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  • Ein etwas seltsames Buch

    Mein Exemplar hat noch keinen Spiegel-Bestseller-Aufkleber, aber dass das Buch schon kurz nach seinem Erscheinen auf Platz 14 landete, verwundert mich nicht. Inzwischen hat es die Liste aber bereits wieder verlassen.

    Seltsam ist dieses Buch deshalb, weil es nicht einfach nur die (linken) Lebensgeschichten seiner Verfasser schildert, sondern weil man dabei auf eine fast unterschwellige Weise in die eigene Vergangenheit zurückgeworfen wird. In gewisser Weise ist dieses Buch also nicht nur ein Berichts- oder Essayband, sondern ein Spiegel. 

    Worum geht es also? Vierzehn Autorinnen und Autoren schildern in autobiografischen Skizzen, weshalb sie mal links waren (oder sich dafür hielten) und weshalb sie sich heute nicht mehr als Linke sehen. Die interessante Frage, die dabei auftaucht: Wenn sie aber heute nicht mehr links sind — ja, wo sind sie denn jetzt? Und genau das ist auch der Moment in jeder dieser Kurzbiografien, bei dem man sich fragt: Wo war denn ich, und wo bin ich jetzt?

    Und was heißt das heute überhaupt, „links“ und „rechts“? Dass das ein weites Feld ist, erkennt man schon an der Unterschiedlichkeit der Autorinnen und Autoren: Henryk M. Broder, Monika Maron, Harald Martenstein, Dieter Nuhr, der Journalist Samuel Schirmbeck oder der jüngst verstorbene Schriftsteller Peter Schneider, Reinhard Mohr (der Co-Herausgeber dieses Buches) und einige andere. Fast alle sind Namen, die mich seit vielen Jahren auf unterschiedliche Weise begleiten, weil sie immer irgendwie „da“ waren.

    Der Untertitel „Warum wir nicht mehr links sind“ verführt zu dem Schluss, dann seien sie wohl jetzt nach rechts abgewandert. Manchen wird es ja seit einiger Zeit ganz eindeutig (und oft mit großer Bosheit) nachgesagt. Aber so einfach ist es nicht, das merkt man schnell. 

    Der Buchrückseitentext wird mit einem alten Spruch Wolf Biermanns eingeleitet: „Ich bin immer häufiger nicht mehr meiner Meinung.“ — Ich habe eher einen gegeteiligen Eindruck: Fast alle der Autorinnen und Autoren haben sich zwar in den linken Wegen, Parteien, Bewegungen, Gruppierungen, Grüppchen und Sekten der 1960er und 1970er Jahre verheddert, hatten aber Grundsätze, und denen sind sie weitgehend treu geblieben. Was sich geändert hat, ist die Bedeutung des Begriffs „links“. Wer sich heute für links hält, meint damit etwas anderes als die Generation, die in diesem Buch zu Wort kommt. Das ist die nachhaltigste Erkenntnis, die dieses Buch hinterlässt.

    Eine zweite Sache, die mir beim Lesen aufgefallen ist: Fast alle der Beteiligten kommen aus der mittleren bis oberen Mittelschicht, aus Beamten-, aus Lehrerhaushalten, aus künstlerischem, kreativem oder juristischem Elternhaus. Sie haben in ihrer Jugend und im Studentenalter intellektuelle Freiheit erlebt (die allerdings oft zu großen geistigen und moralischen Verirrungen geführt hat, aber sie alle haben das irgendwann bemerkt). In fast allen Fällen stand dies dem Erklimmen der späteren beruflichen Erfolgsleiter nicht im Wege. Sie haben mit großer Selbstverständlichkeit ihre Karrieren gemacht, im journalistischen, künstlerischen oder universitären Feld. Man wird sagen dürfen: Ihr Linkssein war ein Luxus, den sie sich leisten konnten.

    Ich selbst habe das alles ganz anders erlebt. Ich habe darüber schon im „Sound der Jahre“ einiges gesagt und will das hier nicht wiederholen. Die gedankliche (und materielle) Welt, in der die Autorinnen und Autoren lebten und noch immer leben, hatte so gut wie nichts mit der zu tun, in der ich aufgewachsen bin. Den Klempnerlehrling in Koblenz hat das alles, was in diesem Buch rekapituliert wird, nicht interessiert. Den hat, wie Dieter Nuhr mit Recht schreibt, die neue LP von Alice Cooper interessiert.

