• on such a day


    with sun-drenched memories, my sentimental friend
    only decades away, a piano solo album circling
    (with a wakefulness close to highnoon dreaming),
    i do my little tricks slowing time down
    one is sitting in my garden reading clouds,
    two, all those reverberations
    of non-stop traffic on Redding Road
    (once upon a time, but now and now again),
    another one, from cave to cave, Mr. Hersch
    in Lugano.

  • Was Thomas Köner anno 1998 hörte

    Das waren besondere Jahre, als Thomas in meiner Nachbarschaft wohnte, und all diese besonderen, anfangs aus Gong-Samples entstandenen, Werke schuf, mit Namen wie „Teimo“ und „Permafrost“, die Brian Eno und Holger Czukay faszinierten, als ich sie ihmen schickte. Zwischendurch machte er mich auf Alben aufmerksam, die er selbst sehr gerne hörte, weil ihr Sound so wunderbar war, die Produktion, der Ausdruck, der enorm klar im Raum stehende Gesang, was immer. Dass die erste Cd von Gas dazu gehörte, aus dem Hause des Labels Basic Channel, kein Wunder, hatte Thomas selber doch auch zu diesem pulsierenden Elektro-Terrain seinen Beitrag geleistet mit „Porter Ricks“. Aber überraschender waren da schon die Alben „Sutras“ von Donovan, und „Moon Safari“ von Air. So überraschend aber auch nicht, wenn man sich einmal auf sie einliess. Donovan-Songs sangen wir schon auf dem Schulhof der Brüder-Grimm-Schule, die Refrains zumindest, von „Sunshine Superman“, „Mellow Yellow“, und sowieso die befreiende Passage nach all den wunderlichen „spoken words“, von „Atlantis“.

  • A journey with Fred Hersch



    On April, 19, a very special solo piano album will be released, on vinyl and cd: even whithout knowing about Fred Hersch’s life, and thus possibly projecting one’s thoughts on the music, „Silent, Listening“ very much is a journey in itself, an unforgettable one, I suppose, a meditation on life grounded in complete surrender to the here and now. The record will be part of my jazz radio hour at the Deutschlandfunk on April, 4. “A living legend” (The New Yorker) within jazz’s piano pantheon, Fred Hersch was also one of the first openly gay, HIV-positive jazz musicians. He made his Princeton University Concerts debut as part of the „Healing with Music“ series to discuss this profound relationship to music. „Silent, Listening“ is a strangely uplifting album. Its title contains the best way to participate in this journey. After his brilliant duo album with Enrico Rava on ECM now available on vinyl, too), Fred returned to the famous studio in Lugano, and in my jazz magazine (and on „flowworker“) he will speak about his new, „nocturnal“ solo trip.

    Here are my six questions for Fred:

    One – the best way to listen (silently) to this album is from start to end. No distractions. Once you‘re inside, every composition has a unique atmosphere, and it all comes together in a perfect sequence. Can you say something about the „story“ of this album, framed by two standards that, from the titles, suggest drama and, well, no happy ending („winter of my discontent“) – then again, how warm sounding and heartfelt is that last piece! I divert. So what is it that makes this for you a kind of „nocturnal journey“? 

    Two – … and this second piece: Night Tide Light. Though it has it abstract moments, no easy melody, it also  a very sensual sphere. Introverted as it is (or night time music, so to speak) it gets me every time…

    Three – In May 2023 you returned to Lugano’s Auditorio Stelio Molo RSI. After the duo with Enrico Rava. Your support now and then Stefano Amerio behind the controls. And Manfred Eicher (with his very long history of solo piano recordings). I once was witness in the immense space there, when Tigran Hamasyan sat at the piano, so I know the place. Are there memories, conversations with Manfred, certain ideas, tiny moments, whatever… something you remember vividly from those two days?

    Four – some titles reference not so nice things from the past, for example Akrasia  with its recurring short deep notes – and nevertheless tender moments in between. Uncanny, a bit, and nevertheless a strangely floating piece of music. In regards to your knack for computer games and detective novels during lockdown, is this a kind of musical study of overcoming obstacles? 

    Five – there‘s a very distant echo in my ears, in regards to space, giving the sounds time for decay, short, breathing silences, to Paul Bley‘s early ECM piano solo album „Open To Love“. You may know it well or not – a kind of heigtened sensitivity can be perceived from my listener‘s side from the first sound onwards in your forthcoming work. Do you have a strategy (yoga, meditation…) to create a certain  mood or state of mind, for such a trip… or is it enough to focus on the moment and give it a go? 

