Aktives Träumen
Seit ich in diesem Frühjahr wieder einmal angefangen habe, meine Traumerinnerungen aufzuschreiben, hat sich etwas entwickelt, was ich nie für möglich gehalten hätte. Glückliche Fügungen, Synchronizität oder Serendipity haben mich zu einem Buch geführt, dem ich diese Erfahrungen verdanke.
Bisher bin ich davon ausgegangen, dass ich meinen Träumen im Prinzip passiv ausgesetzt oder sogar ausgeliefert bin. Wie ich inzwischen las, entspricht dies der Auffassung von C.G. Jung, für den der Traum dem Einfluss des Bewusstseins entzogen war. Auch meine Begegnung mit den Traumritualen der Senoi auf der Rückseite des Plattencovers von Jon Hassels Album „Dream Theory in Malaya“ hatte daran nichts geändert. Dann entdeckte ich im Sammelband „Der Wissenschaftler und das Irrationale“ aus dem Jahr 1981, herausgegeben von Hans Peter Duerr, einen Beitrag von Werner Zurfluh, der seit seinem 23. Lebensjahr regelmäßig Aufzeichnungen über Träume, luzide Träume und außerkörperliche Erfahrungen angefertigt hatte. Mich begeisterte Werner Zurfluhs Ausdauer, Konsequenz und das zeitliche Engagement für seine, wie er es nennt, „Forschungen im nächtlichen Bereich“, und insbesondere faszinierte mich ein im Beitrag geschilderter Traum, der seinen beruflichen Plänen eine neue Richtung gab, die er zeitlich mit seiner Familie und seiner Traumwelt vereinbaren konnte. Mehrmals erwähnte Werner Zurfluh ein Buch von Patricia Garfield, das er mitübersetzt hatte und das im Jahr 1980 im Schweizer Ansata Verlag erschienen war: „Kreativ träumen“. Dieses Buch war für mich der Durchbruch zu einem aktiven Umgang mit Träumen. Es ist eine ausgezeichnete Anleitung, Träume gezielt zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit einzusetzen. Die englische Originalfassung erschien im Jahr 1974 unter dem Titel „Creative Dreaming“.
Patricia Garfield erzählt anschaulich von Kulturen, in denen Träume einen entscheidenden Stellenwert einnehmen: von den amerikanischen Indianern, bei denen Träume über den Platz einer Person in der Gesellschaft entscheiden, den Senoi, die ihre Kinder beispielsweise lehrten, Traumfeinde anzugreifen und Traumfiguren zu Hilfe zu rufen, und tibetischen, wachbewusst träumenden Yogis. Patricia Garfield erklärt, was wir von diesen Traumkulturen lernen können, wie man ein Traumtagebuch führt, Traumerinnerung fördert und Alpträume bekämpft. Sehr hilfreich für die Traumerinnerung war für mich der Tipp, nach dem Aufwachen die Augen geschlossen zu halten, mich nicht zu bewegen, mich auf das zuletzt erinnerte Bild des Traums zu konzentrieren und dann möglichst den kompletten Traum ins Bewusstsein zu rufen, um ihn aufzuschreiben. Patricia Garfield rät, jedem Traum einen Titel zu geben. Als ich mir überlegte, mit welchem Stift ich die Überschriften schreibe, denn ich wollte sie optisch abheben, erhielt ich ein Päckchen einer Freundin, das einen wunderbaren bronzefarben-metallischen Stift enthielt.
Auf jeder Seite ist spürbar, dass „Kreativ träumen“ für die Autorin ein Herzensprojekt ist. Das Buch ist sorgfältig recherchiert, hat 15 Seiten wissenschaftlicher Anmerkungen und ein fünfseitiges Literaturverzeichnis. Patricia Garfield schreibt ermutigend und praxisnah; immer wieder bringt sie eigene Erfahrungen und solche aus ihren Seminaren ein, auch Forschungen, die erstaunliche Zusammenhänge zeigen. Beispielsweise dauert eine Geburt kürzer, wenn sich die Schwangere in ihren Träumen mit den Ängsten der bevorstehenden Gebärsituation auseinandergesetzt hat.
