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The thing with Andy Beta, and other „August Revelations“
So often I stumbled on writings by Andy Beta, in recent months. I read Richard Williams‘ text on Andy‘s Alice Coltrane biography, I read about his favourite Marion Brown album (I kindly prefer three other ones), I read about his weak spot for Frederikbergs Records (some stories to tell here, both of us), and shared his enthusiasm about an old free jazz album by Charles Tyler, one of Albert Ayler‘s close companions. Finally I saw and immediately Diven into his very, very long and in-depth interview with Steve Tibbetts. Which is now one of our monthly revelations of August – in the TALK column.

Within the department of film and television, i followed my own weak spots for brilliant detectives. In this case you can see that old Buster Keaton movie „Sherlock Jr.“, a bit more than 100 years old, and a short appraisal of the second season of the „John Sugar“ series with Colin Farrell followng the cinematic trail of all those infamous detectives from the film noir era.
Another time travel experience of the darker kind: Reetze reviews a historic novel by Anja Kampmann, „Die Wut ist ein heller Stern“. In our „ARCHIVE“ column, I remember and listen to two ECM classics that had both been recorded at the end of 1977 – classics that deserve the label classics – Bill Connors‘ „Of Mist And Melting“, and Jan Garbarek‘s „Places“ (always one of my ten favorite Jan Garbarek albums). And look at the RADIO column: in this moment of time, „Of Mist And Melting“ is part of my ever-changing playlist for my very last edition of „Klanghorizonte“ ever, after 36 years. My Steve Tibbetts Portrait is a good fit with Andy‘s interview!

And our albums of August? If Jan Bang finds a blue hour, he will soon write his notes on Nils Petter Molvaer‘s „Be Quiet“ and I will add my take on Daniel Lanois‘ „Belladonna Nocturne“, a „no-ambient-ambient album“, „country-existential“, so to speak. I am also fond of the forthcoming Shearwater work „The New World“ with its subtle Talk Talk vibes.
Thank you so much, Buster Keaton – interstellar space from Alice Coltrane to John Sugar, and a timeline of 100 years, joyous zigzagging!
m.e.
Musik und Transzendenz
»The book of love has music in it
In fact, that’s where music comes from
Some of it is just transcendental
Some of it is just really dumb«(The Magnetic Fields)
Es gibt Phasen in meinem Leben, in denen ich mich nicht mehr mit Musik beschäftigen kann. Dies sind Phasen, in denen sich das Gefühl des Ausgelaugtseins tief in alle Faser des täglichen und alltäglichen Seins hineinfrist. Analog zu dem „Ausgelaugt“ als umfassendes Existenzgefühl stellt sich dann bisweilen ein Gefühl des „Ausgehört“ ein. Scheinbar habe ich in diesen Phasen das Interesse an Musik verloren – der Kunst, die als innige Lebensbegleiterin ansonsten so vieles mit- und durchmacht. Die Neugierde und Lust, neue Bands und Interpret*innen kennenzulernen ist dann nahezu erloschen. Das Anhören der Lieblingsmusik wirkt schal, bisweilen sogar störend. Ein Zustand, der die Sinnhaftigkeit des Lebens infrage stellt – es zwar nicht in nietzeanischem Furor direkt als Irrtum identifiziert, aber doch schon Zweifel an seiner Richtigkeit aufkommen lässt.