    Six – this album never appears like a sentimental journey in spite its beautul  takes on some old and famous melodies. Like „The Wind“. In the end, afterwards, when mixing and listening to the whole album for the first time: what did you surprise most? In spite of the fact you have a lifetime of knowledge about your playing? 

  • „The Greatest Night In Pop“

    Bei so einem Titel laufe ich schon weg. Aber als ich in der SZ las, dass Bob Dylan nur ein Mensch sei, wurde ich hellhörig. Eine unfassbare Menge von Superstars kam für einen Abend und eine Nacht im Jahr 1985 zusammen, um für die Welthungerhilfe (Äthiopien) einen Song aufzunehmen, „We Are the World“. Faszinierend finde ich an dieser Doku, die man auf Netflix sehen kann, dass all die zusammengetrommelten Stars ins „Brennglas“ eines so gar nicht beabsichtigten sozialpsychologischen Experiments gerieten. Dezent hielt ein Schild eine Botschaft für Alle bereit: „Leave your Ego at the door“. Manche kannten sich nur von der Ferne, von flüchtigen Begegnungen, manche etwas besser, Kumpel, Konkurrenten (wo bleibt Prince ab?) – und hier trudelten sie nun ein, in Limousinen, Taxis, mit dem Flieger, um dem Song, der in Eile gestrickt war, Leben einzuhauchen, mit Quincy Jones als Produzenten, Lionel Richie als nimmermüden Mediator und Ko-Komponisten, sowie Michael Jackson als Vorsänger – so viele illustre Fuguren, die damals weder Schall noch Rauch waren, und jeder sollte, solo oder mehrstimmig, einige Zeilen singen. Bruce Springsteens Stimme klang nach langer Tour wie zerbrochenes Glas, Waylon Jennings haute als einziger ab, weil er als „american boy“, kein Suaheli singen wollte (wozu es garnicht kam). Paul Simon, Stevie Wonder, Cindy Lauper – das ganz grosse Aufgebot, und es ist spannend, sie „after hours“ zu erleben. Übernächtigt. Blass. Auf der Jagd nach einem Fishburger, einem Autogramm, einem gelungenen take. Am Ende war Diana Ross einfach nur traurig, dass alles so schnell vorbei war. Und, ja, Bob Dylan ist tatsächlich ein Mensch!

  • „Module der wahren Freude“


    The only way to learn Indian classical music, really, is by listening to it – over and over, until the shapes of the ragas are absorbed into your marrow until expression becomes automatic. Arushi Jain is a singer, pianist, and modular synthesist with an unorthodox vision of that centuries-old tradition – one that’s electronic, for a start, and resolutely DIY.

    (Chai Ravens)


    Die Möglichkeiten von modularen Synthesizern und anderen Signifikanten der Elektronischen und New-Age-Stimmungswelten der 80er Jahre sind facettenreich erforscht, mal etwas zu jauchzend und gefühlsselig, mal widerständig und innovativ. Arushi Jain versucht ihren „crossover“ als Gratwanderung zwischen diesen Polen. Als Basis für ihre neuen Stücke wählt sie den Bageshri-Raga und andere Idiome der klassischen indischen Musik, „was mal an Suzanne Ciani in ihren kosmischsten Momenten erinnert, und mal daran, was passieren könnte, wenn Boards Of Canada jemals ein Indo-Jazz-Album für ECM aufnehmen würden“. So sieht es jedenfalls der Musikkritiker Jason Anderson in der Aprilausgabe von „Uncut“. Mystisch verschwurbelt kommt sie ganz und gar nicht daher, auf dem Opus namens „Delight“. Ein kühnes Unterfangen, der reinen Freude auf die Spur zu kommen in diesen Zeiten. Ein famoses Album, das einen schnell reinzieht in immerneue Texturen, Empfindungen, Verwunderungen. Arusha Yain knows the yin and yang of things and is ready for, as one track is called, „playing in the abyss“.

  • Es gibt keine Nachrichten


    Weder von Freunden in der Stadt, die Heimat war, noch von den stumm stehenden Gebäuden, die stets so viel erzählten, aber irgendwann ist auch gut, wenn Steine und kalter Sonnenstrahl beredter sind als die Hauptpersonen alter Jahrzehnte. Immerhin, das Schwimmbad in Hombruch hat noch seine scharfen Umrisse unter klirrendem Blau, und könnte jeden Moment, im frühen März, einfach seine Pforten öffnen für uns kühne Schwimmer im Eiswasser.

