• Flying over

    „Your breath is sweet, your eyes are like two jewels in the sky
    Your back is straight, your hair is smooth on the pillow where you lie
    But I don’t sense affection, no gratitude or love
    Your loyalty is not to me but to the stars above“

    (Bob Dylan, One More Cup Of Coffee)


    1998. Early morning hours. I’m walking on the pavement of Sachsenwaldstrasse in Dortmund in deep darkness and pouring rain. I suddenly realise that I’m dreaming. (Maybe I’ve done the reality check). I say to myself: ‘Right, I want to shoot through the clouds like a rocket and see blue sky.’ A bit unreal in reality, but that’s exactly what happens. I shoot through the rain at immense speed, through dark clouds, fully conscious, until the sky turns bright and blue in fast motion. A thrilling experience.

    I retain consciousness and make the announcement in a clear voice that I now want to fly over the Atlantic Ocean. Towards the east coast of the USA. Soon the sea is beneath me. It’s a little chilly and I wish the airflow  would be warmer. It gets warmer, thanks! 

    I glide for about twenty minutes, fully aware that I am dreaming, about 300 metres above sea level. The sea is calm. In a lucid dream, there is hardly any time distortion because you are ‘present’ with full lucidity. 

    Suddenly I see the skyline of a large city on the east coast of the USA. I think about what I want to do and decide to fly into an open window of a tower block. Adventure! I slow down, discover a window and, to my surprise, end up in a negotiating session in which Central American countries are discussing coffee trade there is a mix of Spanish, American Engkish and African (?) sounding languges i cannot identify. How should I? I say to myself, this is absolutely crazy, laugh, and unfortunately I lose my conscious mind in the dream state…

    Now this was an example of a lucid dream that clearly sticks to adventure and surprise! A few days ago I described a lucid dream from 2017 that surprised me in the final section with a never before heard Brian Eno song sung by Eno. HERE.

    Now, again, this is no weird sci-fi story. In 2021 I was invited in Utrecht to „a lucid dream group“ for a teaching lesson (how to get a lucid dream within two weeks!), and quite at the end I was asked again and again about that „Eno song“ in the lucid dream state. Within the next weeks of Eno’s song webinar I will post the Q&A-part of the Utrecht session. For anyone who is interested.

    Just imagne what a trained musician could do within a lucid dream state with a new song he wishes to come from a cd -player?! This is the territory of scientifically based dream research and no esoteric mind game stuff of people reviving their Acid memories! By the way, the Dylan quote is a little joke towards that coffee trade session in an American high rise. The photo above was taken in the days of meeting Eno and Hyde in 2014, in a coffee shop in Soho, Wardour Street. I divert. No other Bob Dylan album like this one („Desire“) ever had a more emotional and sustaning impact in my life.

  • Richard Dawsons „Endspiele“

    „Nach The Ruby Cord, einem 80-Minuten-Album, das in einer halluzinatorischen VR-Zukunft spielt, konzentriert sich Richard Dawson hier auf kleinere Dinge: nämlich auf das alltägliche Trauma von Familien am unteren Ende der Mittelschicht. Dennoch ist sein Songwriting so kraftvoll und bewegend wie eh und je, mit all den düster-komischen Anklängen, für die er bekannt ist. Auch musikalisch ist End Of The Middle zurückgenommen, in seiner Sparsamkeit vom frühen Neil Young inspiriert, mit markanten Free-Jazz-Holzbläsern, die Dawsons romanhafte Erzählungen beleuchten. „Gondola“, ‚Bullies‘ und ‚Removals Van‘ deuten ganze Welten an, bevor ‚More Than Real‘ in tränenreichem Technicolor schließt.“

    So die kleine Besprechung von Tom Pinnock in der Februarausgabe von UNCUT. Einige von uns kennen diesen Song-Exzentriker seit Jahren, jetzt legt er einen Songzyklus vor, der in anderer Weise als Wim Wenders‘ „Perfect Days“ von dem japanischen Regisseur Ozu inspiriert ist. Ich wittere hier auch mehr als einen „touch of Beckett“ und erinnere mich, wie wir bei unserm Englischlehrer einst Becketts „Endspiel“ lasen und interpretierten!

