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monthly revelations (december)
Alice Fischer hat einen feinen Text über Christian Petzolds Film „Miroirs, No. 3“ geschrieben, und Rainer Tittelbach hat sich, wie ich, beeindruckt gezeigt von dem Fernsehfilm „Polizei“ (ARD) . „Binge“ muss eigentlich „Television“ heissen, das kriegen wir auch noch hin. Ich habe ein paar Zeilen geschrieben über das so faszinerende wie feinsinnige Album „Daylight Daylight“ von Steve Gunn, und feile noch an meiner derzeitigen „12 best of-Garbarek“-Liste, weil mich die Neuauflag von „Madar“ (aus der ECM Vinylserie „Luminessence“) rundum begeistert, und derzeit meinen Dreher blockiert, bis ich dann, etwa ab Nikolaus, alle ECMs von Steve Tibbetts der Reihe nachhören werde – für mein Deutschlandfunkportait am 22. Januar. So bleibt die letzte lange Klanghorizonte Nacht des Deutschlandfunks vom Herbst 2021 noch einen weiteren Monat zu hören (alle fünf Stunden), und auch das Interview mit Annette Peacock bleibt bis Ende Dezember im launigen „screenhot puzzle“ erhalten.

Jan Reetze hat die erste deutsche Biografie des Produzenten Joe Meek geschrieben, eine spannende Zeitreise in die Sechziger Jahre – ein paar Gedanken dazu finden sich Anfang Dezember in unserer Prosa-Abteilung. Habe ich was vergessen? Ich glaube nicht. Wenn sie kein überraschendes Comeback hinlegen, verlassen Brian Whistler und Henning Bolte die Liste schreibender Autoren, während Bernhard Scherber dazugestossen ist. As time passes by.
P.S. Aus meiner Nikolausliste habe ich bereits die Nummern 1, 2, 8 & 13 verraten, hier kommt Nr. 19 meiner „best albums of 2025“: „Mukatu Astatke plays Mukatu Astatatke“! Stichwort: the endless magic of that series „Ethiopiques“! Und hier, auch zur Freude von Olaf W., auf dessen Liste ich Makayas Doppel-LP „Off The Record“ weit oben erwarte, eine kleine Zugabe als Ersatz für einen chinesischen Glückskeks: Makaya McCravens „Bonmot“ zum Leben und zur Improvisation, aus einem längeren neuen Interview in TheQuietus:
„Improvisation is messy. Life is complicated. Life is going to give us surprises, twists and turns. You can’t predict everything. The unexpected is around the corner, and we are improvising through the unknown, barrelling through the universe at all times… and you sharpen your skills to live the best and most productive and happiest life that you can for you and those around you. To me, that is improvising. I mean in a really literal sense that we are improvising all moments, at all times.”
„Everybody loves Mavis, don‘t they?“
An diese Stelle möchte ich mich bedanken, dass mir Richard Williams erlaubt, was auch immer, aus seinem Blog „The Blue Moment“ zu übersetzen. Ich kenne seine Texte über Musik seit den goldenen Jahren des „Melody Maker“ in den „wilden Siebzigern“. Auch seine Konzerterichte sind wunderbar zu lesen. Einmal, vor kurzer Zeit, war er auf einem Doppelkonzert von Patty Smith und Al Stewart. Zwei Überlebende aus der Zeit von „Horses“ und „Year Of The Cat“. Ich hätte nach London fliegen sollen! Hier eine Passage aus seinem aktuellen Text, einmal mehr „two survivors“: Boz Scaggs und Mavis Staples. (m.e.)
Nach Alben mit Ry Cooder, Jeff Tweedy und Ben Harper als Produzenten ist nun Brad Cook an der Reihe, der unter anderem für Bon Iver und Nathaniel Rateliff and the Night Sweats verantwortlich zeichnet, Mavis Staples’ neues Album zu produzieren. Er enttäuscht sie nicht.