Da ich mich und meine Zustände weitestgehend kenne, weiß ich, dass diese für gewöhnlich eher nicht persistent sind. Die letzte Phase des „Ich habe ausgehört“ dauerte jedoch länger an als üblich. Vielleicht war es die besondere Turbulenz der Lebensumstände, die für eine Verlängerung verantwortlich war. Es war ein Graus: Die Musik schien für mich ihre Bedeutung verloren zu haben. Weder perzeptiv noch produktiv-kreativ war es mir möglich, mich so mit Musik zu beschäftigen, wie es mir normalerweise möglich ist: grundlegend. Musik ist in Zeiten der Erträglichkeit der Existenz ein konstitutives Element meiner Persönlichkeit, ein essentieller Mosaikstein in der bunten Bodenplatte meines Daseins. Wenn dieser herausgenommen wird, passt das Gesamtgefüge nicht mehr. Something doesn’t add up.Spoiler: Die Musik und ihre Bedeutung kam zurück in mein Leben. Nicht polternd, mit einem Paukenschlag, nicht mir einem „Hör mal, hier bin ich!“ in den Raum hineingetrampelt, sondern eher schlurfend, sich sanft, wie zufällig in das Bewusstsein einschmiegend. Dann aber im Medium der vermeintlichen Zartheit eine Präsenz und Tiefe entfaltend, dass ich geneigt bin, etwas pathetisch von einer transzendenten Erfahrung zu sprechen. Auslöser dieser Erfahrung war eine Band, die ich schon einige Jahre zuvor kennenlernte und zwar durchaus sympathisch fand, sie aber doch auf den undankbaren Stapel mit der Aufschrift „nicht uninteressant, beschäftige ich mich später mit“ und somit mehr oder weniger ad acta legte. Die Rede ist von der US-amerikanischen Indie-Folk-Band Big Thief.
Wie sich diese Band Jahre später ihren wohlverdienten Wiedereinzug in mein musikalisches Bewusstsein erkämpfte, kann ich nicht mehr genau rekonstruieren. Alles, woran ich mich erinnere, ist, dass ich mich auf der Suche nach geeigneten Einstiegsmöglichkeiten in das Big-Thief-Universum durch irgendwelche Musik-Subreddits wühle. Schließlich hatte die Band seit meiner letzten Beschäftigung mit ihr (es muss um 2016 herum gewesen sein) fünf weitere von der Kritik hochgelobte Alben veröffentlicht und war längst kein nerdiger Indie-Geheimtipp mehr. Da stieß ich auf einen Kommentar eines Reddit-Users, der Folgendes über einen Song mit Titel „Simulation Swarm“ schrieb:»Hii!! I’m a casual Big Thief enjoyer. And I have been so FUCKED UP about Simulation Swarm recently, like carnally.«
Meine Neugierde war erweckt. Ein Musikstück, das eine leibliche, ja fleischliche Erfahrung bei einem Hörenden auslöst, könnte das Richtige sein, um mich aus meiner musikalischen Apathie herauszuholen. Ich recherchierte weiter über den Song, der 2022 auf dem Album „Dragon New Warm Mountain I Believe In You“ erschien, und stieß auf immer mehr Kommentatoren, die dem Lied eine außergewöhnliche, gleichsam auratische Qualität zuschrieben:
»Seriously. That song builds a whole environment around me and feels like magic.«
Der User „Hobbes42“ konstatiert:
»Simulation Swarm is a transcendental song. The slightly delayed rhythm of the music, her ethereal vocals, the 4th-dimensional lyrics.«
Einen anderen Kommentator brachte der Song sogar dazu, bitterlich zu weinen:
»I listened to that song like the day i brought my newborn son home from the hospital a few weeks ago and it made me ugly cry.«
Dass Adrianne Lenker, Big-Thief-Mastermind an Gitarre und Gesang, als Songwriterin in der Lage ist, mit ihrer Musik ein solches Potential zu entfalten, konnte ich 2016 nur erahnen. Mein musikalisches Interesse an der Band und vor allem dem Song „Simulation Swarm“ war nach dieser Recherche jedenfalls entfacht, ich fand jedoch zunächst nicht die Zeit, das Stück anzuhören. Dann, wenige Tage später – ich war gerade dabei, mit letzter Kraft und Energie nach einem wunderbar chaotischen Tag mit Kleinkind auf einer partiellen Baustelle wohnend die Wohnung ansatzweise in einen bewohnbaren Zustand zurückzuversetzen – erinnerte ich mich an mein Vorhaben, legte die Kopfhörer an und spielte „Simulation Swarm“ ab.
