Unter musikalischen Träumern

Ich habe viele Konzerte besucht, aber es war keins dabei, bei dem ich mir wirklich die Augen und Ohren rieb – war das Wirklichkeit oder waren das Träumereien? Woher kamen diese Weltmusiker auf die kleine Insel am Ende der Welt? Mir fiel zu Beginn des Konzertes die halbrunde Positionierung der Instrumente auf. Dass Torsten de Winkel meist linksaußen Gitarre spielt, wusste ich. Aber bei diesem Konzert orchestrierte er als Zeremonienmeister aus dieser Position in einem kleinen Abstand zu den Musikern, die er immer im Auge behalten musste. Wenn sich Träumer zusammenfinden, Festivalname war „Ronda de Sõndores“, muss einer hellwach bleiben, in dieser launigen Spielrunde waren sie aber alle hellwach.

Sie jammten mit kleinen gegenseitigen Signalen drauf los.Torsten gab den Ton zusammen mit den beiden etwas erhöhit sitzenden Schlagzeugern an. Gleich bei dem ersten Stück wusste man, dass hier eine „edle Soundkutsche“ abfahren würde. Da wurde auf Instrumenten gespielt, die einen jenseitigen Klang erzeugten. Die Gitarren wurden von Schlagwerken, Bandoneon, Kontrabass, Trommeln, Tastinstrument, Saxophon, Klarinette, Trompete, Sitar begleitet. Wahrscheinlich habe ich nicht alle Instrumente auf der Bühne entdeckt. Oder woher kamen die fernen, melancholischen Töne – vielleicht vom Mischpult?

Und woher kamen die Musiker, die sie bespielten? Wo hatte sie Torsten gefunden und einladen können? Sie kamen aus Russland, Uruguay, Senegal, Venezuela, Italien und all den kanarischen Inseln. Zum Beispiel die Sängerin Luisa Machado, eine Göttin der kanarischen Folklore, die ausgezeichnet und bewundernswert den Jazz mit der hiesigen Folklore fusionierten konnte. Auch die zweite Sängerin, Almudena Viver, spanischer und venezuelanischer Herkunft, hatte einen sehr sinnlichen Auftritt. Mit ihrer starken Stimme sang sie auch amerikanische Klassiker und bewegte sich lasziv und minimalistisch dazu. Den Zustand von „Wohnzimmerträumereien“ lösten bei mir die Bandoneonklänge aus sowie „Cuccurrucuu“ – samtweich von dem wunderbaren jungen Senegalesen Ismail Ah gesungen. Dass gleich drei Bläser von höchster Qualität auftraten, war ein intelligenter Coup von Torsten, der damit seinen Jazz Club präsentierte.

Das zahlreiche Publikum blieb begeistert bis zum Schluss des Konzertabends auf offener Bühne. Unbedingt erwähnenswert ist noch der „homegrown“ Fotograf Alexis W, der mit seinen sinnlichen Porträts von den Inselbewohnern das sehr hohe künstlerische Niveau ergänzte. Die Zugabe trieb nicht nur mir die Tränen in die Augen. Hier fand ein Event statt, das den Jazz auf El Hierro wieder salonfähig machte, und Begegnungen verschiedener Kulturen ermöglichte.

An den Gitarren Torsten de Winkel und Santi Roque und Hector Quintana
Am Schlagzeug Ramon Diaz und Anzog Miranda
Sitar Amit Miskra
Perkussion Sergey Saprychev(Russland)
Saxophon Kike Perdonne
Trompete Idafe Perez
Klarinette Norberto Arteaga
Bandoneon und Kontrabass Juan Carlos Baeza(Uruguay)
Tastinstrument Gino Marcelli (Italien)

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