Hat man erst einmal ein paar Dutzend Träume aufgeschrieben, kristallisieren sich wiederkehrende Themen, Motive, Traumorte und Verhaltensweisen des Träumenden heraus, auch in Variationen. Dann kann die Phase der Reflexion, Bearbeitung und Gestaltung der Träume beginnen. Patricia Garfield schreibt: „Nehmen wir einmal an, dass Sie sich an Ihre Träume schon ziemlich gut erinnern können (…). Dann können Sie (…) auch damit beginnen, sie zu gestalten. Wie ein Bildhauer mit seinem Ton arbeitet, formen Sie Ihre Träume nun so, dass sie Ihnen statt Terror und Wirrwarr aktive Hilfe bringen.“ Und an anderer Stelle: „Ihre Träume zu ändern, gibt Ihnen mehr Macht über Ihr innerseelisches Leben und überträgt sich schließlich auch auf Ihr Verhalten im Alltag.“ Zur eigenen Beeinflussung der Träume gibt die Autorin zahlreiche Anregungen. Wie man die Bearbeitung der eigenen Träume umsetzt? Zum Beispiel wünscht man sich etwas und fasst den Wunsch in konkrete Worte. Ich habe mir kräftige Farben im Traum gewünscht, Naturerfahrungen, ungesehene, eindringliche Bilder, Ratschläge, Traumfreunde (also Personen, die mich unterstützen). Ich habe mir auch gewünscht, dass einmal in einem meiner Träume Essen geteilt wird. Bisher konnte ich mich nicht daran erinnern, dass jemals in einem meiner Träume gegessen wurde. (Patricia Garfield findet das gemeinsame Essen im Traum wichtig.) Alles hat sich umgesetzt! Eine andere Technik, die eigenen Träume zu beeinflussen, besteht darin, sich einen Traum vor Augen zu führen und sich statt eines eigenen, unerwünschten Verhaltens ein anderes, erwünschtes Verhalten vorzustellen. Im Traum üben wir nämlich Verhaltensweisen ein, die unser Leben außerhalb des Traums beeinflussen. Deshalb ist es so wichtig, sich im Traum zu behaupten, zum Beispiel gegen Angreifer. Der Gegenangriff aktiviert innere Kräfte, die man dann in den nächsten Tag mitnimmt. Patricia Garfield erklärt, wie man mit Traumbildern, Traumfiguren und Aussagen als Teil des Unbewussten in einen Dialog treten kann. Das Buch enthält auch einiges über luzide Träume, also solche Träume, in denen sich der Träumende der Traumsituation bewusst ist und das Geschehen bestimmt, vor allem Flugträume werden besprochen. Luzide Träume sind für Patricia Garfield Höhepunkte der Selbstentfaltung und der Selbstbestimmung im Traum.
Ein weiteres Buch von Patricia Garfield, „Der Weg des Traum-Mandala“, beginnt so: „Eine stille Entwicklung findet in unserer Seele statt. Fast unmerklich wandeln wir uns allmählich Traum für Traum im Dunkel der Nacht zum neuen Selbst, das wir morgen sein werden.“ Diese Veränderung passiert zwar unabhängig davon, ob wir uns an unsere Träume erinnern. Die Erinnerungen an unsere Träume und der aktive Umgang damit bereichert unser Leben jedoch um eine weitere Dimension und hat das Potenzial, Verhaltensweisen in gewünschte Richtungen zu verändern und unsere Persönlichkeit bewusst und in einer höheren Geschwindigkeit als ohne Traumerinnerung zu entwickeln und zu stärken.
10 Kommentare
Michael Engelbrecht
So, wie du auf die Träume Einfluss nimmst, folgst su den Regeln und Ritualen der Trauminkubation: du nimmst dir innerlich vor, das X oder Y passiert. Autosuggestionen dieser Art wirken durchaus oft, in tief entspanntem Zustand, zumal, wenn deine Traumerinnerung gut funktioniert.
Luzide Träume sind für mich die Königssdisziplin des aktiven Träumens: also volle Bewusstheit über den eigenen Traumzustand, während man träumt, und so dann das Traumgeschehen steuern können, während die action passiert.
Die Basistechniken:
1) Traumtagebuch
2) 10 bis 15 mal am Tag ca. 1 Minute sich die Frage stellen: Träum ich oder wach ich? Wöhrend dieser Minuten die Ungebung, was Sehen, Hören, Fühlen betrifft, kritich prüfen, ob man gerade träumt oder nicht. Über kurz oder lang wird man sich automatisch nachts die Frage stellen, und an umwahrscheinlichen Sachen erkennen, das man tröumt. DER HEUREKA MOMENT. Dann cool bleiben.
