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  • boom – boom – boom


    Es war mir nie möglich, zu der langlebigen Band Hawkwind nostalgische Empfindungen zu entwickeln, weil ich einfach keine „Hörgeschichte“ mit den Londoner „Psychedelikern“ hatte. Dann erwarb ich vor ungefähr zehn Jahren (ich glaube, in einem Plattenladen, in Manhattan – das Foto oben zeigt ein altes Plattengeschäft in Minneapolis, aus einem coffee table book namens „Record Stores“, das gestern im Café „Mono“ auslag, eine Türweit entfernt vom Dortmunder Vinylladen „Black Plastic“), dieses erste Album der Gruppe, von 1970, aus dem Jahr also, als die Beatles „Hello Goodbye“ sagten, und es schlug mich in seinen Bann, von Anfang bis Ende. Als ich mir Jahre später ein weiteres, vielgelobtes Werk von Hawkwind zulegte, blieb ein ähnlicher „impact“ aus. Dass ich derzeit zahllose Cd’s und Lp‘s verkaufe, verschenke, was immer, ist Teil des Rituals, nur „meine Musik“ zu behalten, Musik, die nicht aufhört, mich zu erfüllen, zu bereichern, mich an mein Lebendigsein zu erinnern, und andere Zustände des Bewusstseins zu ermöglichen. Das Debut von Hawkwind wird stets bei mir bleiben. Unverkäuflich. John Lewis schreibt über einen Deluxe-Set der erneuten Wiederveröffentlichung dieses Debuts in „Uncut“ folgendes:


    „Die ursprüngliche Mission von Hawkwind, wie sie auf dem Cover ihres beeindruckenden Debütalbums von 1970 beschrieben wird, bestand darin, den Geist „auf angenehme Weise, ohne LSD …“ zu beflügeln. Die Rebellen aus Ladbroke Grove um Dave Brock entwickelten einen zutiefst experimentellen Sound, der sich aus Avantgarde-Jazz und Psychedelia speiste, dessen primitive Kraft jedoch auch den Punk prägen sollte. Produziert von Dick Taylor von The Pretty Things, ist Hawkwind im Wesentlichen eine intensive Freeform-Jam-Session, eingerahmt von der rauen Folk-Hymne „Hurry On Sundown“ und dem kalten Erwachen von „Mirror Of Illusion“, die beide die Menschen dazu auffordern, in sich selbst nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu suchen. Mit einem beunruhigenden Dröhnen von Gitarren, Saxophon und Dik Miks Oszillatoreffekten wirkt das Ganze immer noch seltsam kraftvoll.“

  • Der Heilige Geist

    Der junge Musikjournalist Ivan sitzt im Redaktionsbüro. Seinen etwas eigenwilligen Text will der Redakteur nicht ins Magazin aufnehmen, aber er bekommt den Auftrag, einen Artikel über Albert Ayler zu schreiben. Drei Seiten. Bis Sonntag. In dem Kurzfilm „Workation“ (Originaltitel „les tracances“) sind verschiedene Zeitspannen ineinander und miteinander verschachtelt und kunstvoll verwoben: Die Zeit, die Ivan auf dem Land verbringt, die Zeit mit der jungen Lehrerin und ihrem dreizehn Monate alten Sohn, die Zeit, die es braucht, um jemanden einzuschätzen, die Zeit, um eine Entscheidungen zu treffen. Und dann erzählt die Mutter seines Freundes eine Geschichte aus ihrem Leben, die ihre Kinder noch nicht kannten und bei der es auch um eine große Hoffnung geht und auch hier spielt die Zeit eine Rolle. So etwas kann man nicht erfinden, sagt Regisseur Victor Boyer im Interview. Ein sehr französischer Kurzfilm in sommerlicher Landschaft, mit gutem Essen, verstohlenen Blicken und trotzdem ohne Klischees. Die Bildsprache ist fein komponiert. Ein Beispiel, ohne zu viel zu verraten: Ivan steht während des Abspanns so auf der Schwelle zum Balkon, dass sich seine Körper in der Glastür spiegelt. Es ist die Zeit der Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten. Dann geht er einen Schritt nach vorn und betritt den Balkon. Sein Spiegelbild ist nun nicht mehr sichtbar. Er hat seine Entscheidung getroffen. Es macht die Stärke des Films aus, dass diese Entscheidung so oder so ausfallen kann. Durch den Film zieht sich ein Statement zur Technik: Technische Geräte werden entweder nicht eingesetzt, obwohl es sinnvoll oder üblich wäre, oder sie erfüllen nicht ihren Zweck und bauen Druck auf. „Workation“ ist ein überzeugender Independentfilm, bei dessen Dreh auch kleine ungeplante und nicht planbare Dinge passierten, die nicht korrigiert wurden, was durchaus seinen Reiz hat und zusätzliche Momente der Authentizität einbringt.    

