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Another word for melting kindly required (the music of Oren Ambarchi)
“Oren Ambarchis „Cooked“ mag zwar als Soloalbum betitelt sein, ist aber in Wirklichkeit ein echtes Ensemblewerk: zwei wunderschöne, spannungsgeladene Seiten mit nächtlichem Jazz und rätselhafter moderner Komposition. Zum Teil verdanken „Hidden Tableau“ und „Sleight Of Hand“ ihren Erfolg den Beiträgen von Ambarchis sorgfältig ausgewählten Mitwirkenden: Eiko Ishibashis kaskadenartigem Klavierspiel; Joe Talias stotterndem, stolperndem Schlagzeugspiel; dem leisen Murmeln von Johan Berthlings Kontrabass. Jim O’Rourke soll angeblich irgendwo dabei sein, obwohl niemand so recht weiß, was er dort eigentlich macht. Ambarchis Rolle besteht darin, überall und nirgends zu sein; seine formwandelnde Gitarre setzt schräge Akzente oder verliert sich in schimmernden Träumereien. Das Ergebnis ist manchmal rätselhaft, oft aber magisch – wie eine mutierte Version des Miles Davis der 70er Jahre oder eine besonders exzentrische ECM-Veröffentlichung.“

Das, was Louis Pattison hier schreibt, in der November-Ausgabe von Uncut, kann ich nur bestätigen. Vor gut sieben Jahren habe ich ihn „entdeckt“, dank seines Albums „Simian Angel“, auf dem u.a. auch seiner Liebe zu Nana Vasconcelos und dessen grossartigem ECM-Album Tribut zollt. Wenn Louis eine „besonders exzentrische ECM“-Arbeit ins Feld führt, als Ankerpunkt seiner Fantasie, kommt mir, nach mehrmaligem Hören, genau so ein „Teil“ in den Sinn, „Lost River“. Von und mit Eivind Aarset.„Cooked“ ist ist kein bisschen weniger zauberhaftt, und wenn ich mal das alte Spiel spiele, mit den Ohren anderer zu hören: Olaf West und Olaf Ost und Olaf, der Interaktionist, werden wohl sehr, sehr angetan sein, Thomas P. und nicht zuletzt Eivind Aarset, der übrigens am 28. September in meiner zweiten Heimat Aachen am frühen Abend im Musikbunker aufspielt. Hier meine damalige kleine Fantasie über „Simian Angel“…
Tous les panneaux de sortie sont allumés. I listened to „Simian Angel“ for the first time at the end of summer 2019, on headphones, at night. A long cable, a chaiselongue in the garden. Heaven seems to be the most lonesome place, at least from the point of view of gardening and Japanese tea ceremonies. Nearly knowbody knows this album.Strange enough, we can still feel in harmony when looking at the sky at night, that time being seduced by Oren Ambarchi‘s album – two long compositions that defy definitions, limits, opening a constant feel of joy and wonder, kling and klang. A touch of kosmische music here and there.
His guitar sounds like a synth, and an organ, most of the time, and when he plays what sounds like a piano (and is again, made with his guitar – a special treatment really), you might feel, for a moment, a „Music For Airports“-vibe – just another illusion, up, up, and away, with the blink of an eye.
Oren’s partner is Brazilian percussionist Cyro Baptista, and when he starts on berimbau at the beginning of vinyl‘s second side, you are in wonderland. Yes, I thought, for another sequence of seconds, of Nana Vasconcelos‘s famous (or not so famous) solo album „Nana Vasconcelos“, the one with violins and violas coming completely out of nowhere, and knowing about Oren‘s passion for a lot of ECM records, I’m quite sure he might have had a similar memory, for a moment.
The music is crossing area after area, you are not able to, surely not keen on marking a spot. All exit signs on! The earth never solid, the percussion drifting in the windmills of your mind. Not all riddles solved, what do you think. I listened to it again tonite. Another word for melting kindly required, all these thin places.