3) die meisten luziden Träume passieren morgens, in der längsten Traimphase. Hilfreich ist es, vor der letzten Traumphase eine viertel Stunde, eine halbe Stunde, wachzu sein, man kann lesen, Musik hören etc. Und sich dann autosuggestiv vornehmen: DAS NÄCHSTE MAL WENN ICH TRÄUME WERDE ICH ERKENNEN DASS ICH TRÄUME? etwa fünfmal in grosser Ruhe wiederholen.
Wer von den flowies den ersten luziden traum hat, bekommt eine cd von International anthem records von mir geschenkt 🌴
Martina Weber
Meine Traumerinnerung ist noch ausbaufähig. Mal gut, mal nur Fragmente. Die Wünsche an meine Träume sind nicht sehr konkret, sondern eher allgemein: sich Farben zu wünschen oder einen allgemeinen Lebensrat, das ist nicht genau genug für eine Trauminkubation. Dass sich diese vagen Wünsche dennoch umgesetzt haben, hat mich sehr ermutigt. Ich habe auch einige Sätze im Traum erhalten, die mich sehr treffen.
Luzide Träume sind für mich zurzeit nicht das Ziel; vielleicht später. Mir kommt es erst einmal darauf an, mich mit dem vorhandenen Traummaterial zu beschäftigen: Themen, Orte, wiederkehrende Motive, andere Personen, mein Verhalten etc. Interessant finde ich, dass allein durch die Beschäftigung mit den Träumen auf die Art, wie ich es zurzeit betreibe, Veränderungen nicht nur in meinen Träumen, sondern auch in meinem Leben eintreten. Vielleicht liegt es an der Beschäftigung mit dem Unbewussten, das stärker wirkt als ein gewöhnliches Nachdenken.
Ich habe ein weiteres Buch zum Thema angefangen. Strephon Kaplan-Williams: „Traum-Arbeit. Der Schlüssel zum Unterbewusstsein. Ein praktisches Handbuch.“ Es passt perfekt nach der Patricia Garfield-Lektüre. Kaplan-Williams geht es darum, dass Träume zu einem veränderten Verhalten führen sollen. Er spricht sich gegen luzide Träume aus und warnt sogar eindringlich davor. Er schreibt: „Wenn man mit seinem tagesbewussten Ich in das Traumgeschehen eingreift, (…) werden sowohl die gesunde Ichstärke als auch die Traumquelle geschwächt, die ihren natürlichen Zustand überlassen bleiben sollte.“
Michael Engelbrecht
Dieses Argument gegen luzide Träume ist ein „alter Hut“ und schlicht Unsinn. Da wird wird im keiner Weise gesunde Ich-Stärke geschwächt. Noch sonst was. Ausser bei psychotischen Menschen gibt es keine Kontraindikation für luzide Träume. Aber man kann natürlich auch ohne luzide Träume hochinteressante, bereichernde Erfahrungen mit dem eigenen Träumen machen.
Safe journey!
P.S. Das luzide Träumen ist ja eine uralte Tradition, die nachweislich schon im uralten tibetischen Yoga prakriziert wurde. Die Yogis beherrschen Techniken bzw. Formen der Versenkung, die es ihnen ermöglichen, bei vollem Bewusstsein in den Traumzustand hineinzugleiten, statt erst im Traum zu erkennen, dass man träumt. (Habe ich auch einige Male erleben dürfen – eine profunde Erfahrung.)
In den vielen Anleitungen zum Klarträumen (ein anderes Wort für luzide Träume) finden sich daher oft auch Techniken beschrieben, mit denen man lernen kann, in der Art der Yogis, in den Traumzustand zu wechseln. Alles nicht so einfach, aber bei hoher Motivation und echtem Interesse an den eigenen Träumen den Aufwand wert, w e n n man es denn will. Luzide Träume zählen zu meinen tiefgreifendsten Erfahrungen in verändertem Bewusstseinszustand.
flowworker
WILD (Wake-Initiated Lucid Dreaming) lets you transition directly from wakefulness into REM sleep without losing consciousness. Maximize success by doing a Wake Back to Bed (WBTB): wake up 4–6 hours after falling asleep, lie perfectly still, and focus on your breathing or mental imagery while your body falls asleep.Advanced practitioners utilize a variety of sub-techniques to master this challenging transition, balancing extreme body relaxation with mindful focus.