  • Jaki Liebezeit und die „Secret Rhythms“


    „Im Zentrum des Geschehens, wenn Can spielte, war Jaki Liebezeit. Die Intensität der Schlägelschläge verwandelte er subtil, und die Becken degradierte er fast zur Verbannung. (Mit der Hi-Hat war er einverstanden, aber das Crash und Ride wurden bestenfalls sporadisch geliebt. Wie er zu David Stubbs sagte, sind Becken „weißes Rauschen“.) Wenn man Liebezeit bei einem Stück wie „Mother Sky“ zuhört, merkt man, dass Muster, Melodien und Formen nicht die einzige Möglichkeit sind, musikalische Informationen zu vermitteln. Traditionelle Konzepte des Komponierens waren bei Can fehl am Platz.“ (Sasha Frere-Jones)

    Das was sie anzapften, wie der „elektrische Miles“, war eine andere Energie, die aus archaischen Quellen stammte. Rituelle Traditionen. The pagean, the secret, the sacred. Das zyklische Drumming. Von der alten, im Musikkritikerjargon gerne „legendär“ genannten, Besetzung traf ich in den späten Neunzigern und frühen Nuller Jahren, ab und zu Jaki Liebezeit und Holger Czukay. Mein running gag, wenn Olaf S. und ich dort auf einen Kaffee vorbeikamen: „Holger, wann kommt die Platte mit den Walfischen raus?“ Holger, der Storyteller, schuf ein famoses Solowerk, anfangs noch mit Conny Planck. „On The Way To The Peak of Normal“, mein privater Favorit. Jaki mischte mit, und wie!

    Mit Burnt Friedman zusammen entwickelte Herr Liebezeit später ein anderes, wundersames „Alterswerk“, das kein Alter kennt. Diese Platten, die in aufsteigender Nummerierung „Secret Rhythms“ betitelt waren, sind heute so fesselnd wie in der Zeit ihres Erscheinens. Sie haben nie den „Legendenstatus“ erlangt wie alte Can-Alben, und verströmen doch eine vergleichbar hypnotische Kraft. Zudem sind die Klangaufzeichnungen der „Secret Rhythms“ kristallin, very natural, audiophile delights. Nonplace der Name des Labels. Jakis Spiel mit der „lieben Zeit“ ist „special-effect-los“, unaufgebrezelt, sachlich, „aufgeräumt“ – dabei betörend ohne Ende, in jedem sich schliessenden, öffnenden Kreis.

    Als ich Jaki in einer ersten Fassung diesen, mit der jüngsten Ausgrabung aus dem Can-Archiv enhergehenden, Assoziationen „egoloses Spiel“ attestierte, hatte ich allein im Sinn, dass er jede Art von „showdrumming“ ausliess, mit dem manch andere Trommler einst so gerne ihr Ego aufbliesen. Auch in Begegnungen mit ihm gab es nichts Allürenhaftes. Burnt Friedman brachte es, vor ein paar Stunden, in einer Mail aus seiner neuen Hemat, Baião, Portugal, so auf den Punkt:

    Jaki hatte ein starkes „Ego“, sonst hätte er viele radikale Positionen gar nicht vertreten können. Er war ein Künstler im eigentlichen Sinn, an der Sache orientiert, die er voll und ganz durchdrungen hat. So stand er ausserhalb der Kulturen, als Autorität (das ist der geeignete Begriff, nicht Ego). Ihm zu unterstellen, er hätte ohne Ego musiziert, oder ähnliches, ist eigentlich eine Begriffs–Verwechslung. Da ihm die Sache (die Musik, innere Einstellung, richtige Auffassung von Rhythmus, etc.) so wichtig waren, konnte er sie auch durch seine ausgeprägte Autorität im besten Sinne, als Autor vertreten u. unsterblich werden.

  • Winfrid Trenkler


    Wie sehr man doch Menschen, Stimmen, vermissen kann, die einen einst durch Zeiten voller ureigener coming-of-age-Stories begleitet haben. Wenn man sie von einem Moment zum anderen wieder vernimmt. Aus dem Nichts, fast. Das hier war und ist so eine Stimme. Die von WinfridTrenkler. Die Algorhythmen meiner you tube-Sehgewohnheiten bescherten mir ein aktuelles Portrait, und das ging nah. Akustische Verankerungen von Lebenszeit. (Ein Nebeneffekt von Jans „Autobahn“-Buch: meine jüngsten Trips in alte Zeiten. Erst landete ich in Krautrock-Stories, dann in dem Bob Marley-Film „One Love“, und gestern Abend erst bei Winfrid, schlussendlich dann an einem Tag im Jahre 1985, und staunte nicht schlecht, als ich die Dolumentation „The Greatest Night In Pop“ (Netflix) erlebte. Unbedingt sehenswert!)



