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  • Deep listening with Robert, John und Terje

    I use my analytical faculties retrospectively. In fact, when I’m actually working, I’m just another animal. I work instinctively, and emotionally, I think, like any animal you see, when you watch an animal looking for food or a cow looking for a nice piece of grass. I’m not, at heart, an intellectual musician in the sense that I don’t start with a theory or a concept or an idea. I work simply from finding what makes sense to me. I think it’s very hard to put into words, but I think that the art that lives for me without dying, like, for example, the paintings of Chagall or the music of Charlie Parker, has an organic quality. It seems to be like some kind of living thing. Coltrane has it. I look to see if something feels like it’s alive, and if something’s alive, it has a form and a pulse and a heart somewhere. I work until I have a kind of, some kind of complete organic entity.

    Im September wäre John Coltrane (geb. 23.9.1926) 100 Jahre geworden. Grund genug, auch im Deutschlandfunk an ihn zu erinnern. Fast wäre sein Name auch in meinen Klanghorizonten am 24. September kurz aufgetaucht, aber ich habe mich für zwei andere Passagen aus meinen alten Interviews mit Robert Wyatt entschieden. Aber was sind unsere ganz persönlichen Lieblingsalben von John Coltrane?

    “Nächte mit John und Terje“ (1975)

    Ich muss nicht lange überlegen. Obwohl eine reine Monoaufnahme , und nicht unbedingt eine audiophile, wird John Coltranes Doppel- bzw. Dreifach-Vinyl-Album „Concert in Japan“ für immer mein intensivstes Hörerlebnis bleiben, gefolgt in fast einem Atemzug von „Crescent“ sowie „A Love Supreme“. Und: „My Favourite Things“, „Interstellar Space“, „Live At The Village Vanguard Again“, „Kulu Se Mama“ sowie „Ballads“! Aber nun zu den zwei Sendungen aus dem Deutschlandfunk im September 2026.

    Am 17.9. um 21.05 Uhr: Vater des „Spiritual Jazz“? John Coltranes Einfluss auf einen großen Jazz-Trend Von Odilo Clausnitzer

    Am 18.9. ebenfalls um 21.05 Uhr: Passionen und Emotionen. Wie John Coltrane den Jazz veränderte. Am Mikrofon: Karl Lippegaus

  • „time of farewells“ – revelations of september (update)

    „The passage of time
    Is flicking dimly up on the screen
    I can’t see the lines
    I used to think i could read between
    Perhaps my brains have turned to sand“

    (From Another Green World)

    the sad news at the beginning: brian whistler will leave us after so many years, he will be missed, honestly. thank you for everything. my fave story was the one including a missed opportunity and the vibes of steve winwood. the albums of next month are by enzo favata, named „ritornare“ (brian will love it, i bet!), and, no surprise, „punching the clown“ by lambchop. The archival discovery is a double cd, the re-appearance of two albums of mr. „infinite guitar“ alias michael brook. the book of september is „kala“ by colin walsh, a deeply poetic crime novel, the film a documentary, worth re-watching and centered around ryuichi sakamoto, „coda“. And, no doubt, andy beta’s conversation with steve tibbetts is worth staying just a little bit longer. i have to think, too, about a very good tv-series. but there it came (days after my first round-up) out of nowhere, on arte: „familiengeheimnisse“ (original spanish title: „pubertad“). in regards to the radio column nothing new under the sun, except this: in my last radio show ever there will be a quite intense story told by laurie anderson for a radio portrait i did way back in 1994 – thanks to the people in the archive it didn‘t get lost. robert wyatt can be heard, too, in that „blue hour“ – he always was in „talking mood“ whenever we met in london between 1991 and 2003. and finally you can hear brian eno speaking on an iphone from a faraway place – what a fine closer!

    postscriptum:

    jan bang‘s text on nils petter molvaer‘s be quiet can be found HERE!

