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  • Andrew Jackson Asshat und andere Erhabenheiten

    Früher, als Fiona Talkingtons Sendung in der BBC und meine im DLF liefen, hatten wir etliche Gemeinsamkeiten, von Talk Talk bis zu ECM, von Robert Wyatt bis zu all den „Norwegern“, aber bei der guten alten Tante Chormusik hörten die Schnittmengen auf, bis auf wenige Ausnahmen, etwa dem „Mysterium der bulgarischen Frauenstimmen“ und, und… da muss ich schon nachdenken. Ganz gewiss würden wir sowohl klassische Gänsehaut wie unprätentiöse Ergriffenheit erleben, wären wir in einem Raum, um Lambchops neues Album zu hören, in dem gleich zwei Chöre ihr Wesen treiben. Ein traumhaftes tiefes Album, das einmal mehr beweist, das Kurt Wagners evolutionsfreudiges Langzeitprojekt sich in der Nähe alte Meister bewegt, von Mark Hollis bis Scott Walker.

    Auf „On The Militant“, einem Titel aus dem 1996 erschienenen Album „How 1 Quit Smoking“ von Lambchop, erinnert sich Kurt Wagner an eine bedrückende Entdeckung auf einer Baustelle: „KKK“ ist dort in den frischen Zement eingeritzt. Wagner kratzt die Initialen mit einem Schraubenzieher ab, aber der Schaden ist unauslöschlich und reicht weit tiefer als ein bisschen „zerknitterter Beton“.

    Zu Lambchops Leitstern hat schon seit langem ein Gespür für Unbehagen und Misstrauen gegenüber dem, was unter dem Alltäglichen liegt, für jene Momente, in denen beispielsweise Gewalt plötzlich an die Oberfläche bricht, doch im Laufe der Zeit sind seine schlafwandlerisch-wachsamen Texte abstrakter geworden, sein verstärkter Einsatz von „Auto-Tune“ und Verzerrung mischte sich seit 2016 in seine Sicht auf die Dinge. Er beschreibt „Auto-Tune“ es als „ein Kumpel an meiner Seite“ ein, welcher als Stoßstange diente oder Stossdämpfer, eine Möglichkeit, Abstand zu seinen dunkelsten Gedanken zu gewinnen.

    Es ist daher bemerkenswert, dass „Punching The Clown“ – das erste Album von Lambchop seit dem von Narben und Erschütterungen gezeichnete Opus „The Bible“ von 2022 – wieder Wagners wundersam melanhcholische, unbearbeitete Stimme in den Mittelpunkt stellt, wodurch die hauchdünne Intimität seiner frühen Werke teilweise wiederhergestellt wird.

    Anstatt die musikalische Begleitung nicht selten mit Maschinen auszulagern, hat Wagner (in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Andrew Broder) zwei Chöre engagiert – das „Eau Claire Vocal Sextet“ und der 12-köpfige „London Chor“ – einfühlsam agierende Formationen, die Wagners Bedürfnis nach einem betörenden „Call-and-Response“ im Gospel-Stil erfüllen. Statt zu übertönen und zu überdecken, ist reflektierendes Zuhören das Programm dieser „blauen Stunde“.

    „A Doctor In The House“ versprüht eher die düstere Atmosphäre vergangener Zeiten und das Flackern einer Öllampe; „Andrew Jackson Asshat“ hingegen steht im Kontrast zur Hässlichkeit seines Titels und fliesst mit einem rauschhaften Gesangswirbel herab, einer Kaskade von Judee Sills ähnlich, während Wagner über die „ewige Seele“ sinniert, jenes Etwas, das uns vielleicht überdauert.

    Das soll aber nicht heißen, dass „Punching The Clown“ sich völlig von seiner Zeit löst. Ryan Olsens Inszenierung lässt nach wie vor unheimliche Störungen und Verzerrungen zu: nicht zuletzt der Ausruf „Lambchop! Kein Scheiß!“ mischt „Just West Of“ ordentlich auf; da ist der Klang eines kleinen Risses im Raum-Zeit-Gefüge auf „Weakened“, einer Studie am Sterbebett. Ohne in Parolen zu verfallen, fängt Wagner anderswo auch die dunklen Schwingungen der amerikanischen Gegemwart ein, aktuelle politischen Unruhen werden mal zu latenter Wut, zu stillen Subversionen verarbeitet, oder zu einem gehörigen Unbehagen angesichts einer vulgären Parade.

