• “The Deepness Of The Discreet“ (Mana Remix)

    On that hot and sunny afternoon I met Brian Eno in Kilburn, in the year of „Neroli“, we at some point spoke about the two „ambient works“ he did with Harold Budd, and he explained how he worked on the sound of „The Plateaux Of Mirror“. All very technical, I responded, but, being a convinced agnostic by heart meeting an atheist by confession, I asked him about the deep impact this music often had, and for example, on me.

    I hesitated to use the word but then dropped it: spiritual. Can agnostics attest music a spiritual, or, as I added, strangely otherworldly quality? He, the atheist, doesn‘t even think in these words. At least in that summer „Neroli“ was released, inspired by the experience of an orange garden. Already in early years, he spoke about his lust to put systems in motion and become an observer of the results. There is something about this that resembles a paradoxon. How can music go so deep when being regarded as „pure system music“ with not too much input from the creator, like „Discreet Music“? Or „Music for Airports“? Well, it can. But how?

    At times, and quite often,  I have to say, Brian Eno stumbles, by chance and genius, into areas of sound that can have a variety of impacts on the listeners, and one of them being a profound, unsurpassable deepness. „The Plateaux Of Mirror“ or „Discreet Music“ or „Music For Airports“ contain and create, with all their surface shimmer and unspeakable magic, the same deepness as „A Love Supreme“ or Mahlers „6th Symphony“.

    This is my experience. And Eno knows to leave (forever and a day) the landscapes he has once created. Would be much more easy to write about deepness when putting „On Land“ on the record player. No one doubts deepness when roaming through the wilderness. But when confronted with a tape loop running mistakenly half-speed!?  I can listen to „Discreet Music“ a thousand times without being bored. And I always feel it is moving as deep as deep can go.

    The ungraspable, next paragraph: on another sunny afternoon, with (as I remember) Alan Bangs waiting slightly impatiently with his TV team for an interview, I came to speak with Laurie Anderson on „Music For Airports“, and how Bang On A Can delivered their version. She said something like this:

    „Isn‘t it incredible that Brian‘s original, as a piece regarded „functional music“, has so much deep melancholia engraved in the four parts of the work, that a group of classical violinists and violas have to come to bring these deeply hidden emotions more to the surface – and even tears to the eyes? But this deepness was there, from the very start …“

    The hushed notes on the piano, only these few notes, played by Robert Wyatt on „1/1“, the first part of „Music For Airports“ –  their return on loops, the sparse surroundings, the breath of machines in between, the hiss, the space near emptiness, and that road to silence not taken before, the hand at the machines rolling, the careful deleting of everything that has not to be, all that and much more is happening when nothing really happens.

  • “Luminal“ & „Lateral“

    „Lieben oder hassen?! Ich liebe die Musik von David Sylvian. Einige seiner Songs sind für mich zeitlose Klassiker. Mit Melanie Dalibert ist es allerdings ganz anders, die Musik überlebt bei mir keine Minuten.  Wenn ich lese, was David Sylvian über seine Zusammenarbeit mit Melanie schreibt, ist meine Reaktion: Wieso höre ich das nicht? Bin ich zu sehr mit dem Virus Jazz infiziert, um von dieser Musik noch erreicht zu werden? Übrigens geht es mir mit Brian Eno und seiner Musik der letzten Jahre genauso. Dafür muss ich wohl im Seniorenheim leben.“ (radiohoerer henry)


    Flowworker: ***** („Luminal“) & **** („Lateral“)

    Warum ich noch nicht über das Büchlein „What Art Does“ von Brian Eno und Bette A. geschrieben habe, ist rasch erzählt: ich bin allzu vertraut mit all den Gedanken über Kunst, Feelings, Surrender, Play, etc. die Brian in dieser „unfinished theory“ ausbreitet, nach seinem Anspruch so verständlich, dass es auch nicht auf den Kopf gefallene Teenager verstehen können, und herrlich bunt bebildert ist es zudem! Wäre ich Kunstlehrer, wäre das Stammlektüre in meinen Klassen. Ab und zu schmökere ich mit Vergnügen in dem Bändchen. 

