausgewählte Filmfotos lassen ihre erotische Ausstrahlung in diesem Film kaum erahnen. Hier geht es in keiner Sekunde um das alten Spiel mit der „femme fatale“. Gerade die Reibung zwischen ihrer sehr traditionell angelegten Rolle, und den zwischen Zeilen, Blicken und Momenten durchschimmernde „Gefühlswelt“ produziert eine feine Spannung. Trotz einer etwas langen Saloonschlägerei ist „Shane“ ein besonders feinsinniger Wildwestfilm. Ein Höhepunkt ist der abendliche Tanz von Marian mit Shane, eine Paradebeispiel für die Sublimierung sexueller Energie (nur an der Oberfläche hat dieser Tanz (ein „Ländler“? ein square dance?) den skurrilen Charme eines Tanzabends aus der „Raumpatrouille Orion“, „it‘s a brooding affair“).

    Alles andere als ein „film noir“, liegt ein Hauptaugenmerk dieses Westerns auf der Beziehung ihres Jungen zu der Figur des „lonesome drifters“ Shane. Hier nun den bösen alten Onkel Ödipus ins Spiel zu bringen, wäre eine Sackgasse. Eine naheliegende, aber falsche Fährte. Es geht vielmehr, in einem Film, der überraschend viele Ebenen hat (trotz meiner Wikipedia-Lektüre zweifel ich immer noch daran, dass die Berge im Hintergrund real sind), um Freundschaft, Bewunderung, die kleinen Einrisse von Projektionen, wenn unsere „Wunschbilder“ ins Wanken geraten, oder die Sehnsucht nach einer hübschen Portion Ewigkeit sich letztlich als Perlenschnur unvergesslicher Momente erweist. Das Ende einer Kindheit. By the way: herrlich altes Color (mit teilweise „märchenhaften“ Farbwerten) – und „Shane“ kam im damals neuen Breitwandformat in die Kinos.

    (Das Interessanteste, mit einer durchaus verstörenden Note, am Schluss. Ich fand den folgenden kleinen Essay von Jake Hinkson auf seinem Filmblog, einen Text aus dem Jahre 2012. und ich füge ausdrücklich hinzu, dass ich einige Dinge anders sehe als Jake. Mich interessieren hier einmal mehr die Mechanismen der Projektion. Insofern sehr lesenswert.)

    Jean Arthur has been on my mind today. I’m not sure why, except that she is one of those movie people (Lizabeth Scott, Robert Mitchum, Gary Cooper, Ingrid Bergman) who seems to have staked a claim to a certain portion of my mind. So, in a way, I’m always thinking about Jean Arthur.

    She was a huge star in her day, but over the years the luster of her fame has dimmed considerably. I guess that’s the way of things. It’s only our own solipsism and narrow focus that allows us to talk about the „immortality“ of movie stars. That kind of talk in nice for Oscar speeches and TCM intros, but the truth is that Jean Arthur was world famous at one point and since her death her fame has shrunk and shrunk with each passing year. She will be all but forgotten one day. Movies are still a young art form. In just another hundred years will anyone know who Jean Arthur is? Or will she exist only as a shadow on a data file in a computer somewhere, accessed once every few years by some bleary-eyed film student writing a master’s thesis on Subtextual Transfiguration in the Works of Frank Capra–or whatever the hell they’ll be writing about in the year 2112? What about 2212? Keep adding on increments of 100 years. Immortality becomes less achievable the more you think about it.

    So this is a lament then. I hadn’t planned it that way, I assure you. Someone mentioned Iowa today and it made me think of my favorite Jean Arthur moment, the scene in FOREIGN AFFAIR when she strikes up the Iowa state song in a dirty little Berlin nightclub. The thought, as it always does, made me happy.

    Yet here I am talking about–well, if not her passing, then about her absence, about the fact that she is gone and has been gone a long time. Yet I know her, or I know that flickering shadow. I saw that movie for the first time in a theater, saw it for the first time in the dark with her face high and wide and silver on a wall.