    Link zum Film.
    Dauer: 46 Minuten, verfügbar bis 22. März 2026
    Interview mit Victor Boyer (Drehbuch, Regie, Produktion)

  • Nächte mit John und Terje (1975)


    Mein erster Würzburger Sommer verlief hart. Denn die Stadt liegt in einem Kessel, und mein Heuschnupfen erfuhr dort eine massive Steigerung. Nachts um drei zogen sich die Bronchien zu, und ich musste schweres Geschütz auffahren, um die Luftnot zurückzudrängen: das Mittel hiess „Asthmokranit“, und wurde Jahre später aus dem Verkehr gezogen wegen dem als Krebs erregend geltenden Bestandteil Aminophenazon. Das Schöne war: in diesem Heilmittel war auch eine gute Portion Ephedrin enthalten, und wenn die Wirkung einsetzte, war bald nicht nur genügend Sauerstoff für die Lunge vorhanden, sondern auch ein „High“ im Hirn nicht zu leugnen. Diese euphorisierende Wirkung war eine Art Belohnung für das Elend zuvor. In dieser sechs Wochen währenden Gräserblüte hatte ich aber noch zwei Verbündete, und die hiessen John Coltrane und Terje Rypdal (es gab noch andere Musiker, aber meine Erinnerung landet zu allererst bei diesem ungleichen Gespann).

    Ich wundere mich noch heute, dass keine schlafgestörten Zimmernachbarn an die Wände des meines schmalen Zimmers im fünften Stock des I-Hauses klopften. Ich hörte die Musik recht laut, die Renner meiner Asthmabekämpfung-Charts waren „Odyssey“ und „Whenever I Seem To Be Far Away“ von Terje Rypdal, sowie „Live In Japan“ von John Coltrane. Monomitschnitte seiner letzten Japantour, grandioser Free Jazz, von seinem Hauslabel Impulse auf mehere Schallplattenseiten verteilt. Diese Musik nachts um 3.30 Uhr erweiterte die Bronchien und den Geist. Die hymnischen, phantasievoll jazzrockenden, mit herrlichen Streichersounds versehenen Kompositionen der beiden Rypdal-Platten strahlten einen ureigenen Zauber aus, und manchmal löste sich die innere Spannung mit lautlos fliessenden Tränen.

    Ein kleiner Sprung nun, fünf Stockwerke tiefer, dort schlief Andrea, rehbraune Augen, tief gebräunt. Ich war, durch meine Asthmaarien, und den damit verbundenen Schlafentzug, eine etwas blässliche Erscheinung, und damals neigte ich auch noch zur Schüchternheit, was einen Romantiker wie mich in die Defensive reiner Tagträumerei drängte. Mit Andrea ging ich jede Woche am Mittwoch durch den kleinen Park zum Audi Max, wo wir kostenlos Filme der „Nouvelle Vague“, des „Neuen Deutschen Films“, des „New Hollywood“ sahen. In jenem Sommer startete ich keinen einzigen Annäherungsversuch, ich war geblendet von ihrer Schönheit, und seltsam einfallslos. Nun, ich war nicht gerade verliebt, und hatte insgeheim das Gefühl, dass sie nicht unbedingt eine Seelenverwandte war, aber das hätte sexueller Erfüllung keineswegs im Weg gestanden. Sie war unglaublich nett, und während manche sagen, dass nett die kleine Schwester von langweilig ist, war in diesem Fall nett die kleine Schwester von attraktiv. Total attraktiv. Wir tranken Obstwein hoch über Würzburg, wir sassen Körper an Körper in den Holzstühlen des grossen Hörsaals, es passierte nichts.

    Im Sommer darauf, als sich alles geändert hatte, schlenderte ich durch die Stadt und traf Andrea vor dem Zeitschriftenladen Montanus. Sie strahlte mich an, Blicke, die ich zuvor so nie von ihr aufgefangen hatte. An ihrer Seite ihre Eltern, die gekleidet waren wie bürgerliche Mustermenschen aus dem Spessart, Hut und Jägerjoppe und alter Zeit entsprungen. Andrea machte aus der Vorstellung einen geradezu förmlichen Akt, sie war, wie ich am Tage darauf erfuhr, vom ersten Tag an in mich verliebt und traute sich bloss nicht, den ersten Schritt zu machen. Was für eine Idiotie – ich wusste noch zu genau, was ich im letzten Sommer getan hatte. Ich hatte „Leo“ von John Coltrane gehört, in gloriosem Mono, ich hatte „Rolling Stone“ von Terje Rypdal gehört, die Spasmen der Bronchien lösten sich, das Ephedrin besorgte eine dezente Euphorie. Fünf Stockwerke tiefer wartete sexuelle Erfüllung auf mich. Nacht für Nacht. In my dreams. Ich drehte einfach nur die Plattenseite um. Und schrieb einmal einen Brief an eine evangelische Pfarrerstochter in der Bittermark. Sie antwortete nie. Und dann eine Begegnung im Fahrstuhl. Love came to town. Desire. Yellow Fields. Zuma. Christiane.