    Viel lieber aber begegne ich der Kunst ohne Metaebene, lasse die Feelings durch mich hindurch strömen und rauschen, wenn ich „Luminal“ oder „Lateral“ auflege, Brian Enos famose neuen Alben mit Beatie Wolfe, und erlebe da, ungefiltert, Surrender, Play, etc., in allen Schattierungen zwischen dem Unerhörten und dem Unheimlichen, zwischen dem Fest und den Erschütterungen des Lebens. Denn all das dringt hier durch, und viel zu fesselnd, in diesen Wochen, um kluge Worte darüber verlieren zu wollen. 

    Das Erlebnis der Tiefe spielt sich stets im Zwischenraum von Sender und Empfänger ab, und hier, bei den elf Songs von „Luminal“ etwa, bringe ich es schlicht und ergreifend so auf den Punkt, dass mein mutmassliches Songalbum des Jahres 2025 mich so tief erwischt, berührt, umfängt, umgarnt, verführt, auf gut deutsch „haunted“, dass es seinen Platz findet neben meinen Songalben der letzten beiden Jahre von Beth Gibbons und P.J. Harvey. „Luminal“ ist ein Album, das Tore öffnet, tief taucht und, mich jedenfalls, auf seltsam diskrete Weise, mitreißt!

    P.S. I never got an interview in the years of „virtual conversations“ (the artist in an empty room (no „Zoom“, no „phoner“) that was technically so perfect (the icing on the cake). And her answers: interesting from start to end and „to the point“! You can listen to her solo talk from Brian Eno’s studio in Notting Hill until the end of September HERE!

  • „Openness Trio“ und „Chicago Waves“

    Ich blätterte durch Seiten, in denen ein Fan des Labels Blue Note in alten Zeiten schwelgte und fachkundig viele Klassiker in Kurzkritiken umkreiste. In späteren Jahren kamen da nicht mehr so viele Alben zusammen, eine neue Generation, neue Besitzer, die Helden starben, usw. Natürlich gab es immer wieder Werke, seit den Neunzigern, die etwas Besonderes waren, ob von Cassandra Wilson, Madlips „Shades of Blue“, und was uns da noch in den Sinn kommen mag.

    Wenn ich fünf Alben des Labels hernehmen sollte, aus der Zeit zwischen 1990 und 2025, als „my blue note favorites of new times“, „Openness Trio“ wäre dabei, von Nate Mercereau, Josh Johnson, und Carlos Niño: von der Ästhetik bis zum Cover eigentlich zu einhundert Prozent der Welt von „International Anthem“ „entlehnt“. Das Album entstand, auch eher typisch für IAR, meist in freier Natur, einmal nahm man unter einem mexikanischen Pfefferbaum Platz.

    Solche Naturklanginspirationen deuten, wie die ersten Saxofonsekunden des Albums, auf ECM und Jan Garbarek – und ansonsten: Freier Jazz, Psychedelik (immer ein Ausdruck bei verschwimmenden Sounds – mit Carlos Niño kann man gut über „magic mushrooms“ reden), Ambient Music (aber hinhören, bewusst, sollte man schon) – ich lasse die Floskeln ruhen, nur dies noch: das Album ist ziemlich unbeschreiblich! Und hat einen festen Platz in meinem Jahresrückblick!

    Wie, in den „archival recordings“ die Langspielplatte „Chicago Waves“, die Neuauflage eines Livemitschnitts des Duos Miguel Atwood-Ferguson / Carlos Niño aus dem Jahre 2018. International Anthem! Strukturell als völlig freie Improvisation angelegt („zwischen Ashram, Free Jazz und Ambient“, merkte ich in den JazzFacts mit einem Schmunzeln an), ist es in mancher Hinsicht ein enger Verwandter des „Openness Trio“, und Miguel gab als Inspirationen das Blau des Lake Michigan an, Jon Hassell, und einen Free Jazz Violinisten, der einst auf Impulse Records ein paar Platten veröffentlichte, Michael White.

