…fondly remembered, JD Souther
He was a country maverick, and his famous 1979 song hit me hard and out of nowhere in a bavarian café in October 82 with full punch. Listen HERE. When Iistened there, it smashed me, ripped me into pieces and kindly rebuilt me, so that it could at least, too. „When I first started to write songs I was hanging out with Glenn and Jackson [Browne] and Don [Henley],” he told in 2006. “It was an acoustic guitar environment. We all made each other better musicians and songwriters.”
monthly revelations – november
// albums: erik honoré / underworld / kit downes // film: die fotografin (the female photographer) // prose: michael connelly‘s desert star // talk: thomas strônen or thomas morgan or … // poetry: romalyn ante: agimat // binge: slow horses (4) //archive: bo hansson (everything) / csn&y at fillmore east 1969

All „revelations“ will be installed close to the end of October. Nothing is guaranteed. Look at the list: some usual suspects, some surprises. And to be very clear from the start: Erik Honoré’s TRIAGE is one of my few five star albums of the year. Normally a running label for „literary“ crime novels from Scandinavia, TRIAGE is another, special kind of „Nordic Noir“. And my enthusiasm is by no way influenced by the fact I‘ve met Erik many times and seen him so often on stage during two decades of Kristiansand‘s Punktfestival. You can see the album as the third part of a trilogy of Erik Honoré albums, but it is a standalone that, for all the good reasons, should not fall prey to the section of „Buried Treasures“ in a Mojo edition from 2075.
Some people asked me about my encounter with Beth Gibbons in Bruxelles knowing she doesn’t give interviews for ages. And they cannot imagine that would happen an a small blog deliberately running under the radar. So time is ready to spread one’s wings and be blown away. Think of Christmas. (m.e.)
Back to the 60’s, and with the words of Graham Nash: „Hearing the newly discovered tapes that comprise Live At The Fillmore East, 1969 was something of a revelation. When you listen to the acoustic tracks particularly, you can really tell how much we loved each other and the music we were making. This was only weeks after Woodstock, which was only our second time appearing in front of people. It was so early in our career and we were still trying to figure it all out. CSNY is a much different band than CSN. The addition of Neil really kicked us in the ass.”
We could easily add the reissue of „An Electric Storm“ by White Noise, from 1969 again, but let‘s do a little hommage to Phil Aston instead, who recently reviewed the vinyl reissue. Nearly half of us flowworkers know this album, so HERE is Phil remembering the beauty amd madness of a very strange work of early days’ electronica.

2024 is a year full of fantastic albums with female voices, from Beth Gibbons to Sidsel Endresen. And there is „Camelot“ from Canadian singer / songwriter Jennifer Castle HERE her song „Blowing Kisses“. A quote from Rob Hughes from Uncut:„Released to soundtrack an episode of hit TV comedy-drama The Bear (Castle used to work in a Toronto restaurant with the show’s co-producer and cast member Matty Matheson), it’s an eloquent tune that pushes the value of basking in the moment (that immediately rings a Beth Gibbons bell), driven by jazz-ballad piano and a sumptuous string arrangement from Owen Pallett for Macedonia’s FAMES Skopje Studio Orchestra. There’s all the grace of a spiritual hymn, but it sounds like a fresh vow. “Don’t get it twisted”, sings Castle, gliding around the melody and rising into a soft rapture, “My heart’s still in it / My dedication’s a star”.
Surreale Abenteuer im Strawberry Hotel
Zehn Jahre ist es her, da traf ich Brian Eno und Karl Hyde in Enos Londoner Studio in Notting Hill, unweit der stets umtriebigen Portobello Road, und oft mischte ich mich, nach dem Besuch bei Brian, in das bunte Treiben des Portobello Market. Ich liebe es, in solch pulsierendes Menschentreiben einzutauchen. Underworlds neues Album zu hören, ist ein vergleichbare Unternehmung: bizarr, frohlockend und psychedelisch wie das Cover, facettenreich wie zu besten Zeiten, mit gutem Gespür auch fürs Innehalten.