  • Rick Hollands kleines Manifest

    Das hat so etwas von einem Ritual – manchmal ist es schwer, die dafür notwendigen Voraussetzungen zu wahren und bereit zu sein. Man könnte sagen, genau darin besteht die Arbeit: so bereit wie möglich zu sein. Als ich gestern darüber nachdachte, habe ich ein Manifest geschrieben. So vieles im Leben untergräbt diese Voraussetzungen für die Bereitschaft; im Moment gibt es Trauer, Verantwortung und Konstrukte von Sicherheit, Angst, Anspannung und Alarm, während die Welt am Rande alter Paradigmen knirscht und in neue übergeht und dabei ihre furchterregenden Zähne entblößt. (R.H.)


    In Making Work

    I won’t be distracted by the relationships around the work

    There is nothing that lives on after the work that needs tending 

    The behaviour is the work 

    Explaining is not part of the work or necessary for showing it

    Work could also be called behaviour, composition, way of seeing

    Materials do not need separating, colours, sounds, the matter is not the main event, even while it does form and then reform, with us in it

    It follows that spirit or intelligent awareness exists to be joined

  • Sanfte Verstörungen im archaischen Raum – das neue Album von Lambchop (3/3)

    Jedes Lambchop-Album vor und nach FLOTUS war ein eigensinniges Werk, das weder Moden noch Strömungen folgte. Viele beklagen sich, dass er seit FLOTUS immer wieder mit seinem „Kumpel Auto-Tune“ ins Studio ging, der eigenen Stimme elektronische Verwandlungen zukommen liess, als würde dadurch die Musik zwangsläufig weniger „authentisch“. Unsinn. Wie brachte es Kurt vor Jahren auf den Punkt, als ich ihn zu FLOTUS interviewte:

    „With the help of technology I’ve been freed up to realize a song idea in a fuller more complete and complex way. But that said it still needs the human touch to be a Lambchop record or performance. It is that intimacy that Lambchop has with the listener that is one of the cool things about FLOTUS. I feel it’s still there in the sound and the songs.“

    Die Werke wurden seitdem vielleicht noch erratischer, noch radikaler, und es ist schon ein besonderes Kunststück, dass jetzt, „auto-tune“-befreit, das Unheimliche noch mehr Raum gewinnt, als wäre dieses Werk eine Sammlung amerikanischer Gespenstergeschichten. „Punching The Clown“ hat enorme Tiefe, schwarzen Humor, ist so noir wie noir nur sein kann, und doch hält es, ich wiederhole mich gerne, ein verdammtes Quantum Trost bereit. Nun hier der dritte und letzte Teil von Sams Ausführungen. (m.e.)

    „Was hat zum Beispiel „White ‚People‘“ mit Allen Toussaints „Night People“ zu tun, mit dem es eine augenzwinkernde textliche Ähnlichkeit aufweist? Man könnte es als Parodie auffassen, doch dann verleiht Wagner dem Song den kraftvollsten, verzweifeltsten Gesang des Albums und brüllt die Worte, als wolle er die Nachbarn vor einem herannahenden Sturm warnen. Er ist lustig, bis er es nicht mehr ist – wenn auf einen Witz à la „Wir sind so pleite, dass wir nicht einmal mehr aufpassen können“ ein aufrichtig besorgtes „Mein Gott …“ folgt – und selbst dann ist es irgendwie lustig.

    White People

    Da der Film als Inspirationsquelle genannt wurde, habe ich mir den Film „Punching the Clown“ aus dem Jahr 2009 angesehen, in dessen Mittelpunkt die Höhen und Tiefen eines Komikers und Musikers stehen, der seinen Weg nach Los Angeles sucht. Angesichts der Darstellung der ständigen Demütigungen in der Unterhaltungsindustrie – eine Art „Inside Llewyn Davis“ für die Indie-Szene der 2000er Jahre – stellte ich mir den Titel als Metapher für die Beziehung zwischen aufstrebenden Künstlern und ihrem launischen Publikum vor. Als der Ausdruck im Drehbuch auftaucht, stellt sich heraus, dass es sich um einen Euphemismus für Masturbation handelt. Wer hätte das gedacht. Und doch scheinen beide Interpretationen in der Welt von Lambchop ihre Berechtigung zu haben.

    Zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere haben sie bereits viel Lob von Kritikern erhalten – „Nixon“ wurde im Jahr 2000 von Uncut zum Album des Jahres gekürt, noch vor „Kid A“ – und große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es ist schwer vorstellbar, dass es heute Indie-Songwriter mit Country-Einflüssen gäbe, die nicht von ihnen geprägt wären, insbesondere solche wie MJ Lenderman und Dan Wriggins von Friendship, die in ein und demselben Verspaar ernsthaft und absurd, kosmisch und zurückgezogen, todernst und urkomisch dumm klingen können. Und im Gegensatz zu vielen Songwritern seiner eigenen Generation bewahrt Wagner in seiner Kunst nach wie vor ein Gefühl der Unvorhersehbarkeit, die Herausforderung, mit jedem neuen Song neue Ebenen zu entdecken und niemals altbekanntes Terrain zu wiederholen – was auch bedeutet, sein eigenes Vermächtnis niemals zu ernst zu nehmen.

    Auch wenn „Punching the Clown“ das geheimnisvollste und beunruhigendste Album in der Diskografie von Lambchop ist, liegt doch ein Triumph darin, dass es zugleich ihr emotional direktestes ist.  Trotz all seiner Abschweifungen und Irreführungen, auffälligen Unterbrechungen und tränenreichen letzten Worte klingt es so, als käme Wagner endlich zum Kern der Sache.“

  • 12 Unterhaltungen

    Ich muss keine Pressetexte lesen, keine alten Geschichten über frühere Zusammenarbeiten, um über ein Album zu schreiben, dass sich dermassen reichhaltig in der Stille und ihrer unmittelbaren Nachbarschaft rumtreibt, wo bei aller Leisestärke verdammt viel los ist: denn entfesselt kommen diese intimen Dialoge zwischen Ryuichi Sakamoto und Alva Noto alias Carsten Nicolai allemal daher – mit jeder Unterhaltung wird ein dezent anderer Raum erkundet: es beginnt alles mit einem Stück, in dem der Diskurs von Wohlklang und Dissonanz von vornherein den Verdacht ausräumt, hier würden diverse Erhabenheiten ausgetauscht, und sonstig geheiligter Wohlklang, gefährlich nah am Kitsch. „12 Conversations“ (Vinyl, Cd, Dl) ist eines dieser Alben voller Piano, Elektronik und raffiniert geflochtener Samples, das alles dafür tut, auch beim Rezensenten dieser Zeilen abgegriffene Superlative hervorzulocken. Da halte ich mich besser zurück, und staune vorzugsweise insgeheim und bei gedämpftem Licht über ein Werk, das mich in seine ureigene Wildnis lockt, und, zum Ende hin, in den letzten zwei Konversationen, nicht unbedingt zu erwarten auf einem Album, in dessen Entstehung Todesnähe mitschwang, mit traumverlorener Lebensfreude überrascht. (VÖ: 18.9.)

  • The days and nights of „Laughing Stock“

    „a portrait of an album by Talk Talk“

    Mein Musikbuch des Jahres 2026 steht schon jetzt ausser Frage, es ist schlicht exzellent: Graeme Thomsons „In Another World – The Four Seasons of Talk Talk“.

    Das Album „Laughing Stock“ ist der Herbst von Talk Talk. From the flowflow diary, years ago:

    „The guy from „Zen Sounds“ is strolling through Mark Hollis‘ life, and time‘s rush (and the coffee I am drinking some miles before Bremen) is now filled with sugar and sadness. By chance, I made one of the two last interviews he ever did, in 1998, in Hamburg, before the release of „Mark Hollis“. And I was meeting him before In 1991 or 1990.