Nachklang 1: Alle Leser, die jetzt leicht beunruhigt sind und fürchten, ich könnte nun einmal mehr eine Patience legen und die Playlist meiner finalen Klanghorizonte am 24. September neu umeinander wirbeln, dürfen erleichtert aufatmen. Es bleibt, wie es ist, sonst müssten ja auch noch die Don Cherry-Ausgrabung „Sunrise“ sowie „Traces In The Sand“ in der Stunde auftauchen. Fraglich nur, ob Dan Lanois sich noch mit einer Story zu einem Stück von Belladonna Nocturne meldet: ansonsten endet die Runde am virtuellen Lagerfeuer mit einem roten Cabrio in Los Angeles und Exstase pur: JUST LOOK! Reading the playlist, Eivind just mailed me: „What a finale!! Belladonna and Bright Red are also among my favorite albums alongside Nerve Net!“
Nachklang 2: „On „Cooked“ Ambarchi layers, edits and recombines performances in a way that recalls Edgar Froese’s spiraling synth rock, Steve Hillage’s cosmic guitar flights, and the studio‑obsessed pop alchemy of Godley & Crème, yet never feels like pastiche.“ (SoundOhm)
Family Affairs: Karen Mantler and Her Cat Arnold

…beide Platten habe ich erst nach über 35 Jahren entdeckt als Teile der „What Box?“: phantastisch.
Irgendwo zwischen Manhattan Transfer und Rickie Lee Jones.
Nächtliche Katzenmusik zum Rumstreunen.
“a way of walking through the smokey leaves of time“
„Musically, the new album occupies the same acoustic landscape as Silver & Gold, Harvest Moon and Prairie Wind – ‘reflective Neil’, basically. Crucially, the Chrome Hearts understand when not to intrude, surrounding Young’s songs with sympathetic accompaniment that favours atmosphere over embellishment. Alongside co-producer Lou Adler, Young opts for warmth and space over the compressed sheen favoured by many of his contemporaries, allowing these songs room to breathe and their emotional nuances to emerge.“
„There is a pleasing symmetry in Young, on his 50th studio album, revisiting on two cases material written at the very start of his career. The frailty of his voice, worn and weathered by age, gives these songs an additional poignancy, a reminder that these reflections come from an artist advancing into his ninth decade. Far from sounding diminished, however, Young has delivered one of his most affecting 21stcentury albums, equally sad and beautiful at the same time. For all the album’s reflections on ageing and loss, Second Song is sustained by what remains.“ (Michael Bonner, Uncut, album of the month of november)Ich freue mich auf das neue Album, das am 17. September erscheint. (m.e.)
The Return of Opal
Two reissues on their way of Eno‘s Another Day On Earth and Brian‘s team-up with Peter Schwalm for „Drawn Fron Life“. It will happen on October 16. „Drawn From Life“ gets a new cover, a really beautiful cover. I did long interviews with Brian and Peter in those old days about these albums that will be available on Cd, Dl, and, for the first time, on vinyl.

Funny enough, before hearing all this, „Just Another Day“ (from „Another Day On Earth“, a fantastic song about better not missing the magic of the here and now, without any preaching undertone) had nearly made it as the closer of my final radio hour on Sep 24 at Deutschlandfunk.
In the end, I preferred „Spinning Away“ (for reasons of sequencing) and then again, I changed my mind one more time – and I am so happy that my long life at the radio will come to an end with a red cabrio strolling through the streets of Los Angeles!
Die peinliche Schwarzweißmalerei von Wim Wenders
„Ich könnte das Gleiche wiederholen, was ich damals gesagt habe. Ich könnte mich noch deutlicher ausdrücken. Was ich damals gesagt habe, ist: Wir Filmemacher sind das Gegenteil von Politikern. Wir haben Empathie. Politik funktioniert ohne Empathie, und das ist alles, was ich gesagt habe. Wir verfolgen einen ganz anderen Ansatz.“ (Wim W.)
Gottogott! Bitte noch etwas mehr Weihrauch! Und. A propos „damals“: mit dem Kontext wird es noch peinlicher. (M.E.)
Das schönste Cover eines Musikmagazins anno 2026