    I’ve long thought that cinema is an intrinsically erotic art form. We are allowed to stare at people without them staring back, without them telling us to stop. This is one reason why movie stars tend to be beautiful. But this is also why movie stars tend to be a little odd. Millions of gorgeous people are turned away from Hollywood every day. Beauty is not enough. There has to be something worth looking at besides tan skin and muscles.

    Jean was beautiful and odd. She had a tomboy quality. Pretty and scrappy, capable but halting, she was a movie star because she was just so damn interesting. Looking at her is indeed a happily erotic occupation. Classic movie geeks often talk about being „in love“ with certain actors and actresses. This is more than a crush, more than simple lust, more than the usual projection of erotic fixation one has for a contemporary celebrity. It’s closer to necrophilia.

    That’s a gruesome way to put it, isn’t it? But if being an „old movie buff“ is largely the matter of being obsessed with women many years dead, then this obsession touches that bizarre intersection of sex and death, eros and thanos, which is not the creation of cinema but is its essential creator. Life, after all, is largely a matter of sex and death. Movie stars are no more immune to these forces than the rest of us. We may regard them as sexual objects, but they are people and people die. When they die, then, what becomes of the sexual object left flickering on the wall? It becomes an object, oddly, of both sex and death.

    All this from the Iowa corn song.

  • “True Grit“ (the Coen Bros. version) – no. 7 & „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ – no. 10

    (Brandneuer Remix, mit einem running gag, ein bisschen Kraftwerk, und Drama ohne Ende)

    Ich mag beide Versionen von „True Grit“, und habe vor Jahren sogar mit Wehmut (Achtung, dieses Wort taucht gleich noch einmal auf) den berühmten kleinen Roman gelesen, der die Vorlage bildete. Manchmal mochte ich sogar John Wayne, obwohl mir Charaktere wie die oft von James Stewart gespielten, viel näher waren. So eine bestimmte spröde „Männlichkeit“ verfehlte jede Wirkung auf mich, deswegen hielt ich z.B. Zorbas von Anfang an für einen Spinner. Genauso wie viele rosa gekleideten Baghwans. Einmal stellte ich in Dortmund mit 18 Lenzen „Jünger“ der Transzendentalen Meditation vor einem grossen Publikum, und mit Herzklopfen, zur Rede, weil ich das Bezahlen für sog. heilige, auf einen persönlich zugeschnittene, Mantras für reine Geldmacherei hielt. Später begegneten mir solche Gurus auch unter anderem einmal als Leiter einer Suchtklinik nahe Aschaffenburg.

    Ich sagte formlos ab und bin heute noch Ralf S. dankbar, dass er mich nach Furth i. W. holte, dort richtete ich meine erste Höhle ein, am Ausläufer des Hohen Bogens, ich hatte die schönste Musik der Welt darin, und einen alten Fernseher, in dem ich auch meiner alten Liebe zu Wildwestfilmen nachging. Die lassen sich nicht auf ein paar Klischees runterbrechen, und können – in ihren gelungendsten Ausprägungen – Stories voller Magie ausbreiten.

    Gestern erst sah ich „Shane“ (vielleicht meine no. 9) wieder, mit Alan Ladd, ein Kindheitswesternhighlight, das heute noch bezaubern kann. Melancholische Einzelgänger wie Shane schätzte ich sehr, auch so wunderbar wehmütige Figuren mit Rückgrat wie James Stewart in „Der Mann der Liberty Valance erschoss“. Natürlich floss da etwas Selbstmitleid ein, und ich sah mich damals hier und da schon als „Loner am Ende der Welt“.

    Aber ich hatte ein paar verdammt gute Freunde in Arnschwang und um Arnsxhwang herum (wir sehen uns in gut zwei Wochen wieder, tief in der Eifel!), Gudrun und Hansjörg sorgten als frisch gegründete Familie für die immer wieder mal erforderliche Erdung – und eine grüne Strähne in meinem Haar. Uwe und ich, die Gespräche nach unseren engen Tennismatches. Und die Woche in Berlin beim Kongress der Verhaltenstherapie – wir bespielten unser Glück und landeten in manchen Armen. Und sahen beim Berliner Filmfest einen Dirty Harry Film, und einen kleinem feinen Krimi von Christopher Petit.