Sofort zog mich ein vermeintlich entspanntes Gesäusel aus Akustikgitarren-Fingerpicking-Riffs, einem minimalistisch treibenden Drumming und einem Bass, der zu einem hypnotischen Flow des Songs entscheidend beiträgt, in seinen Bann. Dann setzt Lenkers Stimme ein und erzählt beiläufig, halbvernuschelt und doch so unheimlich poetisch-psychedelisch von leeren Pferden, die durch violette Türen galoppieren und von geflügelten Geschöpfen, die sich wie die letzten menschlichen Lehrenden in seidener Höhe versammeln. „Like the last human teachers“ – dieser Vers hallte noch lange in meinem müden Dozentenkopf nach, der sich nach einer erschöpfenden Woche des Pendelns zwischen zwei Großstädten, drei Fachakademien und zigmal so vielen Kursen nicht zuletzt auch „ausgelehrt“ anfühlt. Ich frage mich: Wann werden wir sie erleben, die letzte menschliche Lehrperson? Wann wird die KI auch uns Lehrkräfte obsolet gemacht haben? Ich habe keine Zeit, länger darüber nachzudenken; der Sog, der Flow des Stückes hat mich schon weitergetrieben. Ich lande im 31. Stock des „Simulation Swarms“, wo das Summen eines fluoreszierenden Lichts mich empfängt und die Gänge mit einem fiebrigen, formerfüllenden Flackern ausgeleuchtet sind. Ich weiß nicht, was all das bedeutet, aber ich fühle Bedeutung. Oder eher Fragmente von Bedeutung. Sie schwimmen brockig in einem warmen Schwall. Dann plötzlich, beinahe monolithisch aus dem seidenen, milchigen Fluß der metaphysischen Bildhaftigkeit emporsteigend:»I’d fly to you tomorrow, I’m not fighting in this war
I wanna drop my arms and take your arms
And walk you to the shore«Wie ein Mikro-Manifest ragen diese Zeilen aus der Strophe heraus, öffnen eine ganz andere Bewusstseinstür, machen die Situation auf einmal ganz konkret, politisch greifbar und zugleich menschlich unfassbar nah. Die lyrische Erzählinstanz bekommt Konturen: In Umrissen zeigt sich ein wissendes, liebevolles und zugleich kraftvolles, beinahe überweltliches Ich, dessen Stärke aus einer paranormalen Fürsorgekapazität resultiert:
»I remember building an energy shield
In your room, like a temple«Schützend beschirmt wird hier der neugeborene kleine Bruder, der als der „erste kleine Engel“ gesehen wird. Um ihn herum kreist eine Hoffnung auf Erneuerung, die zugleich eine Art von Wiedererinnerung, von Rückkehr verheißt:
»I believe we can renew
And you could be my brother
Once again, fall asleep with our backs against each other
You believe, I believe too
That you are the river of light who I love
That I sing to in the belly of the empty night«Es ist diese seelenerschütternd schöne Liebesbekundung des lyrischen Ichs am Ende, die mich den bitterlich weinenden, frischgebackenen Vater aus dem Reddit-Kommentar von oben, der ich drei Jahre zuvor selbst war, so vollumfänglich emotional verstehen lässt. Vielleicht ist dies das transzendente bzw. transzendentale Potential des Liedes: im Medium von Klang und Text eine Erfahrung schaffen, die über den konkreten Text und das vermittelte Gefühl hinausgeht, das Alltägliche überschreitet und auf das verweist, was unsere Erfahrung ermöglicht, was ihr vorausgeht. In diesem erkenntnistheoretischen, Kantschen Sinne könnte man vielleicht sagen: „Simulation Swarm“ lässt uns erahnen, was existentielle menschliche Erfahrung grundiert. Was es heißt, in einer Welt voller Kriege zu leben. Was es heißt, Liebe und Leid zu erfahren. Durch meine merkwürdige Musikabstinenz hatte ich ganz vergessen, dass Musik – vielleicht wie keine andere Kunst – imstande ist, uns solche Phänomene fühlend verstehen zu lassen.
Revolver 54: Dag Johan Haugerud
Im letzten Jahr gewann Dag Johan Haugerud mit seinem Film Drømmer (aka Oslo Stories: Träume) den „Goldenen Bären“ der Berlinale. Drømmer/Träume ist nach Sex (Verleihtitel Sehnsucht, 2024 bei der Berlinale gezeigt) und Kjærlighet (Liebe, 2024 beim Filmfestival in Venedig uraufgeführt) der dritte veröffentliche Teil der „Sex, Dreams, Love“-Trilogie.
