„How deep is your love“

In der SZ wird in der Wochenendausgabe auf den Film „Saturday Night Fever“ hingewiesen, der heute Abend auf Arte um 20.15 Uhr läuft, als „einer der zentralen Filme, die parallel zu den Zeitläuften das Lebensgefühl der westlichen Siebzigerjahre-Jugend einfangen“. Nun, so stromlinienförmig lief das damals nicht ab, und wenn man bei vielen Einzelwesen von damals das „Herausrevoltieren“ aus konservativen Kreisen nachzeichnet, tritt immer wieder Überraschendes zutage. Von Anfang an fand ich die von John Travolta gespielte Figur kurz-vor-ätzend. Trotz meiner gesammten romantischen Sehnsüchte und Transzendierungsideale: die Disco-Welt kam darin nicht vor, sie hatte zuviel Glitzerpomp und Balzgehabe für mein Empfinden. So dauerte es durchaus lange und war schon fast detektivischem Rückblick geschuldet, dass mir eines klar wurde: wie wunderbar und, ja, auch sehnsuchtstrunken, der Soundtrack der Bee Gees für „Saturday Night Fever“ ist. Wenn man ihn nur trennte von diesen angestrengtem Rumgewuppe zwischen Neonlicht und Discokugeln. Von der exzessiven Haarpflege ganz zu schweigen! Ich erinnere mich an einen Besuch mit meiner grossen Liebe der 1970er in einer Diskothek jener Jahre. In Würzburg.

Frisch verliebt waren wir, und es lief ein Song von dem wunderbar ausgeflippten ersten Kate Bush-Album, und sehr zu meiner Freude, mein Lieblingssong von 10CC, „Dreadlock Holiday“. Ich lotste meine hinreissende Christiane auf die Tanzfläche, wir schwangen die Hüften, und ich konnte meinen Blick kaum abwenden von ihrem alsbald herrlich verschwitzten Gesicht. I wanted to kiss her forever! Rückblickend war das der einzige haftengebliebene „Disco-Moment“ meines Lebens, schon damals etwas verleidet dadurch, dass Afroamerikanern der Zutritt verwehrt blieb. In unserem Liebesnest im Internationalen Studentenhaus lief dann, vor und nach Mitternacht, und früh am Morgen, der „Soundtrack unseres Lebens“, „Desire“ von Bob Dylan, „Zuma“ von Neil Young, und „Yellow Fields“ von Eberhard Weber. Thank you for the days!

Ein Kommentar

  • History

    In den 1970er Jahren war der Einlass von Afroamerikanern (häufig US-Soldaten oder deren Angehörige) in deutsche Diskotheken oft von Alltagsrassismus, Vorurteilen und exklusivem Türsteher-Verhalten geprägt.

    Fehlendes „Konsumentenprofil“: Viele Clubbetreiber befürchteten, ein hoher Anteil an afroamerikanischen Gästen würde das „weiße“ deutsche Publikum abschrecken. Sie wollten ein bestimmtes, homogenes Image für ihre Diskotheken wahren.

    Vorurteile und Stigmatisierung: Es gab latente Ängste und rassistische Stereotypen. Afroamerikanische GIs wurden von Teilen der deutschen Bevölkerung fälschlicherweise oft als „aufdringlich“ oder gewaltbereit wahrgenommen, was von Türstehern als Vorwand für pauschale Abweisungen genutzt wurde.

    Geschäftemacherei: Viele Clubs hatten strikte Vorgaben für das „Boy-Girl-Ratio“ (ein ausgewogenes Verhältnis von Männern und Frauen). Oft wurden Gruppen von Soldaten einfach als „Störfaktor“ für das Flirten und den Konsum der restlichen Gäste angesehen.

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