Johnny Trunk: Audio Erotica (Hi-Fi Brochures 1950s – 1980s)
Remember roller-skating while wearing your first Walkman? Or relaxing to easy listening in your pure white Philips lounge? Or playing chess on your JVC tabletop radio? All these scenarios can be found in the geeky and rarefied world of the vintage hi-fi brochure, where graphic design and acoustic apparatus make magical music together.
From austere postwar Britain to poppy pre-millennium Japan, Audio Erotica presents a nostalgic nirvana of the strangest and most significant period hi-fi brochures. The volume acts as a companion title to the delightful Jonny Trunk/FUEL publication, Auto Erotica: A Grand Tour through Classic Car Brochures of the 1960s to 1980s and is manufactured in the same format. Alphabetically listed, from Aiwa to Zenith, with Braun, JVC Nivico, Nakamichi, Sony and everything in between, this book will resonate with any music fan.
Setting the tempo are the pipe-smoking, high-end separates (amplifiers, speakers, turntables) of the 1950s, followed by the swinging Dansette record players of the 1960s, the prog-brushed-metal music centers of the 1970s and the sleek capitalist cabinet stack systems of the 1980s—not forgetting the aerobic stereo sound portability facilitated by the boombox, and that final high-fidelity, hardware hurrah: the compact disc.
The evocative brochures in Audio Erotica track the technological development of audio equipment before the digital download, while simultaneously revealing the way hi-fi was marketed to the listening public. With knobs on. A striking screen-printed graphic cover on „brushed aluminum“ paper echoes the hi-fi systems shown in the brochures.Dreams of an Ending
Thanks Michael!
Trying to finish this „album“ up, (what is an album, anyway?) but it gets longer and longer, more and more ideas. I will probably end up with a separate album of cast-offs and insane live cuts from ages ago when we were not afraid to lose our hearing, and the hearing of our audiences.
Nearly two years ago:
I’m still working on the next album. It’s a good one, so I’m taking my time. I have one year left in my studio before I get ejected, so I am in no hurry. (…) I am very happy you are still on the radio. I think your voice & selections are best for the magic hours between midnight and 4AM, but we’re all getting older, and sleep can be its own reward. (I loved working those weekend hours at Minnesota Public Radio in my 20s–radio stations are magical at that time, even though you know there are probably only 20 people listening.) (s.t.)

22.52 Uhr. Hyères. Der Gesang in der Luft. 25 Grad und sternenklar. Nicht nur an der Nordsee kann man von einer Radiostation am Meer träumen. Zu den Ritualen des Herumschweifens zählt auch das Mosaik einer Radionachtstunde – so sähe sie im Moment aus, lauter neue Produktionen des Jahres 2024 (aber wo bringe ich den Central Park unter, die Träumereien von Wadada Leo Smith und Amina Claudine Myers?)… 1 Alva Noto 2 Kali Malone 3 Julia Holter 4 Warrington Runcorn New Town Development Plan 5 David Boulter 6 Erik Honoré 7 Pan American & Kramer 8 Beth Gibbons 9 Bill Frisell. Das von mir gewählte Stück von „Orchestras“ hätte auch auf Beth Gibbons Mix-Tape „Mellow Beth“ in Brüssel laufen können in ihrem Vorabendprogramm. Neben diesem hier: “Evening Star“. Und natürlich völlig unmöglich, in diese Sequenz jenes wundersam verrückte Album aus den Achtzigern hier hereinzuschmuggeln, das ich mir zum Record Store Day besorgte: Suns of Arqa: Wadada Magic. (m.e.)
Essenzen
Guten Tag allerseits. Mein Name ist Michael Engelbrecht. Nach meinen Radiojahren (1989-2025) werde ich diverse Ideen verfolgen, Gesundheit vorausgesetzt, die Dinge des Lebens auf luftige Art zu verdichten, und beginne damit natürlich nicht schlagartig mit dem Erlöschen des Rotlichts nach meiner letzten Produktion.
Ich beginne schon jetzt. Ich werde (beispielsweise) nur noch eine ausgewählte Zahl an Tonträgern besitzen, sozusagen meine Inselplatten. Ich werde ich auf „meine“ 5-Sterne-Alben beschränken, von „Thembi“ bis Promises“ – und den Rest verkaufen.