  • „Zwei Karten für die Hafenstraße, Alter!“

    Das war verblüffend, wie oft mir pure Irritation begegnete, wenn ich ausserhalb der Rituale von Klassentreffen ein paar ausgewählte Jungs, die damals Kumpel waren, anschrieb oder anrief, um mal ein Treffen auszumachen. Nicht ganz unverständlich, wenn, was Volksschulzeiten betrifft, nicht mal verstreute Begegnungen über die Jahre einen Anknüpfungspunkt ergaben. Und Mädels kamen gar nicht vor, da wäre Befremden durchaus verständlich.

    Ich rede von Freunden, mit denen ich in unseren Dortmunder Vororten eine Reihe von kleinen und grossen Abenteuern erlebte, wenn nicht gleich auf dem Level von Enid Blytons „Fünf Freunden“, so doch unvergesslich genug – wenn, ja, wenn man nicht irgendwann die Kindheit zu einem „anderen Land“ erklärt, und Vorstösse dorthin im gesetzten Alter mit diversen Erstverdächtigungen begleitet werde, ob da einer verrückt geworden sei, oder depressiv, oder gar Geld wolle.

    Da war, einmal, das schon in der Stimme spürbare Unverständnis der Gattin eines meiner Jugendkumpels zwischen 11 und 17, das nur noch getoppt wurde von der höflich-unterkühlten Sprache von Hans S., der ein kleines Treffen in Aussicht stellte, wenn er seine Mutter, die immer noch in dem Haus gegenüber wohnte, hochgradig senil, in zwei Wochen in eine Seniorenresidenz bringe. Ganz kurz sprach ich davon, wie ich die stolze Frau damals erlebt habe, und es entstand der Ansatz einer kurzen, doch recht förmlichen Unterhaltung.

    Wenige Tage später eine förmliche Absage. Immerhin hatte ich rausgefunden, dass es die anderem drei Kumpel vom Wildbannweg noch gab. Als ich ihm auf wenigen Zeilen einige Erinnerungen und Gehemnisse auftischte, von einem gemeinsam durchgeführten telepathischen Experiment, bis zu diskret gehaltenen Liebeleien (die Namen blieben auch jetzt, aus Respekt vor den Lebenden und Toten ungenannt), war klar, in diesem und den kommenden Leben würde ich von H. nichts mehr hören. Ein komplettes Verschwinden von Interesse und Neugier.

    Bleibt also mein 2024 wiedergefundener Schulkamerad Zurli, mit dem ich demnächst Haus um Haus in unserem alten Dornröschenweg abgehen, und seine Erinenrungen mit meinen anreichern werde und umgekehrt. Ursprünglich wollte ich im letzten Jahr vor allem meinen einstigen „Blutsbruder“ Matthias finden, kam dafür ein paar Monate zu spät. Jetzt bin ich guter Dinge, dass Zurli, Klaus (wieder bald gesund, hoffentlich!) und ich bald im alten Dorfkrug sitzen werden und der Zeit kurzfristig ein Schnippchen schlagen. In der Jukebox kann es dann gar nicht sentimental genug zugehen, von „Yesterday“ bis „Walk On The Wild Side“! Und, Zurli, es wird wieder Zeit für einen Sonntagsspaziergang! Mitte August, herrliches Sommerwetter, der BVB spielt bei Rot Weiss Essen, die erste Pokalrunde, und ich habe zwei Karten füre die Hafenstrasse, Alter! (Dank an Freddie R. – die Tickets waren ratzfatz ausverkauft!