To successfully execute a wake-inducing technique, follow these proven steps:1. Wake Back to Bed (WBTB)Set an Alarm: Go to bed at your usual time and set an alarm for 4 to 6 hours later, aligning your wake-up with your longest REM cycle. Stay Awake: Once the alarm goes off, get out of bed and stay awake for 30 to 60 minutes. Read about lucid dreaming, meditate, or walk around your room to gently engage your waking consciousness.
2. Enter the WILD StateLie Comfortably: Return to bed and lie in a comfortable position (many find lying on the back helps avoid rolling over and falling asleep too quickly).Establish an Anchor: Pick a gentle focal point—such as the rhythm of your breathing, the sound of white noise, or the feeling of the blanket.Observe Without Forcing: As your body relaxes, do not focus on actively trying to enter a dream. Let your body sleep while you passively observe your thoughts and any emerging hypnagogic imagery (random flashes of light or sounds).
3. Maintain Lucidity into the DreamEmbrace the Hypnagogic State: You may experience a „vibrating“ sensation or a feeling of sleep paralysis. Stay calm and maintain your focus on your anchor.Shift to the Dreamscape: As the sensory imagery becomes more vivid and three-dimensional, imagine yourself stepping into the scene or gently roll out of your physical body.Perform a Reality Check: Once you believe you are in the dream, pinch your nose and try to breathe through it to confirm your lucidity.
If you find that WILD techniques cause you to stay awake too long or disrupt your sleep, you can also use FILD (Finger-Induced Lucid Dreaming), which is a milder variation where you gently tap your fingers in a rhythmic motion while drifting off.
flowworker
MILD (Mnemonic Induction of Lucid Dreams) uses prospective memory (remembering to do something in the future).
Set an alarm 5 hours into your sleep, recall a recent dream, and visualize yourself becoming lucid in it. Repeat the phrase: „Next time I’m dreaming, I will remember I’m dreaming“ as you fall asleep.
How to Practice the MILD TechniqueThe MILD technique, pioneered by Dr. Stephen LaBerge, trains your brain to recognize you are dreaming while you are asleep. To do this effectively, the technique is best executed when waking up in the middle of the night.
Step 1: Set the Intention to RecallBefore you go to bed, set an alarm for 4.5 to 5 hours after your intended bedtime, and explicitly tell yourself that you will wake up remembering your dreams.
Step 2: Wake Up and RecallWhen your alarm goes off, stay awake for a few minutes and try to recall every detail of your most recent dream. Write these details down in a dream journal to solidify your memory.
Step 3: Focus Your IntentAs you lie in bed getting ready to return to sleep, remind yourself that you want to recognize you are dreaming. Focus on this intention mentally, just as you would when planning to do a specific task the next day.
Step 4: Visualize Becoming LucidWhile focusing on your intention, imagine yourself back inside the dream you just woke up from (or another recent dream). Visualize the dream environment clearly, and this time, imagine yourself suddenly realizing that you are dreaming. Mentally repeat to yourself: „Next time I’m dreaming, I will remember I’m dreaming“.
Step 5: Repeat and Drift OffAlternate between focusing on your intention and visualizing your lucid realization until you clearly set your intention or completely drift off to sleep. If other stray thoughts enter your mind while falling asleep, restart the visualization so that your intended phrase is the very last thing on your mind.
Michael Engelbrecht
Damals, 1982, las ich erstmals über Klarträume (luzide Träume) – das Buch von Paul Tholey aus dem Falken-Verlag (zuvor seinen langen Artiker in PSYCHOLOGIE HEUTE – und übte jeden Tag. Mitte der 80er Jahre traf ich dann den Professor der Klarträume bei einem Seminar in Frankfurt.
Mein wrster luzider Traum im Herbst 1982:
Ich stehe im Rombergpark, am Anfang des Rundweges, es ist ein herrlicher Sommertag. Ich stelle mir die Frage, ob ich wache oder träume, und ein Schauer fährt durch mich hindurch: ich träume, ich bin bei klarem Bewusstsein, und weiss, dass mein Körper in Bergeinöden im Bett liegt. Glücksgefühle schiessen durch jede Zelle meines Traumkörpers, der sich völlig real anfühlt. Ich sehe, wie die Sommerblätter zittern im Wind, und bin berauscht von dem Zustand.
