„Surrender, my dear!“

„For a long time, releasing this music seemed impossible. The loss felt too sudden, and the emotional connection too profound. As time passed, it became clear that these twelve musical encounters should have life outside the archive. To honor Ryuichi’s wish, these pieces are now being released as the continuation of a dialogue that extends beyond the physical.“

So endet der Begleittext von Carsten Nicolai alias Alva Noto zu der am kommenden Freitag erscheinenden Arbeit „12 Conversations“ von Sakamoto und Noto. Rasch lösten sich die typisch feuilletonistischen Reflexe griffiger oder halbwegs origineller Worte zur Musik in Luft auf. Wie bei den Alben „Belladonna Nocturne“ von Daniel Lanois und „Sol.Hz“ von Seefeel machte sich mehr und mehr Sprachlosigkeit breit, ein Begleitphänomen reinen Verblüfftseins. Ohne das ausdrücklich zu erwähnen, habe ich drei Stücke dieser in jedem Format erhältlichen „Langspielplatten“ im ersten Teil meiner kommenden „Horizonte“ untergebracht, mit dem Obertitel „Nocturnal Green“. Wie der Titel von Teil 2 suggeriert, „Red Cabrio in Los Angeles“, nimmt die Musik, flapsig gesagt, Fahrt auf, und zum Ende hin wirds gleich eine ziemlich wilde. Ein rotes Cabrio in L.A.? Der Drummer von Michael Jackson? Nicht, dass Sie sich im falschen Film wähnen, und jetzt jemand an „Bullitt“ denkt, mit Steve McQueen, Jacqueline Bisset, und einer furiosen Verfolgungsjagd. Der Film mit dem keine Gefangenen machenden Soundtrack von Lalo Schifrin wurde ja auch in San Francisco gedreht. (m.e.)

5 Kommentare

  • flowworker

    Ich war gestern natürlich bei der Veranstaltung mit Carsten, wo er ausführlich und für viele Anwesene auch sehr berührend über seine Jahrzehnte lange Freundschaft und Zusammenarbeit mit Ryuichi gesprochen hat. Er berichtete auch, wie sich die Zusammenarbeit von der ersten Begegnung in Tokyo 1998 über einen ersten Noto-Remix für eine Sakamoto-Bossa-Nova-Aufnahme und die vielen verschiedenen Alben bis zum neuen Album entwickelte. Ryuichi schicke Carsten die Stücke des Albums „12“, sagte aber nicht, welches Stück er gerne bearbeitet sehen wollte, also nahm Carsten die Herausforderung eigenmächtig an, alle 12 Stücke zu bearbeiten. Er war dann überrascht, dass, als er alle Stücke bearbeitet hatte, das Album „12“ rauskam. Sakamoto wünschte, dass die überarbeitete Fassung auch igrendwann veröffentlicht würde, aber C.N. meinte, da müsste genügend Abstand sein. Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof schien ihm dann nach zweieinhalb Jahren ein guter Anlass für die Veröffentlichung zu sein.

    Die Ausstellung ist sehr zu empfehlen, aber ich muss vorwarnen, dass man genügend Zeit und auch Ruhe mitbringen muss. In einer halben Stunde wird man den Arbeiten nicht gerecht -– vor allem audiovisuelle Arbeiten, C.N. hat zwei neue Filme mit Musik von „12“ gemacht, als Teil eines größeren Fimprojekts, das er vor einiger Zeit entwickelt hat, Weerasethakul und ist zwei einen installativen Filmen basierend auf Musik von „asnyc“ verterten, und auch Shiro Takatani hat mit „asnyc“-Musik gearbetet. Der Fokus liegt auf den letzten Jahren Sakamotos, auf seiner Auseinandersetzung mit der Krebserkrankung und dem Bewusstseins seines nahenden Todes.

    https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/hamburger-bahnhof/ausstellungen/detail/ryuichi-sakamoto

    (i.j.b.)

  • flowworker

    Ah, sehr interessant. Habe nach meinen „Berechnungen“ wohl nur 45bis 90 Sekunden, um über „12 Conversations“ zu sprechen im Radio, ich hoffe, die Balance von sinnlicher Sprache und Information gelingt.

    12 conversations, ein Album, das für mich wunderbar in die Erlebnissphäre „spirituelle Musik für Agnostiker“ gehört, wie die beiden andern meines „Trios“.

    Stephan Kuntze von Zen Sounds würde da wohl gleich das neue Album Oblique von Ghost Dubs mit ins Feld führen, das bald erscheint (könnte was sein für alle, die dem Weg von Rhythm & Sound über all die Zeiten gefolgt sind und das Genre nicht für ausgereizt halten…)

    Immerhin habe ich vor zwei Wochen herausgefunden, dass der Hamburger Bahnhof in Berlin ist:)

    m.e.

  • Stephan

    Quote from Stephan K aka Mr. Zen Sounds:

    I’ve been arriving at the conclusion that melodic, jazzy and dubby techno might actually be my favorite music in the world.
    This realisation struck me just recently, after many hours of revisiting my favourite CDs from Detroit and Berlin on my early ’90s Denon stereo hi-fi system.

    Heute morgen kam dieses kleine Credo.

    Kleiner Zusatz von m.e.: auch wenn ich in
    manchen Beiträgen zuletzt von Hölzchen auf Stöckchen springe, passiert genau das nicht, wenn ich diese drei Alben höre… da bringe ich jedesmal „alle Zeit der Welt“ mit, und insofern ist dies „actually my favourite (instrumental) music in the world.“

  • Olaf Westfeld

    Freue mich auf die Ausstellung (und das Album sowieso). Wäre auch gerne bei dieser Eröffnungsveranstaltung gewesen, insofern gut dass ich darüber lesen kann.

  • ijb

    Zur Eröffnungsveranstaltung habe ich es leider nicht geschafft. Es sind einfach letzte Woche viel zu viele Sachen gleichzeitig in Berlin gewesen – und außerdem versuche ich ja auch noch, was zu arbeiten.
    Am Abend der Eröffnung war ich in der Philharmonie bei Brett Dean (der persönlich zu einem Einführungssespräch vor dem Konzert kam).
    DIe Gesprächsveranstaltung gestern mit Carsten Nicolai stand allerdings schon viele Wochen unverrückbar in meinem Kalender.

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