Auf „Black Poppies“, dem markanten und doch ruhigen Eröffnungsstück von Underworld, sind die gesprächigen, elektronisch bearbeitete Gesänge in leise puslierende Synthies eingebettet, und wie Gospelharnonien geschichtet. Das erinnert mich an Brian Enos Stimmführungen auf „We Let It In“ und „Garden Of Stars“, von „Foreverandevernomore“.
Während jene Platte jedoch eine Welt am Abgrund erforschte, bietet diese Platte, soll ich es so lapidar sagen, Optimismus. „Du magst dich anfangs ein wenig seltsam fühlen, aber verändere dich weiter“, verkündet Hyde, und dieser Satz scheint den hartnäckigen Unwillen der Zwei von Underworld zusammenzufassen, sich auf Lorbeeren auszuruhen.
Seit dem allmächtigen Dubnobasswithmyheadman von 1994 haben Underworld mit einem unverwechselbarem Stil den Soundtrack von Liebe, Hingabe und der guten alten Tante „Surrender“ geliefert und Hörer aus unterschiedlichsten Ecken jenseits der Rave-Kultur dazu gebracht, die intelektuelle Skepsis vor dem Dancefloor zu vergessen. Die Alben sind genauso geeignet für die heimische Couch oder der Strand deines Vertrauens (s. me on komos beach, 500 meters away from hotel strawberry. In the bachground on the left, you csn see the tiny island that made it on the cover the second fripp & eno collaboration, „evening star“. i will swimm over there today.)

Den Anfang macht „King Of Haarlem“, bei dem Hyde trotz seines zunehmend verrückten Textes ungewöhnlich verletzlich wirkt:
„Harley Farley
Mister Nicky
Marley Shirly
Whirly Nick
and early Pam and Barley“.„Gene Pool“ erinnert auf mysteriöse Weise an Paul Buchanans Schwärmereien auf The Blue Nile’s ‚The Downtown Lights‘. Schöne Selbstvergessenheit zelebriert der Knaller „And The Colour Red“ mit stampfenden Kick-Drums, während ‚Hilo Sky‘ die melodische Monotonie kompensiert, indem es auf einen feierlichen Höhepunkt zusteuert. In „Black Poppies“ bekräftigt Hyde wiederholt die unbändige Euphorie, die er und Rick Smith hervorrufen können. Auch „Techno Shinkansen“ kombiniert geleeartige Synthesizer mit Georgio Moroders blubbernden Arpeggios.
Aber Vorsicht – alles bleibt herrlich unberechenbar – „Sweet Lands Experience“ beginnt mit Hyde, der knurrt: ‚I was more smashed than you were‘, wobei sich das Stereospektrum im Laufe des Songs verwirrend verschiebt, bevor eine defekte Spieluhr und zuckende Becken eine überraschend nüchterne Coda einleiten.
Strawberry Hotel erkundet sowohl ihre gefeierten als auch ihre weniger bekannten Neigungen, und „Black Poppies“ war nicht die einzige Vorwarnung. „Denver Luna“ erschien zunächst als verwirrend kurzes A-cappella-Stück mit dem rätselhaften Ruf ‚Strawberry jam girl!‘, aber die Band hatte schon immer eine weit geöffnete Trickkiste. Einen Monat später entpuppte es sich als krönender Abschluss eines ekstatischen Marathons, der den Vergleich mit „Born Slippy“ und „Cowgirl“ nicht scheuen musste. Beide Versionen erscheinen hier, wobei der vollständige Song der erste „Burner“, ist, und das A-cappella-Stück Teil einer Downtempo-Kurve in der raffinierteren zweiten Hälfte des Albums.
Am unvorhersehbarsten ist die theatralische, zunehmend eindringliche Spoken-Word-Performance von Esme Bronwen-Smith – einer versierten Opernsängerin – in „Ottavia“, ihrer Übersetzung von Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“. Nichtsdestotrotz erinnern uns Nina Nastasias Beiträge zur „Eno-meets-Yorke“-Dämmerung von „Iron Bones“ daran, wie Strawberry Hotel, wie so vieles aus dem Katalog von Underworld, häufig das Prosaische romantisch macht. Wenn Strawberry Hotel fast unerwartet mit der stahlsaitigen Gitarre von „Sick Man Test“ endet, beschwört das leere amerikanische Landschaften herauf.
