„Stories From The Nerve Bible“
Schon ein spezielles Gefühl, seiner alten jungen Stimme zu begegnen, wie hier: mit einem Klick auf die „Portrait-Zeile“ wird man zu meinem Gespräch mit Laurie Anderson und allerlei Stories (u.a. aus dem New York der Reagan-Jahre in den Achziger) entführt. Der aktuelle Anlass war ihr gerade zur Veröffentlchung anstehendes Album „Bright Red“. Ich hörte daraus erstmals einen „rhythm track“ in Brian Enos altem Studio in Kilburn, als ich ihn, noch vor der Internet-Zeit (bevor es jedenfalls richtig losging) besuchte, um 1993, an einem tropischen Tag in London, über sein Album „Neroli“ zu sprechen. Der einige berufliche Anlass der Reise. Im Sommer darauf hatte ich eine gute alte Promo-Kassette im Urlaub in der Toskana dabei, von „Bright Red“, und bald traf ich Laurie in Köln.
„A portrait of Laurie Anderson anno 1994“
Icn sah sie drei-, oder viermal live, unvergessen ihre Konzerte in der Essener „Lichtburg“ und in der Philharmonie in Köln, beiden in den 1990er Jahren! Später traf ich sie in Kristiansand bei eiinem Punktfestival wieder. Schon damals waren und blieben meine Lieblingsplatten von ihr „Big Science“, „Mister Heartbreak“ und eben „Bright Red“. Ihre Stories im Interview lockten auf interessante Abwege. Meine Erinnerung an ihre Nepalreise führte dazu, diese Sendung ausgraben zu lassen, damit ich sie in meiner Abschiedsvorstellung verwenden konnte.

„Studiozeit“ war in den frühen 1990ern noch der Oberbegriff dieser von der Jazzredaktion (Harald Rehmann) betreuten Portraitreihe – damals konnte ich daher noch Küntler ausserhalb des Jazz vorstellen wie Steve Reich, Simon Jeffes, oder Brian Eno. Die wanderten dann aber bald in die nächtlichen „Horizonte“. Auf meiner Wunschliste für weitere Ausgrabungen: meine Sendungen mit und über Michael Naura, Charles Lloyd, Peter Rühmkorf, John Zorn, Jon Christensen, Stephan Micus, Paul Motian, Charlie Haden und und und …. Harald war mein Mentor, als ich ohne Vorerfahrungen, Beziehungen, Sprechertiehung und sonstige „Starthilfen“ zum Radio kam. Neben Volker Bernius (HR) und Michael Naura (NDR). Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich diesem „Trio“ bin!
Wenn das alles zutrifft, was ich mitkriege, findet im nächsten Jahr, was dem ganzen Bereich nicht-klassischer Musik angeht, ein Kahlschlag ohnegleichen im DLF statt. Bye, bye, Autorenradio! Ich hoffe, dass von der jüngeren Generation z.B. ein Klassekollege wie Niklas Wandt weiterhin, wo auch immer, solche free-style-Sendungen a la „Klanghorizonte“ machen kann. Und mindestens 36 Jahre, Alter! Ich hatte das Glück, so lange dabei zu sein. Eigentlich machte ich meine letzte Radionacht 2021 im Bewusstsein, zum letzten Mal die Klanghorizonte zu machen. Aufgrund des Engagements von Thomas Loewner konnte ich noch fünf Jahre weitermachen, zur „prime time“ sogar. Dank dafür!
Ein Kommentar
radiohoerer
Danke, Micha!
Laurie Anderson begleitet mich schon, seit Walter Bachauer sie Ende der 70er Jahre in seiner Musikarium-Sendung gespielt hat! Er hatte eine verrückte Musikauswahl. Seitdem höre ich Laurie immer wieder sehr gern. Ihre „United States Live Box” von 1985 habe ich mir für DDR-Mark gekauft. Fragt lieber nicht, wie viel Geld das war … Ihr seht schon, wie wichtig mir Laurie ist. „Bright Red” ist mein absoluter Liebling, und die letzten 20 Minuten sind ein Traum. Mehr will ich gar nicht herausgreifen. Für mich ist sie eine großartige Geschichtenerzählerin. Hört dazu das Interview mit Micha. Ich hoffe sehr, noch viel von ihr zu hören.