    (Victoria Segal, Mojo, September & ein paar Einmischungen von M.E., übersetzt mit Deepl – „Punching The Clown“ erscheint am 21. August als cd, vinyl, dl)

  • Das Buch des Sommers über das Spiel aus Erinnerung und Abenteuer in einem gewissen Alter

    Ich kenne einige Romane von Herrn Treichel, die etwas Schwebendes haben wie alte Filme von Eric Rohmer – wenn sie von Liebeswirren erzählen, was bei diesem Autor des öfteren vorkommt, gesellt sich, bei Rohmer eher selten, eine profunde Situationskomik hinzu. Was aber machen die AltAchtundsechziger, wenn ihre „salad days“ als JungAchtundsechziger Geschichte sind? Reflektierte Drogenerfahrungen, Segeln, Reisen, Kulturräusche? Genügt es nicht, ziellos auf den Meereshorizont zu schauen? Der Zeit und ihrem scheinbar so gnadenlos linearen Verlauf ein Schnippchen schlagen – aber wie?! Wie sieht es da aus mit dem Potential suberotischer, dezent knisternder Wiederbegegnungen? Alle alternden Antoine Doinels werden sich solchen Fragen stellen, und letztlich wäre doch, denke ich nach dieser muntermelancholischen Lektüre, Monsieur Truffaut der ideale Umsetzer dieser Erzählung in das gute alte Lichtspieltheater. Es wäre viel abgründiger als jenes Liebeskarussell gesammelter Flüchtigkeiten, das „Der Mann, der die Frauen liebte“ verströmte. Was für ein feingestricktes, kluges, charmantes Erzählwerk, das soviel fast saloppes Scheitern enthält, das es nicht wirklich als Seelenratgeber taugt! Oder vielleicht doch? It‘s tricky. (me)

    FSK: ab 50

  • Dunstküste

    Während der grösste Teil von Deutschland schwitzt, liegt über Teilen der ostfriesischen Inseln ein Hochnebel, oder nennt man es Wolkendunst. Die Sonne versucht vergeblich, ein Loch in die Wolken zu brennen, auf 17, 18 Grad hat sich alles nah der Windstille eingegroovt. Auch nachts. So gibt es keinen idealen Strandtag, aber meditatives Verweilen in all den Dingen, die ich schon mit acht Jahren auf der Insel anstellte, ein talentierter Brötchenholer schon damals! Hin mit dem Fahrrad zur Meierei im Ostland (aus den Bonanza- Und Hollandrädern sind E-Bikes geworden), vorbei an der Melkhörndüne (die natürlich jedesmal bestiegen werden will, die Fernrohre an Aussichtspunkten sind rarer geworden), dann über den Deich zum Fährhafen (in den Cafés seit eh und je die Dominanz des Rührteiges), der Besuch in der Buchhandlung Krebs, der ewige Wasserturm auf dem Strandweg, die kleinen Unterhaltungen mit Strandkorbnachbarn.

    Wie die Welt, und auch die Erinnerungen sich wandeln, wenn ich unterwegs Daniel Lanois‘ „Belladonna (Nocturne)“ höre – und ich höre nichts anderes! Da kommt eine besondere Art von Wehmut auf, manchmal der berühmte Schauer von Wirbel zu Wirbel. Mittlerweile ist ja „Ambient Americana“ ein Sub-Genre der Ambient Music geworden, und Lanois zählt mit seinen Arbeiten aus den 1980er Jahre zu den Pionieren, doch „Belladonna Nocturne“ ist alles andere als selige Rückschau (auch wenn ein Track „Early Days“ heisst). Call it multi-dimensional! Eine sanfte archaische Wucht öffnet den Raum über Inselhorizonte hinaus, verlangsamt den Blick, Nachtschattenhaftes bricht aus mit Brian Blades Schlagwerk. Eine seltsam irrationale Euphorie, die viel Fernes nah heranzoomt, Träumerei, altes Schweben, Gasthöfe der Kindheit, Stille bis zum Festland, und, nach Jahrzehnten endlich mal wieder, einen Becher Milchreis mit Zimt und Zucker! Schon jetzt ist „Belladonna Nocturne“ eines meiner Lieblingsalben des Jahres.