Trotz der oft schnellen, impressionistischen Bilder, die so hell und unberechenbar sind wie die Scheinwerfer eines Clubs, war die Musik von Underworld nie nur zum Tanzen geeignet. Allein mit ihnen in Bewegung zu sein, die Menschheit in einem Farbenrausch vorbeiziehen zu sehen, ist eines der größten Vergnügen des Lebens. Und hat etwas von der wunderbar flimmernden Welt meiner vielen Flaniermeilen auf der Portobello Road. Ich bin hier durch die Besprechung von Wyndham Walllace in der November-Ausgabe von Uncut gestromert, und habe natürlich ein paar eigene Assoziationen und Träumereien und Erinnerungen einfliessen lassen. Auf Wyndham ist sowieso Verlass.
„Neues von Bo“

Hallo Michael, liebe Flowworker,
das HIER traf mich heute wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel:
“The last, and previously unreleased, recordings from the legendary and world renowned Swedish psychedelic organist Bo Hansson before he passed away. Here you can listen to Bosse in fine form together with his lively organ student and keyboardist extraordinary, Eric Malmberg, joined by drummer Niklas Korssell, creating mesmerizing and ethereal space jazz.“
Liebe Grüße und ein schönes, unerwartetes erstes Hörerlebnis
Olaf (aka interaktionist)

lieber interaktionist, schön, von dir zu hören, und dann mit einem orgelton, der uns beide, und ein paar andere, nach Sekunden in die frühen siebziger jahre versetzt, als wir bo hanssons meisterstück lord of the rings wieder und wieder lauschten. 1000 jahre später nahm ich es mit drei weiteren cds mit auf meine reise durch die northern highlands, und ich hörte es dort noch etwas öfter als brian enos strategische besteigung des tigerbergs. nun bin ich nie so reingekommen in die welt von frodo und co, aber bos berühmte platte war voll und ganz inspiriert von tolkiens welten – irgend was musste ja dran sein – über das erste der drei grünen bücher von klett / cotta bin ich nie hinausgelangt. mich berührte und berührt diese musik von bo mehr als jede spätere blockbuster Verfilmung. nun ist dieser nachlass schon ein bisschen weit weg von der magie seines opus magnum, und kommt auch nicht an den nachfolger the magician‘s hat heran, auf dem bobo stenson ein paar unvergessliche spuren hinterlassen hat. space jazz, nun ja, auf seinen grossen werken können wir wahrlich ferne welten imaginieren – with some stardust memories, lajla – der typische orgelklang entführt uns aber auch auf diesen letzten jamsessions in das ferne, ferne 1972, und ich glaube heute, die frühen 70er jahre waren so strange wie die welten von lord of the rings – damals kam es uns einfach nur selbstverständlich vor. so eine patina des fantastischen umgibt halt jede zeitreise.
Ich spielte die platte einmal der schönen regina vor, einer pfarrerstochter aus der bittermark, um endlich ihr herz zu erobern. es gelang nicht, aber ich durfte sie nur 15 minuten knutschen. sie stellte dazu sogar einen wecker, mein glück war endlich.
In letzter zeit habe ich versucht, ein paar verlorene räume der kindheit freizulegen, aber ich stosse dabei an grenzen.
selbst der alte polizist michael zurl konnte bislang meinen blutsbruder matthias nicht ausfindig machen.
die kindheit ist ein fremdes land. mit bos musik ist der grenzübertritt etwas leichter. und so etwas hinreissend schönes wie lord of the rings erleichtert jedes scheitern.