  • Spieltage

    Kinder der Bundesliga, das sind natürlich alle die, welche im ersten Jahr dabei waren, 1963, und von früh an Fan! Zu meinen schönsten Erinnerungen zählt „mein“ erster Gewinn eine Deutschen Meisterschaft direkt vor der Einführung der Bundesliga, als ich bei meinen Grosseltern live den 3:1-Sieg des BVB gegen den favorisierten 1. FC Köln verfolgte. Unvergesslich, wie auch Hoppy Kurrats Fernschuss zum 1:0. Es gibt kein schöneres und tieferes Buch zur Geschichte der Liga, als Ronald Rengs „Spieltage“. Eine Hauptrolle spielt darin Heinz Höher, einstiger Spieler und Trainer, Kauz und Original und auch noch verdammt schlau, aus dessen Perspektive vieles nacherzählt und neu aufbereitet wird. Leserausch für Freunde des runden Leders garantiert! Das Buch ist nun schon über zehn Jahre alt. Und ein „Klassiker“ geworden!


    Wer sich nach dem Kommerzirrsinn der letzten Jahrzehnte einen Rest Fussballromantik bewahrt hat, kann Rengs Zeitreise mit soviel Vorfreude und Leselust und „memory triggering“ antreten, wie Jan Reetzes Trip durch die Krautrockära, „Der Sound der Jahre“! Wer sich auf dem Laufenden halten möchte, dem empfehle ich, sich die BuLi-Saison 2025/26 „Das Markensonderheft“ von „11 Freunde“ zuzulegen, diesem einzigartigen Magazin für Fussballkultur. Man erfährt darin nicht nur die Abschlusstabelle der kommenden Spielzeit, und einen detaillierten Bericht über das Pokalfinale im kommenden Juni, dass der BVB gegen Bayern 3:1 für sich entscheidet, sondern auch gewitzte Gespräche über Fussball mit Willy-Brandt Filius Matthias (Werder-Fan!), ein tolles Interview mit Bremens neuem Trainer Horst Steffen (ursypmpathisch), eine gnadenlose Abrechung mit dem Unfug der Klub-WM, ein aussagekräftiges Interview mit „unserem Kapitän“ Emre Can, und so viele Stories mehr.

  • Heute Abend im Radio


    HIER ANHÖREN!

    „Benedicte is a unique musician with a vision. Her previous concert at Punkt was really beautiful. Her choice of musicians, especially that of Håkon Stene works beautifully alongside her playing the hardanger fiddle. The opening piece of Mirra has such a clear sense of place where you can almost feel the presence of the reindeer gathering at the Hardangervidda (Hardanger plateau). Perhaps a nod to Harold Budd’s „Plateaux of Mirror» ?“

    Das schrieb mir Jan Bang gestern, zu Benedicte Maurseth, deren neues Album „Mirra“ heute Abend in den „Klanghorizonten“ des Deutschlandfunks um 21.05 Uhr ausgiebig vorgestellt wird. Die Stunde beginnt mit altem brasilianischen Flair, um dann weiterzuziehen ins Land der Rebriere, und in einen Ferienort an der englischen Ostküste, namens Yarmouth. Und sie endet (ein zweiter Abstecher zu „Mirra“) bei den Rentieren im riesigen Hardanger Hinterland und (radiotechnisch gesehen mit einer „Kreuzblende“) in einer versprengten Inselgruppe noch weiter nördlich, den Lofoten.


    Richard Williams ist ja einer einer meiner Lieblingsjournalisten beim „Melody Maker“ in den Siebziger Jahren gewesen, und neugierig verfolge ich seinen Musikblog „The Blue Moment“, seine ruhigen, historisch fundierten Ausflüge durch die Musikhistorie. Der Mann lebte in London, als in den „wilden Jahren“ unendlich viel passierte. Einig sind wir uns bei den neuen Werken eines skandinavischen Quartetts um Arve Henriksen (ECM), und Amina Claudine Myers Solopianalbum (Red Hook). HIER Ingos Vorstellung dieser Red Hook-Produktion von Sun Chung.