Die Songauswahl auf Sad and Beautiful World ist durchdacht und einfühlsam, angefangen mit dem bewussten Boogie-Shuffle von Tom Waits und Kathleen Brennans „Chicago“ über Gillian Welch und David Rawlings‘ „Hard Times“, Curtis Mayfields „We Got to Have Peace“ und Leonard Cohens „Anthem“ bis hin zu Eddie Hintons „Everybody Needs Love“ und einigen mir weniger bekannten Stücken. Am auffälligsten ist dabei „Godspeed“ von Frank Ocean und James Ho, das in einem dichten Instrumentalgeflecht alle besten Elemente der Americana zu einem perfekten Arrangement vereint.
Die vielen hervorragenden Musiker, die an den 10 Titeln mitgewirkt haben, geben sich nicht mit Effekthascherei ab, aber ich liebe Derek Trucks‘ wunderschöne Slide-Gitarre, die „Hard Times“ verziert, und die glitzernde Pedal Steel von Colin Croom in „A Satisfied Mind“, dem wunderschönen Country-Song von Red Hayes und Jack Rhodes, dessen zahlreiche Coverversionen bis ins Jahr 1954 und zu Mahalia Jackson zurückreichen – vielleicht das Vorbild, das Mavis im Sinn hatte. Und zum Abschluss gibt es in „Everybody Needs Love“ einen Hintergrundchor, bestehend aus Bonnie Raitt, Patterson Hood, Kate Crutchfield und Nathaniel Rateliff.
Soweit Richards fröhliches „name dropping“! Von einem „meiner“ mit Jazz- und andern Sendungen belieferten Sendungen (once upon a time) wurde ich (wie alle paar Jahre) nach drei Alben befragt, die ich für musikalisch extellent, durchaus zugänglich und im freiesten Sinne „weihnachtlich“ halte, „ohne dass sie explizit weihnachtlich sind“, und da fiel mir die Wahl leicht: Mavis Staples: Sad And Beautiful World, Brian Eno & Beatie Wolfe: Luminal sowie Steve Gunn: Daylight Daylight!
Glücksmomente mit Musik – Shortcuts
Er fuhr den hellbeigen VW Bully auf den nächtlich dunklen Parkplatz vom A & W Restaurant an der Autobahn nach Ramstein. Er lehnte an der weit geöffneten Vordertür und hielt sie zart umschlungen. Aus dem Speaker im Inneren des Fahrzeugs hörten sie zusammen Stary, Stary night.
Sie saß auf einem Felsvorsprung am Hafen von Vancouver und wartete auf die Fähre nach Victoria Island. Unten an der Pier stand die junge Frau in einem übergrossen schwarzen Wollpullover. Ihre Gitarre stützte sie mit dem Knie. Sie sang Both Sides Now, better than Joni. Tränenglück bei der Betrachterin.
Sie schlichen sich auf Zehenspitzen ins Kinderzimmer. Sie wussten, dass ihr Vater sie durch das Schlüsselloch beobachten würde. Im halbdunklen Raum saßen sie sich gegenüber und versuchten sich an ersten Küssen. Dazu lief immer wieder auf dem kleinen Plattenteller : Nights in White satins.
Wir schliefen gerne in den Dünen von Sylt, geschützt in den Mulden, umgeben von Schafen . Der starke Wind lärmte, wir sangen dagegen an: Sad eyed Lady of the lowlands und kurz vorm Einschlafen brüllten wir: I want you, I want you, I want you so bad, honey I want you.
Er stand in seinen weißen Provoklamotten auf der Ufermauer der Seine und blickte hinüber zur Nôtre Dame. Sein Gepäck hatte er im Chat Noir abgestellt. Plötzlich schrie the Pretty Thing aus Amsterdam: we build House und anschließend leiser: You might be the loniest person in the world.
Sie hatten sich in Nizza am Flughafen bitter gestritten.In Antibes trennten sie sich für immer. Sie lief weinend hinüber nach Juan les Pins, um sich frei zu schwimmen. Sie ging zu den Boulespielern und sah ihnen traurig zu..Auf einmal schlich sich ein Trostlied in ihr Gehirn.Sie summte leise mit: The sun is surely sinking down…so close your eyes… I can sing this song, and you can sing this song, when I’m gone..