  • “Elevation“

    Nach der Produktion der „Minnesota-Kathmandu-Connection“ fiel ich in ein kleines Loch. So wohltuend die Umgebungen waren, an denen ich Steve Tibbetts‘ Musik hörte und mich dann ans Schreiben, Schreiben, Schreiben machte, so erschöpft war ich erstmal. Ich hatte mir nämlichnden Anspruch gestellt, dass mein letztes Portrait im Deutschlandfunk mein so ziemlich bestes werden sollte, und als durchaus zur Selbstkritik fähiges Individuum war das Feilen an den Sätzen und Wörtern, ein echt anstrengender „flowworker“-Job.

    Ein Symtom meines Groggyseins war, dass ich so gut wie keine Musik hören konnte (nicht mal die anstehenden neuen Werke von Sunn O))) und Bill Callahan), und jede Menge Leerlauf erlebte, was nicht unbedingt zu schönen Aha-Erlebnissen führt, sondern zu Mattigkeit, Müdigkeit, Regression, Langeweile. Gestern endete diese kleine Phase, die auch von den Schreckensmeldungen aus Minneapolis gefüttert wurde, als ich im Plattenschrank ein altes Exemplar von Pharoah Sanders‘ „Elevation“ fand, und auf einmal unheimliche Lust verspürte, das Ding zu hören.

    Es hat Jahrzehnte in meinem Archiv geschlummert, ist immer noch in prächtigem Zustand, und produzierte bei mir genau das, was für Pharoah titelgebend war, „Elevation“. Eine neue alte Leichtigkeit erfüllte mich, und auch wenn ich nicht von meiner petrolfarbenen Couch abhob, ergrifft mich die Musik – ich bemerkte, wie sich neben zeitweiliger Gänsehaut auch ein paar Tränen ihren Weg bahnten. Ich hatte diese Schallplatte im Jahr ihre Erscheinens in Würzburg gekauft, und manche Erinnerungen wurden beim Wiederhören wach, neben der Wucht, die diese fabelhafte Musik sowieso und nach wie vor hat. HIER ist ein Beitrag aus Dereks Musikblog, der „Elevation“ in den Kontext der Musik von Pharoah stellt. Ich liebe seine Musik! Ich habe so ungefähr ein Dutzend seiner Alben, und die Klanghorizonte haben immerhin dazu beigetragen, dass Martina W. sein Debut „Tauhid“ entdeckte – ein all time classic! In den letzten Jahren sind manche seiner Live-Konzerte aus den 1970er und 1980er Jahren ans Tageslicht befördert worden, auch ein wunderbarer Auftritt in der Hamburger Fabrik.

  • Monthly Revelations (February)

    album JONATHAN RICHMAN: ONLY FROZEN SKY ANYWAY
    talk STEVE REICH: CONVERSATIONS
    archive MORTON FELDMAN: ROTHKO CHAPEL / FOR FRANK O‘HARA
    prose CARLOS CASTANEDA: DAS WIRKEN DER UNENDLICHKEIT
    film PASSGIERE DER NACHT
    television ALL HER FAULT
    radio DIE MINNEAPOLIS-KATHMANDU CONNECTION

    (das Albumcover liegt mir schon in sechs audio files vor. Die dazugehörige Musik wird im April mit grosser Wahrscheinlichkeit a) das Album des Monats sein und b) als letztes Stück meiner Klanghorizonte Ende Mai erklingen. Die liner notes stammen von Robert MacFarlane.)


  • Meine Lieblingsromane zwischen den Jahren

    Es verrät natürlich etwas über einen selber, wenn man die Leseerlebnisse preisgibt, die einen zwischen den Jahren absolut gefesselt haben. Manche, die hier zufällig vorbeischauen, könnten sagen: – ach, der liest ja nur Krimis! Aber so ein Satz verrät wiederum mehr über die jeweilige Laufkundschaft als über mich. Die folgende Liste biete ich ohne „ranking“ an, weil sich die Bücher imho auf Augenhöhe bewegen und wunderbare, fesselnde, verstörende, begeisternde, und klügermachende Leseabenteuer darstellen.