Zum nächsten runden Geburtstag von Steve Reich gibt es wieder werthaltige Editionen. Eine Dreifachvinylausgabe der drei ECM-Platten, und nicht zuletzt eine kleine Sonderedition seiner „Tape Works“. „Drumming“ war mein Erweckungserlebnis, aber als wollte ich das erste Hören und seine Wucht in der Erinnerung konservieren, hörte ich es nicht mehr oft. „Music for 18 Musicians“ drehte einst wie bei so vielen seine tranceinduzierenden Runden, aber fast so oft kehrte ich zu den „tape loop“-Experimenten zurück, und den bewusstseinsverändernden Erlebnissen, die damit einhergingen, speziell zu „It‘s Gonna Rain“, das nun von Electronic Sound zusammen mit „Work Out“ in einer so nie gesehenen farbenfrohen Cd-Edition daherkommt, die dem Cover der Septemberausgabe in nichts nachsteht! „Turn On. Colour In. Drop out.“ (m.e.)
Besenkammermusik
Der einzige Traumrest war ein lindgrünes Stofftaschentuch, aus der Zeit, als solche Dinge noch als vornehm galten. Ich schaute das offensichtlich frisch gewaschene Teil etwas ratlos an, als ein kleiner Papierfetzen sich löste und auf den Boden segelte. In blauer Tinte stand dort nur die Jahreszahl 1967, und erinnerte mich erst in zweiter Linie an die frühe Hochzeit der Kinks („All day and all of the night“), zuallererst fielen mir, seltsam genug, alte Schulhefte ein, und wie brav ich dort immer, in einer Zeit, in der es für Schönschrift noch Noten gab, rechts oder links an den Rand (blütenweiss) den jeweiligen Tag notiert hatte. Also: 7. 2. 1967 – oder 8. 2. 1967.
Die Jahreszahlen schienen unbewegbar zu sein wie geschützte Denkmäler, in den Boden gerammte Pfähle. Die Illusion von Zeitstillständen wurde also auch durch schulische Rituale bekräftigt, nicht nur durch den Luxus der Langeweile der „Babyboomer“, oder das trügerische Gefühl von Ewigkeit, das selbst einem sonnigen Spätsommertag anhaftete. 8. 9. 1967. Es gab in meinem Leben damals, in dem Jahr als die Zeit wieder mal stillstand, neben musikalischen Schlüsselerlebnissen („You Really Got Me“), kriminalistischen Entdeckungen (Sir Arthur Conan Doyle, alle Sherlock Holmes-Geschichten!) auch eine erotisch gefärbte Sehnsucht nach einer längst vergangenen, frühen Kindheit. Denn viele Jahre zuvor hatte mich Nacht für Nacht, in meinen Träumen, eine exotische Frau besucht, der ich einen Namen gab, und die mich, nackt am Rand eines Swimmingpools, massierte.
Sie war eine Slawin, sie war eine Indianerin, sie war eine Zigeunerin, sie war ein Serientraum. Als meine Nase plötzlich lief, schneuzte ich in das Stofftaschentuch, legte mich auf eine violette Chaiselongue (mir war immer noch nicht klar, dass ich weiterhin träumte), und unterhielt mich eine Weile mit Will Sheff. Will erzählte mir von dem Drogentod der Sängerin Judee Sill in einem Wohnwagenpark, vom tristen Leben des Tim Hardin, vom Tod seines geliebten Grossvaters in einem Hospiz, und von dem Requiem, das er für das Ende seiner Band geschrieben hatte.
Ich erzählte ihm von meiner „Farbenfrau“, von einem Himmel schwarzer Vögel, und wie die Kindheit – die seltsamsten Formen annehmend – durch unser Erwachsenendasein geistert. Wir sprachen über die Jahreszahlen der frühen Jahre, in denen die Zeit sich keinen müden Meter mehr zu bewegen schien, und wie wir damals die Angehimmelten in Zeitlupe einatmeten (in endlos gedehnten Blicken).
Seine Stillstandsjahre waren in den Achtzigern aufzufinden, in einem Amerika der herausgeputzten Vorstadthäuser. Will nahm seine Brille vom Gesicht und putzte sie. Ich nahm das grüne Taschentuch und gab ein kräftiges Niessen von mir. Will nannte sein neues Album eine „Todesgeschichte“, und er meinte damit wohl Tod, Verwandlung, Neuaufbruch.
Mein Blick fiel auf eine Tarotkarte aus alter Zeit, und ich sah Don Draper aus einem hochgelegenen Stockwerk stürzen. Irgendwas stimmte an dieser Begegnung nicht. Ich hörte das gleichsam indische Sirren der Gitarren auf „See My Friends“ (ein Foto von Ray Davies stand auf dem Schreibtisch). Auf dem Tisch lag auch das Album von Wills neuer Platte. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an dem Cover, das all die Sphären seiner sepiagrauen Gesänge mit kaleidoskopisch wirbelnden Kindheitsfarben mischte.
Man hört der Platte von Okkervil River nicht gerade an, dass sie in New York entstanden ist. Der Song „Days Spent Floating (In The Halfbetween)“ ist ein Finale besonderer Art, zusammengereimt aus lauter ersten Sätzen des morgendlichen Erwachens. Selten, dass ich auf einer Liederplatte nur Lieblingslieder habe. „Away“ ist ganz grosses Kino alter Schule. Orchestrale Besenkammermusik mit Ausblick!
(Dieser Text erschien vor genau zehn Jahren auf Manafonistas. „Away“ von Okkervil River ist ein Album, das nicht als „buried treasure“ enden sollte.)
My summer books
Niviaq Korneliussen: DAS TAL DER BLUMEN
Das Buch wurde zurecht mit dem nordischen Literaturpreis ausgezeichnet.
Warum zurecht? Es schildert die harten, crazy Lebensbedingungen auf Grönland.Selbstmordschilderungen werden so normal beschrieben, weil sie so normal auf Grönland sind. Die Schriftstellerin hat einen Weg gefunden, über ihre Heimat brutal zu schreiben, gleichzeitig, gelingt es ihr das Zarte, das Schöne, das sexuell Erfüllende, das Trostvolle in die literarische Waagschale zu legen.
Jon Fosse: VAIM
Auch dieses Buch hat den nordischen Literaturpreis bekommen. 2023 erhielt Fosse auch den Nobelpreis für Literatur.
Vaim ist ein Ort in Norwegen. Dort passiert alles, aber nicht viel. Fosse erzählt ohne Punkt durchgängig mit vielen Wiederholungen à la Thomas Bernhard. Das erzeugt von der Form her Spannung. Fosse schreibt meisterlich, ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen.