Wie klein wir uns fühlten, als wir 1978 auf der Seite von Bob Dylan wähnten, als er hinüber deutete auf die Stelle, wo Hitler einst gesprochen hatte Ich weiss nicht mehr, ob er Masters of war sang, ich weiß aber ganz genau, wie er zusammen mit Clapton Layla sang und ich übermütig mitgrölte und in den Armen eines GI landete.Ich schrie: my Name ist Layla.Er fing an zu weinen und sagte: I wish I would know the name of the man, who my kids now call Daddy.
Sie warteten auf den Zug von Messina nach Palermo.Weil wieder einmal Bahnstreik war, ging sie zur Post, um nachzusehen, ob ihre Mutter ihnen 200 DM geschickt hätte. Als sie mit einer Tüte voller frittellas zurück kam, schrien sie die anderen an: wo warst du, gerade ist der Zug nach Palermo abgefahren. Nur einer stand ruhig am Gleis und sang mit seiner schõnen Stimme: good morning little schoolgirl, can I come home with you?
Das Pärchen in der Drogentherapie nervte alle. Jeden Tag schliefen sie zusammen. Es war aber nicht das Gestöhne das nervte, sondern der Song Black Jack Davy sing it to the green green tree, den die beiden jedesmal danach laufen ließen.
Als Studentin ging sie manchmal in den Knast, um mit Gefangenen zu sprechen Einmal flüsterte ein Kleinkrimineller:“ siehst du den gegelten Typ in den dem rotkarierten Wollhemd, das ist ein Kindesmörder. Er hat das Bett neben mir, ich kann nicht schlafen, ich habe Angst vor ihm.“ Sie schaute hinüber, der Mann lächelte sie an. Ihre Augen suchten reflexartig den Wärter. Dieser nickte ihr freundlich zu. Ach wäre sie stark wie Joan Baez, sie würde mit ihrer Schwester Viva mi patria Bolivia singen.
Lajla Nizinski
Chatham Baroque

Chatham Baroque:
A Trio Virtuosic
Chamber Music in Seventeenth- and Eighteenth-CenturyAndrew Fouts, violin
Patricia Halverson, viola da gamba
Scott Pauley, archlute and theorboNovember 23, 2025
Levy Hall, Rodef Shalom, Pittsburgh PAChatham Baroque from Pittsburgh has been playing together in various formations for more than 15 years. Once a year, the ensemble performs as a trio. In this annual concert they presented music by composers from Germany, Austria and Czech-Austria:
- Johann Sebastian Bach: Sonata in G Major BWV 1021
- Dietrich Buxtehude: Trio Sonata in A Minor Op. 1 No. 3, BuxWV 254
- Carl Friedrich Abel: Sonata No. 7 in Bb Major
- Johann Heinrich Schmelzer: Sonata Quarta in D Major
- Philip Heinrich Erlebach: Sonata I in D Major
- Heinrich Ignaz Biber: Sonata III in F Major
- Georg Friedrich Händel: Trio Sonata in G Minor Op. 1 No. 6
Well-known names, except Abel and Erlebach, who I never heard of before. But they were notable discoveries. Bach or Händel go without saying, but it is always astonishing what even „second-tier“ Baroque composers were capable of. It is all the more gratifying that their often long-forgotten works are not only being rediscovered, but also presented in a much more vibrant way today than we know it from the often very formally rigid Baroque music recordings of the 1950s and 1960s.
Chatham Baroque performed with great virtuosity and obvious enjoyment. It was a little bit of a pity however, that the beautiful but relatively high Levy Hall made the theorbo and viola da gamba sound somewhat lost in the room, resulting in the violin sounding very dominant.
However, thank you for the music!