    Scott McNiece: Introduction and „Chicago Waves“

    Scott McNiece on „Yowzers“

    im Zentrum der Stunde dreht sich alles um International Anthem Rec., das mittlerweile sein elftes Jahr erlebt, und die Klanghorizonte seit Jahren mit spannenden Alben versorgt. Das Interview mit einem der Gründer, Scottie McNiece kam einen halben Tag zu spät, um noch Teil der Klanghorizonte zu werden. Dafür gibt es Scotts O-Töne in diesem Text, in denen er über Jeremiah Chiu & Marta Sofia Honer  spricht, über eine Wiederveröffentlichung aus der Frühzeit des Labels von Carlos Niño &  Miguel Atwood-Ferguson, über Ben LaMar Gays Musik, und über die Rolle der Musik in dunklen Zeiten!

    Scott McNiece on the role of music

    Scott McNiece on „Different Rooms“

    P.S. „So I sat down in my electric cave with a small pile of new experimental music, and that afternoon I fell in love with the new album by Jeremiah and Marta Sofia. At first I was sceptical about the spherical and synthetic (Klingklang is what I call sounds that just dance pretty on the surface), but it didn’t take long for the first tipping point of perception, and I heard these other spaces and interstices, and the strange sensations that came with them. Pretty indescribable, so the ‘review’ ends here. „Different Rooms“. Wondrous music. Safe Journey.“ (M.E.)

  • Die Kraft des sensiblen Tons (für Karsten Mützelfeldt)


    „John Taylor Portrait“


    Ich glaube, diese Sendung entstand im Jahr, als das Trioalbum „Rosslyn“ erschien, 2003. Die knappe Stunde hat, neben der Musik, ihre schönsten Passagen, wenn man John Taylors Erinnerungen, und dem Tonfall seiner Stimme, lauscht. Natürlich befragte ich ihn zu dem berühmten Album „Azimuth“ mit Kenny Wheeler und Norma Winstone, das unlängst in der ECM-Vinylreihe „Luminessence“ wiederveröffentlicht wurde. Und ich ging zurück in eine Zeit, in der er als Sideman spannende Ideen einbrachte in Volker Kriegels Werke „The Missing Link“ und „Lift!“ Alte MPS-Highlights!

    Ganz verwundert war ich beim Wiederhören dieser Sendung, dass ich seine Story zu den Aufnahmen einer meiner Lieblingsplatten von Jan Garbarek, „Places“, gar nicht vorfand. Ich überlegte einen Moment: ich habe jenen O-Ton sicher, zu einem Stück von „Places“, in einer Ausgabe der Klanghorizonte verwendet! Es ging da um eine kleine defekte Orgel, die John spielte, und die ihren Teil beitrug zu der Magie einer Aufnahme, an der auch Bill Connors und Jack DeJohnette mitwirkten.

  • Another dark and dancing world

    „Manchmal macht man Entdeckungen, wenn man eigentlich viel zu müde ist dafür. Dann traut man seinen Ohren nicht, und dann doch!“

    Speaking of perfect summer songs with deepness inside and surprises all along, HERE is one. Except it is not really a summer song. I am so stunned and haven’t heard any other song from the album. How often I am slightly disappointed when writers surpass one another with their writing on the next great singer. Oh, well, I say to myself, probably i‘m too old for this, but not here, not in this case.

    I haven‘t read any review yet, but, in its own mysterious or very clear ways, this song takes me back to the early 80‘s and my time in the northern part of the Bavarian Wood, with „Too Rye Aye“ on high rotation in my little house in the middle of nowhere land. More than curious if the whole thing lives up to the time traveling standards of this song, and, more than that, its passages of euphoria and darkness.