Hier wird es nun kurzfristig interessent für Vinylisten. Mitte November stelle ich zwei Kisten mit jeweils 50 tollen Schallplatten zusammen. Und liste sie auf Flowworker. Wirklich unglaublich gute Musik, aber eben nicht mehr die Sterne an meinem Himmel. Jede dieser beiden 50 Platten umfassenden Schatzkisten können für nicht verhandelbare 1000 Euro von mir erworben werden. Es sind wahre audiophile Perlen dabei. Ich transportiere sie persönlich zum neuen Besitzer. Vorausgesetzt, ich werde zum Abendessen eingeladen.
„Weisst du noch, damals, in Warrington und Runcorn…“
Ist es nicht schön verrückt, die „Klanghorizonte“ Ende Juli mit einem brandneuen Album zu beginnen, das sich mit Städteplanung auseinandersetzt, der „New Towns“- Bewegung im alten England der siebziger Jahre?! Das vierte Album der Serie wurde vielfach gefeiert, und in „Electronic Sound“ zum Album des Jahres 2023 gewählt.
„Hub Your Community“, das fünfte Album der Serie des „Warrington-Runcorn New Town Development Plan“ setzt Gordon Chapman-Fox‘ klangliche Erkundung diesér Bewegung fort und zeigt, wie die Probleme, die sie zu lösen versuchte, auch heute noch nachhallen. Das Hauptthema nun: die Gemeinschaft und die Gemeinschaftszentren, die die Ortschaften Warrington und Runcorn bevölkerten, um den Menschen alle Einrichtungen zu bieten, die sie innerhalb von fünf Minuten zu Fuß von ihrem Haus aus erreichen konnten. In den letzten 50 Jahren sind nicht nur diese Gemeinschaftszentren, sondern auch die von ihnen angebotenen Dienstleistungen zurückgegangen – sei es der praktische Zugang zu einem Haus- oder Zahnarzt, zu einem Postamt usw. -, da die aufeinander folgenden Regierungen diese grundlegenden Dienstleistungen untergraben und ausgehöhlt haben.
Die Torys von Mrs. Thatcher gingen da mal wieder federführend voran – fragen Sie mal Robert Wyatt! Die letzten 50 Jahre waren auch einem Rückgang des „geneinschaftlichen Lebens“ geprägt. Thatchers Aussage, „there is no such thing as society“, wurde damals belächelt, aber die nachfolgenden Tory-Regierungen haben sich dies zum Leitbild gemacht und versucht, dem Land so viel Unterstützung und Gemeinschaft wie möglich zu entziehen und jeden sich selbst zu überlassen.
Es hat durchweg faszinierend, wie Gordon Chapman-Fox diese alte Welt und ihre Verlustmeldungen klanglich aufleben lässt. Nie berechenbar begegnen sich hier kühle Maschinen-Elektronik und zu Herzen gehende Electronica. Dabei trägt sich die klug und sinnlich komponierte Musik dieses Albums von allein, ohne Gebrauchsanweisung und Sozialkundeunterricht -, und es wäre schön zu lesen, welche anheimelnden und unheimlichen Sphären Jan Reetze hier ausfindig macht, an was ihn diese gesammelten Dystopien und Maschinenträume erinnern.
Der Transfer zu leblosen Sattelitenstädten und gescheiterten Projekten der alten BRD ist wohl eher eine traurig leichte Übung. Unter dem Strich ist es eine tolle Sache, wie hier mit den Mitteln der elektronischen Musik „aural history“ betrieben wird. Irgendwann wird es gewiss eine sehenswerte Dokumentation geben, oder eine Netflix-Serie. Der Soundtrack liegt schon vor.