    In that week when the huge cover of Talk Talk‘s „Laughing Stock“ circled on the roof of Polydor Records‘ skyscraper, I sat in his little appartment near „Angel Station“, with Markus Müller (who is now the CEO of the Monschau Jazz Festival, remember his FMP book, or the ECM exhibition in München…), and we listened to his stories, for example about Mark’s neverending love for that first Duke Ellington piece of his only album with John Coltrane… „listen, these first moments of Elvin Jones there“, and whenever I come across the name of that Underground station, it hurts. „Angel Station“.

    When meeting him again in the big Hamburg hotel, there was (really strange, and unexpected) this joy, unfiltered, similar to seeing an old friend again, a big smile on his side, on my side then, too. In those two hours, while drinking tea, there was a very kind, heartfelt connection. If I now think back to that scene, after all those years, it brings a tear to my eyes. I’m NOT „romanticizing“ this. All these special moments in life, you don’t return to them necessarily in your last moments, on the deathbed, you can bring them up – en passant, and they can serve. Everything wounded will flow.“

  • Sanfte Verstörungen im archaischen Raum – das neue Album von Lambchop (2/3)

    „Ein Teil ihres Erfolgs liegt darin, dass sich Lambchop einmal mehr neu erfunden haben. Einerseits kann man es als Rückkehr zu ihren Wurzeln bezeichnen: Sie greifen wieder auf Folk-Instrumente zurück, und nach mehreren Alben mit elektronischen Experimenten verdecken keine Effekte mehr Wagners Gesang. Dennoch haben sie genauso noch nie geklungen. In Zusammenarbeit mit Produzent Ryan Olson in Justin Vernons April-Base-Studio in Wisconsin wird Wagner auf jedem Titel von Co-Autor Andrew Broder an der Akustikgitarre und von Vernon am Banjo begleitet.

    Die Percussion ist spärlich, unkonventionell und flüchtig: Kastagnetten in „Weakened“; etwas, das wie zerbrechendes Glas klingt, um „The New World Wave“ zu untermalen. Besonders hervorzuheben ist, dass Wagner gemeinsam mit dem London Choir und dem Eau Claires Vocal Sextet singt, die mit ihren mehrstimmigen Harmonien diesen Songs den Charakter von Country-Gospel-Hymnen verleihen – selbst wenn die Texte Wörter wie „Dumbotron“ und Ausrufe wie „What the fuck?“ enthalten.

    Dieser Effekt ist im Gesamtwerk von Lambchop deutlich zu spüren: intim, geheimnisvoll, wunderschön. Der Titelsong baut sich um ein herbstliches Gitarrenriff herum auf und schwillt an, während „Afterburner“ mit einem trillernden Solo, das an eine Gondelfahrt erinnert, leise herein schleicht.

    Afterburner“

    Gelegentlich durchbrechen Lambchop den Zauber: Ein DJ-Drop mit der Ansage „LAMBCHOP, NEW SHIT“ im Eröffnungsstück „Just West of Nicolett“ markiert den jüngsten in einer Reihe von aufmerksamkeitsstarken Einleitungen, und ein seltener Echoeffekt in „Cigar“ versetzt dessen Schlussmomente in Dub-Gefilde. Doch größtenteils lässt „Punching the Clown“ vermuten, dass Wagner die letzten Jahre damit verbracht hat, nach dem richtigen Rahmen für diese Songs zu suchen, um ihn schließlich in ihrer einfachsten, intuitivsten Form zu entdecken.