Die Filme waren in Gesprächen zwischen mir und Stephan Schoenholtz, Drehbuchautor und ebenfalls Filmemacher, im letzten Jahr viel Thema, unter anderem wegen der markanten Weise, auf die Dag Johan Haugerud mit Dialog erzählt und dass er, in diesen drei Filmen, aber auch darüber hinaus, ganz oft viele Dinge nicht macht, die man in Lehrbüchern und Seminaren zum Drehbuchschreiben immer vorgebetet bekommt. Der „Goldene Bär“ war eine wunderbare Wertschätzung für diese Art von unspektakulärem, persönlichem und nicht (wie bei der Berlinale oft der Fall) demonstrativ politischem Kino und Erzählen, dem sonst oft die Anerkennung verwehrt bleibt. Und Drømmer war auch einer der klar besten Filme des letztem Jahres, letztlich ein beeindruckender Höhepunkt in der künstlerischen Laufbahn des 60 Jahre alten norwegischen Filmemachers und Romanautors, der außerhalb Norwegens bis dahin kaum jemandem bekannt war.

Stephan schlug also vor, gemeinsam nach Oslo zu fahren und Dag Johan Haugerud für REVOLVER, die seit 28 Jahren von deutschen Filmschaffenden geführte „Zeitschrift für Film“, zum Gespräch zu treffen, um über sein gesamtes filmisches Werk und seine Arbeitsweise zu sprechen. Unsere Begegnung, also das Gespräch fand im Dezember im Literaturhaus in Oslo statt, und es dauerte tatsächlich bis jetzt, bis unsere von gut drei Stunden Talk auf 30.000 Zeichen ins Deutsche übersetzte Verdichtung gedruckt erscheint.
Das neue REVOLVER-Heft Nr. 54 erschiein am 30. Juni und ist per ISBN in jedem Buchhandel oder über die Revolver-Webseite erhältlich, als 160-seitiges Buch im Format DIN-A6.
Natürlich mussten wir beim Verdichten vieles weglassen, also teile ich hier einen längeren Auszug des Gesprächs, den wir in der deutschen, gedruckten Fassung nicht dringelassen haben. Da geht es weniger spezifisch ums Erzählen und die Drehbucharbeit und die Regie-/Autoren-Themen als im Revolver-Text, sondern speziell um die Musik.

ijb: In your film Kjærlighet (Oslo Stories: Love), I felt there’s a very specific way of using music. How did you discuss music and decide where to place music with the composer? How much did you know when you wrote and shot the film?
Haugerud: Let’s take Barn (Beware of Children) as an example, because there the plan was [for it to be] almost like a musical. It was supposed to have music all the time.
ijb: All the time?
Haugerud: Yes.
ijb: 2.5 hours?
Haugerud: Yes. And there was a composer who tried to do that. And of course, it was impossible. It didn’t turn out well at all. The music didn’t work, and it wasn’t possible.
ijb: When did you have that idea?
Haugerud: I just felt it – „wouldn’t it be great if it felt like a musical without being a musical?“ It was like a crazy [idea]. That was in the directing note. So that was what we were [starting with].
ijb: Is there a lot of music in the film now?
Haugerud: No, there is not. […] Obviously it didn’t work. So then we had to reconsider how we should use the music there. I really like to listen to music when I watch a film, but when the music is there, I want to have time to go into it and listen to it. And I don’t really like [film] music when it’s trying to seduce me into feeling something; if it’s manipulative. I don’t know what you think about that, but when you start editing, you kind of want the film to work on its own, without music. You don’t want to need the music [for] it to work. But I really like music in films, so then you have to use it in a different way. Not as a kind of just a soundtrack… and since [cinematographer] Cecilie and me are interested to try to „pull the world into the film“, we can use it in those elements. In Sex (deutscher Titel: Sehnsucht / Oslo Stories: Sex) I think it’s [very much] used in that way. But it’s used in that way in both I belong (Som du ser meg) and in Barn as well I think. And also in Love.
sts: Yes, in I belong, the music characterizes each of the three episodes.
Haugerud: Yes.
sts: I found that quite … courageous. Or interesting, experimental how you introduced all of the three musical themes at the beginning.
Haugerud: At the beginning, we are putting them on top of each other. That was the composer who wanted to do that. And I think it was a great move, because it becomes almost cacophonic.
sts: Yes, exactly.
ijb: And then each of the stories has a very different way of using music.