Nitai Hershkovits im Musikbunker, Aachen

Nitai fand es beinah surreal, innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal in dieser Stadt, und am gleichen Ort, aufzutreten, erst mit dem Oded Tzur Quartett, und nun solo. Den Auftritt eines Zauberers am Piano magisch zu nennen, ist wenig hilfreich, und jede Beschreibung entzieht sich ohnehin dem Erleben, bricht es herunter auf elaborierte Sprache, oder handelsübliche Floskeln. Es bleibt „storytelling“ – oder Poesie. Und als Geschichtenerzähler entpuppte sich der ungemein sympathische Wahl-New Yorker allemal, wenn er zwischen den Improvisationen und taufrischen Versionen alter Stoffe interessante Einblicke gab, in die Grenzbereiche von Klassik und Jazz, in die Lektionen seiner Lehrerin Susan, in Manfred Eichers Produktion, in alte und neue Stücke, und en passant Duke Ellington, einen brasilianischen Vorgänger von Tom Jobim oder Ennio Morricone ins Spiel brachte. Sowie eine gewisse Molly Drake, die Mutter von Nick Drake, und jene eine betörende Schallplatte von ihr, aus der er den Song „Dream Your Dreams“ spielte. Was bei diesem Pianisten unmittelbar auffällt, ist sein besonderes „feeling“ für Klänge, ob in wirbelnden Tempi oder nah der Stille. Er lässt alle Taschenspielertricks aussen vor. Und schon bin ich wieder nah daran, wohlüberlegten Worten in die Falle zu gehen. Lieber tappe ich im Dunkeln, schliesse die Augen, und bleibe vorzugsweise sprachlos.
HIER seine Homepage! Übrigens, am 30. November tritt das Darius Jones Trio im Musikbunker auf.
Die Sprache der Schrift
Amo la poesia y el dibujo
y
tenerte a mi lado
es
un lujoGuten Tag Freunde der Poesie,
Seit 5 Jahren fahre ich mit dem Bus über die schöne Insel El Hierro. An einer Haltestelle hatte ich den Zarathustra Effekt: mir kam die Idee, an diesem Ort, wo Menschen warten, also Zeit haben, Plakate aufzuhängen, mit der Einladung, kleine Gedichte darauf zu schreiben.

Die meisten Fahrgäste sind mit ihrem Handy beschäftigt, ich wollte die eindimensionale Kommunikation mit dieser Aktion erweitern. Ich dachte, dass das Schreiben auf die Plakate einen kreativen Moment insichbirgt, der die Menschen möglicherweise zum Austauschen über die Gedichte bringt.Ich wollte mit diesem Projekt mehr über die Einheimischen herausfinden und war gespannt, wie sie auf meine Plakate reagieren würden.Die Aktion war auf drei Monate angelegt. Ich hing die Plakate an sieben Bushaltestellen auf, verteilt über die ganze Insel. Nach einer gewissen Anlaufzeit von zwei Wochen schrieben die ersten Fahrgäste kleine Texte auf die Plakate.Wenn sie voll waren, hing ich neue leere Plakate auf.
Nach drei Monaten hatte ich 75 Gedichte gesammelt, von denen 63 gelungen waren.Die Plakate wurden auch dazu benutzt, Telefonnummern hinzuschreiben, also quasi als Partnersuche.Auch kleine Zeichnungen wurden geliefert, mehrmals fand ich lippenstiftrote Küsse vor. Einige zitierten Cervantes und andere bekannte spanische Dichter. Alle Texte wurden auf Spanisch verfasst und fast alle waren anonym.
Was sagen nun diese Gedichte des kleinen Projektes über die Insulaner aus?
Zunächst möchte ich meinen Dank aussprechen für das grosse Interesse an dieser Aktion..Nach einem etwas zögerlichen Anfang lief es gut, ohne weitere Vorfälle. Wenn Obszönes auf den Plakaten stand, wurden sie von Unbekannten entfernt.Nur zweimal wurden neue Plakate abgerissen. Ich könnte beobachten, wie Wartende die Gedichte fotografierten, einmal stand eine Lehrerin vor der Plakatwand und las die Texte ihren Schülern vor. Wenn ich Fahrgäste fragte, lieben sie die Poesie, strahlten sie und erzählten, dass Zuhause viel Poemas gelesen werden. Das hat mich überrascht und gefreut.