  • In meinem Lieblingspark

    Ich habe im Jardin du Luxembourg auf einer großen grünen Wiese „Causeway“ gehört, nicht weit von dem Teich, wo Gross und Klein Miniboote auf kleine Fahrten schicken, aus dem bald erscheinenden Album „Disquiet“ der Necks. Wunderbar, von „Unruhe“ in diesen zeitlosen 26 Minuten keine Spur! Das Wetter wie eine gemalter Sommer an diesem langen Wochenende, erst zum Ende von „Causeway“ zogen dichtere Wolken auf, bald würde heftiger Regen folgen, wir winkten ein Taxi herbei. Noch immer schweben mir die Klänge durch den Kopf – ein Hauch der frühen Jahre von Caravan. Richtig interessant würde diese kurze Kurzgeschichte, wenn ein zweiter Hörer irgendwann auftaucht und im gleichen Park das gleiche Musikstück hört. Wo sitzt er oder sie? Welches Wolkenspiel zeigt der Himmel? Und was löst die Musik aus? Sicher nicht das Wort, das die Necks ihm gaben: „Damm“. Oder „Dammweg“. Und während ich meinen Platz auf der belebten Wiese suchte, voller glücklich leuchtender Zeitabschnittsgefährten (vertieft im Spiel, in der Liebe oder der Routine), schweifte, auf dem Weg dorthin, mein Blick nah wie fern, um jenen Steinbrunnen zu finden, wo einst ein Girl, jung wie ich, 1972, in einem anderen Sommer, „Ohio“ sang, von Crosby, Stills, Nash & Young. Diese beiden Stücke würden, zusammen mit der Schneemusik des Parks im Dezember 1992, als ich Tamia und Pierre Favre besuchte im Jüdischen Viertel, den Soundtrack meines Lebens im „Jardin“ abbilden.. Mir fiel sogar eine Szene aus einem Eric Rohmer-Film ein, der hier natürlich zu gerne seine jungen Sinnsucher manche Runde drehen liess.

  • „Turn a moment of nothing into something“, oder: Ein paar Dinge am Rande


    „One day, we will put it all behind
    We’ll say, that was just another time
    We’ll say, that was just another day on Earth“
    – Brian Eno


    Wie man mit einem Blick auf die Playlist rasch erkennt, ist International Anthem Rec. Co. eines der Themen meiner Radiostunde in der kommenden Woche. Die Sendung wurde gestern produziert; ein paar O-Töne von Scott McNiece, einem der Gründer von IAR kamen wenige Stunden zu spät, um noch eine Rolle zu spielen. Ein O-Ton von Benedicte ist dabei (DLF, 31. Juli, 21.05 Uhr), das „overvoice“ besorgte meine Lieblingsstimme des Senders, Christiane Nothofer, die auch ein paar Zeilen aus der Besprechung von „Lofoten“ vorträgt, die „Electronic Sound“, aus ein paar guten Gründen, zum Album des Monats August erklärt hat. Ich bin gespannt, was Lajla zu dieser Musik sagen wird, die mir einiges zu der Inselgruppe weit im Norden erzählt hat.

    Resavoir & Matt Gold HORIZON  (International Anthem) Benedicte Maurseth MIRRA (Hubro) David Boulter  YARMOUTH (Clay Pipe Music) Jeremiah Chiu & Marta Sofia Honer  DIFFERENT ROOMS  (International Anthem) Carlos Niño &  Miguel Atwood-Ferguson CHICAGO WAVES (International Anthem) Ben LaMar Gay YOWZER  (International Anthem) Amina Claudine Myers: SOLACE OF THE MIND (Red Hook) Henriksen Seim Jormin Ounaskari ARCANUM (ECM) Benedicte Maurseth MIRRA (Hubro) Cate Francesca Brooks LOFOTEN (Clay Pipe Music)

    Apropos „Inselmusik“: zu meinen, sagen wir mal, zwölf „Inselalben“ von International Anthem gehört sicher ein Doppelalbum, das sich auch unter meinen liebsten Jazz-Live-Doppelalben „ever“ einfinden würde, „The Way Out Of Easy“ von Jeff Parker und seinem Quartett (Foto 2). Und es ist eben nicht von 1975 („Agharta“) oder 1977 oder 1969, sondern von 2024. Hier ein Zitat von Jeff, und meine freundliche Aufforderung, diesem „Weg aus dem Leichten hinaus“ mal eine Chance zu geben – es ist leicht (easy peasy & deep)!