    The childhood and teenager days, a land of strangeness and wonder. And thrilling music all around. Who still knows this album called „Magician’s Hat“? With that one track in which Bobo Stenson is playing the electric piano? Long time no listen. And such  a long time I haven‘t heard Mr. Trenkler’s voice. From Jan R. I know thait it was him who shot the inside photo of Soft Machine‘s fantastic THIRD. And I still remember him (or Mike Ratldge in an interview with Winfrid) talking about the special organ noises of that band calling it „a wesp-in-the brain-sound“. It was definitely Winfried Trenkler who introduced me to Bo Hansson, and he is responsible for my obsession with „Lord Of The Rings“ (I preferred the album to those three books from Klett Verlag.) And so on. ROCK IN was a great radio show at WDR in the mid70‘s. Hearing his voice today for the first time again since one, two of his „Schwingungen“ hours presenting Manuel Göttsching‘s E2-E4 (I was impressed) followed by Cluster and Eno‘s AFTER THE HEAT (i was blown away), was special. And his story with Vangelis, wonderful. 

    Look, listen…

  • „Close to silence, and other grooves“ – talking with Jeremiah Chiu and Marta Sofia Honer


    In den noch nicht so vielen Jahren ihrer Existenz hat sich International Anthem Records, Chicago, einen festen Platz in den Grenzzonen von Jazz, Elektronischer Musik, Fourth World und Ambient Music, sowie den aufregenden Zonen von New Age, Post-Rock und Post-Irgendwas gesichert. „The Closest Thing To Silence“ gehört schon jetzt zu meinen Lieblingsalben des Labels, in allerbester Nachbarschaft von Jamie Branch, Jeff Parker, Makaya McCraven oder Alabaster dePlume. Ariel Kalma, 77 Jahre, ein Klangsucher, der nach allerlei Jazzeskapaden in Indien seine musikalische „Erleuchtung“ erlebte, und heute in Australien lebt, ist der Dritte im Bunde, und dieses Werk wird als ein besonderes seiner Discographie betrachtet werden. Mit Jeremiah Chiu und Sofia Marta Honer an seiner Seite entstand ein so eigenwilliges wie betörendes Album, das das alte Spiel mit den Schubladen und Etiketten nur allzu rasch ad absurdum geführt wird.

    Die elektronischen Pulse, die synthetischen Arpeggios, die natürlichen wie verwandelten Bratschenklänge, die spoken-word-Passagen, die Flüge auf dem Saxofon, hier fliessen allerlei Welten zusammen. Vielleicht symbolisieren die drei Kreise des Covers die drei Musiker, die sich der hörbaren Welt, und der Stille ringsum, widmen, in Kompositionen, die ein weites Feld emotionaler Schwingungen erforschen, und stets im Zentrum, der menschliche Faktor, kein Klingklang, keine leerlaufende Verspieltheit. Aber lassen wir Jeremiah und Marta Sofia zu Wort kommen, denen ich ein paar Fragen gemailt habe. Wir erfahren unter anderem auch etwas von einigen ihrer Lieblingsalben, ob von ECM, von Jon Hassell, oder von Komponisten Elektronischer Musik wie Alvin Curran und David Behrman.



    How conscious was it to chose the title with that ECM association that many journalists have in mind when reading it, that old quote from a Canadian of „ECM being the most beautiful sound next to silence“? Has that ECM reference happened purely by chance…at least, with a bit fantasy, the saxofone lines at the very beginning sound like a distant echo of Jan Gabarek‘s sax style (flights in open space, kind of…)


    in the March edition of „Wire“ one could read that Ariel  lost most of his hearing abilities only still having a  little bit of hearing in one ear, when using headphones. From reading that feature, I won the impression that he can very well accept his limitations that came with high age. How could he, apart from sending a lot of material from his archive, participate in the creative process, and maybe enjoy the results?


    I don‘t want to discuss the history of New Age here. But, in short, New Age had always been criticized for musical naivities, the kitsch factor. Apart from being a matter of taste, there have of course been pioneers in that field from start on in the 70‘s, especially in the place you and Marta Sofia are so close to, geographically, the Bay Area in California… after your duo album on the Aaland Islands, do you see this new album as an extension of certain „new age“ roots, or is there a stronger connection to Minimal  Music?  