    Ich habe das Album bereits hören können – ein Songvideo („Polytunnel“) habe ich in meinem „Echo“ auf Enos Songseminar verlinkt. Dass die lyrics kleine Welten kreieren, in einer dem „normalen Alltag“ entnommenen Sprache, die durch ihre Kombination mit überraschenden Wendungen eine besondere Kraft entfaltet, ist ein wirklich gekungener Kunstgriff von „songwriting“. In comment 1 die lyrics des Liedes „Gondola“. Dieses Lied, in dem eine frei flottierendes Klarinette wundersam herumgeistert, endet mit folgender Strophe – und einer etwas anderen Venedig-Impression!

    Meine Träume starben wie Delphine in einem Netz.
    Ich konnte nie nach Venedig fahren
    und wie viele Sommer habe ich noch vor mir?
    Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich eine Oma bin.
    Jen hat gerade ihre Fahrprüfung bestanden.
    Ich werde ein paar tausend Pfund
    in ein Auto investieren
    und mit ihr in den Urlaub fahren –
    „making memories“, bevor es zu spät ist.
    Da sind wir nun, unter der Rialto-Brücke,
    zusammengekauert in einer Gondel.

    Ich möchte HIER noch einen weiteren Song aus „End Of The Middle“ vorstellen. Am besten nicht einfach kurz reinhören, und schnell entscheiden, sondern vielleicht erst mal die lyrics im Vorfeld lesen (das Original, und eine rasche Deepl Übersetzung folgt in Kürze in Comment 2), und dann den Song in Ruhe aufnehmen. Richard Dawson gehört zu den interessantesten „Leftfield“-Songschreibern Englands, ein sympathischer Coldplayfan wird rasch die Flucht ergreifen, und auch mit der Stimme müssen sich (man muss natürlich gar nichts) manche ggf. erstmal anfreunden. Dann aber könnte – ich sage „könnte“ Dauerhaftes entstehen.


    Es ist schon toll, was Domino seit Jahr und Tag publiziert (zuletzt das editorische Mammutmeisterstück „G stands for Go-Betweens, Vol. 3“, ein Boxset, der schneller ausverkauft als besprochen wurde), auch Robert Wyatt (in manchem ein Seelenverwandter von Robert Wyatt) hatte da in seiner letzten Schaffensphase eine Hafen gefunden. Und von wem stammte das Album des Jahres 2024 in den Ohren von drei, vier Flowworkern?! Bingo! Und sonst, anno 24: John Cale, Julia Holter, Jon Hopkins, Hayden Thorpe, Bonny Prince Billie (bald eine neue Scheibe) und und und…. Nochmal zurück zu Richard Dawson am 14. Februar erscheinendem Album, das auch eine Brücke schlägt zu Michael Leighs Filmen, zu den alten Erzählungen von Alan Sillitoe – wer erinnert sich noch (auch eine Verfilmung gab es) an „The Lonliness of The Long-Distance Runner“. In den Worten von Richard: . “It zooms in quite close-up to try and explore a typical middle class English family home,” Dawson said in a statement. “We’re listening to the stories of people from three or four generations of perhaps the same family. But really, it’s about how we break certain cycles. I think the family is a useful metaphor to examine how things are passed on generationally.”

  • Fisch auf Kartoffelbett (splendido!)


    Es folgen hier noch einige Ergänzungen zum Rezept, das im comment 1 noch einmal nachzulesen ist. Die Musik hinterher im Wohnzimmer – zu Speis und Trank – „Dinner Music“ von Carla Bley, ein sehr gutes Album, bei dem man stets Hintergrund- und Hinhören changieren kann. Ambient Jazz vom Feinsten! Und der Extraklasse eines so köstlichen und so nie zu bereiteten Fischgerichts angemessen. Die Wahl fiel auf einem frischen Saibling von besten Fischhändler der Stadt.