    Cigar

    „To Do“, ein herzlicher Country-Song, der zugleich eine Klage über die Dinge ist, die man noch erledigen möchte, bevor man stirbt, kommt mit der düsteren Strenge eines Johnny Cash aus der Rick-Rubin-Ära daher: „Bevor ich in den Himmel komme“, sagt Wagner uns, „muss ich die Pflanzen gießen.“

    „To Do“

    Dieser Text ist repräsentativ für seinen Ton – eindringlich und bittersüß, heimgewandt und doch den Sternen zugewandt – und Wagner erzählt oft in einer Art Trübsal. Die Stimmen sind fieberhaft, flehend, suchend, alles vorgetragen in seinen charakteristischen Trillern und Klagelauten, Krächzern und Gemurmel. Auf Lambchops letztem Album, „The Bible“ aus dem Jahr 2022, beschrieb Wagner die emotionale Belastung, die die Pflege seines kranken, betagten Vaters mit sich brachte: „Es sollte mit der Zeit leichter werden“, rief er aus, wohl wissend, dass genau das Gegenteil der Fall war.

    WEAKENED

    Nun haben seine Darstellungen von Tod und Verfall kein Gegengewicht mehr. Das wunderschöne „Weakened“ konzentriert sich ganz auf einen Kranken, der im Bett eingewickelt liegt, „wie ein Buddha in einer Decke“, und schließt seinen ersten Refrain mit dem Chor ein, der singt: „I’m a-ready.“

    Jede dieser Botschaften – vom Leben, das in „The New World Wave“ vor den Augen vorbeizieht, bis hin zur politischen Fuge „America on mute“ in „Afterburner“ – scheint darauf ausgelegt zu sein, ebenso viele Fragen aufzuwerfen, wie sie beantwortet. Und wie jedes der großartigen Alben von Lambchop kann es einen auf eine Reise in die Tiefen des Unbekannten entführen.“ (Sam Sodomsky)

    Ich habe schon mal erwähnt, dass ich seit „How I Quit Smoking“ so gut wie jedes Lambchop-Album nachts im Radio vorgestellt habe. Was Kurt Wagner und seine Gefährten über die Jahrzehnte angestellt haben, hat mich beinahe durchweg fasziniert. Liest man Sams Besprechung, könnte man be dem neuen Album, leicht, und völlig zurecht, auch an Samuel Beckett oder an Richard Brautigan denken. Das Fantastische im Alltäglichen aufzuspüren, ohne das Leben fälschlich zu romantisieren, den Sinn für das Staunen und die Fähigkeit zur Anteilnahme selbst in einer vor die Hunde gehenden Welt nicht zu verlieren, ist auch so eine Qualität von Kurt und Co. Auf ganz eigene Art ist „Punching The Clown“ ein Werk der Ermutigung und hält Trost selbst im schwärzesten Schwarz bereit. (m.e.)

    DON‘T MISS THE BRANDNEW „SHORT FILM“ „Joke Country“ (see comment 3), directed by Kurt himself!

  • Demnächst: Peter Thomas!

    Es gibt ein neues Buch von mir anzukündigen, auch wenn es noch ein bisschen dauert:

    PETER THOMAS
    Auf den Spuren des Sound-Astronauten

    Jeder kennt sie – die Klänge von Peter Thomas (1925–2020). Kaum ein Komponist hat die Soundtracks der sechziger und siebziger Jahre in Deutschland so geprägt wie er. Rund 500 Film- und Fernsehmusiken stammen aus seiner Feder. Für die Krimi-Straßenfeger jener Jahre, für „Jerry Cotton“, „Edgar Wallace“, „Winnetou“ oder „Melissa“, ebenso wie für „Derrick“, „Der Kommissar“. Die Sci-Fi-Serie „Raumpatrouille“ wäre ohne seine Musik wohl nicht zum Kult avanciert. Nicht selten übertraf seine Musik die Produktionen selbst, und längst haben Acts wie Pulp, Pizzicato Five, Röyksopp, Die Fantastischen Vier oder DJ Spinna seine futuristischen Sounds als Sample-Quelle entdeckt.