    Da sieht man, welche Gedanken dieses Buch auslösen kann. Und immerhin, das ist doch schon etwas.

    Ulli Kulke/Reinhard Mohr (Hg.):
    Wenn das Denken die Richtung ändert.
    Stuttgart 2026, ISBN 978-3-17-047170-2, 260 Seiten  

  • Die Welt des Begehrens von Bodo Kirchhoff

    „Nahaufnahmen einer Frau, die sich entfernt“, so lautet der bemerkenswerte Titel , von dem ich sofort dachte, hoffentlich ist er nicht besser als der gesamte neue Roman von Kirchhoff. Der Einstieg war etwas schleppend, eher ungewohnt für seine Erzählweise, die mich ansonsten bei jedem Buch sofort sogartig ins Geschehen brachte. Vom Literarischen Quartett wurde sein neues Werk auch wegen dem holprigen Anfang schlecht bewertet, allein Thea Dorn sprach von Mut beim Schreiben übers Schreiben. Ja, so war die andere Kritik, es ist zu akademisch, zu intellektuell und zu detailverliebt. Dem würde ich nur dem „detailverliebt“ zustimmen und die beiden anderen Attribute mit der Welt von Bodo Kirchhoff erklären. Für das Arbeitermilieu, sagt man das überhaupt noch, ich mag den Ausdruck Prekariat nicht, hat er mal gekämpft, er war gegen den Krieg, sogar Pazifist, was Habermas nie war. Er hat sich mit den französischen Philosophen beschäftigt, da kennt er sich gut aus, mit der Psychoanalyse und dem aktuellen politischen Zeitgeschehen. Dieses Wissen benutzt er in seinem neuen Buch als „Isoliermasse“, um die eigentliche Erzählung: ein Ehemann verliert seine Frau und versucht sie zurückzugewinnen, zu polstern. Er begehrt sie immer noch, ob wohl sie mit anderen Männern unterwegs ist, vor allem sexuell.Bodo Kirchhoff ist für mich der deutsche Schriftsteller, der brillant über Sexualität schreiben kann.

    Nie geht ein Ausdruck ins Anrüchige oder Ordinäre, er beschreibt mit Sinnlichkeit, mit Erotik, mit Zartheit, mit Bedacht in der Wortwahl, das ist schon sehr gekonnt. Im Literarischen Quartett wurde eine Sexszene, sie will nicht, er will, als Vergewaltigung verstanden. Ich habe das nicht so gelesen. Es ist eine sehr erwachsene, reife Beziehung zwischen den Eheleuten, die sich schon lange in ihrer Sexualität auskennen, wo sich der Mann noch zuhause fühlt und die Ehefrau schon ausgezogen ist. Die erotischen Szenen, die seine Nochfrau mit einem Inder, der etwas Deutsch kann, weil seine Mutter ebenfalls aus dem Schwarzwald kommt, wie die Protagonistin, sind liebevoll, immer an der Liebe zweifelnd beschrieben. Aus der sich auflösenden Ehe gibt es eine Tochter, die sich ausgerechnet in einen Major verliebt. Das ist eventuell eine gelungene Idee, die den Bezug zu der Beschäftigung des Vaters mit dem Thema „eine Welt ohne Waffen“ herstellt. Diese Szenerie hat den Gestalten vom Literarischen Quartett gefallen, mir eher nicht, ich fand sie zu steif, zu bieder, fast konservativ. Dass sich die Mutter mit Phantasien über das Sexleben ihrer Tochter mit diesem Major Gedanken macht, fand ich unnötig, im Gegensatz zu dem analytischen Erzählen von Kirchhoff über die totale Kommunikation zwischen Liebe, Sex und Geist, die sie mit einem Liebhaber erlebt hat, das ist grossartig beschrieben. Der Tod ihres Liebhabers bringt die Eheleute noch einmal zusammen, sie weiss genau, das es zu Ende ist, während ihr Mann noch im Unbefreiten dümpelt. Solch ein Beziehungsauseinanderfallen nicht kitschig oder tränenreich beschreiben zu können, ist bei Kirchhoff wirklich meisterhaft geschrieben.

