Ich kenne sie tatsächlich ausschließlich durch das Kronos-Album.
Daid Harrington beschrieb es als eine seiner liebsten Kronos-CDs und als das vielleicht farbenreichste Kronos-Album, als ich letztes Jahr mit ihm sprach.
Auch für mich ist „You’ve Stolen My Heart“ eines meiner liebsten Kronos-Alben. Freut mich sehr, dass auch David Harrington das so sieht.
Die „Glorious Mahalia“-Suite, Teile I bis V, hat Kronos hier in Pittsburgh bereits 2023 live vorgestellt. Ein sehr intensives Erlebnis, auf die CD bin ich neugierig. Es wird kaum ein Zufall sein, dass sie nicht bei Kronos‘ Hauslabel Nonesuch erscheint, sondern bei Folkways.
Gibt es inzwischen Neues über deine Kronos-Doku, Ingo?
Nun, die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Die kurze Antwort ist: Nein, leider nicht, da ich es tatsächlich noch nicht geschafft habe, richtig Zeit in die Sichtung und Schnittarbeit zu stecken. (Ist ja auch von niemandem finanziert, d.h. ich mache das allein und auf eigene Zeit und Kraft.)
Die etwas längere Antwort ist, dass ich zuletzt immerhin für die beiden Komponistinnen die Osloer Aufführung zu einem Gesamtvideo montiert habe, weil die das für irgendeinen wichtigen Preis brauchen. Es war ein bisschen seltsam; ich bin ja auf eigene Kosten nach Oslo gereist, habe die beiden Konzerte an dem einen Tag, plus die Proben, und die Aufnahmen im Rainbow-Studio komplett aus Eigeninitiative und allein dokumentiert, ohne dass von irgendwem da irgendwelche Unterstützung gekommen wäre, und sei es nur für Reisekosten, Auslagen oder Unterkunft. Es war klar, dass es um die Musik geht, um die Zusammenarbeit mit den Musikern und um die musikalische Darbietung. Also es gab keinerlei Budget für irgendwelche Dokumentation. Bemängelt wurde dann aber an meiner Aufnahme, dass ich durchweg die komplette Bühne mit der kompletten Videoprojektion gefilmt hätte (wohlgemerkt, es ist nur in der Totale oben ein bisschen was abgeschnitten, nicht Grundlegendes, und man sieht fast immer die Videoprojektion, die sich gleichwohl sehr langsam verändert, im Hintergrund). Irgendwie schien zumindest für eine der beiden Komponistinnen das ein Problem zu sein, weshalb sie das Video für diese Einreichung wohl nicht verwenden, ich hab dann nichts mehr gehört. Ich fand bzw. finde das angesichts der beschriebenen Umstände ein bisschen ärgerlich. Wenn es so wichtig gewesen wäre, hätte man ja auch eine Aufzeichung in Auftrag geben können. So haben sie immerhin eine ohne dafür irgendwas ausgegeben zu haben, und dann heißt es etwas schnippisch „Es geht mehr um die Schuhe der Musiker als um die sehr wichtige Videoprojektion“ (die man ja gleichwohl problemlos auch noch von der Video-Projektions-Künstlerin einfügen könnte; das waren jetzt im Wesentlichen Landschafts- und Naturaufnahmen).
Ich muss mich bald mal richtig an das Matieral setzen und schauen, was ich damit mache. Ich denke, da ist sehr schönes Material dabei, und es könnte ein sehr schöner, eigenständiger Film werden, aber es braucht viel Zeit und Arbeit, und mein zuletzt fertig gestellter 80-minütiger Dokumentarfilm ist bisher auch noch nirgends öffentlich aufgeführt worden, weil es wirklich enorm mühsam ist, irgendwo den Fuß in die Festivals zu bekommen, wenn man nicht die richtigen Kontakte hat. Da gibt man viel Geld für die Einreichungen aus, und dann werden halt Filme über bekanntere Menschen oder /und Filme von Leuten mit besseren Business-Kontakten ins Programm genommen…
Das Kronos-Maurseth-Album soll auf jeden Fall Anfang 2027 bei Hubro erscheinen; aber es wird wohl noch verhandelt, eine andere US-Plattenfirma für eine internationale Veröffentlichung zu bekommen. Nonesuch hat in den letzten Jahren schon eine ganze Menge Kronos-Alben NICHT veröffentlicht übrigens. Da hat sich wohl auch was geändert.
Ja, die fehlenden Kontakte sind leider sehr oft das Problem. Ich stelle auch immer häufiger fest, dass Produktionsfirmen (ebenso übrigens auch Buchverlage) nur noch von Agenturen angesprochen werden wollen. In den USA wird es zunehmend noch eine Stufe absurder: Hier bekommt man als Autor eines Filmexposés in den entsprechenden Ratgebern mittlerweile den Tipp, man möge sich doch zunächst einen Manager zulegen, damit der dann einen Agenten findet, der dann Produzenten ansprechen kann. Ich weiß nicht, ob das in Deutschland auch schon so weit ist, aber wenn nicht: abwarten.
Kronos hat mittlerweile natürlich einen derartig hohen Ausstoß an Material — man denke nur allein an die 50 Kompositionen, die sie zu ihrem Jubiläum in Auftrag gegeben haben –, dass selbst eine Plattenfirma wie Nonesuch allmählich filtern muss. Das leuchtet mir ein. Was mich allerdings schon seit längerem wundert: dass Kronos bis heute nicht auf die Idee gekommen ist, ein eigenes Label zu starten. Aber vielleicht kommt’s ja noch.
4 Kommentare
ijb
Ich kenne sie tatsächlich ausschließlich durch das Kronos-Album.