Da fällt mir ein, dass ich ja im wahren Leben tottraurig bin, Liebeskummer habe, und was ich im ersten luziden Traum machen wollte. Einen weisen Mann um Rat fragen.
Da hinten kommt ein Jogger, ein Muskelpaket, so stellte ich mir einen Ratgeber nicht vor. Als er an mir vorbeilaufen will, rufe ich ihm zu:
„Hallo, können Sie mal kurz anhalten?“ – Was ist? – „Passen Sie auf, das hört sich verrückt an, Sie sind in meinem ersten Klartraum.“ – Das interessiert mich nicht. – „Gut, klar. Aber ich möchte Ihnen eine Frage stellen: was kann ich tun, damit H. zurückkommt?“
Nachden ich diese Frage gestellt habe, verwandelt sich sein Kopf vor meinen Augen in eine Schwarzweissfotografie des Gesichts der Wölfin, und dann in einen Totenkopf. Ich erschrecke mich und wache in meinem Bett auf.
Die message des Kkartraums ist eindeutig, keine Raktenwissenschaft erforderlich.
Zwei Wochen später bin ich in London, mit wenig Geld, und jeden Tag gefordert, in der Gegenwart zu bleiben. Ich sehe H dennoch in der Underground, in Hampstead Heath. Fantasiebilder,
Ich kaufe mir ein Album der Flying Lizards und höre abends John Peel. Er spielt einen Song aus dem Album The Correct Use of Soap von Magazine. Howard Devoto in der Form seines Lebens.
Martina Weber
Ich glaube, den Traum hast du schonmal auf Manafonistas gepostet. Kam mir bekannt vor. Eine unvergessliche Erfahrung, dieser erste Klartraum, und von einer Weisheit, wie man sie aus den Tiefen des Kollektiven Unbewussten plus dem eigenen Unbewussten (daher stammen nach C.G. Jung die Träume) erwarten kann.
Danke für die Tipps. Ich denke, ich gehe meinen seit Monaten eingeschlagenen Weg einfach weiter. Mir geht es sehr gut damit. Ich beginne nun schon damit, mich mehrmals am Tag zu fragen, ob ich wache oder träume. Die „wahre Traumquelle“ beeinflusse ich ja schon mit meinen Wünschen bzw. Vorhaben für die nächsten Träume. Insofern wären luzide Träume für mich sicherlich auch wünschenswert; ich lasse mir aber Zeit damit und forciere es nicht, weil ich mich erst einmal mit den Übungen zur Traumarbeit aus den Büchern von Patricia Garfield und Strephon Kaplan-Williams befassen möchte. Als Kind bin ich im Traum ständig über Städte und Landschaften geflogen, wie viele Kinder wahrscheinlich auch. Geschadet hat es mir bestimmt nicht, ganz im Gegenteil. Für mich ist die Tiefe und die starke Wirkung der Botschaften oder Bilder aus den Träumen sehr beeindruckend.
Patricia Garfield ist auch eine intensive luzide Träumerin. Sie schreibt auch ein ganzes Kapitel über die wachbewussten Yogis. Die Beschäftigung mit Träumen ist so alt die die Menschheit. Was mir an dem Buch von Patricia Garfield so gut gefällt, ist, wie sie Kapitel für Kapitel die verschiedenen Traumkulturen darstellt und in den anderen Kapiteln ihre Erfahrungen weitergibt. Das Buch ist so wunderbar übersetzt.
Werner Zurfluh schrieb in dem erwähnten Artikel, wie Traumerfahrungen seine Haltung zum Sterben tief beeinflusst haben. Leider ist er recht jung gestorben. Auf der Website, die zu seinem Gedenken eingerichtet wurde, finden sich zahlreiche Materialien zum luziden Traum und zu out of body-Experiences. Hier die Website: https://www.oobe.ch/
Hier ist der Titel eines anderes Buches zum luziden Täumen, das du mal empfohlen hast: „Träume, was du träumen willst. Die Kunst des luziden Träumens“ von Stephen LaBerge und Howard Rheingold. Ich habe es 2017 gekauft, aber damals war die Zeit noch nicht die richtige für mich mit dem Thema.
Michael Engelbrecht
Exakt. Bzw: es ist eine Repertoire Story, die ich schon öfter ins Spiel brachte.