    Ein halbes Jahr später, an einem Winterabend, lief also „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ nahe der tschechischen Grenzem in meiner „Wildnis“, und die schönste Frau Regenburgs legte sich zu mir ins Bett. Da muss jetzt wieder an „Shane“ denken, und die gewaltige erotische Ausstrahlung von Jean Arthur. Ich wollte hier eigentlich viel mehr erzählen über Erlebnisse mit bestimmten Soundtracks von Western, die mich so oft in ihren Bann zogen, egal, ob alte Hollywoodschule oder gegen den Strich gebürstete Songs und Sounds. Statt dessen, die Schuld solcher Abschweifungen, geistern mir „meine Songs“ von 1982 durch den Kopf, „Come on, Eileen“, „Abracadabra“, und, rauf und runter, alles von „Remain In Light“. Und „Das Model“ (und das ganze Album) von Kraftwerk im Hinterland zu spielen, im Rausch der Sinne, zwischen grosser Liebe und Burnout, das hatte was.

    Aber zurück zu „True Grit“: „True Grit is a harsher, more sombre film than the Wayne version, the tone chillingly wintry rather than gently autumnal, the music less jaunty, more religious and pastoral. It’s also funnier, yet never inviting the description „comic western“. The villains, when they eventually appear, are perhaps a little less colourful than those in the 1969 film, and Jeff Bridges’s diction lacks Wayne’s clarity, though in other ways he’s altogether more complex. It also has a brief, moving, beautifully staged epilogue set in 1903 that brings the picture to a satisfying conclusion.“ (Philip French, The Guardian)

  • Autobahn

    Wen’s interessiert: Im Schweizer Radio SRF Kultur hat Elisabeth Baurethel ein zwölfminütiges Feature über Kraftwerks Autobahn gemacht.

    Die Platte wird heute, am 1. November, 50 Jahre alt.

  • The Ways of Ostinato

    Victor Vasarely

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    The most famous (and sophisticated) ostinato is without doubt Maurice Ravel’s BOLERO composed almost 100 years ago in 1928. Originally written as ballet music for the Ukrainian dancer from Kharkiv, Ida Rubinstein (1885-1960), it became an influential model for a lot of later music (and also is quoted lot). It seems that Ravel (1875-1937) was not really satisfied with the piece as such but nonetheless he put in a lot of sophistication. Yes, the piece is rotating around its own axis in a seemingly endless way, but it comes to a quite consistent and brilliantly percussive end (while its basic pattern will be resounding in listeners‘ mind for a while, or even restart). It feels in a way as ’stuck‘ and at the same highly mobile. It’s also a good example for the musical base principle of ‚rhythm is the master, melody is the servant‘.

    Even if you have internalised it, it’s worthwhile to give it a listen from time to time, especially the version of Pierre Boulez (w/ Berlin Philharmonics) – to discover its sophistication (listen HERE). And, for instance check also versions of Frank Zappa, the one of the Barcelona concert (watch HERE), and the one with a slight reggae undercurrent (watch HERE). When listening to the Zappa versions, it becomes evident that not only Stravinsky (1882-1971) but also Ravel laid some groundwork for later rock music (and jazz too – Charlie Parker used to insert Stravinsky parts in his live concerts). Stravinsky about ostinatos: „It is static -that is antidevelopment, and sometimes we need contradiction to development.“ Stravinsky used ostinatos to confound rather than conform rhythmic expectations. HERE a Stravinsky example („Three pieces for string quartet“). More of Stravinsky, rock and jazz you can hear in STRAVINSKY TO GO, one of my archived radio programs (listen HERE). Debussy (1862-1918) had his very own take of ostinato. To experience HERE in his „Des pas sur la neige“ with its fascinating tempo.

    For Frank Zappa, ostinatos had a further reaching function in creating his own music as his memories of listening- and creating processes leading into the creation of the FREAK OUT album of the Mothers. This is what Zappa said about it:

    I think my playing is probably more derived from the folk music records that I heard – Middle Eastern music, Indian music, stuff like that.