Die Unschärfe der Porträts, und andere Berichte über Beth
Aus Paris: „Sie macht das Beste aus einer Mischung aus Flüchtigkeit und absoluter Präsenz. Sie hat etwas von Miles Davis‘ kühler Weigerung, für die Galerie zu spielen, und wendet sich am Ende eines Songs oft vom Publikum ab, als ob sie aus der hinteren Reihe ihres Orchesters Kraft schöpfen würde. Dies mag einer der Schlüssel zu ihrer einzigartigen Anziehungskraft sein. All dies ist bei ihrem Auftritt zu erleben, einem Spektakel, das auf mutiger Selbstoffenbarung und selbstverleugnender Zurückhaltung beruhte, mit einem natürlichen Charme, der alle Qualitäten eines echten Zaubers besaß.“
Aus Zürich: „Und stets verzichtet sie auf das Rampenlicht. Ihr zurückhaltendes, schemenhaftes Auftreten erinnert bisweilen an eine Nonne, manchmal gar an einen Zombie. Mit gekrümmten Schultern, von Schatten umfangen, steht sie vor dem Mikrofon, an das sich ihre gefalteten Hände klammern. Die Strähnen fallen ihr so tief ins Gesicht, dass ihre Mimik verborgen bleibt. Nur selten scheint ihr ein Luftzug ein paar Lichtstrahlen ins Gesicht zu wehen, was ihr einen umso gespenstischeren Ausdruck verleiht. Geht das Licht an, am Ende, verwandelt sich die 59-jährige Künstlerin in eine lächelnde Frau, die zwar Bescheidenheit ausstrahlt, aber auch Selbstbewusstsein, und Gelassenheit.“

Aus Brüssel: Das wird spannend, wenn wir auf die Gästeliste kommen. Die wenigen Sätze, die sie über ihr Album preisgab, finden sich alle in der offiziellen Verlautbarung ihres Labels. Der Rest wird, ebendort, von James Ford und Lee Harris beigesteuert, die etwas von dem mitteilen, was Beth während der Produktion, im Studio, gesagt haben soll. Tolle one-liner dabei. Das war brilliante Promotion, eingedenk der Tatsache, dass sie strikt jedes Interview verweigert. Ich werde sie, ohne wie ein Idiot zu wirken, in der Lobby des Hotels ansprechen. Ergibt sich ein richtiges Gespräch, werde ich zwei Alben ins Spiel bringen, die bislang in der Rezeption von „Lives Outgrown“ unerwähnt geblieben sind: „Le mystère des voix bulgares“ und „Wicker Man O.S.T.“ Und die Unschärfe ihrer Porträts in freier Natur. Ansonsten wird es eine Kurzgeschichte.

Kleiner Anhang: Es ist interessant, wie KünstlerInnen zu Proktionsflächen werden, und umso mehr noch, wenn sie sehr zurückhaltend sind, keine Interviews geben. Dann mischen sich Fantasien / Zuschreibungen selbst in den Versuch von möglichst sachlichen Besprechungen. Ein Zombie? Eine Nonne? Was da alles so an Bildern ins Kraut schiesst! Zudem wird bei Beth Gibbons gerne diskutiert, ob sie an Depressionen leide, oder eine depressive Grundstruktur habe. Wenn jemand depressiv ist, sind Konzerte wie die, die sie in der Gegenwart abgliefert, gar nicht möglich. Dieser „élan vital“ würde ihr komplett abgehen.
Seit ich mich mit „Lives Outgrown“ befasse (der Titel selbst wie die Musik selbst, sprechen für gelungene, mitunter schmerzhafte Metamorphosen), habe ich ein paar alte Stories gesichtet, und vor allem die Fotografien genau angeschaut, die im Umlauf sind, von ganz frühen Jahren bis heute, und auch die Konzertaufzeichnung aus Roseland, NYC, der wir ein beeindruckendes Portishead-Album verdanken. Egal, wie dunkel viele ihrer neuen Lieder sind, ihnen ist dermassen viel Kraft zueigen, dass es eher eine Frage des Mutes ist, wie sehr man in sie eintaucht. Oder es bei hünschen sanften Schauern belässt. Ich bin ganz sicher, in einem Gespräch würde sie kein besonderes Image von sich mühevoll transportieren. Allürenfrei ist das Wort. Sie wäre auf natürliche Weise nachdenklich, klar, ohne selbstverliebten Schnickschnack. Eine normale Person mit aussergewöhnlichen Gaben. Einmalig wie wir alle. Raucht sie eigentlich noch? Wenn Lukas von Domino mir zwei Pressekarten besorgt für Brüssel, werde ich das natürlich rausfinden.