    Sicher sind die historischen Kriminalromane von Herrn Dorweiler konventionellerer Natur als der „psychdelische“ Sprachrausch eines Andreas Pflüger oder der Zeitenspringer-Trip eines Zvoran Drvenkar, aber das änderte nichts an der Tiefe, in welche mich diese sehr verschiedenen Erzählwerke hineingezogen haben. „Zwischen den Jahren“ bedeutet in diesem Fall zwischen Januar 2025 und Februar 2026, weil ich mit einem 690-Seiten-Schinken gerade erst angefangen habe, der er mich gewiss noch zwei, drei Wochen begleiten wird – und ich jetzt schon, auf Seite 112, ein Loblied auf ihn amstimmen könnte. Im übrigen sind all diese Bücher schon viel und umfängluch gerühmt worden, also gibt es kaum „Neuentdeckungen“. Ausser für die, die sich darauf einlassen, eines dieser Werke in Angriff zu nehmen (am besten, ohne sich vorher darüber schlau zu machen. Nichtwissen ist oft hilfreicher für „wows & flows“ als immer schon zu wissen, wohin der Hase hinläuft.)


    Der bedeutsamste Roman meines Lebens ist und bleibt „Rayuela – Himmel und Hölle“ von Julio Cortazar (übrigens kein Kriminalroman). Ich hätte auch Lust, bald mal wieder einen dieser Klassiker zu lesen, wie Thomas Manns „Buddenbrooks“ oder die vielgefeierte Neuübersetzung von Miguel de Cervantes‘ „Don Quichote“, meine Nummer 2 unter meinen „favourite reading trips ever“ (ich war 18 und verschlang die Dünndruck-Edition aus dem Hause Winkler in vier Wochen, und mit achtzehn hat man normalerweise andere Sachen im Kopf). Aber diese Liste hier kommt, wie gesagt, ohne jede Reihenfolge daher. Als kleiner Anreiz für die mit dem „Edgar“ ausgzeichnete Zeitreise in den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) fällt mir noch Nick Cave ein, der wohl, neben meiner alten Freundin Ulrike Haberl, zu den einzigen mir bekannten Personen zählen, die noch mehr Romane von James Lee Burke gelesen haben als meine Wenigkeit.

    Andreas Pflüger: Wie sterben geht
    Andreas Pflüger: Kälter
    James Lee Burke: Im Süden
    Zoran Drvenkar: Asa
    Ralf H. Dorweiler: Die Farbe des Bösen
    Liz Moore: Der Gott des Waldes
    Chris Whitaker: In den Farben des Dunkels

  • On Memory Lane with Steve T.

    Dear Steve, there may be some „hot takes“ in this hour including the two „song albums“ I compared „Close“ to, but I did that for good reasons. In one passage I even went back to old diaries and letters about your experiences in the far east – hope the letter to Claudia will be a surprise for you.  (…) This radio hour was written during and after my weeks on Pellworm and at home. (…) One evening I went down to the seas listening to LIFE OF, and while being surrounded  by the music and the Northern Sea, I remembered a moment on the island of Wangerooge in 1974/75. Michael Naura, the Jazz matador from the NDR, Hamburg, played a track from Ralph Towner‘s „SOLSTCE“ called „Nimbus“, and I heard it on a cheap, metal radio transistor without headphone, while it was  raining hard, the waves crushing, and it blew me away. i felt the same  sense of wonder and amazement when listening again to „LIFE OF“. Fifty years ago and this moment of time standing still on Pellworm became one – it was my personal „Ganachakra experience“ of awareness😉… (…) Michael


    Hi, Michael, the track „Oceanus“ changed my life.  If I had to pick one selection that embodied the peak of ECM’s glory years, that would be the one. I met Ralph Towner twice, once in NYC at Bob Hurwitz’s apartment, and once at an Oregon gig here in Minnesota.  The New York meeting was over a glass of wine at Bob’s apartment in the West Village.  There was still a pervasive aura of „Welcome to the ECM family.“  Hans Wendl wrote those words in his first letter to me, the letter confirming dates for Oslo in ’81.  ECM had its own office on Park Avenue.  They were riding high.  I had been flown to NYC to do interviews for „Northern Song.“  I was starstruck to be around Towner.  I felt like my position in this new „family“ was like meeting a new girlfriend’s parents, maybe at a dinner in the Hamptons.  Small talk, kind smiles, but a subtle tension at being the new guy.  I sipped my wine very slowly and thought, over and over, „Don’t say anything stupid.“ (….) The second time was after an Oregon concert at the Cedar Cultural Center. This was when they were working with a new percussionist after Colin died. The concert itself was good, but what astounded me was Ralph’s piano playing.  I made a vow, that night, to take piano lessons (I did) and to practice guitar 5-6 hours a day (I didn’t).  Again, we chatted after the concert, and again, I was star-struck.  Colin changed my life as well, but that’s a story for another time.  Your use of the word „ganachakra“ in your email is an „suspicious coincidence,“ as they say.  Best to you, s