    Ich empfehle den Roman, auch weil er mein Wissen seit Studentenzeiten auffrischt.

    (L.N.)

  • Lesung der Literaturwerkstatt in Darmstadt am 25. April 2026

    Ich bin dabei, eine Lesereihe mit Lesungen meiner Literaturwerkstatt in Darmstadt, die seit Februar 2005 besteht, zu gründen. Nachdem im April ’25 sechsundzwanzig Autorinnen und Autoren zur Präsentation der von mir herausgegebenen Anthologie „Und man hört sie doch. 20 Jahre Literaturwerkstatt in Darmstadt“ (hochroth Heidelberg) angereist sind, um ihre Texte zu lesen, sollen nun einmal im Jahr die Autorinnen und Autoren meines Seminars die Möglichkeit erhalten, ihre Texte in einem großen Saal mit wunderbarer Akustik und einer verzierten Glasfensterfront zu präsentieren. Von der Entwicklung des Konzepts im vergangenen Sommer bis zur Veranstaltung gab es ungezählte Stunden an Vorbereitung mit unerwarteten Herausforderungen, detaillierten Absprachen und einigen Treffen. Am kommenden Samstag findet die erste Lesung der geplanten Lesereihe nun statt.

    Ulrike Sabine Maier liest zwei Passagen aus ihrem Roman „Hinter tausend Stäben“, der im Herbst 2025 in der Edition Federleicht, Fuldatal, erschien. Drei Zeilen zur Charakterisierung dieses vielschichtigen Werkes entnehme ich der Website der Autorin: „Ein Frauenleben der Extreme und eine Kindheit in dunklen Zeiten. Eine Existenz zwischen Weißer Rose und der Kulturelite des NS-Regimes. Ein Romandebüt, das zeigt: Vergangenheit ist immer auch Gegenwart.“ Sven Buchsteiner verwandelt, wie schon in deinem Lyrikdebüt „Nachhallschatten“ (Edition Federleicht, Fuldatal 2024), in seinen Gedichten existenzielle Situationen in poetische Schnappschüsse. Die Poesie von Lea Matusiak ist cool, verspielt, souverän und gleichzeitig existenziell. Sandra Ade liest nach ihrem Debüt „An manchen Tagen steht die Erde kurz still“ (hochroth Heidelberg, 2025) neue Kürzestgeschichten. Auch in diesen neuen Texten wird spürbar, dass der Einzelne Teil von etwas Größerem ist, was sich seiner Kontrolle entzieht. Elke Barker, deren Erzähldebüt „Und zwischen uns das Meer“ im Jahr 2022 im Frankfurter Axel Dielmann Verlag erschien, präsentiert die Kurzgeschichte „Die Taube“: eine Vater-Tochter-Beziehung, auf die auch zutrifft, was ich im Vorwort zu Elke Barkers Band mit Erzählungen schrieb: „Vertrauen ist unberechenbar. (…) Die Spannung liegt vor allem in der Atmosphäre. (…) vielschichtige Energie des Textes.“ Nach jeder Lesung führe ich ein Gespräch über Hintergründe, Selbstbeschreibungen, Arbeitsmethoden etc.

    Der Musiker, Alexander Roth, der mehrmals auftritt und fünf Jahre lang Teilnehmer meiner Literaturwerkstatt war, ist Teil der Berliner Independentband „Yoga“, hier der Link zum Album „Amnesie“. Am 25. April spielt er solo und er beschreibt seine Arbeit so: „Für den Auftritt beim Literarischen Abend konzentriere ich mich auf meine Instrumentalstücke, in deren Zentrum der Loop als ästhetisches Prinzip steht. Melancholie aus der Wiederholung des Immergleichen, Warten auf Veränderung, Hoffen auf Befreiung – Motive, die mein musikalisches und literarisches Denken verbinden.“

    Ich wollte den Flyer hier in akzeptabler Größe aufnehmen. Um den Inhalt zu lesen, einfach mit den bekannten Tools vergrößern.

  • Landschildkröten

    Ein schwarzer Theatersaal mit steil ansteigenden Sitzreihen. Wir sitzen in der fünften Reihe, mittig vor der Bühne. Das Konzert ist fast ausverkauft. Im Saal sitzt ein hippes, aufgeklärtes und zugleich abgeklärtes Großstadtpublikum, überwiegend männlich, das Durchschnittsalter dürfte bei etwa 50 liegen.