Small Axe

1) Lovers Rock *****
2) Red, White, and Blue ****
3) Mangrove ****
4) Education ***1/2
5) Alex Wheatle ****What a collection! Alles in einer kleinen Schachtel mit zwei DVDs verpackt. Steve McQueen und einige seiner Wahlverwandten haben fünf Filme inszeniert, die dem strukturellem Rassismus Englands der Jahre 1968-1982 nachspüren, mit lauter wahrhaftigen, oft auf wahren Begebenheiten beruhenden, Geschichten. Mich haben sie, in ihren Stimmungen, an alte englische Filme erinnert, die ich fast schon vergessen hatte. Filme, die Gangsterstories mit allen verfügbaren Grautönen erzählen (Roy Budd sorgte da gerne für die Soundtracks), oder solche, die das Leben der Arbeiterklasse vor Augen führen, ohne romantisierende Züge. Da waren die Bücher von Alan Silitoe, und Kinofilme, die seinen sozialen Realismus aufgriffen. Etwa „Saturday Night and Sunday Morning“. Oder die „Einsamkeit des Langstreckenläufers“. Erinnerungen an Bücher und Filme vermischen sich. Bei den fünf Filmen von „Small Axe“ spielt die Musik eine noch zentralere Rolle, der Funk, der Soul, der Reggae von damals. Die Lieder liefern Gegen-Erzählungen, andere Blickwinkel, soziale Härte, und Sehnsuchtsstoff. „Red, White, And Blue“ hatte mich dermassen gepackt, dass ich mir zwei alte Al Green-Alben kaufte. Und die Reggae-befeuerte Erzählung von „Lovers Rock“ – wunderbar. Zugleich wurde erfahrbar, auf dieser Party, angesiedelt in Ladbroke Grove anno 82, wie Entgrenzung, Exstase, in der Musik wirken können, nicht ohne gewisse Gefahren. Ein Rausch. Im Dezember 82 war ich auch in London, ich erlebte immerhin Jah Wobble & The Invaders of the Heart, im Marquee Club. Hampstead Heath. John Peel im Radio. The ghost of „my legendary lady“. Hanne. Sometimes it‘s wonderful to have a broken heart (in retrospect).
Chiaroscuro (revisited)

„Chiaroscuro entstand während einer Reise durch Norwegen. In einigen Clubs waren vielleicht zwanzig, manchmal fünfzig Zuhörer dabei. Ich erinnere mich, das erste Stück, „Opening Image“, wurde auf einer Mini-Disc aufgenommen. Es wurde so leise aufgenommen, das du das Rauschen hören konntest. Das Rauschen war übermächtig, wir mussten was damit machen. Und Erik Honore, nun, er ist der perfekte Produzent, ein Meister der Töne, er findet stets auf kreative Art Lösungen für ein Klangproblem. Er schlug vor, den Synthesizer einzusetzen, um noch mehr Rauschen zu erzeugen, das neue Rauschen zum alten hinzuzufügen, und mit dieser Dynamik des Rauschens zu arbeiten, so dass das Rauschen selbst eine Art Instrument wird.“ (Jan Bang)This year‘s Punktfestival will see the original line-up of „Chiaroscuro“ on center stage celebrating Arve Henriksen’s groundbreaking album, where the acclaimed trumpeter is joined by Jan Bang and Audun Kleive. Let‘s call it back-to-the-roots magic! In regards to Jan‘s memories of that old concert tour, one question arises: with that lack of tape hiss during that forthcoming concert, will there be samples of the old noises, and a synthesizer in action for covering them up? No kidding, the original remix of the recorded sound definitely had an impact on the final magic. (m.e.)
June Revelations (Album & Archive)

Album – Dass englische Städteplanung vom Ende der Siebziger Jahre mal eine hochinteressante Reihe von Alben aus der Sparte „Elektronika“ auf den Weg bringen würde, ist eine kleine Überraschung. Was uns ein gewisser Gordon Chapman-Fox seit Jahren anbietet, ist ein wundervoll-hintersinniger Soundtrack zu „kommunalen Stadtgeschichten“. Der vierte Teil dieser Serie fand sich speziell im alten Königreich auf vielen Jahresbestenlisten anno 2023. Hauntology and psychogeography, composed by a sharp political mind. Der Transfer zur alten Bundesrepublik ist nur ein Katzensprung. „Your Community Hub“ ist der fünfte Streich dieser Klangveranstaltung mit dem poetischen Namen „Warrington Runcorn New Town Development Plan“. Wer sich schlau machen möchte, schaue zu Bandcamp, oder in die Juni-Ausgabe des Magazins „Electronic Sound“, in der sich auch ein Gespräch mit Mr. Trunk findet, hier ein Auszug…
Archive – Wir bleiben im Reich (von Fall zu Fall) beseelter Objekte, und, was die Autorenschaft angeht, im alten England: wer durch Jonny Trunks neuen Bilder- und Erzählband schmökert (und hier ist genussvolles Schmökern angesagt, für alle Freunde alter Hifi-Gerätschaften), wird unweigerlich an seine eigene Kinder- und Jugendtage denken. (Mir fällt, läge ich auf eine Couch und würde zum freien Herumspinnen ermuntert, sogleich eine schwere Tonbandmaschine einfallen, mit der ich abends, im ersten Semester in Münster, in der Wohnung eines, in den wenigen Monaten dort, versterbenden Rentnerpaares, auf alten BASF-Bändern, meine musikalische Grundversorgung und und Seelennahrung sicherte. Danke, Leonard. Danke, Bo Hansson.) „Audio Erotica: Hi-Fi Brochures 1950s – 1980s“ ist weitaus mehr als eine obskure Broschürensammlung. In den Klanghorizonten war Johnny Trunk öfter zu Gast, ein Spezialist für Zeitreisen in die gesammelten Unheimlichkeiten der Kindheit, von wilden Comics, über erste Horrorfilme und die grosse weite Welt der „library music“, bis hin zu surrealen Trickfilmserien.