ich wünsche mir, dass ELECTRONIC SOUND einmal bo hansson eine cover story widmet. die neue ausgabe der zeitschrift ist einem klassiker aus dem jahre 1969 oder 1967 gewidmet: „An Electric Storm“ entführt dich in den Weltraum, in die Zukunft, zerreißt dein Gehirn und gibt es dir wieder zurück; Stimulanzien sollten mit Vorsicht genossen werden. Es ist elektronisch und psychedelisch, passt aber trotzdem gut in die Sammlung eines jeden Psyche-, Kraut- oder Space-Rock-Fans.“ so heisst es auf der webseite von julian cope. lord of the rings wurde da hoffentlich auch besprochen.
cosmic greetings from the time machine, michael!
(Nachspiel) – My lonesome cd collection for the northwestern highlands, ans brian eno’s mail: 1) David Bowie: Blackstar / 2) Brian Eno: Taking Tiger Mountain (By Strategy) / 3) Van Morrison: Astral Weeks / 4) Bo Hansson: Lord Of The Rings „That was quite a strange Highlands drive you took Michael. I’ve never heard Bo Hansson’s Lord of the Rings and indeed know nothing about it. But what a nice group of albums. I’ve never owned a car in my life, and the only regret I’ve had is that I therefore haven’t been able to drive off into the mountains and listen to music. There’s something about the confinement and concentration of a car interior that makes it an especially good place for listening. I think it’s also that the music really occupies the space of the car three-dimensionally, so you’re really inside the experience ( – it’s not happening on a sort of stereo ’screen‘ in front of you). / I also love David’s last album. In the light of his death it becomes quite heroic that he got it done. He wrote to me a few days before he died … we had been talking in the last couple of years about revisiting the album OUTSIDE which was a sort of unfinished project. Or perhaps I should say a ‚half-finished‘ project. It’s clear to me that he knew he was about to die – and that he decided to be as active and creative with it as he would with any other piece of art. Very inspiring. / Have you heard Julia Holter’s new release on Domino Records? It’s very impressive.“ XXBErik Honoré‘s dark ride (2)
Erik Honorés neues Album „Triage“ kann leicht in die Ecke einer abstrakten Klangkunst gepackt werden, mit all der diskreten Elektronik, den geräuschhaften Passagen, den dunklen Texten, auch der Verweigerung klarer Songstrukturen. Allerdings zeigt sich hier der Irrtum einer nur an der Oberfläche rumstromernden Rezeption, die alles unter „Avantgarde“ subsumiert, was nicht einen 3-Minuten-Song liefert und nicht unmittelbar groovt und mitreisst.
Triage
Erik Honoré: synthesizer, samples, field recordings
Jan Bang: voice
Text by Erik Honoré„Triage“ ist eines dieser Alben, von denen Kritiker gerne schreiben, dass sie allmählich und mit jedem Hören mehr Eindruck hinterlassen. Es ist zwar selten falsch, einer Musik Zeit zu geben, aber so wird gleich zu Anfang eine Erwartungshaltung aufgebaut, die alles andere belohnt als eine instinktive Annäherung ans Material. Um es noch deutlicher zu sagen: machen Sie einfach das Licht aus und wenden diesem Album Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu! Machen Sie sich auf eine Musik gefasst, die Sie kaum auf dem Sitzplatz hält, und wahlweise zum Schweben, Tanzen und Versinken animiert. Erik Honorés „Triage“ ist eine Reise in neun Etappen, die groovt und wirbelt, von Power Spot zu Power Spot.