Die Inhalte der Gedichte gehen vorwiegend über ihre schöne Insel, das Meer, die Vulkane der Sternenhimmel. Es gibt sehr schöne Liebesgedichte, einfach aber tief. Die Frauen problematisieren die Liebe,sie wollen sich nicht unterordnen, lieber nicht in einer Beziehung leben und dafür das Alleinsein akzeptieren. Humor und Erotik finden raren Ausdruck in den Gedichten. Es gibt einige Verse mit Kreuzreim, und einige Texte haben Schreibfehler überhaupt, freute mich, dass Gedichte mit der Hand auf das Papier geschrieben wurden. Ich ließ die Orthografie nicht verbessern.
Ich wünsche mit den BUSSTOP POEMAS viel Freude beim Lesen.
Soweit mein Vorwort in dem kleinen Gedichtband.
Jetzt wisst Ihr, dass ich eine Weile fremd unterwegs war, nun bin ich back on flowy.
Lajla Nizinski
a flowflow riddle no. 68

Look at the covers below the grand On Land picture. Name the titles and artists names of all five albums posted there. Go into Sherlock mode, and be advised, it is more diffcult than you might think on first sight. One more time: the exact (!) titles are necessary! Here’s a devil in the details. The first one who sends me the rights answers will get one vinyl album from the big decade spanning boxset by Bruce Springsteen, or, in case you prefer cds, three fantastic ECM cds as a surprise package!
Der Fünfte lag richtig. Die vier anderen verwechselten DUME mit ZUMA.
Das vorübergehende Verschwinden der luziden Träume
Obwohl Sylv und ich in unserer Traumgruppe einen neuen Anlauf unternahmen, wieder vermehrt luzide Träume zu haben, sind wir vorerst gestrandet. Seit den 1960er Jahren wurde die Fähigkeit, im Traum volles Bewusstsein über den Traumzustand zu gelangen und bei vollem Bewusstsein in dieser „anderen Realitätsebene“ zu handeln, wissenschaftlich erforscht.
1982 stiess ich zum ersten Mal auf luzide Träume, als mein letztes Jahr im Bayerischen Wald dem Ende entgegenging. In der Folge kehrte ich zu den luziden Träumen zurück, in Gruppen, Lektüre Vorträgen (tägliche Übungen, und nachts vor der letzten langen Traumphase sowieso, und Professor Tholey lernte ich im Frankfurt persönlich kennen und schätzen) – selbst Brian Eno bat mich mal um einen Crashkurs zum Thema (unvergesslich meine Session mit Brian in einem Park bei Maida Vale incl.eines mich attackierenden Wespenschwarms!)…
Wer bei manafonistas oder flowworker bei „Suchen“ „luzide Träume“ oder „Klarträume“ eingibt, wird etliche Stories und Selbsterfahrungen finden. Meinen letzten tiefgehenden luziden Traum hatte ich vor bald zehn Jahren, kurz nach einem Flaming Lips-Konzert in Berlin. Am Schluss dieses bewusstseinserweiternden Trips ohne Drogen hörte ich aus einem Recorder (im luziden Traum) einen brandneuen Brian Eno-Song, und da meine kritische Urteilskraft voll auf der Höhe war, erkannte ich dass dies ein absolut originelles und tolles Stück war, das bestens auf „Before and After Science“ gepasst hätte. Die genaue Analyse des Vortages machte klar, was da alles getriggert wurde. Aber seither – so gut wie nichts mehr. Ende Gelände!
Die Story kennen die meisten hier, und warum komme ich wieder drauf? Unser neuer Flussarbeiter Bernhard erzählte mir von seinen sehr speziellen Erlebnissen nach einem Flaming Lips-Konzert – vielleicht wirft er sie einmal in die Runde. Offensichtlich braucht es kein LSD, um nach den Lips in einen besonders empfänglichen Zustand „between the worlds“ zu geraten – eine besondere Story allemal war das, über die Auswirkungen, die ein Konzert oder das Hören eines Albums mit sich bringen können, unter besonderen Umständen. Bei Mojo gibt es eine spezielle Rubrik dafür: „A Record That Changed My Life“.
