“Belladonna Nocturne“
Die neue Sammlung von 14 originalen Kompositionen kommen allesamt, wie der Titel suggeriert, als Nachtstücke daher, aber wer sagt, das sie durchweg besänftigen!? Besser niemand. Auch sollte man bestimmten Begrifflichkeiten nicht trauen, die immerzu aus dem Köcher gezogen werden, wenn der berühmte Produzent und Musiker ein Instrumentalalbum veröffentlicht: „Ambient“, oder, die jüngste Mode, „Ambient Americana“. Das sind durchweg Verengungen des Blicks, Floskeln, die alles, was Klang ist, runterbrechen, auf eine meditative Affäre, Beruhigung. Es geht so ganz anders zu auf „Belladonna Nocturne“, und das ist nicht allein den Schlagwerkwirbeln und variablen Metren von Brian Blade geschuldet: jede einzelne Komposition ist eine dramaturgisch vielstimmige, mindestens doppelbödige Veranstaltung, gesegnet mit Stolperfallen, Einrissen, Brüchen, Lichtungen, Brandungen, und unberechenbaren Schattierungen. Vermeiden wir bitte das Wort „atmosphärisch“! Diese konzentrierte Ware mal galant vorbeirauschen lassen, wäre ein Irrtum und ein wenig anstrengend. Es empfiehlt sich, dem Raum zu verdunkeln, die Sinne zu schärfen, und auf Reisen zu gehen mit vierzehn Short Stories, die eher an Raymond Carver erinnern als an einen Soundtrack für entspannte Gemütslagen. Unglaublich, dieses Album!

The new collection of 14 original compositions are all, as the title suggests, presented as “night pieces,” but who says they’re all soothing!? Better not to say so. Nor should one trust certain terms that are constantly trotted out whenever this famous producer and musician releases an instrumental album: “ambient,” or, the latest trend, “Ambient Americana.” These are, without exception, narrow-minded labels—clichés that reduce everything that is sound to a meditative experience, to calmness. Things are quite different on “Belladonna Nocturne,” and that’s not solely due to Brian Blade’s drumming flourishes and variable meters: every single composition is a dramaturgically polyphonic, at the very least ambiguous experience, blessed with pitfalls, insights, breaks, clearings, surges, and unpredictable nuances. Let’s please avoid the word “atmospheric”! To let this concentrated work simply rush by gracefully would be a mistake and a bit exhausting. It’s best to dim the lights, sharpen your senses, and set off on a journey with fourteen short stories that are more reminiscent of Raymond Carver than a soundtrack for relaxed moods. This album is incredible!