    • Kartoffelscheiben lassen sich gut von Hand mit der Petersilie-Knoblauch-Mischung vermengen, bevor man sie auf dem Backblech (ohne Backpapier) ausbreitet (drei vier dünne Zitronenscheiben reichen locker)
    • Den Fisch mit Haut salzen, natürlich von unten, wo er ausgenommen wurde vom Händler und an den parallelen Einschnitten.
    • Ich kann mich nicht erinnern, je einen wohlschmeckenderen Fisch gegessen zu haben, der zugleich ungemein saftig ist.
    • Wer eine Triggerwarnung braucht bei der Vorstellung, einen ganzen Fisch mit Augen und Schwanz serviert zu bekommen, nun, man kann es natürlich auch mit Filets machen (aber ob es dann soooo saftig wird, ist zu klären)
    • Der Saibling (370 Gramm, mit Kopf) und das Drum und Dran reicht (gerade so) für zwei Personen, man kann gut einen zweiten Saibling aufs Kartofellbett legen!
  • Über den Schnee von morgen (und übermorgen)

    1. Wer ist am 1. Mai, wie ich voraussichtlich, in der Elbphilharmonie, bei einem Konzert von Anouar Brahem Anja Lechner, Django Bates und Dave Holland? Könnte ein kleines Flowworker-Treffen werden, with special guests Norbert, Toni a.o.!
    2. Tommy Perman und Andrew Wasylyk sprechen über ihre Musik.
    3. Irgendeiner (zwei, drei lesen es mindestens) bespricht Samanthas „Umlaufbahnen“
    4. Das Unerwartete ist sowieso Programm
    5. Ein neues Buch aus der Serie 33 1/3 über Paris 1919. Nicht nur ein Fall für Jan R.
    6. Ein neues Buch aus der Serie 33 1/3 über meine Lieblingsplatte von Yo La Tengo, und in der Ankündigung heisst es: Hailed as a “quiet masterpiece” upon release, Yo La Tengo’s And Then Nothing Turned Itself Inside-Out (…) is a delicate and hushed album (…) that helped forge a new mythology for rock and roll: one not built on sex, drugs and debauchery, but instead the quiet lives of people living in peaceful suburban homes. From the nothingness of the everyday, something incredible can emerge. (Hat meine Liste der für mich grossartigsten Alben der Neunziger Jahre knapp verpasst, es kam im Februar 2000 raus.)
    7. Und wer exzellentes Serienfutter, zumindest in meinen Augen, zwischen den Jahren erleben möchte, dem empfehle ich Taylor Sheridans „Landman“ (nicht allein Billy Bob Thornton läuft da zu Hochform auf, dessen deutsche Synchronstimme ich genauso schätze wie das Original), und die wunderbare dreistaffelige Serie „Somebody, Somewhere“, die am Rand der achtgrössten Stadt von Kansas spielt, und ganz ferne (und nur gute) Assoziationen an „Ausgerechnet Alaska“ weckt. Und ein ganz eigenes Ding rockt.
    8. An diese Stelle ein herzlicher Dank an Lajla, die mich just dazu brachte, meinen Text über den Schnee von gestern zu vermüllen😉!
    9. and finally (das ist zwar auch „Schnee von gestern“, aber wenigstens zeitlos) , two movie nerds in action!