Malachy Tallack: DER OZEAN SO WILD UND WEIT
Die Geschichte spielt auf den Shetland Inseln im Nordatlantik. Das Buch hat mich total fasziniert, weil es eigentlich eine Abhandlung über Countrymusic ist. Immer wieder habe ich das Buch beiseitegelegt und mir den erwähnten Song aus YouTube angehört. Und es gibt viele Songs, viele Neuentdeckungen für mich. Der Schriftsteller ist auch Songwriter. Er hat jedem Kapitel einen handschriftlichen Text beigefügt. „That beautiful Atlantic Walz“ kann man auf YouTube anhören.
Florian Illies: TRÄUME AUS FEUER
Mir hat das Buch ausgezeichnet gefallen. Illies ist immer unterhaltsam und geistreich.
Er hat sich mit Johannes Kunkel beschäftigt, einem Alchimisten im 17. Jhdt., Freund von seinem Gönner, dem Kurfürst aus Neubrandenburg.Für die aussergewöhnlich kunstvoll angefertigten Gläser, die er dem Kurfürsten und seiner Frau zu den Geburtstagen schenkt, übergibt ihm der Kurfürst als Anerkennung und zum Dank die Pfaueninsel. Nach seinemTod hageln die Intrigen des Hofes auf Kunkel nieder, Kunkel verliert alles.
Lajla Nizinski
„May it live up to my imagination!“
ein kleines neues flowflowmusikrätsel, bei dem es nichts zu gewinnen gibt ausser, bei einigen stammlesern dieses blogs, ein quantum vorfreude.

Wenn mir jemand von diesem Archivfund erzählt hätte, hätte ich mit Verwunderung und leichten Zweifeln reagiert. Ein spannendes weiteres Kapitel aus der Reihe imaginärer Alben? Aber am 6. November ist es soweit. Wenn ich es schon so spannend mache: ich werde es besprechen, und die Nikolauslisten könnten etwas anders aussehen. Die Erstveröffentlichung eines Konzerts aus dem Jahre 1977. Freunde dieser Musik müssen sich nur das Cover ansehen, um der Sache auf die Spur zu kommen. Morgen erinnere ich an ein Album, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen erlebt und nie den „Klassikerstatus“ erreicht hat, den es in meinen Ohren verdient hat. Es hat ein nicht minder betörendes Cover – und transportiert meine damalige, stark autobiographisch gefärbte Vorstellung in den Spätsommer 2026. In jenem September 2016 stellte Jan Reetze „Goodbye To Language“ von Daniel Lanois vor.Short Story