Haugerud: Yes, because we wanted to have different instrumentation for each person.
ijb: And the music is also following a different approach in each of the episodes. And I have a feeling in the „Oslo trilogy“, too. In Dreams (Drømmer), when did the composer, Anna Berg, come in into the process, and what did you tell her? How did you know when you wanted to have music? Sometimes it’s quite surprising, I think, to hear music in some sections.
Haugerud: First of all, I have to say that she was supposed to make the music for Love, but she didn’t manage to do it time-wise. Then we decided that she should make the music for Dreams instead. She comes with a lot of ideas. I wanted her ideas because she’s a contemporary composer; I wasn’t so interested in melody as I usually am. I wanted her to use and develop some compositional elements she has been working with before – before she started to work on this project. She hadn’t done anything for cinema before. She’s quite a young composer.
ijb: Did she start working on the music when the edit was finished or before?
Haugerud: A bit before, but then she gave me different tracks to listen to, different ideas, and we discussed them. I think it’s always hard to talk about music, because we tend to not talk about the same things, even if we try to describe it as well as possible. I had to understand her way of thinking. She’s very technical about composing. It’s almost like a formula.
ijb: Would you say the music is analytical in this film?
Haugerud: Yes, very much so. Peder Kjellsby, who composed the music for the other two films, is more like an emotional composer.
ijb: That was my feeling, too. That’s why I think it’s so special. Sometimes the music appears and it seems to comment on the story, but not in the way that you expect it to comment. It’s more like it’s opening up a different storyline at the same time, like a parallel story. And sometimes it’s going away from the characters. You were talking about the camera sometimes going away from characters, like when in Kjærlighet they’re on the terrace and the geologist is talking and then you are doing that one long camera pan.
Haugerud: Yes. And then you hear the sound from the earth.
ijb: So sometimes I feel the music is doing the same thing, like moving into a direction that is going away from the characters.
Haugerud: Yes.
ijb: Sometimes I can’t be sure what it is that it’s telling me. […] There’s one shot of Oslofjord at night, from the ferry, later in the film, like three, four minutes or something and only music to the city at night, slowly moving, on the ferry ride. The music is quite strong there. How did you decide to make this long shot there; how do you decide it’s going to be that long with nothing else happening?
Haugerud: That’s just I was talking about [earlier]: In order to start looking at the traffic or the choreography in the streets or the buildings, it needs to have a certain duration. Otherwise, it’s just transportation. It’s not supposed to be that. It’s supposed to make you look at the city hall and the city behind it. There’s a lot of traffic going on in there. That’s the image I like the best of the whole film, because that’s what I love to see.
ijb: So did the music come afterwards?
Haugerud: We had shot it [first, a] very long [take], for ten minutes.
ijb: So he composed music and then you decided how long the shot would be in the film?
Haugerud: He composed the music that was supposed to be „night on the boat“. When we are talking about music, we always try to capture, you know, how we feel. „What is the music of these streets?“, in a way. How do we feel when we are walking down the street? We know Oslo very well, both of us. And there are a lot of things that make music. There are a lot of memories and thoughts of what has been before, what kind of music has been going on in our lives. If you have some memories from walking down the street, these [will] come into the music. Of course we don’t have the same memories, but we are about the same age, so we have the same references in a way. So we come up with some music that to us feels quite true to the different locations. That’s the soundtrack to this part of the city. But for other people, it might be totally different. [There are] a lot of elements from jazz, because he’s a jazz musician. So it’s a lot of elements from Norwegian jazz throughout.
ijb: That’s why it ends with the jazz quintet on the city hall.
Haugerud: Yes. [Regarding] Sex, in Norway, there was a kind of yacht jazz-rock band called „Lava“ in the 80s, and we both feel that a lot of the locations in Oslo are very connected to that kind of music. Sidsel Endresen was also singing in that band. It is some kind of jazz-rock style. And we wanted to bring that back into those locations. Strangely, it works very well for us, and strangely, it works for other people as well because they think, „oh yeah!“ It’s not even a theory. It’s just what kind of music you relate to different places can be very different, of course. You just have to use yourself, your own memories and your own nostalgia.