Traumpsycholohie, Traumphysiologie, Traumdeutung, das waren immer schon Lieblingsthemen von mir, spätestens seit einem Seminar über Alfred Adlers Individualpsychologie in Würzburg, wo ich Lebensstilanalyse, Traumdeutung a la Adler, lernte – und auf spannende Verbidnungen zur Kognitiven Verhaltenstherapie stiess.
Mein erster luzider Traum: daran konnte ich immer sehr deutlich machen, was ein Klartraum ist, wie er zu bewusstseimserwiternden Erfahrungen führen kann (bei vollem Bewusstsein über den eigenen Traumzustand!!!!!)), aber auch zu Antworten auf brennende Fragen.
Nach dem ich damals Tholey las, Garfield und Stephen La Berge (wie gerne hätte ich bei ihm an der Westcoast studiert in den 1970er Jahren – ich beneide Lajla um ihre Zeit dort in den wilden Jahren), leitete ich Traumgruppen, die sich immerzu um luzides Träumen und Traumdeutung drehten, ich hielt Vorträge dazu.
Beim luziden Träumen ist eines sehr wichtig: man muss wissen, dass es Leute gibt, die ein erstaunliches Talent haben, luzid zu werden, eine Minderheit, und andere, die sehr fleissig üben müssen, um ab und zu einen luziden Traum zu haben. Zu dieser letzten Gruppe gehöre ich. Das ist sehr schade, denn so kam ich nur zu relativ wenig Klarträumen über die Jahrzehnte.
Dein Text hier, meine langen Zitate und comments, all das sind Basisdinge. Ich werde auch in Zukunft auf Traumthemen zurückkommen allerdings ao gut wie immer mit erlebten Träumen und luziden Träumen. Denn nichts ist ergiebiger auf diesem Feld als eigene Träume zu erzählen, und ggf die Deutung gleich mit dazu anzubieten….
Ich hoffe, ich werde also in diesem Jahr wieder ein paar luzide Tröume haben. Habe hier auf Langeoog angefangen, mit meinen Übungen…. träum ich oder wach ich …. etc,
Und ich musste schmunzeln, als ich gestern auf die CD Dream States stiess (s. Blog), was mich rasch an Lanois‘ Platte erinnerte. Du kannst zwei Stücke aus Dream States auf Bandcamp hören….
Alexander Roth
Ein sehr spannender Austausch! Vielen Dank Martina für deinen Text, der auch mich inspiriert hat, mich mehr mit diesem Thema und den genannten Autor*innen zu beschäftigen. Interessant sind auch deine Ausführungen und Erfahrungen mit dem Thema, Michael. Bei der Recherche über Luzides Träumen ist mir aufgefallen, dass es in der ersten Hälfte der 2010er-Jahren eine (erneute) Popularisierung des Themas gab (z. B.: https://www.vice.com/de/article/ich-hab-mich-auf-die-suche-nach-luziden-traeumen-begeben-397). Eine popkulturelle Referenz, die in diesem Zusammenhang oft kommt, ist der Film „Inception“ von Christopher Nolan. Habt ihr den gesehen? Da wird ja das Thema Bewusstes/ Luzides Träumen bzw. Traumkontrolle aufgegriffen und in Science-Fiction-Heist-Film-Manier verplotet. Die Idee, dass man sein Traumgeschehen bewusst steuern und verändern kann, klingt für mich schon ohne Hollywood-Dream-Machine irgendwie nach Zukunft. Wenngleich es uns glücklicherweise (noch?) nicht möglich ist, uns in die Träume anderer Menschen hineinzuschleichen 🫣
Martina Weber
„Inception“ kenne ich nicht. Freut mich, dass dich das Thema auch interessiert, Alex. Die Erfahrung, etwas, was ich bisher als nicht beeinflussbar erlebt habe, zumindest ansatzweise beeinflussen zu können, ist überwältigend. Ich empfinde jede Traumerinnerung als ein Geschenk. Es sind oft Bilder, die ich noch nie irgendwo gesehen habe, absolut einzigartig. Neulich auch wieder so crazy, dass ich allmählich im Traum auf den Gedanken kommen müsste, dass ich mich in einem Traum befinde. Auch die Erfahrung, dass das Traum-Ich aktiver wird und sich stärker behauptet, und dass also eine Entwicklung des Unbewussten stattfindet, ist sehr erfüllend.