    That’s why I called the record The Way Out of Easy. Within the context of free improvisation or free jazz, sometimes freedom seems like it can be exploited where cats feel like everything has to be really dense. Sometimes freedom can mean just not doing anything, or it can be very restrained. The band, when we improvise together, we really are trying to think compositionally and really developing things and letting stuff go slow, and being very intentional and deliberate about what we’re doing.


    Die „September-Horizonte“ sind speziell. 35 Jahre lang habe ich die Sendung gemacht. Demnächst gibt es bei International Anthem das erste Album des Chicago Underground Duos seit elf Jahren (Foto 3). Es gefällt mir so gut, dass es seinen Platz sicher hat. Nicht zuletzt, weil es ein paar naheliegende und verrückte Verbindungen nahelegt – zu dem Cover eines Albums von Brian Eno (welches wohl!?), zu Jonathan Richman (hört! hört!), und zu Don Cherry sowieso. Der Grundton dieser „Dinge am Rande“ ist die Vergangenheitsform, obwohl alles – letztlich – „Zukunftsmusik“ ist. Wie das „Traumteil“ hier (Foto 4).

    Ich stelle im September wohl auch ein Stück aus Steve Tibbetts‘ neuer Arbeit vor, die im November rauskommt. Bin gespannt, wo es sich in seiner umfangreichen „Albenhistorie“ einordnet, in der „wilden Musik“ rund um Hammerwerke a la „The Fall Of Us All“, oder „A Man About A Horse“ oder im meditativen Feld seiner stillen Meisterstücke a la „Northern Song“ oder „Life Of“.

    Einige „Radiokreise“ schliessen sich, wenn abends am 22. Januar 2026 mein Steve Tibbetts-Portrait „laufen“ wird (im November und Dezember waren schon alle Termine vergeben). Meine allerersten zwei Radiosendungen überhaupt liefen abends, im Oktober 1989, über genau diesen Steve Tibbetts, erst im Deutschlandfunk, und unmittelbar danach, mit völlig anderem Skript und anderen O-Tönen, im NDR bei Michael Naura. Reiner Zufall, diese zeitliche Nachbarschaft, und eine schöne Herausforderung für ein „creative writing“-Seminar. Aber (patati patata!), wie gesagt: Zukunftsmusik, wie etwa auch das neue Dreifach-Opus der Necks, „Disquiet“ (Foto 1), das im Zentrum der „Herbsthorizonte“ aufleuchten könnte (so der alte Zauber weiter wirkt): „always different, always the same“.

    Weisst du noch, damals.
    Nein.
    Weisst du noch.
    War es schön, es war doch schön, manchmal, oder.
    Ja ja, auch. Aber.
    Aber.
    Es war auch … anders.
    Unheimlich.
    Manchmal unheimlich schön.

    Es ist eine Freude, die Kommentare zu lesen: darin kommt auch folgendes Album vor (Foto 5):

    „Although somewhat unexpected choices of instruments, Takada and Bro share the affinity of openness and exploring sound as source material. Taking a step deeper beyond musical training, cultural background and age difference (which also would be besides the point since Midori Takada is by Bro considered forever young at heart, and Bro himself is nearly fluent in Japanese language), Until I Met You is its own ecosystem, a gesture of unity and worldbuilding.  “I try to express myself with sound and have no ambition with my instrument other than to create moments of beauty with my fellow collaborators. I see Midori Takada as someone who can do exactly this. Turn a moment of nothing into something,” says Jakob Bro.“