  • “Traumstadien“

    „Early in 2025 I stumbled across a Youtube Video of Duke Ellington being interviewed on an old American TV show, in which he claims „No this is not Piano, this is Dreaming“ whilst playing the piano. A few days later, still thinking of this clip, I wondered what a piano having a dream would sound like… and then the idea that I should make an album which sounds like a piano dreaming! Dream States was therefore born. During the heatwaves of summer 2025 I found it hard to sleep some nights and crept down into my music room and started to make music, music for a dreaming piano.“

    Made by Neil Stringfellow as Audio Obscura with the exception of the first 40 seconds which are sampled from a TV interview of Duke Ellington speaking and playing piano. 

    TRÄUM ICH ODER WACH ICH?

    Wie würde ein Piano klingen, das einen Traum hat? Ein Album füllt mir da ein, dass dieser Frage schon mal nachgegangen ist, Player, Piano“ sein Titel. Wenn es zu Daniel Lanois’ Selbstverständnis zählt, stets mit einem Fuss in der Vergangenheit, und dem anderen in der Zukunft zu stehen, bekommt hier die gute alte Zeit eindeutig Vorrang, auf den ersten Ton zumindest.

    Rasch aber spürt der, der sich mit offenen Ohren in die Musik fallen lässt, dass hier kein regressives Schwelgen am Werk ist, und auch nicht in die klassische Falle getappt wird, den nächsten unausweichlichen „sweet stuff“ in der Nachfolge von Erik Saties goldenen Oldies zu verzapfen.

    Diese Platte ist eine kleine Sensation. Ein Wunder sowieso, wie er sein Zweit- oder Drittinstrument hernimmt, und ihm demassen verführerische Figuren entlockt, jenseits von Kitsch und Erhabenheit. Hier und da mit den richtigen falschen Tönen, dass nur das normierte Denken zuckt, und jeder andere aus dem Staunen keinen Weg herausfinden möchte. Was der gebürtige Kanadier hier veranstaltet, ist schichtweg ein Traum. Was für Auren, Farben, Treatments, Nachhallkurven und Drumherumgeschimmer – was für eine intime Veranstaltung!

    Danny Boy hat neben berühmten Produktionen (Dylan, Neville Brothers, Gabriel, u2), neben eigenen rar gesäten, betörenden Songalben, auch  eine stattliche Anzahl rein instrumentaler Musik veröffentlicht „Player, Piano“ gehört neben „Belladonna“ (2005) und „Goodbye To Language“ (2016) zu den drei instant classics  seiner Ambient-Discographie. Und, natürlich, nicht zu vergessen, der heilige Gral, „Apollo“, das Trio mit den zwei Enos, das nach mehr als drei Jahrzehnten eine qualitativ ebenbürtige Fortsetzung erfuhr.

  • Abschiedskonzert für Monika

    Sie war von der Jazzmusik begeistert.

    Immer wenn sie Swing hörte, war sie voller Lebensfreude. Sie hatte einen feinen, erlesenen Musikgeschmack. Sie sagte einmal,besonders der Swing vermittle ihr ein freies Lebensgefühl. 

    Ich habe ihr zu Ehren ein Konzert zusammengestellt, das ihr sicher gefallen hätte. 

    Weil sie so plötzlich von uns gegangen ist, möchte ich das sehr emotionale Stück von Keith Jarrett vom Kölner Konzert zuerst auflegen. Und zwar die ZUGABE. Keith war damals sehr erschöpft, auch von den widrigen Umständen, die das Konzert mit sich brachte. Trotzdem gab er diese zarte Abschiedsmelodie als Zugabe. Es ist ein sehr emotionales Stück, das unsere Abschiedsstimmung von Monika zulässt und trägt. 