Man muss es nicht ganz so hoch hängen, jeder weiss, was damit gemeint ist. Unerwartet tief berührt hat mich zuletzt Steve Gunns CD / LP „Daylight Daylight“. Wer weiss, wie die Empfindungen, Erinnerungen, Seligkeiten, die sich mit dem Hören kurzgeschlossen haben, ihre dezenten „Marker“ setzen, bei Tagträumereien, und gerne nachts, wenn sich die klassische Frage des luziden Träumers stellt: „Träum ich oder wach ich?“ Sylv, sollten wir unsere Traumgruppe reaktivieren?! Wir hatten uns dabei ja vorgenommen, nachdem dir die berühmte Platte vom Buena Vista Social Club so unheimlich gut gefallen hat (es klang, als wären sie leibhaftig im Raum), einmal „Yoshimi Battles The Pink Robots“ von den Flaming Lips in Surround zu hören! Some little things (stories, sounds) change everything….

Es ist gleich 16.00 Uhr. Ich habe die 5:1-Surround-Fassung von „Yoshimi“ vorbereitet. Eine heisse Tasse Ovomaltine, die lightwhow der Lips ersetze ich durch Verdunkelung der Vorhänge und Kerzenlicht. Heute beginne ich wieder mit meinen Übungen. Ich denke, noch in diesem Jahr werde ich von ein, zwei, drei luziden Träumen berichten. Dieses fantastische Album der Flaming Lips möge meinen ersten luziden Traum triggern! Safe journey!Daylight, Daylight
„Laughter in shadows
Where you used to stand
With all of us around
Particles bright
In my letter of light
Scattered the sea
The fools, they agree
It‘s all we knowIch habe mich oft zu einer Musik hingezogen gefühlt, in der vermeintlich nichts passiert, und doch so viel. Als ich das Album erstmals hörte, um das es hier geht, war ich auf Anhieb verblüfft. Zu wenig war ich mit den Alben dieses Singer / Songwriters vertraut, um zu beurteilen, ob sich diese Art von Liedern schon früher bei ihm angedeutet hatten: nichts Zupackendes, Riff-Betontes , eher ein durchgängig verhaltendes, impressionistisches Flair, dem sich die ruhige, nie verschwommene Stimme bestens zugesellt. Orchestrale Klangfarben kommen ins Spiel, aber dermassen subtil und dezent, dass aufmerksames Lauschen die einzige Chance ist, dieser Musik nahezukommen. Als Vergleiche werden in Besprechungen hier und da Bert Jansch, Talk Talk und John Martyn ins Feld geführt, ich würde noch M. Ward nennen, was den leichten Rauch in der Stimme angeht – und wenn diesem wunderbaren Liederzyklus ein Thema zueigen ist, dann „traveling“. Auf jeden Fall wird es die Nummer 8 meiner Jahresendliste sein. Beim Hören wird man, wenn man nicht ratzfatz das Interesse verliert, sanft in das Gewebe dieser Songs hineingezogen, und haben sich die Ohren einmal auf die diskrete Art der Soundmalerei eingelassen, sind es die kleinen Ereignisse im Panorama, die unsere Aufmerksamkeit erregen. Die lyrics leisten das ihre, um uns auf all diesen Reisen und Momentaufnahmen zu begleiten. Steve Gunn hat mit „Daylight, Daylight“ ein fabelhaftes Album fabriziert, u.a. mit James Elkington und einer gewissen Macie Stewart an seiner Seite, die auch Alabaster DePlume auf seiner letzten Tour begleitete. „Bevor der Film dir erklärt, was er bedeutet, ist die Geschichte völlig falsch und wird es vielleicht auch immer bleiben“, singt Gunn an einer Stelle und weist damit diskret auf die Sinnlosigkeit hin, nach Anzeichen für einen großen Plan zu suchen, wenn doch die unmittelbare Gegenwart alles ist, was wir haben. HIER der Auftakt! „Now come along, keep on / Distance is growing / We’re nearly there…“ (einen Satz aus Sharon O‘Connors „Hin-und-weg“ Uncut review habe ich hier einfliessen lassen, aber nicht diesen hier: „This is music that slowly pitches around on a rolling sea, or swoops in hazy air.“)
Afterglow: „Toward the end of the recording process, he revisited that song he’d recorded late at night in his kitchen. It reminded him somehow of the famous story about Neil Young sitting by a fireplace and recording “Will to Love” in a single take in 1976. He called the song “Daylight” at first, until Elkington suggested doubling the title. “And I was like, ‘That’s the name of the record,’” Gunn says. “Rebirth, beginning again, letting some daylight come into the darkness. It all just clicked.”“
It’s not a bug, it’s a feature
Manchmal denke ich: wie schade, dass ich nie irgendwo auch mal Filmeinführungen machen darf, wie das viele Kollegen in Kinos bei Vor-, Neu- oder Wiederaufführungen machen (und dann sogar noch dafür bezahlt werden). Ein Film, der mir vorab gar nicht danach aussah, nach dem ersten Schauen dafür umso mehr für eine persönliche Einführung meinerseits, wäre dieses neue, wohl erste „Biopic“ über eine bestimmte Phase und einen Wendepunkt in der Laufbahn von Bruce Springsteen.