    Peter Thomas schrieb den Soundtrack der Wirtschaftswunderjahre: Songs für Esther & Abi Ofarim, Juliette Gréco, Donna Summer, Schlager, Kabarettstücke, Bühnen- und Hörspielmusiken, Musicals.

    Jan Reetze beleuchtet bekannte und weniger bekannte Seiten des Filmkomponisten und entfaltet eine außergewöhnliche Karriere. Sein Buch ist eine Zeitreise durch die Welt der Kino- und Fernsehmusik, zugleich zeichnet es ein Panorama der deutschen Nachkriegs-Kabarettszene, der Anfänge der Krautrock-Ära und der Rolle der Musik in Film, Funk und Fernsehen.

    Hardcover, ca. 240 Seiten
    Verlag Andreas Reiffer, Meine 2027
    ISBN 978-3-910335-62-2

    Erscheint am 8. März 2027
    Vorbestellbar ab sofort hier

  • Sanfte Verstörungen im archaischen Raum – das neue Album von Lambchop (1/3)

    “Niemand erzählt Geschichten so wie Kurt Wagner – aber wer würde das auch versuchen? In „The New World Wave“, einem Knaller aus Lambchops neuem Album „Punching the Clown“, spinnt der 66-jährige Songwriter eine generationsübergreifende Geschichte, in der es um das Überleben der Weltwirtschaftskrise, den geduldigen Aufbau einer selbst gewählten Familie und darum geht, wie unbeachtete Träume zu verkaufbaren Vermögenswerten zerfallen können.

    Das ist schweres Zeug, aber man beachte, wie er das hinbekommt: Für ein oder zwei Zeilen bleibt er bei einer klebrigen Metapher über Hot Dogs hängen; er rührt die Herzen mit einem Wortspiel rund um das Wort „apparent“, das man leicht übersieht; kurz darauf durchbricht er die vierte Wand („Wow, jetzt ist die Stimmung plötzlich gedrückt“) und zerstört damit sofort die Stimmung; während er sich gemeinsam mit einem Chor dem Höhepunkt nähert, murmelt er das Wort „goddammit“ so überzeugend, dass man meinen könnte, er hätte vergessen, dass das Band läuft. Und wer genau ist Easy Buckets, die Figur im Mittelpunkt des Geschehens? Nun, vielleicht hätte man einfach dabei sein müssen.

    Selbst wenn es so aussieht, als würde er vor sich hin schwafeln, hat Wagner – wie nur wenige aktive Songwriter – es zur Kunst erhoben, seiner Muse zu folgen. Nach vierzig Jahren an der Spitze von Lambchop liegt die Vermutung nahe, dass sich der Sound ihrer Alben immer wieder wandeln wird: Sind sie die lebhafteste Alt-Country-Band, die gefühlvollste Slowcore-Gruppe oder ein psychedelischer Lounge-Act? Ein Kammer-Folk-Kollektiv mit Bläsersektion? Oder ein Laptop-Pop-Projekt mit einem Typen, der durch Auto-Tune vor sich hin murmelt? 

    Ja, all das trifft zu. Doch während sich ihr Sound weiterentwickelt und erweitert hat, sind Wagners Texte nach wie vor vielseitig und unbezähmbar geblieben – zitierwürdig und tiefgründig, aber stolz unsentimental. „The New World Wave“ erzählt vielleicht keine geradlinige Geschichte, aber ich will verdammt sein, wenn es einen nicht an jedem Wort hängen lässt.“

    Soweit der Auftakt der XXL-Besprechung von Sam Sodomsky in „Pitchfork“. Sehr, sehr lesenswert! Einmal mehr ein wunderbares Album einer Band, eines Ein-Mann-Und-Seine-Freunde-Projekts, das nur eines auszeichnet: die Unberechenbarkeit von Werk zu Werk. Ich warte allerdings noch auf meinen Aha-Effekt, was das Cover angeht. (m.e.)