    Ruby, oder soll ich liebevoll Monika sagen, my Dear, ist das zweite Stück, das ich für sie spiele. Rist von Thelonious Monk, den sie so sehr schätzte. Sie mochte den “ inneren Swing” von den Stücken BLUE MONK und BLUEHAWK. Sie meinte, diese Musik stärke sie. Ich spiele sie. Und gleich danach die tiefen, nachdenklich machenden Balladen, die ich auf dem Album “ Alone in San Francisco” finde. REFLECTIONS ist das stillste, tiefste Soloklavierstück von Monk. Mir bringt es warme Erinnerungen an sie zurück. 

    Monika war eine kluge, selbstbewusste Frau, immer authentisch. Sie hat sich von keinem vorschreiben lassen, wie sie ihr Leben gestalten soll. Sie stand auf den Straßen von El Hierro, das Palästinenser Tuch um den Kopf gewickelt und protestierte lauthals gegen die Gräueltaten an den palästinensischen Kindern. Deswegen habe ich das energetische, optimistische Stück ausgesucht: LONG AS YOU KNOW YOU RE LIVING YOURS

    Natürlich darf Billie Holiday nicht fehlen. Monika hatte einen guten Humor. Oft sprachen wir über das Bild der Frau in der heutigen Gesellschaft. Ich denke an  dem bittersüßen Song  LOVE ME OR LEAVE ME hätte sie ihre Freude gehabt. 

    Für den Konzertabschluss wàhlte ich noch einmal was aus der Swing Ära. IN THE MOOD von Glenn Miller, nicht den BigBand Sound sondern eine sanftere Version, die zum Abschiedslied ADIÓS passt. 

    Monika ist jetzt dort, wo der Swing niemals aufhört. Wir begleiten sie mit dieser musikalischen Reise. 

  • Aktives Träumen

    Seit ich in diesem Frühjahr wieder einmal angefangen habe, meine Traumerinnerungen aufzuschreiben, hat sich etwas entwickelt, was ich nie für möglich gehalten hätte. Glückliche Fügungen, Synchronizität oder Serendipity haben mich zu einem Buch geführt, dem ich diese Erfahrungen verdanke.

    Bisher bin ich davon ausgegangen, dass ich meinen Träumen im Prinzip passiv ausgesetzt oder sogar ausgeliefert bin. Wie ich inzwischen las, entspricht dies der Auffassung von C.G. Jung, für den der Traum dem Einfluss des Bewusstseins entzogen war. Auch meine Begegnung mit den Traumritualen der Senoi auf der Rückseite des Plattencovers von Jon Hassels Album „Dream Theory in Malaya“ hatte daran nichts geändert. Dann entdeckte ich im Sammelband „Der Wissenschaftler und das Irrationale“ aus dem Jahr 1981, herausgegeben von Hans Peter Duerr, einen Beitrag von Werner Zurfluh, der seit seinem 23. Lebensjahr regelmäßig Aufzeichnungen über Träume, luzide Träume und außerkörperliche Erfahrungen angefertigt hatte. Mich begeisterte Werner Zurfluhs Ausdauer, Konsequenz und das zeitliche Engagement für seine, wie er es nennt, „Forschungen im nächtlichen Bereich“, und insbesondere faszinierte mich ein im Beitrag geschilderter Traum, der seinen beruflichen Plänen eine neue Richtung gab, die er zeitlich mit seiner Familie und seiner Traumwelt vereinbaren konnte. Mehrmals erwähnte Werner Zurfluh ein Buch von Patricia Garfield, das er mitübersetzt hatte und das im Jahr 1980 im Schweizer Ansata Verlag erschienen war: „Kreativ träumen“. Dieses Buch war für mich der Durchbruch zu einem aktiven Umgang mit Träumen. Es ist eine ausgezeichnete Anleitung, Träume gezielt zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit einzusetzen. Die englische Originalfassung erschien im Jahr 1974 unter dem Titel „Creative Dreaming“.