  • „End To End“ – eine Erinnerung an Barre Phillips und eine Begegnung mit Ray Davies

    I bless the light
    I bless the light that shines on you, believe me
    And though you’re gone
    You’re with me every single day, believe me
    (The Kinks, Days)

    1981 erschien im österreichischen Bläschke-Verlag mein Lyrikband „Die Landung der fliegenden Teppiche“, in der Zeit, als ich in der Fachklinik Furth i.W. für Alkohol- und Medikamentenabhängige meine erste Stelle als Psychologe antrat, mit jeder Menge Schallplatten als Teil meines survival kit in einer Gegend, die den meisten von uns wie das absolute Hinterland vorkam. Damals lief in meiner Wohnung im Örtchen Bergeinöden auch, neben all dem üblichen Verdächtigen, „Send Me A Lullaby“, die erste raue Platte der Australier, und die Go-Betweens und ich, das war eine Beziehung, die von Dauer war.

    In dem Büchlein (der Umschlag war ganz weiss gehalten mit blauen Lettern) war eine Gruppe von Gedichten dem Album „Three Day Moon“ von Barre Phillips gewidmet. Tatsächlich waren die Titel der Stücke dieses umwerfenden Albums auch die Titel der Gedichte, und ich schrieb die einzelnen Texte, während die jeweiligen Stücke liefen. Ich musste also recht oft die Tonnadel auf den jeweiligen Anfang stellen. Leider habe ich kein Exemplar des Buches mehr zur Hand , sonst hätte ich für Flowworker das schönste davon rausgesucht. An die Schönheit der Musik kamen meine Texte nicht wirklich heran, und „Three Day Moon“ wird heute, nach Olafs und Martinas Hamburg- und Zeitreisen, auf den Plattenteller gelegt. In memory of Barre Phillips!

    Einem anderen hero meines musikalischen Lebens bin ich heute Nacht im Traum begegnet, Ray Davies. Der Ort war ein Kammermusiksaal in London, dem Purcell Room nicht unähnlich. Dort wurde seine neue Platte gespielt, auf einer Surroundanlage, und sie war bei ECM erschienen. Ich hielt das Album in der Hand: auf der Rückseite stand unten in kleinen Buchstaben der Name Ray Davies, und eine schwarze Linie führte nach oben, wo in dem gleichen Schrifttyp „piano“ stand, keine „vocals“.

    Etwas von der Musik bekam ich zu hören, es war strenge elektroakustische Musik, allein die sparsamen Linien dies Klaviers setzten sich mit ihrem meldischen Sound von gelegentlich abrupten Geräuschsalven ab. Sehr seltsam. Ray Davies sass im Hintergrund, ich ging rüber und begrüsste ihn mit freundlichen Worten, und als ich ihm sagte, ich hätte nie damit gerechnet, ihn bei ECM zu erleben, schmunzelte er vielsagend. In einem Bistro nebenan traf ich eine Frau namens Lajla. Kein Witz. (Eine alte Spielregel der Traumdeutung: Träume sind so fantastisch: wenn du sie erzählst, schmücke sie nie aus, erfinde nichts dazu!)

    Gestern kam, im realen Leben, mit der Post eine Neuauflage der Platte „Headquarters“ der Monkees, über die Norman Maslow im Internet was erzählt hatte, ich dachte an meinen im September verstorbenen Blutsbruder Matthias, und wunderte mich einmal mehr, wie tief der Schmerz ging, obwohl wir nach der Kindheit ohne jeden Streit andere Wege gingen. Natürlich hatte ich mir das Album als Fahrkarte in die Kindheit besorgt, aus purer Nostalgie. Es ist ein wenig Zeit ins Land gegangen, die Teppiche fliegen wieder, diesmal ins Nirgendwo.

  • Eine kleine Veränderung der Wahrnehmung

    Das Album steht ziemlich einzigartig und ein wenig einsam in der Landschaft ihrer Musik herum. Jedenfalls bei mir daheim, und ich kenne ihre Musik, seit ich mit 16 „Blue“ zu Weihnachten bekam, ein Album, das reinhaute in meine junge Seele und meinen jungen Körper wie wenig anderes.