Der Titel kommt (im Film selbst) in einem sehr springsteen-typischen Schriftzug in großen, amerikanisch designten Lettern daher: SPRINGSTEEN – ergänzt um den Untertitel „Deliver me from Nowhere“, was ebenso gut der Name eines seiner Alben hätte sein könnte. Die Besprechungen zum Film sind zumeist recht verhalten, und so hatte ich nicht viel erwartet. Allerdings musste ich dann feststellen, dass der Film aus anderen Gründen verhalten aufgenommen wird, als ich dachte. Hier ein Beispieltext, in dem einiges als kritisch vermerkt wird, was doch letztlich positiv zu verbuchen ist – wenn man eben nicht das Konventionelle und Erwartbare im Kino will.
Ich habe mir den Film also angesehen, mit verhaltenen Erwartungen. Und obwohl die verlinkte Analyse irgendwie schon richtig ist, finde ich es seltsam, dass diese Punkte als „Fehler” dargestellt werden, obwohl sie offensichtlich alle beabsichtigt waren. Wenn man sich den Film ansieht, merkt man, dass er sicherlich nicht für ein möglichst großes Publikum gedacht ist wie Bohemian Rhapsody oder Rocketman. It’s not a bug, it’s a feature. Ich war tatsächlich überrascht, dass der Film viel subtiler und interessanter war, als ich erwartet hatte. Gerechnet hatte ich mit einem okayen Film im typischen Arthouse-Mainstream-Stil. Geboten bekam ich aber eine klug gedachte und fein inszenierte Geschichte über künstlerische Schaffensprozesse, über Depression und darüber, wie das Macho-Image, das Springsteen schon damals zugeschrieben wurde, so gar nicht zu seinen eigenen Ansichten, Ansprüchen und Ambitionen als Mann und Künstler passte. „Deliver me from Nowhere“ erzählt eine wirklich ehrliche und offene Geschichte darüber, sich selbst treu zu bleiben, gegen alle inneren und äußeren Kräfte. Und damit kann ich sehr viel anfangen.
Teils kann man wohl einwenden, dass es teils ein wenig unentschieden ist zwischen fein und leise erzähltem Autorenfilm und typischen Arthaus-Konventionen; so ist die Filmmusik an zwei, drei Stellen etwas emotionalisierend, die Auflösung der Vatergeschichte schrammt auch am Kitsch, und ein bis zwei zentrale Nebenfiguren sind vom Drehbuch sehr stark als Erklär-Bären eingesetzt, gerade so, als wären es die „O-Töne“ oder „Talking Heads“, die die nachgestellten, fast dokumentarisch gemeinten Szenen des persönlichen und kreativen Ringens im Rückblick noch einmal für alle im Publikum sauber erklären. Aber diese – sicher auch nachvollziehbare – Unschlüssigkeit hält sich dann doch in Grenzen. Und so möchte ich fast sagen, in dem Film verbirgt oder versteckt sich eigentlich ein anderer.