Pain Has An Element Of Blank
Erik Honoré: samples, programming, synthesizer, field recordings
Sidsel Endresen: voice
Eivind Aarset: guitar and electronics
Maja S. K. Ratkje: radio samples
Text by Emily Dickinson, read by Becky MillerLassen Sie mich das in den folgenden Tagen kurz erklären, obwohl es reicht, jetzt schon diese Lektüre abzubrechen, den Hörraum zu verdunkeln, und die Musik ihren Job machen zu lassen. Und das heisst: bitte nicht einfach kurz reinhören, und feststellen, ob meinen grossen Worten grosse Abenteuer folgen. Nein, am besten den kompletten Download oder die Cd am Stück hören (gibt es keine LP-Version?), denn Erik Honoré hat mehr Zeit auf die ideale Reihenfolge seiner Kompositionen verwendet als ich auf eine Nacht voller „Klanghorizonte“ (und das will was heissen!). Es kommen zwar noch die Alben von Father John Misty, Underworld, Nik Bärtsch in diesem Herbst heraus, aber nach meinem letzten Hören von „Triage“ war mir klar, dass dieses bislang sehr wenig besprochene Album zu den absoluten Highlights meines Musikjahres zählt. Und ich werde nicht der einzige sein, der erkennt, dass dieses Album so immense Wucht entfaltet, die einhergeht mit einer Schärfung all unserer Sinne.
At Ease On Lethe Wharf
Erik Honoré: synthesizer
Arve Henriksen: trumpet
Text by Helen Coale Crew, read by Carol Box(Translated with deepl – with a few corrections & extensions) Erik Honoré’s new album ‘Triage’ can easily be categorised as abstract sound art, with all discreet electronics, the noisy passages, the dark lyrics and the refusal of clear song structures. However, this shows the error of a reception that only skims the surface and subsumes everything under ‘avant-garde’ that doesn’t deliver a three-minute song and doesn’t immediately groove and thrill in mainstream‘s predictable ways.
‘Triage’ is one of those albums that critics like to write about as slowly making more of an impression with each listen. Whilst it’s rarely wrong to give a piece of music time, this builds up an expectation right from the start that rewards anything other than an instinctive approach to the material.
To make it even clearer: just switch off the lights and give this album your undivided attention! Prepare yourself for music that will barely keep you in your seat, encouraging you to – often simultaneuosly – float, dance and sink into it. Erik Honoré’s ‘Triage’ is a journey in nine stages, grooving and swirling from power spot to power spot.
The Cantos
Erik Honoré: samples, rhythm programming, synthesizer
Arve Henriksen: trumpet
Bjørn Charles Dreyer: steel guitar
Snorre Kiil Saga: bass
Text fragments by Ezra PoundLet me explain the points I made within the nexte few days, although it is alread enough to stop reading now, to darken the listening room right now, and let the music do its job. Don’t just give „Triage“ a quick listen, and find our if my big words are followed by big adventures. It‘s best to listen to the complete download or the Cd in one go (is there no LP version?), because Erik Honoré has spent more time on the ideal sequence of his compositions than I did on a night full of ‘sound horizons’ (and that’s saying something!). Works by Father John Misty, Jeff Parker, Underworld, Jennifer Castle and Nik Bärtsch are still to be released this autumn, but I know by now that this album, which has gotten not so many reviews so far, is one of the highlights of my musical year. And I won’t be the only one to realise that this album is overflowing (all its discreetness taken into account) with a constant high-energy level – and a punch „sans pareil“.
Tourniquet
Erik Honoré: samples, synthesizer, field recordings
Jan Bang: voice
Text by Erik Honoré(the last, third part of Erik Honoré‘s dark ride will follow quite soon. Greetings from the place at which Joni Mitchell once sang: „The wind is in from Africa / Last night I couldn‘t sleep…“ – from „Carey“.)