“Belladonna Nocturne“
Die vierzehn originalen Kompositionen kommen allesamt, wie der Titel suggeriert, als Nachtstücke daher, aber wer sagt, das sie durchweg besänftigen!? Besser niemand. Auch sollte man bestimmten Begrifflichkeiten nicht trauen, die immerzu aus dem Köcher gezogen werden, wenn der berühmte Produzent und Musiker ein Instrumentalalbum veröffentlicht: „Ambient“, oder, die jüngste Mode, „Ambient Americana“. Das sind durchweg Verengungen des Blicks, Floskeln, die alles, was Klang ist, runterbrechen, auf eine meditative Affäre, Beruhigung. Es geht so ganz anders zu auf „Belladonna Nocturne“, und das ist nicht allein den Schlagwerkwirbeln und variablen Metren von Brian Blade geschuldet: jede einzelne Komposition ist eine dramaturgisch vielstimmige, mindestens doppelbödige Veranstaltung, gesegnet mit Stolperfallen, Einrissen, Brüchen, Lichtungen, Brandungen, und unberechenbaren Schattierungen. Vermeiden wir bitte das Wort „atmosphärisch“! Diese konzentrierte Ware mal galant vorbeirauschen lassen, wäre ein Irrtum und ein wenig anstrengend. Es empfiehlt sich, dem Raum zu verdunkeln, die Sinne zu schärfen, und auf Reisen zu gehen mit vierzehn Short Stories, die eher an Raymond Carver erinnern als an einen Soundtrack für entspannte Gemütslagen. Unglaublich, dieses Album!

The 14 original compositions are all, as the title suggests, presented as “night pieces,” but who says they’re all soothing!? Better not to say so. Nor should one trust certain terms that are constantly trotted out whenever this famous producer and musician releases an instrumental album: “ambient,” or, the latest trend, “Ambient Americana.” These are, without exception, narrow-minded labels—clichés that reduce everything that is sound to a meditative experience, to calmness. Things are quite different on “Belladonna Nocturne,” and that’s not solely due to Brian Blade’s drumming flourishes and variable meters: every single composition is a dramaturgically polyphonic, at the very least ambiguous experience, blessed with pitfalls, insights, breaks, clearings, surges, and unpredictable nuances. Let’s please avoid the word “atmospheric”! To let this concentrated work simply rush by gracefully would be a mistake and a bit exhausting. It’s best to dim the lights, sharpen your senses, and set off on a journey with fourteen short stories that are more reminiscent of Raymond Carver than a soundtrack for relaxed moods. This album is incredible!
Heute in San Sebastian

Nils Petter Molvær tritt heute, am 24. Juli um 18:30 Uhr, im Auditorio Kursaal in San Sebastián auf. Das Konzert ist Teil des 61. Jazzaldia Festivals, bei dem er sein berühmtes Album Khmer neu interpretiert. Das Foto von Jan Bang entstand eine Minute vor Einlassbeginn.
Khmer reste aussi provocateur et magnétique qu’à ses débuts, un voyage hypnotique qui oscille entre intensité, beauté et vibrations électroniques. Un pont entre les générations et les genres, une œuvre magique qui continue d’inspirer, toujours vivante et toujours nouvelle. Un joyau de l’histoire du Jazz norvégien qui nous emmènera vers des territoires inexplorés, beaux et vibrants.
Ed, Mattias, Nils Petter, and Daniel

Höchst faszinierend, wie diese Suite in einem Flow als ein klassisches Album workt. Wie ich las, gab eine Depression im Zuge der Entwicklung im Jahr 2020 Ed O’Brien Anstoß für die Arbeit an Blue Morpho. Und mit diesem Hintergrundwissen ist es gleich nochmal eindrucksvoller, wie diese sieben subtil ausufernden Stücke vielschichtig eine inspirierende Erfahrung, einen persönlichen, sozusagen inneren Weg nacherleben lassen. Ich meine, ich greife nicht zu hoch, wenn ich nach einigen Hördurchgängen dieses Albums von einem Meisterwerk spreche, das im aktuellen Jahr den Status eines Klassikers verdient hat und womöglich das beste Radiohead-Album seit fast 20 Jahren ist.