    For years I had something called Music On The Desert Road [Deben Bhattacharya], which was a recording of all kinds of different ethnic musics from different places in the Middle East. I used to listen to that all the time – I liked that kind of melodic feel. I listened to Indian music, Ravi Shankar and so forth, before we did the Freak Out! album. The idea of creating melody from scratch based on an ostinato or single chord that doesn’t change, that was the world that I felt most comfortable with.

    “If you listen to Indian classical music, it’s not just pentatonic. Some of the ragas that they use are very chromatic, all sustained over a root and a 5th that doesn’t change, and by using these chromatic scales they can imply all these other kinds of harmonies. The chords don’t change; it’s just the listener’s aspect that gets to change based on how the melody notes are driven against the ground bass.” (Guitar World Interview (1993))

    Another famous and well-known ostinato is the piece TAKE FIVE written by Paul Emil Breitenbach aka Paul Desmond and recorded by the Dave Brubeck Quartet in 1959. It’s in 5/4 time signature and takes about 5 minutes to play (listen HERE). The title also alludes to the saying meaning ‚take a little nice break‘.

    Maybe after having given these two significant examples, other ostinatos pop up from your memory considered that ostinatos leave string memory traces and you get an idea over the ways and power of ostinatos. Here are more precious examples from recent past. The first one is from 1977 and even entitled „Ostinato“ (VIDEO) from the album SCALES (1976, Japo/ECM): it’s played by trumpeter Manfred Schoof, keyboardist Jasper van ‚t Hoff, bass clarinetist Michel Pilz, bassist Günter Lenz and drummer Ralf Hübner (recorded at NDR workshop). The piece can be considered as a blueprint for later electronics-based pieces in jazz. SCALES, released on vinyl prior to the CD-age, is still preserved in my Lp-collection.

    Another piece i like to present, is LABYRINTH by Greek pianist Tania Giannouli. It’s recorded with her trio of oud-player Kyriakos Tapakis and trumpeter Andreas Polyzogopoulos on the album IN FADING LIGHT. There is also a live recording from Berlin Jazzfest 2018 in the A-Trane club (the concert was by the way attended by David Sylvian). A strong example, Carlos Bica’s BELIEVER has already been presented on Flowworker (watch HERE).

    Ostinatos provide a continuing base element above which extensions flourish – both interacting and intertwining in dialectical manner. As listener you might not notice it consciously but you can be carried and uplifted by it. It should become clear that repetition plays a crucial role in different kinds of music. It can serve as anchor and at the same time be used to increase suspense depending on how sophisticated it is applied. Another famous example for sophisticated repetition, that remains firmly in many people’s memory is SO WHAT by Miles Davis (listen HERE).

    Rock is still stronger entrenchend in the use of repetitive patterns. As an example I take here WHO DO YOU LOVE, a piece by Bo Diddley in the (short) version of Quicksilver Messenger Service: listen HERE.

    Ostinatos can also be found in Sub-Sahara music. These ostinatos contain offbeats or crossbeats that contradict the main metric structure. Illustrative examples are reserved for another contribution. Further attractive, illustrious or instructive examples can gladly be added in the comments. I am aware that this post is peppered with music links. You can use it selectively, successively or as a travel through different times and genres.

    As encore here an example by my beloved Giovanni Girolami Kapsberger (1580-1651) – watch HERE

  • McCabe & Mrs. Miller (6/10)

    Eigentlich wollte ich meine zehn Lieblingswestern ( bis Nikolaus steht die Liste) für sich sprechen lassen, mit einem ausgewählten kleine Dialog, der nicht unbedingt auf Tiefsinn versessen ist – guter Humor und eine Prise Slapstick tuen es auch. Aber ab und an lasse ich mich selber kurz vernehmen, wie hier. Die Criterion-Fassung dieses Westerns von Robert Altman hat fantastische Extras.


