Atlantische Entdeckungen: Die Insel CIES und die Musikerin CRISTINA PATO

Im NW von Spanien liegt vor der galizischen Küste die Insel CIES im Atlantik.Um sie zu besuchen, braucht man eine Genehmigung, da sie ein naturbelassener Ort ist. Wir traten die Reise von Vigo aus, der Hauptstadt von Galizien, an. Es war mein zweiter Versuch, in das Paradies vorzudringen, der erste war an den hohen Atlantikwellen gescheitert. Von Vigo aus ist die Anreise über den Fluss Ria, der direkt in den Atlantik mündet, in ca 40 Minuten zu bewältigen. 2007 stand im The Guardian, dass Cies wegen seiner Strände weltweit die schönste Insel sei. Wenn man auf einer strandarmen Insel lebt, wie ich auf El Hierro, wo es nur Meerwasserschwimmbecken gibt, ist man schon besonders beeindruckt von dem grossen, sichelförmigen, weissen Strand, der einem zuerst auffällt. Das türkisgrüne Atlantikwasser besticht zudem. Es ist nicht nur der phantastische Strandanblick, der begeistert, es sind auch andere, alle Sinne weckende Eindrücke: die Zweiglimmergneise in den Granitblöcken glitzern in der Sonne, die Eukalyptusbäume tauchen uns in ein erfrischendes Waldbad, die von Wind und Wasser 300Millionen Jahre alten, erodierten, runden Blöcke lassen uns ehrfürchtig staunen und still werden. Wie unglaublich klar die Konturen sind, wie leuchtend die Farben. Auf diese Insel kann man nur in der Karwoche und von Mai bis September reisen. Es gibt keine Hotels, nur einen kleinen Campingplatz, wo man sich ein Bett in einem Zelt mieten kann. Es gibt ein Restaurant, wo ich den besten Fisch meines Lebens gegessen habe, eine Dorade und den frischesten Käsekuchen ever. Segler dürfen nur drei Tage andocken. Es geht die Legende auf der Insel, dass nachts Prozessionen über die Wege ziehen – wer sie sieht muss sterben.

Es ist Ostersonntag, wir gehen in die Fischersiedlung von Vigo, um einer kleinen Prozession an der Fischerkirche aus dem 16. Jhdt. beizuwohnen. Vor mir steht eine Musikerin, sie hält ihr Instrument,eng unter ihrer Tracht fest, nur ein Rohr ragt über her Schultern heraus. Ich frage sie, wie das Instrument heisst, sie sagt, das sei eine Gaita, der galizische Dudelsack. Sie spiele heute für die Prozession und den anschliessenden Tänzen.Ich ging am nächsten Tag in eine Buchhandlung, um Bücher über die phantastische galizische Küche und über Musik anzusehen. Ich sah ein Buch, auf dem Cover war die Musikerin abgebildet, die ich vor dem Kirchlein angesprochen hatte. Sie heisst Cristina Pato, ist 45 Jahre alt und gilt als die Stimme von Galizien. Ich las in dem Buch, dass sie mit vier Jahren die Gaita erlernte, später kamen Akkordeon, Geige und Gitarre dazu und dann auch Piano. Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die mit vielen berühmten Musikern zusammenspielte: mit Yo Yo Ma in seinem Silkroad Ensemble, mit den Chieftains, dem Chicago Orchestra, in Indien, in China, in Brasilien spielte sie jeweils in den grossen Musiktempeln. Sie brachte die Gaita fast in die ganze Welt und zeigte, dass dieses Instrument in alle Musikkompositionen einzureihen ist. Fantastisch.
Jetzt will sie erstmal nicht mehr auftreten, sie will sich um ihre demente Mutter kümmern, nur bei kleineren Events holt sie ihre Gaita hervor und spielt. Ich hatte grosses Glück, so einer aussergewöhnlichen Musikerin zu begegnen,
Ich empfehle zum Einstieg in ihr grosses Repertoire das Album MIGRATION
Songs of Joy and Peace von dem Silkroad Ensemble von Yo Yo Ma
Cristina Pato mit ihrem Galician Connection Festival
Rose of the winds mit dem Chicago Symphony Orchestra
Das Afro Latin Jazz Orchester mit Arturo O‘ Farill
5 Kommentare
Martina Weber
Von diesem Paradies habe ich noch nie etwas gehört. Auf den Fotos sieht es tatsächlich sehr naturbelassen aus. Interessant, dass man für den Zutritt zur Insel eine Genehmigung benötigt. Unter welchen Voraussetzungen erhält man denn diese Genehmigung?
Lajla
Die Genehmigung muss man hier beantragen: https://autorizacionillasatlanticas.xunta.gal/illasr/inicio?lang=en
Dann bekommt man einen Code, der dir erlaubt, auf die Insel zu fahren. 425 Personen dürfen täglich hinüber.
Olaf Westfeld
Von CIES habe ich auch noch nie gehört. Danke für den Hinweis.
Schön, dass es solche Orte gibt, die den Besuchsströmen entzogen sind.
ijb
Sorry, ein bisschen spät dran, ABER: Ich hab letzte Woche einen sehr schönen Film spanischen Film gesehen, der, wie es der Zufall will, genau dort spielt, um und auf den Cies-Inseln.
Der Film heißt „Romeria“, und die Regisseurin Carla Simon hat für ihren vorhergehenden Film den „Goldenen Bären“ bei der Berlinale gewonnen. Den Film hatte ich allerdings nicht gesehen.
„Romeria“ ist sehr empfehlenswert, auf poetische Weise sehr literarisch, aber zugleich keineswegs wortlastig, im deutschen Verleih hat er den Untertitel „Tagebuch meiner Mutter“ bekommen. Eigentlich sehr einfach erzählt, schafft es Carla Simon über ihre junge Hauptdarstellerin (die eine 18-jährige spielt, die neue Erkenntnisse über ihre verstorbenen Eltern gewinnt, die in dieser Region gelebt hatten), eine schön authentische Geschichte mit unerwarteten Verzahnungen von Vergangenheit und Gegenwart zu erzählen.
Lajla
Danke für den Hinweis. Ich werde mir den Film merken und bei Gelegenheit ansehen.