„At The Marquee“
1 – War der Marquee Club wirklich das größte Musiklokal der Welt, wie der Untertitel einer neuen Geschichte des Clubs nahelegt? Die Carnegie Hall, das Olympia in Paris, das Ronnie Scott’s, die Berliner Philharmonie, das Village Vanguard und einige andere mögen dafür sprechen. Aber von der Eröffnung im Jahr 1958 bis zur Schließung des letzten Clubs, der diesen Namen trug, im Jahr 2006, hatte der Club einen berechtigten Anspruch auf diesen Titel, da seine Attraktionen im Laufe der Jahre von Dexter Gordon, Chris Barber und Dudley Moore über Alexis Korner und Long John Baldry, die Stones, die Yardbirds, Manfred Mann, Graham Bond, Little Stevie Wonder, The Who, David Jones/Bowie, Sonny Boy Williamson, Rod Stewart, Jimi Hendrix, King Crimson, Led Zeppelin, Fela Kuti, Genesis, Dr. Feelgood und Dire Straits bis hin zu den Damned, den Sex Pistols (als Support von Eddie and the Hot Rods), The Jam, The Police, Motorhead bis hin zu REM und Guns N‘ Roses und Hunderten und Hunderten von anderen, von denen die meisten noch in der Entstehungsphase sind, einschließlich fast aller britischen Blues- und Prog-Rock-Bands, die über die Musicians Wanted-Rubriken des Melody Maker zusammengetragen wurden.
(Richard Williams, zu einem Buch über diesen legendären power spot, s. nebenan: The Blue Moment)

2 – Der Kollege drehte sich eine Zigarette, er sass mir gegenüber in unserem Zwei-Mann-Büro. Zwei Psychologen, einer hatte Liebeskummer. Michael, um aus dieser Nummer raus zu kommen, flieg nach London, über Weihnachten, das ist doch deine Stadt. Du musst einfach ständig wach sein, saug Piccadilly auf, das tut richtig weh, aber gut, alleine, ganz alleine, saug die Einsamkeit auf. In vollen Zügen. Das hilft. Down to the bottom! Ja, sie ist bestimmt die schönste Frauen Regensburgs. Du warst ihr Ausbruch, sie hat die Reissleine gezogen.
Die Würfel sind gefallen. Er hatte ja so recht. Ich wohnte noch immer am Ende der Welt, die Wölfe der Tschechei kamen manchmal über die Grenze, und ein Buch mit Kurzgeschichten von Richard Brautigan lag neben dem Bett. Ich fuhr von Bergeinöden nach Frankfurt und besorgte mir ein Flugticket nach London. So allein wollte ich auch nicht sein, und so kündigte ich meinem alten Würzburger Freund David Webster meinen Besuch an. Er freute sich darauf, mich wiederzusehen.In Frankfurt verweigerten sie mir die Einreise nach London. Ich landete in Büros, und musste sogar zu einem amerikanischen Konsulat, wieso musste ich auf das fucking amerikanische Konsulat? Ein Riesentheater, und ich war sauer, und zeigte das auch. Da klärte es sich, dass ich als Amerikareisender gebucht war, ohne Visum, alles war ein Missverständnis im Frankfurter Nieselregen. Lauter Sorrys und Entschuldigungen, und Lufthansa schenkte mir ein Ticket für die Business Class, mit Sekt und allem Drum und Dran für eine Dreiviertelstunde Flug in den Londoner Nebelregen.