    Wann sah ich den Film das erste Mal? Unvergesslich. Im Audi Max der Uni Würzburg, in den wir fast jeden Mittwoch strömten, um uns von einem begeisterten Cineasten einleitende Worte erzählen zu lassen, und dann einzutauchen, in kühne, experimentierfreudige Filmwelten jenseits des Mainstreams. “The first time I talked about it with Robert we said it should look like the late 1800s,” erinnert sich Robert Altmans legendärer Kameramann Zsigismond. Und dazu sollten sich (dachte Robert) verdammt zeitlose Songs gesellen, die uns Hippies sowieso schon ewig begleiteten, gerne mit Räucherstäbchen. Aber es war genial, dass Cohen auf einmal in einem Western auftauchte (die ich schon als Kind liebte, als ich jeder Folge von „Am Fuß der blauen Berge“ entgegenfiebete). Und Leonard war in mancher Hinsicht der unsichtbare Erzähler von „McCabe & Mrs. Miller“. Was für ein anderer, radikaler Western. Es passt, dass die Texte der drei Cohen-Lieder surrealer sind als die erzählte Geschichte – die Handlung wird bereichert mit Symbolen, die Figuren gewinnen an Tiefe durch die Perspektive der Songs. Alle stammen aus dem ersten Album des gebürtigen Kanadiers – Robert Altman spielte die Platte so oft, dass er das abgenutzte Vinyl immer wieder ersetzte. Die Songs schleichen sie sich ein wie Erscheinungen, verbinden sich mit der „inneren Erzählung“, alles klingt an – Dankbarkeit, Trennung, Zärtlichkeit, Vision, Bedauern. Ein in aller Langsamkeit berauschendes Abenteuer für Augen und Ohren

  • From Silverado (No. 5/10)

    • (Kevin Kline) „You’re wearing my hat. What else you got that’s mine?“ 
    • (Hat Thief) „Mister, I don’t know what you’re talking about.“ 
    • (Kevin Kline) „I hope your fingers aren’t tickling my ivory handled Colt. You stand up real slow and let me see and you might live through this night.“ 
    • (Hat Thief) „Sure“
  • Weiter im Takt mit Bro vor und zurück

    ©️

    Bro ist z.Z. in einem erstaunlichen Aktivitätsfluß qua Auftrittsanzahl, Auftrittsorten und Varietät an Besetzungen (Übersicht HIER). Was Besetzung betrifft, treten bei der bevorstehenden STRANDS-Tour Trompeter Arve Henriksen und Saxophonist Jesper Zeuthen (1949) an die Stelle von Trompeter Palle Mikkelborg (1941). Zeuthen, mit dem Bro eine längere musikalische Verbindung hat, ist eine Art Geheimwaffe, die in verschiedensten Projekten von Bro immer wieder zum Einsatz kommt. Zeuthen hat einen eher rauheren Ton.

    Auf Bros eigenem Label Loveland ist gerade ein ‚dänisches‘ Album, „Sound Flower“, mit Saxophonist Jesper Zeuthen, dem Bassisten AC (Anders Christensen) und Perkussionistin Marilyn Mazur erschien. Zu sehen (Video) und zu hören auf Bandcamp.

    Ebenso kommt ein langjähriger musikalischer Weggenosse von Bro, der Bassist Anders Christensen aka AC, zur Zeit vermehrt wieder zum Einsatz. AC führte Bro einst bei Paul Motian für dessen Electric Bebop Band ein, in der Bro in einer Reihe von anderen Gitarristen (Ben Monder, Brad Shepik, Steve Cardenas, Kurt Rosenwinkel) spielte. Von der E.B.B.B. erschienen 6 Alben bei Winter&Winter. Bro spielte in der letzten Phase in der Gruppe, ist aber nur auf einer Aufnahme der Folgegruppe, der Paul Motian Band, dem nach wie vor erstaunlichen Album „Garden of Eden“ (ECM 2006) mit gleich drei Gitarristen (Bro, Ben Wonder, Steve Cardenas) dabei. Als ich Paul Motian 2007 in New York traf, verkündete er erfreut, dass er in der Gruppe jetzt mit gleich drei Bassisten spielte. Das Erstaunliche war, dass die Musik mit diesen Mehrfachbesetzungen auf allen Instrumenten (ausser Drums) immer leichter klang.