Taking Turns

Es begann alles auf dem Flowworker-Blog mit einem Gedankenaustausch zu dem Schlagzeuger Paul Motian. Und nun: ein Traum. Alle sechs sind sich vorher oder nachher begegnet, live, in Studios, als Duo, Trio, privat, wie auch immer, aber in dieser Zusammensetzung nie wieder in Erscheinung getreten. Bei aller Vertrautheit, zwischen Respekt und Freundschaft, untereinander: mit „business as usual“ hat „Taking Turns“ nichts zu schaffen. Ein oder zwei Tage in den Avatar Studios. Magie ist nicht programmierbar. Um dem Betriebsgeheimnis dieses zum Jahresende hin erscheinendes Albums nahezukommen, könnte man sich getrost auf die Bildersprache von Träumen einlassen. Tatsächlich stand ich in einem alten Plattenladen in Amsterdam, und sah Henning in einem Fach wühlen, das den Namen „Dream on“ trug. Statt geläufiger Rubriken fanden sich, Fach für Fach, Anweisungen von poetischer Schärfe und Ungenauigkeit. Der Besitzer des Ladens, Greg Fisch, sorgte für ein wenig Unruhe, als er mit Wucht gegen eine Jukebox trat, die sich seinen reparierenden Griffen widersetzte und auf Teufel komm raus nicht „Take Five“ spielen wollte. Lajla liess sich davon nicht aus der Ruhe bringen, und war unter dem Kopfhörer ohnehin in einer anderen Welt anwesend, in der Lucinda Williams von den Geistern eines Highways sang. Auf Wunsch von Rosato lief Jakob Bros „Taking Turns“ auf einem in die Jahre gekommenen Technics-Plattenspieler, und er schien hin und weg. Ich hatte ihn lange nicht gesehen. Wenn ich seine Worte im Dämmerlicht richig verstand, sagte er: „…ganz stark, was diese Sechs an feinen Linien zeichnen. So eine wunderbare melodische und klangfarbige Polyphonie bewegt mich…“ Allmählich übertrug sich die kaum fassbare Stimmung des Albums auf alle, die zuhörten. „Hammer“, sagte ich zu Rosato, „Hammer!“ Ich war zudem noch nie zuvor in einem Plattenladen, in dem nach 18 Uhr Kerzen das verschwindenden Tageslicht ersetzen. Wie gesagt, ein Traum. Wie anders lässt es sich erklären, dass die Musik zehn Jahre in einem Archiv ruhte.Live zählt
Ganz früher kündeten Bilder, Texte und mündliche Erzählungen von groBartigen, verrückten, merkwürdigen usw. Ereignissen. Tondokumente? Für tausende von Jahren: Fehlanzeige. Nun hat es sich seit 150 Jahren beinahe umgekehrt. Ton und Bild vereint in Bewegung suggerieren ein aktuelles Dabeisein. Vergangene Zeit eingefroren, Gegenwart beliebig wiederholbar. Was noch fehlt, ist das reale Energiefeld, der Geruch, die Temperatur, der soziale Vibe, das Wetter. Das muss Lauschende(r) selbst schaffen.
Live demnext … Trygve Seim speaking:
Looking forward to create music in the moment again, together with my heroes Arve Henriksen, Anders Jormin and Markku Ounaskari, at concert venue Stadtgarten in Köln (Cologne), Germany, this coming saturday, October 12th at 8pm.I hope to see y’all ( … ) there
Fasten mit Anna und Chet und Co.
1 – Visualize yourself in the studio with the band. In meiner, über drei Tage andauernden, kleinen „Höhlenmeditation mit Traumtagebuch“, eine freundliche Umschreibung für eine „Kurzfastenkur“, hörte ich gestern, am ersten Tag, Chet Baker, eine tolle Aufnahme aus dem Hause „Jazz Detective“. Martin Wieland und das Tonstudio Bauer (ECM-Meriten!) hätten den Sound des Trompeters und Sängers Ende der Siebziger Jahre nicht transparenter einfangen können. Dieses Doppelalbum namens „Blue Room“ stelle ich gleich neben die damaligen traumhaften Aufnahmen von Chet Baker für das dänische Label Steeplechase. „Blue Room is one of those recordings that sounds great when you turn up the volume on your amp, close your eyes, and visualize yourself in the studio with the band.“ Sagt Mark Smotroff.