(ingo j biermann)

While the A-side of the Mattias de Craene & Black Koyo album is more up tempo, the B-side has a slightly different feeling: a quieter and dream like assembly of different soundscapes, of chants that gives a sense of a physical place. A Bridge of Dust and Air is a collage of textures, abrupt digital noise as If captured from a signal station: Background chants, almost whispering voices and distant singing; field recordings from Mattias´ visits in Marocco that includes the sound of waves, sounds from the minaret, bird calls and children playing. A project like this has many layers: the traditional music inherited from generations of players that has been developing through migration and in meetings with other traditions; Mattias de Craene´s search for a spirituality in music; New technology and ancient traditions. Neither jazz nor world music, but an assembly of what resonates within himself.
(jan bang)
These are our „albums of July“. Looking forward to August, our monthly revelations will probably be Nils Petter Molvaer‘s „Be Quiet“ (presented by Jan Bang, who was on the mixing desk, too) and Daniel Lanois‘ „Belladonna Nocturne“ (highly recommended by myself). „I am very curious if there will be song albums this year that will impress you to the same degree or even more than Lambchop‘s Punching The Clown will possibly do.“ This I emailed to Jan Bang, and his answer was: „Haven’t heard the Lambchop album yet, but the Ed O’Brien song «Incantations» comes close to brilliance.“
(m.e.)
That Summer of 1976
Some days ago, Thomas, Andy Beta and I exchanged and talked about our favourite Marion Brown albums. Underrated in every way is Brown‘s last album for Impulse, named „Vista“, produced by Ed Michael in New York, Besides the appearance of jazz maestros like Reggie Workman or Stanley Cowell (whose „Illusion Suite“ will soon be released on ECM’s „Luminessence vinyl series), the album is notable, too, for the appearance of ambient pioneer Harold Budd on celesta and gong on his own composition “Bismillahi ‘Rahmani ‘Rrahim” that would appear in longer form on Brian Eno-produced album “The Pavilion of Dreams” in 1978. „Vista“ as a whole is a never-ending summer love affair, the deepest kind of „easy listening“, in the same way, you could call Eno‘s „Music for Films“ modern mood music. Few albums in my life are more connected to that perfect summer vibe and breeze in the mid-1970‘s, all gates open, all fields green. How I long to feel that summer in my heart, but, why longing, HERE it is! In other words, „Vista“ is a labour of love. Thinking of summer vibes, maritime moods, floating spheres, there will be one album that may match and mirror moods of „Vista“ this year, Enzo Favata‘s „Ritornare“
Schnelles Essen: Krautsalat asiatisch
Man mische in einer großen Schale: ein Bund in Scheiben geschnittene Frühlingszwiebeln, 4 grob geriebene Karotten und einen fein geschnittenen Weiß- oder Spitzkohl.
Für das Dressing in einem Glas mit Deckel (zum Beispiel ein altes Senfglas) je 2 EL Sojasauce/Weißwein- oder Reisessig/Sesamöl/Olivenöl und je 1 EL Honig/gepressten Knoblauch/geriebenen Ingwer gründlich vermischen, so dass der Honig aufgelöst ist. Anschließend mit dem Gemüse (+ Salz und Pfeffer) vermengen. 10-20 Minuten ziehen lassen, mit etwas Koriander bestreuen und ein paar Spritzern Limette beträufeln – und dann essen. (Nach Täglich vegetarisch von Hugh Fearnley-Whittingstall).