    Jesper Zeuthen führt uns auch zurück zu Bros Tentett, das er um den dänischen Dichter Peter Laugesen herum formierte in der Besetzung Jakob Bro (G), Peter Laugesen (gesprochenes Wort), Jesper Zeuthen (Sax), Andrew S’Angelo (Sax), Chris Speed (Sax), Nikolaj Torp Larsen (Tasten), AC (B), Thomas Morgan (B), Nicolai Munch-Hansen (B), Jakob Hoyer (Dr), Kresten Osgood (Dr). Davon ist 2015 das Album „Hymnotic/Salmodisc“ erschienen, das auf Bros Website immer noch gratis runtergeladen werden kann und eine ganz andere Seite von Bro erlebbar macht. Mit diesem Projekt geht Bro nun in leicht veränder- ter Besetzung u.a. mit belgischen Musikern auch wieder auf Tour. Diese Verbindung mit Poesie hat eine dänische Tradition.

    Paul Motian hat ja nicht nur über Bro tiefe Spuren in Dänemark hinterlassen. Nikolaj Torp Larsen gehörte Anfang der 2000er der dänischen Gruppe Once Around The Park (Jakob Dinesen, Rune Harder Olesen, AC, Michael Finding, Rune Funch), benannt nach einer bekannten Komposition von Paul Motian, die Bezug nimmt auf Pauls Gewohnheit von seiner Wohnung am oberen Ende von Central Park West Richtung Harlem im Central Park zu joggen.

    Weiters wird Jakob Bro beim Jazztopad Festival in Wroclaw zusammen mit Ambrose Akinmusire, Isaiah Collier, Brad Jones und Joanne Brackeen Teil des Shape-Of-Jazz-To-Come Orchesters von Denardo Coleman, dem Drummersohn von Ornette Coleman, sein. Beim Winterjazz Festival von New York im Januar wird er mit Mark Turner, CraigTaborn und Marcus Gillmore spielen. Schliesslich ist im Februar wieder die inzwischen übliche einwöchige Residenz im Village Vanguard in Manhattan angesagt.

  • Christmas in Scotland (in the 1970s)

    In ihrem Kurzfilm Gasman zieht uns Lynne Ramsay mit den ersten Einstellungen ganz in die häusliche Szenerie und Unruhe einer Familie im Aufbruch. Schwarze Lederschuhe, von einem Mann im Unterhemd geputzt, werden scharfgestellt. Die Stimme der Mutter mahnt zur Eile. Jemand streut weißen Zucker in ein Spielzeugauto. Das Bügelbrett steht in der Küche. Das Mädchen ist noch nicht umgezogen. Innerhalb von Minuten erinnert sich der Körper daran, wie es war, eine Baumwollstrumpfhose anzuziehen, wie es war, wenn die Mutter dabei half, ein Kleid über den Kopf und über den Körper zu streifen. Der Film fängt die Atmosphäre der 70er Jahre in Schottland durch alle Sinne ein und es fällt nicht auf, dass er erst Ende der 90er gedreht wurde. Die Kleidung und die Musik sind das eine, vor allem aber ist es die soziale Atmosphäre, der Umgang mit Kindern, und man fragt sich, wie sie mit der Gewalterfahrung weiterleben. Auch dafür gibt es erste Antworten. Die Spannung funktioniert untergründig. Die Bildsprache ist kunstvoll und raffiniert; gesprochen wird eher wenig. Umso aussagekräftiger sind Gesten und kleine Handlungen, die sich wiederholen. Und die Gesichter. Immer wieder war ich erstaunt darüber, was in einem Bildrahmen gezeigt und was weggelassen wird. Lynne Ramsay zählt schon seit ihren ersten Filmen zu der von der Kritik gefeierten Independentszene in Schottland. Zwei ihrer Langfilme habe ich schon bestellt: Ratcatcher und Morvern Callar. Der Soundtrack von Morvern Callar liest sich wie ein Wunsch-Mixtape: Aphex Twins, Can, the Mamas & the Papas und sogar Boards of Canada ist dabei. Hier ist der Link zu Gasman (ca. 15 Minuten). Für mich ist Lynne Ramsay eine Entdeckung.