    Nach dem dritten Klingeln geht langsam das Licht aus, doch der schwarze Vorhang öffnet sich zunächst nicht. Mehrere Minuten lang ist ein flächiges Gewaber aus dem Synthesizer zu hören, ab und an hallen einzelne Gitarrentöne oder das Geräusch einer Snare durch den Raum. Als schließlich der Beat einsetzt, öffnet sich der Vorhang. Die zunächst losen Klänge formieren sich zu „Night Air“, dem letzten und zugleich einem der besten Stücke des aktuellen Tortoise-Albums Touch.

    Nun sind auch die Musiker von Tortoise zu sehen: fünf Herren um die 60. Einer von ihnen, John McEntire, hat an diesem Abend Geburtstag und bekommt später vom Publikum sogar ein zaghaftes „Happy Birthday“ gesungen.

    Ansonsten sind die Zuhörer bemerkenswert aufmerksam. Nicht nur bleibt es während der Musik vollkommen still – ich habe seit Langem nicht mehr so wenige Smartphones im öffentlichen Raum gesehen wie an diesem Abend. Die Begeisterung gilt nicht nur der Musik selbst, sondern auch den musikalischen Fähigkeiten der Bandmitglieder, von denen jeder im Laufe des Konzerts mindestens zwei Instrumente spielt. Besonders eindrucksvoll ist die musikalische Kommunikation auf der Bühne – vor allem dann, wenn gleich zwei Schlagzeuger gleichzeitig am Werk sind.

    Gespielt werden hauptsächlich Stücke von Touch, wobei das Klangbild live etwas organischer und weniger verzerrt ist als auf dem Album. Insgesamt orientiert sich der Sound eher an früheren Platten wie TNT, von der ebenfalls einige Stücke zu hören sind. Die Musik ist hervorragend abgemischt: laut, aber nie zu laut.

    Etwas schade finde ich zunächst, dass Jeff Parker nicht dabei war. Er wird jedoch mehr als würdig vertreten.

    Aus dem Absacker nach dem Konzert in einer Bar namens Mutter werden dann noch einige mehr. Insgesamt ein Ausflug nach Hamburg, der sich mehr als gelohnt hat.

  • Yanka Rupkina 1938 – 2026

    Yanka Rupkina. Wie Joe Boyd via Facebook bekanntgab, hat uns mit ihr wieder eine großartige Stimme verlassen.

    Irgendwann in den 1980er Jahren entdeckte ich mit dem Weltempfänger auf der Kurzwelle den Frauenchor von Radio Sofia. Deren Gesang war das Markenzeichen des Senders — einmal gehört, und man vergaß diese Stimmen nie mehr. Auf Tonträgern wurde der Chor später unter dem Titel Le mystère de voix Bulgares oder auch Das Geheimnis der Bulgarischen Stimmen gehandelt.

    Zum Teil waren darauf traditionelle Lieder zu hören, zum anderen (insbesondere auf Vol. 2) speziell für diesen Chor und seine einzigartige Gesangstechnik komponierte Stücke. Auch Holger Czukay hat Samples dieses Chores in seinen Platten verwendet, aber das Original war und ist besser. Yanka Rupkina gründete zudem das Trio Bulgarka, das unter anderem mit Kate Bush gesungen hat.

    Aber die originalen Choraufnahmen bleiben unschlagbar. Ich höre die Platten nicht mehr oft, aber wenn, dann jagen mir diese Stimmen noch immer Schauer über den Rücken.

    Danke und gute Reise!

