Michaels drei Lieblingsserien für erfüllte Sommerabende, und ein exzellenter Thriller mit Emma Thompson
„„Widow’s Bay“ ist eine Horrorkomödie über eine kleine Insel in New England, auf der ein jahrhundertealter übernatürlicher Fluch lastet. Das Beste an diesem Film ist seine absolut meisterhafte Beherrschung des Tons. Meistens, wenn so etwas versucht wird, gerät die Balance ein wenig aus dem Lot; entweder sind die Schreckmomente zu parodistisch oder ironisch, oder die Witze dienen lediglich als faule Spannungsbrecher. „Widow’s Bay“ schafft es jedoch irgendwie, beides genau richtig hinzubekommen. Der Film ist gleichzeitig eine wunderbar bissige, spritzige, charakterbasierte Komödie und jene Art von wirklich beunruhigendem Horror, bei dem man unbewusst den Atem anhält. Dass es dem Film gelungen ist, dies zu erreichen, ohne irgendetwas zu verwässern, grenzt an ein Wunder.“ (Stuart Heritage, The Guardian)
1) John Sugar, Staffel 2 (Apple +)
2) Maximum Pleasure Guaranteed, Staffel 1 (Apple +)
3) Widow‘s Bay, Staffel 1 (Apple +)
“Dead Of Winter – Eisige Stille“ (prime, bluray, dvd)
Man nehme meine Empfehlungen mit gebotener Vorsicht auf, denn bei etlichen Filmen, die hier über die Jahre begeisterte Resonanz auslösten, blieb ich komplett gelangweilt zurück, ob es um etliche „Linklaters“ geht, um Baumbach-Filme a la „The Meyerowitz Stories“ oder „Marriage“, um „Die Fablemans“ von Stephen Spielberg oder James Ivorys „Was vom Tage übrig blieb“ (wo übrigens auch Emma Thompson mitwirkt).
„Dead Of Winter“ benutzt einige „basics“ des Klassikers „Fargo“ der Coen-Brüder: eine irre Psychopathin, gandenlose Winterlandschaften, und eine starke weibliche Protagonistin. Allerdings webt der Regisseur James Kirk daraus eine ureigene Geschichte von Liebe, Tod, Trauer und Wahnsinn. Ein Drehbuch der Extraklasse, das jeder Oberfläche einen eigenen Abgrund unterlegt.
Wie man puren Horror und schwarzen Humor eins werden lassen kann, beweisen die beiden neuen Serien „Maximum Pleasure Guaranteed“ (wo es auch um Vereinsamung in virtuellen Wirklichkeiten geht) und „Widow‘s Bay“ (wo ein „Nebel des Grauens“ a la John Carpenter mehr als einen Abstecher nach „Twin Peaks“ bereithält!), dermassen raffiniert, dass die Stories weit über die Erfüllung genretypischer Muster hinausgehen. Bleibt noch der Privatdetektiv John Sugar, mit Colin Farrell: auch die zweite Staffel eine Meditation über essentielle Fragen des Lebens: Kino pur im TV-Format!
Ich weiss ziemlich genau, was mich an diesem „quartet of excellence“ fesselt, dieser „sehr“ persönliche Faktor, der meistens in Filmkritiken ausgespart wird. Gutes Entertainment allein langweilt mich genauso wie – mitunter (!) – kanonisierte Filmkunst. Das „gewisse Etwas“ ist zwar nicht so schwer in Worte zu fassen, aber selten ein schlagendes Argument. Weil: strictly personal! Der Filmkritiker ist letzlich ein unverlässlicher Erzähler, aber mit der Zeit lernen wir bestimmte Unverlässlichkeiten besonders schätzen!
Zugabe: Um hier auch bei Filmen auf drei Empfehlungen zu kommen, möchte ich an zwei ältere Filme erinnern, die ich erst lange nach ihrer Entstehung entdeckt habe, und seitdem wieder und wieder und wieder ansehen kann, so sehr gerate ich jedesmal in ihren Bann.