    A week later:


    YOUR radio mission accomplished! I think you should still stay on the radio, but if it must be, a wandering griot also works.  Wander in this direction, rent a car in New York City, find your way west, Route 66.

    There’s more to do.  

    Onward, with gratitude,

    -s

    (fact is: my next hours of „Klanghorizonte“ are scheduled for May and September 2026. And then… a wandering griot, a stargazer, some meditation, some horizons, who knows…)

  • Dokumentarfilm

    Das Jahr ist bereits drei Wochen alt, wie ich feststelle, und die Tage sind gerade immer zu kurz. Meine alljährliche Anstellung bei der Berlinale hat bereits begonnen, auch wenn der Januar meist nur von einfachen und überschaubaren Vorbereitungen geprägt ist. Gestern wurde das Programm veröffentlicht, und ich freue mich besonders auf einen Dokumentarfilm über Siri Hustvedt, der glücklicherweise auch am ersten Tag in „meinem“ Kino (d.h. für das ich leitend verantwortlich bin während des Festivals) gezeigt wird. Nicht weiter überraschend wurde mein eigener Dokumentarfilm nicht eingeladen, aber es ist auch kaum möglich, mit Filmen über renommiertere, weltbekannte Künstler/innen zu konkurrieren, wie in diesem Jahr eben Siri Hustvedt (interessanterweise eine deutsche Produktion) und Douglas Gordon. Beide natürlich ungleich teurer als mein kleiner Film. 

    Allerdings habe ich gerade in den letzten zwei Wochen viel Zeit damit verbracht, ein Konzept für einen komplexen Dokumentarfilm zu schreiben, das ich seit einem Jahr im Sinn hatte und nun endlich mal niedergeschrieben habe. Und dieser Film hätte eine eine sehr bekannte Persönlichkeit im Zentrum bzw. im Fokus. Es ist (bzw. wäre) allerdings kein klassisches Künster-Porträt (oder gar „Musik-Doku“, wie mancher ja gerne despektierlich sagt), sondern ein Film über die Vereinigten Staaten und über die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft (also konkret in der amerikanischen, aber letztlich natürlich auch im weiteren Sinne) — und natürlich auch über Musik und großes Songwriting. Zweieinhalb Stunden Laufzeit habe ich veranschlagt; und schon das scheint mir fast zu kurz, für mein Konzept mit 12 Kapiteln und bis zu 100 in der aktuellen Erzähl-„Roadmap“ integrierten Songs; das gibt viel her.

    The film unfolds in 12 chapters, loosely chronological in historical time but associative in cinematic logic; the film privileges thought over plot, accumulation over explanation, and cultural resonance over biography. (…) Like Alexander Horwath’s film about Henry Fonda, my film treats its subject less as an individual than as a cultural instrument—a vessel through which a nation speaks, often against itself. (…) The film asks: what kind of country speaks through these songs, and what remains unsaid?

    The intention is to re-politicize listening. To hear familiar songs not as nostalgia, but as historical testimony. To place culture back into the flow of labor, policy, violence, and consequence. And to ask whether remembering—clearly, honestly—can still be a political act. 

    Das Konzept hatte ich eigentlich fürs erste als weitaus weniger umfangreich geplant, aber da mir über die letzten Wochen fast jeden Tag neue Überlegungen ein- und auffielen, gerade auch beim Hören durch das Werk und beim Lesen verschiedenster Primär- und Sekundärquellen und das Thema und der Stoff so viel hergeben, ist es letztlich fast ein Drehbuch geworden. Mit einem persönlichen Brief und ein paar weiteren Zusatzmaterialien (eigenen Filmen und so) habe ich das 70-seitige Dokument – 10 Seiten Projektbeschreibung mit „Director’s Note“, „Why this film, why now“, warum es noch keinen vergleichbaren Film gibt + 50 Seiten „Roadmap“-Drehbuch-Treatment-Mix + 10 Seiten Anhänge über die Songs und Themen im Film) gestern an den Protagonisten tbc verschickt. 

    Fürs erste wissen nur ganz wenige genaueres; ich werde berichten, sollte es weitergehen.