  • Atlantische Entdeckungen: Die Insel CIES und die Musikerin CRISTINA PATO

    Im NW von Spanien liegt vor der galizischen Küste die Insel CIES im Atlantik.Um sie zu besuchen, braucht man eine Genehmigung, da sie ein naturbelassener Ort ist. Wir traten die Reise von Vigo aus, der Hauptstadt von Galizien, an. Es war mein zweiter Versuch, in das Paradies vorzudringen, der erste war an den hohen Atlantikwellen gescheitert. Von Vigo aus ist die Anreise über den Fluss Ria, der direkt in den Atlantik mündet, in ca 40 Minuten zu bewältigen. 2007 stand im The Guardian, dass Cies wegen seiner Strände weltweit die schönste Insel sei. Wenn man auf einer strandarmen Insel lebt, wie ich auf El Hierro, wo es nur Meerwasserschwimmbecken gibt, ist man schon besonders beeindruckt von dem grossen, sichelförmigen, weissen Strand, der einem zuerst auffällt. Das türkisgrüne Atlantikwasser besticht zudem. Es ist nicht nur der phantastische Strandanblick, der begeistert, es sind auch andere, alle Sinne weckende Eindrücke: die Zweiglimmergneise in den Granitblöcken glitzern in der Sonne, die Eukalyptusbäume tauchen uns in ein erfrischendes Waldbad, die von Wind und Wasser 300Millionen Jahre alten, erodierten, runden Blöcke lassen uns ehrfürchtig staunen und still werden. Wie unglaublich klar die Konturen sind, wie leuchtend die Farben. Auf diese Insel kann man nur in der Karwoche und von Mai bis September reisen. Es gibt keine Hotels, nur einen kleinen Campingplatz, wo man sich ein Bett in einem Zelt mieten kann. Es gibt ein Restaurant, wo ich den besten Fisch meines Lebens gegessen habe, eine Dorade und den frischesten Käsekuchen ever. Segler dürfen nur drei Tage andocken. Es geht die Legende auf der Insel, dass nachts Prozessionen über die Wege ziehen – wer sie sieht muss sterben.

    Es ist Ostersonntag, wir gehen in die Fischersiedlung von Vigo, um einer kleinen Prozession an der Fischerkirche aus dem 16. Jhdt. beizuwohnen. Vor mir steht eine Musikerin, sie hält ihr Instrument,eng unter ihrer Tracht fest, nur ein Rohr ragt über her Schultern heraus. Ich frage sie, wie das Instrument heisst, sie sagt, das sei eine Gaita, der galizische Dudelsack. Sie spiele heute für die Prozession und den anschliessenden Tänzen.Ich ging am nächsten Tag in eine Buchhandlung, um Bücher über die phantastische galizische Küche und über Musik anzusehen. Ich sah ein Buch, auf dem Cover war die Musikerin abgebildet, die ich vor dem Kirchlein angesprochen hatte. Sie heisst Cristina Pato, ist 45 Jahre alt und gilt als die Stimme von Galizien. Ich las in dem Buch, dass sie mit vier Jahren die Gaita erlernte, später kamen Akkordeon, Geige und Gitarre dazu und dann auch Piano. Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die mit vielen berühmten Musikern zusammenspielte: mit Yo Yo Ma in seinem Silkroad Ensemble, mit den Chieftains, dem Chicago Orchestra, in Indien, in China, in Brasilien spielte sie jeweils in den grossen Musiktempeln. Sie brachte die Gaita fast in die ganze Welt und zeigte, dass dieses Instrument in alle Musikkompositionen einzureihen ist. Fantastisch.

    Jetzt will sie erstmal nicht mehr auftreten, sie will sich um ihre demente Mutter kümmern, nur bei kleineren Events holt sie ihre Gaita hervor und spielt. Ich hatte grosses Glück, so einer aussergewöhnlichen Musikerin zu begegnen,

    Ich empfehle zum Einstieg in ihr grosses Repertoire das Album MIGRATION

    Songs of Joy and Peace von dem Silkroad Ensemble von Yo Yo Ma

    Cristina Pato mit ihrem Galician Connection Festival

    Rose of the winds mit dem Chicago Symphony Orchestra

    Das Afro Latin Jazz Orchester mit Arturo O‘ Farill

  • Rückzug

    Wenn das Gute passiert, schreibe ich hier einen Text über Don Cherry. Über Stockholm 1977. Aber: K. ist eine starke Kämpferin. In besten Händen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte in diesem Leben, und nur einen, wäre es der, dass sie wieder gesund wird. Magisches Denken, egal! Mein Blog-Text über Don Cherry wäre ein Fest des Lebens.

    Nachtrag: Montag 20. April. Es geht K besser. Wenn alles gut läuft, kommt sie bald von der Intensiv auf die normale Station. Don Cherry muss noch etwas warten. Still some steps to go. It‘s only over, when we win! Es ist komplizierter als ich dachte. Ich werde aber wieder kleine Dinge schreiben.