Andy Beta on „Close“
There’s a subtlety and nuance to all of Tibbetts’ work that I find hard to pin down or name. And over the past few years, he’s moving at his leisure: in the 21st century, he’s released albums in 6-8 year spans. Even after dozens of listens to his latest, 2025’s Close, it felt like spilled mercury. The more I tried to grab a hold, the more it moved through my grasp. It feels like it will continue to yield new aspects of his sound over the next few years until the next glimpse of his sound comes into earshot. Michaels drei Lieblingsserien für erfüllte Sommerabende, und ein exzellenter Thriller mit Emma Thompson
„„Widow’s Bay“ ist eine Horrorkomödie über eine kleine Insel in New England, auf der ein jahrhundertealter übernatürlicher Fluch lastet. Das Beste an diesem Film ist seine absolut meisterhafte Beherrschung des Tons. Meistens, wenn so etwas versucht wird, gerät die Balance ein wenig aus dem Lot; entweder sind die Schreckmomente zu parodistisch oder ironisch, oder die Witze dienen lediglich als faule Spannungsbrecher. „Widow’s Bay“ schafft es jedoch irgendwie, beides genau richtig hinzubekommen. Der Film ist gleichzeitig eine wunderbar bissige, spritzige, charakterbasierte Komödie und jene Art von wirklich beunruhigendem Horror, bei dem man unbewusst den Atem anhält. Dass es dem Film gelungen ist, dies zu erreichen, ohne irgendetwas zu verwässern, grenzt an ein Wunder.“ (Stuart Heritage, The Guardian)
1) John Sugar, Staffel 2 (Apple +)
2) Maximum Pleasure Guaranteed, Staffel 1 (Apple +)
3) Widow‘s Bay, Staffel 1 (Apple +)“Dead Of Winter – Eisige Stille“ (prime, bluray, dvd)
Man nehme meine Empfehlungen mit gebotener Vorsicht auf, denn bei etlichen Filmen, die hier über die Jahre begeisterte Resonanz auslösten, blieb ich komplett gelangweilt zurück, ob es um etliche „Linklaters“ geht, um Baumbach-Filme a la „The Meyerowitz Stories“ oder „Marriage“, um „Die Fablemans“ von Stephen Spielberg oder James Ivorys „Was vom Tage übrig blieb“ (wo übrigens auch Emma Thompson mitwirkt).
„Dead Of Winter“ benutzt einige „basics“ des Klassikers „Fargo“ der Coen-Brüder: eine irre Psychopathin, gandenlose Winterlandschaften, und eine starke weibliche Protagonistin. Allerdings webt der Regisseur James Kirk daraus eine ureigene Geschichte von Liebe, Tod, Trauer und Wahnsinn. Ein Drehbuch der Extraklasse, das jeder Oberfläche einen eigenen Abgrund unterlegt.
Wie man puren Horror und schwarzen Humor eins werden lassen kann, beweisen die beiden neuen Serien „Maximum Pleasure Guaranteed“ (wo es auch um Vereinsamung in virtuellen Wirklichkeiten geht) und „Widow‘s Bay“ (wo ein „Nebel des Grauens“ a la John Carpenter mehr als einen Abstecher nach „Twin Peaks“ bereithält!), dermassen raffiniert, dass die Stories weit über die Erfüllung genretypischer Muster hinausgehen. Bleibt noch der Privatdetektiv John Sugar, mit Colin Farrell: auch die zweite Staffel eine Meditation über essentielle Fragen des Lebens: Kino pur im TV-Format!
Ich weiss ziemlich genau, was mich an diesem „quartet of excellence“ fesselt, dieser „sehr“ persönliche Faktor, der meistens in Filmkritiken ausgespart wird. Gutes Entertainment allein langweilt mich genauso wie – mitunter (!) – kanonisierte Filmkunst. Das „gewisse Etwas“ ist zwar nicht so schwer in Worte zu fassen, aber selten ein schlagendes Argument. Weil: strictly personal! Der Filmkritiker ist letzlich ein unverlässlicher Erzähler, aber mit der Zeit lernen wir bestimmte Unverlässlichkeiten besonders schätzen!
Zugabe: Um hier auch bei Filmen auf drei Empfehlungen zu kommen, möchte ich an zwei ältere Filme erinnern, die ich erst lange nach ihrer Entstehung entdeckt habe, und seitdem wieder und wieder und wieder ansehen kann, so sehr gerate ich jedesmal in ihren Bann.
“Medium Cool“ (Haskell Wexler, USA, 1969)
“Das rote Eichhörnchen“ (Julio Medem, Spanien, 1993)Es ist schon ein paar Jahre her, da sah ich einen anderen meiner vier Lieblingsfilme des Basken über eine Woche lang an, jeden Tag einmal, in den Abendstunden, „Tierra“. Es war ein unvergesslicher Trip, jedesmal öffneten sich Horizonte, jedesmal das volle Programm von Wirbelschauern, Ergriffenheit und tiefer Trance! Ich stellte mir keine klugen Fragen, ich ordnete das, was ich sah, nicht in die üblichen Fächer. Ein Film, der mir ein paar Schlüssel in die Hand gab, ich musste nur den Mut haben, die eine und andere Pforte zu öffnen.