    Als Jahre und Jahre später „The Hissing Of Summer Lawns“ erschien, immer noch in den Siebzigern, wo so vieles, was sie anfasste, zu Gold wurde, hagelte es ein paar böse Verrisse, was leicht passiert, wenn Erwartungen enttäuscht werden. Ich mochte das Werk immer ganz gerne, aber es war mir nie so nahe wie Hejira oder Blue, und kam auch nicht an meine intensiven Stunden mit Court and Spark umd Mingus heran. 

    Das änderte sich vorgestern. Ich glaube, wenn man eine alte Platte aus den Siebziger Jahren wieder hört, gleichen sich die „neuen“ Hörerlebnise den alten an. Klar, kennen wir! Auch das, was man darüber dachte, findet sich in den jetzigen Empfindungen gespiegelt. 

    Es war also, gelinde gesagt, eine kleine Überraschung, als ich gestern „The Hissing Of Summer Lawns“ erlebte, erst in Quad (einer wundervollen Surroundversion, ich hatte sie vor einem halben Jahr schon gehört, aber da passierte noch nichts), später dann, als Abgleich, in der Stereoversion. 

    Wie nie zuvor, war ich „in der Musik“ drin. Weder alte Reflexe noch Einordnungen funktionierten, und ich hörte jedes Lied, wenn nicht wie zum ersten Mal (das war ohnehin nicht so beglückend, damals), sondern, als würde ich mich ganz anders duch die Klänge hindurch bewegen. Es war fast schon surreal, wie die Lieder, wie Jonis Gesänge, und zwar alle auf diesem Album, mich einfingen, umgarnten, beseelten. Und der einzige Zaubertrank, den ich zuvor zu mir genommen hatte, war ein kaltes Glas Ovomaltine.

  • Die letzte Endeckung des Jahres

    Tommy Perman und Andrew Wasylyk made a wonderful album on Clay Pipe Music, and they will be my first interview partners in 2025. „Ash Grey And The Gull Glides On“ will be, simply said, a revelation for all friends of Cluster, Moebius & Roedelius with or without Eno, Boards of Canada, the moody side of experimental electronica, though it sounds different from all names mentioned, and never strolls along well troden paths. You can easily fall for this album full of surprises and sidesteps – the old playbook doesn‘t work here. A little wonder.

    Einer schreibt, und so launig versuchen manche Kritiker zu umschreiben, was sie hören, mit Stichwörtern und Vergleichen, die allesamt ein wenig hinken und treffen zugleich. „Das eröffnende, gedämpfte, flatternde Climb Like A Floating Vapour beginnt fast wie Dub-Techno, bevor Saxophon und Klavier es in etwas verwandeln, das an eine moderne Soft Machine erinnert.“ Oder : „“Remain In Memory“Full Of Light ist ein sehr cooler Kontrabass-Groove. Das Stück, das sich um mehrere Mantras – „Hand zu Hand, Herz zu Herz“ – gruppiert, bewegt sich in einem Bereich zwischen den US-Post-Rockern Tortoise / Isotope 217 und Sun Ra’s Twin Stars Of Thence“. „Ash Grey And The Gull Glides On“ ist im Nachhinein bei meinen zwanzig Lieblingsalben des Jahres gelandet.

  • Fernfahrer

    Meine kleine Reihe über die Suche nach meinem Blutsbruder ist noch nicht zuende erzählt. Zwar endete die Suche selbst so traurig wie nur irgend möglich, mit der Nachricht seines Todes Ende September, und in dem Bewusstsein, ihn im Juli nur um drei Häuser verpasst zu haben. Aber natürluch brachte das alles eine Flut von Erinnerungen mit sich aus der Zeit zwischen dem fünften und zwölften Lebensjahr, ein Quantum Wehmut, und die Wederbegegnung mit alten Volksschulkameraden, die ich erstmals nach Ewigkeiten wiedersah. Ihnen werde ich demnächst wieder begegnen, „Im Alten Dorfkrug“ oder sonstwo im Südwesten meiner alten Heimat. Ich hoffe, K. besiegt seine Erkrankung, M. hält weiter die Ohren steif, und ich sehe endlich seine Schwester wieder, das „Gedächtnis vom Weissdornweg“. Dann kramen wir noch ein paar alte Dinge zusammen.