Dramaturgisches Gerüst im Zentrum der Geschichte ist eine ganz interessante, auch ungewohnt – aufrichtig und ernst – erzählte Männerfreundschaft. Und auch darüber hinaus scheint mir sehr interessant, wie dieser Film von Männerbildern und Männerrollen erzählt. Es geht ja, wie man aus dem Trailer und der ersten Szene im Film sofort erkennt, um Bruce Springsteens Beziehung zu seinem Vater — und darum, wie die Erziehung, die Kindheit und in diesem Fall im Besonderen das Verhältnis zum Vater einen Mann prägt, und was man daraus macht, zum einen als Künstler, in einer künstlerischen Form, zum anderen was man biografisch daraus macht, in seinem Leben. Für sich genommen wäre das ein alter Hut.
Auf der erzählerischen Oberfläche geht es somit um künstlerische, kreative Prozesse und um den Schaffensprozess hinter dem Album „Nebraska“, und das macht der Film schon ganz gut und überzeugend: Man glaubt sofort, dass es wirklich so gewesen sein könnte, approved by Bruce Springsteen. Es geht darüber hinaus aber vielmehr um das Ringen der Hauptfigur mit bestimmten Fragen, die in eine recht lose (fast möchte man sagen: dürftige) Story mit eher unspektakulären Konflikten eingebettet ist. Und so habe ich mich beim Schauen gefragt, wie es Leuten wohl geht, die mit Springsteens Werk und Biografie nicht so wirklich vertraut sind. Zuerst dachte ich, der Film müsste in diesem Fall total langweilig sein, weil sonst ja eigentlich nichts Sehenswertes erzählt wird. Zum einen haben Leute, die Springsteen kennen und den Film deshalb sehen wollen, sicher eine bestimmte Erwartungshaltung — auch wenn man gerade seit der Veröffentlichung seiner dicken Autobiografie und vielen anschließenden Interviews um seine Depression weiß und um sein Ringen um Selbstbild und dem Star-Image, für das er viele Jahrzehnte lang stand.
Doch was die Depressionen mit ihm gemacht haben, gerade auch im Kontrast zu dem markigen, männlichen Image, das er so lange verkörpert hat, hat Springsteen seither offen berichtet, ist daher für jene, die sich in den letzten Jahren einmal mit seiner Biografie befasst haben, keine Neuigkeit, Und doch finde ich bemerkenswert, wie dieser Film davon und von Männerfiguren in Amerika erzählt – und das auch unerwartet unaufdringlich tut. Dass der Film mit dem Versprechen, dass man jetzt ein, zudem vom Protagonisten selbst autorisiertes, Biopic zu sehen bekommt, wirbt, aber uns dann letztlich einen Film über Männerbilder – auch über die Generationen und Zeiten hinweg sozusagen – und über einen „starken“ Mann, der sich eine Depression eingestehen muss, bietet, fand ich unerwartet. Und offenbar nicht nur ich, denn dieser sehr ruhige, ja bedrückte Film war kein Erfolg an den Kinokassen. Denn wer sollte ihn auch schauen? Für viele Springsteen-Fans ist all das kaum attraktiv für einen Kinobesuch, denn der Film bedient so gar nicht die „Big Star“- und „American Hero“-Geschichte; und Leute, die für Springsteen aufgrund seines Images ohnehin nicht gerade viel Interesse übrig haben, ja auch nicht. Beide würden eben einen anderen Film erwarten.
Daher ist es eben vielleicht gerade ein Film für jene, die mit derlei Erwartungshaltung gar nicht erst vorbelastet sind. Letztlich ist es ein viel kleinerer „Indie“-Film, als man erwartet, gerade auch im Zuge der vielen (sehr erfolgreichen und groß angelegten) Biopics über andere Stars der populären Musikwelt in den letzten Jahren, die stets klangvoll damit enden, dass der Star am Ende mit dem großen Erfolg aus der Krise hervorgeht. Wie es 1984 mit Springsteen weiterging, das wissen wir; der Film erzählt es aber nicht.