Daid Harrington beschrieb es als eine seiner liebsten Kronos-CDs und als das vielleicht farbenreichste Kronos-Album, als ich letztes Jahr mit ihm sprach.
Es gibt im Mai auch ein neues Kronos-Album, allerdings noch in einer alten Besetzung. Das Album muss schon vor mindestens fünf Jahren aufgenommen worden sein (bekommt aber schon sehr, sehr gute Besprechungen):
https://folkways.si.edu/kronos-quartet/glorious-mahalia
Jan Reetze
Auch für mich ist „You’ve Stolen My Heart“ eines meiner liebsten Kronos-Alben. Freut mich sehr, dass auch David Harrington das so sieht.
Die „Glorious Mahalia“-Suite, Teile I bis V, hat Kronos hier in Pittsburgh bereits 2023 live vorgestellt. Ein sehr intensives Erlebnis, auf die CD bin ich neugierig. Es wird kaum ein Zufall sein, dass sie nicht bei Kronos‘ Hauslabel Nonesuch erscheint, sondern bei Folkways.
Gibt es inzwischen Neues über deine Kronos-Doku, Ingo?
ijb
Nun, die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Die kurze Antwort ist: Nein, leider nicht, da ich es tatsächlich noch nicht geschafft habe, richtig Zeit in die Sichtung und Schnittarbeit zu stecken. (Ist ja auch von niemandem finanziert, d.h. ich mache das allein und auf eigene Zeit und Kraft.)
Die etwas längere Antwort ist, dass ich zuletzt immerhin für die beiden Komponistinnen die Osloer Aufführung zu einem Gesamtvideo montiert habe, weil die das für irgendeinen wichtigen Preis brauchen. Es war ein bisschen seltsam; ich bin ja auf eigene Kosten nach Oslo gereist, habe die beiden Konzerte an dem einen Tag, plus die Proben, und die Aufnahmen im Rainbow-Studio komplett aus Eigeninitiative und allein dokumentiert, ohne dass von irgendwem da irgendwelche Unterstützung gekommen wäre, und sei es nur für Reisekosten, Auslagen oder Unterkunft. Es war klar, dass es um die Musik geht, um die Zusammenarbeit mit den Musikern und um die musikalische Darbietung. Also es gab keinerlei Budget für irgendwelche Dokumentation. Bemängelt wurde dann aber an meiner Aufnahme, dass ich durchweg die komplette Bühne mit der kompletten Videoprojektion gefilmt hätte (wohlgemerkt, es ist nur in der Totale oben ein bisschen was abgeschnitten, nicht Grundlegendes, und man sieht fast immer die Videoprojektion, die sich gleichwohl sehr langsam verändert, im Hintergrund). Irgendwie schien zumindest für eine der beiden Komponistinnen das ein Problem zu sein, weshalb sie das Video für diese Einreichung wohl nicht verwenden, ich hab dann nichts mehr gehört. Ich fand bzw. finde das angesichts der beschriebenen Umstände ein bisschen ärgerlich. Wenn es so wichtig gewesen wäre, hätte man ja auch eine Aufzeichung in Auftrag geben können. So haben sie immerhin eine ohne dafür irgendwas ausgegeben zu haben, und dann heißt es etwas schnippisch „Es geht mehr um die Schuhe der Musiker als um die sehr wichtige Videoprojektion“ (die man ja gleichwohl problemlos auch noch von der Video-Projektions-Künstlerin einfügen könnte; das waren jetzt im Wesentlichen Landschafts- und Naturaufnahmen).
Ich muss mich bald mal richtig an das Matieral setzen und schauen, was ich damit mache. Ich denke, da ist sehr schönes Material dabei, und es könnte ein sehr schöner, eigenständiger Film werden, aber es braucht viel Zeit und Arbeit, und mein zuletzt fertig gestellter 80-minütiger Dokumentarfilm ist bisher auch noch nirgends öffentlich aufgeführt worden, weil es wirklich enorm mühsam ist, irgendwo den Fuß in die Festivals zu bekommen, wenn man nicht die richtigen Kontakte hat. Da gibt man viel Geld für die Einreichungen aus, und dann werden halt Filme über bekanntere Menschen oder /und Filme von Leuten mit besseren Business-Kontakten ins Programm genommen…
Das Kronos-Maurseth-Album soll auf jeden Fall Anfang 2027 bei Hubro erscheinen; aber es wird wohl noch verhandelt, eine andere US-Plattenfirma für eine internationale Veröffentlichung zu bekommen. Nonesuch hat in den letzten Jahren schon eine ganze Menge Kronos-Alben NICHT veröffentlicht übrigens. Da hat sich wohl auch was geändert.
Jan Reetze
Ja, die fehlenden Kontakte sind leider sehr oft das Problem. Ich stelle auch immer häufiger fest, dass Produktionsfirmen (ebenso übrigens auch Buchverlage) nur noch von Agenturen angesprochen werden wollen. In den USA wird es zunehmend noch eine Stufe absurder: Hier bekommt man als Autor eines Filmexposés in den entsprechenden Ratgebern mittlerweile den Tipp, man möge sich doch zunächst einen Manager zulegen, damit der dann einen Agenten findet, der dann Produzenten ansprechen kann. Ich weiß nicht, ob das in Deutschland auch schon so weit ist, aber wenn nicht: abwarten.
Kronos hat mittlerweile natürlich einen derartig hohen Ausstoß an Material — man denke nur allein an die 50 Kompositionen, die sie zu ihrem Jubiläum in Auftrag gegeben haben –, dass selbst eine Plattenfirma wie Nonesuch allmählich filtern muss. Das leuchtet mir ein. Was mich allerdings schon seit längerem wundert: dass Kronos bis heute nicht auf die Idee gekommen ist, ein eigenes Label zu starten. Aber vielleicht kommt’s ja noch.