    Eine rein sentimentale Angelegenheit? Es geht nicht nur darum, sich an alten Geschichten zu erfreuen – mit der da stets mitschwingenden Traurigkeit. Oder doch – vielleicht ist das schon alles. Naja, da ist schon noch mehr im Spiel. Wäre meine Kindheitsgeschichte mit Matthias ein Film, im Soundtrack wäre sicher „The Fun Of Watching Fireworks“ dabei, vom American Analog Set. Und lauter alte Lieder aus der Zeit zwischen 1961 und 1966, auch alte Schlager, sowieso „unser“ Donovan, und eine Fernsehserie aus der alten Bundesrepublik, „Fernfahrer“, die damals, Sonntags um die Mittagszeit, über die Mattscheiben flimmerte, und Matthias und ich sahen die eine und andere Folge gemeinsam. Es war uns ein Fest. Komm, wir machen eine Zeitreise: HIER ist eine Folge daraus.

    (Als das dritte Schuljahr begann, kingelte Matthias bei mir. Mein Vater hatte mir gerade eindringlich mitgeteilt, jetzt begänne „der Ernst des Lebens“. Das erzählte ich Matthias sofort, noch bevor wir über den Spielplatz gingen, und bei Zurli klingelten. Ich lachte laut: „Mattes, das erzählte mir mein Vater schon letztes Jahr. Aber der Ernst des Lebens kann doch nicht jedes Jahr anfangen. Das geht doch gar nicht.“ Wir hatten unseren Spass daran, die Vernunft unserer Eltern so kindlich wie gewitzt auszuhebeln!)

  • A playlist of dreams


    If they would ask me to make a surprising Klanghorizonte hour on the last evening of 2024, it would look like this, including reissues and albums from the near future besides music from the near future, as well as  stuff at hand by now. Of course, one piece or another will end up in my March show, and maybe all. Merry christmas!

    01 – Trees Speak: Timefold
    02 – Feliciá Atkinson: Space As An Instrument
    03 – Andrew Wasylyk / Tommy Perman: Ash Grey And The Gull Glides On*
    04 – Rainer Brüninghaus: Freigeweht
    05 – Jon Balke: Skritum**
    06 – Joni Mitchell: Hejira Demos
    07 – Ambrose Akinmusire: Honey From A Winter Stone
    08 – Sam Amidon: Salt River***
    09 – Alice Zawadski / Fred Thomas / Misha Mullova-Abbado: Za Górami 
    10 – V.A. – Even the Forest Hums: Ukrainian Sonic Archives 1971-1996 
    11 – Terry Riley: Shri Camel**** 

    * an interview with Tommy Perman or even both men from Scotland is in preparation.  

    ** the forthcoming album of Jon Balke will be released at the end of February. From the very first note, Norway’s Jon Balke proposes a new sonic dimension with Skrifum, continuing a line of inquiry begun with Warp (2016) and Discourses (2020), solo piano albums which also processed the acoustic environment in which the music was heard.

    *** „whether he’s covering Mariah Carey like she’s Bessie Jones or working with the likes of Nico Muhly and Thomas “Doveman” Bartlett, Sam Amidon has always pondered just what’s so folk about folk music. For Salt River he promoted the experimental jazz saxophonist Sam Gendel from sideman to full collaborator, and together, they emphasise the synthlike quality in Amidon’s spidery guitar playing and the rhythmic elements of old folk tunes like “Golden Willow Tree”. Best might be their interpretation of the traditional ballad “Tavern”, which thrums with New Wave percussion, reeling fiddle and a breathtaking solo by Gendel. Folk bends under their queries, but doesn’t break.“ (Uncut, Jan. 2025)

    **** i lost a copy of this Riley album years and years ago. I just remember I loved it,  and may look for a wonderful passage for the closing minutes.