    A connection that always rings a bell when listening to your album is „Fourth World Music“, that Jon Hassell expression looking for new link between modern studio and sound technology and ancient, „third world“ traditions… apart from his philosophical thoughts on a  different  „Coffee Colored Classical  Music“ … has there been an absolute favourite Jon Hassell album that has been a constant companion in your life?


    I have been listening to this album quite often now, from start to end… had the final sequencing of the pieces been hard work, or did everything fall in its place organically? 


    Back to the beginning: do you have, let‘s say, a personal history and story with ECM, one, two, or three favourite ECM albums? As a look at a small part of your listening history!


    Another word about Ariel’s companions on „The Closest Thing To Silence“ – following the informations on Marta Sofia Honer’s homepage. The two met, appropriately, as members of a large ensemble performing Terry Riley’s “In C,” for an annual concert organized by Bitchin Bajas. Honer & Chiu had been living and working in Chicago for a long time, both active members of the notoriously interconnected improvisational and experimental music scenes, but they were somehow previously unintroduced. Chiu’s musical CV to that point included work with bands like Icy Demons and Chandeliers, but he was mostly known for his visual and graphic design work as Some All None. Honer had primarily worked as an instructor in Chicago, as well as a member of the ensemble Quartet Datura. In 2014, a year after their first collaboration, together, they decided to migrate to Los Angeles to continue developing their respective careers and crafts in sunnier climes.


  • Letztes Solo für ein Saxofon


    At first this little film: „Transitioning“. Just look for a comfortable place, alone, in company. Listen and see. Before reading on. Not without humour, starring Shabaka Hutchings and, so the story goes, his very last solo on a saxophone. Today I had the opportunity to listen to his forthcoming album „Perceive Its Beauty, Acknowledge Its Grace“. And what a fine, layered album it is! No sax in sight. No harsh tones. Nevertheless a quiet intensity setting the scene, the tone, the atmospheres. Traces of jazz can be found, too, carefully dosed, by chance or incidence, or even triggered unconsciously (Ein phoner für die JazzFacts im Deutschlandfunk am 4. April ist angefragt).


    „Manchmal vergisst man als Instrumentalist, dass es in der Musik um einen selbst geht“, erklärt Shabaka Hutchings, „denn man erfüllt ein musikalisches System, das von vielen Generationen von Musikern entwickelt wurde. Ich denke, die Art und Weise, wie man sich durch ein harmonisches oder melodisches System arbeitet, kann widerspiegeln, wer man ist – und bei den Großen ist das definitiv der Fall. Aber bei manchen Menschen kann es passieren, dass sie in einer bestimmten Phase ihres Lebens in das System hineingezogen werden und diesen Punkt der persönlichen Integrität nicht erreichen.

    Als Shabaka Hutchings im letzten Jahr verkündete, er werde das Saxofon – dauerhaft – beiseitelegen, war leichte Verblüffung noch die mildeste Reaktion. Ohne grosses Gewese teilte er mit, dass „es die sichere Option wäre, einfach weniger Auftritte mit dem Saxophon zu absolvieren und nicht die extreme Option zu wählen, meine Verbindung damit zu beenden. Leider bin ich nicht dieser Typ“. Ohne sie je virtuos erlernt zu haben, wechselte er zu den Flötentönen. Er unternahm seit 2019 weite Reisen, um sich seine „Trauminstrumente“ bauen und schnitzen zu lassen. Kein Saxofonton erkingt auf dem Album, das auf dem berühmten Jazzlabel „Impulse“ am 12. April erscheinen wird – und doch in jenem legendären Studio von Rudy van Gelder entstand, dass Jazzgeschichte schrieb, von alten „Blue Note“-Klassikern bis „A Love Supreme“. 


    In der Aprilausgabe des Musikmagazins Uncut spricht er von diesem alten Traum. „Der Ort, der schon John Coltrane, Eric Dolphy und Lee Morgan inspirierte, nach neuen Wegen zu suchen, wird noch immer von Van Gelders ehemaliger Assistentin Maureen Sickler mit einem Großteil der Originalausrüstung betrieben. Die Unterschrift bei Impulse! verschaffte Hutchings einen Einstieg, auch wenn die Studiozeit nicht gerade billig war. „Im Grunde sagte ich: ‚Ich werde alles, was ich habe, für dieses Album ausgeben‘ – ich habe meinen gesamten Vorschuss ausgegeben, worauf ich ziemlich stolz bin! Ich beschloss, dass ich einfach das tun werde, was ich tun muss, um Ideen bis zu ihrem logischen Ende zu verfolgen.“