    Patricia Garfield erzählt anschaulich von Kulturen, in denen Träume einen entscheidenden Stellenwert einnehmen: von den amerikanischen Indianern, bei denen Träume über den Platz einer Person in der Gesellschaft entscheiden, den Senoi, die ihre Kinder beispielsweise lehrten, Traumfeinde anzugreifen und Traumfiguren zu Hilfe zu rufen, und tibetischen, wachbewusst träumenden Yogis. Patricia Garfield erklärt, was wir von diesen Traumkulturen lernen können, wie man ein Traumtagebuch führt, Traumerinnerung fördert und Alpträume bekämpft. Sehr hilfreich für die Traumerinnerung war für mich der Tipp, nach dem Aufwachen die Augen geschlossen zu halten, mich nicht zu bewegen, mich auf das zuletzt erinnerte Bild des Traums zu konzentrieren und dann möglichst den kompletten Traum ins Bewusstsein zu rufen, um ihn aufzuschreiben. Patricia Garfield rät, jedem Traum einen Titel zu geben. Als ich mir überlegte, mit welchem Stift ich die Überschriften schreibe, denn ich wollte sie optisch abheben, erhielt ich ein Päckchen einer Freundin, das einen wunderbaren bronzefarben-metallischen Stift enthielt.

    Auf jeder Seite ist spürbar, dass „Kreativ träumen“ für die Autorin ein Herzensprojekt ist. Das Buch ist sorgfältig recherchiert, hat 15 Seiten wissenschaftlicher Anmerkungen und ein fünfseitiges Literaturverzeichnis. Patricia Garfield schreibt ermutigend und praxisnah; immer wieder bringt sie eigene Erfahrungen und solche aus ihren Seminaren ein, auch Forschungen, die erstaunliche Zusammenhänge zeigen. Beispielsweise dauert eine Geburt kürzer, wenn sich die Schwangere in ihren Träumen mit den Ängsten der bevorstehenden Gebärsituation auseinandergesetzt hat.

    Hat man erst einmal ein paar Dutzend Träume aufgeschrieben, kristallisieren sich wiederkehrende Themen, Motive, Traumorte und Verhaltensweisen des Träumenden heraus, auch in Variationen. Dann kann die Phase der Reflexion, Bearbeitung und Gestaltung der Träume beginnen. Patricia Garfield schreibt: „Nehmen wir einmal an, dass Sie sich an Ihre Träume schon ziemlich gut erinnern können (…). Dann können Sie (…) auch damit beginnen, sie zu gestalten. Wie ein Bildhauer mit seinem Ton arbeitet, formen Sie Ihre Träume nun so, dass sie Ihnen statt Terror und Wirrwarr aktive Hilfe bringen.“ Und an anderer Stelle: „Ihre Träume zu ändern, gibt Ihnen mehr Macht über Ihr innerseelisches Leben und überträgt sich schließlich auch auf Ihr Verhalten im Alltag.“ Zur eigenen Beeinflussung der Träume gibt die Autorin zahlreiche Anregungen. Wie man die Bearbeitung der eigenen Träume umsetzt? Zum Beispiel wünscht man sich etwas und fasst den Wunsch in konkrete Worte. Ich habe mir kräftige Farben im Traum gewünscht, Naturerfahrungen, ungesehene, eindringliche Bilder, Ratschläge, Traumfreunde (also Personen, die mich unterstützen). Ich habe mir auch gewünscht, dass einmal in einem meiner Träume Essen geteilt wird. Bisher konnte ich mich nicht daran erinnern, dass jemals in einem meiner Träume gegessen wurde. (Patricia Garfield findet das gemeinsame Essen im Traum wichtig.) Alles hat sich umgesetzt! Eine andere Technik, die eigenen Träume zu beeinflussen, besteht darin, sich einen Traum vor Augen zu führen und sich statt eines eigenen, unerwünschten Verhaltens ein anderes, erwünschtes Verhalten vorzustellen. Im Traum üben wir nämlich Verhaltensweisen ein, die unser Leben außerhalb des Traums beeinflussen. Deshalb ist es so wichtig, sich im Traum zu behaupten, zum Beispiel gegen Angreifer. Der Gegenangriff aktiviert innere Kräfte, die man dann in den nächsten Tag mitnimmt. Patricia Garfield erklärt, wie man mit Traumbildern, Traumfiguren und Aussagen als Teil des Unbewussten in einen Dialog treten kann. Das Buch enthält auch einiges über luzide Träume, also solche Träume, in denen sich der Träumende der Traumsituation bewusst ist und das Geschehen bestimmt, vor allem Flugträume werden besprochen. Luzide Träume sind für Patricia Garfield Höhepunkte der Selbstentfaltung und der Selbstbestimmung im Traum.