“Medium Cool“ (Haskell Wexler, USA, 1969)
“Das rote Eichhörnchen“ (Julio Medem, Spanien, 1993)
Es ist schon ein paar Jahre her, da sah ich einen anderen meiner vier Lieblingsfilme des Basken über eine Woche lang an, jeden Tag einmal, in den Abendstunden, „Tierra“. Es war ein unvergesslicher Trip, jedesmal öffneten sich Horizonte, jedesmal das volle Programm von Wirbelschauern, Ergriffenheit und tiefer Trance! Ich stellte mir keine klugen Fragen, ich ordnete das, was ich sah, nicht in die üblichen Fächer. Ein Film, der mir ein paar Schlüssel in die Hand gab, ich musste nur den Mut haben, die eine und andere Pforte zu öffnen.
4 Kommentare
Olaf Westfeld
Ganz sehenswert fand ich auf Appe+ „Down Cemetery Road“, auch mit Emma Thompson, auch eine Krimiserie. Beginnt gemütlich und nimmt dann immer mehr Fahrt auf. Und immer wieder gibt es ganz schöne Songs.
Michael Engelbrecht
Thrilltime:
Olaf, ich lese, dass du auf zwei langen Bahnfahrten den Kriminalroman „Der Mailman“ verschlungen hast. kann ich gut verstehen:) ich empfehle unentwegt die neuen Kriminalromane von Simon Mason um das ungleiche Ermittlerpaar DI Ray Wilkins und DI Ryan Wilkins. Und die gehen rum bei uns hier, ich bin gerade beim vierten der bislang fünf Romane, und sie sind neben allem anderen saugut geschrieben und saugut übersetzt. Spannend, deep, auch scharfer guter Humor.
Talk Talk Time
Ich lese nebenbei die letzten Kapitel des tollen Talk Talk Buches von Graeme Thomson. Tatsächlich haben sich Kate Bush und Mark Hollis öfter privat getroffen. Da hätte sich was anbahnen können, an Zusammenarbeit. Aber Thomaon verliert sich nucht in Spekukationen über imaginary records.
Durch meine Lektüre habe ich wieder zu dem ersten der vier grossen Alben von Mark und Co. gefunden, The Colour Of Spring. Und wie wunderbar es mir gefällt, ich kann mich soooo reinfallen lassen in die Musik.
Und auch spricht Thomaon von Lee Harris (Talk Talk Drummer) grandiosem comeback auf Beth Gibbons‘ Lives Outgrown. Er schrieb da an vier Liedern mit, arrangierte und co-produzierte… viele Aha Erlebnisse beim Lesen…..
Kala Time
Ein Bekannter schenkte mir heute Kala von Colin Walsh. und meinte, er fresse einen Besen, wenn mich das Buch nicht umhauen würde. Womit wir wieder bei Thrilltime wären😉
Olaf Westfeld
„Colour Of Spring“ kenne ich noch nicht richtig, ich warte noch darauf, bis irgendwo mal ein schönes Exemplar für mich herumsteht. Ähnlich wie ein Album von O.rang, leider wird das wohl etwas schwieriger… und Lee Harris ist auch auf dem tollen Bark Psychosis Album Project Dustsucker dabei.
Das Talk Talk Buch lese ich vielleicht auch mal. Und ja: Mailman ist wirklich super.
flowworker
Colour Of Spring erscheint in Kürze al half speed master auf Vinyl.
Es gibt viel zu lieben an diesem Album.
Wie schön, dass Lee Harris auf Beth Gibbons Album all seinen Zauber entfalten konnte…..
Morgen bekomme ich endlich die Cds von Daniel Lanois (bisher hatte ich nur den Stream und youtube) und Nils Petter Molvaer. Ich glaube, zu letzterem schreibt Jan Bang einen Text in den kommenden Tagen.
Ich habe mir jetzt den neuen half speed remaster gegönnt von Spirit Of Eden.
„This pressing, a half-speed master, is also top-notch, done with the utmost care, and it shows in the grooves. This album perhaps isn’t the most ideal choice for vinyl, given its many quiet passages and the fact that it was assembled digitally during its creation, but I’m happy to say that said passages are as quiet as a church mouse and that the dynamics are simply stunning. This is an audiophile-quality reissue for a budget price, and as such, a treat for anyone who doesn’t own this album or who loves it and wants to hear it again. It’s like hearing it again for the first time and certainly does Hollis’ sizable legacy justice. Let’s just hope that 1991’s swan song Laughing Stock and Hollis’ 1998 solo album are next in this series. If so, I can’t wait.“
The remaster of Mark Hollis‘ solo album (2003) is fantastic, by the way, no half speed necessary. m.e.