2 – Ein Paar voller Gegensätze. Vor dieser Zeit des kontrollierten Rückzugs hielt ich nach sechs Alben Ausschau, auf die ich totale Lust verspürte, zwei für jeden Tag. Und nach einer Ersatzplatte, falls ich einmal völlig falsch liegen sollte. Jedes bewusste Fasten sollte mit gezieltem Überfluss einhergehen, aus Gründen der Balance. Wunderbare Musik kreiert so einen „overflow“. Für den ersten Tag bildete „HYbr:ID III“ von Alva Noto den Abschluss, ich schrieb gestern darüber. Alle sechs Werke sollten aus recht verschiedenen Welten stammen (was ich nicht durchweg einhalten konnte), für heute ist allerdings ein ganz spezielles und kontrastreiches Paar vorgesehen – für den späten Abend (und Scotch & Candlelight) liegt „Bleed“ von den Necks parat. Endlich ist die Cd angekommen. Den Download hörte ich schon vor Wochen auf kleinen Lautsprechern, ich erinnere mich an ein Gespür für „decay & breath“, ein Spiel mit „dissolving patterns“: eine Klangstudie, die eher wie geträumt daherkommt, als mit Muskeln in Szene gesetzt.

3 – Easy listening with twists and turns. Grosse Freude bereitete mir am Vormittag ein echtes Highlight dieses Jahres aus dem Hause „International Anthem Records“, „Mighty Vertebrate“, von der Bassistin Anna Butterss (s. Cover). Eine Prise Lalo Schifrin hier, ein Hauch von Labradford da – kann das gutgehen? Meinen Toast kriegt Anna: ein Hoch auf den heiteren Tiefgang des Post-Rock-Jazz aus Chicago und Umgebung! Das Album brachte mich wahlweise zum Schmunzeln und Schweben – der Groove steht im Mittelpunkt dieser durchweg heiter-tiefsinnigen Musik, und die Methoden, dorthin zu gelangen, sind alles andere als didaktisch. Dermassen entspannt-fesselnd, dass ich das ganze Teil zweimal hintereinander hörte und immer noch nicht genug bekam von diesem „easy deep listening with twists“!4 – Die Ersatzplatte. Und für das Finale morgen habe ich aus meinem Archiv zwei Alben hervorgekramt, an denen die Zeit nicht spurlos vorüber gegangen ist: „Distant Hills“ von Oregon (Rosato und Brian sind nicht die einzigen aus unseren Kreisen, die diese Scheibe lieben!) – und „Under The Sun“ vom Human Arts Ensemble. Mit Lester Bowie und einem besonderen, west-östlichen Klangrausch. Bei diesen zwei „Klassikern“ werde ich nicht falsch liegen, und darum wird die „Ersatzplatte“ nicht zum Einsatz kommen, die ich ein Vierteljahrhundert nicht mehr gehört habe: „Lift“ von Volker Kriegel. Aus dem Hause MPS. Ich glaube, jeder , der bis hierhin gelesen hat, wird unter diesen sechs / sieben Alben die eine oder andere neue / alte Lieblingsplatte ausfindig machen.
Einigermaßen Irre
Man muss weder Hip Hop noch Musikvideos mögen, um dieses kleine Filmchen zu gucken.
Alva Noto: HYbr:ID III
Meine kleine Hörgeschichte mit Alva Noto alias Carsten Nicolai begann, als ich seine erste Zusammenarbeit mit Ryuichi Sakamoto hörte. Über viele Jahre hat er eine unverwechselbare Klangsprache geschaffen, die so reichhaltig ist, dass ich bei jedem Album, das mir begegnete, eine Art Vorfreude verspürte. Enttäuscht wurde ich nie. Und, wiederkehrend, die Frage: wie kann eine Musik, wie mit dem Skalpell gefertigt, so tief rühren? Nun also HYbr:ID III. Inspiriert von der uralten Tradition des japanischen Noh-Theaters, mit seiner Kunst kleiner Gesten. Es braucht keine fernöstliche Quellenforschung, um diese Musik auf sich wirken zu lassen, die sich, einmal mehr, kleinsten Motiven verschreibt, und daraus maximale Wirkung schöpft. Jedem vertraut, der einmal an diesen Sounds teilgenommen hat, sie als Rätsel begreift, Verlockung, stillen Tanz. Du kannst dazu, mit Augenzwinkern, deine kleine Teezeremonie beisteuern. Beiliegend, alle Graphiken für jede einzelne Komposition, raumgreifend. Eine Art Bilderbuch.