Heiligabend war ich bei den Websters eingeladen, bis dahin hatte ich zwei Tage: billige Absteigen, alte Cafes, und ich besorgte mir sofort ein Musikmagazin. Musik sollte Teil meiner Selbsttherapie sein. Ich liess mich in einem Pub nieder, erleichtert nach dem Tagesstress, der Kaktus auf der Ablage über mir geriet in Bewegung und plumpste dem Mann hinter mir in den Nacken. Ein Aufsschrei. Ich kümmerte mich sofort um ihn, zog ihm einzelne Stachel raus, ein paar Stellen waren blutig, aber er blieb freundlich. Der Pubbesitzer hatte sogar ein Desinfektionsmittel. Am Abend ging ich in den Marquee Club, um Jah Wobble & The Invaders of the Heart zu erleben.
Jah Wobble hatte einen Trenchcoat an, der aussah, als wäre er den ganzen Tag durch den Londoner Dunkelregen gewandert. Man konnte hören, dass Jah Wobble nach der Zeit mit Public Image Ltd. noch viel mehr in die Welt des „elektrischen Miles“ eingetaucht war. Dunkel pulste sein Bass durch den Raum. Eine Trompete mit Wah-Wah-Pedal verschickte knappe telegraphische Notizen, der Drummer hämmerte wohltuende Monotonie. Da erkannte ich sie und taufte sie Healy. Du bist die Fremde, mit der ich diese Nacht erobern werde. Sie stand alleine an der Seite, und trug auch einen fucking beautiful Trenchcoat. Hoffentlich war sie kein Jah Wobble-Groupie. War sie nicht.
Nach dem Konzert lud ich sie zu einem Drink ein, nachdem ich mich freundlich vorgestellt hatte. Why me, fragte sie mich, und ich sagte, your eyes. Sie hatte ein kleines Appartment in West Hampstead. Sie legte eine gemeinsame Lieblingsplatte auf, Chairs Missing von Wire, und dann schliefen wir miteinander. In dieser Nacht lösten sich die Bilder der schönsten Frau Regensburgs in den Umarmungen einer Wildfremden auf. Wir kifften, lachten, und mochten einander – small talk with a beating heart. Sie hatte kleine feste Brüste und einen extrem schlanken Körper, Londoner Regenblässe. Sexual Healing. Ein wenig.
Ich wanderte den ganzen Tag durch Hampstead Heath, ich hörte spät am Abend John Peel im billigen Hotelzimmer (er spielte Musik von Howard Devotos Band „Magazine“, ich weiss es noch genau, einen Song aus „Second Hand Daylight“, oder „The Correct Use of Soap“, wunderbar) und am nächsten Abend, Heiligabend, traf ich bei den Websters ein. Es gab Gans, Rotkohl, und Plumpudding. Es waren noch andere Gäste da. Ich hatte mir einen Infekt eingefangen, und später nachts 39.5 Grad Fieber. Ich schnupfte. Ich glühte. David sagte: Michael, erzähl, wie war das Jahr? Wollt ihr das wirklich hören? Ja, Mann! Und ich erzählte die ganze Geschichte. Bis zu dem Augenblick, wo mein Kollege sich eine Zigarette drehte. In einer Fachklinik für Suchtabhängige. Ich ruinierte die Party mit dieser Story, leider. Obwohl ja alles so magisch anfing, mit einem Western mit James Stewart, und dem berühmten Song der Gruppe Grauzone. Ich hätte gerne als Entschuldigung einen Weihnachtsbaum gestiftet. Für Mrs. Webster wurde ich zum roten Tuch.
Das Allerschönste in diesen Tagen waren die Fahrten mit der Underground, besonders die Augenblicke, wenn man die letzte Treppe zum Tageslicht betrat. Immer wieder gerne: Piccadilly Circus, die bunten, flackernden Werbetafeln im Dauerregen. Ich kam mir vor wie in einer ungeschriebenen Geschichte von Richard Brautigan. Eine, in der Duftkerzen Patchouli verströmen, die Kinks im Radio „Mr. Pleasant“ spielen, ein Hirschbraten mit Preiselbeerrahm serviert wird, und ein paar Glückskekse am Tannenbaum hängen.
3 – Ich war zweimal in meinem Leben im Marquee, 1982 im Dezember, und, nach kleiner Recherche rausgefunden, am 15. Juli 1970, um Steamhammer zu erleben. Gates of perception. Mein alter Freund Uwe Zemlin war wesentlich öfter dort. Seine Erinnerungen würde ich hier gerne nachlesen. Write a little story! (m.e.)
