Valie Export R.I.P.

In den 70er Jahren staunten Frau, Mann und Hund nicht schlecht in der Wiener Innenstadt.Dort spazierte Valie mit ihrem Peter an der Leine durch die Straßen. Peter Weibel war damals ihr Freund, später gehörte er dem geistig kreativen Dreigestirn an, zusammen mit Sloterdijk und Boris Groys in Karlsruhe. Auch Valie war sehr einfallsreich, mutig und die erste Frauenaktivistin, die sich künstlerisch gegen die Männerwelt ausdrückte. Berühmt wurde sie mit ihrer Kiste mit zwei Löchern, darunter ihr nackter Oberkörper. Peter schrie den Passanten zu, bitte anfassen. Valie erlaubte den Männern 33 Sekunden ihre Brüste zu betatschen und es waren nur Männer, die sich das nicht entgehenliessen. Valie Export wollte mit ihren spektakulären Körperaktionen auf die männliche Dominanz – auch in der Kunst – aufmerksam machen.Sie drehte zu diesem Thema Filme, die es in sich hatten. Ich besuchte zwei ihrer Ausstellungen und da hing kein Schild mit Triggerwarnung : “ Die Fotos könnten irritieren“ an der Museumstür. Auch in der Medienkunst war sie Protagonistin. Wenn man bedenkt, dass Baselitz der Meinung war, Frauen können nicht Kunst und Anzinger seinen Kunststudentinnen nach Lust und Laune unter das T-Shirt fasste und nicht suspendiert wurde, dann wird einem bewusst, wie wichtig die mutige, witzige Künstlerin war.

2 Kommentare

  • Jan Reetze

    Ja, die Aktion ist bekannt. Was nur leider nie gesagt wird, und das wüsste ich wirklich gern: Wieviele Männer sind angesprochen (bzw. angeschrien) worden? Wurde ihnen gesagt, was in der Kiste ist? Und wieviele der angesprochenen Männer haben schlicht den Kopf geschüttelt, sind wortlos weitergegangen oder haben einfach „schleich di“ geantwortet? Wieviele Frauen sind angeschrien worden? Wenn keine, warum nicht?

    In München im Zirkus-Krone-Bau fand mal ein Konzert mit Guru Guru und Amon Düül II statt. Weibel und Export liefen dort herum, begossen die Zuschauer mit Wasser und bedrohten sie mit einer Peitsche. Leider hat niemand gewagt, sie rauszuschmeißen. War ja schließlich Kunst.

    Das ungefähr war deren Level. Kindergeburtstag für Erwachsene. Heinrich Klotz dürfte sich im Grab umgedreht haben, als Weibel sein Nachfolger als Leiter des ZKM wurde.

    Aber gut: Mögen sie alle in Frieden ruhen.

  • Lajla

    Jan, da das Tapp- und Tast Kino im Besitz vom MoMA ist, ist diese erste Medienkunst gut dokumentiert. Man kann also Fotos sehen von der Schlange von Männern vor dem Tastkino…oder von Peter Weibel, der das Publikum aufforderte, das Kino! anzufassen. Peter Weibel war derjenige, der die Medienkunst im digitalen Zeitalter am schnellsten durchschaute, davor warnte und sie sichtbar machte ( Karlsruher Schlosslichtspiele). Ich besuchte seine Ausstellungen im ZKM sehr gerne. Man konnte sich dort z. B. in den aufgestellten Monitoren selbst im Film sehen, das hat mich nachhaltig irritiert wie begeistert. Wer sich für Medienkunst interessiert, sollte Peter Weibel googeln. Er hat in seinen 24 Jahren als Leiter des ZKM sehr viel geleistet.

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