    Ein weiteres Buch von Patricia Garfield, „Der Weg des Traum-Mandala“, beginnt so: „Eine stille Entwicklung findet in unserer Seele statt. Fast unmerklich wandeln wir uns allmählich Traum für Traum im Dunkel der Nacht zum neuen Selbst, das wir morgen sein werden.“ Diese Veränderung passiert zwar unabhängig davon, ob wir uns an unsere Träume erinnern. Die Erinnerungen an unsere Träume und der aktive Umgang damit bereichert unser Leben jedoch um eine weitere Dimension und hat das Potenzial, Verhaltensweisen in gewünschte Richtungen zu verändern und unsere Persönlichkeit bewusst und in einer höheren Geschwindigkeit als ohne Traumerinnerung zu entwickeln und zu stärken.

  • Der unaufhörliche Zauber eines Rastplatzes auf der „A31“ Richtung Norden

    Im Auto läuft ein altes, viel zu wenig beachtetes Album von Daniel Lanois, „Shine“. Ätherische Songs, die gut geerdet sind. Das einzige Album meines Lebens, das ich von einem Musiker signieren liess. Davor stammen die Autogramme aus Kindertagen, von Rex Gildo, Ronny, Freddy Quinn. Ich habe sogar Autogramme von Heinz Drache und dem Meister Hans Tilkowski. (Mit 11 beim Training geholt. Tilkowskis meint, ich drängele zu sehr, und ich muss mich wieder hinten einordnen.) Thomas (P.) kennt die A31 gut und fragt nach meinen liebsten drei. Lambchopalben. Ich gebe ihm vier. Hier sind meine fünf. 1) Showtunes 2) Is A Woman 3) The Bible 4) Damaged 5) Flotus. Thomas hat diese Drei im Angebot: 1) Nixon 2) Ah, C‘mon, No, You C‘mon 3) Is A Woman.

  • Das Kennenlernen bei Heimspielen

    Jeder Musikbegeisterte hat es schon mal  erlebt. Man steht unter wildfremden Konzertbesuchern und hat das Gefühl, eine große Familie zu sein. Am intensivsten hatte ich diese Vertrautheit auf Bob Dylan- und Grateful Dead-Konzerten. 

    Am Wochenende spielten die Toten Hosen in Düsseldorf. Sie sind bekanntlich aus Düsseldorf und ich bin zur Zeit in der Stadt. 100000 Fans aus der ganzen Welt ebenfalls. Campino machte Ansagen in der U Bahn, seine Bandmitglieder fuhren mit dem Fahrrad durch die Altstadt und begrüßten die Fans. Mehr Nähe geht nicht. Während meiner Arbeit im Goethe-Institut habe ich immer wieder die Texte der Toten Hosen besprochen. Das neue Abschiedslied “Düsseldorf” ist der Band von der Lyrik her nicht so gut gelungen, Köln und Bochum machten es besser. Aber keiner kann die Wehmut, die Liebe zu seiner Heimatstadt, gesanglich so rüberbringen wie Campino. Ich war nicht im Stadion, unterhielt mich aber mit einigen Fans, die in einer stundenlangen Warteschleife für ein T-Shirt anstanden. Sie waren von dem Auftritt begeistert: Campino hätte alles gegeben, er sei ja nicht immer so gut wegen Drogenkonsums dabei gewesen. Ich lernte einen Mann kennen, auf dessen T Shirt “Scheiss Wessi” stand. Ich fragte ihn, ob er die Toten Hosen aus DDR-Zeiten kennen würde. Er nickte. Sagte aber sonst nichts. Schade, dass anscheinend in der Musik und im Sport die Unterschiede immer noch groß sind. 

    Mich würde interessieren, ob die neuen Flowys, die ja viel jünger sind als ich, mit der Neuen Deutschen Welle, die ja wie die Toten Hosen im Ratingerhof gegründet wurden, etwas anfangen können. Oder ob sie begeisterte Kraftwerker sind. Ich würde Euch gern besser kennenlernen. Schreibt doch mal was.